Alleine

Wir sind seit dem 15. Dezember letzten Jahres zum ersten Mal wieder alleine an Bord. Jörg hat sich gestern in den Flieger gesetzt und ist heute gut in Frankfurt angekommen. Wir hatten eine schöne Zeit zusammen, haben drei Länder bereist, sind gemeinsam vom Regen durchnässt und von der Sonne gebraten worden. Hoffentlich muss er in Deutschland nicht allzu sehr frieren.

Er ist jedenfalls mitten in der Faschingszeit in Frankfurt gelandet. Faschingszeit. Das kommt mir hier so unwirklich vor.

Jörg steigt in den Bus

Jens und ich sind nun wieder alleine an Bord. Am gestrigen Tag haben wir das genutzt und fast gar nichts gemacht. Wir haben die Zeit verrinnen lassen, uns kaum unterhalten und den Moment genossen. Seit Teneriffa haben wir viele tausend Meilen zurückgelegt, dabei war immer die Bugkabine belegt. Jetzt ist sie leer.

Laute Musik von der Uferstraße her macht mich auf einen Karnevalsumzug aufmerksam. Ich schnappe mir eine Kamera und gehe nachschauen.

Karnevalsumzug – äh – Kinderfasching

Aus verschiedenen Schulklassen kommen alle Teilnehmer des Umzugs. Jede Schule bzw. jede Klasse hat sich ein Motto gewählt. Gerührt war ich von jenen, die sich mit Flaggen aller Herren Länder geschmückt haben, auch wenn ich keine deutsche Flagge gesehen habe. Dafür ist Großbritannien noch dabei.

Die Gruppe wartet auf ihren Musikwagen

Vor jeder Gruppe fährt ein Musikwagen her. Die Zahl der Lautsprecherboxen ist jeweils beeindruckend, aber das sorgt für einen ausgewogenen Sound im ganzen Ort. Ich rufe Jens, der sich hinter Heavy-Metal verschanzt hat und den Staubsauger ausführt. Der Staubsauger kann in diesem Fall warten. Wir gehen in den Ort und suchen den Umzug.

Das Wort “Lautsprecherwagen” wird neu definiert

Wenn es nicht mehr weiter geht und sich der Umzug staut, wird einfach vor Ort getanzt. Auf dem Lautsprecherwagen ist der DJ, der für die musikalische Untermalung sorgt.

DJ Pult

Selbstverständlich habe ich ein kleines Video gemacht, damit ihr zu Hause auch die tolle Karnevalsmusik hören könnt. Hier geht es für eine Gruppe weiter, die gerade pausieren musste.

Und dann ist da noch die ganze Meute, die an der Uferstraße tanzt, weil es mit dem Umzug einfach nicht vorwärts geht. Stau ist im Karneval üblich, in der Wartezeit wird zur Musik gehüpft.

Als der letzte Wagen an uns vorbei gefahren ist und wir wieder herunter in die Marina laufen, sind wir uns ohne Worte einig, dass es mit der Arbeit für diesen Tag gelaufen ist. Wir gehen noch einen Döner essen und machen uns am Abend die Reste von der Lasagne warm.

Blick von oben auf die Marina

Heute haben wir geputzt, den Kühlschrank abgetaut (ja, wir haben eine ungewollte Eiswürfelmaschine!!!), die Wanten nachgespannt, lose Schrauben festgedreht, die Segellast aufgeräumt, die Bugkoje wieder auf Zweipersonenbetrieb umgeräumt, das Ersatzteil an die Windfahnensteuerung montiert und uns anschließend wieder ausgeruht. Morgen machen wir mit den Arbeiten weiter.

Anse Dufour

Was macht der Segler, wenn er seine Ruhe haben will? Er verlässt die Marina und sucht sich eine Ankerbucht. Das haben wir ebenfalls vor, denn auf die Dauer nervt die Marina schon.

Der Ankerplatz vor St. Anne kommt nicht für uns in Frage. Da liegen so viele Boote herum, dass man gar keinen Anker mehr werfen muss, sondern sich mit Bug- und Heckleine einfach an den Nachbarn festmachen kann.

Auf dem Weg zur Ankerbucht

An verschiedenen Buchten fahren wir vorbei, dort sind die Masten der ankernden Segelboote teilweise im Dutzend zu sehen. Wir finden dann mit der Anse Dufour eine Bucht, in der wir das einzige Segelboot sind.

Nach uns kommt noch ein weiteres Segelboot rein, danach ist aber Schluss. Tagüber fahren hier die Badeboote hin und bringen die zahlende Kundschaft zum Schnorcheln. In der Nacht haben wir unsere Ruhe, lediglich einige Fischer haben ihre Boote hier an den Bojen liegen.

Fischer mit Fischerbooten

In der Nacht ist es schön ruhig. Wir schlafen gut, in der Bucht gibt es praktisch keinen Schwell. Der abendliche Blick auf Fort de France fühlt sich aber wieder an, als wären wir in Südfrankreich oder an der Adria.

Badeboote

Zum Glück fahren die Badeboote am frühen Nachmittag wieder ab. Die wenigen Menschen, die am Ufer sind, scheinen die umliegenden Ferienhäuser zu bewohnen. Die Strandbar schließt um 18 Uhr. Dann ist es schön hier.

Touristen werden am Strand gegrillt. Wie immer. Wie überall.

Ich paddele das Dinghi an Land, immer auf der Suche nach einem offenen WLAN. Hier werde ich nicht fündig, es gibt in beiden Restaurants kein WLAN. Schade, dann können wir mit unserem Verstärker auch nichts ausrichten. Dafür kann ich das Foto mit den Grilltouristen machen, die in der nicht vorhandenen Sonne liegen, aber dennoch großteils schon ziemlich rot gebrannt sind.

Sissi vom Strand aus gesehen.

Auf der linken Seite des Fotos ist ein anderes deutsches Boot, die Lady Charlyette. Wir sind fast gleichzeitig hier angekommen. Unser Anker hält allerdings besser, die Lady Charlyette musste schon mehrfach ihren Anker zurecht rücken.

Sissi vor Anker. Der Anker hält.

Die Koordinaten sind etwa 14°31’N, 61°05’W. Wenn Du einen schönen Ankerplatz suchst, wirst Du ihn hier finden.

Endstation Martinique

Vor ein paar Tagen sind wir nach Martinique rübergefahren. Jens und ich haben einen französischen Supermarkt dringend gebraucht. Und für Burti ist hier Endstation. Sie hatte nur vier Wochen Urlaub und muss wieder nach Hause fliegen. Jörg bringt sie mit dem Taxi nach Fort de France zum Flughafen.

Tschüß Burti! Wir hatten eine schöne Zeit.

Der Heimflug wird ein wenig chaotisch. Der Flieger von Barbados nach Frankfurt ist schon ein paar Monate gebucht. Es musste nur der Transport von Burti nach Barbados organisiert werden. Einfach in Martinique einsteigen, in Dominica umsteigen und nach Barbados fliegen. Dumm nur, dass der Flieger dann nach Guadeloupe flog. Diese Zeilen entstehen, während Burti hoffentlich in den Flieger nach Barbados einsteigt.

Wir liegen in einer recht unattraktiven Marina in Le Marin. Die Leute sind sehr nett, die Duschen viel zu warm und der Weg zur Dusche ist weit. Das Ambiente ist jedoch nicht so toll, aber der örtliche Carrefour Supermarkt bietet einen kostenlosten Shuttleservice bis zum Steg. Klasse! Wir haben wieder Camembert und Orangina!

Bojenfeld vor der Marina

Vor der Marina ist ein gigantisches Bojenfeld. Und die Marina ist riesig, sie hat neun Stege. Teilweise liegen die Boote hier aber auch schon sehr, sehr lange. Darüber werde ich zukünftig noch etwas schreiben.

Wrack

Außerdem gibt es inmitten der Bojenfelder auch das eine oder andere Korallenriff. Die sind mit Bojen markiert, in der Nacht kann man aber durchaus Probleme mit der Navigation bekommen. Ich bin froh, dass wir die Anfahrt hier bei Tageslicht gemacht haben.

Miles and More (Teil 3)

Seit Tagen schiebe ich es vor mir her, heute schreibe ich die Zeilen herunter. Unseren letzten Statistik-Beitrag habe ich auf Lanzarote verfasst. Seit dem haben wir viele Segeltage und viele Meilen im Kielwasser. Wir haben beispielsweise die zurückgelegte Strecke mehr als verdoppelt.

Unsere Reise dauert nun schon 242 Tage. Von den neu hinzu gekommenen 64 Tagen waren wir 31 Tage auf See, also einen ganzen Monat. In dieser Zeit sind wir von Lanzarote über Teneriffa, Mindelo und Barbados nach St. Lucia gesegelt und haben nun 6324 Meilen im Kielwasser. Also in 31 Segeltagen 3265 Meilen bzw. 105 Meilen pro gesegeltem Tag.

Der Motorstundenzähler steht nun bei 301 Motorstunden. Von den 70 hinzu gekommenen Motorstunden sind 20 alleine für die Stromproduktion genutzt worden, und 50 für den Antrieb. Das liegt daran, dass Wind und Sonne unstete Gesellen sind und es gerade in der Ankerbucht bei bewölktem Himmel schwer ist, genug Strom aus regenerativen Energiequellen zu erzeugen. Das geht allen so, wir haben bei jedem Boot in der Ankerbucht die Maschine laufen sehen.

Auf der Fahrt von Lanzarote bis Barbados haben wir 1500 Liter Wasser erzeugt, das sind im Schnitt 30 Liter Wasser pro Tag bzw. 10 Liter Wasser pro Tag pro Person. Das Wasser ist zum Trinken, Abwaschen, Duschen und Putzen benutzt worden, so wie das Wasser zu Hause aus der Wasserleitung. Seit wir in der Karibik sind haben wir 560 Liter Wasser gemacht, das sind 60 Liter am Tag bzw. 15 Liter pro Person und pro Tag. In der Hitze haben wir wesentlich öfter geduscht.

Sicherlich könnte man mit weniger Wasser auskommen. Man muss aber nicht. Wozu haben wir den Watermaker eingebaut? Genau, für den Komfort! Jetzt in der Marina auf St. Lucia wird der Verbrauch wieder sinken, wir gehen schließlich an Land duschen.

Der größte Defekt auf unserer Überfahrt ist beim Parasailor, der uns auf fünf Metern eingerissen ist. Morgen hat der Segelmacher wieder geöffnet, dann können wir ihn endlich zur Reparatur bringen. Außerdem ist ein Teil der Windfahnensteuerung kaputt gegangen, für das uns Peter Foerthmann einen kostenlosen Ersatz nach Martinique schicken wird. Toller Service!!!

Bislang haben wir einen Fisch gefangen. Da ist noch Luft nach oben.

Kreuzfahrer-Dreck und Dreckskreuzfahrer

Diesen Beitrag schrieb ich am 14.12. vor der Abfahrt in Santa Cruz. Er gehörte zu den Beiträgen, die während unserer Atlantiküberfahrt erscheinen sollten. Aus verschiedensten Gründen habe ich auf die Veröffentlichung bislang verzichtet, nach dem Erlebnis heute Nacht ist es mir jedoch ein Bedürfnis, meine Meinung zu Kreuzfahrtschiffen mitsamt ihrer Fracht zu äußern.

Dezember 2019, Santa Cruz, Teneriffa: Vorgestern haben Jens und ich die neue Genua hochgezogen. Es war gerade eine gute Gelegenheit, denn der Wind hatte gerade abgeflaut. Dann geht der Segelwechsel am einfachsten von der Hand, denn das Segel wird nicht wild in der Gegend herum zappeln. Ich stand an der Winsch, um das Segel hoch zu kurbeln, Jens am Vorstag zum Einfädeln das Segels in die Rollanlage. Plötzlich blieb mir die Luft etwas weg, ich fühlte mich, als würde ich direkt am Auspuff eines VW Diesel einen tiefen Luftzug nehmen.

Queen Victoria rußt

Die Queen Victoria liegt heute in Santa Cruz. An derselben Stelle liegt jeden Tag ein anderes Schiff. Alle lassen ihren Dieselgenerator im Hafen laufen. Alle hinterlassen diese fette Rußfahne, die man auf dem vom Vordeck der Sissi aufgenommenen Bild gut erkennen kann. Das ist die eine Seite der Kreuzfahrerei. Ich kann sehr gut verstehen, dass die Venezianer, die Hamburger und eigentlich alle Bewohner der von Kreuzfahrtschiffen überlaufenen Städte dieser Umweltverpestung Einhalt gebieten wollen.

Der Ruß wird vom Wind in den Salon der Sissi getrieben. Den Ruß atmen wir beim Arbeiten auf dem Schiff ein, wir bekommen ihn auch in der Freizeit ab. Er zieht bis in unsere Schlafkoje. Erst wenn sich der Kreuzfahrer mit einem Höllenlärm von seiner Schiffströte mitten in der Nacht verabschiedet, zieht langsam wieder frische Luft durch unser Boot.

Kreuzfahrer mit E-Bikes

Außerdem fallen mit jedem Kreuzfahrtschiff auch Horden von Menschen in den Ort ein. Sie stehen im Supermarkt vor uns normalen Bootstouristen in der Schlange und tragen oft die Lebensmittel und Getränke raus, die wir eigentlich hätten selbst kaufen wollen. Die Supermärkte hier sind klein, meist werden sie erst am folgenden Tag wieder beliefert und aufgefüllt.

AIDS Logo auf dem E-Bike

Ändern können wir es nicht. Wir müssen damit leben. Wenn sie mich dann mit ihren E-Bikes aber auf dem Weg vom Boot zur Dusche fast über den Haufen fahren, dann möchte ich sie am liebsten ins Hafenbecken schubsen. Danke, AIDA, dass du so viele E-Bikes mitgenommen und an deine Passagiere verliehen hast. Könnt ihr nicht wenigstens mit Reisebussen durch die Gegend kutschen, wie die anderen Kreuzfahrer auch? Die Busse machen zwar auch Lärm, dafür fahren sie nicht mitten durch die Marina.


31. Januar 2020, 01:50 Uhr, zwischen Barbados und St. Lucia: Ich liege auf der Couch und döse ein wenig vor mich hin. Meine Wache ist fast zu Ende, in einer guten Stunde werde ich Jens wecken. Bislang war die Wache ziemlich ereignislos – wie fast immer auf dem Atlantik.

Ein penetrantes Piepsen bringt mich aus meinem Dämmerzustand schnell wieder in den Wachzustand. Der AIS-Kollisionsalarm meldet sich. In einer knappen halben Stunde wird die Britannia uns über den Haufen fahren oder ganz nah passieren. Hä? Unser AIS sendet. Unser AIS empfängt. Die können sehen, dass wir ein Segelboot sind. Die können unseren Kurs sehen. Ich mache mir keine besonderen Gedanken, denn viele Kreuzfahrer fahren nach Barbados.

Ich sitze im Cockpit und betrachte den hellen Lichtschein, der sich immer mehr nähert. In den ganzen hellen Lampen kann ich die Positionslampen nicht ausmachen. Unser Windpilot steuert seinen normalen Zickzack. Mal werden wir 30 Meter, mal 300 Meter entfernt von der Britannia den nächsten Begegnungspunkt haben. Und zwar in 20 Minuten. Ich probiere den Nachtfotomodus meines Handys aus, da kann man sogar was erkennen.

Noch 20 Minuten bis zur Begegnung

Die Kurslinie des Kreuzfahrers auf dem AIS ändert sich keinen Zentimeter. Er hält auf uns zu. Ich entscheide mich erst einmal für unsere Kurshaltepflicht, die wir als Segler schließlich haben. Das muss auch der Kerl am Ruder der Britannia wissen. Allerdings unterstütze ich den Windpiloten in seinem Zickzack. Das Zick erlaube ich ihm, das Zack nicht. Eine Viertelstunde später steht fest, dass wir den Kreuzfahrer etwa in 100 bis 200 Metern Entfernung passieren werden. Auf dem Handy erscheint eine Begrüßungs-SMS für das Bordnetz der Britannia. Letztendlich war der kürzeste Abstand weniger groß als die Länge dieses Dampfers.

Unfallfrei passiert, die Britannia ist durch

Frachtschiffe haben bislang immer ihren Kurs für uns geändert, auch die 300 Meter langen Brocken. Fähren sind immer einen großen Bogen um uns gefahren. Nur die Kreuzfahrtschiffe sind eine Gefahr, die machen nach unserer Erfahrung nämlich gar nichts.

Die Dreckskerle fahren einfach stur ihren Kurs weiter. Wenn Passagiere vor den Häfen ausgebootet werden, fahren auch die Dinghis eine schnurgerade Linie, ob da ein Segler vorbei kommt oder nicht. Dies soll keine Verallgemeinerung oder ein Vorurteil sein, dies ist mein Urteil nach 6000 Seemeilen unserer Welttournee und ein Fazit aus mehreren Dutzend Begegnungen mit diesen leuchtenden Trümmern.


Jetzt habe ich meinen Dampf abgelassen. Wir haben noch 10 Meilen bis zur Rodney Bay vor uns, werden wohl bei Tageslicht einlaufen. Dann zwei Stunden duschen und anschließend ein riesiges Steak im Marinarestaurant. So stelle ich mir den Abend vor.

WiFi in der Strandbar

Bei Roaming in der Länderklasse 3 zahlt man als Deutscher einen Laster voll Geld, wenn man über die deutsche SIM-Karte telefoniert oder das Internet nutzt.

Also haben wir so nah am Strand geankert, wie wir verantworten konnten und unsere große Antenne aufgebaut.

Anschließend klapperten wir die Strandbars ab uns sammelten die Passwörter ein.

Sonnenuntergang in Extremkitsch

Ein solcher Strandspaziergang ist nicht nur der Konnektivität förderlich, sondern bietet am Abend auch tolle Ausblicke.

Am meisten Spaß machen die extrem kitschigen Sonnenuntergänge. Ich habe das eine oder andere Bild schon verschickt, bevor ich es jetzt ins Blog nehme. Auf diese Sonnenuntergangskitschbilder bekomme ich die meisten Reaktionen.

Kitsch mit Mond

Anscheinend ist es das, was ihr zu Hause aus der Karibik sehen wollt. Bitteschön, ich kann liefern.

In der Tagesschau heute habe ich von Sturmtiefs und Schneefall gehört. Unvorstellbar, hier sind es mitten in der Nacht noch 26°C.

Dieser Beitrag wurde über das WLAN der Copacabana Bar gepostet.

Geburtstag unter Palmen

Happy Birthday Jens. Jens wurde gestern 37 Jahre alt. Ich hätte diesen Beitrag gerne einen Tag früher geschrieben, aber das Internet an Bord hat mal wieder geklemmt.

Since 1983 – Jens

Zum Geburtstag bekam er von mir das einzige Hemd, das er in seiner Garderobe hat. Er trägt es mit Stolz. Nicht jeder kann seinen Geburtstag in der Karibik feiern.

Der letzte Apfelwein für die Feier

Extra für die Geburtstagsfeier haben wir das letzte Fass Apfelwein aufgehoben, es fährt seit Holland mit uns mit und wurde dem Zoll immer verschwiegen.

Kühler Äppler in der Ankerbucht

Das Wetter meinte es gut mit Jens, statt des obligatorischen Starkregens gab es einen der schönsten und kitschigsten Sonnenuntergänge zu sehen, die wir auf Barbados hatten.

Viele Glückwünsche sind eingegangen, Jens müht sich nach Kräften, sie über die wackelige Internetverbindung zu beantworten.

Kitsch zur Feier

Happy Birthday Jens.

Gewonnen hat…

Ich wollte ja eigentlich ein paar Tage mit dem Bloggen aussetzen, dann ist mir aber aufgefallen, dass noch etwas fehlt. Die Bekanntgabe, wer den besten Tipp abgegeben hat hinsichtlich unserer Ankunftszeit.

Im Logbuch steht:
19. Januar 2020 um 17:15 Uhr festgemacht in Port St. Charles, Barbados

Da es sich hierbei um Ortszeit handelt, rechne ich die erst einmal um in UTC – das ist dann 21:15 Uhr. Schließlich haben wir die meisten Tipps in UTC bekommen. Die anderen rechne ich natürlich auch um.

  • Gregor, 19.1. 0:39 Uhr
  • Martin, 19.1. 1:40 Uhr
  • CeBe, 19.1. 3:00 Uhr
  • Christine, 19.1. 20:00 Uhr
  • Jörg, 19.1. “gegen Abend”
  • Niels, 20.1. 7:07 Uhr

Was mache ich nun? Christine lag nur eine Stunde und 15 Minuten daneben, wenn ich ihren Tipp nach UTC umrechne. Ich glaube aber, sie hat Ortszeit gemeint, dann lag sie lediglich fünf Stunden und 15 Minuten daneben.

Niels hat nur 9 Stunden und 52 Minuten daneben gelegen.

Also hat unsere Schwester Christine den besten Tipp abgegeben. Der war aber per Mail und somit nicht ganz regelkonform. Ich komme also zu folgendem Ergebnis: Christine hatte den besten Tipp und Niels ist der Sieger im Tippspiel. Das Foto muss ich noch heraussuchen, ich konnte mich bislang noch nicht für ein Bild entscheiden. Ich schicke es dann einfach an beide!

Willkommen an Bord

Hier in Bridgetown kam es zu einem Crewwechsel. Jakob ist von der Sissi auf die Björkö umgezogen, dafür sind Burti und Jörg auf der Sissi eingezogen. Sie werden uns bis Martinique begleiten. Gleich am ersten Tag ist Jörg auf seine Brille getreten, deswegen waren wir heute beim Optiker in der Stadt. Ich habe mir vor ein paar Tagen auf dem Atlantik ein Inlay aus dem achteren Backenzahn auf der Steuerbordseite herausgebissen, deswegen waren wir auch beim Zahnarzt.

Das alles geschah bei bestem karibischen Wetter, nämlich bei Starkregen. Wir hatten das Dinghi im Ort noch nicht angebunden, da goss es schon aus Kübeln. Das änderte sich im Laufe des Tages selten, wenn die Sonne mal zu sehen war, dann war mächtig Waschküche im Ort.

Bridgetown im Regen

Morgen wollen wir mit dem Bus einen Ausflug über die Insel machen. Ich werde mit der Kamera wedeln und ansonsten meine Finger noch ein wenig ausruhen.

In den Beiträgen von der Überfahrt über den Atlantik habe ich die kleinen Bilder durch normal große Bilder ersetzt.

Überfahrt nach Barbados Tag 20 – Ankunft

Wir fliegen geradezu auf Barbados zu. Sissi läuft die meiste Zeit knapp 6 kn. Dennoch schaffen wir es nicht, vor 17 Uhr in Port St. Charles zu sein, wir haben erst um 17:15 Uhr festgemacht. Die offizielle Zielzeit für das wer-ist-am-nächsten-an-der-Ankunftszeit-Spiel ist somit der 19. Januar 2020 17:15 Uhr. Das ist jetzt also auch geklärt. Jetzt brauchen wir nur noch anständiges Internet und dann können wir auch die Siegerin oder den Sieger ermitteln. Das wird in den nächsten Tagen wohl passieren.

Das Einklarieren in Port St. Charles war in 45 Minuten erledigt. Die Leute dort sind extrem freundlich, die Behörden sitzen alle in einem Gebäude in drei nebeneinander liegenden Räumen. Man sollte genug Exemplare der Crewliste (mindestens 3-4 Stück) mitnehmen, dann erspart man sich das Ausfüllen vieler Formulare. Da man in Port St. Charles nicht bleiben kann, der Hafen ist für Jachten von mehr als 50 Metern Länge gemacht, sind wir dann noch nach Bridgetown in die Carlisle Bay umgezogen. Hier liegen wir nun vor Anker.

Wir lassen es uns jetzt erst einmal gut gehen – für ein paar Stunden. Dann kommen Burti und Jörg an Bord. Jakob ist schon auf die Björkö umgezogen, die liegt hier auch in der Bucht. Jens hat die Wassertemperatur getestet, sie ist sehr angenehm. Bloggen werde ich in den kommenden Tagen eher nicht, meine Finger brauchen mal eine Auszeit. Und die Zeit vor Anker ist ja noch langweiliger als die Zeit auf See.

Ich habe noch leichte Schädelschmerzen, irgendwie hat eines der Biere den Transport über den Atlantik nicht so recht überlebt. Warum bekomme immer ich solche Biere? An dem Äppler kann es nicht gelegen haben. Deswegen ist jetzt erst einmal END OF TRANSMISSION.

Reststrecke: 34 nm
Wir haben damit 2199 Meilen hinter uns.

Angekommen

Überfahrt nach Barbados Tag 19 – Endspurt

Bei allerbestem Wetter und leichtem Wind segeln wir die letzten Meilen in Richtung Barbados. Wir werden wieder von Squalls verschont, statt dessen frischt am Abend der Wind auf und wir können den Kühlschrank wieder einschalten. Beladen ist er mit unseren Ankergetränken. Unsere Stimmung ist geradezu euphorisch. Wir machen ein gemeinsames Abschlussfoto im Cockpit, hören Buena Vista Social Club mit gehobener Lautstärke und noch ein wenig Harry Belafonte (Jens nennt es Trash, also Müll).

Der Wind erlaubt uns eines der besten Etmale auf dieser Reise, obwohl wir in den ersten vier oder fünf Stunden sehr, sehr langsam unterwegs waren. Wir haben viel gelernt auf dieser Überfahrt. Einige Ausrüstungsgegenstände haben sich sehr bewährt – etwa die Oskar-Tonne für den Müll, die unseren gesamten Müll aus drei Wochen aufgenommen hat und dabei nicht riecht. Oder die Hochsee-Kaffeekannenhalterung im Cockpit, die auch Smartphones oder Fanta-Flaschen hält. Wer sich unter “Oskar-Tonne” nichts vorstellen kann, darf den Begriff gerne mal in die Suchfunktion hier im Blog eingeben.

Seit ein paar Stunden sehen wir Barbados am Horizont. Wir können die Ankunft kaum erwarten. Wahrscheinlich sind wir inzwischen wieder auf Marinetraffic zu sehen. Hoffentlich schaffen wir es noch vor 17 Uhr zu den Behörden zum Einklarieren, wer später kommt, muss Überstundenzuschlag bezahlen. Lässt uns der Wind nicht im Stich, werden wir pünktlich sein.

19. Etmal: 127 nm
Position um 12 Uhr: N13°21′ W59°20′
Noch 23 Seemeilen bis nach Port St. Charles auf Barbados, wir haben 2165 Meilen hinter uns.

Letzter kompletter Seetag