Alleine

Wir sind seit dem 15. Dezember letzten Jahres zum ersten Mal wieder alleine an Bord. Jörg hat sich gestern in den Flieger gesetzt und ist heute gut in Frankfurt angekommen. Wir hatten eine schöne Zeit zusammen, haben drei Länder bereist, sind gemeinsam vom Regen durchnässt und von der Sonne gebraten worden. Hoffentlich muss er in Deutschland nicht allzu sehr frieren.

Er ist jedenfalls mitten in der Faschingszeit in Frankfurt gelandet. Faschingszeit. Das kommt mir hier so unwirklich vor.

Jörg steigt in den Bus

Jens und ich sind nun wieder alleine an Bord. Am gestrigen Tag haben wir das genutzt und fast gar nichts gemacht. Wir haben die Zeit verrinnen lassen, uns kaum unterhalten und den Moment genossen. Seit Teneriffa haben wir viele tausend Meilen zurückgelegt, dabei war immer die Bugkabine belegt. Jetzt ist sie leer.

Laute Musik von der Uferstraße her macht mich auf einen Karnevalsumzug aufmerksam. Ich schnappe mir eine Kamera und gehe nachschauen.

Karnevalsumzug – äh – Kinderfasching

Aus verschiedenen Schulklassen kommen alle Teilnehmer des Umzugs. Jede Schule bzw. jede Klasse hat sich ein Motto gewählt. Gerührt war ich von jenen, die sich mit Flaggen aller Herren Länder geschmückt haben, auch wenn ich keine deutsche Flagge gesehen habe. Dafür ist Großbritannien noch dabei.

Die Gruppe wartet auf ihren Musikwagen

Vor jeder Gruppe fährt ein Musikwagen her. Die Zahl der Lautsprecherboxen ist jeweils beeindruckend, aber das sorgt für einen ausgewogenen Sound im ganzen Ort. Ich rufe Jens, der sich hinter Heavy-Metal verschanzt hat und den Staubsauger ausführt. Der Staubsauger kann in diesem Fall warten. Wir gehen in den Ort und suchen den Umzug.

Das Wort “Lautsprecherwagen” wird neu definiert

Wenn es nicht mehr weiter geht und sich der Umzug staut, wird einfach vor Ort getanzt. Auf dem Lautsprecherwagen ist der DJ, der für die musikalische Untermalung sorgt.

DJ Pult

Selbstverständlich habe ich ein kleines Video gemacht, damit ihr zu Hause auch die tolle Karnevalsmusik hören könnt. Hier geht es für eine Gruppe weiter, die gerade pausieren musste.

Und dann ist da noch die ganze Meute, die an der Uferstraße tanzt, weil es mit dem Umzug einfach nicht vorwärts geht. Stau ist im Karneval üblich, in der Wartezeit wird zur Musik gehüpft.

Als der letzte Wagen an uns vorbei gefahren ist und wir wieder herunter in die Marina laufen, sind wir uns ohne Worte einig, dass es mit der Arbeit für diesen Tag gelaufen ist. Wir gehen noch einen Döner essen und machen uns am Abend die Reste von der Lasagne warm.

Blick von oben auf die Marina

Heute haben wir geputzt, den Kühlschrank abgetaut (ja, wir haben eine ungewollte Eiswürfelmaschine!!!), die Wanten nachgespannt, lose Schrauben festgedreht, die Segellast aufgeräumt, die Bugkoje wieder auf Zweipersonenbetrieb umgeräumt, das Ersatzteil an die Windfahnensteuerung montiert und uns anschließend wieder ausgeruht. Morgen machen wir mit den Arbeiten weiter.

Schmusekater

Auf einem Ausflug mit dem Mietwagen halten wir an einem Aussichtspunkt. Wir wollen uns ein wenig die Beine vertreten und die schöne Aussicht fotografieren. Nach wenigen Augenblicken entdeckt Jens, dass der Aussichtspunkt nicht unbewohnt ist. Ein kleines Katerchen mit Halsband schaut neugierig.

Jens streichelt den Kater

Der kleine Kerl lässt sich problemlos auf den Arm nehmen. Er wirft seinen Motor an und brummt ungeniert. Dabei genießt er die Finger, die seine Ohren durchkraulen.

Jörg streichelt den Kater

Uns werden langsam die Finger lahm. Und von der schönen Landschaft haben wir auch noch keine Fotos geschossen. Dafür will der Kater wieder und wieder seine Aufmerksamkeit. Er brummt aber auch so lieblich.

Jörg streichelt den Kater

Wahrscheinlich wohnt der kleine Kerl in der Nähe und kommt immer an den Aussichtspunkt, wenn er Streicheleinheiten haben möchte. Seine Dosenöffner streicheln ihn wohl nie. Er muss Dosenöffner haben, denn er trägt ein Halsband und ist nicht halb verhungert.

Und dann gelingt es mir noch, mich für ein paar Hundertstelsekunden von dem Katerchen loszumachen und ein Foto von der Aussicht zu schießen.

Aussicht auf das Meer

Auch die Palmen sind ein Foto wert. Wir haben zwar nicht wegen des Katers angehalten, aber der kleine Kater hat der schöne Aussicht definitiv die Schau gestohlen. Ein schöner Stopp, ich hätte noch zwei Stunden bleiben können. Nein, wir haben das Schmuseviech nicht aus Versehen eingepackt.

Meerblick mit Palmen

St. Anne

Vor der Marina in Le Marin vorgelagert ist ein beliebter Strand, an dem auch gerne geankert wird. Um dort hinzukommen, muss niemand vor St. Anne ankern, es geht auch mit der Buslinie A von Le Marin aus, die Haltestelle ist gleich am Hinterausgang der Marina. Ich empfehle die Nutzung des Linienbusses, denn der Ankerplatz ist mir – mmmh – ein ganz klein wenig zu belebt.

Ankern vor St. Anne

Ich möchte hier meinen Anker nicht in den Sand graben. Das ist mir zu kuschelig. Die Buslinie A lässt uns am Busbahnhof raus, dort steigen wir in einen Kleinbus, der uns zum beliebten Strand “Les Salines” bringt.

Ein kurzer Gedanke an den Besuch einer Strandbar verflüchtigt sich, wir spazieren einen schattigen Weg entlang, an dem wie in Südfrankreich links und rechts die Autos geparkt sind. Der Franzose an und für sich geht gerne an den Strand, der Weg zum Auto darf nur nicht die 100 Meter übersteigen, nach denen die Wegstrecke unzumutbar lang wäre. Immerhin hat fast jeder eine schwere Kühltasche zu schleppen.

Strand in Les Salines

Irgendwann kommen wir an eine Absperrung, die den Autofahrern die Durchfahrt verbietet. Wir spazieren weiter, der Strand wird sofort merklich leerer.

Strand jenseits der Parkplätze

Zwischen den beiden obigen Bildern liegen etwa 500 Meter Wegstrecke. Man muss das nicht glauben, aber es ist so. Die Franzosen sind richtig fußkrank. Wir sind es nicht, spazieren den Küstenpfad weiter. Aus dem breiten, mit Fahrzeugen befahrbaren Weg wird ein richtiger Pfad. Wir begegnen immer weniger Menschen.

Wanderweg

Einerseits ist es ziemlich unmöglich, sich zu verlaufen. Auf der linken Seite haben wir immer das Meer, auf der rechten Seite Gestrüpp. Dennoch ist der Weg gut beschildert, auch Entfernungsangaben und Hinweise zu Sehenswürdigkeiten fehlen nicht. So etwa erwarten wir an einer Landspitze, eine Kapelle sehen zu können. Eine richtige Kapelle ist es nicht, aber sie ist Petrus gewidmet.

Kapelle

Für den Aufstieg auf die Steilküste gibt es aber auch noch eine weitere optische Entschädigung. Einen tollen Blick auf die Bucht, an der wir in der letzten Stunde entlang gelaufen sind.

Strand. Einsam wie im Reiseprospekt.

Die Vegetation unterscheidet sich natürlich gewaltig von der in Südfrankreich. Durch den häufigen Regen ist es vor allem sehr grün, wenn ich es mit Korsika im Herbst vergleiche. Und Kakteen in dieser Größe gibt es dort auch nicht.

Kaktus

Irgendwie kommt mir Martinique wie ein kleiner Fremdkörper in der Karibik vor. Es ist alles so französich. Und doch ist es karibisch. Ich weiß nicht so recht, wo ich das jetzt in meinem Kopf hinstecken soll.

Auch die hiesigen Franzosen arbeiten anders, als die in Europa. In Europa ist es kein Problem, als Ausländer mit den Franzosen Französisch zu sprechen. Hier schalten sie meiner Meinung nach viel zu schnell auf Englisch um, wenn ein Tourist vor ihnen steht.

Steilküste

Lässt man aber die Einheimischen weg und nur die Landschaft sprechen, ist das Karibik-Gefühl wieder da.

Bescheuertes Selfie auf Martinique

Also wandern wir weiter, es liegen noch einige Kilometer vor uns und der letzte Bus des Tages fährt schon um 18:30 Uhr. Französische Verhältnisse halt.

Mangroven

Der Wanderweg wird gesäumt von Mangroven. Es sind die ersten Mangroven, die ich in freier Wildbahn sehe. Der Tümpel ist außerdem eine Brutstätte für alle möglichen Mücken, die uns in der Marina bzw. am Ankerplatz jedoch verschonen. Sie fliegen dann doch nicht kilometerweit für eine Mahlzeit, sondern nehmen sich die Menschen, die direkt vor ihrer Tür wohnen.

Reiher

Auch eine größere Reiherkolonie findet sich in den flachen Gewässern, die nicht mit dem Meer verbunden sind, sondern nur über Regenwasser aufgefüllt werden.

Vor St. Anne finden wir nach der Wanderung noch eine Strandbar. Wir waren lediglich sechs oder sieben Kilometer weit unterwegs, bei Temperaturen um 30°C ist das allerdings genug. So erfrischen wir uns mit einer Orangina und dann fahren wir mit dem letzten Bus des Tages in die Dunkelheit zurück zu Sissi. Ein schöner Tag.

Kebap

Was braucht ein Frankfurter Bub, wenn er sich mal wieder so richtig wohl fühlen möchte – Nahrung wie in der Heimat. In Frankfurt kenne ich ein Dutzend guter Dönerläden, den letzten Döner auf unserer Reise hatte ich in Santiago de Compostela.

Direkt gegenüber dem Eingang der Marina in Le Marin befindet sich ein Kebap-Laden. An unserem Ankunftstag hatte er abends geschlossen. Jens und ich haben entschieden, dass wir am folgenden Tag, wenn Jörg Burti nach Fort de France bringt, einen Döner zu Abend essen. Doch am Abend hatte der Dönerladen wieder zu. Erst ein Gespräch mit der Joint Venture II brachte ein erhellendes Ergebnis. Der Dönerladen macht jeden Mittag auf, es wird genau ein Dönerspieß gegrillt und verkauft, dann macht der Laden wieder zu.

Dönerladen – geöffnet

Also fallen wir um die Mittagszeit im Dönerladen ein. Es herrscht recht viel Betrieb, das Restaurant scheint beliebt zu sein. Auch auf dem Spieß ist nicht mehr allzu viel drauf, wir hätten keine Stunde später dort einfallen dürfen. Wir bestellen drei Döner und drei Orangina.

Geripptes auf Martinique

Wir staunen nicht schlecht, als wir die Gläser für unsere Getränke an den Tisch gebracht bekommen. Echte Gerippte, die für einen mir vollkommen unbekannten Cidre werben. Und das tausende Kilometer von der Frau Rauscher entfernt.

Orangina ist Frankreich

Und schon stellt sich wieder das Frankreich-Gefühl ein. Orangina ist so französisch wie Baguette, Camembert und Rotwein. Es schmeckt einfach! Diese aus einem Schoppeglas auf Martinique zu trinken, hat natürlich auch seine besonderen Reize.

Der ausgesprochen freundliche Wirt bringt uns dann den Döner an den Tisch. Es ist eher eine Kreuzung aus Pom-Döner und Dürum-Döner, denn die Pommes sind gleich mit dem Dönerfleisch und dem Salat in den Fladen eingerollt.

Döner. Lecker. Mmmmmmh.

Auf dem Döner ist eine leckere Chili-Sauce und kein Ketchup, wie es in Santiago war. Die Pommes sind labberig-lecker und das Fleisch ist sehr gut. Ein Döner, wie man sich ihn in der Karibik nicht besser vorstellen kann. Ich möchte da noch einmal hin.

Busfahren auf Martinique

Ich bin begeisterter Motorradfahrer und habe zigtausend Kilometer auf französischen Straßen zurückgelegt. Dabei sind mir immer die Linienbusse aufgefallen, die ich dann mit hoher Geschwindigkeit überholt habe. Blitzblank waren sie immer geputzt, der Lack makellos. Die Klimaanlage brummte hörbar auf dem Dach. Busfahren in Frankreich muss eine tolle, bequeme Angelegenheit sein. Martinique ist Frankreich.

Uferstraße in Le Marin, Martinique auf dem Weg zur Bushaltestelle

Busfahren in Frankreich hat auch Nachteile. Auf dem Land sind die Fahrpläne sehr dünn, nur wenige Verbindungen am Tag erreichen die abgelegenen Dörfer. Es ist oft schwer, an Linienpläne, Fahrpläne und Fahrpreisauskünfte zu kommen. So habe ich es in Frankreich ebenfalls erlebt.

Südfrankreich pur.

Wir finden nach hartnäckiger Recherche im Internet einen Busfahrplan für die Buslinie BKJ, die uns nach Vauclin bringen soll. Auf Martinique gibt es lokale Buslinien, die sind nummeriert. 31, 32, 33, 54 und so weiter. Dann gibt es noch überregionale Buslinien, die haben Buchstaben. F, G, H oder eben BKJ. Um es noch etwas komplizierter zu machen, gibt es die Linien BKJ1 und BKJ2. Der Bus fährt etwa alle vier Stunden, das fühlt sich sehr französisch an. Unser Bus kommt pünktlich, die Klimaanlage funktioniert. Im Gegensatz zu den Bussen auf den vorherigen Inseln hat dieser Bus auch Sicherheitsgurte für die Passagiere – EU-Standard halt. Der Fahrpreis ist mit 2,10€ für die Einzelfahrt nicht überzogen.

Moderner Überlandbus

Nach einer knappen halben Stunde erreichen wir Vauclin. Den Busbahnhof, der vor den Toren der Stadt liegt. Da der Anschlussbus vor 10 Minuten abgefahren ist, laufen wir in den Ort. Es wären sowieso nur zwei Haltestellen gewesen und Anschlüsse oder Vertaktung sind in Frankreich Glückssache. Auch auf Martinique.

Uferpromenade in Vauclin

Beim Spaziergang an der Uferpromenade kommt uns ein Bus der Linie entgegen, mit der wir an einen bestimmten Punkt fahren wollten. So haben wir uns das am Busbahnhof ausgedacht, während wir den Linienplan studiert haben. Die Busfahrerin hält mitten auf der Straße an, sammelt uns ein und erklärt uns, dass sie nur bis zum Bahnhof fährt. Sie lässt uns auch nicht mehr raus, jedenfalls nicht vor dem Busbahnhof.

Also sind wir wieder da. Wir beschließen, mit irgendeiner Buslinie noch eine Überraschungsrunde zu drehen. Während wir unsere Dreiviertelstunde wartend absitzen, bewundern wir den Boxenstopp der Linienbusse. Ein mobiler Werkstattwagen ist vorgefahren.

Betankung an der Endhaltestelle

Unser Bus wird betankt, währenddessen fahren noch mehr Busse vor und sammeln sich um den Werkstattwagen.

Reifenwechsel an der Endhaltestelle

Die Busfahrer sitzen unter dem Baum im Schatten, während das Werkstattpersonal bei dem einen Bus sogar die Reifen wechselt – alle vier Reifen in einer guten Viertelstunde. Die Jungs sollten mal bei der Formel 1 anklopfen. Wenn die bei Linienbussen schon so schnell sind…

Der von uns ausgesuchte Bus fährt uns dann in die Berge. Auf schmalen und schmaleren Straßen geht es höher und höher. Okay, das Ziel heißt auch “La Haut”, was man mit “Die Höhe” übersetzen könnte. Der Ausblick aufs Meer wird wunderschön. Es ist leider ziemlich diesig.

Straße im Landesinneren

Immer wieder fahren wir an einzelnen Häusern vorbei, die entweder einen kleinen Garten oder gleich eine ganze Bananenplantage vor der Tür haben.

Bananen

Wir sehen einen kleinen Einkaufsladen, dort beschließen wir auszusteigen. Sonst haben wir auf unserer Runde keinerlei Läden oder Leben auf der Straße gesehen. Das ist ein großer Unterschied zu Inseln wie St. Lucia oder Barbados. Dort ist immer Leben auf der Straße. Hier ist Frankreich.

Der Hahn ist schon in essfertiger Größe

Aber auch auf Martinique scheint jeder seine Hühner zu haben. Sie laufen auf allen Inseln in jedem Ort auf der Straße herum und gackern.

Einkaufsladen mit Katze

Eine Katze spricht uns an und erklärt uns, wo der Einkaufsladen ist. Sie streicht uns über die Beine und lässt sich sogar hochnehmen. Dann sehen wir, dass es gar keine Katze ist, sondern ein junger Kater. Der Motor läuft auf Hochtouren.

Der Kater hält uns vom Einkaufen ab

Endlich ist es dem Katerchen genug. Wir können unseren in der drückend schwülen Hitze erworbenen Durst im Kaufladen löschen. Lustig, dass die das lokale Bier auf Martinique “Lorraine” nennen. Lothringen. Es schmeckt auch ein wenig wie Kronenbourg.

Lorraine

Als wir gerade mit dem Bier fertig geworden sind, kommt der Bus schon wieder vorbei. Wir hatten gerade mal 70 Minuten Zeit in diesem verschlafenen Nest. Die 70 Minuten haben aber den ganzen Tag aufgewertet.

Für die Rückfahrt nehmen wir wieder die Buslinie BKJ. Diesmal ist es eine BKJ1, wir hatten auf dem Hinweg die BKJ2. Beim Busfahrer löse ich drei Fahrkarten nach Le Marin und bezahle den erwarteten Betrag. Eine halbe Stunde später wirft uns der Busfahrer kurz vor Fort de France raus, er hat Endstation. Ich frage ihn nach Le Marin, er schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Nach einer weiteren halben Stunde Wartezeit bringt uns dieser Bus dann den ganzen Weg zurück bis Le Marin. Es ist der letzte Bus des Tages (um 17:00 Uhr). Busfahren auf Martinique ist wie Busfahren in Frankreich. Gut gekühlt verlassen wir den klimatisierten Bus und laufen in die Marina.

Gros Islet Friday Night Party

Jeder hat uns von der großen Party erzählt. Der Sicherheitsmann am Marinator. Der Wäschemann mit seinem Wäscheboot. Der Obstmann. Die Taxifahrer. Die Busfahrer. Der Barmann. Alle sprechen von der großen Friday Night Party in Gros Islet. Es steht in allen Reiseführern. Wir müssen da hin.

Vor der Marina warten wir kurz auf den Bus, als ein Taxifahrer vorbei kommt und uns ein Taxi empfiehlt. Es sei schwierig, mit dem Bus zur Party zu kommen, weil da jeder hinfahren würde. Der Bus kommt nach zwei Minuten und hat Platz für uns alle.

Am Anfang sind noch nicht alle Verkaufsstände fertig aufgebaut

Wir spazieren von der Bushaltestelle aus die Partymeile entlang. Aus der Ferne erklingt Musik, die großen Lautsprecherboxen haben wir schon vor ein paar Tagen gesehen. Es riecht lecker nach Grill. Es ist etwa 20 Uhr.

Mir fällt sofort auf, dass ich mich mit meiner hellen Hautfarbe nicht mehr alleine fühlen muss in Gros Islet. Unter der Woche sieht man hier keine weißen Touristen, am Freitagabend ist alles voll davon. Das muss an den Reiseführern liegen.

Zielgruppe

Es ist schon schön gemacht. Überall am Straßenrand sind Stände mit Grill (Hühnchen, Leiterchen, Lobster, Spieße) oder Rumpunsch oder Nippes. Die Nippesbuden sind schwer frequentiert.

Nippesbude

Auch ein Kunsthandwerker hat seinen Verkaufsstand aufgebaut. Hier ist der Andrang doch recht übersichtlich. Ob sich das in der Nacht noch ändern wird?

Kunst

Zunächst ist das alles sehr übersichtlich. Der Andrang hält sich bis 22 Uhr noch ziemlich in Grenzen. Wir essen vom frisch Gegrillten zu Abend und lassen uns ein wenig durch die Straßen treiben.

Grillbude

Nicht nur die zweibeinigen Bewohner von Gros Islet freuen sich jeden Freitag auf die Party und das Geld, das ihnen in die Kasse gespült wird. Auch die vierbeinigen Bewohner scheinen ihre helle Freude an der Grillorgie zu haben.

Vierbeinige Zuschauer beim Abendessen

Wir beschließen gegen 23 Uhr, dass wir wieder zurück zu Sissi wollen. Inzwischen ist es richtig voll geworden. Die Leute tanzen auf der Straße. Es herrscht Ballermann-Stimmung. Drogenverkäufer bahnen sich ihren Weg durch die Menge. Es wird sogar offen Kokain angeboten, das habe ich noch nie in dieser Form gesehen.

Ballermann auf St. Lucia

Ich habe ein paar kleine Videos angefertigt, um die Stimmung besser transportieren zu können.

Die Leute in diesem Film haben freiwillig gezeigt, dass sie Probleme haben, ihren Namen grammatikalisch korrekt zu tanzen. Alle. Wirklich jeder in diesem Video.

Fazit: Noch einmal brauche ich sowas nicht. Es war eine sonderbare Erfahrung. Ich habe aber auch noch nie einen Pauschalurlaub in einem Ferienresort gemacht. So sieht das also aus, wenn die Leute aus dem Resort frei gelassen werden.

Busfahren auf St. Lucia

Anstatt mich Jens uns seinen Fahrkünsten anzuvertrauen, teste ich lieber den öffentlichen Busverkehr. Die Busse fahren für Preise zwischen 1,50$ (XCD) und 8$ zwischen allen wichtigen Städten der Insel hin und her. Es sind Kleinbusse, dafür gibt es davon unglaublich viele. Die Linie 1A von Castries nach Gros Islet fährt an der Marina vorbei und die Fahrzeuge kommen alle zwei Minuten, manchmal noch öfter. Es handelt sich wohl um die bestfrequentierte Buslinie der Insel.

In Castries steige ich um auf die Linie 2H nach Vieux Fort. Bei unserem Kurzbesuch mit dem Mietwagen hatte ich den Eindruck, dass ich diesen Ort unbedingt noch einmal in Ruhe ansehen möchte.

Bushaltestelle der Linie 1A in Castries

Ich komme an einer zentralen Bushaltestelle an. Zunächst freue ich mich, dass ich gleich den zentralen Busbahnhof gefunden habe. Da stehen über 100 Minibusse auf einem riesigen Parkplatz, eine Schlange Minibusse steht am Straßenrand und rollt Meter um Meter vor. Dann sehe ich, dass es sich nur um die Haltestelle der Linie 1A handelt

Die Linie 1B hat ihre Haltestelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ein paar Kreuzungen weiter finde ich Busse der Linien 3H und 4C. Nur die Haltestelle der 2H finde ich nicht. Ich frage einen Passanten. Der erklärt mir, dass ich durch die halbe Stadt laufen muss, um die Haltestelle der 2H zu finden.

Verkaufsbuden in Castries

Ich mache mich auf den Weg, der am Kreuzfahrtterminal vorbei führt. Unterwegs sehe ich eine Bushaltestelle nach der anderen. Immer steht eine mehr oder minder große Zahl von Minibussen abfahrbereit da und wartet auf Fahrgäste. Irgendwann wird mir klar, dass die ganze Innenstadt von Castries ein riesiger Busbahnhof ist mit tausenden von Minibussen, die über mehrere Dutzend Routen von hier aus auf die Insel ausschwärmen.

Mit der Linie 2H geht es dann bald los. Die Busse fahren wesentlich schneller als Jens. Und die Busfahrer kennen alle Schlaglöcher mit ihren Vornamen. So ist die Fahrt dann eher ein sanftes Gleiten unter ständigem Fahrtrichtungswechsel, wenn den Schlaglöchern ausgewichen wird. Der Busfahrer nimmt es auch mit der Fahrzeit sehr genau, er hat für für eine Airline gearbeitet und setzt jetzt alles daran, seine Fahrgäste mit Höchstgeschwindigkeit und maximalem Komfort zu befördern.

Zu allem läuft selbstverständlich Reggae-Musik im Radio.

Vieux Fort macht mir auf den zweiten Blick keinen Spaß mehr. Zu den Einheimischen finde ich praktisch keinen Kontakt. Im Prinzip gibt es nur zwei Sorten von Einheimischen. Die ganz, ganz armen Leute, die jeden Touristen um ein paar Dollar anschnorren. Und diejenigen, denen es ganz gut geht und die einen Job haben. Von denen werde ich ignoriert. Es ist sehr, sehr schwer, mal ins Gespräch zu kommen. Kann es sein, dass das von den vielen Kreuzfahrttouristen herrührt? Wenn ich mal ins Gespräch gekommen bin und mein Boot als Segelboot verortet ist, ist der Gesprächspartner plötzlich viel aufgeschlossener.

Hauptstraße in Viex Fort

Bemerkenswert allerdings die Predigerin. Das haben wir auf Barbados schon gesehen und hier sehe ich es jetzt auch. Eine Frau, die mit Hilfe einer starken Lautsprecheranlage jedem über Gott erzählt. Dabei werden Maiskolben gegrillt.

Ich nehme den nächsten Bus in Richtung Souvriere. Der Linienweg geht über eine schöne Küstenstraße, das weiß ich schon von meiner Mietwagentour. Auch dieser Busfahrer gibt alles. Busse überholen andere Fahrzeuge. Busse werden nicht überholt.

Einfahrt nach Souvriere mit Kirche

In Souvriere fällt mir die Kirche auf, die sich so ganz von den anderen Kirchen auf der Insel unterscheidet. Die meisten haben die Anmutung einer Garage, auf die man ein Türmchen mit Glöckchen und Kreuz gestellt hat. Diese hier sieht massiver aus.

Nicht erst gestern erbaut worden.

Sie ist außerdem eine der wenigen Kirchen, die außerhalb des Gottesdienstes geöffnet sind. Diese Gelegenheit lasse ich mir nicht entgehen, es ist die erste Kirche, die ich auf diesem Kontinent fotografiere.

Kirche von innen

Der Spaziergang führt mich weiter durch den Ort und ich staune nicht schlecht, als ich das Dienstschild des deutschen Honorarkonsuls sehe. Mitten in Souvriere. Und nicht über Google findbar, jedenfalls nicht auf die Schnelle. Das Nagelstudio findet man schon.

Honorarkonsul

Die Busfahrt führt mich weiter durch viel Grün auf der Insel. St. Lucia ist wesentlich stärker bewaldet als Barbados. Das liegt natürlich auch daran, dass ein großer Teil des Bodens landwirtschaftlich überhaupt nicht genutzt werden kann.

Küstenstraße

Der Busfahrer gibt wieder alles. Die Fahrt ist rasant. Plötzlich legt er den Sicherheitsgurt an. Dann kommt ein Polizeiwagen am Straßenrand, das sieht wie eine Kontrolle aus. Dann legt er den Gurt wieder ab.

Dschungel

Kurz vor der Hauptstadt geht es dann über die Bananenplantage. Ich konnte aufgrund der rasanten Fahrt kein Bild der Plantage selbst anfertigen, aber einen Verkaufsstand habe ich erwischt. Es ist Nachmittag, die Kreuzfahrer sind alle weg und die meisten Stände sind verwaist.

Bananenverkauf

Auf den letzten Metern vor Castries kommen wir dann noch an einer Schule vorbei, die gerade Schulschluss hat Die Kinder warten alle auf Busse. Unser Bus ist voll, muss also nicht anhalten. Die Kinder sind das Warten gewohnt.

Schulschluss

Im Stau auf den letzten Metern fragt mich der Busfahrer, ob ich denn noch rechtzeitig zu meinem Schiff zurück kommen werde. Das bejahe ich und erkläre ihm, dass ich noch ein paar Meter bis zum Schiff fahren muss. Das Segelboot macht mich wieder interessant, plötzlich will er mein Herkunftsland wissen und wie das ist, über den Atlantik zu segeln. Die Menschen hier sind doch völlig normal, neugierig eben. Nur nicht an den Kreuzfahrern interessiert. Außer für einen schnellen Dollar.

Unterwegs im Mietauto

Wir haben uns für zwei Tage einen Mietwagen besorgt. Ein optisch von den einheimischen Taxis vor allem durch seine Unverbeultheit unterscheidbarer 8-Sitzer. Also für acht Japaner. Auf St. Lucia gibt es praktisch nur japanische Fahrzeuge. Da sind aber alle namhaften Hersteller vertreten, vom Suzuki-Kleinwagen bis hin zum großen Lexus.

Unsere Tour soll uns einmal um die Insel herum führen. Jens hat sich bereit erklärt, das Ruder zu übernehmen. Keiner von uns hat richtig Lust, das Auto zu fahren. Der Weg führt uns zunächst in die Hauptstadt Castries.

Kreuzfahrtschiff im Hafen von Castries

Im Mietwagen quälen wir uns durch den Stau in der Innenstadt. Der Kreuzfahrer überragt alle Gebäude und wirkt deplatziert. Die Straße windet sich wieder aus der Stadt heraus, es wird langsam grün und dann eröffnet sich noch einmal ein Blick über die Bucht von Castries – mit drei Kreuzfahrtschiffen.

Kreuzfahrer in Castries

Anschließend fahren wir durch Bananenplantagen (Jens weigert sich anzuhalten) und Verkaufsstände für Nippes. Ob die wohl an die Kreuzfahrttouristen verkaufen? So viele Segler sind nicht auf der Insel unterwegs, davon könnten sie nicht leben.

Die beiden Pitons

Mitten im Dschungel halten wir an, eigentlich um einen Farn zu fotografieren. Ein freundlicher Armkettchenhändler macht uns auf den schönen Blick auf die Pitons aufmerksam. Dafür will er lediglich noch ein paar Armkettchen verkaufen, Zigaretten schnorren, Dollars erbetteln und uns noch ganz, ganz viel erzählen. Hier hat es Vorteile, nicht auf den Bus warten zu müssen.

Jens tritt aufs Gas. Er holt alles aus dem Mietwagen heraus. Er trifft jedes Schlagloch in der Straße. Leider kommen sie auf St. Lucia nicht hinterher, die durch den starken Frost entstandenen Frostaufbrüche und Schlaglöcher zu reparieren. Das japanische Auto ist das perfekte Suchgerät. Unsere Bandscheiben kreischen. Im Abstand weniger Minuten ziehen Linienbusse, Privatautos, Pferdekutschen und Schneckenrennen an uns vorbei.

Überholer

Auch der Pickup-Truck überholt uns mit hoher Geschwindigkeitsdifferenz. Der Blick auf die Ladefläche lässt mich fast laut lachen und ganz schnell die Kamera hochreißen. Dieses Foto wollte einfach aufgenommen werden.

Lotse in Souvriere

In Souvriere kommen wir wieder in einen dicken Stau, versuchen es mit einer Umfahrung und stecken fest. Ein Anwohner nutzt die Gelegenheit, uns von dem Unfall zu erzählen, den es gegeben hat. Dann lotst er uns Schritt für Schritt wieder aus dem Straßengewirr. Das alles tut er für uns, ein paar Dollar und Zigaretten.

Der Reichtum auf dieser Insel scheint sehr ungleich verteilt zu sein. Auf Barbados sah das anders aus. Dort erschienen uns die Armen nicht ganz so arm. Hier stürzen sie sich auf jeden Touristen, um sich ein paar Dollar zu erbetteln. Gleichzeitig ist die Zahl japanischer Luxuslimousinen auf den Straßen erstaunlich hoch.

Hier endlich kehren wir ein

Wir fahren weiter, weiter und weiter. Bis ganz in den Süden nach Vieux-Fort. Wir sehen Kühe unter Palmen wiederkäuen, halten aber nicht an für ein Foto. In Vieux-Fort kommen wir aus Versehen in eine Einbahnstraße. Falsch herum natürlich. Es geht glimpflich aus, Jens kann den Wagen wenden, bevor der erste Gegenverkehr kommt. Irgendwann macht sich ein Murren im Wagen breit, wir wollen Nahrung, wir wollen eine Pause. Kaltgetränke.

Wir fahren von der Hauptstraße ab in ein kleines Dorf. Zuerst finden wir den Fischmarkt, dann gibt es nirgendwo eine offene Kneipe. Dann ist die Straße halb mit einem Jeep blockiert, an dem wir natürlich mit dem Kotflügel hängen bleiben. Der Schaden am Jeep ist egal, ein Einheimischer erklärt uns, dass das Auto aufgegeben wurde. Der Schaden am Kotflügel des Mietwagens – so erfahren wir ein paar Tage später – ist ein ganz klein wenig höher, als die Selbstbeteiligung der Autoversicherung.

Endlich finden wir in diesem Dorf eine Art Dorfkneipe, die natürlich Hähnchenschenkel im Angebot hat. Und Pizza. Wir stillen Hunger und Durst. Die örtliche Katze ist nicht zur Zusammenarbeit bereit.

Jens findet auf dem Rückweg zur Marina noch ein paar Schlaglöcher, ansonsten kommen wir gut zurück bei Sissi an. Am zweiten Tag der Automiete will ich nicht mehr mit. Mir war es zu viel Fahrerei und wir haben keine Einheimischen kennen gelernt.

Gros Islet

Nur einen Kilometer von der Marina entfernt liegt der Ort “Gros Islet”. Hier fahren die Sammeltaxi-Busse hin, die die Marina mit der Hauptstadt verbinden. Wir laufen dort hin, um außerhalb der Marina etwas in einem Restaurant zu essen. Außerdem wollen wir sehen, wo und wie die Einheimischen leben. In der Marina ist man schon ziemlich für sich.

Hauptstraße in Gros Islet

Bei unserem ersten Besuch haben wir kein Bargeld. Wir sind am Abend vorher in St. Lucia gelandet und konnten bislang noch keinen Geldautomaten finden, der mit unseren Karten zusammen gearbeitet hätte.

Auf der Straße tobt das Leben

Auf der Straße ist kurz vor Sonnenuntergang einiges los. Wir genießen den Spaziergang, auch der Obdachlose, der uns den Ort zeigen will, bekommt einen Dollar. Da wir nur noch ein paar US-Dollar Bargeld haben, bekommt er einen US-Dollar. Also drei ostkaribische. Davon bekommt er ein Getränk.

Erwerb von Erfrischungsgetränken

Die einzige Bar, die ein MasterCard-Symbol hatte, suchten wir mit unseren Kreditkarten auf. Der Wirt meinte, es ist kein Problem, ein paar Erfrischungsgetränke auf Karte zu zahlen. Auch der Obdachlose bekommt jetzt noch ein Getränk. Der wird immer teurer für uns und wittert seine Chance für Nippesverkauf. Vergebens.

Die Papierrolle im Kartenlesegerät ist leer. Das verrät das Gerät auf Nachfrage. Der Wirt ist etwas überfordert. Er führt ein Videotelefonat und bekommt die Maschine erklärt. Dann legt er die Papierrolle zunächst falsch herum ein. Wir haben längst ausgetrunken. Dann legt er die Rolle richtig herum ein. Er druckt mehrere Meter Belege und am Ende können wir bezahlen. Dann gibt der Wirt noch eine Runde aus.

Die Sonne geht langsam unter

Bei unserem nächsten Besuch in Gros Islet wollen wir essen gehen. Wir finden ein Restaurant, das lecker riecht, und setzen uns hinein. Alles stimmt, das Essen ist lecker und der Preis nicht halb so hoch wie in der Marina. Hier gehen wir gerne wieder hin. Einen Teil des gesparten Geldes investieren wir dann noch in die Bar mit dem Kreditkartenleser.

Natürlich kennt der Wirt uns noch

In einer Laune lassen wir uns vom Wirt einen Rum empfehlen, der von St. Lucia sein muss und gut schmecken soll. Der Wirt versteht sofort, was wir wollen. Wir erhalten vier Plastikbecherchen mit etwas warmem Rum und einer Limonenschweibe darin. Beim ersten Schluck zieht sich mir alles zusammen. Ich habe Angst, den Laden blind zu verlassen. Mit etwas Cola und Eis wird das dann alles irgendwie erträglich. Ich trinke nie wieder Rum in einer solchen Kneipe.

Bescheuertes Selfie mit Rum

Niemand aus unserer Runde ist erblindet. Wir schauen uns am nächsten Tag die Edelspirituosen im marinaeigenen Duty-Free-Shop an. Da schmeckt der Rum sicherlich besser.

Kopfüber ins Aquarium

Ein paar hundert Meter von unseren Ankerplatz in der Carlisle Bay entfernt liegen drei Schiffswracks auf 3-5 Metern Tiefe auf dem Grund herum. Am laufenden Band werden Touristen in Ausflugsbooten zum Schnorcheln dorthin gekarrt. Der Preis für so eine Tour liegt zwischen 60 und 90 Dollar. Jörg Bauer und ich schnappen uns Schnorchel und Flossen, hüpfen ins Dingi und fahren auf eigene Faust los. In einem abgesperrten Bereich finden wir eine Boje zum Festmachen und springen ins Wasser. Ich war vorher noch nie so richtig schnorcheln. Wir treiben wie schwerelos mit dem Kopf nach unten auf dem Bauch im Wasser. Das Wasser ist angenehm warm. Ein tolles Gefühl.

Schiffswrack

Es dauert nicht lange, bis wir das erste Wrack finden. Als künstliches Riff bietet es Heimat für hunderte von kleinen, bunten Fischen, wie ich sie sonst nur aus dem Aquarium kenne.

Neugierig kommen die Fische näher und als ich mich umdrehe, tummelt sich ein ganzer Schwarm um meine Füße. Langsam gewöhne ich mich an das Atmen durch den Schnorchel. Ich könnte hier stundenlang herumtreiben.

Viele kleine Fische über ihrem Hausboot.

Sobald sich ein großer Fisch nähert, verschwinden die Kleinen in Sekundenbruchteilen im Schutze des Wracks.

Mehr als einen Meter entfernen sich die kleinen nicht vom Bug des Wracks.

Es soll hier auch Schildkröten geben, doch leider bekommen wir keine zu sehen. Statt dessen gleitet ein großer Meeressäuger langsam über mich hinweg.

Grazil und anmutig bewegt sich der schwere Meeressäuger durch sein Element.