Kleine Kachelkunde

Zugegebenermaßen habe ich noch nie vom Studienfach “Kachelkunde” gehört, in Portugal konnte ich jedoch umfangreiche Studien über portugiesische Kachelkunst am Bau und die gemeine portugiesische Kachelfassade beginnen. Über dieses Thema könnte ich jetzt ein Buch schreiben. Wahrscheinlich würde jeder Leser über der Lektüre einschlafen, deswegen stelle ich mir lieber vor, wie es wäre, das eigene Haus mit einer portugiesischen Fassade auszustatten.

Schmuckkacheln

Zunächst einmal muss ich mir klar darüber werden, ob ich einen künstlerisch wertvollen Schmuckkachelstreifen an der Fassade möchte oder gar das ganze Haus mit solchem Kachelschmuck verziere. Solche Kacheln sieht man auf großen Flächen nur an Kirchenmauern. An Privathäusern hält es der Portugiese lieber dezenter.

Klassisches Muster

Vielleicht mache ich die Fassade mit einfachen Schmuckkacheln. Keine Motive, dafür aber eine schöne, abwaschbare Front zur Straße. Die weißen Kacheln sind an der Südseite des Gebäudes super, dann werden die Räume im Sommer nicht so warm. Und es gibt eine große Auswahl im Baumarkt.

Klassisches Muster

Nach längerem Betrachten ist mir das Muster zu unruhig. Ich schaue mir lieber noch ein paar andere Muster an, die das Auge weniger stressen.

Modernes Muster

Bei dieser Wand habe ich zuerst gedacht, sie wäre nicht ordentlich gekachelt. Hier kann sich der Anfänger ausleben und viel Eigenleistung bringen. Das Ergebnis wirkt dann aber auch so, als hätte der dreijährige Sohn des Nachbarn mitgeholfen.

Auch in anderen Farben erhältlich

In Deutschland würde ich nicht unbedingt nur weiße Kacheln empfehlen. Wenn wir das mit dem Klimaschutz einigermaßen hinbekommen, gehen vielleicht auch dunklere Farben. Nur das Rot ist mir zu intensiv.

Dezenter

Die dezenteren Farben und Formen sind aus der Ferne oft nicht mehr als gekachelte Fassade zu erkennen. Sicherlich gut für deutsche Baubehörden, doch der portugiesische Stil kommt meiner Meinung nach bei den dezenteren Kacheln nicht mehr so durch.

Außen an der Fassade und innen gehen diese hier auch im Bad

Mein Haus würde aussehen wie ein auf links gedrehtes Schwimmbad, wenn ich diese Kacheln in größerer Stückzahl an die Außenwände bringen.

Letztendlich habe ich mich am Ende für meinen Topfavoriten entschieden, eine grüne, gemusterte Kachel. Hiermit würde ich mein Haus kacheln, am besten ein Haus mit vielen Bäumen im Garten.

Favoritenkachel

Jetzt dürft ihr keinen Schreck bekommen, aus der Nähe betrachtet mag es grauenvoll aussehen. Ich kann mir aber vorstellen, wie das aussieht, wenn das ganze Haus damit gekachelt ist. Mir gefällt es.

Grün gekacheltes Haus

Der Kerl mit der Gitarre war zwar nicht schlecht, der darf aber in Lagos bleiben. Alle diese Kacheln habe ich in Lagos fotografiert, der Ort ist jedoch repräsentativ für Portugal.

Ende der kleinen Kachelkunde.

Der Countdown vor der Abfahrt

Wenn wir irgendwo fest gemacht haben, dann ist das Boot richtig fest. Das ist nicht wörtlich gemeint, jedes Boot braucht am Steg eine gewisse Bewegungsfreiheit. Sonst ist das nicht gut für die Leinen, die Klampen und die Nerven der Besatzung. Ich meine den Umbau der mobilen, segelnden Sissi zu einer Ferienwohnung im Hafen und wieder zurück. Das ist zwar inzwischen alles Routine, es strengt jedoch an und deswegen machen wir das nur, wenn es sich lohnt oder wenn wir den alten Ort gründlich satt haben. Manche Orte entwickeln darüber hinaus gewisse Klebekräfte, die einen zusätzlich festhalten.


Oft liegen wir lange an einem Ort. Wenn es dann endlich weiter gehen soll, findet in unseren Köpfen und auch in der Realität ein Countdown statt, der mindestens mal so genau durchexerziert wird, wie beim Start einer Rakete in den Weltraum. Meistens jedenfalls.

Borduhr

-86400 Sekunden
Einen Tag vor der geplanten Abfahrt prüfen wir das Wetter noch einmal. Eigentlich prüfen wir das Wetter ständig, vor der Abfahrt machen wir es aber noch viel öfter. Wir schauen, welche Vorräte noch ergänzt werden müssen und kaufen diese dann ein. Natürlich vergessen wir dabei immer wieder wichtige Dinge im Laden, das können wir irgendwie nicht verhindern. Selbst wenn wir den Einkauf gut planen und einen Einkaufszettel schreiben, vergessen wir den Zettel an Bord.

-43200 Sekunden
So zwölf Stunden vor der geplanten Abfahrt räumen wir auf. Selbst wenn Sissi erst seit zehn Minuten am Steg liegt, verteilen sich Gegenstände durch das Schiff, die alle wieder an ihrem Platz geräumt werden wollen. Liegen wir länger, wird es immer schlimmer. Wir sind nicht die einzigen, denen es so geht, dieses Problem haben alle. Sollten wir noch ein Brot brauchen, backen wir noch ein Brot. Manchmal kochen wir Essen auf Vorrat, manchmal planen wir Mahlzeiten, die wir auf See zubereiten wollen. Das kommt darauf an, ob wir nur einen kurzen Törn von weniger als 24 Stunden Dauer oder einen längeren Schlag von mehreren Tagen vor haben.

-7600 Sekunden
Zwei Stunden vor der geplanten Abfahrt fangen wir so langsam an, Sissi richtig seeklar zu machen. Wir bringen den Müll zum Müllcontainer. Oft duschen wir noch einmal. Geschirr wird noch weggespült und weggeräumt. Die Luken werden verschlossen, Wäsche eingesammelt und verräumt. Wir haben ein kritisches Seeventil, das muss geschlossen werden. Außerdem hängt da oft noch die Sonnenschutzplane über dem Baum, die will abgenommen, gefaltet und verstaut werden.

-3600 Sekunden
Eine Stunde vor der geplanten Abfahrt sammeln wir das Stromkabel für den Landstrom ein und verstauen es. Wir fangen an, die Leinen, die Sissi am Steg festhalten, so umzubauen, dass wir sie vom Boot aus mitnehmen können. Wir verabschieden uns von den Nachbarn. Ggf. wird noch ein Reff ins Großsegel eingebunden. Regelmäßig prüfen wir den Motor (Motoröl, Kühlmittel, Keilriemen) vor der Abfahrt.

-300 Sekunden
Ein paar Minuten vor der Abfahrt starten wir den Motor. Der darf schon etwas brummen, bevor wir Leistung von ihm fordern.

-60 Sekunden
Wir machen die Leinen los. Eine, noch eine, noch eine und noch eine. Lediglich eine Leine hält uns zum Schluss. Oft müssen wir schon jetzt einen Gang einlegen, das Getriebe einkuppeln, denn mit einer Leine ist die Situation nicht mehr stabil.

-10 Sekunden
Ein letzter Rundumblick, sind andere Boote im Weg? Können wir aus der Box heraus fahren?

-9, 8, 7, 6…. 3, 2, 1, 0 Sekunden
Die letzte Leine ist los, wir bewegen uns.

+60 Sekunden
Jetzt werde die Fender und Leinen verstaut. Derweil brummt der Diesel und schiebt uns raus aufs Meer.

+300 Sekunden
Wenn alle Fender und alle Seile verstaut sind, kommt die Gewissensfrage: Reicht der Wind? Dann ziehen wir die Segel hoch. Reicht der Wind noch nicht aus, brummt der Motor erst einmal weiter. Wir bemühen uns immer, nur dann aus dem Hafen zu fahren, wenn wir auch brauchbaren Wind erwarten.

+1800 Sekunden
Die Segel sind oben und der Motor wird gestoppt, das Schiff läuft auf dem elektrischen Autopiloten und die Windfahnensteuerung muss justiert werden. Ist das erledigt, schalten wir den elektrischen Autopiloten ab und fahren unter Windsteuerung.

+2143 Sekunden
Schon fertig! So schnell und einfach geht das. Dann segeln wir und können das theoretisch unendlich lange tun. Wir können jede Entfernung zurücklegen, weil unser Treibstoff nie ausgeht. So fühlt sich echte Freiheit an. Wir machen einen Sprung von ein bis vier Tagen Dauer und haben einen neuen Stellplatz für unser Wohnmobil.

Beim Anlegen läuft alles in umgekehrter Reihenfolge, nur holen wir uns keinen frischen Müll aus dem Container. Den produzieren wir selbst. Der Countdown zum Anlegen ist wesentlich kürzer. Je schneller wir fertig sind, desto schneller haben wir das verdiente Anlegerbier in der Hand.


Dann sind wir wieder fest. Für ein paar Tage. Oder für ein paar Tage mehr.

Sie sind unterwegs!

Heute sind Daphe und Gentoo in Richtung Madeira bzw. den Kanaren gestartet. Wir wünschen euch eine gute Reise und feinen Wind aus der richtigen Richtung. Die Windvorhersage sieht gut aus, wir würden dieses Wetterfenster wohl auch nutzen, wenn wir so in Eile wären. Als Teilnehmer der ARC müssen sie zur rechten Zeit in Las Palmas sein.

Leerer Liegeplatz

Damit sind wir mal wieder eines der langsamsten Boote. Die Fairytale ist uns davon gefahren und auf dem Weg ins Mittelmeer. Also werden wir Karma wahrscheinlich nicht mehr sehen. Die Milena Bonatti ist schon auf Gran Canaria. Wo sich die Tonic und die Cosa aufhalten, wissen wir nicht.

Wir sind nicht zum Ankern rausgefahren, weil heute die Roede Orm nach Lagos in die Marina kommt. Wir fahren morgen und freuen uns auf das Wiedersehen heute Abend.

Inzwischen frage ich mich nicht mehr, ob wir zu langsam sind. Wir sind genau so schnell, wie wir sein sollen und wollen. Wir fahren mit dem richtigen Tempo. Wir fahren mit unserer Geschwindigkeit und werden die Boote wieder treffen, die nicht ins Mittelmeer abgebogen sind. So viel ist sicher. Wir wissen nur noch nicht, wo und wann das sein wird.

Trübe Aussicht

Wir verschweigen nichts. Wir berichten live von unserer Segelreise. Wir setzen alles daran, Neid bei euch zu Hause in Deutschland zu erzeugen. Und jetzt das. Es gießt aus Eimern.

Regen in Lagos

Schon in Sines hatten wir ordentlichen Regen. Da kam er allerdings in der Nacht, hat uns ein wenig überrascht und für sehr viel Nässe im Schiff gesorgt. Jetzt haben wir in Lagos schon wieder Regen. Hat Wikipedia etwa recht? In Portugal soll von Oktober bis März die regenreichste Zeit sein. Das stimmt offenbar. Es regnet und das nicht zu knapp.

Wir sind ein wenig unmotiviert und haben heute Sissi noch nicht verlassen. Statt dessen haben wir aufgeräumt, gründlich geputzt und polieren jetzt das Blog bzw den Instagram-Account.

Flüssiger Sonnenschein

Gestern hörten wir zuerst das Eintracht-Spiel gegen Leverkusen im Radio. Beim 3:0 Heimsieg konnten wir oft genug unseren Torjubel in der Marina verteilen. Anschließend hatten wir, die Sissis, einen schönen Abend mit den Gentoos (Danny, Marc und Mathilda), den Daphnes (Uta und Michael) und der Zora (Susanne) auf der Gentoo. Eine schöne Runde. Das Cockpit der Gentoo war wegen Überfüllung fast schon geschlossen.

Der Abend brüllt fast nach einer Wiederholung, doch Wiederholungen gibt es im Leben nicht. Morgen starten die Gentoos Richtung Kanaren, die Daphnes wollen vorher noch nach Madeira und wir suchen uns eine schöne Ankerbucht. Außerdem soll der Regen morgen durch sein.

Regenbogen

Zora in Lagos

Wir haben die Einhandseglerin Susanne erstmals in Camarinas getroffen. Dort hatten wir nur einen kurzen Kennenlern-Kontakt, denn Jens und ich sind am Folgetag aus Camarinas weggesegelt.

Jetzt haben wir Susanne in Lagos wieder getroffen. Inzwischen ist viel passiert. Sowohl Susanne als auch wir haben unsere Erfahrungen an der spanischen und portugiesischen Atlantikküste gemacht.

Susanne hat sich nach gründlichem Überlegen dazu entschieden, ihre Reise nicht weiter auf einem Segelboot fortzusetzen, sondern möchte auf die Straße in einen Bulli wechseln. Außerdem soll das Schiff verkauft werden. Wer alleine von Holland nach Portugal segelt und dort diese Entscheidung trifft, macht das nicht ohne triftige Gründe.

SEGELBOOT ZU VERKAUFEN
Als Verkaufsförderung möchte ich an dieser Stelle die Anzeige verlinken. Das Boot ist eine sehr gut gepflegte Dehler Optima 101 und liegt in Lagos in der Marina. Es hat für ein bis zwei Personen die ideale Größe und ist komplett ausgestattet für Langfahrt.

Zora – zu verkaufen!

Susanne, wir hatten einen tollen gemeinsamen Abend. Wir wünschen viel Erfolg beim Verkauf des Bootes und bei der Fortsetzung der Reise auf vier Rädern.

Langsam, aber so richtig langsam

Nach einem schönen Tag und einer weiteren Duschorgie in Sines haben wir um 20 Uhr die Leinen losgemacht und sind in Richtung Lagos gestartet. Dort hatten wir eine Reservierung in der Marina für den Folgetag, die uns Marc von der Gentoo besorgt hat. Es war wohl der letzte Platz, der zu bekommen war. Danke, Marc!

Wie vorhergesagt setzte der Wind gegen 21 Uhr ein. Wir stoppten den Motor und segelten auf einem fast idealen Kurs die Küste entlang. Zunächst jedenfalls. Es war wenig Wind und wir liefen nur mit drei Knoten, doch immerhin konnten wir segeln.

Unser Weg nach Lagos

Wir segelten die ganze Nacht durch bis um 10 Uhr am folgenden Morgen. Das sieht man schön auf dem obigen Bild. Der Wind drehte zu unseren Ungunsten (war nicht so vorher gesagt) und nahm nicht an Stärke zu (was vorhergesagt war). Mal wieder war der Wind also ein unsteter Geselle. An der Stelle, wo die Zickzacklinie aufhört und die gerade Motorlinie nach Süden beginnt, hatten wir uns lediglich 20 Meilen von Sines entfernt, sind aber dafür 14 Stunden unterwegs gewesen. Das ist echt so richtig langsam.

Das Cabo Sao Vicente wollte und wollte nicht näher kommen. Also warfen wir unsere guten Vorsätze über den Haufen und starteten den Motor wieder. Der brachte uns dann in 10 Stunden die restlichen 55 Meilen nach Lagos. Ich möchte gar nicht an den guten Diesel denken, den wir hier verschleudert haben. Wir hätten auch noch zwei Tage lang die Brauerei in Sines besuchen können und dort auf besseren Wind warten. Haben wir aber nicht, wir sind in Lagos.

Leuchtturm am Cabo Sao Vicente

Kurz vor dem Sonnenuntergang passierten wir das Cabo Sao Vicente. Die Felsen sind beeindruckend und die Wassertiefe gibt es her, dass man hier ganz dicht heran fahren und fotografieren kann.

Cabo Sao Vicente

Ebenfalls beeindruckend war das Wasser, das durch die Gegend spritzt, wenn es in den Löchern und Höhlen an den Klippen einschlägt.

Natürlich haben wir es nicht mehr vor 19 Uhr bis nach Lagos geschafft, konnten also nicht in die Marina einfahren. Vor der Marina ist eine Fußgänger-Klappbrücke, die nur zu den Öffnungszeiten des Marinabüros bedient wird. Wir übernachteten also am Wartepontoon und haben selten so ruhig geschlafen. Am nächsten Morgen kamen wir dann in den Hafen hinein.

So langsam sind wir noch nie gesegelt.

Chapo in Sines

Dieser Beitrag hat nichts mit Drogen zu tun. Er handelt vom Segeln, von Langfahrtseglern.

Der erste Kontakt war ziemlich skurril. Ich hatte uns gerade beim Hafenmeister angemeldet und wollte noch kurz einen Blick in die Duschen werfen. Dort traf ich einen Deutschen, der sich gerade am abtrocknen war. Es entwickelte sich ein Gespräch zum Thema AIS. In der Dusche.

Zwei Tage später machten wir dann noch einmal offiziell Bekanntschaft. Wir waren beeindruckt von Jutta und Charly. Die beiden haben ihren Wohnsitz komplett auf das Segelboot verlegt – so wie wir auch. Die beiden wollen um die Welt fahren – so wie wir auch. Die beiden sind vor dem Bootskauf noch nie gesegelt. Jeder hat ihnen erzählt, dass sie sich auf ihrem Törn umbringen werden. Doch haben sie es von der Ostsee bis nach Portugal geschafft.

Chapo in Sines

Für eine Fahrt in die Karibik und nach Südamerika ist der Schiffsname, der sich aus Vor- und Nachname des Eigners zusammen setzt, mutig gewählt. Jutta und Charly fliegen jetzt erst einmal nach Deutschland, um ihren neu geborenen Enkel zu sehen. Anschließend setzen sie die Fahrt auf die Kanaren fort. Wir freuen uns darauf, sie dort wieder zu treffen. Wir schätzen ihren Humor und ihre freundliche, gewinnende Art sehr.

Chapeau Chapo!

Sacarrabos

Brauereikneipe in Sines

Vor vielen Wochen waren wir in Schottland und ich habe im Blog etwa sinngemäß die Worte geschrieben “Wenn du nicht im Pub warst, hast du den Ort nicht besucht”.

Wenn man danach geht, haben wir so manchen Ort auf unserer Reise übersprungen, denn wir waren schon lange nicht mehr im Pub. Natürlich sind wir auswärts essen gegangen, doch haben wir schon lange keine Kneipe mehr nur für ein Bier aufgesucht. Das hat sich jetzt in Sines mal wieder geändert.

Als wir vorgestern durch den Ort gelaufen sind, haben wir die Brauerei gesehen. Wir wollten aber nicht einkehren, sondern zu unserem Abendessen zurück an Bord. Die Nachbarn am Steg, ein Paar aus Augsburg (und damit bierkundig), haben uns das Bier empfohlen. Also machten wir uns am Abend noch einmal auf den Weg in den Ort, um den Sacarrabos Brewpub zu würdigen.

Praia Vasco da Gama bei Nacht

Mehr als 100 Treppenstufen später saßen wir an einem Tisch mit wunderschöner Aussicht über den Hafen und verkosteten das Bier. Das Lagerbier ist frisch, für ein portugiesisches Bier sehr würzig und lecker. Das Red Ale enttäuschte, die erwartete Hopfennote fehlte völlig. Dafür konnte das IPA wieder überzeugen, hier kam der Hopfen hervorragend durch und es hat eine leicht zitronige Note. Sehr fein.

Prost!

Das hier soll keine Werbung, sondern eine Empfehlung sein. Die Brauerei hat von Dienstag bis Sonntag jeweils zwischen 10:00 Uhr und 4:00 Uhr geöffnet. Sie befindet sich am oberen Ende des nicht funktionierenden Aufzugs.

Sines haben wir jedenfalls besucht! Der Ort hat in jeder Hinsicht überzeugt. Ein ruhiger, günstiger Hafen mit tollen Duschen. Eine schöne Altstadt. Supermarkt noch einigermaßen fußläufig erreichbar. Und eine Brauerei. Ich könnte länger bleiben.

Brauerei

Miles and more

Viele ziehen eine 100-Tage-Bilanz. Das hatte ich auch vor, aber mir sind die 100 Tage irgendwie entwischt. Deswegen öffnen wir unser Logbuch und ziehen jetzt eine 118-Tage-Bilanz:

Logbuch

Wir sind jetzt seit 118 Tagen unterwegs und haben in dieser Zeit 2340 Meilen Kielwasser hinterlassen – das sind etwa 4329 km (für die Landratten). Richtig unterwegs waren wir in diesen 118 Tagen an 41 Tagen, also sind wir an 77 Tagen keinen Meter gesegelt. Das passt irgendwie zu den Erzählungen anderer Langfahrtsegler, die von maximal 30% Segeltagen sprechen oder schreiben.

Den Motor haben wir in dieser Zeit 210 Stunden laufen lassen und dabei 343 Liter Diesel verbrannt. Das sind pro gefahrenem Tag ca. fünf Motorstunden. Wir haben oft Segeltage von 24 Stunden Länge. Die Motorzeit ist inklusive der Kanalfahrt durch den Caledonian Canal und inklusive der Zeit, in der der Motor unproduktiv vor bzw. in Schleusen vor sich hin brummt. Wir stellen ihn zwar so oft wie möglich ab, manchmal musste er in den Schleusen jedoch brummen.

Die Tendenz ist bei den Motorstunden klar fallend, wir warten inzwischen lieber auf passenden Wind.

Mit dem Watermaker haben wir seit dem 1. August 1395 Liter Wasser hergestellt. Damit liegt unser gemittelter Wasserverbrauch bei ca. 20 Litern am Tag oder bei 10 Litern pro Person. Ich glaube, wir sind da gar nicht so schlecht mit. Wir sparen kein Wasser und trinken einen großen Teil der Eigenproduktion.

Die besten Duschen haben wir in Oban, Port Ellen, Belfast und Sines gefunden. Die miesesten Duschen waren in Wicklow (keine), Dublin (kalte) und Douglas (fühlt man sich wie im Knast).

Wir hatten drei größere Defekte. Zuerst war der Watermaker inkontinent, der Hersteller hat uns auf Garantie ein Ersatzgerät geliefert. Danach machte uns der Watermaker keine Probleme mehr, sondern nur noch Wasser. Wir mussten den Wärmetauscher der Motorkühlung auswechseln, glücklicherweise hatten wir ein Ersatzteil an Bord. Und dann ist uns noch eine Reffkausche aus dem Großsegel ausgerissen. Der Segelmacher konnte das schnell beheben.

Außergewöhnliche Vorkommnisse haben zwei im Logbuch notiert: Einmal empfingen wir den Pan-Pan-Ruf eines belgischen Seglers kurz vor Guernsey, der eine Motorstunde von uns entfernt ohne Ruder, Maschine und ohne Segel herum trieb. Wir haben unseren Kurs geändert, zum Glück wurde der Belgier jedoch von einem Fischer an den Haken genommen. Und dann haben wir zwischen Peniche und Oeiras noch das Mann-über-Bord-Signal eines 3 Meilen entfernten AIS-SART-MOB-Alarmsenders empfangen. Nach einem kurzen Funkgespräch mit dem Besitzer konnten wir den Alarm zu den Akten legen, die haben das Gerät zum Glück nur im Cockpit getestet.

Ins Wasser gefallen

Wir sind immer noch in Sines. Heute Nacht hatten wir hier ein Naturereignis besonderer Art. Als ich heute früh aufgestanden bin, war der Teppich im Salon ziemlich nass. Auch im Cockpit stand das Wasser in Pfützen.

Zum Glück hatte ich vor dem Schlafen noch die Dachluke über unserer Koje geschlossen. Sonst hätten wir das Wasser auch im Bett. Dann wäre der Regen jedoch in der Nacht nicht unbemerkt geblieben.

Wann hätten wir eigentlich den letzten Regen? Ein paar Minuten in Roscoff. Ein paar Tropfen in Porto. Der letzte starke Regen war auf Islay, da gab es einen oder zwei Regentage. Und im Caledonian Canal. Seit dem brauchten wir keine Regensachen mehr. Wikipedia schreibt, dass in Portugal von Oktober bis März der meiste Regen fällt.

Wir haben den Regen verschlafen, nicht einmal damit gerechnet. Unsere Schuhe standen über Nacht auf dem Steg und sind jetzt triefend nass. Sie wollen getrocknet werden. Zum Glück ist noch eine alte Zeitung da.

Schuhe trocknen

Außerdem trocknen wir gerade das Schiff. Die Abfahrt heute ist ins Wasser gefallen. Positiv daran ist, dass wir Sissi nicht von der Salzkruste des gestrigen Am-Wind-Kurses befreien müssen. Das hat die Natur gründlich für uns erledigt.

Das ist alles nicht so schlimm. Sines hat mehr als einen Spaziergang zum Supermarkt verdient. Guten Wind bekommen wir wieder und zur Not ist unser Dieseltank noch fast ganz voll. Seit dem Tanken in Vigo hatten wir kaum Motorstunden. Wenn es nicht mehr regnet, gehen wir Vasco da Gama suchen.