Markteinkauf und Gaumenfreuden

Und wieder einmal haben wir es geschafft. Ich war bei den Behörden, wir verlassen die Kapverden offiziell am 31.12.2019. Den größten Teil der frischen Nahrung haben wir auf dem Mercado Municipal beschafft.

Mercado Municipal

Das Angebot an Waren ist groß, wenn man sich am Vormittag auf den Markt begibt. Je früher, desto besser. Wir waren für unsere Verhältnisse früh um 10 Uhr auf dem Markt. Die Regale waren noch voll, alles sah frisch und lecker aus.

Marktstand

Kiloweise haben wir Obst und Gemüse zur Sissi getragen. Die Waren vom Markt sind frisch und werden sich einige Zeit halten. Sie kommen von hier und sind nicht meilenweit mit Kühllastern durch die Gegend gefahren worden. Auch dass wir einen Touristen-Aufpreis bezahlen, macht den Markteinkauf nicht schlechter. Der Aufpreis kommt bei den richtigen Leuten an.

Entseuchungsstation

Nach dem Einkauf wird jedes Stück mit Salzwasser abgewaschen. Jens hat mehrere Viecher flüchten sehen, die wir nicht gerne an Bord gehabt hätten. Salzwasser hilft gegen Kakerlakeneier. Wichtig. Zum Glück gibt es keinen Mangel an Salzwasser.

Nach Abschluss der Bevorratung sind wir dann noch in eines der kleinen Gourmetrestaurants gegangen, um die letzten Escudos auf den Kopf zu hauen. Wieder einmal hat es sehr lecker geschmeckt.

Weiterer Gourmettempel

Morgen fahren wir los. 2000 Meilen weit. Schön, dass es wieder weiter geht. Die Wettervorhersage ist immer noch günstig, wir werden viel wenig Wind haben, jedoch genug für den Parasailor. Ich bin gespannt!

Abenddämmerung und Kulturgenuss

Kurz vor dem Sonnenuntergang, das weiß jeder Fotograf, gibt es meist das schönste Licht. Nicht gleißend weiß, sondern lieblich gelb, wenn es die Hügel hinter Mindelo streichelt. In der Marina oder im Ankerfeld neben der Marina sind wir Segler privilegiert. Wir haben den schönsten Ausblick.

Im Vordergrund ein Hotel, im Hintergrund die Landschaft bei Mindelo

Die Abenddämmerung währt nur kurz, etwa 30 Minuten. In dieser Zeit leuchtet der Ort auf und zeigt all seine Farben, die tagsüber blass wirken.

Die Tankstelle am Hafen
Fischerboote in groß und klein

Nach dem Sonnenuntergang wird es frisch, dann zieht sich Jens bei 25°C gerne mal einen Pullover über. Langsam verstehen wir, warum in Portugal und auf den Kanaren Pelzmäntel verkauft werden. Dort sinkt die Temperatur manchmal sogar unter 20°C. Kaum zu glauben, wie sich der Körper an diese Hitze gewöhnt. Es fühlt sich nicht nach Hitze an!

Auf den Straßen wird es nach Einbruch der Dunkelheit merklich belebter. Wenn die Sonne hoch am Himmel steht, bleiben die meisten Einheimischen hinter ihren Wänden.

Noch fünf Minuten, dann wird es dunkel

Liegen vor Mindelo hat schon seine Vorteile. Jeden Abend gibt es im Hotel nebenan eine Kulturveranstaltung. Beginn ist nach Einbruch der Dunkelheit, meist gegen 19:30 Uhr. Verschiedene Künstler bringen ihre Darbietungen und so gegen 2:30 Uhr 46am Folgetag ist dann Feierabend. Wir genießen vor unserer Bettruhe stundenlang die perfekten Inszenierungen und die hohe Qualität bei den Interpreten.

Wir müssen auf jeden Fall hier verschwinden, bevor die große Silvesterfeier beginnt. Ich bekomme Angst, wenn ich über eine große, laute, lange Feier zu Silvester nachdenke. Über die Weihnachtsfeiertage sind wir verschont worden.

Die Krux ist, dass man in Mindelo nahe an der Floating Bar liegen muss, wenn man Internet möchte. Dann liegt man aber auch nahe am Hotel.

Video zu unserer Überfahrt ist fertig!

Nach der Arbeit an Sissi haben wir noch ein wenig Arbeit in das Blog gesteckt. In den heißen Mittagsstunden sitzt es sich im Schatten vor dem Computer gar nicht so schlecht. In diesem Video steckt der Versuch, einen möglichst realistischen Eindruck von einer mehrtägigen Segelreise zu vermitteln. Somit haben wir endlich mal ein Segelvideo gemacht.

Abgefahren: Salty und Joint Venture II

Der Wind ist wieder da. Seit heute Mittag weht er über Sao Vicente, gibt in den heißen Stunden am Mittag Erfrischung und Kühlung in den Gassen von Mindelo. Schon gestern hat sich auf vielen Segelbooten in der Nachbarschaft eine rege Betriebsamkeit ausgebreitet. Die Boote wurden innen und außen gewaschen, Tonnenweise Waren aus den Supermärkten wurden an Bord geschafft. Abfahrtstermine wurden reihenweise am Steg diskutiert.

Der Wind wird Stunde um Stunde stärker und stetiger. Er hält sich an die Wettervorhersage. Björn, Marieke und Merlin haben aus der Marina ausgecheckt und die letzten Grüße über das Wlan der Floating Bar versendet.

Die Salty-Crew hat alle Formalitäten hinter sich und ist auf dem Weg zum Boot

Wir wünschen uns gegenseitig alles Gute für die Überfahrt. Dann helfen wir, die vielen Leinen der Salty zu lösen. Vorher muss natürlich noch ein Foto sein.

Eine gewisse Anspannung vor der Überfahrt ist in den Gesichtern zu sehen

So ernsthaft, wie die drei auf dem obigen Bild gucken, wollte ich das dann aber nicht alleine ins Blog stellen. Wie werden wir wohl schauen?

Es geht los!

Eine der Vorleinen war zunächst widerborstig. Dann konnten wir sie lösen und Salty war frei. Wir haben auf Martinique eine Verabredung! Wir wünschen euch eine traumhaft schöne Überfahrt.

Auf dem Weg in die Karibik

Ein weiteres deutsches Boot hat sich heute auf den Weg in die Karibik gemacht, die Joint Venture II. Wir haben die Crew schon in Santa Cruz kennen gelernt und uns über das Wiedersehen hier gefreut. Sie wollen nach Barbados, genau wie wir, und müssen aber am 16. Januar schon dort sein. Ein Crewmitglied hat den Heimflug schon gebucht.

Auch hier ist großes Hallo am Steg, es kommen immer viele Segler zu einem solchen Abschied. Bei uns wird wohl keiner stehen und winken, unsere neuen Bekannten und Freunde fahren alle vor uns.

Abfahrt der Joint Venture II

Am Abend sehen wir die Joint Venture wieder am Steg liegen. Ein wichtiges Teil der Windfahnensteuerung war gebrochen, auf See nicht zu reparieren. Sie mussten drei Meilen hinter Mindelo umdrehen. Das Ersatzteil konnten sie heute noch beschaffen, morgen früh geht es wieder los.

Gold, Platin und viel Arbeit

Auf dem Weg nach Mindelo ist uns das Spifall gebrochen. Mitten in der Nacht. Wir haben uns dann eineinhalb Stunden damit beschäftigt, den Parasailor wieder aus dem Wasser zu bekommen.

Am nächsten Morgen sah ich eine weitere Bescherung, die uns diese Aktion eingebracht hat:

Unterwant, Steuerbord achtern. Leicht defekt.

Auf der Steuerbordseite an der achteren Unterwant waren zwei Drähte gebrochen. Das war nicht gut, gar nicht gut. Damit kann man nicht weiterfahren, jedenfalls nicht mit gutem Gewissen. Ich habe weder Jens noch Jakob etwas davon erzählt, es reicht, wenn ich nicht gut schlafen kann. Komischerweise ist es keinem der beiden aufgefallen. Das hat in der Nacht wirklich einen großen Knall gegeben.

Für mich war in der Situation klar, dass wir auf die Kapverden müssen. In Mindelo gibt es die einzige Firma im Umkreis von 800 Meilen, die neue Wanten herstellen kann. Sie heißt boatCV und hat ihren Sitz praktischerweise direkt in der Marina.

Ein neues Spifall war schnell gekauft. Sie hatten das entsprechende Seil zunächst nicht in der richtigen Länge vorrätig. Da klingelten bei mir innerlich schon die Alarmglocken, aber die Dame am Tresen meinte, dass in einer Stunde eine neue Rolle Seil da wäre. So war es dann auch. Das neue Spifall wurde abgemessen und abgerechnet. Wir haben es mit Hilfe einer Angelschnur problemlos in den Mast einziehen können.

Spifall mit Goldfäden

Aufgrund der verbesserten Haltbarkeit und Reißfestigkeit werden auf den Kapverden in die Fallen dicke Goldfäden eingewoben. Aus 24-karätigem Gold. Das muss man dann als Segler mitbezahlen. Wenn man die vergoldeten Seile nicht möchte, kann man es ja 2000 Meilen weiter in der Karibik noch einmal probieren.

Die Unterwanten bestehen zu 25% aus reinem Platin. Auch das dient der Verbesserung der Stabilität. Der Mann im Bootsladen wollte mir zuerst erklären, dass er vor dem 15. Januar keine Zeit für uns und die Unterwanten hat. Als ich ihm jedoch sagte, dass wir die alten Wanten selbst abmachen und die neuen auch selbst montieren, war er auf eine Stunde herunter zu handeln. Er kam dann am Morgen vorbei, holte die kaputte Want ab und brachte zwei Stunden später schon die beiden neuen. Man muss ja immer beide Seiten tauschen, auch wenn nur eine Seite kaputt ist.

Hoffentlich kommen jetzt keine Piraten, die das Edelmetall von Sissi wieder herunterrupfen wollen. Der ganze Spaß hat zusammen 100.000$ gekostet.

Blick von oben auf Sissi. Man sieht auf dem Steg eine Unterwant liegen.

Als die Mastleiter hochgezogen war, ist Jakob ganz nach oben geklettert und hat ein paar Bilder gemacht. So sieht Sissi von oben aus.

Im Gourmetrestaurant

Wir sind Schlemmermäuler. Wir lieben gutes Essen. Und wir wollen immer gerne das Essen kennenlernen, das die Menschen vor Ort essen. Also wollten wir in Mindelo nicht irgendeine Pizzeria aufsuchen, sondern ein Restaurant, in das die Einheimischen gehen.

Gourmetrestaurant – nur echt mit Hunden vor der Tür

Als wir unseren ersten Spaziergang an Heiligabend durch Mindelo gemacht haben, ist uns dieses Restaurant erstmals aufgefallen. Es war brechend voll und es roch lecker aus der Tür. Also haben wir unser Heiligabend-Essen in diesem Gourmet-Tempel genossen. Leider waren wir kurz vor Ladenschluss dort und es gab nur noch eine Speise. Die bestand aus Hühnerschenkeln, Reis und Pommes und war total lecker.

Wir haben das Restaurant noch ein zweites Mal gegen Mittag besucht. Da war wesentlich mehr los als kurz vor Ladenschluss. Ständig kamen Leute rein, haben ihre eigenen Tupperdosen mitgebracht und Essen für die ganze Familie abgeholt. Wir bekamen toll marinierte Schweineschnitzel mit Gemüse und Reis. Jede Speise kostet nur 3€.

Im Gourmet-Tempel

Wir können diesen Laden nur weiterempfehlen. Im Gegensatz zu dem Restaurant, in welchem wir gemeinsam mit der Salty das Weihnachtsessen genossen haben, wird man hier schnell bedient. Außerdem gehen dort fast nur Einheimische hin. Passenderweise sind auf dem obigen Foto noch zwei andere Jachties zu sehen, die scheinbar ähnliche Essgewohnheiten wie wir haben.

Wegbeschreibung

Verfolgungswahn und Weihnachtsessen

Wir werden verfolgt. Das wissen wir ja schon. Wir verfolgen auch andere Boote. Virtuell, im Internet – falls wir Internet haben. Zwei unserer Verfolger sind Lena und Martin von der SY Fairytale. Es hat Martin nicht gefallen, dass wir nur über Marinetraffic tracken und derwegen unsichtbar sind, wenn wir weit draußen auf dem Meer fahren. Deswegen hat er uns ein Tracking gebaut, das wir auch über unser Satellitentelefon nutzen können. Das ist natürlich schon auf der Stalking-Seite integriert, ich möchte an dieser Stelle deswegen nur auf das Update hinweisen.

Ab sofort, also wenn wir hier in Mindelo abfahren, könnt ihr alle das neue Tracking betrachten und Sissi auf ihrem Weg über den Atlantik begleiten.

Unsere Reparaturen schreiten voran. Der Parasailor ist von Salzwasser befreit und wieder verpackt. Er hat einen kleinen Riss bekommen bei der Aktion, diesen haben wir mit Segelklebeband geflickt. Auch ein neues Spifall konnten wir kaufen, hier auf den Kapverden lassen sie sich die Seile mit Gold aufwiegen. Es ist aber der einzige Händler weit und breit, deswegen können wir das Seil dort kaufen oder es lassen. Wir kaufen lieber.

Das Wetter sieht so aus, als könnten wir an Silvester starten, möglicherweise schon einen Tag früher. Das sehen wir in den nächsten Tagen, wenn sich die Vorhersage stabilisiert. Noch ist es zu früh, eine Aussage zu treffen.

Rummelplatz mit Hüpfburg

Gestern, am 25.12., war hier auf den Kapverden ein Feiertag. Und wenn hier ein Feiertag ist, dann wird auch gefeiert. Alle Geschäfte hatten zu, das kennen wir so aus Spanien und Portugal gar nicht mehr. Auch die meisten Restaurants waren geschlossen. Ich machte mich trotzdem auf den Weg, um für uns und die Crew der SY Salty, die wir schon mehrfach getroffen haben, einen Tisch zu reservieren. Auf der Suche nach einem Restaurant ist mir laute Musik aufgefallen, die sogar bis in die Marina schallte. Die Quelle der Musik war schnell gefunden. Für die Kinder hatte man einen Rummelplatz aufgebaut. Dazu gehörte neben der Hüpfburg noch ein Autoscooter. Die Schlange am Einlass war lang.

Autoscooter – CO2-frei

Alle Kinder hatten einen Riesenspaß! Es muss nicht immer knattern und stinken, manchmal reichen auch flotte Musik und Muskelkraft.

Am Abend sind wir dann in das einzige geöffnete Restaurant gegangen, das ich gefunden habe. Wir wurden sofort an unseren Tisch gebracht und bekamen die Speisekarte ausgehändigt. Dann passierte erst einmal eine Stunde gar nichts. Nach einer Stunde kam der Kellner und hat die Bestellungen aufgenommen. Dann passierte wieder eine Stunde gar nichts. Dann kam unser Essen. Eine halbe Stunde später kamen die bestellten Getränke. Wir konnten endlich auf Weihnachten und die Überfahrt anstoßen. Eine Stunde nach Ende der Mahlzeit kam dann der Kellner wieder und räumte den Tisch ab, wir haben dann zur Rechnung noch ein zweites Getränk bestellt. Das kam dann auch schnell – gemeinsam mit der Rechnung nach nur einer halben Stunde. Zum Glück hatten wir genug Bargeld dabei, sonst hätten wir noch eine oder zwei Stunden auf den Kerl mit dem Kreditkartenlesegerät warten müssen. Es war trotzdem ein schöner Abend. Warnung: Wenn du ins Restaurant Nautilus gehen möchtest, solltest du nicht zu hungrig sein und musst viel Zeit mitbringen. Das Essen hat allerdings sehr gut geschmeckt.

Weihnachtsessen der SY Salty und SY Sissi

Atlantik Tag 8 – Hauptantrieb defekt, Lasagne auf dem Teller

Jens holt einen Schraubendreher aus dem Werkzeugkasten und beginnt, den “Defekt des Tages” zu reparieren. Vom Deckel der Bratpfanne hat sich die Schraube abvibriert, die den Griff mit dem Deckel verbindet. Eine Kleinigkeit, aber doch lebensnotwendig für Jens. Schließlich möchte unser Pastafari, dass das letzte schöne Stück Rindfleisch durch den Wolf läuft und in einer Lasagne endet. Meinen Vorschlag, auch diese Schraube mit Schraubenkleber zu sichern, hat er abgetan. Nicht dass davon noch was in die Pastasauce tropft. Bis es so weit ist, haben wir noch einiges zu tun. Wir machen 100 Liter Wasser, fahren den Staubsauger durch den Salon und wienern das Cockpit. Es soll schließlich alles schön sein für den morgigen Landfall.

Die Nähe des Landes zeigt sich auch dadurch, dass das Funkgerät sporadisch wieder anfängt, unverständliches Knarzen von sich zu geben. Noch sind wir theoretisch außer Reichweite, aber das AIS zeigt, dass es auch heute wieder zu Überreichweiten kommt. Wir sehen Schiffe, die über 100 Meilen von uns entfernt sind. Ein paar Delphine schwimmen kurzzeitig neben Sissi, verbergen sich aber gekonnt vor den Kameraobjektiven. Lediglich Jakob hat das Glück, ein paar Sekunden Video eines getauchten Dephins aufnehmen zu können. Fliegende Fische sind zum Glück keine mehr auf unserem Deck gelandet.

Leider hält sich der Wind einigermaßen an die Vorhersage. In den Nachmittagsstunden wird er schwächer und schwächer. Die Genua beginnt wieder zu schlagen, wenn Sissi in den Wellen torkelt. Wir fahren nur noch mit zwei bis drei Knoten. Da wir es sowieso nicht mehr am Nachmittag bis Mindelo schaffen können, ist uns das aber ziemlich egal. Nach dem Pastagenuss rollen wir die Genua ein, starten den Motor und fahren mit Krach und Gestank die letzten 60 Meilen. An Segeln ist inzwischen nicht mehr zu denken, der Windmesser zeigt nur noch drei bis vier Knoten Wind. Nach dem Motorstart bildet sich eine Diesel-Abgaswolke über dem Cockpit. Der letzte Windrest pustet unsere eigenen Abgase mit Bootsgeschwindigkeit vor sich her. Segeln ist so viel schöner.

Unsere Wacheinteilung bleibt, ich habe die erste Wache. Der Sternenhimmel ist immer noch so traumhaft schön. Nach den letzten ruhigen Nächten mit vielen Sternen macht es mir aber heute gar keinen richtigen Spaß mehr, im Cockpit den Kopf in den Nacken zu legen. Das Grollen aus dem Untergrund ist zu penetrant, zu nervig. Dennoch ist es schön zu wissen, dass wir am heiligen Vormittag unsere Füße wieder an Land setzen können. Ein fliegender Fisch landet neben mir im Cockpit. Ich hole ein Kehrblech und befördere das zappelnde Viech wieder ins Wasser. Dann wecke ich Jakob und lege mich ins Bett.

Als ich am Morgen aufwache, sind wir nur noch wenige Meilen weg von Mindelo. Der Morgen graut und langsam können Jens und ich die Schemen der Berge erkennen.

Kurz vor Mindelo, kurz vor dem Sonnenaufgang

Es ist bald geschafft. In einer Stunde spätestens werden wir am Steg liegen. Im Hafen herrscht schon mächtiger Verkehr, eine Fähre und viele Fischerboote fahren umher, wir müssen uns mit Sissi irgendwie da durchmogeln.

Die Sonne geht gleich auf über Mindelo

Nach einem übermüdeten Anlegemanöver liegt Sissi nun wieder fest am Steg vertäut. Ich spaziere mit Björn von der SY Salty zur Immigration, wir holen uns Stempel in den Pässen ab und zahlen pro Schiff eine Gebühr von 25€. Lokales Geld konnte ich leider noch nicht ziehen, der eine Geldautomat war defekt und der andere akzeptiert nur Visa und keine MasterCard.

Weihnachtsmann vor dem Büro der Immigration

Am achten Reisetag zurückgelegte Strecke: 89 nm
Wir haben um 8:30 Uhr in der Marina Mindelo festgemacht.
Position um 12 Uhr: Marina Mindelo
Noch 1999 Seemeilen bis nach Barbados. Die gesamte zurückgelegte Strecke sind 916 Meilen.

Schöne Weihnachten!!!

Weihnachtsbaum auf der Sissi

Pan Pan

Über unsere Fahrt von Lanzarote nach Teneriffa habe ich geschrieben, dass nichts Besonderes passiert ist. Das stimmt nicht ganz.

Im Funk wurde alle paar Stunden ein Pan-Pan Ruf wiederholt. Das ist der zweitschlimmste Ruf, den man über Funk bekommen kann. Der schlimmste Ruf ist ein Mayday. Es war nicht unser erster Pan-Pan, den wir empfangen haben, aber dieser hat in mir ein ungutes Gefühl ausgelöst. Zum Glück waren wir weit weg.

Ich fühlte mich an den Film Styx erinnert, der im vergangenen Jahr bei uns in den Kinos war. Zwischen der afrikanischen Küste und den Kanaren wurde ein Flüchtlingsboot vermisst bzw. gesucht, ein Boot mit einer unbekannten Zahl von Menschen an Bord. Alle Schiffe wurden aufgefordert, besonders gut Ausschau zu halten.

Seit jenem Film hatte ich irgendwie immer gründlich Angst davor, dass uns ein solches Boot vor den Bug fahren könnte. Was sollten wir denn in einer solchen Situation tun? Besonders dann, wenn das Boot gar in konkreter Seenot ist. Zum Glück waren wir weit weg.

Wenn solche Vorfälle im Mittelmeer passieren, besteht eine gewisse Chance, dass man in Deutschland in der Presse darüber liest. Hier auf dem Atlantik gehen diese Boote auch verloren, Menschen sterben und man liest nichts darüber. Jedenfalls nicht bei uns. Es fahren allerdings auch keine Rettungsschiffe herum, die diesen Menschen das Leben retten könnten.

Wenn ich mir etwas zu Weihnachten wünschen könnte, wäre das zum Beispiel die Möglichkeit für diese verzweifelten Menschen, einfach an den Schalter zu gehen und ein Ticket für die Fähre zu buchen.

Atlantik Tag 7 – Fish and chips and Muskelschmerzen

Die Windvorhersage für die kommenden Tage ist nicht wirklich berauschend. Wir versuchen, auf unserem Weg nach Mindelo so viel Strecke unter Segel zu machen, wie es möglich ist, bevor der Wind stark nachlassen wird. Der Nachmittag verläuft ohne weitere Schäden am Material, wir entspannen uns. Und wir beginnen zu spinnen. Als ob Mindelo nicht noch knapp 200 Meilen von uns entfernt liegen würde, sprechen wir über Landausflüge, Sightseeing und die Mahlzeiten, die wir einkaufen wollen. Trotz der eher rolligen See gelingt es uns allen, eine kalte Dusche zu nehmen. Erfrischend!

Jens angelt ein schönes Stück Fleisch aus dem Kühlschrank. Das wird zu Gulasch geschnitten. Dazu verarbeitet er all das Gemüse, das sich noch verarbeiten lässt. Jetzt sind wir ohne frische Ware. Die Sachen waren nach einer Woche auf See teilweise in grenzwertigem Zustand. Wir mussten insgesamt jedoch nur sehr wenig wegwerfen. Im Abendprogramm zeige ich die Rohfassung eines kleinen Films, den ich derzeit über unsere Passage nach Sao Vicente am schneiden bin. Danach schauen wir noch einen Film aus der bordeignen Videothek.

Jakob und ich baumen noch die Genua aus, bevor er sich ins Bett legt. Der Wind lässt langsam nach, fünf Stunden früher, als die Vorhersage versprochen hat. Während ich mit dem Baum hantiere, fällt mein Blick auf das Vordeck. Kaum zu glauben, wir haben einen Fisch gefangen! Unser erster fliegender Fisch liegt dort und wartet darauf, mit dem Stinken anfangen zu können. Die fliegenden Fische verwesen sehr schnell, besonders wenn die Sonne scheint. Ab sofort müssen wir Sissi regelmäßig auf fliegende Fische kontrollieren. Als ob wir nicht schon genug zu kontrollieren hätten. Ich hole mir eine Tüte Chips.

Während ich in den Schlaf gerollt werde, bemerke ich jeden Muskel an meinen Armen, an meinem Oberkörper, selbst in den Fingern. Es schmerzt. Seit einer Woche bin ich damit beschäftigt, mich immer irgendwo festzuhalten. Oder ich drehe eine Winschkurbel. Oder ich halte mich irgendwo fest, während ich eine Winschkurbel drehe. Das strengt an. Jahrzehnte der Vernachlässigung meiner Muskeln als Mausschubser an meinem Schreibtisch machen sich bemerkbar. Jens und Jakob haben diese Probleme nicht. Jens ist viel in Kletterhallen unterwegs gewesen, Jakob ist einfach nur jung. In dieser Situation fühle ich mich richtig, richtig alt.

Der folgende Tag begrüßt uns mit Sonnenschein. Wir haben keine neuen Defekte an Bord. Einen solchen 23. Dezember hatte ich noch nie in meinem Leben. Im Schiff sind es angenehme 24°C, draußen bläst eine erfrischende Brise. Wir sehen immer wieder mal einen Schwarm fliegender Fische vorbei ziehen und am Horizont das Segel eines anderen Segelboots. Das Leben ist schön.

7. Etmal: 117 nm
Position um 12 Uhr: N17°50′ W23°55′
Noch 79 Seemeilen nach Sao Vicente (Mindelo). Noch 2081 Seemeilen bis nach Barbados. Die gesamte zurückgelegte Strecke sind nun 827 Meilen.

Aua, aua. Muskelkater und blaue Flecken. Das hat mir vorher keiner gesagt.

Nur noch 80 Meilen bis Mindelo