Planänderung. Abflug.

Vor ein paar Tagen schickte mir die Honorarkonsulin die Nachricht, dass ein Sonderflug von Aruba nach Amsterdam angesetzt ist. Es ist ein Flug der Niederlande nach Amsterdam, der auch Angehörige anderer EU-Mitgliedsländer mitnimmt. Jens und ich diskutierten das ausgiebig. In der Folge haben wir unsere Pläne etwas geändert.

Immer nur auf das Meer schauen können ist doof.

In wenigen Wochen besteht die Möglichkeit zum Start in Richtung Europa. Ende April öffnet sich das typische Zeitfenster. Auf unserer Route liegen Jamaika (geschlossen), Kuba (geschlossen), Bermuda (geschlossen), die Azoren (geschlossen), Portugal (geschlossen), Spanien (geschlossen), Frankreich (geschlossen und Segeln verboten) und England (noch offen). Ob England in zwei Monaten noch offen ist, kann heute noch keiner wissen. Das Zeitfenster schießt sich irgendwann Ende Juni mit dem Beginn der Hurrikansaison, die üblicherwese bis Ende November dauert.

Der direkte Weg nonstop nach Deutschland ist uns selbstverständlich nicht verbaut. Wir haben ein Segelboot mit unbegrenzter Reichweite, wir haben für Monate Proviant an Bord und wir müssen nicht tanken. Es handelt sich lediglich um schlappe 5500 Seemeilen (10175 Kilometer), die von uns in ca. 55 Tagen gesegelt werden können. Dazu kommen noch 14 Tage Selbstquarantäne vor der Abfahrt, damit wir sicherstellen können, dass wir die Seuche nicht schon an Bord haben. Also zwei Monate das Boot nicht verlassen. Irgendwie steht uns der Sinn gerade nicht danach.

Jens fliegt zurück nach Frankfurt, ich bleibe an Bord und auf Aruba. So sieht die Entscheidung aus. Nach der Hurrikansaison kommt Jens wieder zurück und wir fahren die Route, die ich oben beschrieben habe. Irgendwann machen die Länder ihre Grenzen wieder auf. Irgendwann können wir uns wieder so frei durch den Ozean bewegen, wie wir es lieben.

Der Abflug ist am 3. April um 16:30 Uhr angesetzt. Am 3. April hat aber auch Jutta Geburtstag. Wir sind zur Chapo eingeladen. Wir erklären Jutta, dass sie in ihrem Geburtstag hineinfeiern muss, wenn sie mit uns feiern möchte. Für den Abend des 2. April besorge ich die Zutaten für eine feine Abschiedslasagne. Die tragen wir zur Chapo. Dann feiern wir den letzten Abend. Dann feiern wir den Geburtstag von Jutta. Dann ist das Bier alle.

Sandalen haben ausgedient.

Am Morgen des Abflugtags werden mit leichtem Kater erst einmal die Sandalen beerdigt, die Jens schon mindestens seit einem Jahrzehnt durch Europa und nun durch die ganze Welt getragen haben. Zumindest bei mir kommt keine Sentimentalität auf. Berühren hätte ich die nicht mehr wollen.

Heute ist Abflugtag

Wir werden sentimental. Jens hat seine Sachen gepackt und kommt mit dem Gewicht gerade noch unter die Freigrenze. Ein letztes Foto gemeinsam mit Sissi. Ein letzter Schwatz mit den Chapos. Wir stehen an der Hauptstraße und warten auf Lel, einen Arubaner, den wir vor ein paar Wochen kennengelernt haben. Er hatte uns damals angeboten, dass er uns mit dem Auto fährt, wenn wir mal ein Problem haben. Das Problem liegt auf der Hand. Wir müssen zum Flughafen, es fahren aber keine Busse und keine Taxis. Lel fährt und bietet mir an, dass er mich auch wieder zurück bringt. Danke!

Gespenstisch einsam – Flughafen von Oranjestad

Am Flughafen ist erst einmal nichts los. Wir sind viel zu früh da. Natürlich haben sämtliche Grill- und Imbissbuden, Kaffeeläden und Minimärkte geschlossen. Der Flughafen ist geschlossen. Das ganze Land ist geschlossen. Wir waren so blöd, dass wir nicht daran gedacht haben. Zum Glück haben wir genug Wasser mitgenommen.

Warten, dass das Terminal öffnet

Zweieinhalb Stunden vor der geplanten Abflugzeit öffnet das Terminal. Wir haben zu diesem Zeitpunkt schon von Sicherheitsleuten erfahren, dass der Flug sich aufgrund von technischen Problemen eine Stunde verspäten wird. Jens organisiert über diesen Sicherheitsmann eine Pizza beim Lieferdienst.

Nur ein einziger Flug wird heute abgehen

Das Terminal öffnet und der Sicherheitsabstand zu den anderen Menschen ist leicht einzuhalten. Es gibt heute nur einen einzigen Flug.

Am Schalter erfährt Jens, dass er nicht auf der Passagierliste steht. Er kommt wieder nach draußen. Ich schicke der Konsulin eine Nachricht. Sie verspricht, dass sie sich sofort darum kümmert. Eine Viertelstunde später erscheint bei uns ein Mitarbeiter des Flughafens. Jens sei doch auf der Passagierliste. Er könne jetzt einchecken.

Vorne in der Schlange

Jens kommt wieder mit seinem Gepäck zurück. Er steht zwar auf der Passagierliste, es können aber derzeit nur Holländer abgefertigt werden. Der Mann, der die beiden deutschen Passagiere abfertigt, ist noch nicht eingetroffen. Also ist wieder Warten angesagt. Ich habe zwar Hunger – Jens hat vergessen, mich zu fragen, ob ich auch eine Pizza möchte – will aber nicht zurück zu Sissi, bevor Jens eingecheckt hat. Ich habe schließlich die kurze Leitung zur Konsulin.

Bescheuertes Selfie vor dem Flughafen

Es kommt wieder ein Mitarbeiter des Flughafen zu uns. Jens kann jetzt einchecken. Der dritte Versuch ist erfolgreich. Gut. Ich rufe Lel an, damit er mich abholt. Dann verabschiede ich mich von Jens. Kurz. Ich hasse Bahnhofsabschiede. Lel bringt mich zurück zu Sissi.

Den Nachmittag verbringe ich mit Telefonaten mit Freunden und der Familie. Donald Trump schickt Kriegsschiffe nach Venezuela. Wir können von Aruba aus nach Venezuela rüberschauen. Militärflugzeuge sind am Himmel zu sehen. Ich unterhalte mich noch etwas mit den Chapos.

Die Verspätung von Jens Flieger wird größer und größer. Er ist immer noch nicht in Paramaribo gestartet. Irgendwann erfährt Jens, dass der Flug auf den folgenden Tag verschoben wurde. Nach einer längeren Wartezeit kommt ein Bus und bringt die meisten verhinderten Passagiere in ein Hotel, das extra für diesen Flug wieder geöffnet wurde. Jens kommt zu Sissi zurück.

Wir feiern in kleinem Kreis den letzten Abend auf Aruba, nur Jens und ich. Im Radio hören wir, dass Deutschland erwägt, die Grenze zu Holland zu schließen. Das wäre blöd für Jens, denn er muss ja noch von Amsterdam nach Frankfurt kommen. Über die geschlossene Grenze fährt der ICE sicher nicht.

Am 4. April bekommt Jens regelmäßig Updates. Es wurde ein Ersatzteil für den Flieger nach Surinam geflogen. Der Flieger wird repariert. Es gibt eine Abflugzeit. Die Abflugzeit wird verschoben. Der Flug wird letztendlich wieder abgesagt und auf den 5. April verschoben. Ein Ersatzflugzeug kommt. Wir feiern noch einmal auf der Chapo. Wir können jetzt auf die Chapo, die Quarantänezeit ist vorbei.

Am Morgen des 5. April steckt mir der vorherige Abend in den Knochen. Die große Zahl der “letzten Abende” zieht sich hin. Ich habe keine Lust mehr auf den letzten Abend. Wir beobachten auf flightradar24 den Flug Ersatzmaschine auf dem Weg nach Paramaribo. Es sieht alles gut aus. Die Maschine landet. Jens bekommt die Nachricht, dass sein Flug verspätet sein wird. Verspätet ist besser als verschoben.

Jens steigt in den Bus

Die Ankunft der Busse an der Marina verzögert sich auch, es wurden nicht alle Fluggäste im Hotel gefunden. Das Hotel soll sehr gut gewesen sein. Hört man. Dann kommen sie doch, ich nehme kurz Abschied von Jens und das war es dann. Für die nächsten Monate.

Der Flug nimmt eine spannende Route nach Aruba. So viel Abstand zu Venezuela, wie es möglich ist. Herr Trump hat seinen Spaß in Venezuela.

Kurz vor der Ankunft.

Jens ist derweil im Terminal und wartet auf den Abflug. Wir tauschen Nachrichten aus. Ich bin traurig und gleichzeitig glücklich. Ich freue mich für Jens, dass er die nächsten Monate in Frankfurt verbringen kann. Ich bin gespannt, wie es mir jetzt ergehen wird. Ich bin traurig, welche Richtung der Segeltörn ohne unser Verschulden genommen hat.

Warten.

Während wir noch Nachrichten tauschen, geht plötzlich alles ganz schnell. Der Flieger schwebt über dem Hafen ein, ich kann ihn von Sissi aus sehen. Ich wechsle noch zwei kurze Nachrichten mit Jens, dann muss er sein Telefon ausschalten. Dafür dauert es wieder ewig, bis ich den Start des Fliegers im Internet beobachten kann. Wir sehen uns im Spätherbst wieder.

Auf dem Weg nach Hause

Hochseilakrobatik im Hafen

Heute hatten wir das Vergnügen, einer seltenen Abwechslung zusehen zu können. Charly wollte seine WLAN-Antenne wieder in die Mastspitze bringen, wo sie hingehört. Deswegen wurde zunächst die Mastleiter installiert. Wir haben es beim Morgenkaffee bemerkt und dachten zunächst, die Show sei schon vorbei. Nach dem Kaffee spaziere ich rüber zu Chapo und sehe, wie Charly sich gerade an den Aufstieg macht. Ute und Jutta sichern unten am Mast. Im Hafen passiert im Augenblick nicht viel, deswegen schaut auch der Nachbar vom Motorboot interessiert zu.

Charly steigt auf.

Charly ist gebürtiger Bayer und die Bayern haben hohe Berge, sind das Klettern und das Arbeiten in einer Seilschaft gewöhnt. Das merkt man sofort. Bayern kennen auch keine Höhenangst. Ich gehe nicht auf den Mast, dafür habe ich Jens. Der klettert in Kletterhallen und ist damit fast so qualifiziert wie ein Bayer.

Mit ruhiger, entspannter und klarer Stimme gibt Charly eindeutige Anweisungen an das Sicherungsteam, während er beim Aufstieg die letzten Handgriffe zur Montage der Mastleiter durchführt. In regelmäßigem Abstand werden Haltegurte um den Mast gelegt, damit die Leiter nicht wegrutschen kann.

Haltegurte

Jutta und Ute führen die Anweisungen von oben zügig aber ohne Hast durch. Die Kommunikation im Team ist eingespielt. Charly kommt schnell bis an die Mastspitze und bringt die WLAN-Antenne innerhalb weniger Minuten an ihren Platz. Dabei arbeitet er sorgfältig, denn ein erneuter Aufstieg in der Hitze wäre anstrengend. Der Zeitpunkt an und für sich ist perfekt gewählt, denn den ganzen Vormittag schon ist es bewölkt, die Sonne brät nicht so wie sonst.

Am Gipfelkreuz. Die Sehnsucht eines jeden Bergsteigers.

Nach wenigen Minuten ist die Montage erledigt. Während ich mich noch mit Jutta unterhalte und wir über die Vorzüge der neuen Mastleiter sprechen, gibt Charly schon von oben die freundliche Anweisung, ihn langsam wieder abzuseilen. So schnell hätte ich die Antenne nicht auf dem Cockpitdach montieren können, geschweige denn in so großer Höhe. Chapeau.

Eine Kleinigkeit vergessen.

Nach dem Rückweg zur Sissi fällt mir bei der Sichtung der Fotos auf, dass wirklich alles gut gelaufen ist. Charly geht rauf, Charly geht runter, die Antenne sitzt an ihrem Platz und abeitet. Nur die Mastleiter kann nicht mehr herunter genommen werden. Trotz aller Sorgfalt und Umsicht ist der oberste Haltegurt am Mast geblieben.

Das freut mich sehr, ich habe die Gelegenheit noch einer zweiten Hochseilshow beiwohnen zu können. Charly möchte nicht den ganzen Kletterspaß für sich alleine haben. Deswegen darf Jutta auch einmal nach oben und Charly sichert gemeinsam mit Ute.

Charly und Ute sichern

Es dauert nur ein paar Minuten, dann erreicht Jutta die Mastspitze. Sie entfernt den letzten Haltegurt, anschließend geht es wieder abwärts.

Es ist schön, wenn nicht immer nur der Alltag stattfindet.

Jutta auf dem Weg nach oben.

Dem kleinen, grünen Iguana ist das alles gleich. Er schaut mich auf meinem zweiten Weg zurück zu Sissi mit seinen Reptilienaugen an und bettelt um ein Foto. Die Sonne hat sich wieder einmal gegen die Wolken durchgesetzt.

Grüner Iguana

Tortuga sticht in See

Holger haben wir vor zwei Wochen kennengelernt. Damals lag er mit seiner Tortuga hinter der Landebahn des Flughafens vor Anker. Dort hatte er kein Internet und so sind der Corona-Ausbruch und die Folgen für alle Segler zunächst an ihm vorbeigegangen. Er bemerkte zwar, dass der Verkehr auf der Uferstraße in der Nacht komplett zum erliegen gekommen ist, wusste aber nicht warum. Holger wartete alleine an Bord auf seine Crew. Die vorherige Crew konnte noch regulär nach Hause fliegen, die neue Crew aber nicht mehr in Aruba einreisen. Ein echtes Problem.

Tortuga an der Tankstelle

Ein Freund von Holger sitzt auf Martinique und würde ihm bei der Überführung nach Deutschland helfen. Der darf aber auch nicht nach Aruba. Also will Holger nach Martinique. Er hat sich schlau gemacht, weiß von den 14 Tagen Quarantäne, die ihn nach der Einreise erwarten. Dennoch fährt er nach Martinique.

Die Leinen sind los, die Fender werden noch verstaut.

Wir wünschen Holger eine gute Reise, perfekten Wind und dass er die richtige Entscheidung getroffen hat. Entscheidungen treffen ist heutzutage nicht einfach, weil sich die Rahmenbedingungen so schnell ändern und Segelboote so langsam sind.

Tortuga verlässt Oranjestad

Wenn wir mit dem Segelboot unterwegs sind, müssen andauernd Entscheidungen getroffen werden. Meist sind Wetter und Wettervorhersage Grund dafür, dass diese Entscheidungen notwendig sind. Damit können wir umgehen.

Vernagelte Schaufenster

Auch wenn wir in Oranjestad im Augenblick alles haben, was wir brauchen, machen mir bestimmte Anzeichen Sorge. Im Hafen liegt eine große Motorjacht eines alten Holländers, der schon vor 15 Jahren nach Aruba gezogen ist. Gestern hat er sich vom Supermarkt große Mengen Nahrungsmittel auf sein Boot liefern lassen. Er meint, dass die Leute im Augenblick noch entspannt seien, weil sie noch Geld haben. Das wäre in ein bis zwei Monaten anders. In der Innenstadt gibt es praktisch kein Geschäft mehr, das nicht die Schaufenster mit Brettern vernagelt hätte.

Vielleicht verlegen wir Sissi in die zweite Marina auf Aruba. Dort ist die Liegegebühr günstiger und sie liegt ziemlich abseits von allem. Das Einkaufen wäre zwar beschwerlicher, dafür wären wir aber weit weg von jedem für Randalierer oder Plünderer interessanten Fleck. Vielleicht passiert aber auch gar nichts. Auf welcher Grundlage sollen wir eine solche Entscheidung treffen?

Sonnenuntergang, immer wieder schön.

Auf keinen Fall sollte man Entscheidungen mit leerem Magen treffen. Wir haben Leiterchen beim Metzger eingekauft und diese über Nacht in einer leckeren Jerk-Tomaten-Marinade eingelegt. Unser großer Topf ist voll, es ist eine Portion für fünf hungrige Personen. Diese Leiterchen habe ich dann dreieinhalb Stunden auf kleinster Flamme schmoren lassen. Jutta hat bergeweise Pommes frittiert und für Gemüse gesorgt. Jens hat einen Schoko-Nuss-Pudding gerührt. Gemeinsam gab es dann eine große Völlerei. Das Fleisch war perfekt mürbe und löste sich problemlos von den Knochen. Der Wachmann von der Marina ist uns fast in den Topf mit den Leiterchen gesprungen. Eidechsen mögen auch Schoko-Nuss-Pudding. Die Entscheidung wird vertagt, der Magen ist viel zu voll dafür. Außerdem kann sie noch ein paar Wochen warten. Dann wissen wir mehr.

Eins wissen wir jetzt allerdings mit Sicherheit: Corona macht dick und rund.


Nachtrag: Die Tortuga ist wieder auf Aruba. Holger musste aufgrund von Problemen umdrehen.

In einem anderen Land zu einer anderen Zeit

Es ist nicht leicht, diese Tage so zu verbringen, dass man nicht blöd im Kopf wird. Der tägliche Gang zum Supermarkt wird zu einem der Höhepunkte des Tages. Obwohl die Marinadusche, die Personaldusche des angrenzenden Hotels, eine ganz miese Aufenthaltsqualität hat, ist der Besuch dort ein weiterer Höhepunkt. Gestern habe ich fünf Stunden am Herd verbracht und ein Abendessen für die Chapo und uns gezaubert. In der ganzen Zeit habe ich Jens mit Küchengerüchen gequält. Das Ereignis war ein auf knackigen Karotten zartrosa gebackener Rinderbraten mit einem Riesenberg knuspriger, mit ein wenig Parmesan verfeinerter Kartoffelpuffer. Zugegebenermaßen wurde der Braten mehr rosa als zart, aber es hat allen geschmeckt. In den letzten Tagen bekochen wir uns gegenseitig.

Positiv an der Situation ist, dass wir zu Dingen kommen, die wir seit Monaten haben liegen lassen. In Lissabon haben wir viele Videos gemacht, geschnitten und veröffentlicht haben wir bisher nichts. Während ich am Herd stand, hat Jens sich mit dem Videoschnitt beschäftigt. Und nun haben wir ein kleines Video von Lissabon mit – ähm – geringem Straßenbahnanteil. Die Straßenbahn dort ist meiner Meinung nach ein rollendes Denkmal.

Auf der anderen Seite des Atlantik, ein halbes Dutzend mit Touristen voll beladener Kreuzfahrtschiffe vor der Stadt, geöffnete Bars und Restaurants, Menschenmassen walzen sich durch die Innenstadt, klumpen sich vor dem Aufzug in die Oberstadt oder quellen aus voll besetzten Straßenbahnen. Ich habe mir das Video zwei oder dreimal angesehen. Nicht wegen der tollen Aufnahmen mit der wackeligen Handkamera. Nicht wegen der phantastischen Filmmusik (Gema-frei). Nicht, weil ich sonst nichts zu tun habe. Ich habe mich am Leben auf den Straßen erfreut.

Ist die Szene bei 3 Min 46 Sekunden als Ausblick in die Zukunft zu verstehen? Wie sieht das Leben in der Öffentlichkeit in einem halben Jahr oder einem Jahr aus?

Die Salatbar ist noch geöffnet!

Jeden Mittag gibt es das gleiche Ritual zu beobachten. Ein Angestellter des Hotels bringt einen Eimer voll Essensreste in die Marina und entleert ihn neben eine dichte Hecke. Dann kommen plötzlich ganz viele Iguanas aus der Hecke herbeigeeilt und schnabulieren den leckeren Salat. Ich bin heute leider zu spät, einer ist noch da, die anderen sind schon satt. Morgen ist auch wieder ein Tag.

Nach dem Besuch der Salatbar

Für unsere Tage auf Aruba gelten nun neue Regeln. Zu der nächtlichen Ausgangssperre ist noch eine Ausgangssperre bei Tag hinzugekommen. Wir dürfen noch Lebensmittel einkaufen und in die Apotheke gehen. Ansonsten sind alle Aktivitäten draußen verboten. Zu unserem Glück ist die Definition von “drinnen” und “draußen” weit gefasst. Wir können uns auf dem Marinagelände und dem Gelände des angrenzenden Hotels frei bewegen. So lange wir nicht auf unseren Booten eingesperrt werden, kann ich mit all diesen Beschränkungen leben.

Hauptstraße in Oranjestad

Am Freitag wurde das Marinabüro für unbestimmte Zeit geschlossen. Ich musste gleich für einen ganzen Monat bezahlen, aber wir bleiben wahrscheinlich sowieso länger. Wir haben die Telefonnummern der Angestellten für den Fall der Fälle. Irgendwie möchten wir in den nächsten Wochen eine Füllung unserer leeren Gasflaschen organisieren, dazu brauchen wir die Marinaleute.

Der Weg zum Supermarkt

Auf meinem heutigen Weg in den Supermarkt habe ich gar keinen Menschen auf der Straße getroffen. Ich habe kein Auto fahren gesehen. Es ist gespenstisch.

Gespenstisch wirkt auch der absolut leere Hotelstrand. Es ist uns nicht so richtig klar, ob wir den benutzen können oder nicht. Es ist aber niemand da, der uns an der Benutzung hindern würde. So lange das Hotel noch geöffnet war, durften wir an diesen Strand. Ich gehe nachher mal rüber und probiere es aus.

Kein Foto aus dem Reiseprospekt.

Es fällt mir immer noch schwer, mich an die aktuelle Situation zu gewöhnen. Was gerade auf unserem Planeten geschieht, ist so unsagbar schwer zu begreifen.

Segler in der Karibik

Jens und ich leben gut auf unserem kleinen Planeten. Sissi liegt sicher im Hafen, die Supermärkte um uns herum haben geöffnet und die Regale sind voll. Wir sind gesund. Wir haben Freunde im Hafen, können Gespräche führen. Ein guter Metzger ist bequem zu Fuß erreichbar und den Hotelstrand haben wir für uns alleine.

DIe Metzgerei. Jeder Kunde darf eine Nummer ziehen und muss dann draußen warten, bis die Nummer aufgerufen wird. So wird vermieden, dass zu viele Menschen gleichzeitig im Laden stehen.

Am Hotelstrand werden wir auch nicht weggejagt. Inzwischen kennen wir alle Sicherheitsleute und die Sicherheitsleute kennen uns. Sogar ein nächtlicher Spaziergang am Wasser entlang ist während der Ausgangssperre möglich, denn der Weg wird durch mehrere Stockwerke Luxusbeton von den Blicken eventuell vorbeifahrender Polizisten abgeschirmt.

Das Ferienhotel macht Ferien. Ganz besonders bei Dunkelheit, wenn auf der ganzen Insel Ausgangssperre ist. Wir haben es gut.

Auf anderen Inseln sieht es anders aus. Wir sind in Kontakt mit Seglern auf verschiedenen Inseln. Auf Martinique liegt noch die Joint Venture II. Dort gibt es eine strenge Ausgangssperre, die Segler dort können ihre Boote nur aus wichtigem Grund verlassen. Da gehört ein Spaziergang nicht dazu. Die Supermärkte sind nur noch am Vormittag geöffnet und in den Regalen klaffen schon Lücken. Dennoch scheint Martinique noch attraktiv zu sein.

Attraktiv für Segler, die sich derzeit auf Grenada befinden, wie die Lucky Star. Dinge des täglichen Bedarfs gibt es dort zu kaufen, sonst ist aber nicht viel im Supermarkt zu finden. Das Boot für eine Atlantiküberquerung auf Grenada zu bevorraten erscheint unmöglich. Deswegen versuchen sie, die Erlaubnis zur Einreise nach Martinique zu bekommen, um dort ihre Vorräte zu ergänzen.

So geht es rundherum um die gesamte Karibik bis nach Kolumbien und Panama. Die einzelnen Segler haben einen mehr oder weniger günstigen Platz gefunden, um die nächsten Wochen zu überstehen. Die meisten sind durch Zufall an ihrem Ort gestrandet. Eine Rückfahrt nach Europa ist etwa ab Mitte April möglich. Bis dahin müssen die Boote vorbereitet werden.

Oft fehlt auch Crew. Es gibt einige Boote, deren Crewmitglieder nach Hause geflogen sind. Es hätten neue Crewmitglieder einfliegen sollen, was aber im Augenblick bekanntermaßen nicht geht. Da sitzt oft nur noch der Skipper an Bord und harrt der Dinge. Vor dem Flughafen von Aruba liegt noch ein deutsches Boot, die Tortuga. Deren Skipper ist ohne seine Crew einigermaßen aufgeschmissen, er muss aber trotzdem seine Rückfahrt planen.

Die Rückfahrt könnte beschwerlicher werden als üblich. Normalerweise machen Segelboote, die den Atlantik von West nach Ost überqueren, auf Bermuda, den Azoren und manchmal Madeira einen Zwischenstopp. Einerseits will man die schönen Landschaften nicht auslassen, andererseits ist es gut für die gesamte Crew, wenn man mal ein paar Nächte richtig ausschlafen kann.

Um es kurz zu machen: Bermuda hat die Grenzen geschlossen. Madeira ebenso. Auf den Azoren ist mit besonderer Erlaubnis ein Tankstopp und Bevorratung möglich. Das Boot darf dabei nicht verlassen werden. Es wird unangenehm.

Schlimmstenfalls müssen wir alle die 5500 Meilen nach Deutschland ohne Zwischenstopp segeln. Das wären dann ca. 50 Tage auf See. Unangenehm.

Innerhalb weniger Tage hat sich unter den gestrandeten Seglern eine WhatsApp-Gruppe gebildet. Über 100 Teilnehmer schaffen es dort im Augenblick noch, eine einigermaßen konstruktive Diskussion zu führen. Immerhin war es auf diesem Weg möglich, einige Daten zu Schiff und Crew an deutsche Behörden zu schicken. Die deutschen Außenpolitiker sollen sich darum kümmern, dass die Jachten auf der Heimreise auch in Bermuda und Madeira einlaufen kann. Immerhin ist ein Vertreter des diplomatischen Korps mit in der Gruppe. So viel zu einer einigermaßen brauchbaren Aktion. Wie ich zu der Online Petition stehe, weiß ich noch nicht. Verproviantieren muss man sowieso für den Fall der Fälle – also bis Deutschland. Ein Boot in Seenot werden sie sicher nicht abweisen.

Segler in der Presse
Focus zur Problematik gestrandeter Segler
Floatmagazin: Fluch der Karibik
Spiegel: Gefangen im Paradies
FAZ: Geleitzug aus der Karibik?

Unsere Sissi hat genug Vorräte, wir können zur Not die 5500 Meilen segeln. Dieses Wissen ist sehr, sehr beruhigend. Deswegen können wir uns entspannen und manchmal noch eine der wenigen Attraktionen, die noch geöffnet haben, besuchen.

Der Flamingo ist sehr zutraulich. Er muss nicht einmal gefüttert werden, sondern kommt auf den ausgestreckten Finger geflogen.

Attraktion. Die Latte hängt niedrig. Ein Hotelresort hätte ich vor der Seuche niemals als Attraktion bezeichnet. Noch vor ein paar Tagen war hier mehr los. Die hoteleigene Insel mit vielen Flamingos und Pelikanen war noch geöffnet, wenn auch nur für ein Dutzend Gäste. Leider ist sie inzwischen geschlossen. Wir hatten viel Spaß mit den Vögeln.

Für einen Vierteldollar bekommt man an einer Art Kaugummiautomaten Pellets, mit denen man die Vögel füttern kann. Das wissen die Vögel natürlich auch. Kaum dreht man einen Vierteldollar in den Automaten, stürzen sich unzählige Antillenkrakel und Tauben auf den ahnungslosen Menschen. Wir haben uns für einen Dreivierteldollar Spaß gekauft und ein kleines Video gedreht. Viel Spaß dabei.

Außerdem gibt es auf der Insel eine hervorragende Dusche. Sie schlägt die Personaldusche des Hotels, die wir mitbenutzen, um mehrere Flamingohalslängen. Ein paar Unbequemlichkeiten müssen wir doch erleiden.

Bescheuertes Selfie mit einem Pinguin.

Email von der Bundespolizei

Ich habe folgende Mail von der Bundespolizei bekommen. Solltest du auf deinem Boot in der Karibik festsitzen und nichts von dieser Mail wissen, die an viele Boote gegangen ist, kann ich dir gerne den Kontakt vermitteln. Ich möchte die Mailadresse des Absenders nicht auf die Webseite stellen.


Unterstützung deutscher Staatsangehöriger im Ausland
Liebe Segelfreunde,

wir sind Mitarbeiter des Piraterie-Präventionszentums (PPZ) der Bundespolizei und sind der zentrale Ansprechpartner für die deutsche Sportschifffahrt auf ihren Reisen rund um die Welt.

Durch Wolfgang BEE haben wir Ihre Erreichbarkeiten erhalten. In einem telefonischen Gespräch erläuterte Herr BEE die aktuelle Problematik der geschlossenen Häfen in der Karibik und die Überlegungen Einzelner ggf. zurück nach Deutschland zu fliegen.

Wir werden Ihre Daten von unserer Dienststelle weiter an das Auswärtige Amt steuern. Hierfür benötigen wir weitere persönlichen Daten (Name, Vorname, Geburtsdatum und Anschrift) aller sich an Bord befindlichen Personen. Weiterhin benötigen wir Ihre MMSI oder ein anderweitiges Unterscheidungssignal.

Sollten Sie die Möglichkeit einer Rückholung in Erwägung ziehen, verweisen wir Sie auf die offizielle Seite des Auswärtigen Amtes und die dortige Rückholaktion.

https://www.auswaertiges-amt.de/de/

Weiterhin empfehlen wir Ihnen, sich über die deutschen Stützpunkte von Trans Ocean, Informationen vor Ort einzuholen. Die deutschsprachigen Ansprechpartner haben eventuell Mittel und Wege oder auch Kontakte, die Ihnen kurzfristig weiterhelfen können.

Wir haben Ihnen unten eine Liste mit Adressen und Ansprechpartnern zusammengestellt.
(Es folgt eine Liste mit Konsulaten und Honorarkonsuln für die hiesige Region.)

Wir benötigen auf jeden Fall eine Rückmeldung von Ihnen.

Direktionsbereich
Bundespolizei See
Piraterie-Präventionszentrum
180702 PPZ
Neustadt, 26.03.2020
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Kommentare zum Blog

Wir freuen uns über Kommentare. Ich mache es mir mit dem heutigen Beitrag einfach. So manche E-Mail erreicht mich, in der ich nach der Kommentarfunktion gefragt werde. Die Frage ist leicht zu beantworten.

Wenn Du auf den Beitragstitel klickst, zeigt Dein Browser den entsprechenden Beitrag einzeln an. Bei dieser Ansicht gibt es unten die Möglichkeit, den Beitrag zu kommentieren. Wir freuen uns wirklich über Kommentare.

Deswegen hier auch ein Dankeschön an euch, die Leser. Wir bekommen Rückmeldung per Email, in Telefonaten mit unseren Verwandten und Freunden. Es macht uns Freuden, zu eurer Unterhaltung beitragen zu können.

Damit habe ich es mir heute sehr leicht gemacht. Hier gibt es sonst auch nichts neues. Vor dem Gerichtsgebäude kann man Hühner beobachten.

Quarantäne und Ausgangssperre

Die Chapo ist in Quarantäne. Oder auch nicht. Bei der Einreise haben sie von den Offiziellen nichts über eine Quarantäne gehört, nur die Mitarbeiterin eines Sicherheitsdienstes sprach von zwei Wochen. Es kommt niemand beim Schiff vorbei um etwa die Temperatur zu messen oder die Anwesenheit zu kontrollieren. Aber irgendwie wissen wir nicht Bescheid. Von den Offiziellen ist bisher niemand zu erreichen. Das ist alles etwas unverständlich, haben sie doch drei Wochen Quarantäne auf See hinter sich.

Es ist alles in allem erträglich. Die Regeln sind “keiner verlässt das Boot” und “keiner geht auf das Boot”. Also helfen wir etwas beim Einkaufen oder dem Transport der Schmutzwäsche zur Wäscherei. Wenn es dunkel ist, gehen sie heimlich duschen.

Brotteig rühren in Quarantäne

Jutta fragt mich, ob ich ihr zeigen kann, wie wir unseren Brotteig machen. Ich darf mich auf dem Steg neben die Chapo setzen. Jutta setzt sich neben mich und so rühren wir gemeinsam einen neuen Brotteig.

Das Backergebnis ist am Ende sehr lecker und wird von allen gelobt. Jetzt hat Jutta ein Problem weniger, denn sie weiß nun, wo sie gutes Brot bekommt.

Jens telefoniert nach Hause

Jens entdeckt Google Duo und telefoniert nach Hause. Das Produkt ermöglicht Videotelefonate mit bis zu acht Teilnehmern und läuft sogar im Marina-WLAN sehr stabil. Ich glaube, ich werde mir das auch installieren. Jens verabredet sich mit seinen Freunden zu einem virtuellen Stammtisch. Eine schöne Idee.

Dann muss ich nur noch Leute in Deutschland finden, mit denen ich mich darüber unterhalten kann. Inzwischen kann ich mich vor lauter Messengern und Telefonieprogrammen auf meinem Smartphone kaum noch retten.

Pizza

Zum Abendessen gibt es Pizza. Ein tolles Gericht. Es dauert ewig, bis der Teig gegangen ist. Es dauert ewig, bis alle Zutaten geschnibbelt sind. Es dauert ewig, bis endlich die erste Pizza aus dem Ofen kommt. Und dann dauert es wieder ewig, bis die zweite Pizza fertig geworden ist. Der Backofen ist leider so klein, dass zwei Personen so ein Backblech in fünf Minuten leer fressen. Und dann dauert es ewig, die ganze Sauerei hinterher wieder wegzuputzen. Lecker ist es sowieso.

Hotel bei Ausgangssperre

Seit ein paar Tagen gilt auf Aruba eine nächtliche Ausgangssperre. Alle Läden, Restaurants und Bars müssen um 20 Uhr schließen, ab 21 Uhr bis um 6 Uhr morgens darf niemand mehr auf die Straße. Das kontrolliert die Polizei auch gründlich, Strafen bis zu 10000 Florin (1 US$ = 1,75 Florin) oder Gefängnis drohen.

Etwas subversiv sind sie also, meine Fotos, die während des genannten Zeitraums entstanden sind.

Hauptstraße

Ich bin nur ein paar Meter vom Hotelgelände heruntergegangen. Und es war niemand da, der mich gesehen hat. Surreal ist wohl das richtige Wort.

Dem Mann auf dem Foto ist es offenbar sehr wichtig, noch einmal im Internet zu surfen. An der Stelle gibt es nämlich kostenloses Wlan. Die Strafe, die er riskiert, ist für hiesige Verhältnisse sehr, sehr hoch.

Apfelwein auf Aruba!

Heute ist ein Freudentag. Gestern kam die Chapo nach Oranjestad und es war ein Freudentag. Heute ist schon wieder ein Freudentag! Und heute geschah das Ende einer langen Geschichte.

Die Geschichte beginnt in Frankfurt. Vor fast einem halben Jahr fragte mich Stefan, ein ehemaliger Arbeitskollege, ob er uns nicht mit einer Lieferung aus der Heimat unterstützen kann. Ich habe mich darüber sehr gefreut und bat ihn um den Versand einer Palette Apfelwein. Zu diesem Zeitpunkt sind wir in Portugal gewesen und haben alle möglichen Getränke probiert, die aus Äpfeln hergestellt werden. Keines davon war nur ansatzweise vergleichbar mit einem echten, leckeren Apfelwein.

Charly übergibt den Apfelwein an mich

Als wir wieder eine gesicherte Versandadresse hatten, weil wir auf unser neues Segel gewartet haben, hat Stefan das Paket mit unserem Lieblings-Paketdienst auf den Weg geschickt. Derweil hat sich in Stade der Segelmacher an seine Nähmaschine gesetzt und eine frische Genua für uns genäht. Die Genua wurde verpackt und in unsere Marina gesendet. Irgendwann konnten wir sie in den Händen halten. In der Zwischenzeit musste DHL lediglich eine Palette Apfelwein nach Lanzarote bringen.

Wir waren dann soweit, dass wir Lanzarote verlassen haben. Leider war der Apfelwein noch nicht da, laut Tracking hat er es sich in dieser Zeit in verschiedenen schönen Lagerhallen in Spanien bequem gemacht. Jutta und Charly von der Chapo haben sich bedankenswerterweise bereit erklärt, den Apfelwein für uns abzuholen, falls er irgendwann in der Marina eintrifft, und über den Atlantik zu segeln.

Vierundzwanzig neue Freunde!

Charly konnte den Schoppen gleich am folgenden Tag im Marinabüro abholen. Wie es der Herr Murphy so wollte, kam der Äppler gleich am Tag nach unserer Abfahrt in der Marina Rubicon an. Der Äppler verschwand in den Tiefen des Ankerkastens der Chapo.

Während wir uns schon in der Karibik vergnügten, war die Chapo immer noch auf den Kanaren. Innerlich hatten wir den Äppler schon abgeschrieben, denn wir fuhren von Barbados nach St. Lucia, die Chapos von Las Palmas nach Mindelo. Sie waren tausende von Meilen hinter uns zurück. Den Karneval verbrachten Jens und ich auf Martinique. Unser Apfelwein überlebte den Karneval in Mindelo. Es ist vielleicht auch besser, transozeanische Apfelweintransporte mit Hilfe von Bayern oder Franken durchzuführen, der Apfelwein überlebt dann leichter die lange Überfahrt.

Die Chapo verließ Mindelo, wir irgendwann Martinique. Wir bummelten in Richtung Bonaire, der Insel mit den tollen Korallen unter Wasser. Unser Apfelwein war in guten Händen.

Jetzt ist wieder Apfelwein an Bord!

Dann kam die Seuche. Es wurde immer klarer, dass die Chapo nicht ihrem ursprünglichen Plan folgen könnte, ihre Anhalter auf Barbados rauszulassen und sich dann mit uns in Jamaica zu treffen. Das war nämlich Gegenstand unserer Verabredung. Wir hätten uns bei plangemäßer Fortsetzung unserer Reise auf Jamaica mit großer Wahrscheinlichkeit verfehlt.

Grenzen wurden geschlossen und Segler hatten und haben damit große Probleme. Wo einreisen, wenn das Boot in einem Hafen außerhalb der Hurrikanzone liegen soll. Welches Land nimmt noch Segelboote an. Ich witterte die Gunst der Stunde (sagen böse Zungen) und wir konnten mit Hilfe von Frau Rodrigues (Honorarkonsulin) eine Einreiseerlaubnis für die Chapo über die ansonsten geschlossene Grenze bewirken. Im Vordergrund unserer Hilfe stand selbstverständlich nur der Apfelwein. Es lag überhaupt nicht daran, dass wir innerhalb des letzten Dreivierteljahres eine gemeinsame Freundschaft entwickelt haben.

Keine Quarantäne für den Äppler. Willkommen an Bord!

Danke Stefan, dass du den Apfelwein auf die lange Reise geschickt hast. Danke Jutta und Charly dafür, dass ihr ihn auf eurer Odyssee nicht ausgetrunken habt. Danke Frau Rodriguez, dass der Äppler einreisen durfte. Zwei Dosen stehen jetzt im Kühlschrank. Wir trinken nachher auf euch alle!