Happy new Year!!!

Happy new year! Wenn diese Zeilen erscheinen, fährt der Zug nach Havanna. Wie im vergangenen Jahr können wir nicht an einer großen Silvesterparty teilnehmen, sondern sind unterwegs.

Die Situation mit dem Internet hat sich noch nicht geändert, aber in Kuba findet sich immer eine Lösung für ein Problem. Deswegen kann ich heute auch ein paar Zeilen mehr schreiben, ich habe einen richtigen Computer gefunden, der mit dem Internet verbunden ist. Man fragt sich durch, man hilft sich. Die Menschen hier sind toll und hilfsbereit.

Wir haben mit Eddi in seinem kleinen gelben Taxi El Cobre besucht. Der Straßenverkehr in Kuba ist faszinierend. Einerseits kurvt Eddi uns um Schlaglöcher herum, in denen man einen Elefanten parken könnte, andererseits geht alles freundlich zu, man hilft sich gegenseitig um die Schlaglöcher herum. Die Landschaft ist ein Traum. Alles ist grün, kein Vergleich zu der Wüste in Aruba. Der Ausblick links und rechts der Straße ist ein Blick in den Dschungel. Auf der Straße sind neben den voll besetzten Bussen und wenigen Taxis viele Pferdekutschen und Eselskarren unterwegs.

Die tierisch gezogenen Gefährte haben ihre Vorteile, sie tanken einfach das Gras, das am Straßenrand wächst. Vor den Tankstellen für die Autos sind lange Schlangen. An einer Tankstelle warteten Lastwagen wohl einen halben Kilometer lang auf ihren Diesel. Auch das ist Kuba. Es gibt nicht viel und für das, was es gibt, muss man lange in der Schlange stehen und stundenlang warten.

El Cobre, ich kann es leider nicht verlinken, ist wohl die heiligste aller Kirchen in Kuba. Schon mehrere Kilometer vorher bieten Händler am Straßenrand Sonnenblumenkränze und Kerzen an, die in der Kirche aufgestellt werden können. Je näher wir der Kirche kommen, desto mehr Verkaufsstände gibt es. Eddi hält an einer Stelle an, an der wir einen tollen Blick auf die Szenerie haben.

Direkt an der Kirche müssen wir erst einmal die Fäuste zur Begrüßung von Eddis Freund tauschen, die neue Covid-Begrüßung anstelle eines Handschlags. Den religiösen Nippes lassen wir trotzdem im Regal stehen, egal wie nett der Verkäufer ist. Statt dessen wenden wir unsere Schritte zu der Kathedrale, in der sowohl Papst Johannes Paul II. als auch Papst Benedikt (Papa Ratzi) schon eine Messe gelesen haben. Es ist beeindruckend. Leider kann ich immer noch keine Fotos anbieten, dass wir den Computer mit Internetzugang benutzen können, ist schon eine Sensation. So ist Kuba. Die Menschen haben mit ihrem Internetanschluss gerade mal 40 Stunden Internet im Monat, das teilen sie aber ohne Gegenleistung.

Nachdem wir die Kirche verlassen haben, fährt uns Eddi wieder zurück. Wir fahren durch die Gassen von Santiago, um irgendwo die Frucht Zapote aufzutreiben. Davon haben wir vor kurzem zwei bekommen, die schmecken super. Es gibt sie nur in der Karibik und nur auf Inseln mit hohen Bergen, also auf Kuba oder Jamaika oder so. Sie werden nach Hörensagen nicht nach Europa exportiert, sind süß, haben eine eigenartige Konsistenz und einen Geschmack, den Jens und ich noch nie zuvor kennengelernt haben. Toll. Leider finden wir die leckeren Früchte nicht. Eddi verspricht uns, dass er uns welche besorgt, falls er welche findet. So leicht scheint das nicht zu sein.

Wir werden ihn weiterhin als unseren „persönlichen“ Taxifahrer buchen, er hat uns nie enttäuscht. Fotostopps, Einkäufe und die in gebrochenem Englisch vorgebrachten Hinweise auf die Sehenswürdigkeiten machen ihn zu dem, was er ist. Außerdem funktioniert sein Taxi, das ist hier nicht die Regel.

Es kann sein, dass in den nächsten Tagen hier wieder Funkstille ist, ich habe keine Ahnung, wie es mit dem Internet und den Zugangsmöglichkeiten in Havanna bestellt ist. Wir wollen nicht zu viel Gepäck mitschleppen, die Computer bleiben in Santiago.

Digital detox

Das ist jetzt gerade so, wie man sich Internet in Kuba vorzustellen hat. Es läuft nicht so recht. Diesen Blogpost kann ich über ein Smartphone schicken, das mir ein freundlicher Kubaner zur Verfügung gestellt hat. Das Internet Cafe in Santiago hatte geschlossen.

Wir fühlen uns weiterhin wohl hier, es fehlt uns an nichts. Nur die Connectivity lässt zu wünschen übrig. Das WIFI in der Marina ist gerade nicht so richtig nutzbar. Also möchte ich nur kurz vermelden, dass wir Bücher lesen und nicht im Internet herumdaddeln können.

Die Landschaft ist ein Traum, die Menschen sind freundlich und die Lebensmittel haben eine tolle Qualität. Heute sind wir zusammen mit einem Schwein auf der Fähre nach Santiago gefahren. Ich schätze, für das Schwein war es die letzte Reise. Im Gegensatz zu unseren Lebensmitteln ist hier alles natürlich. Keine Industrieprodukte, alles wächst irgendwo im Garten. Wir haben eine tolle Frucht kennen gelernt, sie nennen es Zapote. Es wächst nur in der Karibik in den Bergen, schmeckt total interessenant und lecker. Bei uns habe ich diese Frucht noch nie gesehen.

Jetzt gebe ich das Telefon zurück, spendiere dem Besitzer ein Bier und melde mich, wenn wir wieder online sind. Vielleicht geht es in Havanna besser mit dem Internet.

Gran Piedra

Am Morgen bestellen wir uns ein Taxi bei Norbert, dem Hafenmeister. Er soll uns ein Taxi besorgen, mit dem wir den Gran Piedra besuchen können. Fast pünktlich trifft Eddi mit seinem Taxi an der Marina ein. Norbert übergibt uns an den Taxifahrer, der ein paar Brocken Englisch spricht, ein paar Brocken Französisch, einige Worte Deutsch und auch Russisch. Es genügt für die Konversation. Auf der Straße kommen wir an vielen Monumenten vorbei. Gefühlt gibt es für jeden kubanischen Revolutionär mindestens ein oder zwei Denkmäler.

Selfie mit Eddi, demTaxifahrer

Das Selfie entsteht bei einem kleinen Foto-Zwischenstopp. Der kleine, gelbe Wagen hält sich wacker auf der steilen Straße in Richtung Gipfel. Unterwegs sehen wir die anderen Deutschen in ihrem Taxi, das mit aufgeklappter Motorhaube am Straßenrand steht und dem wohl Kühlwasser fehlt. Ich bitte Eddi um einen Zwischenstopp, er lehnt aber ab. Die Straße hat locker eine Steigung von über 20%, irgendwie kann ich verstehen, dass er seinen Wagen in Schwung halten möchte.

Eddis kleines, gelbes Taxi

Wir müssen aber nur eine knappe Viertelstunde warten, dann sind wir alle zusammen am Fuß der Treppe, die die letzten Meter auf den Gipfel führt. Angeblich sind es 400 Treppenstufen, ich habe nicht nachgezählt, mein angeschlagenes Knie bestätigt die Größenordnung. Jede einzelne Treppenstufe lohnt sich.

Farne auf dem Weg zum Gipfel

Unterwegs verändert sich die Landschaft, plötzlich laufen wir durch eine Vegetation, wie es sie auch in Deutschland im Wald geben könnte. Farne und Laubbäume prägen die Landschaft.

Ein Baum sticht besonders heraus, hier Summen und Brummen die Bienen ganz wild. Ich versuche, das mit der Kamera einzufangen. Leider ist der Ton etwas leise.

Gran Piedra

Gran Piedra heißt übersetzt „der große Felsen“ und das ist er auch. Als wir die letzten Treppenstufen erklimmen, sind wir schon ein wenig angeschlagen.

Die letzten Meter

Mein Knie freut sich auf den Abstieg. Derweil schießen wir wild mit der Kamera um uns. Leider können wir das Meer am Horizont nur erahnen, es ist zu dunstig.

Blick ins Hinterland

Dafür ist der Blick ins Hinterland atemberaubend. Schade, dass es so schwierig ist, dorthin zu kommen. Es gibt keine ausgewiesenen Wanderwege und auch keine Infrastruktur für Wanderer. Man müsste die Straßen entlang laufen.

Geier (Foto: Jens)

Über uns kreist für einige Minuten ein Geier auf der Suche nach seinem Mittagessen. Jens gelingt ein wunderschöner Schuss auf den Vogel.

Bescheuertes Selfie auf dem Gipfel

Natürlich machen wir noch ein bescheuertes Selfie. Das wird unsere Familie in Deutschland freuen. Wie ist eigentlich das Wetter in Deutschland? Hier oben können wir uns überhaupt nicht beklagen, in der Höhe sind die Temperaturen sehr angenehm.

Überall fantastische Ausblicke

Wir sind hungrig, als wir wieder unten bei den Fahrzeugen sind. Deswegen bitten wir unsere Fahrer, uns zu einem Restaurant zu fahren. Zunächst kommt es zu einer Diskussion unter den Fahrern, welches der Restaurants man aufsuchen soll. Bergab fahrend bitte ich Eddi, beim nächsten Esel einen Fotohalt einzulegen. Dieser Stopp findet an der Stelle statt, an der das Taxi der anderen deutschen Gruppe auf dem Hinweg Kühlwasser nachgefüllt hat. Hier wird Trinkwasser in Kanistern an der Quelle abgefüllt, der Esel wartet geduldig auf seine Beladung.

Der Esel wartet auf seine Ladung

Das von Eddi bevorzugte Restaurant ist heute geschlossen, wir warten vor der Tür. Eddi macht alles für uns klar, wenige Minuten später können wir uns an den Tisch setzen. Für eine Gruppe von sieben Personen lohnt sich die Öffnung des Restaurants. Während der Wartezeit kann ich diese Straßenszene aufnehmen.

Straßenszene

Je weiter man sich von Santiago entfernt, desto größer wird die Dichte von Pferde- und Eselskarren. Es sind auch sehr viele Fußgänger auf den Straßen. Die Größe der Schlaglöcher, die Eddi umfahren muss, nimmt ebenfalls mit der Entfernung von Santiago zu. Während wir im Restaurant sitzen, warten die Fahrer draußen bei ihren Fahrzeugen.

Das Taxi der anderen deutschen Gruppe

Im Restaurant gibt es Fisch. Den gab es in allen privaten Restaurants, die wir auf Kuba bisher ausprobiert haben. Ist ja klar, den Fisch kann man für kleines Geld aus dem Meer ziehen. Es gibt nur wenige Rinder, die braucht man für die Milchproduktion. Unsere deutscher Begleiter, der witzigerweise ebenfalls Eddi heißt, erklärt uns die drakonischen Strafen für die Einheimischen in Kuba. Wenn ein Bauer sein eigenes Rind schlachtet (Volkseigentum), kommt er für 25 Jahre ins Gefängnis.

Garten

Während wir auf das Essen warten, wird unser Salat frisch im eigenen Garten geerntet. Wir finden das toll, doch die Kubaner würden vielleicht lieber im Supermarkt einkaufen gehen, anstatt den Anbau selbst durchführen zu müssen. Vielleicht auch nicht, das ist nur Spekulation meinerseits.

Gegrillter Oktopus

Nach dem Essen ist es dunkel. Eddi fährt uns behutsam durch die Dunkelheit, dabei umfährt er Eselskarren, Fahrräder und Fußgänger, die allesamt unbeleuchtet auf der Straße unterwegs sind, ohne den Tanz um die Schlaglöcher zu vernachlässigen. Ich lasse mir seine Telefonnummer geben, den nächsten Ausflug machen wir wieder mit ihm.

Cayo Granma

Heute besuchen wir Cayo Granma. Granma war der Name des Boots, mit dem Fidel Castro unterwegs war. Heute ist eine Insel nach dem Boot benannt. Auf der Insel leben vor allen Dingen Fischer, wir können ihre Boote jeden Tag von der Marina aus beobachten, wenn sie in der Abenddämmerung mit dem Fischfang beginnen.

Spuren von Hurrikan Sandy

Während wir auf die Fähre warten, erklärt uns ein Anwohner, dass dieses Haus bis vor ein paar Jahren wunderschön gewesen ist, bis der Hurrikan Sandy über die Insel gefegt ist. Nicht nur dieses Haus wurde zerstört, viele der kaputten Häuser in Santiago de Cuba sind ebenfalls durch den Wirbelsturm in ihre Einzelteile zerlegt worden.

Cayo Granma

Wir haben von der Fähre aus einen wunderschönen Blick auf die Insel, die idyllisch in der Sonne liegt. Nach mehreren Zwischenstopps kommen wir an und machen einen kleinen Spaziergang rund um die Insel. Das ist nicht weit, einmal rundherum sind keine zwei Kilometer.

Einer der vielen Fußwege auf Cayo Granma

Unterwegs sehen wir Kinder, die ein Huhn unter dem Arm tragen, wie bei uns ein Fußball getragen wird. Dem Huhn scheint es nichts auszumachen, irgendwann entlassen die Kinder es auf den Boden.

Fischerboot

Ein paar Kinder sitzen neben einem Fischerboot auf dem Steg. Auch im Winter ist die Wassertemperatur perfekt zum Baden. Wir steigen zum höchsten Punkt der Insel hinauf, dort befindet sich selbstverständlich die örtliche Kirche. Leider ist sie verschlossen.

Kirche auf Cayo Granma

Als wir wieder hinab gelaufen sind, können wir spielende Kinder am Wasser beobachten. Ich bin mir sicher, hier müssen die Eltern keine Angst haben, dass ihnen die Kinder im Wasser absaufen. Hier können alle Kinder schwimmen. Die Reste des ehemaligen Betonpiers sind perfekte Sprungtürme für die größeren Kinder.

Kinder und Jugendliche spielen am Wasser

Eigentlich ist diese Insel ein Paradies für die Kleinen. Hier gibt es keine Gefahr durch Autos, einige wenige Motorräder werden mit der Fähre hin und wieder auf das Festland geschafft und am Abend wieder zurück. Niemand würde so etwas wertvolles wie ein Motorrad über Nacht an Land stehen lassen. Diese MZ ETZ 250 aus DDR-Produktion kostet auf der Straße etwa 12000 CUC bzw. 290000 lokale Pesos, was bei einem üblichen Monatsgehalt von ca. 500 Pesos lediglich 48 Jahresgehälter ausmacht.

MZ ETZ 250

Wir kehren in einem kleinen privaten Restaurant ein und bekommen für kleines Geld frischen Fisch mit Reis, frittierten Bananen und Salat. Alles schmeckt hervorragend, Jens lässt sich sogar die frittierten Bananen schmecken. Das muss ich erwähnen, denn sonst ist Jens ein Bananenhasser. Das Grünzeug in Kuba, egal ob Tomaten, Gurken oder Paprika, ist von allerbester Qualität. Der Unterschied zu der industriellen Produktion in Deutschland ist auf dem Gaumen deutlich spürbar. Bei uns gibt es zwar viel, es ist jedoch nicht immer gut. Die Kubaner können kaum glauben, was wir ihnen über unsere Lebensmittel erzählen. Auch die kleinen Eier von den kleinen Hühnern, die hier überall auf der Straße anzutreffen sind, schmecken ausgezeichnet.

Straße in Cayo Granma

Im Restaurant treffen wir zwei Deutsche, von denen einer als Rentner in Kuba lebt. Wir erfahren viel über die lokalen Probleme, Sitten und Gebräuche, dabei werden wir mit Rum abgefüllt. Wir verabreden uns für den folgenden Tag, um den Gran Piedra zu besuchen, einen der höchsten Berge Kubas. Wir sollen uns ein Taxi besorgen, aber ein neues Taxi mit einem guten Motor, denn der Weg ist steil und nicht jeder Taxifahrer würde dort hinauf fahren.

Atemnot in der Nacht

Nein, das hier ist kein Beitrag über Covid-19 oder Helene F. Der eifrige Leser dieses Blogs wird das eine oder andere Bild schon gesehen haben, das die rauchenden Schlote der der Marina nahegelegenen Raffinerie zeigt. Sie bestimmen das Bild der Landschaft, das man von unserer Seite der Bucht oder von Santiago aus sehen kann.

Raffinerie

Ich wache mitten in der Nacht auf und meine Lunge fühlt sich an, als hätte ich gerade die dickste Havanna-Zigarre tief inhaliert. In der Koje stinkt es furchtbar nach Abgasen. Selbst die schmutzigen Klamotten von Jens kann ich nicht mehr riechen. Am nächsten Morgen sagt Jens, dass es sich bei ihm auch wie ein Film auf die Lunge gelegt hat.

Schlote von Cayo Granma aus gesehen

Damit komme ich zu großen Problemen des realen Sozialismus. Den Geruch kenne ich, ich hatte ihn lange nicht mehr in der Nase bzw. auf der Lunge. Anfang der 1990er Jahre war ich mal in der Gegend von Bitterfeld, da roch es genauso oder so ähnlich. Abgase werden ungefiltert in die Luft geblasen. Liegt es daran, dass Filtertechnologie nicht verfügbar ist oder weil sie nicht auf dem Plan steht? Ich habe keine Ahnung, es ist mir eigentlich auch egal. In ein paar Wochen bin ich hier weg. Die Menschen tun mir leid, die in dieser Abgasfahne leben müssen.

Kunst in der Innenstadt von Santiago

Das obenstehende Foto ist ein abfotografiertes Kunstwerk, das an einem zentralen Platz in Santiago de Cuba zu sehen ist. In der DDR hieß es damals “Chemie bringt Brot, Wohlstand und Schönheit”.

Wir sind froh, wenn wie heute der Wind aus einer Richtung kommt, die die Abgase von unserem Boot wegbläst. Auf dem frisch gestrichenen Deck bilden sich von Tag zu Tag mehr gelbe Flecken. Die werden wir auf der nächsten Insel entfernen oder hier am Vortag unserer Abreise.

Abendfähre in Santiago

Zu schade, dass der Umweltschutz keinen Platz im hiesigen Plan hat. Zu schade, denn die Landschaft in Kuba ist unglaublich schön.

Schöne Weihnachten

Wir wünschen allen zu Hause ein schönes Weihnachtsfest.

Castillo del Morro

Einfahrt in die Bucht von Santiago de Cuba

Während der nächtlichen Fahrt nach Kuba sind wir die ganze Zeit auf den Leuchtturm El Morro zugesegelt. Direkt daneben befindet sich das Castillo de San Pedro de la Roca, auch Castillo del Morro genannt. Bei unserer Einfahrt in die Bucht haben wir in der Morgensonne einen schönen Blick darauf.

Während unserer kleinen Tour mit dem Auto konnten wir das Kastell leicht besuchen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Zunächst kommen wir auf der Landseite am Leuchtturm vorbei.

El Morro

Die kubanische Armee hat hier noch eine Kaserne, wir sehen viele Soldaten. In Kuba ist es für die Männer verpflichtend, zwei Jahre in der Armee zu dienen. Die Frauen können es freiwillig machen.

Kastell von der Landseite

Auf der Landseite ist der Weg zum Kastell eher unspektakulär. Wir können es leicht erreichen. Sogar für Jens mit seinem Problem am Fuß ist es einfach.

Festungsmauern und Graben

Nach der Überquerung des Burggrabens müssen wir erst einmal 4 CUC Eintritt bezahlen. Unsere einheimischen Führer zahlen 4 CUP. Ein CUC entspricht etwa 25 CUP, wir zahlen als Touristen somit den 25-fachen Eintrittspreis. Für mich ist das in Ordnung.

Unterwegs im Kastell

Raum für Raum, Etage für Etage arbeiten wir uns durch die Anlage. Immer schön langsam, Jens ist mit einer vom Hafenmeister Jorge ausgeliehenen Krücke unterwegs.

Lager für Kanonenkugeln

Hier sehen wir das Lager für die Kanonenkugeln und die Rampe, über die sie zu den Kanonen befördert wurden. Die Dinger sind ganz schön schwer. Damals mussten die Menschen hart arbeiten.l

Kanone

Von oben ergeben sich immer wieder tolle Ausblicke auf das Meer und den Eingang der Bucht. Angreifer von See konnte man hier prima unter Feuer halten. Heute feuern wir aus allen Objektiven.

Schießscharten

Von ganz oben ist die Sicht dann phänomenal. Wir können einen Blick auf Sissi aus einer völlig neuen Perspektive werfen. Beim Spazieren über die Burg hören wir plötzlich deutsche Wortfetzen. Zwei Urlauberinnen sind hier unterwegs und genießen eine spanische Führung, von der sie kein Wort verstehen. Sie sind aber froh, der Situation in Deutschland für einige Wochen entronnen zu sein.

Blick auf Sissi, der Pfeil markiert sie.

Wenn du auf das Bild klickst, bekommst Du eine Vergrößerung ohne den grünen Pfeil. Auch die Sicht auf Cayo Granma, einer Fischerinsel auf der anderen Seite der Bucht, ist wunderschön. Unsere Führer sagen uns, dass es auf Cayo Granma ein paar gute private Restaurants gibt. Das bedeutet, dass wir schon wieder ein neues Ausflugsziel haben.

Cayo Granma

Der Klang einer Glocke ertönt, Jens konnte es nicht lassen. Eine Runde möchte er jedoch nicht spendieren, sie würde sowieso ausfallen, denn im Kastell gibt es keine Bar. Ein empfehlenswertes Ausflugsziel, UNESCO Weltkulturerbe und kubanisches Nationaldenkmal. Toll.

Alarmglocke

Cerveza

Ich muss jetzt über Bier schreiben. Auf allen karibischen Inseln habe ich immer versucht, das örtliche lokale Bier zu probieren. Auf Barbados und St. Lucia handelte es sich eher um eine wässrige, gelbe Flüssigkeit mit Biergeschmack. Das Bier in Martinique kam aus dem Elsass bzw. war nach elsässer Art gebraut und damit eigentlich ganz lecker. In Bonaire gab es zwar eine lokale Brauerei, die hat aber während unseres Aufenthalts kein Bier gebraut oder ausgeschenkt. Dafür wurde das Amstel Bright angepriesen, ein Bier aus Holland, das für die Karibik gebraut wird und denselben wässrigen Geschmack hat. Das Amstel gab es auch auf Aruba, dort hatte man mit Balashi und Chill jedoch ordentliche Alternativen. Die Rezepturen sind immerhin von einem deutschen Braumeister.

Cervezeria Puerto del Rey

Insofern waren meine Erwartungen nicht besonders groß, als ich direkt gegenüber dem Fähranleger an der Hafenpromenade die Cervezeria Puerto del Rey gefunden habe. Um mir die Wartezeit auf die Fähre zu verkürzen, kehrte ich ein und testete das Angebot. Zunächst werden am Eingang Schuhe und Hände desinfiziert, dann muss man seinen Ausweis vorzeigen und die Angaben werden notiert. Die gute Frau verzweifelte an meinem deutschen Ausweis und winkte mich schlussendlich durch, ohne mich zu erfassen. Hehe.

Innenraum

Aufgrund der Covid-19 Maßnahmen sind nur sehr wenige Tische in den riesigen Gastraum gestellt. Die Kellner, die wohl üblicherweise die Biere zu den Kunden tragen, haben nun mit der Gästedesinfektion und -Erfassung zu tun.

Es gibt Helles und Dunkles, ich fühle mich an das Dorfbräuhaus erinnert. Damit ist der Plan klar. Die Fähre fährt in einer Dreiviertelstunde, somit kann ich beide Sorten verkosten.

Helles und Dunkles

Schon optisch machen die Biere etwas her. Sie sind naturtrüb und sehen nicht aus wie Pi**e. Gut gekühlt trägt sie der Kellner an den Tisch. Ein Bier 0,3l kostet hier 1,20 CUC (bzw. US$), also etwas mehr als ein Euro.

Das Helle schmeckt frisch, hat eine feine Hopfennote und zischt bei den hiesigen Temperaturen ungemein. Das Dunkle bringt eine wunderbare Malznote hervor, intensiver als bei dem lange vermissten Bier aus der Rhön.

Braukessel

Ja, das Bier wird hier direkt vor Ort gebraut. Ich bin begeistert. Es ist das beste Bier, das ich seit Sines bekommen habe. Besser als alles, was zwischen Portugal und Kuba zu kaufen war.

Damit ist klar, ich muss Jens beim nächsten Besuch von Santiago in diesen Brautempel zerren. Auch er ist begeistert. Wir wollen Bier mitnehmen. Eine Flaschenabfüllung gibt es nicht. Aufgrund der Covid-19 Maßnahmen ist es dem Personal nicht erlaubt, den Kunden die Flaschen zum Mitnehmen direkt aus dem Zapfhahn zu befüllen. Doch die Kubaner sind kreativ, wenn es um Lösungen für Probleme geht. Wir bekommen einen Trichter.

Umfüllung

Am Abend genießen wir dann das Bier in unserem Cockpit. Auch wenn nur noch wenig Kohlensäure übrig geblieben ist, ist doch noch genug Geschmack in dem leckeren Getränk. Prost nach Deutschland!

Auf dem Friedhof

Friedhof

Gestern hatten wir einen einheimischen Führer, der uns ein Auto mit Fahrer organisiert hat. So konnten wir manche Sehenswürdigkeit ansehen, die wir zu Fuß nicht so leicht erreichen können. Wir haben das Kastell über der Einfahrt in unsere Bucht besucht und dann noch in Santiago den Friedhof, auf dem sich das Grab von Fidel Castro befindet. Über das Kastell werde ich demnächst schreiben, heute schreibe ich über das Grab.

Flagge in riesengroß

An einer Fahnenstange vor dem Friedhof befindet sich die größte Flagge, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Man könnte Sissi einmal komplett darin einpacken. Neben dem Mast befindet sich ein kleines Haus, in dem die Wachsoldaten ihren Dienst tun. Alle dreißig Minuten findet eine Wachablösung statt.

Monument

Zunächst glauben wir, Fidels Grab würde sich in dem Monument befinden, vor dem die Soldaten paradieren. Ein Sicherheitsdienst sorgt dafür, dass die Wachsoldaten von den Touristen nicht behelligt werden, wenn sie stramm stehen und im Stechschritt marschieren.

José Martí

Im Monument wiederum ist eine Statue von José Martí, dem wohl wichtigsten kubanischen Schriftsteller, Poet und Nationalheld. Der mit einer Flagge bedeckte Sarg enthält die Asche eines der Mitkämpfer von Fidel Castro gegen Batista während der Revolution.

Vater aller Kubaner

Am Abend erfahre ich vom Hafenmeister, dass Fidels Grab sich gar nicht in diesem Monument befindet. Seine Asche ist ein einem Loch in diesem Stein hinter dem Schild mit seinem Namen. Er wollte nur ein ganz einfaches Grab haben.

Fidel Castros Grabstein

Einer der Kämpfer im Denkmal wird als Vater aller Kubaner bezeichnet, dann ist noch eine Kämpferin dort bestattet, die als Mutter aller Kubaner bezeichnet wird. Wenn ich nur ein besseres Namensgedächtnis hätte. Mit etwas Internet könnt ihr das aber herausfinden, für mich ist es im Moment zu teuer.

Nebenan ist die Gedenkstätte für die anderen Revolutionäre. Ein geschichtsträchtiger Ort, an den wir geführt worden sind.

Die anderen Revolutionäre

Von der Wachablösung konnte ich ein kleines Video drehen. Das ist bedauerlicherweise etwas verwackelt, weil ich kein Stativ zur Hand hatte. Sollte ich noch einmal die Gelegenheit haben, werde ich ein Stativ nehmen und wenn möglich bei besserem Licht, also am Vormittag, wiederkommen. Ich denke aber, es gibt den Eindruck ganz gut wieder.

Santiago de Cuba

Dieser Beitrag strotzt vor Bildern, die nicht zum Text passen. In den nächsten Tagen werden es noch mehr Bilder werden. So viele Farben, so viele Eindrücke.

Sonnenaufgang

Der Wecker klingelt um 5:20 Uhr. Ich stehe leise auf, damit Jens nicht geweckt wird. Er kann mich heute leider nicht begleiten, denn er hat sich den Fuß vertreten und muss ihn schonen. Nach wenigen Minuten sitze ich bei meinem Morgenkaffee und versuche, die Kanne innerhalb einer Stunde zu leeren. Das gelingt mir, während ich mir den Sonnenaufgang ansehe.

Uferpromenade

Die Fähre ist auf die Minute pünktlich und bringt mich in einer guten halben Stunde bis in die Innenstadt von Santiago de Cuba. Dort habe ich mir viel vorgenommen. Ich möchte frisches Gemüse einkaufen, vielleicht kann ich einen Metzger finden und eine SIM-Karte für das Internet suche ich auch. Die ersten Eindrücke überwältigen mich.

Taxikutsche

Die Pferdekutschen sind Taxis für den Hafenbereich, wo die Berge nicht so steil sind. Neben den Pferdekutschen gibt es auch noch Pferdekarren für Transporte, etwa hier für Bauschutt.

Lastenpferd

Da die Geschäfte erst um 9 Uhr öffnen, mache ich einen ausgedehnten Spaziergang. Das tut mir nach den Segeln und den Tagen der Quarantäne sehr gut.

Alter Schlitten

Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass auf den Straßen in Santiago ausschließlich uralte Autos herumfahren, aber es macht keine Freude einen aktuellen Renault Berlingo oder einen Peugeot 405 zu fotografieren.

Motorradgang

Auf meinem Weg zum Bahnhof kommt mir eine Motorradgang entgegen. Jawohl, diese Motorradfahrer sind alle in einer Gruppe unterwegs. Jedes einzelne der Motorräder würde gegen unsere Lärmvorschriften verstoßen, außerdem hupen die Kerle noch wild.

Ferrocarriles de Cuba

In den Bahnhof selbst kann ich nicht hinein, dafür gelingt es mir aber, den Zug in der Abstellanlage abzulichten. Nur die Lok fehlt, keine Ahnung wo man die abgestellt hat. Endlich mal wieder Schienen vor dem Objektiv.

Abstellanlage

Santiago ist auf Hügeln gebaut, dementsprechend laufe ich viel bergauf und bergab. Das wäre Gift für Jens‘ Fuß gewesen. Am Montag wollen wir wieder in die Stadt, dann kann ich eine kleine Fremdenführung machen. Die ehemals hübschen Gebäude aus der Kolonialzeit sind heruntergekommen oder sehr heruntergekommen. Dennoch ist das Ambiente stimmig und gefällt mir sehr gut.

Steile Straßen, alter Schlitten

Im Gegensatz zu vielen anderen Orten fällt mir positiv auf, dass die Straßen wie sauber geleckt sind. Nirgendwo liegt Abfall auf der Straße herum. Die Maskentragequote liegt übrigens bei ca. 100%, in Kuba muss man nämlich überall in der Öffentlichkeit eine Maske aufsetzen. Bis ich das gelernt hatte, war die Quote etwas niedriger, denn es kam mir nicht in den Sinn, auf der Straße eine Maske zu tragen.

Ehemalige Schienen

Reste von Straßenbahngleisen finden sich an den unterschiedlichsten Orten. Anscheinend gab es in der Zeit vor der Revolution auch eine Straßenbahn in Santiago. Leider gibt es sie heute nicht mehr, sonst müsste ich mir nicht die Beine krumm laufen.

Alte Gebäude, junges Pferd

Ich finde das Verkaufsbüro von ETECSA, dem hiesigen Mobilfunkanbieter. Dort ist eine lange Schlange vor der Tür. Man ruft in die Menge „persona ultima“ und es meldet sich die Person, die aktuell das Ende der Schlange ist. Wenn der nächste potentielle Kunde kommt, wiederholt sich das Spiel. Gegenüber dem Verkaufsbüro ist ein Park, die Warteschlange ist nicht nur auf dem Gehweg, sondern auch im Park auf den Parkbänken.

Eine Katze an der Ladentheke

Als ich nach einer Dreiviertelstunde endlich an die Reihe komme, will mir die Angestellte Internetvouchers verkaufen, wie wir sie auch in der Marina kaufen können. Das lehne ich ab, ich will eine SIM-Karte mit richtigem Datenvolumen. Die verkauft sie mir nicht. Ich kapiere das nicht und verlasse den Laden.

Dieser Wagen ist ein Taxi

Ich finde den Fischmarkt und bewege mich durch die Verkaufsstände. Noch fast dreieinhalb Stunden bis zu meiner Fähre zurück, so lange will ich den Fisch nicht in der Sonne herumtragen. Dann ist er sicher nicht mehr frisch. Ich nehme mir vor, später wiederzukommen.

Verschiedene Supermärkte glänzen vor allem mit leeren Regalen und langen Schlangen vor der Tür. Die Einheimischen schauen durch das Schaufenster, was es gerade zu kaufen gibt. Wenn es interessant ist, reihen sie sich in die Schlange ein. Ich sehe kein frisches Gemüse, also gibt es für mich keinen Grund anzustehen.

Blick auf die Kathedrale

Sehr lange Schlangen gibt es vor allen Bäckereien, außer vor denen, denen das Brot ausgegangen ist. In dieser Hinsicht sind wir gut aufgestellt, denn wir haben unsere eigene Bäckerei an Bord und noch eine Unmenge Mehl, die wir verbacken können.

Positiv ist mir aufgefallen, dass ich als reicher Tourist nicht von den Einheimischen angesprochen werde. Wenn ich einen anspreche und frage, wo es denn zum ETESCA, zu einem Zigarrenladen oder zum Supermarkt geht, bekomme ich eine höfliche Antwort und die entsprechende Wegbeschreibung. Das habe ich auf anderen Inseln ganz anders erlebt.

Blick auf Santiago von der Fähre aus

Leider ist der Fischmarkt bei meinem zweiten Besuch ausverkauft. Ich habe gelernt, dass ich dann einkaufen muss, wenn etwas im Laden ist. Ich darf nicht damit rechnen, dass es die Ware zwei Stunden später noch gibt. Das ist okay, wir können noch wochenlang mit den Vorräten an Bord überleben. Das ist alles noch Zeug, das wir für die Überfahrt nach Australien gebunkert haben.

Auf der Fähre

Den ganzen Tag habe ich auf der Straße keinen einzigen Polizisten gesehen. Dafür fährt auf der Fähre ein Soldat mit. Die Fähre macht einen kleinen Umweg und fährt die Marina direkt an, wo der Soldat aussteigt. Der Kapitän, der Chefdesinfektor, der Maschinist und der Soldat guckten ziemlich dumm aus der Wäsche, als ich ebenfalls aussteigen möchte. Der Sicherheitsmann der Marina gibt die Erlaubnis und ich spare mir den Heimweg.

So viele Eindrücke muss ich erst einmal verarbeiten. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal in einer Großstadt gewesen bin.

Der erste Spaziergang in Kuba

Am frühen Nachmittag bringt uns Norbert die schriftliche Bestätigung des negativen Covid-Tests. Die müssen wir jetzt gemeinsam mit den Visa in unsere Pässe legen und immer mitführen, wenn wir auf der Insel unterwegs sind. Damit ist es offiziell – wir dürfen die Marina verlassen und Kuba besuchen.

Schisserkatze

In der Mittagssonne mache ich mich gleich auf und unternehme den ersten Spaziergang. Ich sehe mir den Fähranleger an, von dem wir morgen nach Santiago fahren wollen. Die Fähre geht um 6:20 Uhr, ich bin gespannt, ob wir rechtzeitig aus dem Bett kommen. Jens bleibt an Bord, er hat keine Lust in der Mittagssonne herumzulaufen. Ihm reicht das Wissen, dass er herumlaufen dürfte. Der Fähranleger ist ohne Fähre kaum als solcher zu erkennen. Lediglich ein kleines Dach, das Schatten gibt, weist auf das öffentliche Verkehrsmittel hin.

Raffinnerie

Ich laufe weiter, suche die Bushaltestelle in die Stadt. Ich kann sie nicht finden. Statt dessen finde ich einen Ort, von dem aus die Raffinnerie gut zu sehen ist, die uns seit Tagen mit ihren Abgasen beglückt.

Vollbesetzte 125er Suzuki

Auf der Straße sind praktisch keine Autos unterwegs. Der wenige Individualverkehr wird mit kleinen Motorrädern durchgeführt. Ich sehe eine MZ ETZ 250, ein Motorrad aus der DDR, das ich seit Jahren nicht gesehen habe. Sie sieht wunderschön in Schuss aus und bevor ich die Kamera heben kann, ist sie schon durch. Dafür kann ich eine kleine Suzuki ablichten, die voll besetzt einen Hügel erklimmt.

Dreirad aus einer Schwalbe mit getuntem Motor

Völlig dem Klischee entsprechend gibt es auch hier in Punta Gorda, dem Ort in dem sich die Marina befindet, eine ganze Plattenbausiedlung. Oder so ähnlich. Sozialistische Einheitsarchitektur. Auf dem Dach eines jeden Gebäudes befindet sich ein Wassertank, der für den Wasserdruck sorgt. Wir wissen aus der Marina, dass das Wasser aus der Wasserleitung nur tröpfelt.

Einheitsarchitektur mit Lada

Während meines Spaziergangs überholt mich ein alter Lada. Auch er ist sehr gut in Schuss, wenn die Kubaner einen PKW oder ein Motorrad besitzen, halten sie ihre Fahrzeuge tipptopp in Ordnung.

Der Lada sieht noch super aus

Das LKW-Wrack ist sicherlich nicht zum Verrosten hier abgestellt, es sieht eher so aus, als solle der Wagen wieder aufgebaut werden. Ein Fahrzeug wirft man auf Kuba nicht einfach so auf den Schrott.

Die andere Schisserkatze

Zwei kleine Katzen haben Angst vor mir. Kaum hebe ich die Kamera an, verschwinden sie in ihren Verstecken.

Kein Schrott

Im kleinen Laden finde ich eine Flasche Rum aus Santiago de Cuba, die will für nur 7 US$ unbedingt mit an Bord, ich tue ihr den Gefallen. Rum ist ein wirklich günstiges Getränk auf Kuba. Der Rum schmeckt sogar ziemlich gut, Jens und ich haben ihn gleich getestet.

Völlig anderer Blickwinkel

Aus der Höhe sieht der Blick auf Sissi und die Fähre ganz anders aus als in der Marina. Ich habe Freude daran, andere Blickwinkel zu sehen und den neuen Ausblick zu genießen.

Der Wermutstropfen an der ganzen Geschichte: Kaum habe ich die Marina verlassen und das Gittertor hinter mir geschlossen, steht sofort ein Einheimischer vor mir und fragt mich, ob ich Geld wechseln möchte. Er würde mir einen Kurs von 1:1,30 bieten. Der offizielle Kurs für den Umtausch von konvertiblen Pesos zu Dollars ist 1:1. Schwarzmarkt eben, an Dollars kommen sie hier auf Kuba nicht unbedingt heran. Er bietet mir auch einen Taxiservice nach Santiago an, der billiger wäre als der offizielle Taxipreis. Außerdem hätte seine Mutter eine Waschmaschine und deswegen könne er mir Wäschereidienste anbieten. Darauf werden wir auf jeden Fall noch zurückkommen.

Falls wir alte Handys, Computer oder sonstige Elektronik an Bord hätten bietet er mir einen guten Preis dafür an. Wir haben aber nur neue Handys, Computer und Elektronik an Bord. Merke: Wenn Du nach Kuba reist, nehme den ganzen Elektroschrott mit, der sonst in Deutschland in der Recyclingtonne landen würde. Das Zeug ist hier echt noch was wert.

Rum aus Santiago – gut und günstig

Während Jens und ich den Rum genießen kommt Norbert ans Boot. Leider können wir nicht über Weihnachten nach Havanna fahren, der Zug ist ausgebucht. Wir werden am 31.12. in den Zug nach Havanna steigen und bis zum 6. Januar dort bleiben, für diese Verbindung konnte Norbert uns noch eine Reservierung besorgen. Es gibt übrigens nur einen Zug. Der fährt alle vier Tage von Havanna nach Santiago und alle vier Tage von Santiago nach Havanna. Morgen werde ich zum Bahnhof gehen und mir den Zug anschauen, denn morgen ist eine Fahrt ab Santiago geplant. Ich bin gespannt.