Porto

Ehrlich, ich hatte keine Ahnung. Ich hatte keine Ahnung, dass es in Porto eine Straßenbahn gibt. Ich wollte zwar in die Stadt, weil mir jeder gesagt hat, dass es dort sehr schön ist, aber so eine Straßenbahn macht das Stadtbild für mich noch attraktiver. Doch zunächst wie üblich unser Weg nach Porto:

Unser Weg nach Porto

Wir hatten schönes Segeln und sind morgens um 1:30 Uhr in Porto eingelaufen. Irgendwie mag ich diese Ankunftszeit, denn sie spart uns für eine Nacht die Marinagebühren. Nach dem Ausschlafen haben wir uns dann gleich an die Stadtbesichtigung gemacht. Auf dem Weg mit dem Bus in die Stadt fiel uns ein großes Einkaufszentrum mit einem Baumarkt auf. Schon bald haben wir entschieden, den Aufenthalt in Porto nicht nur zum Sightseeing zu benutzen, sondern auch um Malerarbeiten am Schiff abzuschließen. Unser Cockpit brauchte noch etwas weiße Farbe für den Fußboden und auf den Sitzbänken, wo wir in den letzten Monaten viel vom frischen Anstrich abgerubbelt haben.

Freiheitsplatz

Einerseits gibt es in Porto große, repräsentative Plätze, andererseits kleine, verwinkelte Altstadtgassen. Dieses Nebeneinander gefällt mir sehr gut. Außer mir gefällt es irgendwie noch 100000 anderen Touristen. So viele deutsche Wortfetzen wie hier in Porto habe ich lange nicht gehört.

Steile Altstadtgasse

Und dann ist da noch die Straßenbahn. Es gibt insgesamt drei Linien. Eine Linie geht unten am Fluss entlang, eine fährt vom Fluss rauf in die Altstadt und die dritte Linie dreht eine Runde durch die Altstadt.

Steile Altstadtgasse mit Straßenbahnlinie 22

Die Straßenbahnwagen sehen so ähnlich aus wie in Lissabon. Allerdings sind sie hier noch älter und bewegen sich auf der örtlichen Spurweite (1668 mm). In Lissabon ist es eine Schmalspurstraßenbahn. Auf den Linien 18 und 22 wird jeweils nur ein Fahrzeug eingesetzt, deswegen kann es auf den eingleisigen Abschnitten nicht zu ungewollten Begegnungen kommen.

Steil bergab geht es in der Parallelstraße

Die Linie 22 umrundet ein großes Stück der Altstadt. Sie ist von den drei Linien die sehenswerteste, wenn es darum geht, die Straßenbahn und die Altstadt auf ein Bild zu bringen.

Vor der Haupteinkaufsstraße

Immer wenn sich einer der Züge einer Touristengruppe nähert, werden die Telefone aus den Taschen gezogen und auf den Gleisen werden Selfies mit Straßenbahn gemacht, Das ist der Pünktlichkeit nicht zuträglich, die Fahrer der Züge sind praktisch an jeder Ecke wild am klingeln.

Tram 22 vor Kachelkirche

In Porto habe ich einige Kirchen gesehen, deren Front komplett mit Kacheln verkleidet ist. So auch diese hier, die noch dazu den Vorteil hat, dass man sie zusammen mit der Straßenbahn in Szene setzen kann.

Frauen beim Selfie

Die beiden Frauen, die hier im Vordergrund mit ihren Handys posieren, haben ihre Selfies in alle möglichen Richtungen geschossen. Dann sind sie sofort weiter gezogen. Im Stadtbus sind mir zwei junge Frauen aus Deutschland begegnet, die sich ein strammes Portugal-Programm vorgenommen haben. Besonders wichtig schien ihnen aber zu sein, dass ihnen ihre Freunde auf Instagram folgen, wie ich in ihrem Gespräch unschwer mitbekommen konnte. Ist denn der einzige Reisezweck das Bild auf Instagram? Das kann uns mit dem Blog hier nicht passieren, Bloggen ist ja beinahe schon aus der Mode gekommen.

Mitfahrt in der Linie 1

Wer in Porto die Straßenbahn für die Stadtrundfahrt nutzen möchte, dem sei die Zweitageskarte für 10€ ans Herz gelegt. Eine Einzelfahrt ohne Umsteigeberechtigung kostet nämlich 3,50€. Macht man also mit jeder Linie nur eine einzige Fahrt, hat sich die Zweitagskarte schon gerechnet. Und so eine Flatrate macht ja auch Laune, denn man kann unterwegs immer mal wieder aussteigen und sich die Gegend ansehen.

Auf der Linie 1 ist mehr als ein Fahrzeug im Einsatz. Auch hier gibt es eingleisige Abschnitte, deswegen muss in Haltestellen mit Kreuzungsmöglichkeit immer mal auf den Gegenverkehr geachtet werden. Signale gibt es hierfür nicht, die Fahrer haben vorne ein Tablet, das ihnen das Gleisnetz der Straßenbahn und die Position der einzelnen Fahrzeuge zeigt.

Endhaltestelle der Linie 1

Die meisten Touristen fahren von Endhaltestelle zu Endhaltestelle mit, dementsprechend geht es zu, wenn mal wieder ein Zug angekommen ist und gestürmt wird. Dabei läuft in Portugal nichts schnell, die Fahrerin oder der Fahrer hat genug Zeit für den Fahrkartenverkauf und ein Schwätzchen dazu.

Linie 1 fährt die Uferstraße entlang

Große Steigungen hat die Linie 1 nicht zurückzulegen, denn sie fährt ja entlang des Flussufers des Douro. Dafür gibt es eine pittoreske Bebauung, alte Hafenanlagen und auch ein praktisch autofreies Stück, wo man parallel noch eine Brücke am Rande des Douro entlang gebaut hat.

Straßenbahn am Flussufer

Das obige Bild ist von der parallelen Brücke aus aufgenommen, auf der der Autoverkehr fährt. Am Straßenbahndepot gibt es ein Straßenbahnmuseum und es treffen sich dort die Linien 1 und 18.

Tram 18 fährt in die Endstation

Auf diesem Bild sieht man eine Möwe, die vor dem herannahenden Straßenbahnzug die Flucht ergreift. Es ist kurz vor der Endhaltestelle am Straßenbahnmuseum aufgenommen worden.

Drei Züge auf einem Bild – das hat Seltenheitswert

Die Haltestelle am Museum ist auch eine Haltestelle, an der die Fahrer abgelöst werden. Dadurch ergibt sich immer wieder die Gelegenheit für ein Schwätzchen der Personale untereinander. Die Touristen, die hier auf ihren Zug warten und mit den Füßen am Boden kratzen, haben die Fahrer ignorieren gelernt. Ein Ort der Ruhe und Gelassenheit in der ansonsten quirligen Großstadt.

Auf dem Weg vom Fluss zur Altstadt

Wir sind den Linienweg der Linie 18 entlang gelaufen, um vom Fluss wieder in die Altstadt zu kommen. Leider war zu dieser Zeit die Linie 18 außer Betrieb, ich konnte nicht ein Bild von den Zügen bei ihrem Aufstieg machen. Wir hatten aber einen guten Blick auf Porto und sein Flussufer.

Zug der Metro in Matosinhos

Eine moderne Metro mit sechs Linien gibt es auch. Auf dem Weg zur Umsteigestation in den Bus, mit dem wir zur Marina fahren, führt sie durch den Stadtteil Matosinhos. Hier hat sie eine Streckenführung, wie in Frankfurt die U5, also mitten im Leben drin. Im Gegensatz zu Frankfurt haben es die Stadtmütter und -väter von Porto jedoch geschafft, die Metro weitestgehend vom Autoverkehr zu trennen.

Und dann wären da noch die Malerarbeiten. Sie sind gut geworden. Wir werden uns am Cockpitfußboden die Füße nicht mehr verbrennen.

Frisch gestrichen!