1. Advent

Mit ein paar Tagen Verspätung schreibe ich diesen Beitrag zum ersten Advent. Der war vorgestern. Schon in Deutschland finde ich weihnachtliche Stimmung ziemlich doof, hier wirkt es noch skurriler. Bei 28°C am ersten Advent. Wir fühlen uns auch ohne Weihnachten wohl.

Apothekenthermometer in Playa Blanca

Um den Tag gebührend zu begehen, haben wir entschieden, gemeinsam mit den Chapos die Tapas Bar in Yaiza zu besuchen, die Jens und ich schon vor unserem Flug nach Frankfurt entdeckt haben. Der Besuch stand noch aus.

Wir spazierten gemütlich zur zentralen Bushaltestelle in Playa Blanca und haben nur wenige Katzen auf dem Weg zum Bus gestreichelt. Wenn wir sie alle gestreichelt hätten, wären wir nicht pünktlich zur Abfahrt da gewesen. Dann waren es nur noch 15 Minuten Busfahrt und wir standen vor der Tapas Bar.

Der Laden brummt

Anfangs bekamen wir gar keinen Tisch, so voll war das Restaurant. Wir wurden in keinerlei Hinsicht enttäuscht. Innen waren keine dicken Briten oder Deutsche, sondern fast nur Einheimische, die mit ihren Familien das Sonntagsessen genossen. Den Tisch konnten wir nahtlos von einem italienischen Paar übernehmen und anschließend endlich zur Essensbestellung schreiten. Es war dringend, unsere Mägen knurrten lauter, als ein hungriger Pitbull. Eine Speisekarte gibt es nicht.

Essensbestellung

Die einfachen Speisen sind alle vorgekocht und warten auf die hungrigen Gäste. Man tritt an den Tresen und sucht sich aus, was man alles essen möchte. Dabei wurden wir als ausländische Gäste vom Wirt hofiert, der uns auch die Teller ordentlich vollgeladen hat. Diese wanderten dann in die Mikrowelle und fertig ist das Mittagessen. An den anderen Tischen duftete es schon verführerisch.

Die Mikrowelle ist klein, der Hunger war groß. So hatten wir den ersten Teller schon fast leer, als der Wirt uns den zweiten Teller an den Tisch getragen hat. Als Tischwein hatten wir einen Weißwein aus Lanzarote ohne Etikett. Es war der beste Wein, den wir bisher auf dieser Insel bekommen haben. Dazu gab es Fleischbällchen, Fisch, Nudeln, Gemüse, Kichererbsen, Kartoffeln, (…).

Ich bin ja nicht der Typ, der sein Essen fotografiert – wenn es nicht gerade Rippchen mit Kraut ist. Doch in dieser Bar konnte ich nicht anders. Alles ist ganz einfach gehalten und alle Speisen sind extrem lecker. Jens und ich haben entschieden, dass wir noch einmal dort hinfahren müssen. Außerdem möchte ich dem Wirt zwei oder drei von diesen Weinflaschen abschwatzen.

Charly und Jens kommen aus der Bar

Für den Geldbeutel war dieses Essen eine echte Erholung. Für vier Personen kostete es mit Vorspeisengetränk, Wein und Tapas nur 45€. Ab jetzt ist es kein Geheimtipp mehr, denn es steht im Internet.

Der Volksmund spricht, dass man nach dem Essen ruhen oder tausend Schritte tun soll. Ruhen konnten wir nicht, also haben wir uns für einen Spaziergang entschieden. Bis der Bus wieder Richtung Playa Blanca fahren sollte, war noch über eine Stunde Zeit. So setzten wir die Ortsbesichtigung dort fort, wo wir vor zwei Wochen abbrechen mussten. Im Inneren der kleinen Kirche.

Kirche in Yaiza

Selbstverständlich steht in der Kirche eine Krippe. Die Kirche ist schön gestaltet und wirkt nicht überladen. Ein Besuch, der sich für uns gelohnt hat, denn auf der Rückseite der Kirche haben wir dann noch eine Art “Krippe” gefunden. Ich fand es total putzig, denn die Yaizaer (?) bzw. Yaizaner oder Yaizäner, also eben die Einwohner des Orts Yaiza, haben ein Miniatur-Lanzarote aufgebaut.

Miniatur-Lanzarote mit Vulkan

Eigentlich fehlt nur noch eine Märklin-Eisenbahn, um das Ensemble komplett zu machen. Ich kann darauf nur verzichten, weil es auf Lanzarote keine Schienen gibt. Um die Installation kann man komplett herum gehen und findet etwa die Salinen, den Ort El Golfo oder die Kochlöcher von Los Hervideros. Es ist alles da!

Christbaumkugeln

Wir machten uns einen Spaß daraus, weihnachtliche Grüße in die Heimat zu schicken. So zum Beispiel mit Zitronen als Christbaumkugeln. Die Chapos sammelten Zutaten für einen Adventskranz.

Jutta und Charly mit ihrem zukünftigem Adventskranz

Noch einmal vielen Dank für die Einladung zum Essen! Danke für den schönen Nachmittag, an dem wir so viel gelacht haben.

An einen so schönen Nachmittag darf natürlich die obligatorische Katze nicht fehlen. Diese hier lief immer wieder vor uns davon und hatte Angst. Irgendwann setzte sie sich endlich hin und beobachtete uns misstrauisch, wie wir eine Aufnahme von ihr angefertigt haben. Auch für den cat content war somit gesorgt.

Cat content

Satt und müde war es an der Zeit, sich an die Bushaltestelle zu bewegen. So richtig pünktlich sind die Busse nicht, die Wartezeit an der Haltestelle musste also überbrückt werden.

Entweder bin ich noch nicht so recht süchtig nach meinem Smartphone oder es liegt an meinem Telefonvertrag mit arg begrenztem Datenvolumen. Ich bin der einzige aus unserer Vierergruppe, der kein Handy in der Hand hält. Jutta hält ihres zum Fotografieren.

Warten auf den Bus

Nach Einbruch der Dunkelheit sind Jens und ich dann noch einmal durch Playa Blanca gelaufen, um die allerorten angebrachte Weihnachtsbeleuchtung in Aktion zu sehen. Wir wollten sehen, wie auf den Kanaren zu Weihnachten dekoriert wird.

Einkaufsmeile in Playa Blanca

Die Einkaufsmeile könnte überall in Europa sein. Dort finden sich dieselben Marken, wie sie auch in einer deutschen Fußgängerzone zu finden sind, ähnliche Chinashops und natürlich Souvenirläden an jeder Ecke.

Weihnachts”baum” am Ankerkreisel

Der “Baum” ist skurril. Ein Tannenbaumersatz auf einer Insel, die praktisch keine frei lebenden Bäume hat. Lachen mussten wir nicht, die beste Installation haben wir allerdings in einem Verkehrskreisel am Ortseingang gefunden. Eine Weihnachtswindmühle. Was das mit Weihnachten oder Lanzarote zu tun hat? Keine Ahnung.

Weihnachtsmühle

Es war genug, der erste Advent war fast vorbei. Also lenkten wir unsere Schritte wieder in die Marina, lichteten unterwegs noch eine wunderschöne Straßenkatze ab und horchten anschließend, was uns unsere Matratzen so zu flüstern hatten.

Gute Nacht, Katze!

Wir wünschen allen eine lustige Adventszeit.

Mächtige Komfortverbesserung

Auf der Überfahrt zu den Kanaren ist uns aufgefallen, dass wir unsere Getränkedosen immer sehr schnell austrinken müssen. Entweder setzen wir uns ins Cockpit, dort gibt es Getränkedosenhalter. Oder wir trinken die Dosen unten im Salon leer, dort gibt es keine. Die Lösung des Problems war so einfach wie günstig:

Fahrrad-Getränkehalter

Wir haben einen kurzen Stopp im Decathlon gemacht und zwei Fahrrad-Getränkehalter erstanden. Kostenpunkt: 2,99€ pro Stück. Die sind jetzt mit Kabelbindern an unserer Maststütze festgezurrt und jetzt haben die Dosen auf dem Ozean keine Chance mehr, durch den Salon zu fliegen. Nun müssen wir sie nicht mehr in einem Zug leeren.

DHL – Die Historische Langsamkeit

Es ist endlich da! Das letzte Paket, auf das wir hier in Lagos gewartet haben. Es war 11 Tage unterwegs von Frankfurt am Main, seit es unsere Eltern aufgegeben haben. Wir hatten es auch fast schon aufgegeben zu warten, Susanne hat uns angeboten, es uns zu den Kanaren nachzuschicken.

Endlich angekommen!

Der Inhalt wird uns einige Wochen weiter bringen, es ist voll mit leckerem Kaffee unserer Lieblingsrösterei. Vielen Dank an unsere Eltern für die leckeren Bohnen.

Laut Google Maps sind es von Frankfurt nach Lagos etwa 2500 Kilometer, die mit dem Auto in 24 Stunden zurückgelegt werden können. Der LKW von DHL fährt sicherlich etwas langsamer und so ein Paket möchte auch noch sortiert, gescannt und liegengelassen werden. Mit 10 Tagen rechnet es sich angenehmer. 2500 Kilometer in 240 Stunden sind immerhin fünfeinhalb Knoten Geschwindigkeit. Damit war das Paket mit Sissi-Reisegeschwindigkeit unterwegs durch Europa.

Wahnsinn!!!

Ich kann es kaum glauben. Es ist so lange her, dass ich mich kaum noch daran erinnern kann. Wann haben wir das letzte Mal gegen die Bayern…? Das ist lange her.

Eine Dose für das 1:0

Auf freundliche Nachfrage bekamen wir unser Wunschprogramm in der Hafenbar eingeschaltet – Frankfurt gegen die Bayern. Dann saßen wir in unserer Ecke und starrten gebannt auf die Glotze, als Boateng vom Platz geschickt wurde.

Glotze in der Hafenbar

Wir haben mit unserem Torjubel beim 1:0 die komplette Hafenbar aufgemischt und die Bedienung hat fast ein Tablett mit Speisen auf den Boden geworfen. Ist halt blöd, wenn nur zwei Personen dem Fußballspiel wirklich aktiv folgen. Beim 2:0 waren wir auch noch laut, danach haben wir uns ein wenig zurück gehalten.

Konstablerwachemarkt in Frankfurt (Bild von Gregor D. aus Frankfurt)

Beim 3:0 liefen langsam die Messenger warm und wir haben die Bedienung umarmt. In der Hafenbar gibt es zwar keinen Apfelwein, dafür haben sie immerhin Magners Cider, relativ guten Stoff aus Irland.

Beim 4:0 standen wir beinahe auf den Tischen. Beim 5:0 waren wir am Singen. Es gibt selten solche Tage. Wir haben selten Gelegenheit, so zu feiern gegen die Bayern. Wer ist – Stand jetzt – eigentlich Trainer der Bayern?

5:0 Endstand – Bild des Videowürfels (Foto im Waldstadion aufgenommen von Floh W.)

Jetzt haben wir eine echte Aufgabe. Für jedes Tor unserer Eintracht haben wir einen Apfelwein in den Kühlschrank gelegt. Der will heute noch getrunken werden. Ole ole ole, forza SGE!!!

Heimsieg!

Fleischwurst

Normalerweise bin ich nicht der Typ, der sein Essen fotografiert. Jetzt ist es aber so, dass wir im letzten Fresspaket aus Frankfurt zwei Fleischwürste gefunden haben, die uns Jens Haase noch zusätzlich zu den Konserven eingepackt hat (neben irrsinnig leckerem Beef Jerky und wahnsinnig gut riechender Wildwurst, die wir noch zum Trocknen aufgehängt haben).

Fleischwurst

Das war so richtig lecker! Fleischwurst haben wir seit Deutschland nicht mehr gesehen und diese ist ein besonders gutes Exemplar. Danke Jens!

Jetzt können wir beruhigt rüber in die Sportsbar gehen, wo man mir versprochen hat, das Spiel Eintracht Frankfurt gegen München live zu zeigen.

English is unhealthy

Viele Restaurants säumen die Marina in Lagos, dabei ist alles auf die Bedürfnisse von Briten ausgerichtet. Man bekommt hier Bar Meals, wie es sie in Großbritannien gibt. Es gibt einen Chinesen, einen Inder und Pizza Hut. Die Algarve ist eine beliebte Urlaubsgegend der Briten und das schlägt sich voll im kulinarischen Angebot nieder. So waren Jens und ich einmal in einem der Restaurants essen – es gab dort einen Chicken Tikka Burger auf der Karte. Das ist doch eher etwas für die immer noch zur EU zugehörige Insel – diese Spitze kann ich mir nicht verkneifen, immerhin ist heute der erste November.

Unter den Bars hat sich optisch die Marina Bar hervor getan. Schon bei unserem ersten Aufenthalt in Lagos ist mir dieses Schild aufgefallen, ein Foto habe ich damals nicht gemacht. Jetzt, bei unserem zweiten Aufenthalt, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen. Wir haben einen Liegeplatz in der hintersten Ecke des Hafens bekommen und laufen auf dem Weg zur Dusche jedes Mal an diesem Schild vorbei:

English Breakfast or Healthy Breakfast?

Ansonsten haben wir auf der Sissi eine unangenehme Zeit beenden können. Seit Anfang Juli waren wir ohne Versicherung unterwegs. Das ist natürlich ziemlicher Mist, weil man mit Segelbooten problemlos einen großen Schaden anrichten kann. Einmal falsch im Hafen manövriert und ein Millionenschaden kann angerichtet sein. Leider fanden wir über die ganze Zeit keinen Versicherer, der unsere alte Dame für weltweite Fahrt versichern wollte. Ein Zertifikat, das nur bis zu den Kanaren gilt, wollten wir nicht haben.

David von der Cosa ist in Spanien ein paar Tage mit verplombtem Ruder festgesetzt worden, weil er die dort gesetzlich vorgeschriebene Versicherung nicht vorweisen konnte. Wir hatten Glück und mogelten uns mit den abgelaufenen Dokumenten irgendwie durch. Dieser Zustand ist jetzt zum Glück beendet. Der Versicherungsmakler, den uns Martin von der Fairytale genannt hat, konnte uns die begehrte Police besorgen. Jetzt können wir unbesorgt zu den Kanaren fahren und ich darf mich endlich trauen, Jens die Hafenmanöver fahren zu lassen. Puh!

Wir warten immer noch auf ein Paket aus Deutschland, das es inzwischen bis nach Lissabon geschafft hat. Zum Thema “DHL” hatte ich ja schon ein paar Zeilen geschrieben.

Am Wochenende wird sich ein Wetterfenster für die Überfahrt auftun, das für über eine Woche anzuhalten scheint. Wir freuen uns und hoffen, dass unser Paket noch rechtzeitig hier eintrifft. Wobei mir unklar ist, ob am 1. November (Allerheiligen) oder am 2. November (Allerseelen) hier Pakete zugestellt werden. Das sind beides Feiertage in Portugal. Auch wenn das Paket am Montag hier eintrifft, können wir das Wetterfenster noch nutzen, das ist schön. Und Arbeiten am Schiff gibt es auch noch genug, die Arbeit geht einem auf einem Segelboot niemals aus. Niemals. Das ist sicher.

Zurück in Lagos – Arbeitseinsatz auf Sissi

Wir sind wieder in Lagos gelandet. Abends um 19:10 Uhr sind wir angekommen und haben vor der Klappbrücke beim Marinabüro festgemacht. Das hat zwei Vorteile – einmal müssen wir die Nacht am Wartepontoon nicht bezahlen und zum anderen ist der Weg ins Marinabüro sehr kurz, dort warten fünf schwere Pakete auf uns.

Klappbrücke vor der Marina – öffnet nur zu den Öffnungszeiten des Marinabüros

Denn nach dem schönen Aufenthalt in der Ankerbucht heißt es nun, Sissi weiter für unsere Langfahrt zu optimieren, zu bevorraten und zu putzen. Erst einmal haben wir gefühlt zwei Tonnen Sand aus dem Boot und dem Dinghi waschen müssen, wir haben scheinbar den halben Headache Beach mit an Bord genommen.

Wie ich schon geschrieben habe, hatten wir eine Stromlücke von ca. 60 Ah am Tag. Bei knapp 600 Ah in den Versorgungsbatterien waren diese also innerhalb von fünf Tagen leer gesoffen (man sollte nur die halbe Kapazität der Batterie nutzen). Bei einem großen Versandhaus für Segelzubehör haben wir ein komplettes neues Solarkraftwerk bestellt, das im Marinabüro auf uns wartete. Der Büromann hat ziemlich über die großen Pakete gestaunt, er hat noch mehr gestaunt, als wir ihm weitere Pakete ankündigten. Zwei Tage haben wir für den Aufbau des neuen Stromlieferenten eingeplant und sofort mit der Arbeit begonnen.

Sissis super Solarkraftwerk

Nach Montage und Verkabelung war es ein tolles Gefühl, den Einschalter zu drücken und zu sehen, wie sich der Ladestrom plötzlich vervierfacht. Stark!!! Es hat sich voll gelohnt. Nach etwa sechs Stunden harter Arbeit waren wir fix und fertig und reif für die Dusche.

Am heutigen Tag, dem Tag nach der Montage, haben wir das Landstrom-Ladegerät abgeschaltet und dafür sämtliche Geräte eingeschaltet, die wir beim Segeln brauchen. Das Radio spielt zusätzlich und es herrscht quasi Windstille, das Windkraftwerk liefert gar keinen Strom. Trotzdem sind unsere Akkus jetzt nach mehreren Stunden bei teilweise bedecktem Himmel und teilweise schönem Sonnenschein immer noch zu 100% gefüllt. Ein gutes Gefühl. Heute Abend ist Abrechnung, dann lesen wir mal ab, wie die Stromproduktion war.

Solarkraftwerk bei der Arbeit

Meiner Meinung nach verunstalten die Paneele unser Boot nicht wirklich, wir haben eher die “Langfahrtoptik” verbessert. Die anderen Solarzellen auf dem Cockpitdach kann man nicht sehen, wenn man sich nicht an Bord befindet.

Begehbare Solarzellen auf dem Cockpitdach

Eine kleine Spritztour mit dem Land-Dinghi, dem Bordfahrrad, zum Fotoladen später hielten wir den Abzug eines tollen Fotos vom Frankfurter Römer in der Hand. Das wunderschöne Bild hat unser Vater vor ein paar Jahren aufgenommen. Jetzt hängt das Bild bei uns im Salon und sieht gut aus.

Frankfurter Römer

Der Mann im Marinabüro hatte einen leicht gequälten Blick im Gesicht, als ich heute wieder bei ihm war, um die nächsten Pakete abzuholen. Die hat er wohl selbst ins Paketlager schleppen müssen. Es sind zwei Pakete aus Frankfurt Bonames von unserer Lieblingsmetzgerei Haase, die uns über den Atlantik helfen werden. An dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Dank an Jens Haase und das ganze Team in der Metzgerei. Ohne euch wäre unser Speiseplan weniger lecker.

40 kg leckere Wurstwaren und Kaffee aus Frankfurt am Main – Heimat zum Essen!

Auf der Strandparty hat einer der anderen Segler zu mir gesagt, dass wir noch nicht richtig losgefahren wären, wenn wir uns Konserven aus der Heimat bestellen. Das liegt vielleicht daran, dass man aus Frankfurt nicht wirklich losfahren kann, Frankfurt bleibt einfach im Herzen drin.

Apropos Frankfurt im Herzen: Wir warten noch auf ein letztes Paket aus Frankfurt am Main, das unsere Eltern zu uns geschickt haben. Doch wir fühlen uns ein wenig wie damals in Wales, als wir auf den Watermaker gewartet haben. DHL hat das Paket zwar nicht nach Athen geschickt, es ist jedoch mal wieder fehlgeleitet worden und scheinbar noch nicht aus Deutschland herausgekommen. Als ich dem Mann im Marinabüro ein weiteres Paket angekündigt habe, sah ich wieder diesen gequälten Gesichtsausdruck.

Wieder eine Fehlleitung von DHL

Unsere bisherigen Erfahrungen mit den unterschiedlichen Paketdiensten sind sehr unterschiedlich. UPS hat immer pünktlich geliefert, manchmal sogar noch vor dem angekündigten Termin. DPD war zuverlässig und pünktlich. DHL hat bei der Hälfte der Lieferungen Fehlleitungen produziert und noch nie pünktlich geliefert. Pünktlich ist für mich, wenn das Paket am angekündigten Tag ankommt.

Es dauert noch ein paar Tage, bis der Wind für die Überfahrt auf die Kanaren passt, also haben wir noch eine echte Chance, diese Lieferung auch noch zu bekommen. Wir sind optimistisch!

Der Kühlschrank

Die Idee zu diesem Beitrag ist entstanden, als ich im Kühlschrank verzweifelt nach einer Dose Bier gesucht habe und dabei nur Cola, Eistee und Limonade gefunden habe. Zwischendurch ist mir noch eine Vorratsdose mit Gulasch begegnet, das sich wohl schon ein paar Tage im Kühlschrank versteckt hat und zwar noch lecker roch, aufgrund seines Alters jedoch in die Biotonne wandern musste.

Kühlschrank der Sissi

Den meisten Strom, den wir mit unseren beiden Kraftwerken erzeugen, wandert in diesen Kühlschrank. Das ist in Ordnung, denn wir lieben den Komfort, den uns der Kühlschrank gibt. Ein Bordkühlschrank ist jedoch eine ganz andere Nummer, als der Kühlschrank zu Hause in der Küche.

Kühlschrank – der Horrorfilm

Ein Filmplakat zum Film “Der Kühlschrank – eiskalt, böse und gemein” hing jahrelang über meinem Bürokühlschrank. Mein Kollege Uli hat es damals mitgebracht, kurz nachdem ich den Kühlschrank in unser gemeinsames Büro getragen habe.

Jede Seglerin und jeder Segler kennt das Problem. Am Anfang des Törns ist der Kühlschrank peinlich sauber, leer, übersichtlich und riecht nicht.

Dann kommt der erste große Einkauf. Getränke und Lebensmittel für mehrere Wochen werden beschafft, an Bord geschleppt und der Kühlschrank wird beladen. Dabei macht man sich große Gedanken um die Ordnung im Reich der Kälte. Niemand möchte im Kühlschrank suchen müssen, alle gewünschten Waren sollen griffbereit liegen.

Mit viel Sorgfalt und Gehirnschmalz baut sich der Segler den Kühlschrank so voll wie möglich, denn ein voller Kühlschrank funktioniert besser als ein leerer. Außerdem gibt es bei Törnbeginn einen Haufen Zeug zu verstauen.

Die meisten Segelbootkühlschränke, die ich in meinem Leben gesehen habe, sind Toplader. Das ist praktisch. Hätten wir auf dem Segelboot einen Kühlschrank wie zu Hause, würden je nach Schräglage alle Lebensmittel beim Öffnen der Kühlschranktür auf den Boden purzeln. Okay, das stimmt nicht ganz, es gibt auch Frontlader für Segelboote. Die sind jedoch sehr teuer und der Einbau ist auch nicht immer leicht. Bei uns auf der Sissi könnten wir keinen Frontlader einbauen, denn was auf dem Foto noch rechteckig aussieht, folgt auf der hinteren Seite der Form der Bordwand.

Toplader

Dann kommt der erste Abend an Bord. Noch sind wir keinen Meter gesegelt, noch haben wir das Schiff nicht losgemacht. Ein erster Griff in den Kühlschrank fördert ein Bier zutage. Nach dem zweiten Griff und dem Schließen des Kühlschrankdeckels hört man ein Poltern im Kühlschrank. Das dritte Bier ist nun unauffindbar unter einer Lawine aus Coladosen, Käseblöcken und vakumierten Steaks verschwunden. Auf der Suche nach dem dritten Bier fällt eine Dose Crème Fraiche kopfüber auf den Korken der für das morgige Schlemmermahl kalt gestellten Weinflasche, die Folie am Deckel wird beschädigt und die Crème Fraiche verteilt sich geräuschlos über die Coladosen und zwischen den Wurstpackungen. Derweil übernimmt der Camembert die geruchliche Hoheit über den gesamten Kühlschrank.

Jetzt wird der Kühlschrank in Panik ausgeräumt, aber es sind nun weder die Spuren der Crème Fraiche zu finden, noch das Bier, das man am Vorabend garantiert in den Kühlschrank geräumt hat. Dafür findet sich dann eine Dose mit der Aufschrift “Gemüsesauce, 13.4.2018”. Wo hat sich die denn die ganze Zeit versteckt?

Sissikühlschrank von innen

Wieviel Sorgfalt man auch immer bei der Beladung des Kühlschranks aufwendet – die Ordnung ist in dem Augenblick zerstört, in dem das erste Lebensmittel aus dem Kühlschrank entnommen wird. Entnimmt man nach dem Füllen kein Lebensmittel sondern segelt sofort los, gibt es garantiert eine Welle, die das Boot so sehr krängen lässt, dass sich das Innere des Kühlschranks unmittelbar neu sortiert und somit die reguläre Unordnung in einem Segelbootkühlschrank wieder herstellt.

Wo hatte ich noch gleich die Schweinelende für heute Abend vergraben?

Sacarrabos

Brauereikneipe in Sines

Vor vielen Wochen waren wir in Schottland und ich habe im Blog etwa sinngemäß die Worte geschrieben “Wenn du nicht im Pub warst, hast du den Ort nicht besucht”.

Wenn man danach geht, haben wir so manchen Ort auf unserer Reise übersprungen, denn wir waren schon lange nicht mehr im Pub. Natürlich sind wir auswärts essen gegangen, doch haben wir schon lange keine Kneipe mehr nur für ein Bier aufgesucht. Das hat sich jetzt in Sines mal wieder geändert.

Als wir vorgestern durch den Ort gelaufen sind, haben wir die Brauerei gesehen. Wir wollten aber nicht einkehren, sondern zu unserem Abendessen zurück an Bord. Die Nachbarn am Steg, ein Paar aus Augsburg (und damit bierkundig), haben uns das Bier empfohlen. Also machten wir uns am Abend noch einmal auf den Weg in den Ort, um den Sacarrabos Brewpub zu würdigen.

Praia Vasco da Gama bei Nacht

Mehr als 100 Treppenstufen später saßen wir an einem Tisch mit wunderschöner Aussicht über den Hafen und verkosteten das Bier. Das Lagerbier ist frisch, für ein portugiesisches Bier sehr würzig und lecker. Das Red Ale enttäuschte, die erwartete Hopfennote fehlte völlig. Dafür konnte das IPA wieder überzeugen, hier kam der Hopfen hervorragend durch und es hat eine leicht zitronige Note. Sehr fein.

Prost!

Das hier soll keine Werbung, sondern eine Empfehlung sein. Die Brauerei hat von Dienstag bis Sonntag jeweils zwischen 10:00 Uhr und 4:00 Uhr geöffnet. Sie befindet sich am oberen Ende des nicht funktionierenden Aufzugs.

Sines haben wir jedenfalls besucht! Der Ort hat in jeder Hinsicht überzeugt. Ein ruhiger, günstiger Hafen mit tollen Duschen. Eine schöne Altstadt. Supermarkt noch einigermaßen fußläufig erreichbar. Und eine Brauerei. Ich könnte länger bleiben.

Brauerei

Adeus Lisboa!

Mal wieder ist es so weit. Wir machen die Leinen los und fahren zu neuen Zielen. Die Zeit in Oeiras und Lissabon war schön, doch nun wollen wir weiter. Wir wissen nicht, wo es uns hintreiben wird. Als Minimalziel planen wir, nach Sines zu kommen.

Wir haben den Supermarkt hier um die Ecke leer gekauft, die müssen den Rest der Woche nicht mehr arbeiten. Unser Hackenporsche ist mit seinem Übergewicht fast nicht mehr bis zur Marina gekommen. Dafür haben wir jetzt wieder ordentlich Vorräte gebunkert.

Das nächste Ziel in Portugal ist die Algarve. Wir haben uns bislang nur in Marinas herumgetrieben, wir müssen mal eine schöne Ankerbucht aufsuchen. Da bekamen wir in den letzten Wochen schon so manchen heißen Tipp.

Späte Nachmittagssonne an der Praça do Comércio

Drei neue Seiten sind zu unserem Blog hinzu gekommen: Lissabon, Castelo und Straßenbahn. Außerdem haben wir den Stalking-Link durch eine Seite ersetzt. Am Steg haben wir uns von neuen Bekannten verabschiedet, Mathilda, Danny und Marc von der Gentoo.

Apropos Schiffsnamen. Ich bin ja so ein Typ, der sich Namen nur schwer merken kann. Mit Schiffsnamen ist das einfacher, erst recht dann, wenn man ein Bild vom Schiff vor Augen hat. Außerdem gibt es weniger Schiffe als Menschen. Das geht mir aber nicht alleine so…

Trifft man unterwegs eine andere Segelcrew, dann nennt man immer den Schiffsnamen. Wenn Jens und ich also andere Segler treffen, dann sind wir die “Sissis“. So wird es allgemein gehandhabt. Auch wenn man einen Fremden am Steg ansprechen möchte, macht man das am besten mit dem Schiffsnamen.

Fette Hafenqualle in Oeiras

Das Kapitel Lisboa schließe ich vorerst mit einer dicken Hafenqualle, die es sich im Hafen von Oeiras gemütlich gemacht hat. Wir haben sie an mehreren Tagen gesehen. Wir sind in einer besonderen Stimmung, denn wir verlassen bald den Kontinent Europa.