California Beach

Ich habe ein paar Tage nichts geschrieben. Das heißt nicht, dass es mir hier langweilig ist, sondern deutet eher auf das Gegenteil hin. Seit eineinhalb Wochen habe ich das Auto bin auf der Insel unterwegs. Manchmal alleine, manchmal gemeinsam mit den Chapos. An jenem Tag war Charly leider unpässlich, deswegen bin ich mit Jutta und Ute in den hohen Norden von Aruba gefahren, zum California Beach.

Californa Lighthouse

Über dem Strand thront der Leuchtturm, unterhalb des Leuchtturms gibt es ein sauteures italienisches Restaurant. Außerdem gibt es meilenweit Strand. Kein Badestrand, denn hier brandet der Atlantik mit aller Wucht gegen die Küste.

Brandung

Durch den glücklichen Umstand, dass wir die letzten Touristen auf Aruba sind, können wir jeden Meter der wilden Küste alleine genießen.

Einsame Küste

Wenn man genau hinsieht, kann man erkennen, dass die Insel Aruba auf Korallen gebaut ist. Die “Steine”, die am Ufer herumliegen, sind in Wirklichkeit Korallen.

Korallen (Nahaufnahme eines Steins)

Jutta und Ute vergnügen sich damit, versteinerte Brocken der Korallen zu sammeln. Ich stelle mir vor, wie die Chapo immer schwerer und schwerer wird und irgendwann sinkt, wenn beide den ganzen Strand von Aruba abgesammelt haben.

Auf der Suche nach formschönen Steinen und Muscheln

Ein paar große Steine gibt es doch, sie sind so groß, dass man sie beinahe schon als bequem bezeichnen kann.

Felscouch

Immer wieder muss ich die Kamera auf die Brandung halten, bis mir klar wird, dass ich keinerlei Verwendung für 1001 Fotos von Wellen habe. 101 Fotos sind vollkommen ausreichend. Ich trauere ein wenig dem Diafilm nach.

Felsen in der Brandung

Wir begegnen einem arubanischen Pärchen mit einem riesigen Hund. Der Hund sieht zwar harmlos aus, wir wollen aber nicht mit ihm spielen.

Natürlicher Pool

Wir umwandern die Nordspitze der Insel und stoßen auf eine Art natürlichen Pool. Es ist beeindruckend, wie das Wasser hier eine Höhle ausgewaschen hat. Je weiter wir kommen, desto weniger Brandung gibt es zu sehen. Langsam erreichen wir die andere Inselseite.

Ruine eines Divi-Divi Baums

Auf der Leeseite der Insel gibt es erst einmal mehr Vegetation. Wo auf der Luvseite allenfalls Gräser wachsen, sieht man auf der Leeseite sogar die Ruine eines Divi-Divi Baums.

Ich schwöre, ich habe das Bild von Jutta und Ute so gut wie gar nicht bearbeitet. Da ist mir bei den Farben wohl irgendwie die Maus ausgerutscht.

Ute und Jutta stehen an der Ruine des Divi-Divi Baums

Ein paar Kakteen im Vordergrund, ein jagender Pelikan im Hintergrund. Es hat eine Weile gedauert, bis ich dieses Bild im Kasten hatte. Auf der Leeseite ist das Wasser vollkommen glatt. Bis hierhin ist es ein wunderschöner Ausflug.

Jagender Pelikan

Am Wegesrand steht ein Pickup-Truck und zwei junge Männer hantieren an der Ladefläche. Eine Flasche Rum wartet halbvoll oder halbleer auf den nächsten Trinker. Die beiden lachen und unterhalten sich, zeigen auf uns. Im Nachhinein wurde mir der Dialog etwa folgendermaßen zugetragen:

“Guck’ mal, da sind wieder Touristen.”
“Quatsch, es gibt hier keine Touristen. Das sind Leute, die sprechen besser Papiamentu als wir.”

Daraufhin werden wir mit einem Wortschwall überschüttet. Ich brauche zwei oder drei Minuten um ihn zu unterbrechen, der Rum hat die Kehle gut geölt. Wir stellen uns gegenseitig vor, mein Gesprächspartner heißt Edward. Wir tauschen Telefonnummern aus. Edward bietet uns an, uns über die Insel zu fahren und uns jede Ecke zu zeigen. Ein paar Minuten quatschen wir noch. Jetzt ist der Tag perfekt geworden, wir haben endlich wieder ein paar Einheimische kennengelernt.

Pelikan im Flug auf der Jagd

Trouble in paradise

Es geht den Menschen wie den Leuten. In der deutschen Presse wird über Demonstrationen berichtet, auch hier gehen die Menschen auf die Straße.

Vorgestern standen mehrere Dutzend Polizeiwagen auf dem Parkplatz gegenüber dem Parlamentsgebäude. Hunderte Menschen marschierten am Parlament vorbei, drehten mehrere Runden über das Marina- bzw. Hotelgelände und sammelten sich schließlich zu einer Kundgebung. Davon habe ich nichts mehr mitbekommen, ich bin mit dem Mietwagen über die Insel gefahren und sah keinen einzigen Polizisten. Sonst sieht man immer welche.

Nach dem was ich hier erfahren habe, sollen den Beamten, Parlamentariern und Ministern die Bezüge gekürzt werden. Aruba möchte nämlich Geld von den Niederlanden zur Bewältigung der Folgen von Corona. Die Niederlande wollen das Geld nur geben, wenn die Gehälter im öffentlichen Dienst um 15% gekürzt werden. Hiesige Minister verdienen mit 10000 US$ im Monat nicht gerade wenig. Natürlich passt das den Betroffenen nicht.

Stau in Oranjestad

Als ich gestern vom Supermarkt zurück gelaufen kam, wälzte sich eine ungewöhnlich lange Autoschlange durch die engen Straßen der Innenstadt. Das kam mir komisch vor, auf dieser Straße kommt sonst kaum ein Fahrzeug gefahren. Man könnte theoretisch auf der Fahrbahn picknicken. Ich bog um das Parlamentsgebäude herum und sah die Ursache: Die Polizei war wieder bei der Arbeit und hat die Hauptstraße gesperrt.

Demo vor dem Parlamentsgebäude

Eine beträchtliche Menschenmenge hat sich vor dem Parlamentsgebäude versammelt. Ich wollte natürlich wissen, wofür bzw. wogegen diese Leute demonstrieren, und sprach eine Teilnehmerin an.

Minister stellt sich den Demonstrierenden

Wahrscheinlich habe ich gestern alle Lehrer von Aruba gesehen. Die Protestierenden waren Lehrer, die demnächst wieder zur Arbeit gehen sollen. Ich wollte wissen, ob es ebenfalls um Gehaltskürzungen geht. Dazu später mehr, denn gerade als ich das Gespräch angefangen hatte, trat der zuständige Minister vor die Menschenmenge.

Bla Bla Bla

Die Forderungen wurden dem Minister persönlich übergeben und es entspann sich ein Dialog. Der Sprecher der Lehrer stellte den Minister zur Rede, jede Ministerantwort wurde von einem lauten “BLA BLA BLA BLA BLA” der Menge beantwortet. Niemand hat den hier ebenfalls vorgeschriebenen Corona-Sicherheitsabstand eingehalten, was jedoch niemanden gestört hat. Inzwischen gibt es nur noch drei aktive Covid-19 Fälle auf Aruba.

Kundgebung

Anschließend machten die Lehrer die Hauptstraße wieder frei und sammelten sich um die Ecke zu einer Kundgebung. Ich blieb noch ein wenig mit der Lehrerin im Gespräch. Sonst hätte ich auch gar nichts verstanden, denn mein Papiamentu ist noch nicht besonders gut. Es wird aber besser.

Die Lehrer waren nicht primär wegen der Gehaltskürzungen auf der Straße, sondern wegen der Arbeitsbedingungen. Anscheinend sind die Schulgebäude in miserablem Zustand. Dass das in Deutschland ebenfalls so ist, wollte mir die Frau nicht glauben. Das sei doch Deutschland. Außerdem würden sie als Lehrer zwar gut verdienen, sie würden mit dem Geld jedoch auch den privaten Sektor unterstützen. Da ist sicherlich was dran, denn der private Sektor ist vor allem vom Tourismus abhängig.

Privater Sektor – Autowaschstraße

Ja, der private Sektor leidet. Auf jeden Fall haben die Lehrer ihre Forderungen charmant verpackt, denn es ging in der Hauptsache um die Schulen und nicht um das Geld. Die Gehaltskürzungen wollen sie natürlich auch nicht.

Heute ist Christi Himmelfahrt – auch hier ein Feiertag. An Feiertagen gehen alle an den Strand und nicht zur Demo. Ich bin allerdings gespannt, welche Gruppe morgen vor dem Parlament aufmarschieren wird.

Coronachronik – acht Wochen auf Aruba

Am heutigen 6. Mai dauert mein für wenige Tage geplanter Aufenthalt auf Aruba acht Wochen. Acht Wochen in denen auf der Welt ziemlich viel passiert ist. Ich habe erlebt, wie der normale Wahnsinn auf Aruba abgeht, wenn ein oder zwei Kreuzfahrer am Terminal liegen. Ich habe erlebt, wie Oranjestad austrocknete und verödete. Ausgangssperren und Hausarrest. Inzwischen werden die Maßnahmen gelockert, Geschäfte dürfen wieder öffnen. Das Leben fühlt sich wieder anders an.

11. März 2020: Zwei Kreuzfahrtschiffe liegen vor Oranjestad

11. März
Jens und ich landen auf Aruba. Wir erledigen unsere Einreiseformalitäten ganz normal im Hafen Barcadera und suchen uns anschließend einen innenstadtnahen Liegeplatz in einer von zwei Marinas. Ich will die Straßenbahn fotografieren, wir wollen ein paar Tage auf der Insel verbringen und uns alles ansehen.

13. März
Auf Aruba werden die ersten beiden Menschen positiv auf Covid-19 getestet. Wir bekommen davon gar nichts mit, das Leben läuft ganz normal. Ich mache eine Menge Fotos von der einzigen Straßenbahn in der Karibik. Jens auch. Die Chapo meldet sich bei uns. Sie wollen nach Aruba kommen, weil in vielen Ländern die Grenzen schon zu sind. Auf Aruba ist alles vollkommen normal.

13. März 2020: Jens fotografiert die Straßenbahn in der Fußgängerzone.

15. März
Aruba schließt die Grenzen. Nur noch Arubaner dürfen in das Land reisen. Über die Honorarkonsulin erreichen wir eine Ausnahme für die Chapo. Das letzte Kreuzfahrtschiff hat die Stadt verlassen. Die Straßenbahn hat ihren vorerst letzten Betriebstag.

16. März
Aruba hat den dritten Fall von Covid-19. Noch sind Geschäfte, Restaurants und Bars geöffnet. Die Touristen fehlen, das Personal steht in leeren Läden. Die meisten Geschäfte reduzieren ihre Öffnungszeiten.

15. März 2020: Leerer Laden ohne Kunden

19. März
Der erste Covid-19 Patient wird als geheilt entlassen, die Gesamtzahl der Fälle liegt nun bei fünf. Die Regierung ruft zu Social Distancing auf. Öffnungszeiten der Läden werden bis 22 Uhr begrenzt. Es wird eine Ausgangssperre ab dem 21. März angekündigt. Außerdem schließt der Flughafen am 31. März seine Tore. Inzwischen rufen Jens und ich die entsprechenden Webseiten täglich auf. Die ersten Supermärkte beginnen mit der Aufstellung von Desinfektionsmittelspendern. Kassierer tragen Mundschutz. Plexiglaswände wachsen nach und nach an den Ladenkassen.

15. März 2020: Es ist kaum noch jemand in der Fußgängerzone unterwegs.

21. März
Jetzt ist die Zahl der Covid-19 Fälle bei acht. Zwischen 21 Uhr und 6 Uhr gilt ab sofort eine Ausgangssperre. Wer dagegen verstößt, verbringt die Nacht im Gefängnis und zahlt 560 US$ Strafe. Geschäfte, Restaurants und Bars dürfen nur noch bis 20 Uhr öffnen. Viele Läden haben sowieso geschlossen, weil kaum noch Touristen da sind. Wir erfahren von der Chapo, dass sie kurz vor Aruba ist.

22. März
Neun Covid-19 Fälle. Die Regierung gibt bekannt, dass die Strafe für Verstöße gegen die Ausgangssperre schon mehrfach verhängt wurde. Die Chapo erreicht Oranjestad.

22. März 2020: Die Chapo erreicht Oranjestad

23. März
Die Zahl der Covid-19 Fälle steigt auf 12. Bars und Frisörläden müssen schließen, Restaurants dürfen nur noch außer Haus verkaufen oder liefern.

27. März
Inzwischen gibt es auf Aruba 33 positive Fälle. Ab dem 29. März gilt für alle “shelter in place”, eine Art Hausarrest. Alle nicht notwendigen Geschäfte müssen schließen. Alle müssen zu Hause bleiben, außer zum Einkaufen oder in die Apotheke darf man nirgendwo hingehen. Wir interpretieren “zu Hause” ziemlich großzügig und betrachten das komplette Hotelgelände als unser Zuhause. Das führt manchmal zu Diskussionen mit den Sicherheitsleuten des Hotels.

2. April 2020: Ein Ladenbesitzer richtet sich auf längere Schließung ein

5. April
64 Personen wurden inzwischen positiv auf Covid-19 getestet. Jens fliegt mit einem Evakuierungsflug der Niederlande nach Amsterdam, danach geht es für ihn mit dem ICE nach Frankfurt. Wir rechnen uns nicht aus, dass wir vor der diesjährigen Hurrikansaison Aruba noch verlassen können. Derzeit haben alle umliegenden Länder ihre Grenzen geschlossen.

5. April 2020: Jens ist bereit zum Abflug

8. April
Die Gesamtzahl der Covid-19 Fälle ist auf 77 gestiegen, davon sind noch 63 aktiv. Die Regierung gibt Maßnahmen für das bevorstehende Osterwochenende bekannt. Alle Strände sind über Ostern gesperrt. Die Ausgangssperre wird noch verschärft. Auf Aruba ist es üblich, sich mit der ganzen Familie an Ostern am Strand zu treffen.

Karfreitag 2020: Die Hauptstraße am Ufer bei verschärfter Ausgangssperre. Ich verstoße mit dieser Aufnahme gegen die Regeln, denn ich verlasse das Marinagelände. Es ist aber niemand da, der mich sehen kann. Es ist absolut niemand auf der Straße.

15. April
Eine 79-jährige Person stirbt an den Folgen ihrer Covid-19 Erkrankung. Die Gesamtzahl der Fälle liegt bei 93, aktiv sind noch 53 Fälle. Es gelten weiterhin die bekannten Regeln, Hausarrest und Ausgangssperre werden bis Ende des Monats verlängert. Bei der Obduktion eines 39-jährigen Toten wird entdeckt, dass dieser ebenfalls an Covid-19 verstorben ist. Damit gibt es zwei Tote auf Aruba.

19. April
Die Regierung gibt bekannt, dass der Flughafen bis mindestens zum 31. Mai für Passagiere geschlossen bleibt. Die Zahl der Fälle ist auf 97 gestiegen, von denen noch 46 krank sind. In den letzten Tagen übersteigt die Zahl der Geheilten die der Neuinfektionen.

Am Flughafen ist am 3. April 2020 gar nichts los.

22. April
Die Zahl der Covid-19 Fälle erreicht 100. Die meisten der Fälle sind aber schon geheilt, es sind nur noch 30 Menschen erkrankt. Es sieht aus, als hätte die Insel die Pandemie recht gut eingedämmt.

27. April
Die Regierung gibt bekannt, dass ab morgen neue Regeln gelten. Die Ausgangssperre gilt jetzt von 22 Uhr bis 5 Uhr, Geschäfte müssen nun um 21 Uhr schließen. Sonst kommt es zu keinen Änderungen. Der Hausarrest gilt weiterhin, es kümmert sich aber kaum noch einer darum. Inzwischen sind nur noch 25 Menschen erkrankt, neue Infektionen wurden nicht bekannt. Die Erwartungen an die Lockerung sind nicht nur bei mir enttäuscht worden.

28. April
Ab dem 4. Mai dürfen die meisten Geschäfte im Land wieder öffnen. In Zukunft möchte die Regierung alle zwei Wochen entscheiden, wie es mit den Lockerungen weitergeht. Dennoch bleibt es bei der verkürzten Ausgangssperre. Auch für die Restaurants gilt, dass sie lediglich bis 21 Uhr Essen zum Mitnehmen oder Lieferdienste anbieten dürfen. Es gibt keine Änderungen bei den Erkrankungen.

4. Mai 2020: Die Menschen stehen Schlange, halten Abstand und betreten einer nach dem anderen den Laden.

4. Mai
Seit dem 22.. April verharrt die Zahl der Covid-19 Infektionen bei 100, davon sind noch 17 aktive Fälle. Die Läden dürfen öffnen, wenn sie die Hygienevorschriften einhalten. Die Menschen müssen beim Warten Abstand halten, die Zahl der Kunden im Laden ist begrenzt. Eine Maulkorbpflicht gibt es nicht. In den Geschäften steht Händedesinfektion bereit. Ich mache beim Einkaufen tolle Schnäppchen. Ohne viel zu handeln wird mir in einem Laden angeboten, den Dollarpreis in Florin zu begleichen.

4. Mai 2020: In der Fußgängerzone sind wieder Menschen unterwegs.

Viele tragen auf der Straße einen Mundschutz. Inzwischen sind die Menschen wieder entspannter. Im Supermarkt bekomme ich keinen Anschiss mehr, wenn ich aus Versehen anderen Kunden zu nahe komme. Jeder weiß, dass es nur noch ganz wenige Fälle auf Aruba gibt. So lange die Grenzen geschlossen sind, kann hier nichts mehr passieren.

5. Mai
Einen Tag nach der ersten merklichen Lockerung der Maßnahmen wird ein neuer Fall entdeckt. Der erste Covid-19 Fall seit dem 22. April bringt die Gesamtzahl auf 101. Ein Betroffener wird gesund, die Zahl der aktiven Fälle bleibt bei 17.

4. Mai 2020: Auch einige der bekannteren Labels öffnen ihre Geschäfte wieder. Bedarf scheint vorhanden zu sein.

6. Mai
Seit acht Wochen bin ich jetzt auf Aruba. Seit vier Wochen bin ich alleine auf Aruba. Ich habe mir das Langfahrtsegeln anders vorgestellt, bin aber mit meiner Situation nicht so unzufrieden. In anderen Ländern wäre die Zeit härter gewesen. Ich lese Berichte von Seglern, die vor Anker liegen und ihr Boot nicht verlassen dürfen. Hier liegen Freunde im Hafen, die Arubaner sind alle sehr freundlich und sicher vor Hurrikanen ist es hier auch. Mit Kreuzfahrtschiffen rechnet hier niemand vor Mitte Juli, es wird eher länger dauern. Der Flugbetrieb soll angeblich Anfang Juni wieder aufgenommen werden. Es ist unklar, ob die Einreisesperre weiterhin bestehen bleibt.

Iguana Iguana – der Film

So. Jetzt ist er fertig. Der kleine Film über die Iguanas. Vor allen Dingen wollte ich mich mit diesem Film an das Thema Videoschnitt heranwagen. Er ist nicht so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe, aber er ist um Klassen besser als alle bisherigen Versuche.

Es ist faszinierend, den kleinen Drachen beim Fressen zuzusehen. Oder beim Kämpfen. Oder beim Sex. Ich habe in einem riesigen Freiluft-Terrarium ohne Zäune gefilmt.

Ähm. Wer einen Tipp für ein brauchbares Linux-Videoschnitt-Programm hat,, möge sich melden. Danke. Lightworks stürzt jedenfalls dauernd ab.

Inklusion

Jeden Tag laufen zwei wilde Hunde durch die Marina. Sie sind hungrig und wollen nur fressen. Sie mögen Iguanas. Schon oft habe ich gesehen, wie einer von ihnen mit einem Iguana im Maul den Steg entlang gelaufen ist.

Iguanas sind schnell. Ich wundere mich, wie die Hunde es schaffen, einen von ihnen zu erwischen. Iguanas können klettern, Hunde nicht. Iguanas können auch schwimmen, sie lassen sich gerne ins Wasser fallen, wenn sie sich bedroht fühlen. Außerdem können Iguanas sehr gut damit umgehen, wenn ihnen einzelne Gliedmaßen oder der Schwanz abgebissen werden. Zweien von ihnen fehlt ein Bein. Dem einen fehlt das Bein ganz, der andere hat noch einen Stummel übrig.

Als ich das Rohmaterial für meinen Iguana-Film aufgenommen habe, ist mir einer der beiden vor die Kameralinse gekommen.

Wenn sie aufeinander hocken, ist das genau so, als würden wir Menschen aufeinander hocken. Es sieht etwas brutal aus, aber es handelt sich um Sex. Der behinderte Iguana ist jedenfalls voll integriert.

Grau und Grün

Ich wache früh am Morgen auf. Es ist noch nicht einmal acht Uhr. Gerade hat ein Hubschrauber Sissi in außerordentlich geringer Höhe überflogen. Ich will mich umdrehen und weiterschlafen. Der Versuch misslingt, schon wieder fliegt dieser Hubschrauber über Sissi hinweg. Also mache ich mir einen Kaffee. Ich sitze schon bei der zweiten oder dritten Tasse, als mir auffällt, dass mal wieder ein fetter Dampfer am Kreuzfahrerterminal liegt. Kreuzfahrten sind doch ausgesetzt. Ein seltener Anblick: Dieser Kreuzfahrer führt die Flagge der Niederlande. Allerdings ist die Zahl der Außenkabinen mit Balkon sehr übersichtlich.

Kreuzfahrer in Grau

Damit wird mir klar, warum der Hubschrauber die ganze Zeit über dem Hafen herum schraubte. Diese Art von Kreuzfahrer nervt nicht durch Menschenmassen, die sich durch die Stadt schieben. Die Fahrgäste werden durch die Animatoren an Bord jederzeit gut beschäftigt und haben gar keine Zeit für einen gepflegten Landgang. Die Geschäfte in der Stadt haben sowieso geschlossen.

Aus einem Helikopter werden zwei Helikopter. Ich kann mir vorstellen, dass es den Piloten sehr viel Spaß macht, miteinander um die Wette zu fliegen. Der Lärm ist infernalisch.

Start

Ein Bestandteil der Übung scheint es zu sein, den Heli so oft wie möglich auf der Plattform des Schiffs zu landen und wieder zu starten. Das Gebäude schirmt den Lärm wenigstens dann ab, wenn das Fluggerät auf dem Schiff steht, seinen Rotor jedoch weiterhin rotieren lässt. Dann nimmt der Lärm wieder zu. Speed Metal. Ein Motörhead-Konzert und man steht direkt neben einer Lautsprecherbox.

Flugphase

Nach wenigen Sekunden ist das Fluggerät verschwunden und der Lärm verklingt am Horizont. Jetzt kann ich wieder die Vögel zwitschern und den Wind in den Palmen pfeifen hören.

Es dauert aber nicht lange, dann kommt er zurück und landet wieder. Dann startet er wieder und verschwindet. Manchmal fliegen sie auch zu zweit. Das geht den ganzen Tag so.

Das fliegende Dihghi ist gerade unterwegs.

Seit hier keine Kreuzfahrer mehr anlegen, waren noch ein paar komplett hässliche Autotransportschiffe hier. Sonst ist nicht viel los. Das Militärschiff ist schon eine spannende Abwechslung. So etwas sehen wir hier nicht oft. Es ist so spannend, dass ich mir vornehme, einen Blogbeitrag dazu zu schreiben.

Am Nachmittag investiere ich zwei Dollar und kaufe einen Salatkopf. Den brauche ich für meine Iguana-Tierfilm-Produktion. Tierfilme sind kostengünstig zu produzieren, die Gagen sind gering. Außerdem ist es immer schön, Tieren beim Fressen zuzuschauen. Die glühend heiße Sonne sinkt langsam in Richtung des Horizonts, die Schatten werden länger. Wie ein echter Kreuzfahrer verlässt das Militärschiff den Hafen und fährt in Richtung Sonnenuntergang.

Filmproduktion

Wenn ich das Videoschnittprogramm einigermaßen im Griff habe, werde ich einen kleinen Film über fressende Iguanas veröffentlichen. Als Teaser habe ich hier allerdings schon einen kurzen Ausschnitt in Zeitlupe.

Das Videoschnittprogramm hat mir in den vergangenen Monaten schon viel Ärger gemacht, deswegen kann ich nicht versprechen, dass ich wirklich den Film so hinbekommen werden, wie ich das will. Falls es aber dazu kommt, verspreche ich euch auch einen Iguana-Porno, ich habe sie nämlich beim Sex erwischt.

Ich wünsche euch allen einen schönen 1. Mai.

Scientology-Kahn hängt auf Aruba fest

Auch wenn Aruba nur klein ist, gibt es jeden Tag etwas zu entdecken. Schon bei unserer Anreise lag die Freewinds im Hafen von Oranjestad. Damals haben wir uns nichts dabei gedacht, schließlich sieht das Schiff aus, wie so viele andere Kreuzfahrtschiffe auch.

Freewinds im Gegenlicht

Aus Langeweile haben wir nachgesehen, um was für ein Schiff es sich hier handelt. Alle Kreuzfahrtschiffe sind abgefahren, nur dieses ist hier geblieben.

Auf Wikipedia konnten wir nachlesen, dass dieses 1968 gebaute Schiff schon seit einer Weile nicht mehr als Kreuzfahrtschiff unterwegs ist. Statt dessen zieht die Scientology Organisation hier ihren Mitgliedern das Geld richtig aus der Tasche. Der Focus hat das Schiff als “Psycho-Liner” bezeichnet. Scientology selbst lobt die “ablenkungsfreie Umgebung”. Jeder Scientologe, der in dieser Kirche nach oben kommen möchte, braucht angeblich den einen oder anderen Aufenthalt hier zur Gehirnwäsche.

Viren finden es prima, wenn viele Menschen auf engem Raum eine längere Zeit miteinander verbringen. Dann können sie sich richtig gut verbreiten. Auch die Freewinds wurde davon nicht verschont, es gab im Jahr 2019 einen Masern-Ausbruch an Bord. Damals lag das Schiff auf St. Lucia in Quarantäne.

So hat die derzeitige Situation auch ihre positiven Seiten. Im Augenblick kocht niemand anderer Leute Gehirne auf der Freewinds zu Matsch. Im Augenblick verursacht der Dampfer nur Kosten. Ich befürchte jedoch, dass Scientology so viel Geld hat, dass sie unbeschadet durch die Krise kommen. Ich würde nicht weinen, wenn der Laden einfach von unserem schönen Planeten verschwindet.

Sieht völlig harmlos aus. Ist brandgefährlich.

Derzeit ist also keine Gehirnwäsche im Angebot. Schmutzige Gedanken sind sowieso viel besser.

Hochseilakrobatik im Hafen

Heute hatten wir das Vergnügen, einer seltenen Abwechslung zusehen zu können. Charly wollte seine WLAN-Antenne wieder in die Mastspitze bringen, wo sie hingehört. Deswegen wurde zunächst die Mastleiter installiert. Wir haben es beim Morgenkaffee bemerkt und dachten zunächst, die Show sei schon vorbei. Nach dem Kaffee spaziere ich rüber zu Chapo und sehe, wie Charly sich gerade an den Aufstieg macht. Ute und Jutta sichern unten am Mast. Im Hafen passiert im Augenblick nicht viel, deswegen schaut auch der Nachbar vom Motorboot interessiert zu.

Charly steigt auf.

Charly ist gebürtiger Bayer und die Bayern haben hohe Berge, sind das Klettern und das Arbeiten in einer Seilschaft gewöhnt. Das merkt man sofort. Bayern kennen auch keine Höhenangst. Ich gehe nicht auf den Mast, dafür habe ich Jens. Der klettert in Kletterhallen und ist damit fast so qualifiziert wie ein Bayer.

Mit ruhiger, entspannter und klarer Stimme gibt Charly eindeutige Anweisungen an das Sicherungsteam, während er beim Aufstieg die letzten Handgriffe zur Montage der Mastleiter durchführt. In regelmäßigem Abstand werden Haltegurte um den Mast gelegt, damit die Leiter nicht wegrutschen kann.

Haltegurte

Jutta und Ute führen die Anweisungen von oben zügig aber ohne Hast durch. Die Kommunikation im Team ist eingespielt. Charly kommt schnell bis an die Mastspitze und bringt die WLAN-Antenne innerhalb weniger Minuten an ihren Platz. Dabei arbeitet er sorgfältig, denn ein erneuter Aufstieg in der Hitze wäre anstrengend. Der Zeitpunkt an und für sich ist perfekt gewählt, denn den ganzen Vormittag schon ist es bewölkt, die Sonne brät nicht so wie sonst.

Am Gipfelkreuz. Die Sehnsucht eines jeden Bergsteigers.

Nach wenigen Minuten ist die Montage erledigt. Während ich mich noch mit Jutta unterhalte und wir über die Vorzüge der neuen Mastleiter sprechen, gibt Charly schon von oben die freundliche Anweisung, ihn langsam wieder abzuseilen. So schnell hätte ich die Antenne nicht auf dem Cockpitdach montieren können, geschweige denn in so großer Höhe. Chapeau.

Eine Kleinigkeit vergessen.

Nach dem Rückweg zur Sissi fällt mir bei der Sichtung der Fotos auf, dass wirklich alles gut gelaufen ist. Charly geht rauf, Charly geht runter, die Antenne sitzt an ihrem Platz und abeitet. Nur die Mastleiter kann nicht mehr herunter genommen werden. Trotz aller Sorgfalt und Umsicht ist der oberste Haltegurt am Mast geblieben.

Das freut mich sehr, ich habe die Gelegenheit noch einer zweiten Hochseilshow beiwohnen zu können. Charly möchte nicht den ganzen Kletterspaß für sich alleine haben. Deswegen darf Jutta auch einmal nach oben und Charly sichert gemeinsam mit Ute.

Charly und Ute sichern

Es dauert nur ein paar Minuten, dann erreicht Jutta die Mastspitze. Sie entfernt den letzten Haltegurt, anschließend geht es wieder abwärts.

Es ist schön, wenn nicht immer nur der Alltag stattfindet.

Jutta auf dem Weg nach oben.

Dem kleinen, grünen Iguana ist das alles gleich. Er schaut mich auf meinem zweiten Weg zurück zu Sissi mit seinen Reptilienaugen an und bettelt um ein Foto. Die Sonne hat sich wieder einmal gegen die Wolken durchgesetzt.

Grüner Iguana

Tortuga sticht in See

Holger haben wir vor zwei Wochen kennengelernt. Damals lag er mit seiner Tortuga hinter der Landebahn des Flughafens vor Anker. Dort hatte er kein Internet und so sind der Corona-Ausbruch und die Folgen für alle Segler zunächst an ihm vorbeigegangen. Er bemerkte zwar, dass der Verkehr auf der Uferstraße in der Nacht komplett zum erliegen gekommen ist, wusste aber nicht warum. Holger wartete alleine an Bord auf seine Crew. Die vorherige Crew konnte noch regulär nach Hause fliegen, die neue Crew aber nicht mehr in Aruba einreisen. Ein echtes Problem.

Tortuga an der Tankstelle

Ein Freund von Holger sitzt auf Martinique und würde ihm bei der Überführung nach Deutschland helfen. Der darf aber auch nicht nach Aruba. Also will Holger nach Martinique. Er hat sich schlau gemacht, weiß von den 14 Tagen Quarantäne, die ihn nach der Einreise erwarten. Dennoch fährt er nach Martinique.

Die Leinen sind los, die Fender werden noch verstaut.

Wir wünschen Holger eine gute Reise, perfekten Wind und dass er die richtige Entscheidung getroffen hat. Entscheidungen treffen ist heutzutage nicht einfach, weil sich die Rahmenbedingungen so schnell ändern und Segelboote so langsam sind.

Tortuga verlässt Oranjestad

Wenn wir mit dem Segelboot unterwegs sind, müssen andauernd Entscheidungen getroffen werden. Meist sind Wetter und Wettervorhersage Grund dafür, dass diese Entscheidungen notwendig sind. Damit können wir umgehen.

Vernagelte Schaufenster

Auch wenn wir in Oranjestad im Augenblick alles haben, was wir brauchen, machen mir bestimmte Anzeichen Sorge. Im Hafen liegt eine große Motorjacht eines alten Holländers, der schon vor 15 Jahren nach Aruba gezogen ist. Gestern hat er sich vom Supermarkt große Mengen Nahrungsmittel auf sein Boot liefern lassen. Er meint, dass die Leute im Augenblick noch entspannt seien, weil sie noch Geld haben. Das wäre in ein bis zwei Monaten anders. In der Innenstadt gibt es praktisch kein Geschäft mehr, das nicht die Schaufenster mit Brettern vernagelt hätte.

Vielleicht verlegen wir Sissi in die zweite Marina auf Aruba. Dort ist die Liegegebühr günstiger und sie liegt ziemlich abseits von allem. Das Einkaufen wäre zwar beschwerlicher, dafür wären wir aber weit weg von jedem für Randalierer oder Plünderer interessanten Fleck. Vielleicht passiert aber auch gar nichts. Auf welcher Grundlage sollen wir eine solche Entscheidung treffen?

Sonnenuntergang, immer wieder schön.

Auf keinen Fall sollte man Entscheidungen mit leerem Magen treffen. Wir haben Leiterchen beim Metzger eingekauft und diese über Nacht in einer leckeren Jerk-Tomaten-Marinade eingelegt. Unser großer Topf ist voll, es ist eine Portion für fünf hungrige Personen. Diese Leiterchen habe ich dann dreieinhalb Stunden auf kleinster Flamme schmoren lassen. Jutta hat bergeweise Pommes frittiert und für Gemüse gesorgt. Jens hat einen Schoko-Nuss-Pudding gerührt. Gemeinsam gab es dann eine große Völlerei. Das Fleisch war perfekt mürbe und löste sich problemlos von den Knochen. Der Wachmann von der Marina ist uns fast in den Topf mit den Leiterchen gesprungen. Eidechsen mögen auch Schoko-Nuss-Pudding. Die Entscheidung wird vertagt, der Magen ist viel zu voll dafür. Außerdem kann sie noch ein paar Wochen warten. Dann wissen wir mehr.

Eins wissen wir jetzt allerdings mit Sicherheit: Corona macht dick und rund.


Nachtrag: Die Tortuga ist wieder auf Aruba. Holger musste aufgrund von Problemen umdrehen.

Die Salatbar ist noch geöffnet!

Jeden Mittag gibt es das gleiche Ritual zu beobachten. Ein Angestellter des Hotels bringt einen Eimer voll Essensreste in die Marina und entleert ihn neben eine dichte Hecke. Dann kommen plötzlich ganz viele Iguanas aus der Hecke herbeigeeilt und schnabulieren den leckeren Salat. Ich bin heute leider zu spät, einer ist noch da, die anderen sind schon satt. Morgen ist auch wieder ein Tag.

Nach dem Besuch der Salatbar

Für unsere Tage auf Aruba gelten nun neue Regeln. Zu der nächtlichen Ausgangssperre ist noch eine Ausgangssperre bei Tag hinzugekommen. Wir dürfen noch Lebensmittel einkaufen und in die Apotheke gehen. Ansonsten sind alle Aktivitäten draußen verboten. Zu unserem Glück ist die Definition von “drinnen” und “draußen” weit gefasst. Wir können uns auf dem Marinagelände und dem Gelände des angrenzenden Hotels frei bewegen. So lange wir nicht auf unseren Booten eingesperrt werden, kann ich mit all diesen Beschränkungen leben.

Hauptstraße in Oranjestad

Am Freitag wurde das Marinabüro für unbestimmte Zeit geschlossen. Ich musste gleich für einen ganzen Monat bezahlen, aber wir bleiben wahrscheinlich sowieso länger. Wir haben die Telefonnummern der Angestellten für den Fall der Fälle. Irgendwie möchten wir in den nächsten Wochen eine Füllung unserer leeren Gasflaschen organisieren, dazu brauchen wir die Marinaleute.

Der Weg zum Supermarkt

Auf meinem heutigen Weg in den Supermarkt habe ich gar keinen Menschen auf der Straße getroffen. Ich habe kein Auto fahren gesehen. Es ist gespenstisch.

Gespenstisch wirkt auch der absolut leere Hotelstrand. Es ist uns nicht so richtig klar, ob wir den benutzen können oder nicht. Es ist aber niemand da, der uns an der Benutzung hindern würde. So lange das Hotel noch geöffnet war, durften wir an diesen Strand. Ich gehe nachher mal rüber und probiere es aus.

Kein Foto aus dem Reiseprospekt.

Es fällt mir immer noch schwer, mich an die aktuelle Situation zu gewöhnen. Was gerade auf unserem Planeten geschieht, ist so unsagbar schwer zu begreifen.