Tortuga sticht in See

Holger haben wir vor zwei Wochen kennengelernt. Damals lag er mit seiner Tortuga hinter der Landebahn des Flughafens vor Anker. Dort hatte er kein Internet und so sind der Corona-Ausbruch und die Folgen für alle Segler zunächst an ihm vorbeigegangen. Er bemerkte zwar, dass der Verkehr auf der Uferstraße in der Nacht komplett zum erliegen gekommen ist, wusste aber nicht warum. Holger wartete alleine an Bord auf seine Crew. Die vorherige Crew konnte noch regulär nach Hause fliegen, die neue Crew aber nicht mehr in Aruba einreisen. Ein echtes Problem.

Tortuga an der Tankstelle

Ein Freund von Holger sitzt auf Martinique und würde ihm bei der Überführung nach Deutschland helfen. Der darf aber auch nicht nach Aruba. Also will Holger nach Martinique. Er hat sich schlau gemacht, weiß von den 14 Tagen Quarantäne, die ihn nach der Einreise erwarten. Dennoch fährt er nach Martinique.

Die Leinen sind los, die Fender werden noch verstaut.

Wir wünschen Holger eine gute Reise, perfekten Wind und dass er die richtige Entscheidung getroffen hat. Entscheidungen treffen ist heutzutage nicht einfach, weil sich die Rahmenbedingungen so schnell ändern und Segelboote so langsam sind.

Tortuga verlässt Oranjestad

Wenn wir mit dem Segelboot unterwegs sind, müssen andauernd Entscheidungen getroffen werden. Meist sind Wetter und Wettervorhersage Grund dafür, dass diese Entscheidungen notwendig sind. Damit können wir umgehen.

Vernagelte Schaufenster

Auch wenn wir in Oranjestad im Augenblick alles haben, was wir brauchen, machen mir bestimmte Anzeichen Sorge. Im Hafen liegt eine große Motorjacht eines alten Holländers, der schon vor 15 Jahren nach Aruba gezogen ist. Gestern hat er sich vom Supermarkt große Mengen Nahrungsmittel auf sein Boot liefern lassen. Er meint, dass die Leute im Augenblick noch entspannt seien, weil sie noch Geld haben. Das wäre in ein bis zwei Monaten anders. In der Innenstadt gibt es praktisch kein Geschäft mehr, das nicht die Schaufenster mit Brettern vernagelt hätte.

Vielleicht verlegen wir Sissi in die zweite Marina auf Aruba. Dort ist die Liegegebühr günstiger und sie liegt ziemlich abseits von allem. Das Einkaufen wäre zwar beschwerlicher, dafür wären wir aber weit weg von jedem für Randalierer oder Plünderer interessanten Fleck. Vielleicht passiert aber auch gar nichts. Auf welcher Grundlage sollen wir eine solche Entscheidung treffen?

Sonnenuntergang, immer wieder schön.

Auf keinen Fall sollte man Entscheidungen mit leerem Magen treffen. Wir haben Leiterchen beim Metzger eingekauft und diese über Nacht in einer leckeren Jerk-Tomaten-Marinade eingelegt. Unser großer Topf ist voll, es ist eine Portion für fünf hungrige Personen. Diese Leiterchen habe ich dann dreieinhalb Stunden auf kleinster Flamme schmoren lassen. Jutta hat bergeweise Pommes frittiert und für Gemüse gesorgt. Jens hat einen Schoko-Nuss-Pudding gerührt. Gemeinsam gab es dann eine große Völlerei. Das Fleisch war perfekt mürbe und löste sich problemlos von den Knochen. Der Wachmann von der Marina ist uns fast in den Topf mit den Leiterchen gesprungen. Eidechsen mögen auch Schoko-Nuss-Pudding. Die Entscheidung wird vertagt, der Magen ist viel zu voll dafür. Außerdem kann sie noch ein paar Wochen warten. Dann wissen wir mehr.

Eins wissen wir jetzt allerdings mit Sicherheit: Corona macht dick und rund.


Nachtrag: Die Tortuga ist wieder auf Aruba. Holger musste aufgrund von Problemen umdrehen.

Apfelwein auf Aruba!

Heute ist ein Freudentag. Gestern kam die Chapo nach Oranjestad und es war ein Freudentag. Heute ist schon wieder ein Freudentag! Und heute geschah das Ende einer langen Geschichte.

Die Geschichte beginnt in Frankfurt. Vor fast einem halben Jahr fragte mich Stefan, ein ehemaliger Arbeitskollege, ob er uns nicht mit einer Lieferung aus der Heimat unterstützen kann. Ich habe mich darüber sehr gefreut und bat ihn um den Versand einer Palette Apfelwein. Zu diesem Zeitpunkt sind wir in Portugal gewesen und haben alle möglichen Getränke probiert, die aus Äpfeln hergestellt werden. Keines davon war nur ansatzweise vergleichbar mit einem echten, leckeren Apfelwein.

Charly übergibt den Apfelwein an mich

Als wir wieder eine gesicherte Versandadresse hatten, weil wir auf unser neues Segel gewartet haben, hat Stefan das Paket mit unserem Lieblings-Paketdienst auf den Weg geschickt. Derweil hat sich in Stade der Segelmacher an seine Nähmaschine gesetzt und eine frische Genua für uns genäht. Die Genua wurde verpackt und in unsere Marina gesendet. Irgendwann konnten wir sie in den Händen halten. In der Zwischenzeit musste DHL lediglich eine Palette Apfelwein nach Lanzarote bringen.

Wir waren dann soweit, dass wir Lanzarote verlassen haben. Leider war der Apfelwein noch nicht da, laut Tracking hat er es sich in dieser Zeit in verschiedenen schönen Lagerhallen in Spanien bequem gemacht. Jutta und Charly von der Chapo haben sich bedankenswerterweise bereit erklärt, den Apfelwein für uns abzuholen, falls er irgendwann in der Marina eintrifft, und über den Atlantik zu segeln.

Vierundzwanzig neue Freunde!

Charly konnte den Schoppen gleich am folgenden Tag im Marinabüro abholen. Wie es der Herr Murphy so wollte, kam der Äppler gleich am Tag nach unserer Abfahrt in der Marina Rubicon an. Der Äppler verschwand in den Tiefen des Ankerkastens der Chapo.

Während wir uns schon in der Karibik vergnügten, war die Chapo immer noch auf den Kanaren. Innerlich hatten wir den Äppler schon abgeschrieben, denn wir fuhren von Barbados nach St. Lucia, die Chapos von Las Palmas nach Mindelo. Sie waren tausende von Meilen hinter uns zurück. Den Karneval verbrachten Jens und ich auf Martinique. Unser Apfelwein überlebte den Karneval in Mindelo. Es ist vielleicht auch besser, transozeanische Apfelweintransporte mit Hilfe von Bayern oder Franken durchzuführen, der Apfelwein überlebt dann leichter die lange Überfahrt.

Die Chapo verließ Mindelo, wir irgendwann Martinique. Wir bummelten in Richtung Bonaire, der Insel mit den tollen Korallen unter Wasser. Unser Apfelwein war in guten Händen.

Jetzt ist wieder Apfelwein an Bord!

Dann kam die Seuche. Es wurde immer klarer, dass die Chapo nicht ihrem ursprünglichen Plan folgen könnte, ihre Anhalter auf Barbados rauszulassen und sich dann mit uns in Jamaica zu treffen. Das war nämlich Gegenstand unserer Verabredung. Wir hätten uns bei plangemäßer Fortsetzung unserer Reise auf Jamaica mit großer Wahrscheinlichkeit verfehlt.

Grenzen wurden geschlossen und Segler hatten und haben damit große Probleme. Wo einreisen, wenn das Boot in einem Hafen außerhalb der Hurrikanzone liegen soll. Welches Land nimmt noch Segelboote an. Ich witterte die Gunst der Stunde (sagen böse Zungen) und wir konnten mit Hilfe von Frau Rodrigues (Honorarkonsulin) eine Einreiseerlaubnis für die Chapo über die ansonsten geschlossene Grenze bewirken. Im Vordergrund unserer Hilfe stand selbstverständlich nur der Apfelwein. Es lag überhaupt nicht daran, dass wir innerhalb des letzten Dreivierteljahres eine gemeinsame Freundschaft entwickelt haben.

Keine Quarantäne für den Äppler. Willkommen an Bord!

Danke Stefan, dass du den Apfelwein auf die lange Reise geschickt hast. Danke Jutta und Charly dafür, dass ihr ihn auf eurer Odyssee nicht ausgetrunken habt. Danke Frau Rodriguez, dass der Äppler einreisen durfte. Zwei Dosen stehen jetzt im Kühlschrank. Wir trinken nachher auf euch alle!

Diät

Dieser Tage fällt es einem nicht leicht, einen klaren Kopf zu behalten. Wir sitzen die meiste Zeit auf unserem Boot herum, hängen am Strand ab oder spazieren durch die praktisch menschenleere Innenstadt. Welche Internetseiten wir auch aufmachen, sie kennen alle nur das eine Thema. Das Thema, das ich in diesem Beitrag mit genau keinem Wort streifen möchte. Ich bin nämlich auf Diät – Nachrichtendiät.

Die Idee dazu hatte ich gestern Nachmittag, als ich eine Email von meinem ehemaligen Arbeitskollegen Uli bekam. Eine Diät ist genau richtig. Zu einer Diät braucht man natürlich das richtige Essen. Ich mache einen Spaziergang zum Metzger und kaufe uns ein Stück von einer Kuh.

Dann kommt der Fleischwolf zum Einsatz, dieses wunderbare Stück mechanischer Technik. Bei 32°C im Schatten möchte ich Hackfleisch nicht einmal die 750 Meter von der Metzgerei bis zum Sissikühlschrank tragen, deswegen lasse ich es lieber im Laden. Wir haben einen Fleischwolf, also wolfen wir selbst. Ich verwandle das Kuhstück in Hackfleisch. Von diesem Vorgang gibt es keine Bilder, denn mit den Kuhfingern fasse ich die Kamera nicht an. Beim nächsten Mal lasse ich Jens ein Bild machen.

Bolognese

Ich schneide einen kleinen Hügel voll Zwiebeln und eine ordentliche Portion Knoblauch. Es kommt nicht genau auf die Menge an, es kommt nur darauf an, dass es eine große Menge ist – nach Gefühl, Erfahrung und dem eigenen Appetit.

Dann brate ich das Hackfleisch an, packe Zwiebeln und Knoblauch dazu und zuletzt eine große Packung passierter Tomaten. Ein paar Finger voll scharfer, getrockneter Chilis von den Kapverden sorgen für eine gesunde Schärfe, Salz, Pfeffer, Oregano und etwas Zucker für einen leckeren Geschmack. Das alles darf eine Weile auf kleiner Flamme vor sich hin köcheln.

Käse mit viel Geschmack

Die Zeit nutze ich, um einen großen Block Käse aus Frankreich zu reiben. Das kommt mir etwas wenig Käse vor, also grabe ich aus dem Kühlschrank noch einen zweiten Käseblock aus und reibe ihn ebenfalls. Jetzt scheinen die Mengenverhältnisse zwischen Bolognesesauce und geriebenem Käse zu stimmen. Also gehe ich weiter zum nächsten Schritt. Ich heize den Ofen an.

Lasagne vor dem Backen

Hackfleisch, Teigplatten und Käse werden jetzt von mir sorgsam in die Lasagneform geschichtet. Damit am Ende alles in die Form passt, muss ich immer mal wieder kräftig darauf drücken. Zu guter Letzt kann ich jedoch alle Zutaten in die Form pressen und muss diese nur noch in den vorgeheizten Ofen schieben.

Nun habe ich Zeit. Viel Zeit. Es dauert 20 Minuten, bis die Teigplatten durchgekocht sind. Ich kann mir also ein Video anschauen. Am besten sind Tiervideos, denn es gibt nichts, was entspannender ist als Tiervideos, wenn man auf eine Lasagne wartet, die von Minute zu Minute ihren Duft intensiver im Salon verteilt.

Dann ist das Essen fertig. Es gelingt mir diesmal, die Form aus dem Ofen zu nehmen, ohne mir dabei irgendwelche Brandverletzungen zuzufügen. Das ist selten. Ich freue mich. Der Lasagneduft im Salon wird unbeschreiblich stark.

Lasagne frisch aus dem Ofen

Jens kratzt mit der Gabel über den Salontisch und meckert mich an, weil ich mit der Kamera hantiere, anstatt die Pasta einfach auf den Tisch zu schleudern. Es geht ihm zu langsam. Er springt mir fast auf die Füße. Ich zerteile die frisch gebackene Speise in portionsgerechte Stücke. Denke ich. Jens denkt, ich möchte ihn auf Diät setzen. Die Stücke sind ihm viel zu klein.

Viel zu kleine Portion Lasagne

Er meckert immer noch, bis der Teller endlich vor ihm steht. Dann inhaliert er den Duft, schimpft über die Temperatur der Mahlzeit und beginnt mit der Nahrungsaufnahme. Das geht dann plötzlich sehr schnell. Jens hat seine erste Portion schon genossen, als ich meinen Teller noch nicht einmal zur Hälfte leer gegessen habe. Er nimmt sich noch eine Portion. Und noch eine Portion. Jens ist ein Pastafari!

Genuss pur. Lasagne wird langsam gegessen.

Nach dem Essen wird es dann noch Zeit für ein wenig abendliche Unterhaltung. Die Entscheidung für ein Konzert fällt uns leicht, die Kultur führt auf einem Segelboot leider immer wieder ein Nischendasein.

Der Lasagneklumpen in meinem Bauch will und will sich nicht auflösen, Jens spricht nach einer Stunde schon wieder von einem “Hüngerchen”. Wer soll nur das ganze schmutzige Geschirr noch abwaschen? Egal, zuerst kommt der Kulturgenuss.

Den einen oder anderen Diättag werden wir in Zukunft wohl machen. Ich empfehle dir auch gelegentliche Diät. So lebt es sich angenehmer und entspannter. Und nach dem Konzert gehst du am besten gleich ins Bett und daddelst nicht mehr auf dem Smartphone herum. Sonst war die ganze Diät sinnlos.

Einkaufen wie in Holland

Wir befinden uns ja in den karibischen Niederlanden. Auf Bonaire nehmen sie zwar keine Euros sondern US$, ansonsten kommen wir uns schon so vor wie in Holland. Sie sprechen auch so wie in Holland. Irgendwas, das nach Halsentzündung klingt und Englisch. Ein guter Supermarkt soll nur etwa einen Kilometer von unserer Boje entfernt sein. Wir laufen los.

Straßenszene in den Niederlanden

Wir laufen also die Straße entlang zum Supermarkt, weil wir uns etwas versorgen wollen. Immer nur im Restaurant essen gehen ist doof, teuer und schmeckt auf die Dauer auch nicht. In der Karibik ist die Auswahl an Gerichten nicht allzu groß, lediglich die Zahlen neben den Gerichten haben eine komische Größe.

Bei unserem Spaziergang fällt uns auf, dass man nicht sehen kann, wie der Strom in die Straßenlaternen kommt. Hier haben sie zumindest in der Hauptstadt die Stromleitungen unter die Erde gelegt. Das war auf den anderen karibischen Inseln nicht so.

Van den Tweel Supermarket

Nach einer knappen halben Stunde sind wir da. Von außen macht der Supermarkt einen tollen Eindruck. So etwas haben wir seit Europa nicht mehr gesehen. Vielleicht ansatzweise auf den Kanaren, aber auch dort hatten die Supermärkte zumeist eine überschaubare Größe.

Supermarkt von innen

In den Regalreihen finden wir haufenweise Produkte, die wir zuletzt in Stavoren im Coop gesehen haben. Das ist wirklich lange, lange her. An einigen Regalen sind Schilder angebracht, dass sich die Container aus Holland aufgrund von schlechten Wetters verspäten und erst in der kommenden Woche eintreffen werden. Für uns ist jedenfalls noch genug da. Wir angeln ein tolles Rinderfilet aus der Fleischtheke (Herkunft: Netherlands) und dazu grünen Spargel aus Mexiko. Wir freuen uns auf das Abendessen.

Dann werden wir an die Jahreszeit erinnert. Ist denn wirklich schon bald Ostern? Wenn man wie wir ohne Jahreszeiten unterwegs ist, dann fehlt der Bezug zu solchen Terminen vollkommen.

Bald ist Ostern

Wir verzichten auf den Erwerb der Osterhäschen. So wichtig ist das nicht. Statt dessen kreisen wir noch durch die restlichen Regale des Ladens und finden bei den Bieren eine Sorte, die wir auch zuletzt in Stavoren getrunken haben: Brand. Aus der ältesten Brauerei der Niederlande. Wow. Da nehmen wir uns gleich einen Sixpack mit, für mehr reicht das Budget nicht. Eine Dose kostet nämlich 1,89$. Egal, das ist es uns heute wert. Und es schmeckt.

Brandje – Prost!

Alleine

Wir sind seit dem 15. Dezember letzten Jahres zum ersten Mal wieder alleine an Bord. Jörg hat sich gestern in den Flieger gesetzt und ist heute gut in Frankfurt angekommen. Wir hatten eine schöne Zeit zusammen, haben drei Länder bereist, sind gemeinsam vom Regen durchnässt und von der Sonne gebraten worden. Hoffentlich muss er in Deutschland nicht allzu sehr frieren.

Er ist jedenfalls mitten in der Faschingszeit in Frankfurt gelandet. Faschingszeit. Das kommt mir hier so unwirklich vor.

Jörg steigt in den Bus

Jens und ich sind nun wieder alleine an Bord. Am gestrigen Tag haben wir das genutzt und fast gar nichts gemacht. Wir haben die Zeit verrinnen lassen, uns kaum unterhalten und den Moment genossen. Seit Teneriffa haben wir viele tausend Meilen zurückgelegt, dabei war immer die Bugkabine belegt. Jetzt ist sie leer.

Laute Musik von der Uferstraße her macht mich auf einen Karnevalsumzug aufmerksam. Ich schnappe mir eine Kamera und gehe nachschauen.

Karnevalsumzug – äh – Kinderfasching

Aus verschiedenen Schulklassen kommen alle Teilnehmer des Umzugs. Jede Schule bzw. jede Klasse hat sich ein Motto gewählt. Gerührt war ich von jenen, die sich mit Flaggen aller Herren Länder geschmückt haben, auch wenn ich keine deutsche Flagge gesehen habe. Dafür ist Großbritannien noch dabei.

Die Gruppe wartet auf ihren Musikwagen

Vor jeder Gruppe fährt ein Musikwagen her. Die Zahl der Lautsprecherboxen ist jeweils beeindruckend, aber das sorgt für einen ausgewogenen Sound im ganzen Ort. Ich rufe Jens, der sich hinter Heavy-Metal verschanzt hat und den Staubsauger ausführt. Der Staubsauger kann in diesem Fall warten. Wir gehen in den Ort und suchen den Umzug.

Das Wort “Lautsprecherwagen” wird neu definiert

Wenn es nicht mehr weiter geht und sich der Umzug staut, wird einfach vor Ort getanzt. Auf dem Lautsprecherwagen ist der DJ, der für die musikalische Untermalung sorgt.

DJ Pult

Selbstverständlich habe ich ein kleines Video gemacht, damit ihr zu Hause auch die tolle Karnevalsmusik hören könnt. Hier geht es für eine Gruppe weiter, die gerade pausieren musste.

Und dann ist da noch die ganze Meute, die an der Uferstraße tanzt, weil es mit dem Umzug einfach nicht vorwärts geht. Stau ist im Karneval üblich, in der Wartezeit wird zur Musik gehüpft.

Als der letzte Wagen an uns vorbei gefahren ist und wir wieder herunter in die Marina laufen, sind wir uns ohne Worte einig, dass es mit der Arbeit für diesen Tag gelaufen ist. Wir gehen noch einen Döner essen und machen uns am Abend die Reste von der Lasagne warm.

Blick von oben auf die Marina

Heute haben wir geputzt, den Kühlschrank abgetaut (ja, wir haben eine ungewollte Eiswürfelmaschine!!!), die Wanten nachgespannt, lose Schrauben festgedreht, die Segellast aufgeräumt, die Bugkoje wieder auf Zweipersonenbetrieb umgeräumt, das Ersatzteil an die Windfahnensteuerung montiert und uns anschließend wieder ausgeruht. Morgen machen wir mit den Arbeiten weiter.

Kebap

Was braucht ein Frankfurter Bub, wenn er sich mal wieder so richtig wohl fühlen möchte – Nahrung wie in der Heimat. In Frankfurt kenne ich ein Dutzend guter Dönerläden, den letzten Döner auf unserer Reise hatte ich in Santiago de Compostela.

Direkt gegenüber dem Eingang der Marina in Le Marin befindet sich ein Kebap-Laden. An unserem Ankunftstag hatte er abends geschlossen. Jens und ich haben entschieden, dass wir am folgenden Tag, wenn Jörg Burti nach Fort de France bringt, einen Döner zu Abend essen. Doch am Abend hatte der Dönerladen wieder zu. Erst ein Gespräch mit der Joint Venture II brachte ein erhellendes Ergebnis. Der Dönerladen macht jeden Mittag auf, es wird genau ein Dönerspieß gegrillt und verkauft, dann macht der Laden wieder zu.

Dönerladen – geöffnet

Also fallen wir um die Mittagszeit im Dönerladen ein. Es herrscht recht viel Betrieb, das Restaurant scheint beliebt zu sein. Auch auf dem Spieß ist nicht mehr allzu viel drauf, wir hätten keine Stunde später dort einfallen dürfen. Wir bestellen drei Döner und drei Orangina.

Geripptes auf Martinique

Wir staunen nicht schlecht, als wir die Gläser für unsere Getränke an den Tisch gebracht bekommen. Echte Gerippte, die für einen mir vollkommen unbekannten Cidre werben. Und das tausende Kilometer von der Frau Rauscher entfernt.

Orangina ist Frankreich

Und schon stellt sich wieder das Frankreich-Gefühl ein. Orangina ist so französisch wie Baguette, Camembert und Rotwein. Es schmeckt einfach! Diese aus einem Schoppeglas auf Martinique zu trinken, hat natürlich auch seine besonderen Reize.

Der ausgesprochen freundliche Wirt bringt uns dann den Döner an den Tisch. Es ist eher eine Kreuzung aus Pom-Döner und Dürum-Döner, denn die Pommes sind gleich mit dem Dönerfleisch und dem Salat in den Fladen eingerollt.

Döner. Lecker. Mmmmmmh.

Auf dem Döner ist eine leckere Chili-Sauce und kein Ketchup, wie es in Santiago war. Die Pommes sind labberig-lecker und das Fleisch ist sehr gut. Ein Döner, wie man sich ihn in der Karibik nicht besser vorstellen kann. Ich möchte da noch einmal hin.

Gros Islet

Nur einen Kilometer von der Marina entfernt liegt der Ort “Gros Islet”. Hier fahren die Sammeltaxi-Busse hin, die die Marina mit der Hauptstadt verbinden. Wir laufen dort hin, um außerhalb der Marina etwas in einem Restaurant zu essen. Außerdem wollen wir sehen, wo und wie die Einheimischen leben. In der Marina ist man schon ziemlich für sich.

Hauptstraße in Gros Islet

Bei unserem ersten Besuch haben wir kein Bargeld. Wir sind am Abend vorher in St. Lucia gelandet und konnten bislang noch keinen Geldautomaten finden, der mit unseren Karten zusammen gearbeitet hätte.

Auf der Straße tobt das Leben

Auf der Straße ist kurz vor Sonnenuntergang einiges los. Wir genießen den Spaziergang, auch der Obdachlose, der uns den Ort zeigen will, bekommt einen Dollar. Da wir nur noch ein paar US-Dollar Bargeld haben, bekommt er einen US-Dollar. Also drei ostkaribische. Davon bekommt er ein Getränk.

Erwerb von Erfrischungsgetränken

Die einzige Bar, die ein MasterCard-Symbol hatte, suchten wir mit unseren Kreditkarten auf. Der Wirt meinte, es ist kein Problem, ein paar Erfrischungsgetränke auf Karte zu zahlen. Auch der Obdachlose bekommt jetzt noch ein Getränk. Der wird immer teurer für uns und wittert seine Chance für Nippesverkauf. Vergebens.

Die Papierrolle im Kartenlesegerät ist leer. Das verrät das Gerät auf Nachfrage. Der Wirt ist etwas überfordert. Er führt ein Videotelefonat und bekommt die Maschine erklärt. Dann legt er die Papierrolle zunächst falsch herum ein. Wir haben längst ausgetrunken. Dann legt er die Rolle richtig herum ein. Er druckt mehrere Meter Belege und am Ende können wir bezahlen. Dann gibt der Wirt noch eine Runde aus.

Die Sonne geht langsam unter

Bei unserem nächsten Besuch in Gros Islet wollen wir essen gehen. Wir finden ein Restaurant, das lecker riecht, und setzen uns hinein. Alles stimmt, das Essen ist lecker und der Preis nicht halb so hoch wie in der Marina. Hier gehen wir gerne wieder hin. Einen Teil des gesparten Geldes investieren wir dann noch in die Bar mit dem Kreditkartenleser.

Natürlich kennt der Wirt uns noch

In einer Laune lassen wir uns vom Wirt einen Rum empfehlen, der von St. Lucia sein muss und gut schmecken soll. Der Wirt versteht sofort, was wir wollen. Wir erhalten vier Plastikbecherchen mit etwas warmem Rum und einer Limonenschweibe darin. Beim ersten Schluck zieht sich mir alles zusammen. Ich habe Angst, den Laden blind zu verlassen. Mit etwas Cola und Eis wird das dann alles irgendwie erträglich. Ich trinke nie wieder Rum in einer solchen Kneipe.

Bescheuertes Selfie mit Rum

Niemand aus unserer Runde ist erblindet. Wir schauen uns am nächsten Tag die Edelspirituosen im marinaeigenen Duty-Free-Shop an. Da schmeckt der Rum sicherlich besser.

Fischmarkt

Wir haben einen Fisch auf der Fahrt über den Atlantik gefangen. Davon konnten wir zwar drei Wochen leben (der Fisch war ja riesengroß), aber irgendwann war er aufgegessen.

Fleisch ist auf Barbados nur in geringer Qualität bzw. zu Apothekenpreisen erhältlich. Fast alles wird tiefgefroren aus den USA eingeflogen. Fisch wird jedoch vor Ort gefangen und auf dem Fischmarkt verkauft.

So hatten wir feine Thunfisch-Steaks (4 Stück für 28 $ bzw. 14 €) oder Blue-Marlin (22$) in allerbester Qualität.

Fischmarkt

Jedem Besucher sei ein Besuch des Marktes angeraten. Man muss auch nicht so früh aufstehen, der Markt bietet auch gegen Mittag noch ein großes Angebot.

Thunfisch

Für den Transport zum Segelboot packen die Händler den Fisch auf Eis, dann bleibt er auch bei 30°C noch frisch bis zum Kühlschrank. Lekker.

Blue Marlin

Zwiebelbrot

Ich wünsche ein frohes neues Jahr. Wenn dieser Beitrag erscheint, schlafen wir auf dem Atlantik gerade den Kater von unserer Silvesterfeier aus. In den vergangenen drei Tagen haben wir drei Zwiebelbrote gebacken. Das Zeug isst sich schneller, als normales Brot. Ein normales Brot hält bei uns zwei bis drei Tage, ein Zwiebelbrot nur einen Tag.

Röstzwiebeln

Im Prinzip handelt es sich um eine Erweiterung unseres Standard-Brotrezepts. In den Teig werden zusätzlich noch dunkel geröstete Zwiebeln gegeben. Es schadet nichts, sie richtig schön dunkel zu rösten. Eine Zwiebel auf das normale Brotrezept ist prima.

Zwiebelbrot ist fertig!

WARNUNG: Extreme Suchtgefahr!!! Dieses Zwiebelbrot gefährdet den Bordfrieden. Dieses Zwiebelbrot führt zu Verteilungskämpfen. Dieses Zwiebelbrot will unbedingt gegessen werden. Dieses Zwiebelbrot übelebt keine 24 Stunden. Drei Männer. Drei Tage. Drei Zwiebelbrote.

Markteinkauf und Gaumenfreuden

Und wieder einmal haben wir es geschafft. Ich war bei den Behörden, wir verlassen die Kapverden offiziell am 31.12.2019. Den größten Teil der frischen Nahrung haben wir auf dem Mercado Municipal beschafft.

Mercado Municipal

Das Angebot an Waren ist groß, wenn man sich am Vormittag auf den Markt begibt. Je früher, desto besser. Wir waren für unsere Verhältnisse früh um 10 Uhr auf dem Markt. Die Regale waren noch voll, alles sah frisch und lecker aus.

Marktstand

Kiloweise haben wir Obst und Gemüse zur Sissi getragen. Die Waren vom Markt sind frisch und werden sich einige Zeit halten. Sie kommen von hier und sind nicht meilenweit mit Kühllastern durch die Gegend gefahren worden. Auch dass wir einen Touristen-Aufpreis bezahlen, macht den Markteinkauf nicht schlechter. Der Aufpreis kommt bei den richtigen Leuten an.

Entseuchungsstation

Nach dem Einkauf wird jedes Stück mit Salzwasser abgewaschen. Jens hat mehrere Viecher flüchten sehen, die wir nicht gerne an Bord gehabt hätten. Salzwasser hilft gegen Kakerlakeneier. Wichtig. Zum Glück gibt es keinen Mangel an Salzwasser.

Nach Abschluss der Bevorratung sind wir dann noch in eines der kleinen Gourmetrestaurants gegangen, um die letzten Escudos auf den Kopf zu hauen. Wieder einmal hat es sehr lecker geschmeckt.

Weiterer Gourmettempel

Morgen fahren wir los. 2000 Meilen weit. Schön, dass es wieder weiter geht. Die Wettervorhersage ist immer noch günstig, wir werden viel wenig Wind haben, jedoch genug für den Parasailor. Ich bin gespannt!