Sie sind unterwegs!

Heute sind Daphe und Gentoo in Richtung Madeira bzw. den Kanaren gestartet. Wir wünschen euch eine gute Reise und feinen Wind aus der richtigen Richtung. Die Windvorhersage sieht gut aus, wir würden dieses Wetterfenster wohl auch nutzen, wenn wir so in Eile wären. Als Teilnehmer der ARC müssen sie zur rechten Zeit in Las Palmas sein.

Leerer Liegeplatz

Damit sind wir mal wieder eines der langsamsten Boote. Die Fairytale ist uns davon gefahren und auf dem Weg ins Mittelmeer. Also werden wir Karma wahrscheinlich nicht mehr sehen. Die Milena Bonatti ist schon auf Gran Canaria. Wo sich die Tonic und die Cosa aufhalten, wissen wir nicht.

Wir sind nicht zum Ankern rausgefahren, weil heute die Roede Orm nach Lagos in die Marina kommt. Wir fahren morgen und freuen uns auf das Wiedersehen heute Abend.

Inzwischen frage ich mich nicht mehr, ob wir zu langsam sind. Wir sind genau so schnell, wie wir sein sollen und wollen. Wir fahren mit dem richtigen Tempo. Wir fahren mit unserer Geschwindigkeit und werden die Boote wieder treffen, die nicht ins Mittelmeer abgebogen sind. So viel ist sicher. Wir wissen nur noch nicht, wo und wann das sein wird.

Trübe Aussicht

Wir verschweigen nichts. Wir berichten live von unserer Segelreise. Wir setzen alles daran, Neid bei euch zu Hause in Deutschland zu erzeugen. Und jetzt das. Es gießt aus Eimern.

Regen in Lagos

Schon in Sines hatten wir ordentlichen Regen. Da kam er allerdings in der Nacht, hat uns ein wenig überrascht und für sehr viel Nässe im Schiff gesorgt. Jetzt haben wir in Lagos schon wieder Regen. Hat Wikipedia etwa recht? In Portugal soll von Oktober bis März die regenreichste Zeit sein. Das stimmt offenbar. Es regnet und das nicht zu knapp.

Wir sind ein wenig unmotiviert und haben heute Sissi noch nicht verlassen. Statt dessen haben wir aufgeräumt, gründlich geputzt und polieren jetzt das Blog bzw den Instagram-Account.

Flüssiger Sonnenschein

Gestern hörten wir zuerst das Eintracht-Spiel gegen Leverkusen im Radio. Beim 3:0 Heimsieg konnten wir oft genug unseren Torjubel in der Marina verteilen. Anschließend hatten wir, die Sissis, einen schönen Abend mit den Gentoos (Danny, Marc und Mathilda), den Daphnes (Uta und Michael) und der Zora (Susanne) auf der Gentoo. Eine schöne Runde. Das Cockpit der Gentoo war wegen Überfüllung fast schon geschlossen.

Der Abend brüllt fast nach einer Wiederholung, doch Wiederholungen gibt es im Leben nicht. Morgen starten die Gentoos Richtung Kanaren, die Daphnes wollen vorher noch nach Madeira und wir suchen uns eine schöne Ankerbucht. Außerdem soll der Regen morgen durch sein.

Regenbogen

Langsam, aber so richtig langsam

Nach einem schönen Tag und einer weiteren Duschorgie in Sines haben wir um 20 Uhr die Leinen losgemacht und sind in Richtung Lagos gestartet. Dort hatten wir eine Reservierung in der Marina für den Folgetag, die uns Marc von der Gentoo besorgt hat. Es war wohl der letzte Platz, der zu bekommen war. Danke, Marc!

Wie vorhergesagt setzte der Wind gegen 21 Uhr ein. Wir stoppten den Motor und segelten auf einem fast idealen Kurs die Küste entlang. Zunächst jedenfalls. Es war wenig Wind und wir liefen nur mit drei Knoten, doch immerhin konnten wir segeln.

Unser Weg nach Lagos

Wir segelten die ganze Nacht durch bis um 10 Uhr am folgenden Morgen. Das sieht man schön auf dem obigen Bild. Der Wind drehte zu unseren Ungunsten (war nicht so vorher gesagt) und nahm nicht an Stärke zu (was vorhergesagt war). Mal wieder war der Wind also ein unsteter Geselle. An der Stelle, wo die Zickzacklinie aufhört und die gerade Motorlinie nach Süden beginnt, hatten wir uns lediglich 20 Meilen von Sines entfernt, sind aber dafür 14 Stunden unterwegs gewesen. Das ist echt so richtig langsam.

Das Cabo Sao Vicente wollte und wollte nicht näher kommen. Also warfen wir unsere guten Vorsätze über den Haufen und starteten den Motor wieder. Der brachte uns dann in 10 Stunden die restlichen 55 Meilen nach Lagos. Ich möchte gar nicht an den guten Diesel denken, den wir hier verschleudert haben. Wir hätten auch noch zwei Tage lang die Brauerei in Sines besuchen können und dort auf besseren Wind warten. Haben wir aber nicht, wir sind in Lagos.

Leuchtturm am Cabo Sao Vicente

Kurz vor dem Sonnenuntergang passierten wir das Cabo Sao Vicente. Die Felsen sind beeindruckend und die Wassertiefe gibt es her, dass man hier ganz dicht heran fahren und fotografieren kann.

Cabo Sao Vicente

Ebenfalls beeindruckend war das Wasser, das durch die Gegend spritzt, wenn es in den Löchern und Höhlen an den Klippen einschlägt.

Natürlich haben wir es nicht mehr vor 19 Uhr bis nach Lagos geschafft, konnten also nicht in die Marina einfahren. Vor der Marina ist eine Fußgänger-Klappbrücke, die nur zu den Öffnungszeiten des Marinabüros bedient wird. Wir übernachteten also am Wartepontoon und haben selten so ruhig geschlafen. Am nächsten Morgen kamen wir dann in den Hafen hinein.

So langsam sind wir noch nie gesegelt.

Ins Wasser gefallen

Wir sind immer noch in Sines. Heute Nacht hatten wir hier ein Naturereignis besonderer Art. Als ich heute früh aufgestanden bin, war der Teppich im Salon ziemlich nass. Auch im Cockpit stand das Wasser in Pfützen.

Zum Glück hatte ich vor dem Schlafen noch die Dachluke über unserer Koje geschlossen. Sonst hätten wir das Wasser auch im Bett. Dann wäre der Regen jedoch in der Nacht nicht unbemerkt geblieben.

Wann hätten wir eigentlich den letzten Regen? Ein paar Minuten in Roscoff. Ein paar Tropfen in Porto. Der letzte starke Regen war auf Islay, da gab es einen oder zwei Regentage. Und im Caledonian Canal. Seit dem brauchten wir keine Regensachen mehr. Wikipedia schreibt, dass in Portugal von Oktober bis März der meiste Regen fällt.

Wir haben den Regen verschlafen, nicht einmal damit gerechnet. Unsere Schuhe standen über Nacht auf dem Steg und sind jetzt triefend nass. Sie wollen getrocknet werden. Zum Glück ist noch eine alte Zeitung da.

Schuhe trocknen

Außerdem trocknen wir gerade das Schiff. Die Abfahrt heute ist ins Wasser gefallen. Positiv daran ist, dass wir Sissi nicht von der Salzkruste des gestrigen Am-Wind-Kurses befreien müssen. Das hat die Natur gründlich für uns erledigt.

Das ist alles nicht so schlimm. Sines hat mehr als einen Spaziergang zum Supermarkt verdient. Guten Wind bekommen wir wieder und zur Not ist unser Dieseltank noch fast ganz voll. Seit dem Tanken in Vigo hatten wir kaum Motorstunden. Wenn es nicht mehr regnet, gehen wir Vasco da Gama suchen.

Warm hier.

Wir wollten das ja so. Wir wollten in den Süden. Wir sind auf dem Weg zur Barfußroute. Aber dass es jetzt plötzlich wieder so heiß ist, wie hier vor den Toren Lissabons, damit hätten wir erst einmal nicht gerechnet. Seit wir in Portugal sind, frieren wir am Abend immer, wenn die Sonne sich schlafen legt und die kühle Luft vom Atlantik her reinkommt.

Jetzt hat sich die Wetterlage gerade ein wenig gedreht. Es herrscht extreme Flaute, kein Lüftchen regt sich. So hat die Sonne hier eine Chance, uns richtig einzuheizen. Tagsüber liegen die Temperaturen um 26°C herum, nachts sind es dann angenehme 21°C. Mal sehen, wie es in dieser Beziehung noch weiter geht.

Bei diesen Temperaturen ist es sehr schade, dass von zwei Duschen der Marina eine komplett ausgefallen ist. Die andere liefert seit gestern nur noch kaltes Wasser, irgendwo scheint da ein Rohrbruch in der Warmwasserleitung zu sein. Sollte man eigentlich zügig reparieren.

Sissi in Oeiras – mit Sonnensegel

Wir haben das Sonnensegel in den letzten Wochen nicht oft gebraucht, es war einfach nicht warm genug. Jetzt ist es wieder über das Cockpit gespannt und spendet Schatten. Außerdem lenkt es den wenigen Wind so um, dass er quer durch Sissi hindurch weht und angenehmen Luftzug spendet.

Außerdem passieren bei diesen Temperaturen merkwürdige Dinge. Jens, der bei seinen T-Shirts immer auf die korrekte Farbe achtet (Schwarz!), hat plötzlich andersfarbige Textilien aus seinem Portfolio gezogen.

Jens in einem weißen T-Shirt

Dass Jens mal mit einem nicht-schwarzen T-Shirt auf einem Bild zu sehen ist, hätte ich mir bislang nicht vorstellen können. Ein klarer Verstoß gegen die Kleiderordnung.

Morgen soll sich das Wetter nicht ändern. Am Dienstag ist Starkwind vorher gesagt. Wahrscheinlich starten wir am Mittwoch zur Weiterfahrt. So lange schauen wir uns noch die Sehenswürdigkeiten von Lissabon an. Außerdem mach Oeiras auch Spaß! Die Surfer hier stürzen sich in die größten Wellen. Zuschauen mit garantiertem Nervenkitzel!

Portugiesische Segelbootfallen

Und wieder einmal haben wir eine Flaute an einem schönen Ort ausgesessen. Peniche hat uns sehr gut gefallen. Wieder einmal gilt es, die Leinen los zu machen und weiter zu segeln. Die Windvorhersage verspricht für den ganzen 2. Oktober stabilen Nordwind mit 12 bis 15 Knoten Stärke. Perfekt. Auch dass wir am Abend noch eine schwarze Katze gefunden haben, die sich hat streicheln lassen, war ein gutes Omen.

Schwarze Katze mit Streichelmöglichkeit

Nach einem Abschiedsbier mit David verabschiedeten wir uns schon zu früher Stunde, damit wir am folgenden Tag frühzeitig starten können. Natürlich hat der letzte Teil des Plans nicht funktioniert, wir starteten die Maschine gegen Mittag, da war David schon lange unterwegs. Was sind wir für Langschläfer…

Kaum waren wir aus dem Hafen heraus, stand schon der passende Segelwind bereit. Wir rollten die Genua aus, das Groß brauchen wir bei dem Rückenwind nicht und für den Parasailor war die Strecke definitiv zu kurz. Einhängen der Windfahne und abhängen auf dem Boot gingen miteinander her. Wir freuten uns, dass die portugiesische Küste langsam an Sissi vorbei getragen wurde.

Segelbootfallen
In der Nacht sind sie schwer zu sehen, die portugiesischen Segelbootfallen. Tagsüber ist es leicht. Die Fischer hinterlassen diese Fallen nicht um Segelboote zu fangen, die Gefahr ist aber groß. Ich habe immer Bammel, dass wir in der Nacht bei Motorfahrt so ein Fähnchen übersehen, überfahren und dann das Seil mit dem Fanggerät um unseren Propeller zu wickeln.

Segelbootfalle

Solche Segelbootfallen gibt es in allen Ländern, die wir bislang bereist sind. In Portugal scheinen sie mir aber besonders häufig. Man findet sie auch sehr weit draußen noch, wenn das Wasser schon 100 Meter tief ist.

Denen in Peniche konnten wir problemlos ausweichen, unter Segeln besteht auch keinerlei Gefahr für den Propeller. So genossen wir die Reise, saßen in der Sonne und im Schatten herum und freuten uns auf Lissabon. Auf dem AIS konnten wir schön sehen, dass in einer Enfernung von drei Meilen parallel zu uns noch zwei andere deutsche Segelboote unterwegs waren, dazu war noch ein Däne auf Parallelkurs. Regattagefühl mochte sich aber nicht einstellen, denn der Wind schwächelte und hatte nur noch zwischen 8 und 10 Knoten Stärke. Das genügt gerade, um unsere Genua noch stehen zu lassen und mit ca. 3 Knoten Fahrt langsam voran zu kommen. Das ist okay, Hauptsache segeln. Den Motor möchten wir nicht gerne brummen hören.

Alarm! Mann über Bord!!!!!!!!!
Ich war gerade an der Bearbeitung der Bilder von Peniche, als plötzlich unser Navigationscomputer in den Alarmmodus ging. Mann über Bord. Ein SART-Transmitter eines der anderen Segelboote hatte ausgelöst. Scheiße. Und das bei diesem ruhigen Wetter. Wie kann das passieren?

Jens begann sofort, sich um die Windfahne zu kümmern. Wenn wir dort zu Hilfe kommen wollen, müssen wir mit Motorkraft auf dem schnellsten Weg zur Unfallstelle fahren. Dabei kann uns die Windfahne nicht helfen. Ich klemmte mich ans Funkgerät, um mit dem Boot Kontakt aufzunehmen, zu dem der Transmitter gehört. Nach einem kurzen Gespräch mit dem “Unfallopfer” konnten wir uns wieder entspannen, denn der Crew war wohl nur langweilig, sie haben ihre Transmitter getestet. Blöderweise halt nicht mit der Testfunktion, sondern durch Auslösen eines echten Alarms. Das ist sogar der Küstenwache nicht verborgen geblieben. Wenige Minuten später kam ein Funkspruch von jenem Boot, dessen Namen ich hier nicht schreiben mag, dass es sich nur um einen Test handelte. Glück gehabt, ein Mensch im Wasser ist das Schlimmste, was einem auf einem Segelboot passieren kann.

Regatta
Ein paar Stunden später meldete sich David bei uns. Er hätte auf dem AIS gesehen, dass wir ihn gerade überholen. David war zwei Stunden vor uns gestartet. Toll, dachte ich mir, Sissi ist doch eine ordentliche Regattajacht. Allerdings zogen die deutschen Boote und der Däne davon. Wir konnten ihnen nicht folgen.

Das war uns einigermaßen egal. Durch die langsame Fahrt konnten wir uns eine Ankunft bei Tageslicht sowieso abschminken. Eine Ankunft bei Nacht mögen wir lieber nach als vor Mitternacht, denn nach Mitternacht bekommt man die erste Nacht kostenlos. Diesen Rabatt nehmen wir immer gerne mit, Dunkelheit sieht um 23 Uhr genau so aus wie um 1 Uhr.

Hauptantrieb schwächelt, stottert und hält dann doch
Nach der Herstellung und dem Verzehr einer für Jens absolut lebenswichtigen Lasagne mochte der Wind eine Weile nicht mehr mitspielen. Aus 10 Knoten wurden nur noch 8 Knoten, dann 6 Knoten und wir überlegten uns schon, die restlichen 20 Meilen bis Oeiras mit der Maschine zu fahren. Immer wieder bewegte sich Sissi in der Dünung und die Genua flatterte wild im Lüftchen, der Vorstag zitterte und die Leinen krachten. Das Gefühl ist entsetzlich, solche Schläge gibt es bei 9 Beaufort nicht. Dann kam der Wind aber wieder und wir konnten weiter segeln. Ich legte mich ins Bett.

Wir wollten auf jeden Fall vor 6 Uhr in der Marina sein, denn die Wettervorhersage versprach später nur noch Flaute. Den ganzen Tag war schon weniger Wind, als uns in der Prognose versprochen wurde, so hörte dann um 3 Uhr in der Frühe auch der Wind komplett auf zu blasen. Was heißt blasen, er hörte auf zu pusten.

Also wurde Onkel Benz angeworfen, die Genua eingerollt und für die letzte Fahrstunde auch noch einmal der Watermaker bemüht. Wir wollen ja genug Trinkwasser haben. Auf dem AIS konnten wir den beiden deutschen Segelbooten bei ihren Ankerversuchen vor Cascais zusehen. Außerdem hatten wir noch einmal Kontakt zu David, den wir hinter uns gelassen haben und der uns mitteilte, dass er noch vier Motorstunden von seinem Ziel Sesimbra entfernt ist. Was hatten wir ein Glück mit der Tourplanung und dem Wind.

Beinahe-Crash
Nun waren sie wieder da, die Segelbootfallen. Da der Motor lief, mussten wir in der Dunkelheit gut Ausguck halten, ob wir nicht über ein solches Fischerfähnchen drüber fahren. Das ging ganz gut, obwohl vom Land her immer mehr Lichter die Dunkelheit verseuchten. Am Horizont konnten wir die Lichter der Brücke über den Tejo schon sehen.

Verkehrsampeln in Rot und Grün sind eine Zumutung für jeden Segler, der nach roten oder grünen Leuchtfeuern sucht. Die Straßenbeleuchtung gehört verboten, die lenkt einen von den Fischerfahnen ab. Und dann, kurz vor der Hafeneinfahrt, sehe ich in der Dunkelheit ein paar winzige LED-Leuchten glimmen, direkt vor unserem Bug. Noch so eine portugiesische Spezialität – unbeleuchtete, winzige Fischerboote, die direkt vor der Hafeneinfahrt ihrem Geschäft nachgehen. Wir passierten sie mit wenigen Metern Abstand. Die Fischer schienen uns gar nicht wahrzunehmen.

Landeanflug
Fast punktgenau um vier Uhr morgens fanden wir direkt gegenüber der Einfahrt einen freien Liegeplatz, vertäuten Sissi und genehmigten uns noch das obligatorische Anlegerbier.

Marina Oeiras

Nach dem Ausschlafen habe ich die Anmeldeformalitäten erledigt. Wir müssen noch einmal den Liegeplatz wechseln, dann können wir ein paar Tage hierbleiben.

Endlich: Lissabon!
Lissabon ist nicht nur eine schöne Stadt, die ich von einem Besuch vor ein paar Jahren mit dem Motorrad kenne. Lissabon hat auch eine Straßenbahn, da werde ich meinen Fotospaß bekommen und Jens wird sich fügen müssen. Zur Not stelle ich ihn mit Lasagne ruhig. Lissabon ist auch ein wichtiges Zwischenziel, der letzte größere Ort in Europa und die letzte Stadt auf dem Festland, die wir besuchen werden. Danach wollen wir noch für ein paar Tage an die Algarve und anschließend nach Madeira weiter fahren.

Im Hafen traf ich die Crew von der Lucky Star, die wir schon in Leixoes kennen gelernt haben. Wir sind für den Abend quasi schon halb verabredet. Und ich traf die Crews der beiden deutschen Segelboote, die wir gestern nur auf dem AIS gesehen und am Funk gesprochen haben. Ich werde mir ihr AIS-SART noch zeigen lassen, denn ich hätte nicht gedacht, dass die Reichweite von den Dingern so groß ist.

Heute fahren wir wohl nicht mehr nach Lissabon rein. Wir brauchen noch stabiles Internet, denn heute Abend spielt unsere Eintracht in Guimaraes . Und wir brauchen einen Fleischer, einen Gemüseladen und einen Supermarkt. Unsere frischen Vorräte sind irgendwo nahe bei Null. Morgen stehen wir früh auf (haha!) und nehmen die S-Bahn in die Stadt. Die fährt alle Viertelstunde und braucht auch nur eine Viertelstunde. So lasse ich mir das gefallen.

(Diesen Beitrag schreibe ich, nachdem die Internetverbindung hergestellt wurde. Das Hafen-WLAN scheint okay zu sein, HR1 spielt über das Internet. Reicht also auch für den Livestream von unserer Eintracht.)

Adieu Porto, auf nach Lissabon!

Endlich ist es so weit. Die Windvorhersage ist stabil und wir werden Porto am morgigen Tag verlassen. Wir wollen gleich nach Lissabon durchfahren, weil nach dem Wind gleich wieder ein mehrtägiges Flautenloch kommt. Irgendwie kommt hier der Wind entweder aus der Gegenrichtung oder er glänzt durch Abwesenheit. Doch morgen wird es gut, wir haben gute Chancen auf Wind bis Lissabon.

Vorher machen wir noch einen Spaziergang durch Palmeira, den Ortsteil an der Marina. Wir wollen schauen, ob wir noch eine Katze finden können.

Straßenkatze in Palmeira

Ein paar scheue Straßenkatzen können wir sehen. Sie huschen nach einem Foto gleich wieder davon. Für die eine oder andere Katze sind wir zu langsam. Doch ein paar Katzen bekommen wir vor die Objektive.

Bordsteinkatze in Palmeira

Eine einzige Katze lässt sich streicheln. Sie sitzt vor einem Kircheneingang und genießt die Streicheleinheiten für ein paar Minuten. Dann wird es ihr zu viel und sie verschwindet in die Kirche. Deswegen können wir kein gescheites Foto von ihr machen, wir waren viel zu sehr mit dem Streicheln beschäftigt.

Mauerkatze in Palmeira

Argwöhnisch beobachtet werden wir dabei von dieser Katze auf der Mauer, der das alles nicht geheuer ist und die sich sofort bei unserer Ankunft in die sichere Höhe begeben hat.

Da es Glück bringt, wenn man am Tag vor der Abfahrt noch eine Katze streicheln kann, haben wir nun alles, was wir für die Überfahrt nach Lissabon brauchen.

Tagein, tagaus

Jetzt sind wir schon so lange in Leixeos, dass ich mich gestern vom Hafenmeister habe fragen lassen müssen, ob wir uns an den Tag unserer Ankunft erinnern. Derzeit ist es auch nicht abzusehen, wann wir hier wieder weg kommen. Der Wind glänzt nämlich im Augenblick durch Abwesenheit und allzu viel Diesel wollen wir nicht verbrennen. Vielleicht gelingt uns am Samstag ja die Abfahrt, ansonsten sieht es Mitte bis Ende kommender Woche wieder besser aus.

Wir haben viel gemacht. Neben den Malerarbeiten haben wir auch andere Arbeiten am Schiff verrichtet. Sissi gibt uns immer neue Arbeiten auf. Wenn wir die nicht zeitnah erledigen, haben wir irgendwann einen riesigen Arbeitsstau. Das wollen wir nicht.

Eine Woche der Zeit hier haben wir damit verbracht, auf ein Paket mit Zubehörteilen aus Deutschland zu warten. Eine Stunde haben wir mit dem Auspacken verbracht. Von vier bestellten Fockschotschäkeln war immerhin einer im Paket. Dafür haben wir vergessen, ein NMEA-Verbindungskabel mitzubestellen, deswegen können wir ein neues elektronisches Spielzeug nicht in Betrieb nehmen. Der örtliche Seglerzubehörladen hat natürlich dieses Kabel nicht vorrätig.

Ansonsten ist Porto für mich die erste Großstadt auf unserer Reise, in der ich mich wieder richtig wohl fühle. Diese Stadt überflutet mich nicht, in dieser Stadt komme ich mit den vielen Touristen klar. Warum das so ist – keine Ahnung. Auf jeden Fall ist die Stadt sehenswert!

Katze in Leca de Palmeira

Die süße, verschmuste Katze, die wir auf dem gestrigen Weg zum Supermarkt gesehen haben, wollen wir auf jeden Fall noch einmal treffen.

Wir stressen uns nicht. Wir haben Zeit. Wir müssen keine Termine einhalten. Das ist toll.

Schrödingers Segel

Heute früh standen wir pünktlich um 9 Uhr vor der Tür der Segelmacherei. Zu behaupten, wir hätten dem Segelmacher höchstselbst die Tür aufgehalten, wäre eine Lüge. Er hatte den Laden schon kurz zuvor geöffnet.

Nach der Demonstration des Schadens kam die Bemerkung “c’est très compliqué”. Er erklärte uns, was er alles mit dem Segel anstellen muss. Natürlich haben wir uns die beste Stelle für die ausgerissene Öse ausgesucht. Ob er das Segel noch am selben Tag fertig bekommt, konnte er uns nicht sagen. Es klang eher so, als ob wir uns auf den Folgetag einstellen müssten.

Wir nahmen im Anschluss ein Touristenboot auf die Île de Batz und spazierten über die wirklich sehenswerte Insel. Es gibt dort zwar ein paar Autos, aber die Einheimischen fahren eher mit Motorrollern über die Insel. Die Landschaft ist wunderschön.

Auf dem Rückweg diskutierten wir über die Chancen, ob wir das Segel noch am selben Tag wieder bekommen oder nicht. Da sich die Chancen über den Tag nicht verändert haben und wir erst wissen konnten, ob das Segel repariert ist, wenn wir beim Segelmacher nachgefragt haben, nannten wir das Problem “Schrödingers Segel“.

Schrödingers Segel

Gegen ein paar Euros bekamen wir das reparierte Segel wieder zurück und haben es auch gleich angeschlagen. Nur für eine Abfahrt am Abend waren wir nach unserem Wandertag zu müde. So gibt es noch einmal leckeres, dreigängiges Abendessen mit Fischsuppe, faux-filet de boeuf und Kleinigkeiten aus der Pâtisserie.

Sehr optimistisch stimmt uns die Wettervorhersage für die nächsten Tage. Es sieht so aus, also könnten wir die Biskaya mit perfektem Wind überqueren. Ab Mittwoch oder Donnerstag soll er mehrere Tage konstant aus nördlichen Richtungen wehen. Genau das, was wir brauchen.

Auf dem Sprung

Bienvenue en France. Wir sind wieder auf der anderen Seite des Englischen Kanals angekommen. Wir sind im Land des guten Essens, der zivilisierten Sprache und des leckeren Weins. Wir sind in Frankreich.

Unser heutiger Segeltag von Roscoff nach Roscoff

Das habe ich doch schon einmal geschrieben, ich habe gerade ein Déjà-écrit. Wir sind doch heute losgefahren. Und wir sind heute wieder in Roscoff.

Das alles fing ganz prima an. Gestern haben wir mit der Wettervorhersage und den Stromkarten gearbeitet. Wir haben uns die optimale Abfahrtszeit ausgerechnet, um von Roscoff aus die Küste der Bretagne nach Westen abzusegeln, Kap Finistère zu umrunden und dann in den Hafen von Camaret-sur-Mer einzulaufen. Das wäre ein großer Schritt auf dem Weg nach Spanien gewesen, denn die hier meist westlichen Winde hindern uns am Vorankommen.

Noch in der Marina haben wir das zweite Reff in unser Großsegel eingebunden, denn es war starker Wind von 25 Knoten vorhergesagt. Der sollte dann im Laufe des Tages etwas stärker werden (bis 30 Knoten) – deswegen brauchten wir das zweite Reff. Frohen Mutes legten wir ab, genossen auf See zunächst einmal frisches Baguette mit einer Pâté de Lapin und erfreuten uns an acht bis neun Knoten Geschwindigkeit über Grund.

Die Freude hielt jedoch nicht lange an. Der Wind wurde viel schneller stärker, als wir das erwartet haben. Der Wind drehte auch zu unseren Ungunsten, was die Wetterfrösche für den Abend vorhergesagt haben. Am Abend hätten wir das für die Kursänderung nach Süden hin gebrauchen können, am Mittag war es nur lästig. Fünf bis sechs Meter hohe Wellen gestalteten die Reise anstrengend. Plötzlich rief Jens “das Groß ist am Arsch!!!”

Wir haben einen ca. 20 Zentimeter langen Riss im Großsegel, ein Reffbändsel hat seine Öse aus dem Segel gerissen. Nnngrrrmgrrrrn.

Die Entscheidung war einfach. Entweder weiter segeln bis Brest und irgendwie hoffen, dass wir dort einen Segelmacher finden. Während dessen würde der Riss im Groß sicher nicht wieder kleiner werden. Also wendeten wir und fuhren zurück nach Roscoff. Dort gibt es direkt am Hafen einen Segelmacher. Bei der Einfahrt nach Roscoff blies uns der Wind dann mit 45 Knoten entgegen. Da hat sich der Wind mal wieder nicht an die Vorhersage gehalten.

Wenn morgen der Wind wieder nachlässt, werden wir das Segel herunter nehmen und am Montag nähen lassen. Ich habe schon mit dem Segelmacher gesprochen, das ist eine Kleinigkeit und wird schnell gemacht. Nach vier Stunden Segeln haben wir heute also genau keine Meile in Richtung Spanien gut gemacht.