Langfahrer und andere Segler

Ich habe in der Vergangenheit schon öfter von Langfahrern geschrieben und darüber die eine oder andere Aussage gemacht. Wir selbst rechnen uns auch dazu. Warum eigentlich? Und was unterscheidet Langfahrer bzw. Fahrtensegler von anderen Seglern? Andere Segler sind etwa die Regattasegler, die Chartersegler, die Wochenendsegler oder die Stegsegler… Diese Frage ist schon ein paar Mal in meiner Mailbox eingetroffen und ich möchte sie hier mit ein paar Bildern beantworten.

Hier, in der Marina von Lagos, liegen alle Typen von Seglern. Deswegen konnte ich mit der Kamera kurz durch die Marina laufen und ein paar Fotos machen. Ein Foto habe ich allerdings geklaut von der Webseite der Marina Kornati in Biograd, dort stehen über hundert Charterboote bereit. Alle sind gewienert und geputzt, sie warten auf den nächsten Charterkunden. Der freut sich über ein blitzendes, blinkendes Boot und hat einen schönen Urlaub.

Charterboote (Bild geklaut bei der Marina Kornati in Biograd)

Altmeister Bobby Schenk hat es auf seiner Homepage schon vor vielen Jahren erklärt. Die Fahrtensegler haben andere Prioritäten. Die Boote werden zumeist nicht gesegelt, sondern sie werden bewohnt. Gelegentlich verlegt man sie an einen anderen Ort, dort wohnt man wieder darauf. Das Segeln als solches tritt in den Hintergrund, es ist lediglich Mittel zum Zweck. Deswegen sehen Fahrtenboote meist nicht so blitzblank aus, sie haben andere Qualitäten.

Fahrtenboot

Bei diesem Exemplar aus Liverpool sieht man einen Windgenerator, Solarzellen und eine Menge Zusatzausstattung (Surfbrett, Hackenporsche, Dinghi, Spritkanister, Rettungsinsel, viele Antennen und und und….).

Die Zusatzausstattung ist in vieler Hinsicht auf den meisten Fahrtenbooten ähnlich. Ein wesentlicher Punkt ist die Energieversorgung. Charterboote werden zumeist von Hafen zu Hafen gefahren, selten über Nacht und die Zahl der Nächte in einer Ankerbucht ist überschaubar. Schon gar nicht bleibt der Charterkunde über einen längeren Zeitraum an derselben Stelle, dafür sind die Kosten viel zu hoch. Im Hafen gibt es eine Steckdose und deswegen braucht ein Charterboot weder Windgenerator noch Solarzellen.

Stromerzeugung

Fahrtenboote

Der Fahrtensegler wiederum möchte unabhängig von der Steckdose sein. Er hat dicke Akkus im Schiff verbaut und möchte diese möglichst immer nachladen, damit der Kühlschrank läuft und die Navigationsinstrumente funktionieren. Deswegen verziert er sein Boot mit allem, was irgendwie Strom in die Akkus pumpen kann. Ohne Strom ist nichts los. Der Chartersegler kann im Hafen den Wassertank aus dem Wasserschlauch füllen, der Watermaker des Fahrtenseglers braucht jede Menge Strom. In der Ankerbucht gibt es weder Steckdosen noch Wasseranschlüsse.

Dieselkanister

Reservesprit

Außer den regenerativen Energiequellen hat der Langfahrer nur den Dieselmotor (nebst dicker Lichtmaschine), um die Akkus wieder aufzuladen. Doch Diesel gibt es nur an der Tankstelle und die ist nicht in der Ankerbucht.Also führen die meisten Fahrtenboote noch mehr oder minder viele Reservekanister mit sich, um so lange wie möglich unabhängig zu sein. Wir auch.

Chartersegler, Regattasegler und Wochenendsegler kommen immer wieder an Tankstellen vorbei und können dort ihren Diesel nachfüllen. In meiner Zeit als Charterer habe ich immer vor der Rückgabe des Bootes getankt und mich gefreut, wenn ich in einer Woche weniger als 100 Liter Diesel verfahren habe. Mit 100 Litern Dieser kommen wir viele hundert Meilen weit, weil wir den Motor nur selten anwerfen. Wir haben – im Gegensatz zu Charterseglern – alle Zeit der Welt.

Drehbare Solarpaneele

Auf dem Foto rechts sind drehbare Solarpaneele zu sehen. So etwas haben wir auf der Sissi nicht, unsere sind starr nach oben gerichtet. Die Stromausbeute bei den drehbaren Paneelen ist natürlich besser, weil sie immer optimal zur Sonne eingestellt werden können. Das macht aber Arbeit, die wir uns sparen. Wir lösen das Problem durch die schiere Menge, die große Quadratmeterzahl unserer Paneele. Und wir könnten noch weiter aufrüsten…

Sissi – mit verbesserter Fahrtensegeloptik

Neben Windgenerator und Solarpaneelen sieht man am Heck von Sissi noch die Windfahnensteuerung. Die sieht man auch an 99% der anderen Fahrtenboote, denn ein elektrischer Autopilot verbraucht jede Menge Strom, mit dem man auch den Kühlschrank betreiben könnte. Sparsamkeit beim Strom ist auch so eine Priorität beim Fahrtensegeln. In Gesprächen am Steg, beim Grillen oder in der Hafenbar kommt man immer wieder auf den Stromverbrauch, die Stromerzeugung und die Stromspeicherung zu sprechen. Über die Wahl der richtigen Batterien gibt es Glaubenskriege (wir fahren übrigens einfache Blei-Säure Batterien).

Unterschiedlich groß, unterschiedlich alt und sicherlich unterschiedlich genutzt. Dafür aber poliert, blitzblank und derzeit (im November) unbewohnt. Diese Boote sind mit großer Wahrscheinlichkeit keine Fahrtenboote. Es gibt keine Einrichtungen zur zusätzlichen Stromversorgung, an welchen man normalerweise die Boote der Langfahrer immer erkennen kann.

Anker

Das Boot auf dem dritten Bild hat keinen Anker. Das kann kein Langfahrer sein. Möglicherweise hat der Besitzer den Anker mit nach Hause genommen, weil er das Boot winterfest gemacht hat. Wahrscheinlich hat er den Anker aber nur weggelassen, weil er ihn sowieso nicht benutzt. Der Anker ist eine super wichtige Ausstattung eines Fahrtenbootes, auch von Sissi, selbst wenn wir unseren bislang meist geschont haben. Das kommt noch. Langfahrer verbringen Wochen in Ankerbuchten und müssen sich auf ihr Grundeisen verlassen können. Spaziert man durch die Marina, dann fällt auf, dass sich bestimmte Ankerformen in der Szene etabliert haben.

Delta Anker
Bügelanker
Rocna Anker
Rocna Anker
Rocna Anker

Der derzeit beliebteste Anker scheint der Rocna Anker zu sein. Ganz billig ist er nicht, es werden ihm jedoch unbändige Haltekräfte zugeschrieben. Der Bügelanker spielt in derselben Liga. Den Delta Anker sieht man nicht mehr so oft. Wenn ich mit den Besitzern über Anker gesprochen habe, waren die Delta Anker eher älter. Manch einer der Besitzer dieser Anker möchte sie irgendwann gegen einen Bügel oder einen Rocna tauschen. So lange der Anker jedoch funktioniert, wird er eher nicht ausgetauscht. Nach Lektüre von Büchern, dem Schauen von vielen Videos auf Youtube und dem Lesen vieler Webseiten habe ich mich bei der Ausrüstung von Sissi auch für einen Rocna entschieden, denn den CQR-Anker, den wir vorher an der Sissi hatten, mussten wir im Ijsselmeer abwerfen (das ist keine Ankergeschichte, das ist eine Dieselmotor-Geschichte, die ich ein anderes Mal erzählen werde).

Sissi und ihr Hauptanker

Wir haben dazu noch zwei weitere, kleinere und leichtere Anker, die wir mit dem Dinghi ausbringen können, wenn es sein muss. Das ist bei 100% der anderen Fahrtenboote auch der Fall.

Bei den Charterbooten ist die Wahl des Ankers eher zweitrangig. Der Anker muss bei den Charterbooten mal einen Nachmittag arbeiten, wenn die Crew Badetag macht oder eine Nacht, wenn die Crew sich für das Abenteuer in der freien Natur entscheidet.

Die beiden nebenstehenden Anker sind fotografiert an zwei Charterbooten desselben Vercharterers in Lagos. Wenn es dem Besitzer wichtig wäre, hätte er zumindest beide Boote mit dem Anker ausgestattet, den er für den besten hält. So hat er wahrscheinlich den Anker genommen, der von der Werft mitgeliefert wurde. Die Wahl des Ankers ist auf einem Charterboot nachrangig.

Charterboot in Lagos

Fazit

Die Boote sind so unterschiedlich, wie es der Anwendungszweck der Boote ist. Langfahrer legen Wert auf größtmögliche Unabhängigkeit und weniger auf cooles Aussehen ihrer Fahrzeuge oder die guten Segeleigenschaften. Regattasegler wollen gute Segeleigenschaften, die Wohnlichkeit tritt in den Hintergrund. Chartersegler wollen ein blitzblankes Boot, mit dem sie eine schöne Urlaubswoche verbringen können. So ist das eben.

Es ist also völlig egal, ob wir mit Sissi von Lagos auf die Kanaren viereinhalb oder fünfeinhalb Tage brauchen. Wir verbringen die Zeit unter Segeln komfortabel und wenn wir erst einmal angekommen sind, bleiben wir gemeinsam mit den schnellen Seglern für einige Wochen an derselben Stelle. Oder der Nachbarbucht.

Headache Beach

…oder der 50. Geburtstag. Ein gesellschaftliches Großereignis in der Bucht von Portimao. Steffi von der SY Bigfoot hat eingeladen und es sind alle gekommen. Die Roede Orm, Sissi, Grace, Thula, Salty, Zora, Enterprise B und noch viele mehr.

Als Segler ist man ja ziemlich unter sich und sieht tagelang nur die eigene Crew. Deshalb ist ein solches Ereignis ein Pflichttermin, denn nur so lernt man andere Crews kennen und kommt Mal unter andere Leute.

Die Grills sind aufgebaut

Die Schlauchboote wurden auf den Strand gezogen, Bier und Wein im Wasser gekühlt und das Buffet auf einem Surfboard aufgestellt. Mit mehreren Grills arbeiteten wir gegen den Hunger.

Dinghiparade mit Buffet

Es entwickelten sich tolle Gespräche über Ankerbuchten, Energieversorgung, Zollbestimmungen, Lebensmittelversorgung, Wohnlichkeit von Segelbooten, Dinghimotoren, vergangene Feiern und zukünftige Pläne. Dazu gab es gegrillte Spieße, Hähnchen, leckere Salate, Kuchen, Brot und Bier und Wein.

Wikingerschach

Am Strand spielten wir Wikingerschach und hörten dazu gute Musik. Die Stimmung war ausgelassen, der Grill heiß und die Getränke kalt.

Abend am Headache-Beach

Dank der Zeitumstellung auf Winterzeit wurde es schon früh dunkel. Um 19 Uhr fühlte es sich an, als wäre es schon kurz vor Mitternacht. Es wurde weiter gelacht, getanzt, gegessen und getrunken.

Lustig war, dass die Crew von der Enterprise B unsere Sissi schon Jahre vor uns selbst kennen gelernt hat. Wir haben Sissi ja in Oldersum bei Emden gekauft, da lag sie jahrelang im Außenhafen. Und die Enterprise B lag dort auch einige Jahre im Außenhafen, Anke und Horst kennen Hertha und Harald, die Vorbesitzer der Sissi. Wie klein die Welt doch ist.

Feuerwerk (Bild: Julia SY Roede Orm)

Als alte Frankfurter haben wir natürlich immer ein wenig Pyrotechnik zur Hand und konnten so der Geburtstagsfeier mit gleißendem Licht und dem Geruch nach Schwarzpulver noch ein kleines Sahnehäubchen aufsetzen.

Nacht in Portimao

Noch vor Mitternacht haben wir uns unsere Schlauchboote geschnappt und sind wieder zurück zu unseren Segelbooten gefahren. Wenn man noch fahren muss, kann man nicht so feiern, dass man hinterher am Strand einschläft.

Der obige Satz stimmt übrigens beinahe. Wir mussten ein Dinghi mit defektem Kapitän und wackeligem Außenborder zu seinem Mutterschiff zurück schleppen. Kein Problem für uns. Für die betroffene Person wurde es wohl wirklich der Headache Beach.

(Wir verraten niemanden. Was am Strand geschah, wird von der Tide weggespült.)

Weiterhin vor Anker

Wir genießen immer noch die Zeit vor Anker in Portimao. Es ist schwer, das nicht zu tun. Sanft wiegen uns die Wellen in den Schlaf, es herrscht kein unangenehmer Schwell. Einzig die Kaltwasser-Borddusche von Sissi ist ein kleines Problem. Dafür haben wir aber ein Dinghi, mit welchem wir in die Marina fahren können. Dort leihen wir uns von anderen Seglern die Codekarte für die Duschen. Ich muss sagen, die Duschen in der Marina in Portimao sind die besten Duschen, die wir seit Belfast (!) genutzt haben.

Und dann sind da noch die Reparaturen. Ich bin ein wenig unzufrieden mit der Arbeit der Werft hinsichtlich des Windgenerators.

Auf dem Weg von Guernsey nach Roscoff waren die Schrauben lose, die die Stütze des Windgenerators mit Sissi verbinden. Das gab Vibrationen ohne Ende und die Stütze wackelte wie blöde hin und her. Wir haben die Schrauben nachgezogen, eine verlorene Schraube ersetzt und danach vibrierte nichts mehr. Sie haben sich seit Roscoff auch nicht mehr losvibriert. Wieso halten eigentlich die selbst festgezogenen Schrauben besser, als die von der Werft geschraubten? An der Windfahne, die wir selbst montiert haben, hat sich nicht eine Schraube gelöst.

Schraube locker

In der Ankerbucht fiel uns auf, dass der Windgenerator oben wild hin und her wackelt. Auch dort hatte sich eine Schraube verabschiedet und musste ersetzt werden. Ist ganz schön hoch, wenn man da rauf klettert. Ich mag die Höhe nicht.

Ansonsten ist die Aussicht vom Ankerplatz aus grandios. Auf der einen Seite die tollen Felsen, die den Strand einrahmen. Auf der anderen Seite das Meer, das hinter den Wellenbrechern wogt und manchmal auch über die Wellenbrecher rüber schwappt. Dann der Blick auf die Einfahrt, wo immer wieder Fischer ein- oder ausfahren. Anhand der Größe der mitgezogenen Möwenwolke lässt sich abschätzen, wie gut der Fang des Tages gewesen ist.

Fischer mit Möwenwolke

Rein gesellschaftlich ist das Leben an der Ankerkette vollkommen anders als das Leben in der Marina. Man kann sich das an Land etwa so vorstellen wie den Unterschied zwischen einer innenstadtnahen Wohnung und einem Haus in einem Vorort mit viel Grün drumherum.

In der Marina kann man mal eben zum Nachbarn rüber spazieren, einen Kaffee trinken oder nach einem dringend benötigten Werkzeug fragen. Verlässt man die Marina, ist man in wenigen Schritten in der Stadt und hat alle Errungenschaften der Zivilisation. In der Marina kommen die Nachbarn regelmäßig vorbei – sei es nur für einen kleinen Schwatz.

Vor Anker ist man alleine. Die Leute kommen nicht mit ihren Dinghis aus der Marina raus, um einen Kaffee zu trinken. Das ist natürlich auch positiv zu bewerten, denn wenn sie keinen Kaffee trinken kommen, kommen sie auch nicht, um die Biervorräte zu dezimieren oder den Kühlschrank leer zu essen.

Will man den durchschnittlichen Segler motivieren, seinen Standort zu verändern, will das wohl geplant werden. So wie etwa der heutige Tag: Steffi von der Bigfoot wird heute 50 Jahre alt und hat zu einer Beach-Party eingeladen. Zu einem solchen Anlass werden auch in der Marina die Dinghis klar gemacht.

Headache Beach

Wir werden hier noch bis morgen Abend bleiben, dann fahren wir wieder rüber nach Lagos in die Marina. Dort haben sich inzwischen Postpakete für uns gesammelt, die wir abholen müssen.

Der Kühlschrank

Die Idee zu diesem Beitrag ist entstanden, als ich im Kühlschrank verzweifelt nach einer Dose Bier gesucht habe und dabei nur Cola, Eistee und Limonade gefunden habe. Zwischendurch ist mir noch eine Vorratsdose mit Gulasch begegnet, das sich wohl schon ein paar Tage im Kühlschrank versteckt hat und zwar noch lecker roch, aufgrund seines Alters jedoch in die Biotonne wandern musste.

Kühlschrank der Sissi

Den meisten Strom, den wir mit unseren beiden Kraftwerken erzeugen, wandert in diesen Kühlschrank. Das ist in Ordnung, denn wir lieben den Komfort, den uns der Kühlschrank gibt. Ein Bordkühlschrank ist jedoch eine ganz andere Nummer, als der Kühlschrank zu Hause in der Küche.

Kühlschrank – der Horrorfilm

Ein Filmplakat zum Film “Der Kühlschrank – eiskalt, böse und gemein” hing jahrelang über meinem Bürokühlschrank. Mein Kollege Uli hat es damals mitgebracht, kurz nachdem ich den Kühlschrank in unser gemeinsames Büro getragen habe.

Jede Seglerin und jeder Segler kennt das Problem. Am Anfang des Törns ist der Kühlschrank peinlich sauber, leer, übersichtlich und riecht nicht.

Dann kommt der erste große Einkauf. Getränke und Lebensmittel für mehrere Wochen werden beschafft, an Bord geschleppt und der Kühlschrank wird beladen. Dabei macht man sich große Gedanken um die Ordnung im Reich der Kälte. Niemand möchte im Kühlschrank suchen müssen, alle gewünschten Waren sollen griffbereit liegen.

Mit viel Sorgfalt und Gehirnschmalz baut sich der Segler den Kühlschrank so voll wie möglich, denn ein voller Kühlschrank funktioniert besser als ein leerer. Außerdem gibt es bei Törnbeginn einen Haufen Zeug zu verstauen.

Die meisten Segelbootkühlschränke, die ich in meinem Leben gesehen habe, sind Toplader. Das ist praktisch. Hätten wir auf dem Segelboot einen Kühlschrank wie zu Hause, würden je nach Schräglage alle Lebensmittel beim Öffnen der Kühlschranktür auf den Boden purzeln. Okay, das stimmt nicht ganz, es gibt auch Frontlader für Segelboote. Die sind jedoch sehr teuer und der Einbau ist auch nicht immer leicht. Bei uns auf der Sissi könnten wir keinen Frontlader einbauen, denn was auf dem Foto noch rechteckig aussieht, folgt auf der hinteren Seite der Form der Bordwand.

Toplader

Dann kommt der erste Abend an Bord. Noch sind wir keinen Meter gesegelt, noch haben wir das Schiff nicht losgemacht. Ein erster Griff in den Kühlschrank fördert ein Bier zutage. Nach dem zweiten Griff und dem Schließen des Kühlschrankdeckels hört man ein Poltern im Kühlschrank. Das dritte Bier ist nun unauffindbar unter einer Lawine aus Coladosen, Käseblöcken und vakumierten Steaks verschwunden. Auf der Suche nach dem dritten Bier fällt eine Dose Crème Fraiche kopfüber auf den Korken der für das morgige Schlemmermahl kalt gestellten Weinflasche, die Folie am Deckel wird beschädigt und die Crème Fraiche verteilt sich geräuschlos über die Coladosen und zwischen den Wurstpackungen. Derweil übernimmt der Camembert die geruchliche Hoheit über den gesamten Kühlschrank.

Jetzt wird der Kühlschrank in Panik ausgeräumt, aber es sind nun weder die Spuren der Crème Fraiche zu finden, noch das Bier, das man am Vorabend garantiert in den Kühlschrank geräumt hat. Dafür findet sich dann eine Dose mit der Aufschrift “Gemüsesauce, 13.4.2018”. Wo hat sich die denn die ganze Zeit versteckt?

Sissikühlschrank von innen

Wieviel Sorgfalt man auch immer bei der Beladung des Kühlschranks aufwendet – die Ordnung ist in dem Augenblick zerstört, in dem das erste Lebensmittel aus dem Kühlschrank entnommen wird. Entnimmt man nach dem Füllen kein Lebensmittel sondern segelt sofort los, gibt es garantiert eine Welle, die das Boot so sehr krängen lässt, dass sich das Innere des Kühlschranks unmittelbar neu sortiert und somit die reguläre Unordnung in einem Segelbootkühlschrank wieder herstellt.

Wo hatte ich noch gleich die Schweinelende für heute Abend vergraben?

Sie sind unterwegs!

Heute sind Daphe und Gentoo in Richtung Madeira bzw. den Kanaren gestartet. Wir wünschen euch eine gute Reise und feinen Wind aus der richtigen Richtung. Die Windvorhersage sieht gut aus, wir würden dieses Wetterfenster wohl auch nutzen, wenn wir so in Eile wären. Als Teilnehmer der ARC müssen sie zur rechten Zeit in Las Palmas sein.

Leerer Liegeplatz

Damit sind wir mal wieder eines der langsamsten Boote. Die Fairytale ist uns davon gefahren und auf dem Weg ins Mittelmeer. Also werden wir Karma wahrscheinlich nicht mehr sehen. Die Milena Bonatti ist schon auf Gran Canaria. Wo sich die Tonic und die Cosa aufhalten, wissen wir nicht.

Wir sind nicht zum Ankern rausgefahren, weil heute die Roede Orm nach Lagos in die Marina kommt. Wir fahren morgen und freuen uns auf das Wiedersehen heute Abend.

Inzwischen frage ich mich nicht mehr, ob wir zu langsam sind. Wir sind genau so schnell, wie wir sein sollen und wollen. Wir fahren mit dem richtigen Tempo. Wir fahren mit unserer Geschwindigkeit und werden die Boote wieder treffen, die nicht ins Mittelmeer abgebogen sind. So viel ist sicher. Wir wissen nur noch nicht, wo und wann das sein wird.

Trübe Aussicht

Wir verschweigen nichts. Wir berichten live von unserer Segelreise. Wir setzen alles daran, Neid bei euch zu Hause in Deutschland zu erzeugen. Und jetzt das. Es gießt aus Eimern.

Regen in Lagos

Schon in Sines hatten wir ordentlichen Regen. Da kam er allerdings in der Nacht, hat uns ein wenig überrascht und für sehr viel Nässe im Schiff gesorgt. Jetzt haben wir in Lagos schon wieder Regen. Hat Wikipedia etwa recht? In Portugal soll von Oktober bis März die regenreichste Zeit sein. Das stimmt offenbar. Es regnet und das nicht zu knapp.

Wir sind ein wenig unmotiviert und haben heute Sissi noch nicht verlassen. Statt dessen haben wir aufgeräumt, gründlich geputzt und polieren jetzt das Blog bzw den Instagram-Account.

Flüssiger Sonnenschein

Gestern hörten wir zuerst das Eintracht-Spiel gegen Leverkusen im Radio. Beim 3:0 Heimsieg konnten wir oft genug unseren Torjubel in der Marina verteilen. Anschließend hatten wir, die Sissis, einen schönen Abend mit den Gentoos (Danny, Marc und Mathilda), den Daphnes (Uta und Michael) und der Zora (Susanne) auf der Gentoo. Eine schöne Runde. Das Cockpit der Gentoo war wegen Überfüllung fast schon geschlossen.

Der Abend brüllt fast nach einer Wiederholung, doch Wiederholungen gibt es im Leben nicht. Morgen starten die Gentoos Richtung Kanaren, die Daphnes wollen vorher noch nach Madeira und wir suchen uns eine schöne Ankerbucht. Außerdem soll der Regen morgen durch sein.

Regenbogen

Zora in Lagos

Wir haben die Einhandseglerin Susanne erstmals in Camarinas getroffen. Dort hatten wir nur einen kurzen Kennenlern-Kontakt, denn Jens und ich sind am Folgetag aus Camarinas weggesegelt.

Jetzt haben wir Susanne in Lagos wieder getroffen. Inzwischen ist viel passiert. Sowohl Susanne als auch wir haben unsere Erfahrungen an der spanischen und portugiesischen Atlantikküste gemacht.

Susanne hat sich nach gründlichem Überlegen dazu entschieden, ihre Reise nicht weiter auf einem Segelboot fortzusetzen, sondern möchte auf die Straße in einen Bulli wechseln. Außerdem soll das Schiff verkauft werden. Wer alleine von Holland nach Portugal segelt und dort diese Entscheidung trifft, macht das nicht ohne triftige Gründe.

SEGELBOOT ZU VERKAUFEN
Als Verkaufsförderung möchte ich an dieser Stelle die Anzeige verlinken. Das Boot ist eine sehr gut gepflegte Dehler Optima 101 und liegt in Lagos in der Marina. Es hat für ein bis zwei Personen die ideale Größe und ist komplett ausgestattet für Langfahrt.

Zora – zu verkaufen!

Susanne, wir hatten einen tollen gemeinsamen Abend. Wir wünschen viel Erfolg beim Verkauf des Bootes und bei der Fortsetzung der Reise auf vier Rädern.