Voll in die Fresse

Vor eineinhalb Wochen ist Fire Ball als Neuzugang ins Donkey Sanctuary gekommen. Er sollte in seinem Stall bleiben, bis er sich an die anderen Esel gewöhnt hat. Als einzigem echten Mann unter den Eseln wollte ihm das nicht so leicht fallen. Die anderen männlichen Esel sind alle kastriert, die Eselinnen jedoch nicht. Irgendeine Dame ist immer heiß, das spornt einen echten Mann an. Nach drei Tagen im Donkey Sanctuary ist Fire Ball aus seinem Stall ausgebrochen und hat sich mit Sicherheit bei bzw. mit den Damen vergnügt. Also ist damit zu rechnen, dass in 2022 der eine oder andere Babyesel dazu kommt. Wenn die jungen Esel nicht eingeschläfert werden müssen, weil sie aufgrund des schlechten Genpools zu gravierende Krankheiten haben. Oder weil die Babys gar nicht lebend zur Welt kommen.

Fireball am 12. Oktober, dem Tag seiner Ankunft. Das Gesicht ist vollkommen unverletzt.

Dass der Genpool der Esel in Aruba nicht besonders gut ist, liegt an jahrzehntelanger Inzucht. Nachdem das Auto auf die Insel kam, ließen die Arubaner die Esel frei. Damals tummelten sich auf der kleinen Insel ca. 1400 Esel. Die meisten wurden erschossen oder durch Autounfälle getötet. So ergab es sich, dass in den 1980er Jahren nur noch 20 Esel übriggeblieben sind. Inzwischen leben wieder ca. 180 Esel auf der Insel, dementsprechend schlecht ist der Genpool. Neue Esel sollten aus Bonaire oder Curacao kommen, Covid-19 hat diesem Bestreben erst einmal ein Ende gesetzt, hat mir Desiree erzählt.

Fire Ball hat sich äußerlich seit dem ersten Tag sehr verändert. Mein Hauptverdächtiger ist Kamino. Schon nach einer Nacht konnte man die Spuren in Fire Balls Gesicht sehen, ein Hufabdruck zierte die Fläche zwischen seinen Augen. Das habe ich leider nicht dokumentiert, dafür aber sein Gesicht, wie es am 20. Oktober aussah.

Hufspuren nach gut einer Woche im Donkey Sanctuary

Peter hat mir erzählt, dass Fire Ball am nächsten Morgen vor dem Tor zu seinem Stall stand und hineingelassen werden wollte. Er hatte nämlich Hunger und die übrigen Esel haben ihn nicht zum Futter gelassen.

Esel sind ziemlich schlau. Deswegen kann Fire Ball Kamino nicht kicken. Kamino würde niemals seinen Hals durch das Gitter von Fire Balls Stall schieben. Fire Ball wiederum bekommt offenbar immer noch nicht genug von den Tritten. Er schiebt seinen Kopf fleißig zwischen den Stäben durch. Deswegen ist er ein Opfer für Kamino.

Am 22. Oktober sind noch mehr Schrammen dazu gekommen.

In nur zwei Tagen kamen weitere Schrammen dazu. Ich denke, wenn der Esel zu seinen “Besitzern” zurückkehrt, werden sie ihn kaum wiedererkennen.

Tiger und Woods am Ankunftstag

Am Ankunftstag sind Tiger und Woods erschöpft. Nach dem Stress des Einfangens, des Transports zum Donkey Sanctuary und den ganzen neuen Eindrücken ist das gut nachzuvollziehen. Am ersten Tag hat sie ihr Baby immer vor uns beschützt. Das hat sich aber schnell geändert, Woods konnte Vertrauen aufbauen. Es ist gar kein Problem, zum Baby zu gelangen und die Wunde zu versorgen.

Tiger nach einer Woche. Mit versorgter Wunde.

Dass sich Mutter und Baby wirklich entspannen können, zeigt das nächste Foto. Es ist aus derselben Perspektive aufgenommen wie das erste Bild. Auf dem betrachten Mutter und Kind aufmerksam, was sich auf der anderen Seite ihrer Gitterstäbe tut. Nun kann ich an das Gitter treten und das Tiger bleibt sogar vollkommen entspannt auf dem Boden liegen. Das ist nicht selbstverständlich.

Tiger entspannt.

Am Dienstag macht sich Desiree Sorgen, dass Woods nicht fressen würde. Ich bekomme deswegen den dankbaren Auftrag, der Mama mit ein paar Karotten Freude zu machen. Außerdem soll ich ihr noch einige Äpfel geben.

Zuschauer, während ich Woods mit Karotten füttere.

Woods nimmt die Karotten und Äpfel gerne. Nebenan im Altersheim kommt es derweil zu Tumulten. Wie kann dieser Mensch einem einzigen Esel so viele Karotten geben, ohne dass wir etwas davon abbekommen?

Mir fällt jedoch auf, dass Woods die Karotten sehr zögerlich kaut. Die dicken Karotten kann sie gar nicht durchbeißen, wenn ich sie in der Hand halte. Das können alle Esel, die mir bekannt sind. Jeder Esel versucht, mit den Lippen so viel von der Karotte wie möglich in sein Maul zu schieben, bevor die Karotte dann geknackt wird. Woods verhält sich anders. Sie versucht, nur ein kleines Stück von der Kante abzubeißen und kaut es dann sehr langsam.

Wir versuchen alles. Wir geben alles. Warum gibst du uns nichts?

Der Niedlichkeitswettbewerb nebenan nimmt immer mehr an Fahrt auf. Es ist laut. Es ist unruhig. Ich lasse die Nachbarn natürlich nicht vollkommen leer ausgehen, einige von ihnen dürfen jedoch keine Karotten essen, weil sie nicht kauen können. Ich bedaure es sehr, diesen Eseln gegenüber bleibe ich hart.

Der Tierarzt bekommt eine Nachricht, dass er sich das Gebiss von Woods ansehen soll. Auf jeden Fall hat der Auftrag sehr viel Spaß gemacht.

Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte gib’ uns endlich auch eine Karotte

Immer wieder erreichen mich aus Deutschland Fragen, wie es um die hiesige Situation mit Covid-19 bestellt ist. Angesichts der Zahlen aus Deutschland, ist es hier geradezu paradiesisch. In den letzten sieben Tagen pendelt der Wert immer um ca. 20 Neuinfektionen am Tag. Der Höchstwert war bei 21, der niedrigste Wert bei 12. Seit dem Inkrafttreten der Ausgangssperre in der Nacht gingen die Zahlen immer weiter zurück. Gestern hat die Regierung bekanntgegeben, dass die Ausgangssperre aufgehoben ist. Statt dessen sind in der Nacht einige Zonen an den Stränden gesperrt.

Die zweite Welle hat Aruba ziemlich erwischt, zeitweise gab es täglich knapp 200 Neuinfektionen. Die Kontaktbeschränkungen durch die Ausgangssperre und deren konsequenter Durchsetzung haben meines Erachtens nach den Durchbruch gebracht.

Vorher gab es den Versuch der Sperrstunde, es gab Kontaktbeschränkungen im Alltag und die Größe von Feiern wurde begrenzt. Diese Maßnahmen alleine haben nach meiner Beobachtung keine Verbesserung gebracht. Damals sind die Zahlen immer noch gestiegen. Soweit ich es in verschiedenen Medien nachlesen konnte, steckten sich die meisten Menschen bei privaten Feiern an.

Ein Tisch voll entspannter Katzen

Ich versuche es zu machen wie die beiden Katzen, damit ich so entspannt wie möglich durch die Situation komme. Das gesunkene Infektionsrisiko trägt nicht wenig zu meiner Entspannung bei. Ich habe einen ordentlichen Vorrat an FFP2-Masken an Bord geschafft. Wer weiß, ob wir die auf den anderen Inseln bekommen können, wenn wir wieder unterwegs sind.

Bislang hat Jamaika allerdings die Insel noch nicht wieder für die Einreise kleiner Boote geöffnet. Bedauerlich.

Niedlich

Letzten Freitag war Tag des Kühlschranks. Ausmisten, abtauen, reinigen. Der Kühlschrank von Sissi hat unten leider keinen Ablauf, so dass sich im Laufe der Zeit immer mehr Wasser in der Bilge des Kühlschranks sammelt. Das will alle paar Wochen entsorgt werden, dabei darf gleichzeitig das Kühlaggregat abtauen. Es verwandelt sich innerhalb weniger Tage in einen Eisblock, der Kühlschrank funktioniert dann nicht mehr richtig. Nach nur drei Stunden ist die Arbeit getan. Zur Selbstbelohnung nehme ich einen Bus zu den Eseln, vorher lege ich noch ein paar Dosen Bier in die Kühlung.

Wir sind so niedlich.

Wenn ein Mensch mit Futter in der Hand auf die Esel zugeht, beginnt sofort der Tanz hinter dem Zaun. Die Esel drücken sich mit ihren Körpern hin und her, dabei versuchen sie aber im Gesicht so niedlich wie möglich auszusehen. Das haben sie im Laufe der Jahre gelernt. Ich finde es sehr lustig, wenn ich einen dicken, fetten Esel da stehen sehe, der mir schöne Augen macht und sagt “füttere mich, ich habe doch nichts zum Fressen”.

Niedlichkeitswettbewerb

Ich kann dazu nur sagen, dass es wirklich funktioniert. Die Besucher sehen, wie die Esel den Kopf verdrehen und dabei mit der Stellung ihrer Ohren spielen. Meist rufen sie dann “oh wie niedlich” und belohnen die Langohren dann mit den geliebten Pellets.

Grinsen

Eine weitere Stufe im Niedlichkeitswettbewerb ist das Grinsen. Ja, die Esel grinsen tatsächlich. Sie haben sich das bei uns abgeschaut. Manch ein Esel grinst immer dann, wenn ihm eine Kamera vor das Gesicht gehalten wird. Das ist ein erfolgreicher Trick, um mehr Futter zu erbetteln.

Ursache und Wirkung

Am Abend will ich ein Bier aus dem Kühlschrank nehmen. Dabei klemmt die Dose an einer scharfen Kante des Kühlaggregats fest. Echt unglücklich. Die Dose platzt, das Bier ergießt sich in die Bilge des Kühlschranks, welcher am nächsten Tag wie eine Brauerei riecht. Ich säubere den Kühlschrank noch einmal. Toll.


Von Natur aus niedlich sind natürlich Tierbabys. Tiger macht da keine Ausnahme. Ich hoffe sehr, dass sich die Anwesenheit des Babys auch in bare Münze umwandeln lassen wird. Die Besucher bleiben jedenfalls lange vor dem Stall stehen.

Tiger ist die Attraktion. Für Mensch und Esel.

Auch ich kann mich dem Zauber nicht entziehen. Immer wieder muss ich in diesen Stall, mich mit der Mutter anfreunden und dann auch mit dem Baby. Die Wunde sieht inzwischen viel besser aus, außerdem hat die Mutter ein gewisses Vertrauen zu uns gefunden. Sie lässt uns an ihr Baby, ohne es vor uns zu schützen. Das ist toll. Die Karotten, die ich ihr immer wieder mitbringe, sind sicher nicht schädlich.

Wir füttern Woods, Woods füttert Tiger.

Was hat sich in dieser Seifenoper noch getan? Fire Ball wird seinen Besitzern nach der Kastration zurückgegeben und bekommt außerdem eine Begleiterin. Dann wird es ihm in seinem neuen alten Zuhause viel besser gehen als ganz alleine. Es ist einerseits ein schöner Zug von Desiree, andererseits spart sie damit 400 US$ im Jahr für die Futterkosten ein.

Magerer Esel

Nach der morgendlichen Fütterung fällt mir am Sonntag ein Esel auf, der sich gar nicht für das Futter zu interessieren scheint. Das ist immer ein schlechtes Zeichen. Nella und ich versuchen, den Chip des Esels zu lesen, der hat aber keine Lust dazu. Also versuchen wir, ihn einzufangen. Der Esel hat aber keine Lust. Statt dessen steht er die ganze Zeit vor dem Gehege, in dem die alten Esel leben. Optisch passt er prima in die Gruppe. Erst am Nachmittag gelingt es Anneke, den Chip zu lesen. Dabei wird klar, dass die Dame in dem Gehege fehlt. Kurz vor der zweiten Fütterung gelingt es Anneke, mit dem Esel in das Gehege zu laufen. Der Esel ist übrigens eine Dame, ihr Name ist Orchid.

Morgen ist wieder Eseltag. Heute ist wieder Putztag. Die Insel ist mal wieder sehr staubig, der Staub setzt sich überall im Boot ab.

Ein Babyesel!!!

Einen Tag nach der Ankunft von Fire Ball komme ich zu meiner üblichen Schicht am Dienstagnachmittag. Ich bin früh dran, denn ich will noch ein paar Videos von Fire Ball aufnehmen. Dabei erfahre ich, dass Desiree schon wieder unterwegs ist, um einen verletzten Esel einzusammeln. Derweil kümmere ich mich um Fire Ball, der mit Kamino wohl noch die eine oder andere offene Rechnung hat. Einerseits sind die beiden so ähnlich, als seien sie Brüder. Diva ist heiß, Kamino kann sie nicht befriedigen und Fire Ball kann sie nicht erreichen. Spannend.

Telefonisch erfahren wir, dass nicht der verletzte Esel, sondern eine Eselmama mit ihrem Baby an Bord sind. Da die Esel im Donkey Sanctuary alle kastriert sind, gibt es dort nur Babys, wenn sie aus San Nicolas von der dortigen “frei” lebenden Eselpopulation kommen. Wir warten gespannt.

Stimmen am Eingangstor machen dem Warten ein Ende. Anneke, Jutta und ich öffnen das Tor zum inneren Stall, Desiree lenkt das Gespann ans Ziel. Es wird spannend. Was erwartet uns im Inneren?

Die Esel sind nun am Ziel.

Während Anneke, Jutta und Desiree den Anhänger öffnen, filme ich das Geschehen mit der Kamera. Vicky und Finn sind gemeinsam mit den beiden Eseln mitgefahren.

Der erste Blick auf die beiden Neuen

Es ist ja nicht so, dass das Gaffen den Menschen vorbehalten ist. Ob es sich um einen Unfall auf der Autobahn oder einen Brand im Haus des Nachbarn handelt, immer werden sich neugierige Augen finden. Wenn ein neuer Esel mit dem roten Anhänger kommt, findet sich auch eine neugierige, gaffende Meute. Der einzige Unterschied ist, dass Esel keine Smartphones besitzen. Sonst würden sie filmen.

Gaffende Meute vor dem Tor

Mit viel Gefühl motiviert Vicky die Mutter, den Anhänger zu verlassen. Dabei schubst die Mutter wiederum ihre kleine Tochter vor sich her. Alles geschieht ohne Hast. Die Mutter will ihr Baby beschützen und hat gleichzeitig eine gehörige Portion Angst.

Vicky mit den Damen

Während die erwachsenen Esel bei der Fütterung versuchen, den Besuchern ein möglichst süßes Gesicht zu zeigen, hat das ca. zwei Monate alte Eselbaby das noch nicht gelernt. Sie ist von Natur aus süß, wie kleine Kätzchen oder niedliche Hundewelpen.

Mein Name ist Tiger

Ich muss noch mehr über die Umstände herausfinden, unter denen die beiden eingefangen wurden. Ich tippe auf einen Bezug zu einem Golfplatz. Der Esel von der Feuerwache heißt schließlich Fire Ball. Kamino wurde auf der Straße gefunden, Kamino bedeutet Straße auf Spanisch. Die Namen werden nach den Umständen des Funds ausgewählt. Mit den Namen Tiger und Woods für die beiden Esel kann ich mir nichts anderes vorstellen.

Tiger und Woods und die gaffende Meute

Wir haben einen auch für kleine Esel ausbruchssicheren Stall frei gemacht und nach kurzer Motivation mit einer Mohrrübe laufen Tiger und Woods in ihr vorläufiges Heim.

Tiger und Woods an ihrem Ziel

Zwei Wochen wird es wohl dauern, bis das Kennenlernen mit den anderen Eseln abgeschlossen ist. So wurde es mir für Fire Ball erklärt, das wird wohl mit Woods nicht anders sein. Die kleine Tiger hat eine Verletzung, die eigentlich behandelt werden müsste. Wir können aber nicht an sie heran kommen, die Mutter vertraut uns verständlicherweise noch nicht. Da können wir noch so viele Karotten haben.

Verletzung von Tiger, die gereinigt werden müsste

Am späten Nachmittag konnte ich noch ein kleines Video aufnehmen, wie Tiger von ihrer Mutter gesäugt wird. Schreibt man das eigentlich so? Zusammen mit den anderen Videoschnipseln der Ankunft habe ich das auch in bewegten Bildern zusammengeschnitten.

Nach der Aufregung um die Ankunft kommt noch eine weitere Aufregung. Ein paar Arubaner sind gekommen, um sich aufzuregen. Der gestern eingesammelte Fire Ball und Kontrahent von Kamino ist ein Esel aus Privatbesitz. Die Eigentümer wollen ihn wieder haben. Damit hat Desiree überhaupt kein Problem. Sie werden ihn in etwa vier Wochen zurück bekommen. In zwei Wochen wird er kastriert, danach besteht keine Gefahr mehr, dass er von seinen Eigentümern zu Zuchtzwecken benutzt wird.

Wehmut

Heute ist vermutlich der vorerst letzte Tag, an dem ich meine Eselskarre zur Verfügung habe. Deswegen fahre ich zum Geschäft für Bootszubehör und informiere mich über das vorhandene Antifouling. Das ist die Farbe, mit der Boote von unten gestrichen wird, damit kein Bewuchs auftritt. Diese Aufgabe steht Jens und mir nächsten Monat noch bevor, denn der letzte Anstrich war vor zwei Jahren. Es sieht von unten nicht mehr schön aus. Ich muss die Farbe nicht sofort kaufen, die ist immer vorrätig. Ich kann abwarten, ob einfaches Überstreichen oder eine komplette Erneuerung mitsamt Grundierung notwendig sein wird.

Meine Zeit auf Aruba geht absehbar dem Ende zu. Damit auch die Zeit im Donkey Sanctuary. Am vergangenen Wochenende war ich zum letzten Mal als Urlaubsvertretung im Einsatz.

Morgenstunde

Die Morgenstunde hat ihren ganz eigenen Zauber. Vor der morgendlichen Fütterung ist es ganz still. Nur die Pfaue machen ihre eigenartigen Geräusche. Ich bin etwas zu früh dran und warte mit dem Start der Fütterung auf Paul. Paul will mich am Morgen unterstützen, weil er bislang immer nur am Nachmittag im Einsatz war. Die Fütterung am Morgen unterscheidet sich in Nuancen von der am Nachmittag. Zusätzlich zum Heu gibt es noch die bei den Eseln so beliebten Pellets.

Die Uhr tickt. Je näher die magische Zeit 9 Uhr kommt, desto unruhiger werden die Esel. Warum fängt dieser Mensch nicht endlich mit der Fütterung an?

Wasserhäuschen

Mir fällt auf, dass einige Esel unmotiviert um das Wasserhäuschen herumstehen. Der Frankfurt assoziiert wahrscheinlich jedes Getränk außer Wasser mit dem Begriff, hier ist er aber wörtlich zu nehmen. Der Trinkbrunnen ist komplett trocken, als hätten die Esel ihn ausgeleckt. Haben sie wahrscheinlich auch. Ich öffne den Wasserhahn und obwohl die Esel das spritzende Wasser überhaupt nicht mögen, fangen die ersten an zu trinken.

Prost!

Paul ist pünktlich und wir starten die Vorbereitungen. Wie immer wird der Vorgang von den drei- bis vierbeinigen Protagonisten mit Lauten untermalt. Zum normalen Blöken kommt ein Knurren, wie man es sich bei hungrigen Hunden vorstellen könnte. Wir füllen Proteinwürfel in Eimer und weichen diese in Wasser ein. Das ist das Futter für die zahnlosen, alten oder mageren Esel, die zusammen das Altersheim bewohnen. Dazu kommen am Morgen noch die Pellets. In dem Augenblick, in dem ich die Tonne mit den Pellets öffne, ist die Unruhe unter den Eseln am größten, ihr Lärm am lautesten. Ich liebe es, die Pellets vor ihren Augen in die Eimer rieseln zu lassen. Anschließend bekommen die inzwischen randalierenden Zuschauer ihre eigenen Pellets. In Sekundenschnelle kehrt Ruhe ein, immer nur kurz unterbrochen von knurrenden Geräuschen und dem dumpfen Einschlag von Hufen in den Bauch des fressenden Nachbarn. Anschließend holen wir das Heu.

Mittagsruhe

Es kommen über den Vormittag nur wenige Besucher. Die Insel ist ganz und gar nicht ausgelastet. Das merkt das Donkey Sanctuary natürlich auch. Paul und ich unterhalten uns. Die Besucher können sich der ungeteilten Aufmerksamkeit der immer hungrigen Langohren sicher sein. Ich bin immer etwas traurig, wenn die Besucher wieder gehen, ohne vorher die Esel gefüttert zu haben. Damit haben sie das Beste verpasst.

Ninja und der Hufschmied

Ninja bekommt Besuch vom Hufschmied. Dafür habe ich ihn am Vorabend schon von seiner Gruppe getrennt. Der Schmied muss alle vier Hufe bearbeiten. Das mag Ninja überhaupt nicht. Er kickt sogar in meine Richtung, als ich ihm das Halfter anlege, streift mich jedoch nur. Ich bin nicht so blöd, direkt hinter dem Esel zu stehen. Dann gebe ich ihm noch ein Stück Karotte, was die Esel draußen unglaublich eifersüchtig macht. Esel sind in etwa so neugierig wie die Nachbarn in einer Reihenhaussiedlung. Mit Ninja tauschen würden sie sicher nicht wollen, die Karotte würden sie aber niemals ablehnen.

Pediküre

Das alles wird mir fehlen, wenn Jens und ich Sissi in Richtung unseres nächsten Ziels steuern bzw. die Windfahne bei dieser Tätigkeit überwachen. Die Esel, die Katzen, die Menschen und dieser unglaublich entspannende Ort. Ohne das alles hätte ich die vergangenen Monate wahrscheinlich nur mit einem Dachschaden überlebt. Mit Hilfe der Esel konnte ich mir meine geistige Gesundheit erhalten. Im Souvenirshop gibt es übrigens Kacheln zu kaufen, auf denen die Worte “My therapist eats hay” zu lesen sind. Mein Therapeut isst Heu.

Die Geschichte der Esel auf Aruba kenne ich inzwischen in- und auswendig. Nicht alle Besucher wollen sie hören. Wenn ich sie komplett erzählen darf, kann ich anschließend meist auch höherpreisige Souvenirs verkaufen, etwa die Delfter Kacheln.

Wahrscheinlich kann ich diese Geschichte in 20 Jahren noch erzählen. Faszinierend ist die Aufmerksamkeitsspanne, die sich bei US-Amerikanern und Europäern stark unterscheidet. Für die Amerikaner breche ich die Geschichte in kleinere, leichter verdauliche Häppchen auf. Die brauchen immer ein paar Minuten, bis ich dann weitermachen kann. Neulich war ein Franzose zu Besuch, ich war entsetzt wie eingerostet mein Französisch inzwischen ist. Es hat aber funktioniert, mit Französisch und Deutsch für den Besucher aus Straßburg.

Spezialisten in Sachen Entspannung und immer streichelbar

Es wird wohl eine Weile dauern, bis der Geruch von Esel aus dem Boot verschwunden sein wird. Ein Besucher meinte neulich zu mir, dass es bei mir nach Esel riecht. Das finde ich gar nicht schlimm. Ich kann Esel nicht mehr riechen. Für mich riechen sie neutral. Mal abwarten, was Jens dazu sagen wird.

Wenn ich die Zahl der Beiträge betrachte, die ich in den letzten Tagen geschrieben habe, merke ich, dass ich nicht mehr ausgelastet bin. Mit etwas Glück glaubt Desiree noch ein paar Wochen lang, dass der Chinese ihr helfen möchte. Dann kann ich das Auto vielleicht behalten. Dann muss ich nämlich täglich ins Donkey Sanctuary und Software, Firmware oder irgendwelche Stellungen von winzigen Potentiometern verstellen. Herrlich aussichtslos.

Mein Name ist Fire Ball

Eigentlich wollte ich nur kurz im Donkey Sanctuary vorbeischauen, weil Desiree ein Problem mit ihrem Computer und einer Laser-Graviermaschine aus China hat. Über diese Maschine werde ich demnächst auch noch ein paar Worte fallen lassen.

Seit ein paar Wochen versuchen wir dieses Gerät in Betrieb zu nehmen. Vergebens. Es ist ein Hardwaredefekt, der Hersteller meint jedoch, es läge an der Software. Die Maschine hat drei Schrittmotoren. Einer davon ist defekt, zwei funktionieren hervorragend. Wenn ich einen der funktionierenden Motoren gegen den defekten Motor tausche, wandert der Defekt mit.

Meine Vermutung ist, dass Desiree mit einem chinesischen Kundenvertröstungs-WhatsApp-Account chattet. Von dort bekomme ich jeden Tag vollkommen aussichtslose Anweisungen, die ich ausführe, die aber wirkungslos bleiben. Doch zum Thema. Wir haben einen neuen Esel.

Fire Ball. Ankunft im Donkey Sanctuary am 12. Oktober 2020

Desiree erhielt gestern früh einen Anruf, dass ein Esel in der Nähe einer vielbefahrenen Straße sei. Mit Hilfe der Feuerwehr und der Polizei von gelang es, den Esel einzufangen. Vorschläge für den Namen waren somit Sheriff und Fire Ball, eine Umfrage unter drei zufällig anwesenden Volunteers ergab dann Fire Ball als Namen. Eine solche Gelegenheit ist natürlich toll.

Bis der neue Esel kastriert ist, muss er in seinem kleinen Stall alleine ausharren. Deswegen kommt der Kontakt zu den anderen Eseln nicht zu kurz. Die sind nämlich ziemlich neugierig, wer da angekommen ist. Eine lange Prozession von Eseln führt am Stall vorbei.

Man beschnuppert sich.

Die neue Situation ist für Fire Ball noch ziemlich ungemütlich. Nach einem Leben in Freiheit ist er plötzlich ein einem winzigen Stall untergebracht. Auch wenn er eine riesige Menge Heu zur Verfügung hat, er knabbert immer nur ein paar Halme. Als wäre es ein Verbrechen, ein Esel zu sein. Dabei war es nur zu seinem Schutz. Es wird ihm sicher besser gehen, wenn er gemeinsam mit den anderen Eseln über das ganze Gelände toben kann.

Immerhin gibt es genug Nachbarn, die man kennenlernen kann. Und alle stecken ihre Nase rein, um den Neuen zu beschnuppern.

Es scheint allerdings, dass Fire Ball schon einen alten Bekannten getroffen hat. Vielleicht haben die beiden früher den einen oder anderen Streit ausgefochten. Vielleicht sind sie Geschwister. Der letzte Neuzugang vor Fire Ball war Kamino im August 2019. Damals ist der Aufenthalt an der Straße nicht so glimpflich abgegangen.

Anneke hat mir erzählt, dass Fireball sofort zu Kamino gelaufen ist, als sie ihn abgeladen haben. Die beiden haben sich auch einiges zu erzählen.

Überhaupt ist es an diesem Morgen sehr laut im Donkey Sanctuary. Jeder Esel der stolz auf seine Identität als Esel ist, beteiligt sich an dieser Unterhaltung.

Kacheln

Den letzten Beitrag über Kacheln habe ich in Portugal geschrieben. Dort gibt es viele gekachelte Hausfassaden, oftmals kleine Kunstwerke. Im Inneren des Besucherzentrums im Donkey Sanctuary ist eine Wand mit Kacheln bedeckt.

Kacheln. Gespendet zum Wohle der Esel.

Es sind Kacheln aus Delft in den Niederlanden. In den vergangenen Jahren wurden sie für 60 US$ pro Stück an die Besucher verkauft. Für die letzte Lieferung hat sich der Hersteller jedoch so viel Zeit gelassen, dass die Spender ärgerlich wurden. Auch Desiree hat sich geärgert – und zwar zweimal. Das zweite Mal bei der Lieferung, denn es hat sich herausgestellt, dass 60 Kacheln fehlen, um das Muster zu vervollständigen. Oder besser gesagt, der Hersteller ist dem Muster nicht gefolgt. Auf jeden Fall versuchen wir nun händeringend, diese 60 Kacheln an die Besucher zu bringen.

Inzwischen kann ich das auch ganz gut. Wenn ich einen Besucher am Haken habe, kann ich in vielen Fällen eine Kachel verkaufen. Das Problem an der Sache ist, dass nicht genug Besucher kommen. Gestern kam mir dann eine Idee:

Hier fehlt noch etwas…

Liebe Leserin, lieber Leser, wenn du eine Kachel haben möchtest, ist das kein Problem. Die 60 US$ entsprechen etwa 50 €. Ich kann das gerne vermitteln, es sind noch 30 Kacheln übrig. Die Produktion kann nämlich erst starten, wenn alle Kacheln verkauft sind.

Es ist okay…

…wenn du am Morgen mit nassen Füßen aufwachst und schleunigst die Luke über dem Bett schließen musst. Es ist draußen finster und Starkregen fällt über Oranjestad. Das alles entwickelt sich mehr und mehr zu einer Gewittershow, Blitze zucken über den Hafen, ohne merkliche Zeitverzögerung scheppern die Donnerschläge und werden von den Kreuzfahrtschiffen noch reflektiert. Mein Blick fällt auf einen Datenträger, den ich neulich erst aus seiner Schutzhülle befreit habe. Normalerweise liegt die Festplatte eingewickelt in Alufolie in einem Schrank. Leider vergesse ich immer wieder, neue Alufolie zu kaufen. Deswegen liegt sie auf dem Salontisch. Sicherheitshalber kommt sie in den Backofen. Dort ist sie auch in einem faradayschen Käfig. Einige Minuten später lege ich mein Ölzeug an, laufe zu meiner Eselskarre und fahre zu meiner Schicht ins Donkey Sanctuary.

Sunchi an der Kasse

Dort kümmere ich mich um die Fütterung und die Versorgung von Sonic. Anschließend kommt eine Nachricht von Desiree, dass sie aufgrund des Wetters heute nicht mit Besuchern rechnet und ich wieder schließen soll. Nachdem ich das letzte Schloss abgeschlossen habe, kommen die ersten Besucher. Ich verkaufe ihnen noch etwas Futter. Nur Bargeld, die Kreditkartenmaschine ist weggeschlossen. Kein Problem, ich bekomme sogar noch eine Spende von 20 US$.

Diese Esel betteln. und drängeln extrem….

Der nächste Tag bringt wieder besseres Wetter. Außerdem habe ich mal wieder ein paar Karotten im Gepäck. Ich vergnüge mich damit, den Eseln immer mal wieder eine Karotte zu zeigen, ihrem Gedrängel zuzusehen und dann irgendwann die Karotte an einen dürren Esel zu verfüttern. Die Dürren sind niemals die, die genau vor der Karotte stehen. Die dicken Esel sind auch immer die, die die besten Bettelgesichter machen können. Manche grinsen sogar.

Die klugen Tiere haben gelernt, wie sie die Besucher motivieren können, die Karotten oder Pellets genau vor ihre Nase zu halten. Sie können “süß” gucken, bewegen dabei die Ohren und drehen ihren Kopf.

…denn Karotten sind ihr Leibgericht.

An meinem freien Montag komme ich ganz besonders ins Schwitzen. Endlich finde ich die Wasserpumpe und kann einen Austausch durchführen. Ich fluche über die Enge im Maschinenraum. Ich fluche über den Einbauort des Watermakers, der es unmöglich macht, mit zwei Händen an die Arbeit zu gehen.

Nach einer Stunde ist die alte Pumpe mitsamt alter Elektronik entfernt. Ich ändere gleichzeitig die Farbe des Stromkabels von blau/gelbgrün auf rot/schwarz. Manchmal frage ich mich schon, was den Vorbesitzer geritten hat. Er hatte wahrscheinlich keine roten und schwarzen Kabel mehr. Provisorisch verdrahtet nimmt die Pumpe nach drei weiteren Stunden Fummelei ihre Arbeit auf. Noch mit fliegender Verdrahtung, dafür aber erstaunlich geräuscharm.

Neue Wasserpumpe. Noch fliegend verdrahtet. Superleise.

Ich freue mich sehr über die Pumpe, die ich in Martinique erworben habe. Glücklicherweise. Hier in Aruba kostet die gleiche Pumpenleistung den doppelten Betrag. Bei geschlossener Tür zum Maschinenraum hört man die Pumpe im Salon schon fast nicht mehr. Sie ist so leise, dass mir der tropfende Wasserhahn an der Spüle nicht auffällt. Bei der alten Pumpe konnte man das Anlaufgeräusch nicht überhören, auch die Vibrationen waren im ganzen Boot spürbar.

Ich habe noch ein paar Brötchen für das Abendessen übrig. Die sind aber schon ziemlich weich. Brötchen sind auf Aruba eigentlich schon beim Verkauf weich. Das liegt sicher an der hohen Luftfeuchtigkeit. Also werfe ich den Backofen an, um die Brötchen kross zu backen. Dafür halte ich sie kurz unter den Wasserhahn, lege sie anschließend in den vorgeheizten Backofen.

Es ist okay, wenn du beim Prüfen der Backofentemperatur den Zeiger des Thermometers knapp unter 100°C findest. Zum Glück nutze ich die Taschenlampe, um das Thermometer abzulesen. Dabei fällt mir die Festplatte auf. Ich nehme sie aus dem Ofen, der Kunststoff des Gehäuses hat noch nicht angefangen zu schmoren.

Festplatte. Medium rare.

Vier Terabyte passen in dieses kleine Gehäuse, der Datenträger ist zu 75% voll. Es ist echt voll okay, wenn du am nächsten Tag merkst, dass du mit dem Schrecken davongekommen bist. Die inzwischen wieder auf Zimmertemperatur abgekühlte Festplatte hat ihren Inhalt nicht vergessen und arbeitet so langsam wie früher. Heute werde ich Alufolie kaufen.

In Sachen Covid-19 geht es immer weiter in die richtige Richtung. Die vor ein paar Wochen verschärfte Ausgangssperre wird wieder gelockert. Statt ab 22 Uhr gilt sie ab heute wieder von Mitternacht bis fünf Uhr morgens. Die Zahl der Neuinfektionen ist rückläufig, in den letzten Tagen war sie unterhalb von 20. Ebenso die Gesamtzahl der erkrankten Menschen, die ist wieder unterhalb von 500. Ich hoffe die Lockerung kommt nicht zu früh.

Unfallflucht

Diesen Zettel fand ich am Scheibenwischer meiner Eselskarre. Ein weißer Mitsubishi Lancer mit der (von mir teilweise geschwärzten) Nummer 29xx8. hat den Pickup unten links touchiert und ist davongefahren. Einen Schaden kann ich zuerst gar nicht finden.

Die weißen Spuren sind vom Unfall

Desiree hat entschieden, die Sache nicht weiter zu verfolgen. Es lohne den Aufwand nicht. Der Meinung bin ich auch und treffe beim nächsten Ausparken erst einmal einen Betonpfeiler, der sich unterhalb der Sichtlinie über die Heckklappe versteckt hat. Es ist kein Schaden am Betonpfeiler entstanden. Der neue Kratzer am Auto fällt unter den anderen Kratzern nicht auf. Ich kann ihn jedenfalls nicht finden. Es ist okay.

Urlaub

Peter hat Urlaub, zum ersten Mal in diesem Jahr. Er kann dieses Jahr zwar nicht die Insel verlassen, genießt den Urlaub jedoch gemeinsam mit seiner Frau. Peter hat sogar noch Urlaubstage vom letzten Jahr übrig. Desiree war in den vergangenen Wochen schwer erkrankt, sie ist erst seit Anfang dieser Woche wieder im Donkey Sanctuary. Sie kann derzeit nur halbe Tage arbeiten. Was hat das mit diesem Blog und mit mir zu tun?

Ich habe für zwei Wochen die übrig gebliebenen Schichten übernommen. Neben viel Arbeit und wenig Freizeit bekam ich immerhin einen Dienstwagen, um nicht auf die – ähm – nicht ganz so zuverlässigen Busse angewiesen zu sein. Mit dem Dienstwagen kann ich in 20 Minuten im Donkey Sanctuary sein. Manchmal warte ich eine halbe Stunde, bevor ich überhaupt den ersten Bus sehe, der mich zu den Eseln bringen kann. Das erleichtert mir das Leben sehr. Allerdings bin ich nach manchmal sieben Stunden Arbeit auch ziemlich erschöpft. Darunter leidet das Blog.

Eselskarren mit Heu in Niger (Quelle: Wikipedia)

Nein, so ein Dienstwagen ist es dann doch nicht geworden. Der Eselskarren hat auf Aruba ausgedient, seit es die Autos auf die Insel geschafft haben. Von knapp 2000 Eseln auf Aruba haben in den 1970er Jahren nur etwa 20 überlebt. Die anderen wurden meist erschossen und ins Meer geworfen.

Dienstwagen

Außerdem vereinfacht die Möglichkeit zur privaten Nutzung das restliche Leben sehr. Zum Superfood fahre ich nun in 10 Minuten anstatt eine Stunde dafür in Bussen und an den Haltestellen zu verbringen. Und je mehr Diesel ich verbrauche, desto besser ist es für mich. Das gibt mir die Möglichkeit, den teilweise noch aus Holland mitreisenden Diesel in den Reservekanistern loszuwerden. Wenn der Diesel schlecht ist, bleibt das Auto schlimmstenfalls stehen. Fällt auf See der Motor aus, ist es nicht so lustig. Ich muss 100 Liter Diesel loswerden. Wie soll ich das auf dieser kleinen Insel nur schaffen?

Sunchi und Shrimp in typischer Position. Absolut streichelbar.

Sunchi heißt auf Papiamento übrigens Kuss. Hinsichtlich Covid-19 entwickelt sich die Situation langsam aber stetig zum Positiven. Die Zahl der aktiven Fälle ist seit ein paar Tagen unterhalb von 1000, sie geht jeden Tag weiter nach unten. Die Zahl der Neuinfektionen ist noch im Bereich von 30 bis 40 pro Tag. Vor zwei oder drei Wochen waren es ständig über 100, am schlimmsten Tag fast 200. Die seit dem 18. September ab 22 Uhr geltende Ausgangssperre scheint ihre Wirkung zu zeigen.

Die Ausgangssperre ist ganz praktisch. Ich verleihe gerne meine Zimmerkarten vom Hotel an meine arubanischen Freunde. Die fahren damit auf die Flamingoinsel, schmuggeln ihre Mahlzeit und ihre Getränke an den Strand und konsumieren nichts vor Ort. Sie genießen den stillen Luxus, den sie sich sonst nie leisten könnten. Ein Besuch auf der Insel kostet über 100 US$. Wenn sie mir die Karten zurückbringen, bleiben sie gerne noch auf ein oder zwei Bier bei mir an Bord. Sie würden auch für drei oder vier Bier bleiben, doch die Ausgangssperre setzt dem zuverlässig Grenzen.

Sunchi und Shrimp in typischer Position. Immer noch streichelbar.

Ich bin also für sechs Tage in der Woche bei den Eseln – das gilt zumindest für diese und die kommende Woche. Dann ist Peter wieder zurück und alles wird normal. Nebenbei habe ich einen Krantermin für Sissi vereinbart. Eine Woche nach Jens’ Rückkehr nach Aruba. Steht Sissi dann an Land, können Jens und ich als Belohnung für die Arbeit das Appartement im Donkey Sanctuary nutzen.

Urlaubstipp: Drei Wochen im Donkey Sanctuary Aruba wohnen und in jeder Woche 20 Stunden mithelfen. Dafür ist die Unterkunft dann kostenlos und der Dienstwagen steht zur Verfügung. Es gibt keine günstigere Möglichkeit, auf Aruba Urlaub zu machen.

Das können nur Katzen

Manchmal kommt einem dann noch wie vorgestern ein Esel in die Quere und stemmt sich mit seinen vier Beinen energisch gegen meinen Feierabend.

Vorgestern Abend war ich auf dem Weg zu meiner Eselskarre. Ich sah einen Esel auf dem Boden liegen. Sein Name ist Sonic. Die anderen Esel in der Gruppe waren genüsslich am Kauen. Ein absolut untypisches Verhalten für einen Esel und ein Alarmzeichen. Desiree und ich brachten Sonic in die “Krankenstation”. Ein Weg von etwa 100 Metern vom Parkplatz über das Gelände. Er wollte sich nicht von seinem Gehege, von seinem Heu und von seinen Kollegen trennen lassen. Desiree hat ihn vorne am Halfter ermutigt, ich habe von hinten geschoben wie ein Wahnsinniger. Sonic stemmte sich mit allen Vieren gegen den Umzug. Nach einer halben Stunde war das Eselchen, wahrscheinlich der kleinste der Esel im Donkey Sanctuary am neuen Wohnort. Ich möchte nicht wissen, was es heißt, einen der großen und fetten Esel zu schieben.

Sonic

Auch den gestrigen Tag verbrachte er meist auf dem Boden liegend. Leider ist der übliche Tierarzt nach einer Covid-19 Infektion und zusätzlich aus einem anderen Grund noch nicht wieder verfügbar. Die Ersatz-Tierärztin hat Desiree lediglich eine WhatsApp geschickt, ist aber bislang nicht gekommen. Leider besteht Unklarheit über das Medikament.

Und dann wäre da noch die Druckpumpe für das Trinkwasser an Bord. Die nervt mich seit zwei Wochen damit, dass sie Luft zieht. Wenn ich ein paar Stunden kein Wasser gezapft habe, benimmt sie sich als wäre der Trinkwassertank leer gewesen. In der Leitung zwischen dem Wassertank und der Pumpe befindet sich mehr und mehr Luft.

Druckpumpe nervt

Mein erster Verdacht war, dass ein Leck im Schlauch zwischen dem Tank und der Pumpe sein könnte. Also habe ich den Salon von Sissi größtenteils zerlegt, um die gesamte Leitung überprüfen zu können. Dabei ist mir keine Undichtigkeit aufgefallen. Die gesamte Leitung ist trocken. Staubig und trocken. Also kommt nur die Pumpe in Frage.

Zum Glück habe ich in Martinique eine Ersatzpumpe gekauft. Die möchte aber noch eingebaut werden. Das kann ich nur an einem Tag ohne Esel. Außerdem möchte sie noch gefunden werden. Sie ist nicht dort, wo Jens und ich sie vermutet haben.

Statik

Nach einem halben Jahr auf Aruba wollte ich heute an dieser Stelle verkünden, was mir wirklich auf dieser Insel gefällt und was mich ungemein nervt. Statt dessen mache ich erst noch einen kleinen Ausflug ins Donkey Sanctuary. Dort steht seit ein paar Tagen ein Sinnbild dessen, was ich an der Insel liebe und was mir echt auf den Keks geht. Den anderen Beitrag bereite ich vor und werde ihn in naher Zukunft veröffentlichen.

Besucherin füttert die Esel unter dem neuen Dach

Gestern erreichte mich eine Email von Claudia, die auf Lanzarote am selben Steg wie ich lag. Sie ist vom Fach und Stammleserin meines Blogs und hat auch den Beitrag zum Dach bzw die Bilder des Dachs gesehen:

Das Foto zeigt keine Queraussteifung der Konstruktion. Eventuell ist dies auch nicht sichtbar. Das jedoch extrem wichtig um die Konstruktion standsicher zu machen. Hat da ein Statiker drauf geschaut?

Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht. Immerhin wurde der Sonnenschutz von einer Fachfirma gebaut. Die Fahrzeuge und die Arbeitskleidung der Dachdecker waren ganz offensichtlich von einem Dachdeckerbetrieb.

Dann habe ich mir das Dach noch einmal genauer angesehen. Irgendwie sieht die Konstruktion schon komisch aus. Ich suche nun aktiv nach problematischen Stellen:

Die neuen Stützen werden einfach auf die alten Stützen gesteckt und verschraubt.

Die Holzkonstruktion ruht auf neun stählernen Stützpfeilern. Die Stützpfeiler stehen auf Beton und sind unten mit jeweils zwei Schrauben an die ehemaligen Zaunpfähle geschraubt.

Während des Baus kam mir das verdächtig vor. Ich fragte einen der Dachdecker, wie das im Wind halten soll. Das sei kein Problem, man würde dieses Problem über die Dachkonstruktion lösen. Okay, sie haben daran gedacht. Danach machte ich mir gar keine Gedanken mehr und schickte das auch an Claudia. Sie antwortete:

Wenn das Dach als massive Scheibe oder mit Queraussteifung ausgeführt ist, könnte es gehen. Habe es als meine Pflicht gesehen, das anzusprechen. Es werden ja manchmal abenteuerliche Dinge gebaut!

Diese Latte liegt ziemlich hoch. Genau wie die Latten des Dachs. Das ist ein schöner Windfang. So richtig steif sieht es auch nicht aus.

Das Dach

Oben sind die Pfeiler mit jeweils zwei Schrauben an den großen Dachbalken befestigt. Die Schrauben sind ca. fünf Zentimeter lang. Wir finden ständig noch welche auf dem Boden. Die Esel könnten sich ihre Hufe daran verletzen.

Jeweils zwei fünf Zentimeter lange Schrauben halten das Dach fest.

Das untere Ende der Dachpfeiler ist ja bekanntermaßen an die alten Zaunpfähle geschraubt. Ich habe keine Ahnung, wie tief die im Boden verankert sind, vermute aber, dass sie einfach nur im Beton stecken.

Bei mehreren Pfeilern bröselt der Beton

Oben zwei Schrauben, unten zwei. Dazu ziemlich viele Quadratmeter Dachfläche. Wir wissen von unseren Segelbooten, dass der Wind nicht zu unterschätzen ist. Reffen kann man das Dach nicht, also muss es auch größere Windmengen verkraften können. Die Verbindung der neuen Dachkonstruktion mit der vorhandenen sieht auch ziemlich wackelig aus.

Verbindung der neuen mit der alten Dachkonstruktion

Okay. Beim näheren Hinsehen ist die Konstruktion vielleicht wirklich etwas fragil. Danke, Claudia!

Ich habe alle Informationen an Anneke und Jaqueline weitergegeben. Sie sind ebenfalls der Meinung, dass noch nachgebessert werden muss. Leider ist die Kasse leer. Das Baumaterial hat etwa 5000€ gekostet. Ab November soll es wieder viel Wind und Regen geben, bis dahin sollte eine Lösung gefunden sein.

Ich will mich mal ganz mächtig strecken

Sicherlich wird die Lösung kommen, auf Aruba kommt immer irgendeine Lösung irgendwie und irgendwann. Mich nervt manchmal ziemlich, dass die Arbeiten lediglich bis zu einem Fortschritt von 75% oder 80% ausgeführt werden. Die Geschichte mit dem Meisterzwang in Deutschland ist meiner Meinung nach ziemlich vernünftig.

Das sehe ich auch in der Marina an verschiedenen Stellen. Dann enden sie einfach. Mein Nachbar Brian hat sein Boot von innen schleifen und neu lackieren gelassen. Er hat dann noch drei Tage nachgeschliffen und selbst lackiert, denn das Boot soll in den Verkauf gehen und gut aussehen, die arubanischen Qualitätsansprüche sind andere. Bei Johnny ist immer die Sicherung rausgeflogen, weil die Stromsäule einen Defekt hat. Die Säule wurde nicht repariert, Johnny hat eine neue Steckdose an einer anderen Säule bekommen.

Sweety kümmert sich nicht um Statik, liegt aber sicherheitshalber unter einem massiven Stuhl.

Für die meisten Liegeplätze in der Marina wurden Mooringbojen gesetzt. Nur für meinen nicht. Da sollte auch eine hinkommen, nun liegt dort aber meine Ankerkette im Weg. Ich würde die Kette gerne gegen eine Boje tauschen, dann ist das Ein- und Ausfahren viel einfacher. Leider hat sich die Marina nun dafür entschieden, auf meine Abreise zu warten, bis die Arbeiten fortgesetzt werden. Oder so. Die versprochene Boje fehlt jedenfalls noch. Vielleicht ist es auch besser so, meinem Anker und der Kette vertraue ich zu 100%.

Wasseranschluss: Kunsthandwerk oder Handwerkskunst?

Am Schluss dieses Beitrags stelle ich fest, dass ich jetzt doch schon darüber geschrieben habe, was mich auf dieser Insel unglaublich nervt. Also werde ich mich im nächsten Blog auf die positiven Aspekte konzentrieren. Das macht auch viel mehr Spaß.


Nach dem Gespräch über das neue Dach erzählte man mir noch eine Geschichte über das Dach des Heulagers. Bei der Konstruktion hat man vergessen, das Dach mit den Containern zu verbinden. Ein paar Jahre lang hat das niemand gemerkt. Irgendwann schwebte es an einem stark windigen Tag einen halben Meter in der Luft.

Hier lagert das Futter und sonstige Ausrüstung

Es ist vollbracht!

Nach einer Bauzeit von nur zwei Wochen ist das neue Dach fertig geworden. Zuerst habe ich die Konstruktion für übertrieben gehalten. Inzwischen gefällt sie mir total gut. Die Aufenthaltsqualität hat sich wesentlich verbessert. Die Balken wurden so verbaut, dass die angeknabberten Seiten nach oben zeigen und von unten nicht zu sehen sind.

Das neue Dach

Jetzt können die Besucher die Esel im Schatten unter dem Dach füttern. Das bringt sie dazu, länger zu bleiben, mehr Futter zu kaufen und schafft damit mehr Einnahmen. Außerdem bleiben die Esel in der Nähe, denn sie lieben den Schatten ebenfalls. Wenn es regnet, wird es ganz eng unter dem Dach, dann suchen die Esel nämlich am liebsten einen trockenen Platz.

So sieht der Ausblick von innen nun aus

Ein Nachteil ist, dass es nun im Inneren viel dunkler geworden ist. Mit der Sonnenbrille kann man da nicht mehr sitzen. Ich wechsle jetzt andauernd die Brille – je nachdem, ob ich drinnen oder draußen bin.

Einem Bewohner des Donkey Sanctuary ist es allerdings egal, ob das Dach da vorne ist oder nicht – dem Kater Sweety. Er hat sich in den letzten Wochen einen neuen Platz zum Abhängen gesucht.

Sweety hängt ab

Wenn er nicht auf dem Tresen liegt und Streicheleinheiten möchte, hängt er in letzter Zeit immer an der Decke ab.

Zur Verbesserung der Sicherheit gegen Vandalismusschäden hat jede Tür einen Bügel bekommen, der hochgeklappt werden muss.

Sicherheitsgewinn?

Wie lange wird dieser Bügel wohl für einen Sicherheitsgewinn sorgen? Die Esel sind schon verdammt intelligente und geschickte Tiere. Etwa eine Minute, nachdem der Bügel an dieser Tür angeschraubt war, kam auch schon der erste Esel und hat ihn fast bis nach oben geklappt. Noch einen Zentimeter weiter und der Esel hätte sein Erfolgserlebnis gehabt. Das wird nicht lange dauern.

Ein Esel kann nicht sehen, was sich genau vor seiner Nase befindet. Seine Augen befinden sich seitlich am Kopf und damit kann er fast alles um ihn herum sehen. Nur eben nicht das, was vor seiner Nase sitzt. Das ertastet er mit seinen Lippen. Ob es sich um Futter handelt oder um “Spielzeug”. So wie die Türverriegelung. Das Problem ist, dass die Esel alle sehr motiviert sind, die Türen zu öffnen. Dahinter befindet sich das Paradies in Form leckerer Möbel und Futterpellets.

Das kann der Esel

Der Esel kann den Bügel oben mit Sicherheit herum klappen, das habe ich schon gesehen. Außerdem schafft er es, den kleinen Riegel zuerst aus seiner Endposition nach oben zu klappen, um ihn dann in die geöffnete Position zu schieben. Wow! Das alles mit den Lippen. Die Reihenfolge ist klar. Das ist keinerlei Zufall. Lediglich der kleine Karabinerhaken bietet hier Sicherheit. Den können sie nicht öffnen.

Magische Farben am Abend in Oranjestad