Salinas de Janubio

Unser Einstieg in die Lavaküste war bei den Salinas de Janubio. Das sind die größten Salinen, die es auf den Kanaren gibt.

Salinas de Janubio

Wir waren sofort fasziniert von der Anlage. So fasziniert, dass wir im örtlichen Souvenirladen Salz gekauft hätten, waren wir allerdings nicht. Für mich schmeckt Salz immer salzig, ob es nun als Salz aus den Alpen oder als Meersalz daher kommt.

Salzgewinnung direkt am Ozean

Natürlich ist es etwas Besonderes, wenn das Salz direkt aus dem Atlantik gewonnen wird. Für mich war es aber etwas ganz Besonderes, die Anlage dieser Salinen im Lavagestein zu sehen. Salzgewinnung aus dem Meer gibt es an vielen Orten, das vulkanische Ambiente ist einzigartig.

Salztürme

Für uns Touristen ist neben den Salinen ein schöner Aussichtsparkplatz gebaut worden, von dort aus sind auch die Bilder entstanden.

Außerdem hatten wir den ersten Eindruck von der Lavaküste, wo das Meer auf Land trifft und die in den Wellenbergen gespeicherte Kraft in Bruchteilen von Sekunden freigesetzt wird.

Wellen brechen sich vor den Salinen

Damit nicht so viel passiert, hat man sogar ein schönes Hinweisschild aufgestellt. Das Baden an dieser Stelle wird nicht empfohlen.

Baden nicht zu empfehlen

Der Text könnte aus Großbritannien stammen. Ich habe einmal in einem Hafenführer gelesen, dass es nicht zu empfehlen sei, die östliche Einfahrt in den Hafen zu nehmen. Bei Hochwasser war der Text nicht zu verstehen, bei Niedrigwasser stand ein riesiger Felsen mitten in der östlichen Einfahrt. So ist es hier auch mit dem Baden.

Viel schöner als das Baden ist an einer solchen Stelle die Fotografie. Jens und ich haben ewig herumgestanden und versucht, das perfekte Foto von den brechenden Wellen zu machen.

Jagd auf das perfekte Foto

Dabei haben wir es nicht bewenden lassen. Wir haben uns auch noch gegenseitig aufs Korn genommen. Hier ein Bild von Jens, wie er mit seiner Kamera aussieht:

Jens mit Kamera vor dem Gesicht

Wenn zwei Menschen die Kamera aufeinander halten, muss irgendwann einer von beiden aufgeben und die Kamera zuerst herunter nehmen. Ich war es diesmal nicht, diesmal war es Jens.

Jens ohne Kamera vor dem Gesicht

Und wie sah das Ergebnis aus? Gut sah es aus. Die Bilder von dort waren einzigartig, nicht zu steigern und überhaupt. Dachten wir. Dabei hatte unsere Fahrt entlang der Lavaküste erst angefangen.

Kaum zu glauben, wie oft wir an diesem Tag noch auf den Auslöser gedrückt haben. Ich werde einige Zeit brauchen, die Bilder für das Blog aufzubereiten. Die Eigenart der Landschaft bringt es nämlich mit sich, dass man praktisch keine schönen Bilder ohne Nachbearbeitung erzeugen kann, jedenfalls nicht mit unseren Kameras. Es war ein schöner Tag.

Lava mit brechenden Wellen

Timanfaya

Timanfaya ist keine Tropenkrankheit, sondern eine wichtige Sehenswürdigkeit auf Lanzarote.

Eine riesige Geröllhalde aus erkalteter Lava und Asche läuft unter dem Namen “Nationalpark Timanfaya“. Wir haben uns unser Speed-Dinghi geschnappt und dort einen Besuch gemacht. Gleich an der Einfahrt zum Parkplatz ziehen sie einem 10€ pro Person aus dem Portemonnaie, man kann sich praktisch nicht dagegen wehren, auch nicht einfach so wild parken, denn direkt neben der Straße türmt sich das Vulkangestein in ungeahnten Höhen.

Im Eintrittsgeld inkludiert ist eine gut halbstündige Rundfahrt mit dem Touristenbus. Kaum hatten wir das Auto verlassen, wurden wir quasi schon in den nächsten abfahrbereiten Bus gedrückt. In vier Sprachen (Spanisch, Englisch, Deutsch und Französisch) wurde den Fahrgästen vor der Abfahrt mitgeteilt, dass es in wenigen Minuten losgehen wird, dass aus Zeitgründen die Durchsagen während der Fahrt nur in Spanisch, Englisch und Deutsch gemacht werden und dass man unterwegs nicht aussteigen können wird. Man möge sich für den vollen Text bitte die App aufs Handy laden.

Nach dem dreimaligen Genuss dieser Vor-der-Fahrt-Ansage stieg der Busfahrer endlich ein und es ging los.

Im Touristenbus

Während der Fahrt läuft dann ein dreisprachiger Text, der die Vulkanausbrüche in der Vergangenheit beschreibt. Der Bus hält dazu an verschiedenen interessanten Gesteins- und Kraterformationen. Ich habe außer dem obigen Bild im Bus keine Fotos gemacht, das war mir zu albern. Die meisten anderen Fahrgäste haben die Fahrt gefilmt und schlechte Bilder durch die getönten, schmutzigen Scheiben gegen die Sonne gemacht.

Das mag alles jetzt ein wenig abwertend klingen, ich meine das gar nicht so. Ich bin nur nicht so sehr an das Verhalten von Touristen in Gruppen gewöhnt. Die Fahrt selbst macht Spaß und gibt wirklich schöne Einblicke. Auf Wikipedia kann man die Aufzeichnungen des Pfarrers von Yaiza nachlesen. Diese sind im Prinzip der Hauptbestandteil des erklärenden Textes zur Busrundfahrt.

Touristen bestaunen ein Strohfeuer

Nach Abschluss der Tour wurden die Touristen noch zu einem Loch im Boden geführt. Dort konnten sie bestaunen, dass sich trockenes Stroh entzündet, wenn man es in das Loch wirft. Die Show wurde auch reichlich gefilmt. Ja, das vulkanische Gestein ist noch sehr heiß, auf dem Berg steht ein (teures) Restaurant, in welchem auf der vulkanischen Hitze sogar noch gegrillt wird.

Künstlicher Geysir

Ebenfalls zur Unterhaltung der Touristen sind vor dem Restaurant einige Rohre in den Boden versenkt. Hier gießen die Touristenführer nach der Show mit dem brennenden Stroh einen Eimer Wasser hinein, der dann nach wenigen Augenblicken als Wasser-Dampf-Gemisch zurück kommt.

Wir sind anschließend noch ein paar Schritte zu Fuß gegangen und haben uns die erloschenen Vulkane, Krater und die ganze Landschaft hereingezogen.

Irgendwann kam hier einmal Lava heraus.

Außer ein paar Flechten und Moosen wächst noch nicht viel in dieser Gegend der Insel, der letzte Vulkanausbruch ist ja auch erst 200 Jahre her. Ich kann mir vorstellen, dass das hier wieder alles grün ist, wenn ich in 200 bis 300 Jahren hier das nächste Mal vorbei komme.

Blick über die Kraterlandschaft bis zum Meer

Auf den Bildern sieht das wie eine Mondlandschaft aus, gleich landet Apollo 13. In der Wirklichkeit sieht es genauso aus. Es ist beeindruckend. Und es ist beeindruckend, wie hartnäckig die Menschen diese Insel trotzdem weiter besiedelt haben.

Es war ein toller Ausflug, wir hatten unsere helle Freude daran. Das Eintrittsgeld ist gut investiert, ich kann jedem Besucher von Lanzarote diese Vulkane empfehlen.

Vulkanasche, kalte Lava und im Hintergrund ein weißes Dorf

Hacking Baumarkt

Die Überschrift für diesen Beitrag brummt schon seit ein paar Stunden in meinem Kopf herum. Ich weiß aber noch nicht so recht, wie ich ihn beginnen soll. Am besten, ich beginne am Anfang.

Speed Dinghi mit festem Dach und festem Boden

Am Anfang war der Autovermieter. Wir sind ja in der Marina Puerto Calero gelandet, die ist so ziemlich von allem weit entfernt, was wir ansehen wollen. Lediglich der Weg zur Bushaltestelle ist einigermaßen kurz, der Bus fährt aber nur einmal in der Stunde. Es gibt nur einen kleinen Supermarkt in der Marina, der nächste Supermarkt außerhalb ist schon vier Kilometer weg. Außerdem wollen wir uns die Insel ansehen. Also bin ich zum örtlichen Autovermieter gegangen und habe mir ein Speed-Dinghi gemietet. Es hat Platz für vier Personen oder zwei Personen und unsere lädierte Genua. Den Preis von 110€ für eine Woche finde ich nicht überzogen. Das zahlt man hier auf der Insel auch, wenn man sich eine Karre außerhalb der Marina besorgt – nur muss man da noch mit dem Bus hinfahren, um sie abzuholen bzw. zurück zu bringen.

Der Autovermieter ist ein fauler Mensch. Nachdem er meine Kreditkarte durch das Gerät gezogen hat, drückt er mir den Autoschlüssel in die Hand. Ich frage noch nach einer Übergabe, er sagt mir, dass der Wagen hinter dem Haus rechts steht. Na gut. Dann finde ich eine Menge Schäden von den Vormietern, die ich fotografiere. Ich gehe zurück zu ihm ins Büro, störe ihn beim Daddeln mit seinem Handy und bitte ihn, die Schäden zu notieren. Er antwortet mit den Worten “It’s okay. It’s full casco”. Na gut.

Hui, wie schnell!

Wir finden zwar weder Festmacher noch Fender, doch wir kommen gut aus der Marina. Den Mast vermissen wir auch und ich vermisse ganz besonders den Autopiloten im Auto. Dafür zeigt Navionics aber einen ganz guten Speed an. Ein Motorboot halt. Jens und ich sitzen seit Frankfurt zum ersten Mal wieder in einem Auto.

In rasender Fahrt passieren wir Arrecife, den größten Ort der Insel, auf der Umgehungsstraße und sehen einen Baumarkt, einen IKEA und noch andere große Läden. Wir sind uns einig, dass wir dort noch einmal hin müssen.

In den Baumarkt müssen wir sowieso, denn unser 10er Schlüssel ist im Hafenbecken von Lagos tauchen gegangen. Außerdem haben wir eine Spur verlorener Schrauben im Atlantik hinter uns hergezogen. Die vibrieren sich bei Sissi genau so schnell ab, wie bei einem Motorrad aus Milwaukee. In Lagos bei der Kontrolle waren sie noch fest, in Puerto Calero haben sie schon gefehlt. Dumm gelaufen. Langsam gehen uns die M6-Schrauben aus. Auch von den M10 haben wir nicht mehr viele. Aber zuerst wollen wir noch etwas Sightseeing machen.

Blick aus den Bergen auf das Meer

Wir haben so viele schöne grüne Landschaften gesehen, dass wir uns über das vollkommen andere Ambiente auf Lanzarote freuen. Es ist etwas ganz Eigenes, überall dominieren die Farben Braun, Schwarz und Dunkelbraun. Asche, Lava. Dazwischen die Dörfer sind immer weiß gehalten. Zuerst haben wir es nur für Ferienhaussiedlungen gehalten, dann aber gelernt, dass es hier einen großen Künstler, César Manrique, gab, der die Insel vor Bettenburgen und größtenteils auch vor Hochhäusern bewahrt hat.

Mirador del Rio

Auch der Aussichtspunkt Mirador del Rio ist ein Werk von César Manrique. Man hat von hier aus einen tollen Blick auf die Nachbarinsel La Graciosa. Dort befindet sich auch eine der wenigen schönen Ankerbuchten. Vielleicht fahren wir da noch einmal hin.

La Graciosa

Eines von den weißen Dörfern muss ich unbedingt noch fotografieren. Auf dem Rückweg zu Sissi sind wir dann am Strand entlang gefahren. Auch sehr, sehr schön. Mir gefällt die Insel ungemein.

Am Strand

Jetzt sind wir auf dem Rückweg und ich komme nun zur Baumarkt-Geschichte. Bewaffnet mit einem langen Einkaufszettel sind wir durch die Regalreihen getigert. Schrauben, Muttern, Schraubenschlüssel, ein Extraset Schraubenschlüssel zum Versenken, Kaffeekannenhalterung für das Cockpit, Wäscheklammern, Wäscheleine und und und…

In einem Regal sehen wir Fußmatten und greifen sofort zu. Eine ordentliche Industriematte, die man mit Salzwasser tränken kann (gegen die Kakerlakeneier, in die man vielleicht reingetreten ist) und die oberhalb der Einstiegsleiter hingelegt werden kann. Schwupps ist sie im Einkaufswagen.

Optimus Baumarkt in Arrecife

An der Kasse wird jedes Teil gescannt. Bei der Fußmatte fehlt aber der Aufkleber mit dem Barcode. Ich will schon losgehen, um eine andere zu holen, da sich hinter uns eine Schlange gebildet hat, doch Jens hält mich zurück – es war die letzte Fußmatte dieser Art. Die Kassiererin ruft eine Kollegin zu Hilfe. Die geht zu den Fußmatten und kommt nach ein paar Minuten mit einem dicken Fragezeichen im Gesicht. Das kommt mir spanisch vor.

Die Kollegin der Kassiererin verschwindet im Hinterzimmer. Dann kommt sie wieder. An einem PC beginnt sie, im Online-Sortiment des Baumarkts zu stöbern. Dann werden Bilder von Fußmatten mit der Google-Bildersuche durchgeschaut. Dann wird Amazon aufgerufen. Es wird wieder diskutiert. Die Schlange hinter uns wächst und wächst.

Die Aktion an der Kasse dauert nun schon eine knappe Viertelstunde. Die Kassiererin “parkt” unseren Einkauf und baut erst einmal die Schlange ab. Jens macht den Vorschlag, doch einfach das Preisschild aus dem Regal zu nehmen. Der Vorschlag ist ja an und für sich nicht schlecht, aber für genau diese Fußmatte gibt es kein Preisschild. Letztendlich wird der Preis von irgendeiner Fußmatte in die Kasse eingegeben. Der Preis ist okay.

Nach einer halben Stunde an der Kasse kannten wir fast alle Mitarbeiter des Baumarkts. Und wir hatten die Idee zum Baumarkt-Hacking. Man kaufe einen Gegenstand bei OBI und trage ihn zu Hornbach an die Kasse. Es muss ein Gegenstand sein, den Hornbach nicht im Sortiment hat, der aber baumarktüblich ist. In Arrecife konnten wir auf diese Weise unabsichtlich sechs Menschen eine halbe Stunde beschäftigen. Wie mag das wohl bei Hornbach sein???

Lagos Ferry Cats

An der Hafenmole von Lagos steht ein Katzenhaus. Dort lebt eine Gemeinschaft halbwilder Katzen, die dort auch regelmäßig gefüttert werden. Wenn man in den Hafen von Lagos hinein fährt, kommt man unweigerlich an diesem Haus vorbei und mit etwas Glück sieht man die Katzen am Ufer sitzen.

Das Katzenhaus

Wir haben uns schon vor einigen Tagen eine Packung Katzenfutter gekauft, damit wir unterwegs immer mal eine Katze beglücken können. Katzen lieben Futter und die meisten sind bestechlich. Das haben wir dann bei den Lagos Ferry Cats ausprobiert.

Am Katzenhaus gibt es erst einmal eine Art Bedienungsanleitung. Sehr gut finde ich, dass davor gewarnt wird, kleine Kätzchen auszusetzen. Die großen scheinen sich hier jedenfalls sehr wohl zu fühlen.

Bedienungsanleitung

Um es kurz zu machen: Wir haben die Katzen gefüttert und gestreichelt. Die haben sich riesig gefreut und uns mit Schnurren, Schmusen und Kuscheln belohnt.

Zwei von vielen…
…die wirklich artgerecht leben können. Das ist viel besser, als ich es aus Tierheimen kenne

Eigentlich hätten wir uns am liebsten eine der Katzen eingepackt und mit an Bord genommen. Das wäre zwar keine gute Idee, würde aber unser Katzenbedürfnis abdecken. So werden wir morgen wohl wieder dort hingehen, es sind nur fünf Minuten von der Marina aus.

Nach dem Streicheln erst einmal das Fell richten

Und wir konnten die Actionkamera mit der richtigen Action befeuern. Es gibt wieder mal ein Katzenvideo in unserem Blog. Ich könnte es mir öfter anschauen…

Lagos Ferry Cats

Karma hatte schon recht. Katzen sind süß und ich wette, dieses Video wird einen Haufen Klicks bekommen. Miau.

Weiterhin vor Anker

Wir genießen immer noch die Zeit vor Anker in Portimao. Es ist schwer, das nicht zu tun. Sanft wiegen uns die Wellen in den Schlaf, es herrscht kein unangenehmer Schwell. Einzig die Kaltwasser-Borddusche von Sissi ist ein kleines Problem. Dafür haben wir aber ein Dinghi, mit welchem wir in die Marina fahren können. Dort leihen wir uns von anderen Seglern die Codekarte für die Duschen. Ich muss sagen, die Duschen in der Marina in Portimao sind die besten Duschen, die wir seit Belfast (!) genutzt haben.

Und dann sind da noch die Reparaturen. Ich bin ein wenig unzufrieden mit der Arbeit der Werft hinsichtlich des Windgenerators.

Auf dem Weg von Guernsey nach Roscoff waren die Schrauben lose, die die Stütze des Windgenerators mit Sissi verbinden. Das gab Vibrationen ohne Ende und die Stütze wackelte wie blöde hin und her. Wir haben die Schrauben nachgezogen, eine verlorene Schraube ersetzt und danach vibrierte nichts mehr. Sie haben sich seit Roscoff auch nicht mehr losvibriert. Wieso halten eigentlich die selbst festgezogenen Schrauben besser, als die von der Werft geschraubten? An der Windfahne, die wir selbst montiert haben, hat sich nicht eine Schraube gelöst.

Schraube locker

In der Ankerbucht fiel uns auf, dass der Windgenerator oben wild hin und her wackelt. Auch dort hatte sich eine Schraube verabschiedet und musste ersetzt werden. Ist ganz schön hoch, wenn man da rauf klettert. Ich mag die Höhe nicht.

Ansonsten ist die Aussicht vom Ankerplatz aus grandios. Auf der einen Seite die tollen Felsen, die den Strand einrahmen. Auf der anderen Seite das Meer, das hinter den Wellenbrechern wogt und manchmal auch über die Wellenbrecher rüber schwappt. Dann der Blick auf die Einfahrt, wo immer wieder Fischer ein- oder ausfahren. Anhand der Größe der mitgezogenen Möwenwolke lässt sich abschätzen, wie gut der Fang des Tages gewesen ist.

Fischer mit Möwenwolke

Rein gesellschaftlich ist das Leben an der Ankerkette vollkommen anders als das Leben in der Marina. Man kann sich das an Land etwa so vorstellen wie den Unterschied zwischen einer innenstadtnahen Wohnung und einem Haus in einem Vorort mit viel Grün drumherum.

In der Marina kann man mal eben zum Nachbarn rüber spazieren, einen Kaffee trinken oder nach einem dringend benötigten Werkzeug fragen. Verlässt man die Marina, ist man in wenigen Schritten in der Stadt und hat alle Errungenschaften der Zivilisation. In der Marina kommen die Nachbarn regelmäßig vorbei – sei es nur für einen kleinen Schwatz.

Vor Anker ist man alleine. Die Leute kommen nicht mit ihren Dinghis aus der Marina raus, um einen Kaffee zu trinken. Das ist natürlich auch positiv zu bewerten, denn wenn sie keinen Kaffee trinken kommen, kommen sie auch nicht, um die Biervorräte zu dezimieren oder den Kühlschrank leer zu essen.

Will man den durchschnittlichen Segler motivieren, seinen Standort zu verändern, will das wohl geplant werden. So wie etwa der heutige Tag: Steffi von der Bigfoot wird heute 50 Jahre alt und hat zu einer Beach-Party eingeladen. Zu einem solchen Anlass werden auch in der Marina die Dinghis klar gemacht.

Headache Beach

Wir werden hier noch bis morgen Abend bleiben, dann fahren wir wieder rüber nach Lagos in die Marina. Dort haben sich inzwischen Postpakete für uns gesammelt, die wir abholen müssen.

Kleine Kachelkunde

Zugegebenermaßen habe ich noch nie vom Studienfach “Kachelkunde” gehört, in Portugal konnte ich jedoch umfangreiche Studien über portugiesische Kachelkunst am Bau und die gemeine portugiesische Kachelfassade beginnen. Über dieses Thema könnte ich jetzt ein Buch schreiben. Wahrscheinlich würde jeder Leser über der Lektüre einschlafen, deswegen stelle ich mir lieber vor, wie es wäre, das eigene Haus mit einer portugiesischen Fassade auszustatten.

Schmuckkacheln

Zunächst einmal muss ich mir klar darüber werden, ob ich einen künstlerisch wertvollen Schmuckkachelstreifen an der Fassade möchte oder gar das ganze Haus mit solchem Kachelschmuck verziere. Solche Kacheln sieht man auf großen Flächen nur an Kirchenmauern. An Privathäusern hält es der Portugiese lieber dezenter.

Klassisches Muster

Vielleicht mache ich die Fassade mit einfachen Schmuckkacheln. Keine Motive, dafür aber eine schöne, abwaschbare Front zur Straße. Die weißen Kacheln sind an der Südseite des Gebäudes super, dann werden die Räume im Sommer nicht so warm. Und es gibt eine große Auswahl im Baumarkt.

Klassisches Muster

Nach längerem Betrachten ist mir das Muster zu unruhig. Ich schaue mir lieber noch ein paar andere Muster an, die das Auge weniger stressen.

Modernes Muster

Bei dieser Wand habe ich zuerst gedacht, sie wäre nicht ordentlich gekachelt. Hier kann sich der Anfänger ausleben und viel Eigenleistung bringen. Das Ergebnis wirkt dann aber auch so, als hätte der dreijährige Sohn des Nachbarn mitgeholfen.

Auch in anderen Farben erhältlich

In Deutschland würde ich nicht unbedingt nur weiße Kacheln empfehlen. Wenn wir das mit dem Klimaschutz einigermaßen hinbekommen, gehen vielleicht auch dunklere Farben. Nur das Rot ist mir zu intensiv.

Dezenter

Die dezenteren Farben und Formen sind aus der Ferne oft nicht mehr als gekachelte Fassade zu erkennen. Sicherlich gut für deutsche Baubehörden, doch der portugiesische Stil kommt meiner Meinung nach bei den dezenteren Kacheln nicht mehr so durch.

Außen an der Fassade und innen gehen diese hier auch im Bad

Mein Haus würde aussehen wie ein auf links gedrehtes Schwimmbad, wenn ich diese Kacheln in größerer Stückzahl an die Außenwände bringen.

Letztendlich habe ich mich am Ende für meinen Topfavoriten entschieden, eine grüne, gemusterte Kachel. Hiermit würde ich mein Haus kacheln, am besten ein Haus mit vielen Bäumen im Garten.

Favoritenkachel

Jetzt dürft ihr keinen Schreck bekommen, aus der Nähe betrachtet mag es grauenvoll aussehen. Ich kann mir aber vorstellen, wie das aussieht, wenn das ganze Haus damit gekachelt ist. Mir gefällt es.

Grün gekacheltes Haus

Der Kerl mit der Gitarre war zwar nicht schlecht, der darf aber in Lagos bleiben. Alle diese Kacheln habe ich in Lagos fotografiert, der Ort ist jedoch repräsentativ für Portugal.

Ende der kleinen Kachelkunde.

Adeus Lisboa!

Mal wieder ist es so weit. Wir machen die Leinen los und fahren zu neuen Zielen. Die Zeit in Oeiras und Lissabon war schön, doch nun wollen wir weiter. Wir wissen nicht, wo es uns hintreiben wird. Als Minimalziel planen wir, nach Sines zu kommen.

Wir haben den Supermarkt hier um die Ecke leer gekauft, die müssen den Rest der Woche nicht mehr arbeiten. Unser Hackenporsche ist mit seinem Übergewicht fast nicht mehr bis zur Marina gekommen. Dafür haben wir jetzt wieder ordentlich Vorräte gebunkert.

Das nächste Ziel in Portugal ist die Algarve. Wir haben uns bislang nur in Marinas herumgetrieben, wir müssen mal eine schöne Ankerbucht aufsuchen. Da bekamen wir in den letzten Wochen schon so manchen heißen Tipp.

Späte Nachmittagssonne an der Praça do Comércio

Drei neue Seiten sind zu unserem Blog hinzu gekommen: Lissabon, Castelo und Straßenbahn. Außerdem haben wir den Stalking-Link durch eine Seite ersetzt. Am Steg haben wir uns von neuen Bekannten verabschiedet, Mathilda, Danny und Marc von der Gentoo.

Apropos Schiffsnamen. Ich bin ja so ein Typ, der sich Namen nur schwer merken kann. Mit Schiffsnamen ist das einfacher, erst recht dann, wenn man ein Bild vom Schiff vor Augen hat. Außerdem gibt es weniger Schiffe als Menschen. Das geht mir aber nicht alleine so…

Trifft man unterwegs eine andere Segelcrew, dann nennt man immer den Schiffsnamen. Wenn Jens und ich also andere Segler treffen, dann sind wir die “Sissis“. So wird es allgemein gehandhabt. Auch wenn man einen Fremden am Steg ansprechen möchte, macht man das am besten mit dem Schiffsnamen.

Fette Hafenqualle in Oeiras

Das Kapitel Lisboa schließe ich vorerst mit einer dicken Hafenqualle, die es sich im Hafen von Oeiras gemütlich gemacht hat. Wir haben sie an mehreren Tagen gesehen. Wir sind in einer besonderen Stimmung, denn wir verlassen bald den Kontinent Europa.

Surfen in Oeiras

Die Wellen, die vom Atlantik her in den Tejo hinein rollen, sind beeindruckend. Sie brechen sich an der Hafenmauer und spritzen in weitem Bogen darüber hinweg. Leider habe ich davon in der Nacht kein anständiges Foto machen können. Tagsüber war es nicht ganz so beeindruckend, aber der Blick über die sich brechende Welle nach Lissabon ist beeindruckend.

Blick nach Lissabon

Ein paar Meter weiter findet man dann die Surfer. Sie warten zu Dutzenden im Wasser auf ihre persönliche perfekte Welle.

Surfer warten auf die perfekte Welle

Manchmal sind sie an der richtigen Stelle, manchmal bricht sich die Welle an einer völlig anderen Stelle. Wer surfen möchte, muss Geduld haben.

Immense Energie entlädt sich

Wenn man sich die Energie anschaut, die in einer solchen Welle frei wird, dann wird einem klar, dass Surfer auch ziemlich mutig sein müssen. Ich würde mich da nicht hinein trauen.

Surfer haben Spass

Ist die Welle dann da, müssen die Surfer ganz schnell auf ihre Bretter klettern. So eine Welle ist sehr schnell verpasst. Das alles ist sehr, sehr anstrengend. So sehen diejenigen Surfer jedenfalls aus, die nach einem wilden Ritt das Wasser verlassen.

Wilder Ritt auf der Welle

Ein beeindruckender Sport, es ist spannend, hier zuzusehen. Jens und ich saßen mindestens eine Stunde am Strand, um dem Spektakel zuzusehen.

In der S-Bahn in Lissabon gibt es übrigens extra bezeichnete Abteile für die Surfbretter. So wie bei uns Fahrrad-Piktogramme an manchen Türen kleben, gibt es hier auch Piktogramme für Surfbretter.

So schön diese Wellen für Surfer sind, so gefährlich sind sie für Segler. Wir haben einen Segler beobachtet, der im Schwell des Atlantik drei Versuche brauchte, um in den Hafen von Oeiras hinein zu fahren. Eine starke Tideströmung und die großen Wellen machen das zu manchen Tagszeiten zu einem Lotteriespiel.

Straßenbahn in Lissabon

Jens hat innerlich gestöhnt, als wir am ersten Tag unseres Aufenthalts in Oeiras gleich nach Lissabon gefahren und der Straßenbahn nachgelaufen sind. Das hatte er sich anders vorgestellt. An jenem Tag war jedoch an eine Mitfahrt nicht zu denken, gleich fünf Kreuzfahrtschiffe lagen vor Lissabon. Die haben alle die Straßenbahnen verstopft.

Straßenbahn mit Meerblick

Nach wenigen Minuten hat Jens aber auch das Jagdfieber gepackt. Wir haben an jeder Ecke auf die urigen Straßenbahnzüge gefeuert und tatsächlich gibt es an jeder Ecke auch wunderschöne Fotomotive. Das ist dann auch der jahreszeitlich bedingt tief stehenden Sonne geschuldet, die am Nachmittag für spannende Lichtsituationen sorgt.

Tief stehende Sonne schafft tolle Motive

Jetzt fühle ich mich wohler. Ich habe die ersten Straßenbahnfotos ins Blog gestellt. Das reicht erst einmal, die Lissabon-Seite werde ich in ein paar Tagen aktualisieren. Wenn noch ein paar Fotos dazu gekommen sind, die andere Motive als Schienenfahrzeuge zeigen.

Geheimbuslinie 007

Oder: Nutzung des öffentlichen Verkehrsnetzes in Porto. Man könnte es auch anders formulieren. Wenn man den ÖPNV so gut kennt, wie wir den in Porto, dann hat man sich zu lange in der Stadt aufgehalten.

In Porto gibt es die Metro, viele Buslinien und drei Touristen-Straßenbahnlinien. Mit der Metro gibt es ein Zonen-Tarifsystem. Je nachdem, wie viele Zonen man befährt, ist der Preis entsprechend. Die Metrofahrkarten lädt man auf eine Magnetkarte, die man am Automaten erstmalig für 60 Cent kaufen muss. Mit den Metrofahrkarten darf man auch in die Busse umsteigen. Man kann auch Tageskarten auf die Magnetkarte laden.

Beim Busfahrer gibt es nur Fahrkarten für 2 €. Damit kann man mit diesem Bus so weit fahren, wie der Bus eben fährt. Die meisten Buslinien fahren sogar sehr weit, der Preis ist meist angemessen.

Für alle Metro- und Buslinien hängen Linienpläne, Netzpläne, Tarifpläne und Fahrpläne aus. Für alle? Nein! Wir haben in Porto ein zweites, geheimes Busnetz entdecken dürfen!

Bushaltestelle mit Geheimbussen

Auf dem Bild ist die Bushaltestelle an der Marina zu sehen: “APDL” Das eine Haltestellenschild zeigt die offizielle Linie 507 mitsamt Aushangfahrplan. Dann gibt es aber noch ein zweites Haltestellenschild mit den Linien 105 und 106, sowie zwei Nachtlinien. Für die 100er Linien gibt es keine Abfahrtspläne, ich habe auch in ganz Porto keine Linienpläne oder Netzpläne oder Fahrpläne aushängen gesehen.

Fahren wir mit der Linie 507 von der Marina in den Baumarkt, kostet das 2 € pro Person pro Weg. Dafür gibt es Internet im Bus und eine Klimaanlage. Fahren wir mit der Linie 105 von der Marina in den Baumarkt, kostet es nur 1,35€ pro Person, denn in den Geheimbussen gilt wieder der Zonentarif, den es auch in der Metro gibt. Und natürlich gelten die Metrofahrkarten auch in den Geheimbussen.

Einziger Nachteil: Man muss ein wenig den Linienweg der geheimen Buslinien erraten. Manchmal landet man dann allerdings in einer Ecke, mit der man nicht gerechnet hätte.