Kitsch

Heute habe ich einen Sonnenuntergang für euch. Nicht mehr und nicht weniger. Der Zeitraffer zeigt euch knapp zwei Stunden in zwei Minuten. Genießt den puren Kitsch!

Energieprobleme

Das mit dem tropischen Klima erklärt einem keiner vorher so richtig. Klar, es ist dort im Winter warm, deswegen fahren die Leute dahin in den Urlaub und erzählen hinterher allen Leuten, wie toll es gewesen ist. “Wir waren auf Martinique. Der Atlantik hatte genau die richtige Badetemperatur. Wir haben Schildkröten gesehen. Jeden Tag war es mindestens 28°C warm. Die Klimaanlage im Hotel war etwas kalt eingestellt, dabei haben wir uns erkältet.” Oder so ähnlich.

Bordthermometer heute Mittag

Ich möchte nicht zu viel meckern, aber Jens und ich sehen uns jeden Abend in den Tagesthemen die Wettervorhersage für Deutschland an, damit wir unserem Wetter wieder mehr Freude abgewinnen können. Eigentlich will ich nur meckern.

Wenn morgens ab 9 Uhr die Sonne etwas höher steht, verwandelt sich Sissi sofort in eine Sauna. Die Dachluken müssen in der Nacht geschlossen bleiben, denn es regnet in der Karibik ständig und dazu mit großer Stärke. Die Luftfeuchtigkeit ist um die 80% – je nach Temperatur. Auf dem Foto ist sie nur bei 74%, das macht das Leben aber nicht viel angenehmer. Ab 11 Uhr kann man sich eigentlich nicht mehr bewegen. Auf der Straße sind nur noch wenige Menschen unterwegs, die meisten befinden sich irgendwo im Schatten.

Am Nachmittag kehrt gegen 15:30 Uhr das Leben zurück auf die Straßen. Langsam, denn es ist immer noch über 30°C warm. Alleine der Gedanke, die Wasserflasche holen zu gehen, führt zu Schweißausbrüchen und Erschöpfung. Der Gedanke an wie auch immer geartete Bewegung erschöpft sofort. Und dann kann es innerhalb weniger Minuten wieder zu einem Starkregenereignis kommen.

Regen

Der Himmel verdunkelt sich und innerhalb von Sekunden fällt das Wasser vom Himmel. Das dauert zwar niemals lange, führt aber zu Frustration und Energielosigkeit.

Also ruhen wir uns aus. Wir genießen unsere Ruhe. So schön es ist, Besuch zu haben, so schön ist es auch, wenn der Normalzustand wieder hergestellt ist und das Leben in normalen Bahnen verläuft.

Außerdem machen wir in aller Ruhe die Vorbereitungen für die nächsten beiden Etappen. Hier auf Martinique sind die Versorgungsmöglichkeiten hervorragend und nach jedem Besuch im Supermarkt haben wir noch Ideen, was wir außerdem noch bevorraten könnten. Wir haben eine Inventur unserer Konserven durchgeführt, die zu teils überraschenden Ergebnissen geführt hat. Außerdem haben wir von einigen Zutaten nur noch erschreckend wenig an Bord – das müssen wir noch ändern.

Inventur

Ein wesentliches Ergebnis der Inventur ist, dass wir viel zu wenig passierte Tomaten haben für den erwarteten Pastabedarf. Ein anderes Ergebnis ist, dass wir hier auf Martinique noch einmal schön Haggis essen können. In unseren Beständen befinden sich noch vier Dosen!

Energieprobleme haben wir auch beim Antrieb. Um unser nächstes Ziel Kuba zu erreichen, benötigen wir eine ordentliche Wettervorhersage für ein paar Tage. Frühestens werden wir hier am Freitag abfahren können, vorher herrscht ziemlich Flaute.

Dafür wurden wir heute früh um 5:30 Uhr geweckt. Ein übervoll mit Lautsprecherboxen ausgestatteter LKW fuhr vor der Karnevals-Pyjamaparty her und beschallte das komplette Ufer. Die Bässe dröhnten, unsere Mastspitze wackelte im Takt. Eine weitere lautstarke Parade in einer nicht enden wollenden Folge von lärmender Musik, die seit Tagen durch den Ort gefahren wird. Heute erwarten wir noch eine Party, dann wird der Karneval zu Grabe getragen. Was für ein Glück!

Nachtrag: Seit ich vor einer guten Stunde über das Wetter gemeckert habe, hat es nicht mehr aufgehört zu regnen.

Gewonnen hat…

Ich wollte ja eigentlich ein paar Tage mit dem Bloggen aussetzen, dann ist mir aber aufgefallen, dass noch etwas fehlt. Die Bekanntgabe, wer den besten Tipp abgegeben hat hinsichtlich unserer Ankunftszeit.

Im Logbuch steht:
19. Januar 2020 um 17:15 Uhr festgemacht in Port St. Charles, Barbados

Da es sich hierbei um Ortszeit handelt, rechne ich die erst einmal um in UTC – das ist dann 21:15 Uhr. Schließlich haben wir die meisten Tipps in UTC bekommen. Die anderen rechne ich natürlich auch um.

  • Gregor, 19.1. 0:39 Uhr
  • Martin, 19.1. 1:40 Uhr
  • CeBe, 19.1. 3:00 Uhr
  • Christine, 19.1. 20:00 Uhr
  • Jörg, 19.1. “gegen Abend”
  • Niels, 20.1. 7:07 Uhr

Was mache ich nun? Christine lag nur eine Stunde und 15 Minuten daneben, wenn ich ihren Tipp nach UTC umrechne. Ich glaube aber, sie hat Ortszeit gemeint, dann lag sie lediglich fünf Stunden und 15 Minuten daneben.

Niels hat nur 9 Stunden und 52 Minuten daneben gelegen.

Also hat unsere Schwester Christine den besten Tipp abgegeben. Der war aber per Mail und somit nicht ganz regelkonform. Ich komme also zu folgendem Ergebnis: Christine hatte den besten Tipp und Niels ist der Sieger im Tippspiel. Das Foto muss ich noch heraussuchen, ich konnte mich bislang noch nicht für ein Bild entscheiden. Ich schicke es dann einfach an beide!

Willkommen an Bord

Hier in Bridgetown kam es zu einem Crewwechsel. Jakob ist von der Sissi auf die Björkö umgezogen, dafür sind Burti und Jörg auf der Sissi eingezogen. Sie werden uns bis Martinique begleiten. Gleich am ersten Tag ist Jörg auf seine Brille getreten, deswegen waren wir heute beim Optiker in der Stadt. Ich habe mir vor ein paar Tagen auf dem Atlantik ein Inlay aus dem achteren Backenzahn auf der Steuerbordseite herausgebissen, deswegen waren wir auch beim Zahnarzt.

Das alles geschah bei bestem karibischen Wetter, nämlich bei Starkregen. Wir hatten das Dinghi im Ort noch nicht angebunden, da goss es schon aus Kübeln. Das änderte sich im Laufe des Tages selten, wenn die Sonne mal zu sehen war, dann war mächtig Waschküche im Ort.

Bridgetown im Regen

Morgen wollen wir mit dem Bus einen Ausflug über die Insel machen. Ich werde mit der Kamera wedeln und ansonsten meine Finger noch ein wenig ausruhen.

In den Beiträgen von der Überfahrt über den Atlantik habe ich die kleinen Bilder durch normal große Bilder ersetzt.

2. Advent

Es ist kalt geworden auf Lanzarote, am Morgen sind es nur 18°C. Wir tragen Pullis. Zumindest ist der Regen durchgezogen, es ist trocken. Und es ist an der Zeit, mal wieder den Standort von Sissi zu verlegen. Wir sind früh aufgestanden und wollen um 10 Uhr abfahren. Unser nächstes Ziel heißt Teneriffa. Das sind von hier aus 130 Meilen zu fahren, die Windvorhersage ist gut. Wir erwarten 15 bis 20 Knoten Wind, damit erreichen wir optimale Geschwindigkeit. Die Wellen sollen nicht höher als zwei Meter sein, das bedeutet eine ruhige Fahrt.

Neues von DHL, dem langsamsten Paketdienst der Welt
Ein Paket aus der Heimat hat uns bisher nicht erreichen können. Es ist seit dem 27. November unterwegs zu uns. Seit dem 2. Dezember vermeldet DHL, dass sich das Paket im Zielgebiet und “auf der Straße” befindet. So viele Straßen gibt es nicht auf Lanzarote, aber unser Paket scheint sie alle befahren zu wollen. Das ist sehr schade, doch die Chapos werden es hoffentlich für uns abholen und in die Karibik segeln können.

Das Katzenorakel sagt eine ruhige Überfahrt voraus

Du bist zu lange an einem Ort gewesen, wenn du den Fremdenführer für Gäste aus Deutschland machen kannst. Du bist zu lange an einem Ort gewesen, wenn die Frau im Marinabüro einer Riesenmarina deinen Schiffsnamen kennt. Du bist zu lange an einem Ort gewesen, wenn du den Standort der Katzen kennst, wenn die unvermeidlichen Anhalter in die Karibik es bei deinem Schiff schon gar nicht mehr probieren, mitgenommen zu werden.

Per Anhalter über den Atlantik
Gehört habe ich darüber schon viel, gesehen habe ich es erstmals in Lagos. Danach hier in Rubicon. Auf Teneriffa wird es sicher nicht anders sein. Junge Menschen mit mehr oder minder großen Rucksäcken laufen die Stege ab. Sie fragen bei allen Booten, die den Eindruck erwecken, dass sie in die Karibik fahren möchten, ob noch Hände gebraucht werden. “Hand gegen Koje” möchten sie machen, also sich die Überfahrt über den Atlantik erarbeiten. Sicherlich ein verlockender Gedanke, bei der dreiwöchigen Überfahrt nicht nur zu zweit zu sein. Andererseits ein verstörender Gedanke, gemeinsam mit zwei Fremden drei Wochen lang im engen Segelboot aufeinander zu hocken. Wir nehmen niemanden mit, wir sind komplett.

Beinahe seeklar
Seit gestern Nachmittag sind wir wieder einigermaßen seeklar. Heute sind wir schon um 7:30 Uhr aufgestanden, um die restlichen Vorbereitungen zu treffen. Wie immer müssen wir Sissi auf links drehen. Die Liegezeit im Hafen hinterlässt immer ihre Spuren. Es ist nur noch die Frage zu klären, ob wir den Parasailor ausgraben oder mit der neuen Genua segeln.

Wir haben eine leckere Mahlzeit für heute eingekauft, auch wenn ich befürchte, dass Jens sie wieder einmal mit Neptun teilen wird. Immerhin sind wir seit knapp einem Monat auf Lanzarote. Auf Teneriffa wollen wir nicht so lange bleiben. Der Starttermin für die Atlantiküberquerung ist beinahe erreicht.

Wir wünschen einen schönen 2. Advent

Wortspiele mit dem Begriff “Rubikon” drängen sich in meinem Hirn nach vorne. Letztendlich stimmt es in gewisser Weise auch. Wir sind an einem Punkt, an dem es sich nur noch schwer umkehren lässt. Mit jeder Meile, die wir weiter nach Westen segeln, wird es schwerer. Der Rubikon ist überschritten, Karibik, wir kommen!

Wir wünschen allen in der Heimat einen schönen 2. Advent. Macht etwas, was euch Spaß macht! Wir tun es. Wir segeln bei besten Bedingungen von Lanzarote nach Teneriffa. Adios für heute. Adios Lanzarote.

F*cking Regen

Lanzarote liegt in der Passatzone,
was dazu führt, dass auf der Insel
ganzjährig frische Winde
aus Nord bis Nordost wehen.
Lanzarote besitzt ein ganzjährig mildes und
niederschlagsarmes arides Klima, da die
Passatwinde an der relativ flachen Insel
meist nicht abregnen.
(Quelle: Wikipedia)

Wir sind gerade zwei Stege weit gelaufen und haben unsere T-Shirts wechseln müssen, weil sie durch geregnet sind. Dabei hatten wir schon geduscht. Es regnet auf Lanzarote nur, wenn man am Nachmittag das Deck des Schiffs mit frischer neuer Antirutschfarbe gestrichen hat.

Es regnet dann, wenn man bei Freunden auf einem anderen Schiff zum Abendessen eingeladen ist. Es regnet, wenn man vergessen hat, eine der Dachluken zu schließen. Es regnet, wenn die Schuhe auf dem Steg stehen.

Mit 112 Millimetern Niederschlag
pro Jahr ist Lanzarote die trockenste
der Kanarischen Inseln.
85 Prozent der Niederschläge fallen von
Januar bis März. Die relative Luftfeuchtigkeit
beträgt im Mittel 70 Prozent.
Im gebirgigen Norden können mit bis zu
300 Millimetern pro Jahr deutlich mehr
Niederschläge fallen als im Süden.
(Quelle: Wikipedia)

Es regnet in Playa Blanca. Weiter südlich kann man sich auf Lanzarote nicht befinden. Wikipedia ist Mist. Ich habe keine Ahnung, wie wir das Innere von Sissi in den nächsten Tagen wieder trocken bekommen sollen. Natürlich dreht der Wind und natürlich regnet es durch den offenen Niedergang direkt in den Salon.

Unser Großfall schlägt gerade gegen den Mast, der Wind hat gedreht. Keiner von uns ist motiviert, nach dem Wechsel der T-Shirts noch einmal an Deck zu gehen, um den Lärm zu beenden. Es regnet.

Regen in Rubicon

Auch am folgenden Morgen peitschen Regenschauer durch die Marina. Der Regen bringt Sand mit, der sich geschmeidig in jeder Ritze an Deck breit macht. Toll.

Umparken ist albern

Mit dem Motorrad durfte ich die Erfahrung schon des Öfteren machen. Auf die Zeltplatzwiese gefahren, Motorrad aufgebockt und das Zelt schnell aufgestellt. Dann zum Bierstand des Motorradtreffens, Grillwurst essen und den Abend verfliegen gelassen. Anschließend in fragwürdigem Zustand zurück zum Zelt gegangen und gesehen, dass man das Motorrad schöner hinstellen kann. Das Ergebnis war in 98% der Fälle Belustigung für die anderen Teilnehmer des Motorradtreffens. In 100% der Fälle hatte ich aber Hilfe, um das Motorrad wieder aufzustellen. Umparken ist albern.


Wir erreichten die Marina Puerto Calero am Abend des 10. November und waren froh, dass wir aufgenommen wurden. In der Marina Rubicon hatten wir zwar reserviert, aber erst ab dem 18. November. Aufgrund der guten Windvorhersage sind wir eine Woche früher von Lagos zu den Kanaren gestartet und die problemlose Passage hat unsere Entscheidung bestätigt. Uns wurde ein Liegeplatz am Ende des Pontoons J zugewiesen. J gefällt uns, das ist unser Buchstabe.

Am nächsten Morgen war ich beim Hafenmeister, um den Aufenthalt für den Rest der Woche klar zu machen. Bei einer Windvorhersage von 30 kn mit Böen bis zu 40 kn wollten wir nicht ankern. Das macht keinen Spaß.

Der Hafenmeister meinte, wir könnten gerne bleiben, müssten das Boot aber auf einen anderen Platz verlegen. Unser Platz sei reserviert. Auf meine Frage, wie wir das bei 30 kn Wind machen sollen, hatte der Hafenmeister nur die Antwort, dass er zwei Marineros schicken wird, die uns helfen. Und wir sollen schnell verlegen, denn gegen Mittag würde der Wind wieder stärker werden. Na gut.


Der Wind schien etwas nachzulassen, die Marineros waren vor Ort und das Ablegemanöver klappte hervorragend. Dann folgte die Hauptarbeit. Wenden von Sissi bei inzwischen wieder 25 kn Wind mit ihrem langen Kiel und ohne Bugstrahlruder. Mmmpf. Ich fand einen geeigneten Platz. Dachte ich…

Spuren unseres Rocna

In der Drehbewegung erwischte uns eine Bö. Und wir erwischten gerade noch so einen Katamaran. Der Besitzer nahm es mit Humor.

Ein wenig Gelcoat, etwas Arbeitszeit und 70€ später sah der Kat wieder wie neu aus. Umparken ist nicht nur albern, Umparken ist Mist. Auf dem “reservierten” Platz liegt bis heute kein anderes Boot. Das nächste Mal werde ich mit dem Hafenmeister streiten, das ist billiger.

Perfekter Wind

Es ist mal wieder so weit. Wir wollen los. Heute ist ein besonderer Tag, denn wir verlassen das kontinentale Europa. Eine besondere Stimmung. Nervenkitzel und doch Normalität. Sissi ist bereit, wir haben alles geprüft. Das Rigg ist gecheckt, der Motor auch, die Vorratslasten biegen sich und der Frischwassertank ist auch voll. Was kann da noch schief gehen?

Windvorhersage für heute

Natürlich kann alles schief gehen. Wir sind aber zuversichtlich. Nicht nur für heute, auch für die nächsten Tage wird schöner Wind aus der richtigen Richtung vorhergesagt. Wir erwarten zwischen 15 und 25 Knoten Wind aus nördlichen Richtungen, können also bequem vor dem Wind fahren – unsere Lieblingsrichtung. Wir erwarten, irgendwann im Laufe des Sonntags wieder Land zu sehen. Die Kanaren.

Dort waren wir beide noch nicht. Als Flugverweigerer wollte ich dort niemals hin. Hier in Lagos wurde es in den letzten Tagen kalt und regnerisch. Ich habe heute Nacht sogar mal wieder die Winterdecke aus ihrer Versenkung geholt. Das wird sich ändern, denn angeblich herrscht auf den Kanaren “ewiger Frühling”. Mal sehen, wie sich das so anfühlt.

Mittwoch

Uns stehen fünf Tage ohne Internet bevor. Fünf Tage Dauerbetrieb des Schiffs. Fünf Tage abwechselnd schlafen und wach sein. Fünf Tage Wind, Wellen, Bewegung im Schiff, Lärm aus der Takelage und Knarzen der Inneneinrichtung. Ein kleiner Vorgeschmack auf die Atlantiküberquerung im kommenden Monat und doch ein großer Schritt auf unserer Reise.

Die Windvorhersage ist für die kommenden Tage ziemlich stabil. Wir beobachten das nun schon einige Zeit und sehen auf dem Nordatlantik dicke, fette Tiefdruckgebiete, die in Richtung Nordeuropa ziehen. auf deren Rückseite bläst unser Wind. Unser perfekter Wind.

Donnerstag

Jetzt gehen wir noch einmal unter die Dusche, das ist die letzte warme Dusche bis zu den Kanaren. Anschließend ist Abfahrt. Wir fahren mal wieder in den Sonnenuntergang.

Freitag

Es ist noch sehr voll auf den Kanaren. Wir konnten in keiner Marina einen Liegeplatz reservieren und hoffen darauf, Sissi irgendwo in der Nähe einer Dusche festmachen zu können. Noch ist die ARC nicht gestartet, es liegen noch mehrere hundert Boote in Las Palmas auf Gran Canaria, die gegen Ende des Monats über den Atlantik wollen. Doch den guten Wind können und wollen wir nicht auslassen. Einen solch perfekten Wind werden wir auf absehbare Zeit nicht mehr bekommen.

Wieso ich so über die Vorhersage schwärme? Weil wir ausnahmsweise zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Weil die Vorhersage ausnahmsweise so unglaublich stabil ist. Und weil ich die Nase voll von Lagos habe.

Ferry Cat

Nur von den süßen Katzen haben wir die Nase nicht voll. Da würden wir uns noch ein paar einpacken wollen, wenn es denn machbar wäre.

Auf geht es zu neuen Ufern!

Sie sind unterwegs!

Heute sind Daphe und Gentoo in Richtung Madeira bzw. den Kanaren gestartet. Wir wünschen euch eine gute Reise und feinen Wind aus der richtigen Richtung. Die Windvorhersage sieht gut aus, wir würden dieses Wetterfenster wohl auch nutzen, wenn wir so in Eile wären. Als Teilnehmer der ARC müssen sie zur rechten Zeit in Las Palmas sein.

Leerer Liegeplatz

Damit sind wir mal wieder eines der langsamsten Boote. Die Fairytale ist uns davon gefahren und auf dem Weg ins Mittelmeer. Also werden wir Karma wahrscheinlich nicht mehr sehen. Die Milena Bonatti ist schon auf Gran Canaria. Wo sich die Tonic und die Cosa aufhalten, wissen wir nicht.

Wir sind nicht zum Ankern rausgefahren, weil heute die Roede Orm nach Lagos in die Marina kommt. Wir fahren morgen und freuen uns auf das Wiedersehen heute Abend.

Inzwischen frage ich mich nicht mehr, ob wir zu langsam sind. Wir sind genau so schnell, wie wir sein sollen und wollen. Wir fahren mit dem richtigen Tempo. Wir fahren mit unserer Geschwindigkeit und werden die Boote wieder treffen, die nicht ins Mittelmeer abgebogen sind. So viel ist sicher. Wir wissen nur noch nicht, wo und wann das sein wird.

Trübe Aussicht

Wir verschweigen nichts. Wir berichten live von unserer Segelreise. Wir setzen alles daran, Neid bei euch zu Hause in Deutschland zu erzeugen. Und jetzt das. Es gießt aus Eimern.

Regen in Lagos

Schon in Sines hatten wir ordentlichen Regen. Da kam er allerdings in der Nacht, hat uns ein wenig überrascht und für sehr viel Nässe im Schiff gesorgt. Jetzt haben wir in Lagos schon wieder Regen. Hat Wikipedia etwa recht? In Portugal soll von Oktober bis März die regenreichste Zeit sein. Das stimmt offenbar. Es regnet und das nicht zu knapp.

Wir sind ein wenig unmotiviert und haben heute Sissi noch nicht verlassen. Statt dessen haben wir aufgeräumt, gründlich geputzt und polieren jetzt das Blog bzw den Instagram-Account.

Flüssiger Sonnenschein

Gestern hörten wir zuerst das Eintracht-Spiel gegen Leverkusen im Radio. Beim 3:0 Heimsieg konnten wir oft genug unseren Torjubel in der Marina verteilen. Anschließend hatten wir, die Sissis, einen schönen Abend mit den Gentoos (Danny, Marc und Mathilda), den Daphnes (Uta und Michael) und der Zora (Susanne) auf der Gentoo. Eine schöne Runde. Das Cockpit der Gentoo war wegen Überfüllung fast schon geschlossen.

Der Abend brüllt fast nach einer Wiederholung, doch Wiederholungen gibt es im Leben nicht. Morgen starten die Gentoos Richtung Kanaren, die Daphnes wollen vorher noch nach Madeira und wir suchen uns eine schöne Ankerbucht. Außerdem soll der Regen morgen durch sein.

Regenbogen

Langsam, aber so richtig langsam

Nach einem schönen Tag und einer weiteren Duschorgie in Sines haben wir um 20 Uhr die Leinen losgemacht und sind in Richtung Lagos gestartet. Dort hatten wir eine Reservierung in der Marina für den Folgetag, die uns Marc von der Gentoo besorgt hat. Es war wohl der letzte Platz, der zu bekommen war. Danke, Marc!

Wie vorhergesagt setzte der Wind gegen 21 Uhr ein. Wir stoppten den Motor und segelten auf einem fast idealen Kurs die Küste entlang. Zunächst jedenfalls. Es war wenig Wind und wir liefen nur mit drei Knoten, doch immerhin konnten wir segeln.

Unser Weg nach Lagos

Wir segelten die ganze Nacht durch bis um 10 Uhr am folgenden Morgen. Das sieht man schön auf dem obigen Bild. Der Wind drehte zu unseren Ungunsten (war nicht so vorher gesagt) und nahm nicht an Stärke zu (was vorhergesagt war). Mal wieder war der Wind also ein unsteter Geselle. An der Stelle, wo die Zickzacklinie aufhört und die gerade Motorlinie nach Süden beginnt, hatten wir uns lediglich 20 Meilen von Sines entfernt, sind aber dafür 14 Stunden unterwegs gewesen. Das ist echt so richtig langsam.

Das Cabo Sao Vicente wollte und wollte nicht näher kommen. Also warfen wir unsere guten Vorsätze über den Haufen und starteten den Motor wieder. Der brachte uns dann in 10 Stunden die restlichen 55 Meilen nach Lagos. Ich möchte gar nicht an den guten Diesel denken, den wir hier verschleudert haben. Wir hätten auch noch zwei Tage lang die Brauerei in Sines besuchen können und dort auf besseren Wind warten. Haben wir aber nicht, wir sind in Lagos.

Leuchtturm am Cabo Sao Vicente

Kurz vor dem Sonnenuntergang passierten wir das Cabo Sao Vicente. Die Felsen sind beeindruckend und die Wassertiefe gibt es her, dass man hier ganz dicht heran fahren und fotografieren kann.

Cabo Sao Vicente

Ebenfalls beeindruckend war das Wasser, das durch die Gegend spritzt, wenn es in den Löchern und Höhlen an den Klippen einschlägt.

Natürlich haben wir es nicht mehr vor 19 Uhr bis nach Lagos geschafft, konnten also nicht in die Marina einfahren. Vor der Marina ist eine Fußgänger-Klappbrücke, die nur zu den Öffnungszeiten des Marinabüros bedient wird. Wir übernachteten also am Wartepontoon und haben selten so ruhig geschlafen. Am nächsten Morgen kamen wir dann in den Hafen hinein.

So langsam sind wir noch nie gesegelt.