Miles and more (Teil 2)

Am heutigen Tag öffne ich mal wieder unser Logbuch für euch LeserInnen unseres Blogs. Seit dem letzten Statistik-Beitrag sind nur eineinhalb Monate vergangen. Für uns fühlt es sich an, als wäre es eine lange Zeit. Wir haben seit Sines viel erlebt und so manche Meile auf dem Wasser zurückgelegt.

Logbuch

Inzwischen sind wir 178 Tage unterwegs und haben 718,7 Seemeilen mehr Kielwasser hinterlassen, also insgesamt 3058,7 Meilen (bzw. 5659 Kilometer). An den neu hinzugekommenen 60 Reisetagen waren wir an 12 Tagen wirklich unterwegs, den Rest der Zeit lagen wir mal wieder im Hafen oder – neu – für einige Tage vor Anker. Macht diesmal 20% der Tage, an denen wir auf See waren.

Unser Motorstundenzähler ist inzwischen bei 231 Motorstunden, also sind 21 Motorstunden mehr auf der Uhr. Wir haben von Sines bis Lanzarote ca. 65 Liter Diesel verbrannt – das ist ein sensationeller Dieselverbrauch von knapp 0,1 Liter Diesel pro zurückgelegter Seemeile bzw. von 4,8 Litern auf 100 km (damit sich die Autofahrer etwas darunter vorstellen können). Nur wiegt Sissi so viel, wie ein kleiner LKW, sie hat 12 Tonnen Gewicht. Wir sind allerdings der Meinung, dass das noch besser geht. Wir wollen den Anteil der Segelstunden noch weiter steigern.

Unsere Frischwasserproduktion läuft hervorragend. Wir haben seit dem 16. Oktober weitere 885 Liter Wasser produziert und verbraucht, damit sind wir bei einem Wasserverbrauch von 15 Litern pro Tag gelandet. Einen Teil davon trinken wir, der Rest geht für das Spülen von Geschirr, Händewaschen und das Reinigen von Sissi drauf. Wenn wir weiterhin so wirtschaften, können wir guten Gewissens über den Atlantik aufbrechen und werden auch kein Problem haben, genug Strom zu ernten, um hin und wieder eine Dusche auf dem großen Teich zu nehmen.

An den Duschen in Sines, Portimao, Lagos, Puerto Calero und Rubicon ist nichts auszusetzen. Sie waren sauber und haben prima funktioniert.

Größere Defekte hatten wir keine mehr, lediglich kleinere Problemchen. Uns ist mitten in der Nacht einer der Blöcke der Windfahnensteuerung abgerissen und hat sich in den Atlantik verabschiedet. Dabei folgte er einigen wichtigen Schrauben, die schon vorher verschwunden waren. Zum Glück gibt es Schraubenkleber, damit sind die neuen Schrauben jetzt gesichert.

Klimakiller Sissi-Crew

Unsere einigermaßen schöne CO2-Bilanz haben wir uns mit ca. 6000 Kilometern Flugreise nach Frankfurt und zurück leider vollkommen versaut.

Wir versprechen, dass es nicht wieder vorkommen wird. Dazu hat uns das Fliegen außerdem viel zu wenig Spaß gemacht.

Es gab keine weiteren außergewöhnlichen Vorkommnisse, die wir im Logbuch notiert haben. Wir hoffen, dass das auch weiterhin so bleibt. Mögen alle Segelcrews sicher unterwegs sein.


Der Anlass für den heutigen Beitrag ist mir wichtig. Jetzt sind wir in der perfekten Position, um den Atlantik zu überqueren. Schon bei der derzeitigen Wetterlage wäre es unproblematisch, sofort zu starten. In den kommenden zwei Wochen scheint das Wetter sehr stabil und der Passat stetig zu sein. Die Teilnehmer der ARC werden jedenfalls ihre Freude an diesem Wind haben. Bis Mitte Dezember werden wir jedoch noch auf den Kanaren bleiben, ein Zwischenstopp in Teneriffa ist noch geplant.

Dann sind es aber nur noch ca. 2700 Meilen bis in die Karibik. Oder drei Wochen Fahrt. Nach einem halben Jahr Übung, Training, Reparaturen und Sightseeing fühlt sich das gigantisch an. Was vor ein paar Wochen noch in weiter Ferne schien, liegt jetzt greifbar vor uns. Wir freuen uns. Wir sind gespannt.

Frankfurt am Main

Das Heimweh war groß, der Durst war es auch. Außerdem jährte sich der Hochzeitstag meiner Eltern überraschenderweise zum fünfzigsten Male. Ich durfte in diesem Jahr schließlich meinen 49. Geburtstag feiern. Wir haben hin und her überlegt. Sollen wir in diesen Flieger steigen? Sollen wir so viel Lärm und Dreck produzieren? Wir haben uns für den Lärm, für den Dreck und für den Besuch in Frankfurt entschieden. Eine Woche musste reichen.

Ankunft
Der Flieger war überpünktlich und landete sanft auf der Südbahn, also der Landebahn, auf der man in Frankfurt den wenigsten Lärm abbekommt. Landungen auf der Südbahn verlärmen eher Offenbach, das ist aber nicht schlimm.

Nachdem wir unser Gepäck abgeholt hatten, machten wir uns auf den langen Weg zur S-Bahn. Die fuhr aufgrund von Bauarbeiten im Fernbahnhof ab, das ist ein ordentlicher Fußmarsch. Alsdann begrüßte uns die automatische Ansage, die S-Bahn wurde mit 10 Minuten Verspätung angekündigt. Das genügte uns, um im örtlichen Rewe erst mal frisches Bier und frischen Äppler zu holen. Lecker. Wir fühlten uns sofort wieder zu Hause. Wenn die S-Bahn spät ist und der Äppler frisch, dann ist man in Frankfurt.

Eine knappe Stunde später nach der Benutzung einer weiteren S-Bahn, die ebenfalls ihrem Fahrplan hinterher fuhr, erreichten wir gegen 23 Uhr das Haus unserer Eltern. Ich wollte an der Tür klingeln, doch das Gartentor war verschlossen. Also griff ich zum Telefon und rief an. Meine Mutter fragte, ob bei uns alles in Ordnung sei. Ich entgegnete, dass ein Notfall eingetreten ist und dass sie uns unbedingt die Haustür aufmachen muss – wir würden sonst erfrieren. Für uns war es etwas kalt in Deutschland. Unseren Vater überraschten wir beim Länderspiel Deutschland gegen wen eigentlich? Das Ergebnis wurde nachrangig.

Zwei Stunden später gingen wir dann endlich ins Bett, die Freude war auf allen Seiten riesengroß.

Herbststimmung am Mainufer

Ballermann am Main
Was macht der Deutsche, wenn er in den Urlaub fährt? Er macht einen drauf. Das ist bei Jens und mir nicht anders. Wir sind ja weitestgehend unangekündigt in Frankfurt gelandet, also konnten wir noch Freunde überraschen und einfach mal an den verschiedensten Orten in der Stadt überraschend auftauchen.

Ich wollte einfach nur kurz bei den ehemaligen Arbeitskollegen reinschneien und gemeinsam zum Mittagessen gehen. Der Plan hat nur teilweise funktioniert. Das mit dem Besuch und dem Mittagessen klappte problemlos, dafür wurde es mit dem Kurzbesuch nichts. Nach vier Stunden hatte ich etwa die Hälfte durch, dann wurde es mir zu viel. Die andere Hälfte der KollegInnen, die ich nicht besuchen konnte, möchte ich aus dem Blog grüßen, ich habe einfach nicht mehr geschafft.

Bescheuertes Selfie mit einigen ehemaligen Team-Kollegen

Ich habe euch gesagt, dass ich das Bild ins Blog bringen werde. Dass ich darauf so bescheuert aussehe, konnte ich zu dem Zeitpunkt nicht ahnen.

Anstrengender als der Kollegenbesuch war der Rhein-Main-Stammtisch des Whiskyforums. Das ging dann von der Alkoholmenge schon mehr in Richtung Ballermann. Da die Stadtbusse streikbedingt nicht fuhren, habe ich einen schönen Spaziergang vom Konstablerwachemarkt nach Sachsenhausen gewonnen und konnte ein schönes Bild von der nächtlichen Skyline aufnehmen.

Frankfurter Skyline bei Nacht

Eine völlig überraschende Art, Frankfurt neu zu erleben, ist der Besuch als Kurzzeit-Tourist. In der einen Woche habe ich mitgenommen, was mitzunehmen war. Und eben auch das Whiskytasting. Von dieser Stelle aus geht mein Dank an Thomas, der mich eingeladen und den Mund darüber gehalten hat. Und an Gregor, der mir einen Glenturret nach dem anderen ins Glas gefüllt hat. Und an alle anderen, mit denen ich tolle Gespräche hatte. Wenn man sich lange nicht sieht, kommen schon einige Themen zusammen.

Bescheuertes Selfie mit Thomas beim Whiskystammtisch

Waldstadion
Eine weitere Veranstaltung, die etwas anstrengender wurde, war der Besuch des Fußballspiels unserer Eintracht im Waldstadion. Praktischerweise war in jener Woche ein Heimspiel gegen einen unterklassigen Verein aus Niedersachsen. Es war nicht ganz einfach, an die Eintrittskarten zu kommen, denn das Waldstadion ist bei fast jedem Gegner gut gefüllt.

Beim Stand von 0:0 war die Welt noch in Ordnung

Möglicherweise lag es daran, dass wir den Schal an Bord gelassen haben. Möglicherweise haben wir uns zu wenig auf das Spiel konzentriert. Möglicherweise haben wir zu wenig gelärmt, zu wenig gesungen und sind zu wenig gehüpft. Möglicherweise lag es auch gar nicht an uns, dass wir gleich zwei Gegentore kassiert haben. Naja. Auch wenn das Ergebnis suboptimal war, hatten wir doch eine gute Stimmung.

Bescheuertes Selfie mit Floh im Waldstadion

Der Besuch hat sich auch hier gelohnt, nach dem Spiel konnten wir noch viel schwätzen. Das nächste Spiel wird besser – garantiert!

Familie
Und dann wäre da noch der Familienbesuch. Ich habe die Chronologie des Frankfurt-Aufenthalts ein wenig gedreht, denn das Beste soll ja bekanntermaßen zum Schluss kommen. Neben unseren Eltern Annemie und Manfred gibt es da noch den Hund Siena und die Katzen Luna und Maja.

Siena

Siena ist vom Typ Labrador und schon 12 Jahre alt. Sie braucht deswegen ihren Schlaf. Ansonsten kuschelt sie immer gerne mit einer der Katzen.

Maja

Maja ist scheu wie ein Reh. Man kann diese Katze weder fangen noch streicheln. Das ist schade, denn sie sieht mit ihren großen Augen so süß aus. Was auch immer sie in ihrem früheren Leben von Menschen erfahren hat, hat diese Katze dermaßen geprägt, dass sie immer so scheu bleiben wird.

Luna

Luna ist frech! Auf diesem Foto fordert sie von mir die sofortige Lieferung frischen Katzenfutters. Ganz besonders gut hat mir gefallen, dass sie einige Nächte bei mir im Bett verbracht hat. Endlich wieder mal mit einer Katze zusammen schlafen und ihr beim Schnurren zuhören.

Feiern
Gefeiert haben wir mit jeder Menge Verwandtschaft. Ich bin ja nicht so der Typ, der Familienfeiern gerne besucht. Diesmal war es anders, diesmal wollten wir schließlich an der Feier teilnehmen. Es war schön, dem stundenlangen Geschwätz zuzuhören und dabei Spaß zu haben.

Sissitorte

Unsere Schwester Christine war ein klein wenig angefressen. Sie hat sich so viel Mühe gemacht, eine Sissitorte zu backen und uns ins Cockpit gesetzt. Auf ein Bild hat sie die Worte drucken lassen “Goldene Hochzeit – nicht ohne uns”. Natürlich konnte sie nicht wissen, wie wahr diese Worte sein würden.

Die Sissitorte kommt gut an

Viel mehr will ich nicht über die Familienfeier schreiben, schließlich war es eine Familienfeier. Schon die Veröffentlichung des Fotos von unserer Mutter mit der Sissitorte wird mir ein wenig Ärger bescheren.

Kulinarische Höhepunkte
Rippsche mit Kraut. Da gibt es fast nichts mehr dazu zu sagen, außer, dass wir unseren Eltern den Apfelwein schon recht schnell weggetrunken haben. Die haben einfach nicht genug bestellt. Warum eigentlich, wir kommen doch zu Besuch. Also gab es Wein aus Trauben, der auch lecker geschmeckt hat.

Rippsche mit Kraut

Ich werde nicht anfangen, meine Mahlzeiten zu fotografieren. Aber für dieses leckere Mahl mache ich eine Ausnahme.

Auf dem Preungesheimer Markt hatte ich nur Zeit für ein einziges Glas Bier, dann musste ich zur Familienfeier. Ich bekam aber ein leckeres Fässchen zum Mitnehmen, das ich höchstselbst nach Lanzarote geschleppt habe.

Bier aus dem Dorfbräuhaus

Abschied
Nach nur einer Woche kam dann der Punkt, der immer auf einer Urlaubsreise kommt. Nach einer Woche hieß es Abschied nehmen.

Wir haben versucht, diesen Abschied so kurz und schmerzlos zu machen, wie es irgendwie geht. Es geht nicht kurz und es geht nicht schmerzlos.

Mit vielen Umarmungen, guten Wünschen und Tränen haben wir uns von unseren Eltern und ihrem Zoo getrennt, sind zur S-Bahn gelaufen und bekamen von der Deutschen Bahn noch einmal 10 Minuten Extrazeit geschenkt, 10 Minuten S-Bahn-Verspätung und 10 Minuten gemeinsames Warten mit unserem Vater und Siena. Es ist ja nur ein Abschied auf Zeit, wir werden wieder kommen und in unser Elternhaus einfallen. Das nächste Mal sagen wir aber vorher Bescheid.

Flieger nach Lanzarote

Frankfurt verabschiedet uns mit trübem Novemberwetter. Die Wolkendecke über Europa war während unseres Flugs immer komplett geschlossen. Erst südlich von Spanien gab es erste Löcher und beim Landeanflug auf Lanzarote schien die Sonne.

Landeanflug, auf dem Bild ist Sissi zu sehen.

Etwas schmunzeln mussten wir, als der Flugkapitän allen Passagieren einen schönen Urlaub gewünscht hat. Unser Urlaub war vorbei.

Zum Schluss jetzt noch einmal Luna bei ihrer drittliebsten Beschäftigung (nach Schlafen und Fressen). Luna googelt. Sie macht es gerne, mal schnell, mal langsam. Aber immer mit Schwung.

Rückgabetag

Wir müssen das Speed-Dinghi wieder in seinen Heimathafen zurückbringen. Davor wollen wir aber noch eine kleine Runde über die Insel drehen und an der Westküste einige Stellen anschauen, die wir bislang noch nicht gesehen haben.

Im Nationalpark mussten wir für den ersten Fotostopp anhalten – zwei Gründe: Einmal war ein schönes Motiv zu sehen mit Gärten inmitten von Steinmauern, Versuche des Menschen, die Insel kultivierbar zu machen.

Gärten am Rande des Nationalparks

Zum Anderen spukt mir ein Spruch durch den Kopf, der sich auf dieser Insel inmitten der Lavabrocken immer mehr verfestigt hat. Wir mussten die Hauptstraße verlassen, um die Gärten zu fotografieren. Da ist sonst außer der Lava nicht viel. Der Spruch wurde früher immer mal wieder in Eisenbahn-Newsgroups gebracht, wenn Pufferküsser mit ihren Autos und hoher Geschwindigkeit den Zügen auf irgendwelchen Pisten nachgefahren sind. “Company cars and rental cars may go anywhere.” Dieser Spruch ist auf seinen Wahrheitsgehalt zu prüfen.

Company cars and rental cars may go anywhere. Stimmt.

Wir befreien den Wagen wieder aus der Lava und setzen unsere kleine Tour fort. Nach der Querung des Nationalparks Timanfaya landen wir dann wieder inmitten weißer Häuser, die unterhalb von braunen Bergen stehen. Eine Ortschaft lädt uns zu einem kleinen Fotostopp ein – La Santa. Immerhin ist bald Weihnachten. Weihnachten werden wir wohl inmitten des Atlantik verbringen.

La Santa – gut einen Monat vor Weihnachten

Weiter geht es, wir müssen uns beeilen, eine Tankstelle erreichen, bevor wir den ganzen Sprit verbraucht haben. Wir haben aber immer noch die Zeit, einen fantastischen Himmel zu fotografieren.

Himmel über Lanzarote

Zuletzt geben wir den Wagen zurück. Der Vermieter will sich gar nicht anschauen, ob der Wagen in ordentlichem Zustand ist. Wir werden gefragt, ob der Tank noch zu einem Viertel gefüllt ist. Warum haben wir Ochsen eigentlich voll getankt? Anschließend gehen wir zur Bushaltestelle und warten auf den Bus, der uns in die Marina zurück bringt. Während wir auf den Bus warten, ergibt sich dann noch einmal eine wunderschöne Lichtsituation unter den Wolken. Heute war der Himmel traumhaft schön.

Wolkenformation

Blanker Bauch am Strand

Wir verbringen eine schöne Zeit auf Lanzarote. Jeden Tag arbeiten wir ein paar Stunden an Sissi, damit wir nächsten Monat eine entspannte Überfahrt über den Atlantik haben. Dann schnappen wir uns unseren Mietwagen und sehen uns ein paar Sehenswürdigkeiten an, gehen Wandern oder essen im Restaurant. Uns wurde vorher erzählt, dass man hier ganz viele deutsche Rentner findet, die den Winter auf Lanzarote verbringen. Auch sonst müssen hier ja ganz viele Touristen sein – nur wo sind die denn? Außer in der Hauptstadt Arrecife gibt es keine Hochhäuser, in Arrecife gibt es genau eins. Und große Resorts und Hotelanlagen haben wir auch nicht gesehen. Bislang jedenfalls. Und dann kommen wir ganz in den Süden, nach Playa Blanca. Hier werden die Klischees bedient.

Playa Blanca – der Turm ist keine Kirche, er gehört zu einem Viersternehotel

Ein solches Ambiente hätte ich an wesentlich mehr Stellen der Insel erwartet. Zum Glück sieht es fast überall anders aus. Hier findet man deutsche Speisekarten, Wiener Schnitzel, Paulaner Bier in der Strandbar und im Supermarkt stehen Warsteiner, Krombacher, Bitburger und Oettinger Bier einträchtig nebeneinander im Kühlregal. Playa Blanca.

Touristengrill

Der Strand mit Sonnenschirmen und halb gegrillten Touristen, an der Strandpromenade lösen sich Souvenirläden, Strandbars und Kioske ab. Dazwischen sind immer wieder Hoteleingänge und geschlossene Bereiche.

Bikers Beach Club und Burger King

Alle namhaften Fast Food Ketten haben sich in Strandnähe niedergelassen und der Bikers Beach Club ist am frühen Nachmittag sehr gut gefüllt. Spaziergänger an der Standpromenade tragen gekühlte Bierdosen in der Hand, Kinder plärren und deutsche Wortfetzen dringen an allen Ecken in unsere Ohren. Das ist in etwa das Bild, das ich von Lanzarote erwartet hatte.

Katzenhaus

Vor einem der Hotels finden wir eine kleine Futterstelle für Katzen und stilecht liegt eine schwarze Katze davor. Natürlich ist sie schwarz, sonst wäre sie leicht zu fotografieren. Wir laufen mit offenen Augen weiter entlang der Strandpromenade und siehe da, die schwarze Katze ist nicht allein.

Nicht nur die Dosenöffner entspannen

Die Dosenöffner legen sich für ihre Entspannung an den Strand in die Sonne, die wahren Herrinnen der Welt in den Schatten. Unsere Anwesenheit entlockt diesem Spitzohr nur ein müdes Augenzwinkern.

Ich bemühe dann noch einmal den Leo. Leo ist ein Wörterbuch im Internet, ohne das wir unsere Reise nicht hätten machen können. Damit kann man nicht nur nach Englisch, sondern auch nach Französisch, Portugiesisch und Spanisch übersetzen lassen. Das ist sehr praktisch, wenn man die Vokabeln nicht kennt. “Playa Blanca” heißt übersetzt auf Deutsch: “Weiße Haut am Strand”.

Playa Blanca

Das hier ist nicht unsere bevorzugte Ecke auf Lanzarote. Wir liegen hier mit Sissi, weil wir demnächst nach Teneriffa weiter fahren wollen und der Hafen ein prima Absprungpunkt ist.

Yaiza

Ich habe auf Lanzarote noch keinen Ort gesehen, der in seiner Authentizität Yaiza überbieten könnte. Auf dem Rückweg von Timanfaya kamen wir erstmals durch Yainza hindurch.

Yaiza

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich schon, dass die vielen weißen Häuser mitnichten alle irgendwelche Touristenresorts sind, sondern dass praktisch alle Häuser auf Lanzarote in dieser Farbe gestrichen sind.

Wir wollten während unseres Aufenthalts einen Ort finden, in dem die Einheimischen die Kirche und die Kneipe besuchen. Einen Ort, in dem nicht die Hotels und Ferienanlagen das Ambiente dominieren. Einen Ort, in dem das Restaurant keine deutsche Speisekarte hat.

Tapas Bar in Yaiza

Wir glauben, diesen Ort in Yaiza gefunden zu haben, und werden im Laufe unseres Aufenthalts auf dieser Insel auch noch genau diese Tapas Bar besuchen. Der berühmteste Mensch aus diesem Ort ist sicherlich der Pfarrer, der über den Vulkanausbruch im heutigen Nationalpark TImanfaya einen Augenzeugenbericht angefertigt hat.

Radfahrer auf dem Weg durch Yaiza

Ähnlich wie diese Radfahrer sind wir bei unserer ersten Durchfahrt aus Süden durch den Ort gefahren und haben uns sofort vorgenommen, hier noch einmal die Kameras kreisen zu lassen.

Hauptstraße

Auffällig ist, dass hier im Gegensatz zu vielen anderen Orten, durch die wir gefahren sind, wirklich Leben auf der Straße ist. Otto-Normaltourist wird diesen Ort niemals sehen, denn es wurde eine Umgehungsstraße gebaut und auf der Straßenkarte von Lanzarote sind hier keine Sehenswürdigkeiten verzeichnet.

Weinreben im Garten

Dafür findet man aber abseits der Hauptstraße schön gepflegte Häuser und Gärten, zum Beispiel auf dem obigen Bild Weinreben, die akkurat mit kleinen Mäuerchen eingezäunt und individuell bewässert werden. Wasser ist bekanntermaßen knapp auf dieser Insel.

Violett…
…Orange…
…Rot…
…oder Gelb. Es gibt hier andere Farben als Schwarz, Braun und Grau.

Die Gemeinde hat auf den öffentlichen Flächen viele verschieden farbig blühende Pflanzen aufgestellt, die wir hier noch Mitte November in ihrer ganzen Pracht bewundern durften. Eine Wohltat für das Auge und mal wieder ganz andere Farben. Toll.

Kirche

Vor der Kirche sehen wir gerade ein Paar, das sich entschlossen hat, doch nicht den Gottesdienst zu besuchen. Wir waren in der Kirche und hätten sogar Fotos vom Inneren machen können, haben aber davon abgesehen, weil just zum Zeitpunkt unseres Besuchs der Pfarrer den Gottesdienst begonnen hat. Da wollten wir dann aus Respekt nicht mit den Kameras hantieren. Aber wir kommen wieder, wir wollen ja die Tapas Bar noch besuchen. Vielleicht hat die Kirche dann auch geöffnet.

Kirche und Tapas Bar

Gleich hinter der Kirche ist die Bar. Das ist doch wie in Bayern, dachte ich mir. In der Bar sitzen die Männer und trinken, in der Kirche sitzen die Frauen und beten. Das Rollenbild ist alt hergebracht.

Zentraler Punkt im Ort – die Bar

Endlich wieder mal ein Ort mit echtem Leben. Auch wenn es nur spärlich zu sehen ist, wie die bunten Pflanzen in ihren Farben. Endlich keine dicken, blank gezogenen Bäuche am Strand, sondern ganz normale Menschen. Dieser Ort ist erfrischend anders. Zum Glück hat dieses Blog nicht die nötigen Zugriffszahlen, die so etwas verändern könnten. Ich werde Jens davon abhalten, das auf Instagram zu veröffentlichen.

Jens in Yaiza

Yaiza. Ein Ort, den man eigentlich nicht findet. Hauptstadt der Gemeinde und doch in keinem Touristenführer verzeichnet. Mit dem Auto fährt man automatisch daran vorbei. Es gibt so gut wie keine Hotels, kein Schwimmbad, keine Diskothek. Dafür nimmt der Geldautomat im Ort keine Extragebühren und die örtliche Bar ist nicht von Briten, Deutschen oder anderen Touristen bevölkert. Der Traum eines Individualtouristen. Jens und ich werden dort noch Tapas essen und stilecht mit dem Linienbus anreisen.

Anfang und Ende dieses Beitrags: Die Tapas Bar

Mächtige Komfortverbesserung

Auf der Überfahrt zu den Kanaren ist uns aufgefallen, dass wir unsere Getränkedosen immer sehr schnell austrinken müssen. Entweder setzen wir uns ins Cockpit, dort gibt es Getränkedosenhalter. Oder wir trinken die Dosen unten im Salon leer, dort gibt es keine. Die Lösung des Problems war so einfach wie günstig:

Fahrrad-Getränkehalter

Wir haben einen kurzen Stopp im Decathlon gemacht und zwei Fahrrad-Getränkehalter erstanden. Kostenpunkt: 2,99€ pro Stück. Die sind jetzt mit Kabelbindern an unserer Maststütze festgezurrt und jetzt haben die Dosen auf dem Ozean keine Chance mehr, durch den Salon zu fliegen. Nun müssen wir sie nicht mehr in einem Zug leeren.

Goldene Hochzeit

Heute ist der 50. Hochzeitstag unserer Eltern. Wir Heuchler sind deswegen von Lanzarote nach Frankfurt geflogen. Damit wir nicht wie zwei zerzauste Segler dort ankommen, waren wir schon vor ein paar Tagen beim Friseur.

Jens sitzt auf dem Stuhl

Warum Heuchler? Weil wir einerseits mit dem Segelboot so abgasarm wie möglich um die Welt fahren wollen, keinen Dreck produzieren möchten wie die Kreuzfahrer und die Flugtouristen und andererseits dann von Lanzarote für eine Woche nach Frankfurt und zurück fliegen.

Heutzutage ist der Begriff “Flugscham” bekannt, Greta segelt gerade wieder zurück über den Atlantik unter Wetterbedingungen, bei denen wir Sissi lieber im Hafen anbinden.

Ich habe über Jahre gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens protestiert und mich geweigert, eines dieser Fluggeräte zu betreten und wenn, wollte ich einen anderen Flughafen benutzen. Einen, bei dem die Anwohner nicht so viel unter dem Lärm leiden oder den Lärm gar möchten, weil sie die Arbeitsplätze der Ruhe vorziehen.

Bescheuertes Selfie mit Friseurladen im Hintergrund

Frankfurt Hahn wäre eine Alternative gewesen, der Flughafen ist auch aus Lanzarote direkt zu erreichen. Wir fliegen aber direkt nach Frankfurt am Main, weil es für uns am bequemsten ist. Wenn schon schmutzig, dann richtig schmutzig.

Schlecht fühle ich mich nicht dabei. Ich schreibe diese Zeilen nieder und weiß, dass ich zur Veröffentlichung dieses Beitrags schon ein paar Tage in Frankfurt gewesen sein werde. Darauf freue ich mich.

Heute bin ich sehr darauf gespannt, wie unsere Eltern aus der Wäsche gucken, wenn wir am Dienstagabend vor der Tür stehen und klingeln. Nur ganz wenige Menschen wissen, dass wir uns auf den Weg machen, keiner aus unserer Verwandtschaft gehört dazu. Die Überraschung muss perfekt sein. Rasieren muss ich mich auch noch, dann sieht das optisch schon einmal gut aus.

Jens packt seine warmen Klamotten ein….

Wir haben die Wettervorhersage aus Frankfurt gehört, das Internet hier in der Marina ist sehr gut. Der Radiostream vom Hessischen Rundfunk ist stabil und verrät, dass wir mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt rechnen können. Auf jeden Fall einstellig. Das kennen wir seit Monaten nur aus dem Inneren unseres Kühlschranks. Also suchen wir verzweifelt nach unseren warmen Klamotten. Nur – wo sind die eigentlich? Die meisten haben wir in Frankfurt gelassen. Warum sollten wir die mitnehmen auf einen Segeltörn über die Barfußroute.

…auch ich sammle ein, was irgendwie Wärme in der Kälte Deutschlands verspricht.

Dazu kommt, dass wir am Samstag ins Waldstadion wollen, also müssen die Klamotten auch noch einigermaßen in das Ambiente passen. Und warm müssen sie sein.

Soll ich die dicken Wollsocken einpacken? Ich habe mich immer über die Schotten gewundert, die bei mehr als 16°C plötzlich in T-Shirt und kurzen Hosen herumlaufen. Und ich habe mich über die Portugiesen gewundert, die bei 20°C plötzlich die Winterjacke und den Schal auspacken. Wie wird es uns ergehen? Abgehärtet wie die Schotten sind wir nicht (mehr). Werden wir zittern und frieren? Ich befürchte es.

Flughafen Lanzarote

Und so warten wir nun auf den Abflug. In knapp fünf Stunden werden wir wieder dort sein, wo wir vor fünf Monaten losgefahren sind.

Der Flug ist so angenehm, wie Flüge es sein können. Keine Turbulenzen, überpünktlich und das Personal war total freundlich.

Trotzdem macht es keinen Spaß. Es ist warm, stickig und die Luft ist extrem trocken. Es ist laut und eng. Lieber fünf Tage auf See als fünf Stunden in der Luft.

Flug

Die Frankfurter S-Bahn begrüßt und mit der üblichen Verspätung. Es ist schön, wieder daheim zu sein.

Cueva de los Verdes

Wieder einmal haben wir uns das volle Touristenprogramm gegeben. Für 9,50€ pro Person haben wir die Cueva de los Verdes besucht. Es handet sich dabei um einen der größten Lavatunnel der Welt und wie immer brauchst Du nur auf den Link zu klicken, um in der Wikipedia den ganzen Rest nachzulesen.

Eingang zur Cueva de los Verdes

Wir fahren auf den geräumigen Besucherparkplatz und lassen uns von einem freundlichen Marinero einen Liegeplatz für unser Speed-Dinghi zuweisen. Dann packen wir unsere Rucksäcke und ich beginne leise an zu fluchen. Ich will nämlich meine Kamera aus dem Rucksack nehmen und stelle fest, dass sie es sich für den Tag auf dem Navigationstisch von Sissi bequem gemacht hat. Also ohne. Also nur mit dem Handy.

Eingang ohne Touristen. Die Gruppe vor uns ist gerade losgegangen.

Nach der Bezahlung des Eintrittsgelds müssen wir noch ein paar Minuten auf den Beginn der nächsten Führung warten. Die Höhle darf man nämlich nicht alleine besuchen, sondern nur in einer geführten Gruppe. Das alles relativiert sich natürlich wieder, denn die Gruppengröße ist auf 50 Personen begrenzt. Dann kann man schon mal verloren gehen, länger stehen bleiben und ein schönes Foto machen. Aber ich habe die Kamera ja an Bord vergessen.

Unsere Gruppe sammelt sich im Eingangsbereich

Am ersten Treffpunkt erklärt die Höhenführerin, dass es sich um ein sieben Kilometer langes Höhlensystem handelt, dass innen immer angenehme 20°C herrschen und dass man auf den Treppen auf keinen Fall fotografieren darf. Unfallgefahr. Das wiederholt sie noch ein paar Mal. Vergebene Mühe, so mancher hat stolpernd auf den Treppen geknipst. Dann geht es los, wir müssen uns tief bücken. Die Treppe im Eingangsbereich ist vielleicht 1,20 Meter hoch. Spannend.

In Großbritannien hätten die Besucher Helme bekommen, in Frankreich hätte man wohl einfach den Eingang vergrößert.

Mineralien an den Wänden

Wir bekommen einen kleinen Vortrag über die verschiedenen Mineralien an den Wänden. Phosphat, Calciumcarbonat, Rost. Und natürlich Lava, Lava, Lava, ist doch die Höhle vor ein paar tausend Jahren durch einen Vulkanausbruch entstanden. Insgesamt ist die Höhle 7 km lang, unser Rundgang jedoch nur einen Kilometer.

Touristen und Lava

Wie auch sonst an vielen Stellen auf dieser Insel befinden sich viele Touristen und viel Lava in dieser Höhle. Ich bin gar nicht mehr so unglücklich, dass meine gute Kamera auf der Sissi geblieben ist, denn das Handy hat einen genialen Nachtfotomodus. Damit werden die Bilder so hell, als hätte ich sie draußen bei Sonnenlicht fotografiert. Jedenfalls manchmal, wenn die Beleuchtung der Höhle stimmt.

Keine Stalagtiten!

Die spannenden Muster, die teilweise zu bewundern sind, sind keine Stalagtiten. Darauf legt die Höhlenführerin großen Wert. Es tropft hier auch kein Wasser rein, die Insel ist schließlich ziemlich trocken. Die Formen kommen alle von der erkaltenden Lava, die hier einst durch den Tunnel zum Meer geflossen ist.

Jens ist etwas gefllasht – ohne Blitzlicht

Wir wurden gebeten, kein Licht oder Blitzlicht für die Fotos zu benutzen. Natürlich halten sich nicht alle daran. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Fotos mit Blitzlicht besser werden, als diese fast ausschließlich computergenerierten Nachtaufnahmen. Begeistert nehme ich Bild um Bild auf, einfach aus der Hand. Was heutzutage mit der Bildverarbeitung möglich ist, ist ganz schön krass.

Niedrige Deckenhöhe

Auch tiefer in der Höhle gibt es immer wieder Wegstücke, die man nicht aufrecht beschreiten kann. Ich habe mal aus der Hüfte nach hinten geschossen, um die nach mir folgenden Touristen beim beinahe Krabbeln zu fotografieren.

Jens sitzt im Konzertsaal

Am hintersten Ende der Höhle ist ein Konzertsaal, der wohl eine ausgezeichnete Akkustik hat. Wir durften Platz nehmen, doch leider hat sich unsere Höhlenführerin nicht an den Flügel gesetzt und aufgespielt, sondern nur von den Konzerten erzählt. Und von der Forschungsstation, die ebenfalls in der Höhle eingerichtet ist und die seismische Wellen beobachtet.

Höhlenführerin im Konzertsaal

Auf dem Foto sieht es fast schon aus, als würde sie ein Orchester dirigieren. Doch sie hat nur sehr viel mit ihren Händen erzählt (in zwei Sprachen – Spanisch und Englisch). Anschließend geht es für den Rückweg auf die zweite, die obere Ebene.

Zwei Ebenen in der Höhle sind zu erkennen

Wer sich die Überraschung nicht verderben will und in der Zukunft einen Höhlenbesuch plant, der sollte an dieser Stelle mit der Lektüre aufhören und auch keine weiteren Bilder mehr anschauen. Ansonsten ist nämlich die Pointe abgesoffen.

Wirklich. Ich meine das ernst. Es ist wirklich überraschend! Und es ist sehr, sehr schön. Wir werden alle gebeten, uns vor einem tiefen Loch zu versammeln, dort sollen wir ganz leise sein.

Versammelte Gruppe vor dem Loch

Das Loch sieht schon wunderschön aus. Die Höhle zeigt sich irgendwie symmetrisch und das ganze Ambiente ist wirklich stilvoll beleuchtet. Es wird spannend. Die Führerin nimmt einen Stein in die Hand und drückt ihn einem der Touristen in die Hand. Er möge den Stein in das Loch werfen und wir sollen auf das Echo hören.

Zwei wunderschön und stilvoll beleuchtete Ebenen

Der Stein fliegt kurz und es macht “Platsch”. Die zweite Ebene ist in Wirklichkeit eine Spiegelung in einer Pfütze. Das Wasser ist auch nicht auf natürlichem Weg hierher gekommen, sondern es wurde genau zu diesem Zweck dorthin geschafft. Dies sei eines der größten Geheimnisse von Lanzarote, meint die Führerin mit einem augenzwinkernden Schmunzeln. Klasse! So macht man es. Da hat sich jemand etwas bei gedacht.

Das Wasser kräuselt sich noch leicht

Leider ist der Andrang der fotografierenden Touristen plötzlich so brutal, dass ich erst für mein Bildchen an die Reihe komme, als sich das Wasser schon fast wieder beruhigt hat. Doch nun ist sehr schön zu erkennen, dass es sich um eine Spiegelung handelt und nicht um zwei Ebenen des Höhlensystems.

Jens benutzt ein Lava-Stativ

Die war der Höhepunkt der Tour und so gehen wir langsam in Richtung Ausgang. Es wird gefilmt, geknipst und über die Spiegelung diskutiert. In vielen verschiedenen Sprachen. Ich kenne nicht alle diese Sprachen, aber alle Leute klingen begeistert.

Große Halle vor dem Ausgang

Wir verlassen die Höhle, kneifen die Augen ob der großen Helligkeit draußen zusammen und schlendern gemütlich auf den Parkplatz zurück. Ein toller Ausflug!

El Golfo

Nein, nein, wir waren nicht Golf spielen. Ich kann das gar nicht und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich freiwillig über einen Golfplatz laufe. El Golfo ist ein Küstenort auf Lanzarote. Wir waren dort.

Vom Wind gepeitschte Palmen am Ortseingang von El Golfo

Wie alle (!) Orte auf Lanzarote besteht auch dieser aus weißen Häusern. Ich hatte ja versprochen, dass ich ein solches Dorf mal abbilden werde – nun ist es so weit. Dieser Ort hat viele Hotels, Fischrestaurants und dazu vor der Küste ganz tolle, brechende Wellen.

El Golfo

Vom großen Parkplatz am Ortseingang aus sind es nur wenige hundert Meter auf einem gut ausgebauten Wanderweg, bis man El Lago Verde, den grünen See erreicht. Es handelt sich um einen ehemaligen Vulkankrater, der irgendwie unterirdisch mit dem Meer verbunden ist und seine grüne Farbe durch Algen bekommen hat.

El Lago Verde

Viel mehr Informationen zum Ort und zum grünen See gibt es wie immer im verlinkten Wikipedia-Beitrag. Ich bin schon sehr froh über die Wikipedia, so muss ich das alles nicht selbst niederschreiben, sondern kann einfach einen Link legen.

Blick vom grünen See auf El Golfo

El Golfo hat keinen Hafen, die wenigen kleinen Boote sind von den Bewohnern in der nächsten Bucht an Land gezogen worden. Wenn man sich anschaut, wie der Atlantik hier auf die Küste eindrischt, möchte man sich nicht vorstellen, wie sich das in einer solchen kleinen Nussschale anfühlt. Seekrankheit für Landratten ist garantiert.

Die Boote vor El Golfo

Immer mehr freue ich mich über unsere Entscheidung, ein Auto für die Erkundung der Insel zu mieten. Nur so konnten wir in diese wunderschönen Ecken kommen. Der ÖPNV ist zwar einigermaßen ausgebaut, wir hätten jedoch niemals in so kurzer Zeit die Vielfalt der Eindrücke genießen können.

Los Hervideros

An der südlichen Lavaküste von Lanzarote liegt “Los Hervideros”. Ein beeindruckender Ort, an dem wir uns sehr erfreut haben. Es gibt Küsten, die sieht man am besten vom Boot aus, an anderen Küstenlinien möchte man mit dem Boot, erst recht mit dem Segelboot, einen größeren Abstand einhalten. Diese Lavaküste gehört dazu.

Begrüßungsschild

In Timanfaya haben wir gesehen, wo die Vulkane ausgebrochen sind und ihre Lava durch die Landschaft geschleudert haben. In Los Hervideros konnten wir sehen, wo der Lavafluss im Meer endete. Die See ist dort nicht besonders tief, das äußert sich durch beeindruckende, brechende Wellen.

Wellen brechen sich an der Küste

Bleibt man geduldig mit der Kamera für einige Minuten am selben Ort stehen, hat man die Gelegenheit zu phantastischen Aufnahmen spritzender Gischt. Die hohe Kunst ist es, zur rechten Zeit auf den Auslöser der Kamera zu drücken. Das vergisst man vor lauter Staunen sehr leicht.

Die Gischt spritzt

Das besondere an dieser Stelle sind die sogenannten Kochlöcher. Zum Namen habe ich keine Erklärung auf Wikipedia finden können, ich kann es mir nur so erklären, dass die See in diesen Löchern quasi kocht.

Eine Welle rollt an

Wenn die Welle angerollt ist, läuft sie in die Löcher hinein, wird von den Steinen reflektiert und spritzt wieder zurück. Ein toller Anblick!

Reflektierte Welle und wieder sprühende Gischt

Die Löcher sind durch natürliche Erosion entstanden, also nicht eine direkte Folge der Vulkanausbrüche. Das Gestein ist selbstverständlich vulkanischen Ursprungs.

Kochloch von außen

Für uns Touris wurden Pfade und Treppen in die Steine gehauen, damit wir es schaffen, ohne Verletzungen zu den Löchern zu gelangen. Sonst wäre es nur geübten Kletterern möglich. Jens meinte zu mir, dass man dort bestimmt prima klettern kann, weil das Gestein einen super Grip hat.

Ich stehe da nicht so sehr drauf, mir sind brauchbare Treppen wesentlich lieber. So bin ich dann auch in das Innere eines der Löcher gelangt.

Kochloch von innen

Alles das ist nichts, wo man mit seinem Schlauchboot hinein fahren möchte. Für die obige Aufnahme habe ich ein paar Minuten gebraucht, die Wellen wollten einfach nicht so wie ich. Als ich mich wieder umschaute, war schon eine lange Schlange hinter mir.

Glücklicherweise ist das ein Ort, wo man weder Eintritt zahlen muss, noch von einem Fremdenführer weiter gescheucht wird. Auch Jens hat sich am Kochloch versucht.

Jens fotografiert das kochende Wasser

Neben den schönen Aufnahmen des tosenden atlantischen Ozeans hat man von hier aus auch einen spitzenmäßigen Blick auf die kalten Vulkane.

Blick in Richtung Timanfaya

Der Touristenpfad ist mit Schildern gesäumt, die das Betreten der Gesteinsfläche verbieten. Anscheinend haben es manche Menschen übertrieben. Ich hätte gar keine Lust, in dieser unwirtlichen Ebene herum zu stapfen. Mir reicht der tolle Blick auf die Berge.

Touristenpfad

Los Hervideros ist ein beeindruckender Ort. Ich bin froh, dass wir dorthin gefahren sind. Es steht nicht auf der Top-Liste der Sehenswürdigkeiten, es gibt nicht einmal eine eigene Seite auf Wikipedia. Lanzarote gefällt mir jedenfalls mehr und mehr.

Noch ein Blick durch die Felsspalten auf das kochende Wasser