Kreativität

Ich halte mich für einen einigermaßen kreativen Menschen und schätze auch die Kreativität anderer Menschen sehr. Das betrifft jedoch nicht alle Lebensbereiche gleichermaßen. Wenn es beispielsweise um die Elektroinstallation geht, dann endet die Kreativität ziemlich früh. Es ist herausfordernd und ein kreativer Prozess, einen Weg für das Stromkabel zu seinem Ziel zu finden, der keine Zerstörung des halben Bootes nach sich zieht. Wenn es später ans Anschließen geht, halte ich mich lieber an die gängigen Regeln und Vorschriften.

Der Weg aus dem Salon zum Autopiloten

Der Autopilot befindet sich unter der Matratze, die im Bild zu erkennen ist. Es handelt sich um meine Matratze. Wäre das Gerät auf der Seite von Jens eingebaut, hätte ich noch mehr Arbeit gehabt. Die Koje enthält schließlich den kompletten Inhalt unserer Segellast. Der Wasserkocher und die Kaffeemühle stehen hier übrigens auf dem Kühlschrank. Im Schrank hinter dem Kühlschrank befindet sich der Kompressor und natürlich auch der elektrische Anschluss. Um dem Kühlschrank seine neue Stromversorgung zu geben, hatte ich die Deckenplatten abgenommen. Letztendlich ist das dann auch die einfachste Lösung, den Strom zum Autopiloten zu bringen.

Von der Stromverteilung nach oben an die Decke und einmal auf die andere Seite des Schiffs

Die Stromverteilung ist exakt gegenüber, deswegen muss die Leitung vorher an die Decke und auf die andere Seite des Schiffs verlegt werden. So weit, so gut. Auf diesem Teil der Strecke hat sich die Arbeit in Grenzen gehalten. Doch nun muss die Matratze raus und alles andere, was in der Koje ist ebenso. Unter anderem der Vorrat an erfrischenden Säften, der unter meiner Matratze lagert, macht mir einige Arbeit. Ich werfe gleich ein paar Dosen in den Kühlschrank. Jetzt ist es auch unmöglich, sich im Salon richtig zu bewegen. Meine Matratze steht im Weg. Zum Glück habe ich daran gedacht, den Werkzeugkoffer auf der richtigen Seite des Salons abzustellen.

Getränkelager, Autopilot und Ruderquadrant

Muss ich erwähnen, dass sich die Stromleitung unter den Dosen befindet? Es ist immer so organisiert, dass es mir am meisten Arbeit macht. Oder kommt mir das nur so vor? Nach gefühlten 100 Getränkedosen (es werden wohl nur 96 gewesen sein, denn die kommen immer auf 24er Paletten) ist es endlich geschafft. Ich kann an die Leitung heran. Ich kann die Kreativität geradezu schon riechen. An unterschiedlichen Stellen von Sissi habe ich diese Klumpen von Isolierband schon gefunden. Meist befindet sich darunter eine nette Überraschung. Das ist der letzte dieser kreativen Klumpen.

Unter meiner Matratze

Wer sich nicht mit Elektrik auskennt und sich bei der Lektüre langweilen könnte, der möge diesen Absatz überspringen. Die meisten von uns haben den Begriff “Stromkreis” schon einmal gehört. Auch wenn es sich dabei fast nie um einen Kreis handelt, sondern eine Leitung die hin und zurück geht. Diesmal bin ich auf einen echten Stromkreis gestoßen. Das dicke graue Kabel enthält sieben einzelne Adern. Die sind aber nur 1,5 mm² dick. Das reicht locker für den Haushaltsstrom, nicht aber für Großverbraucher wie Autopilot oder Kühlschrank. Also hat der Vorbesitzer diese Kabel zusammengefasst. Zweimal 1,5 mm² ergibt 3 mm². Das reicht für den erwarteten Strombedarf.

Auf der linken Seite kommt das graue Kabel von der Stromverteilung und bringt den Strom, der geht dann über das schwarze Kabel zum Autopiloten. Anschließend wird der Kreis geschlossen, indem der Strom weiter in Richtung Kühlschrank geschickt wird. Vom Kühlschrank aus geht es dann in den Maschinenraum und zu den Batterien zurück. Diesen Kreis habe ich unterbrochen, als ich am Kühlschrank das alte Plus- und Minus-Kabel abgezwickt habe. Konnte ja keiner ahnen. Letzten Endes bin ich jedoch froh, dass diese Mist nicht mehr aktiv ist.

1.) Das graue Kabel kommt von der Stromverteilung. Für Plus sind zwei Leitungen zusammengelötet.
2.) Das graue Kabel geht weiter bis zum Kühlschrank. Es sind zwei Adern zusammengelötet.
3.) Abzweig für den Autopiloten. Die rote Leitung ist Plus und wird von der Stromverteilung aus gespeist. Die schwarze Leitung ist Minus und geht zum Kühlschrank. Dort war sie an ein Minus-Kabel angeschlossen, das wiederum an einer der drei Batterien direkt mit Minus verbunden war. In der Folge hat sich diese Batterie immer viel stärker entladen als die beiden anderen.

Jetzt muss ich nur noch die neuen Kabel an den Autopiloten anschließen und alles testen. Dass das sofort funktioniert, freut mich natürlich sehr. Also kann ich noch am selben Tag mein Bett wieder zusammen bauen. Ein Knips mit der Zange hat mir sechs schweißtreibende Stunden Arbeit beschert, doch Sissi ist wieder ein Stückchen besser geworden.

Nein sagen kam für mich überhaupt nicht in Frage, als Hafenmeister Paul mich vor ein paar Tagen angesprochen hat. Vorgestern Abend hatte ich noch eine Einladung zu einem echt französischen Abendessen. Gleichzeitig haben Gail und Paul mir erklärt, wo sich Katzenstreu und Katzenfutter befinden. Bis zum Ende des Monats habe ich nun ihre vier Katzen in Privatpflege. Mickey braucht eine Sonderbehandlung. Er wird von mir zweimal am Tag an der Leine Gassi geführt.

Mickey an seiner Leine

Früher durfte er immer unbeaufsichtigt durch die Marina spazieren. Es passt ihm gar nicht, dass er nun an der Leine geht. Ändern kann ich es nicht und es ist schade, dass er mich nicht mehr besuchen kommt. Doch seit Paul und Gail eine Katze ins Wasser gefallen ist und nicht mehr wieder gefunden wurde, gelten auch für Mickey neue Regeln.

Mami wird immer besser.

Die Zahl der kleinen Kätzchen nimmt im Tierheim immer weiter zu. Es ist Herbst, Kätzchenzeit. Schade, dass die Leute sich so wenig Gedanken darüber machen, ihre Katzen zu sterilisieren. Die eigenen Kätzchen unserer Mutterkatze sind schon recht groß geworden und essen auch das normale Katzenfutter. Doch wir haben zwei Minis mit unter 300 Gramm Gewicht, die die Milch noch dringend brauchen. Deswegen werden die beiden mit ihrer Amme über Nacht separiert, so dass die Milch da ankommt, wo sie am nötigsten gebraucht wird. Wir haben eine Mami mit Milch, potentiell aber ein Dutzend Kätzchen die dort gerne trinken würden. Damit sie nicht noch dünner wird, bekommt sie noch Extrafutter für die Nacht hingestellt. Lange wird es hoffentlich nicht mehr gehen, beim Frühstück schmatzen sie alle munter vor sich hin.

Hätte, hätte. Was nicht alles hätte passieren können. Vor ein paar Jahren bei unserem ersten großen Segeltörn mit Sissi nach Schottland ist uns unterwegs der Kühlschrank immer wegen Unterspannung ausgegangen. Ich hatte nämlich an der Stromverteilung nur eine der beiden Adern für das Kühlschrank-Plus mit Strom versorgt. Als ich die zweite dazugenommen habe, war das Problem nachhaltig behoben und der Vorfall geriet in Vergessenheit. Für kurze Zeit habe ich erwogen, den Kühlschrank neu zu verkabeln. Die Kabel waren an Bord und die Aufgabe wäre sowieso fällig gewesen. Warum nicht gleich auf See…? Wenn es dumm gelaufen wäre, hätte ich uns damit unterwegs den Autopiloten geraubt. Damals – noch ohne Windfahne – wäre es recht unangenehm geworden.

Immer und immer wieder

lebe ich meine Routine und mache dabei dieselben Fehler. Ich bin zu nett. Der Katamaran ist Anfang August in die Marina gekommen. Das hatte zunächst für mich keine besonderen Auswirkungen. Bis dann gegen Ende August der Eigner auf mich zukam und mich fragte, ob ich meinen Landstrom von einer anderen Steckdose beziehen könnte. Meine Antwort war damals dieselbe, die ich heute geben würde – selbstverständlich. Er möge ins Marina-Büro gehen, nach einer anderen Steckdose für mich fragen, den Zähler fotografieren und dann könne er mich umstecken. Auf seine Frage, ob ich das nicht für ihn machen könnte, habe ich mit Nein geantwortet. Ich hatte ja Landstrom und es gab für mich keinerlei Handlungsbedarf. Am 25. August steckt er mich schlussendlich um.

Einen Tag später erreicht mich morgens im Tierheim die Nachricht aus dem Marina-Büro, dass ich eine Steckdose benutze, die jemand anderem gehört. Ich kann gerade nicht weg, doch Judith meldet sich Minuten später mit den Worten “I was just kidding”. Okay, dann wollte sie mich etwas verarschen. Das ist schon in Ordnung, sie ist eine Frau mit viel Humor und kann auch selbst einen Scherz vertragen.

Freude im Tierheim über die Presseberichterstattung

Wir freuen uns im Tierheim über die Resonanz in der Presse. Unsere Videos von den Überwachungskameras haben auf Facebook viel Zuspruch erhalten und auch das örtliche Printmedium bringt einen Bericht über eine halbe Seite. Das ist toll. Seit dem wurden keine Tiere mehr außerhalb der Öffnungszeiten ausgesetzt. Ich bekomme immer noch die Alarme der Kameras auf mein Telefon geschickt, doch es geschieht nur noch sehr, sehr selten. Meist sind dann ein Auto und eine Person auf dem Bild zu sehen. Die Person liest sich die Öffnungszeiten durch, dann steigt sie wieder ins Auto und fährt davon. Wenn das an unserer Kampagne liegt, bin ich stolz darauf, meinen Teil dazu beigetragen zu haben.

Mutter und gleichzeitig Amme

Die Katzenmutter mit drei Kätzchen wurde vor dem Tierheim ausgesetzt. Eines der letzten Tiere, bevor der Bericht in der Zeitung erschien. Das mittlere Kätzchen ist eines der ihren. Die beiden anderen sind ebenfalls vor dem Tierheim ausgesetzt worden und brauchen die Muttermilch. Es ist ein Glücksfall für sie, dass sie von der Mutterkatze angenommen werden und mittrinken dürfen. Sie haben es besser, als die vier Katerchen, die ich vor einigen Wochen an Bord hatte. Menschen können Katzenmütter eben nur in Grenzen ersetzen.

Nach der Raubtierfütterung und der Reinigung der Katzenkäfige fahre ich noch zum Einkaufen. Dabei kommt mir eine Kolonne von Polizeimotorrädern entgegen, die die Seitenstraßen absperren und die einzige Ampelkreuzung Arubas blockieren. Der Gouverneur ist auf dem Weg zum Parlamentsgebäude. Es ist deutlich an der Flagge erkennbar.

Der Gouverneur auf dem Weg zum Parlamentsgebäude

Zurück an Bord will ich mein Elektroprojekt noch über die letzten Meter schieben. Natürlich fehlen mir noch Kabel, es fehlt immer an irgendwas. Also muss ich zu Budget Marine, im Baumarkt gibt es die guten, verzinnten Kabel nicht zu kaufen. Ich muss aber auch in den Baumarkt, weil mir Terminals fehlen, die es bei Budget nicht zu kaufen gibt. Wenn ich morgens etwas schneller im Kopf wäre, hätte ich das Zeug vor dem Gang zum Supermarkt geholt. Mein Portemonnaie zeigt mir die große Leere, also kommt der Besuch beim Geldautomat ebenfalls auf meine innere Todo-Liste. Meine Sachen sind schnell gepackt, als es an meinem Boot klopft. Jemand rumpelt an meinem Anker, es ist der Eigner des Katamarans. Die Sonne brennt vom Himmel, er verwickelt mich in eine Konversation und möchte sich verabschieden. Er müsse am kommenden Tag die Marina verlassen, weil der einzige Katamaran-Platz reserviert sei. Ich habe keine Lust auf Smalltalk und mir wird es in der Sonne zu warm. Ich gebe eine gewisse Eile vor und es rutscht mir die Bemerkung raus, dass ich zum Baumarkt muss. Wie dumm von mir.

Waschbecken, ein weiteres Corona-Produkt aus dem Alltag

Eine Stunde später stehe ich im Baumarkt vor eine Reihe Waschbecken, die ich mir an aller Ruhe ansehen kann. Ebenfalls die Toiletten und die Spülkästen und Badezimmerfliesen. Meine überschaubaren Einkäufe sind im Einkaufswagen. Außerdem haben wir schon die große Runde durch den Baumarkt hinter uns. Farbe für die Gasflaschen des Katamarans, die die Rostbildung verhindert. Toilettenreiniger. Sonstiges. Nun fehlt nur noch ein WC-Sitz für den Kat. Mein Mitfahrer steht vor einer Überschaubaren Aufgabe. Von den Maßen her sind ca. fünf der 36 Toilettensitze geeignet. Ich werde nach meiner Meinung gefragt. Warum? Mir muss er doch nicht gefallen. Ich zeige auf den erstbesten Sitz. Dann entdeckt der Mann über den drei Reihen zu je 12 Toilettensitzen noch zwei weitere Reihen, die sich in über zwei Meter Höhe der direkten Begutachtung entziehen. Die Suche nach einem Mitarbeiter des Baumarkts zieht sich ein wenig in die Länge, das ist hier in Aruba nicht anders als bei uns. Der erklärt dann, dass oben in der Höhe nur Dekoration ist, es seien die gleichen Sitze, die auch unten hängen. Der Mitarbeiter darf dann ebenfalls noch seine Meinung zu den Produkten äußern. Er zeigt auf den teuersten Sitz. So einfach geht das. Gekauft wird dann ein anderes Produkt. Ist mir doch egal, Hauptsache ist, dass wir endlich wieder aus dem Laden heraus kommen. Ich will schließlich mein Elektroprojekt weiter treiben. Wir fahren noch schnell zu Budget Marine, den Laden kennt mein Begleiter in- und auswendig. Dieser Einkauf ist schnell erledigt. Ohne Begleitung wäre ich eine Stunde früher wieder an Bord gewesen. Warum kann ich nicht Nein sagen?

Küchenbeleuchtung. Die Deckenbeleuchtung kann man auf Rotlicht umschalten.

Die Restarbeiten an Bord sind überschaubar. Der Kühlschrank bekommt eine komplett neue Stromversorgung auf anderem Weg als vorher, da das alte Kabel tief im Inneren vergraben ist und sich meinem Zugriff erfolgreich entzieht. Ich müsste die Achterkoje komplett auseinander nehmen, insbesondere die beiden Matratzen entfernen. Da schneide ich die beiden zugänglichen Enden des Kabels lieber ab und werde den Rest der Leitung so lange an Ort und Stelle belassen, bis sich eine Gelegenheit ergibt. Auch die Küchenbeleuchtung hat eine neue Stromversorgung und bessere Lampen. Die Arbeitsfläche ist jetzt angenehm hell, bei nächtlichen Fahrten lassen sich die Deckenleuchten auf Rotlicht umschalten. Nun sind nur noch die Navigationsbeleuchtung und einzelne Geräte zu verkabeln. Dann bin ich fertig. Die Lampen für den Salon liegen in der Firma von Sönke, dem Eigner der Pamina. Die Familie fliegt bald für eine Woche nach Deutschland und sie werden mir die Lampen mitbringen. Dann kann ich auch die Salondecke schließen. Ich schalte das Landstrom-Batterieladegerät aus und teste die Batterien. Erwartungsgemäß reicht im Hafen die Stromproduktion nicht für den Verbrauch, doch es ist schön anzusehen, wie gleichmäßig sich die Batterien nun entladen. Das Minus-Kabel des Kühlschranks muss sehr weit weg von der zentralen Masse angeschlossen gewesen sein. Ich ersetze das Antennenkabel durch ein neues. Das alte Kabel hatte einen Gleichstrom-Widerstand von 100000 Ohm. Mit dem neuen Kabel sind es noch 3 Ohm. Außerdem schließe ich den Außenlautsprecher an das Funkgerät an.

Neues Antennenkabel und der Außenlautsprecher werden angeschlossen

Wie teste ich das nun? Ganz einfach: Ich lege ein Telefon neben das Funkgerät, das auf einen unverdächtigen Kanal eingestellt ist, und drehe die Lautstärke auf. Dann nehme ich das zweite Telefon und rufe das erste Telefon an. Ich habe eine Verbindung an Bord. Neben dem Telefon kommt noch das Handfunkgerät mit ins Auto. Dann fahre ich langsam vom Boot weg und rufe immer wieder über Funk durch. Der Lautsprecher des Telefons quäkt und ich höre mit der üblichen WhatsApp-Telefonieverzögerung meinen Ruf aus dem Telefon. Das geht über 500 Meter, einen Kilometer und zwei Kilometer noch gut, die Sprache ist verständlich. Dann verliert sie sich in einem Rauschen. Eine Handfunke aus einer Seemeile Entfernung zu empfangen ist ziemlich im Bereich des Optimums. Es gefällt mir. Ein Radiocheck mit Arubaport wird mit “loud and clear” beantwortet. Das gefällt mir auch. Auf dem AIS-Bildschirm werden sogar Schiffe in mehr als 30 Meilen Entfernung angezeigt. Ich bin stolz, denn ich hatte mit den Steckern des Antennenkabels das erste Mal seit meinem Praktikum im Studium wieder einen Lötkolben in der Hand.

Die Stromverteilung ist fertig verkabelt und beschriftet. Drei Stromkreise sind frei.

Auch der Test des Radars verläuft erfolgreich. Der Licht-Check für die Navigationsleuchten ebenso, genau wie für die Lampen im Mast. Ich fühle mich richtig gut, während ich den Controller des Autopiloten anschließe. Ich drücke die Power-Taste und nichts passiert. Habe ich eine Sicherung für diesen Stromkreis eingesetzt? Leider ja. Jetzt muss ich doch unter meiner Matratze nachsehen, denn dort ist der Autopilot montiert. Der Schweiß tropft mir überall vom Körper. An einer verborgenen Stelle hat der Vorbesitzer von Sissi oder gar dessen Vorgänger die Isolierung der Zuleitung des Kühlschranks entfernt und das Minus-Kabel des Autopiloten an das Minus-Kabel des Kühlschranks gefummelt. Ich bin frustriert. Ich habe mir wieder für zwei Tage Arbeit aufgehalst. Andererseits war die alte Konstruktion ein amateurhaftes Gefrickel, ich müsste froh sein, dass ich es los bin. Ich bin aber nicht froh, denn ich wollte gar keine neue Baustelle mehr haben. Meinen Frust teile ich kurze Zeit später mit dem Eigner des Katamarans, der mir zufällig auf dem Steg entgegen kommt.

Kabel, die ich aus Sissi entfernt habe

Das Teilen meines Frusts erbrachte mir der Toilettensitz-Tour zum Baumarkt auch eine gewisse Öffnung dieses einigermaßen zwanghaft agierenden Menschen zu mir hin. Er beginnt, seinen Frust vor mir auszubreiten. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob man an einem Ort plant festzuhängen oder ob es ein ungeplanter Aufenthalt unbekannter Dauer ist. Die Familie mit zwei Kindern (5 und 12 Jahre) reibt sich gerade an dem Aufenthalt in Aruba auf. Seit Anfang August hängen sie fest, es sind noch Arbeiten am Boot zu erledigen und insbesondere der Kartenplotter tut es nicht. Die zu erwartenden größeren Ausgaben scheinen dem Mann geradezu körperliche Schmerzen zu bereiten. Dabei langweilen sich die Kinder, auch wenn die Kleine mit Lea von der Pamina spielen kann und die Große den Hund Charly von der Pamina ausführen darf. Es kommt Heimweh auf. Der Bordfrieden steht auf der Kippe. Als guter Fremdenverkehrs-Onkel empfehle ich, ein gewisses Kulturprogramm mit den Kindern durchzuziehen. Es gibt in Aruba unzählige Möglichkeiten, Kinder zu bespaßen. Die einzige Voraussetzung ist ein Mietwagen oder der Wille, ein Taxi zu der jeweiligen Attraktion zu bezahlen. Dafür ist mein Stegnachbar jedoch noch nicht bereit, dafür müsste er ja das Portemonnaie öffnen. Ich bin gespannt, auch wenn sie in Kürze die Marina verlassen, werde ich sicher noch von ihnen hören.

Olga wurde adoptiert

Ich bin im Tierheim und mache die kleine Olga fertig. Sie wurde adoptiert und wird in Kürze von ihren neuen Dosenöffnern abgeholt. Plötzlich erreicht mich eine Nachricht von Judith aus dem Marina-Büro. Der Eigner der Watashee hat sich darüber beschwert, dass ich ihm den Strom klauen würde. Als ich zurück im Hafen bin, ist Sissi vom Strom getrennt. Ich frage, woher ich meinen Strom denn nun beziehen soll, mir werden zwei Steckdosen an derselben Säule genannt. Leider sind beide mausetot. Ein Blick auf den Batteriemonitor zeigt mir, dass ich Landstrom nie nötiger hatte als heute. Die Batterien sind inzwischen zu etwas mehr als 50 Prozent entladen. Bei unter 40 Prozent Füllstand könnten sie ernsthaften Schaden nehmen. So weit wären wir dann nach der nächsten Nacht. Leider hat Judith keine Ahnung, woher ich sonst den Strom nehmen könnte.

Warum habe ich damals eigentlich nicht Nein gesagt? Als ich damals umgesteckt wurde dachte ich, dass der Eigner des Katamarans Judith gefragt hat, in welche Steckdose mein Stecker gesteckt werden muss. Hat er aber offensichtlich nicht. Hafenmeister Paul verspricht mir die Installation einer zusätzlichen 220V Steckdose, was mir in der aktuellen Situation aber nicht hilft. Ich gehe zum Katamaran und bedanke mich dafür, dass ich nun meinen Motor mal für ein paar Stunden laufen lassen darf. Der Mann meint zwar, er hätte mich genau in die Steckdose gesteckt, die Judith ihm genannt hat. Das kann meiner Meinung nach nicht sein, denn Judith weiß genau, welche frei sind und welche nicht. Aber ich darf wieder den Strom aus meiner alten Steckdose zapfen, er muss ja sowieso am folgenden Tag losfahren.

Hitze

Draußen auf dem Ozean zieht weit im Norden eine tropische Störung nach der anderen durch. Manche davon finden ihren Weg sogar in die Tagesschau, wenn sie auf karibischen Inseln oder in den USA Chaos anrichten. Nach Aruba finden sie glücklicherweise ihren Weg nicht, doch sie saugen wie gigantische Staubsauger den Passatwind weg und sorgen hier dafür, dass die üblichen Temperaturen unerträglich werden. Mit fünf Windstärken kann man auch bei 35°C angenehm im Schatten sitzen, bei nur drei Windstärken tropft der Schweiß auf den Boden.

Es ist heiß

Dafür sehe ich langsam das Ende meine Elektrobaustelle herannahen. Neben der Vorschiffskoje und dem Salon ist jetzt auch das Cockpit neu verkabelt. Anfangs war es noch sehr anstrengend und schweißtreibend, die Leichen der vielen Kabel von den vor Jahren ausgemusterten Instrumenten des Voreigners aus den engen Kanälen zu ziehen. Als ich endlich ein wenig Platz schaffen konnte, war es leicht die neuen Kabel durchzuziehen. Stolz war ich auf den neuen Kabelkanal, der viel ansehnlicher ist als der alte, mit Isolierband umwickelte Kabelstrang. Auch da waren noch einige Leichen drin verpackt. Ich verlege alle Kabel sauber, schließe sie an und prüfe sie auf Funktionsfähigkeit. Nach bestandenen Tests bringe ich die Verkleidung und den Instrumententräger wieder an ihren Platz und verschraube sie.

Cockpit

Dann will ich mich am Ergebnis erfreuen, finde jedoch fünf Minuten später im Salon noch den kleinen externen Lautsprecher, den ich an das Funkgerät anschließen möchte. Der Außenlautsprecher soll es möglich machen, den Funk auch zu verstehen, wenn der Motor läuft. Bislang musste ich immer runter in den Salon, wenn ich dachte, dass Sissi gerufen wird. In Zukunft werde ich wissen, dass Sissi gerufen wurde und kann dann entspannt zum Funkgerät gehen und antworten. Nur liegt dieser blöde Lautsprecher auf dem Salontisch zwischen allem möglichen anderen Installationsmaterial und ist nicht an seinem angedachten Einbauort. Also muss ich noch einmal die ganzen Verkleidungsteile abnehmen und den Lautsprecher an seinen Platz bringen.

Erste Messungen zeigen, dass die Solarzellen auf dem Cockpitdach mit den neuen Kabeln ca. 15% mehr Leistung liefern.

Was ist noch zu tun? Die Stromversorgung des Kühlschranks wird noch erneuert und dann habe ich den Elektrojobs alle erledigt. Fast alle. Ein neues Antennenkabel für die Funkantenne will noch gekauft und verlegt werden. Die Antenne ist noch gut, beim Durchmessen bietet sie einen Kurzschluss für den Gleichstrom des Messgeräts. Das alte Kabel war mehrfach unterbrochen und gelötet, da ist die Sende- und Empfangsqualität hingegangen.

Öffnungszeiten des Animal Shelter

Es ist doch eigentlich gar nicht schwer. Von Montag bis Freitag kann man zwischen 8 Uhr und 11:30 Uhr die nicht mehr gewollten Haustiere abgeben. Die Videoüberwachungskameras bieten auch eine Alarmierungsfunktion. Inzwischen werde ich alarmiert, wenn ein Tier abgeworfen wird. Okay, die Kameras geben Alarm, wenn sich auf dem Parkplatz etwas tut. Die Zahl der Fehlalarme ist überschaubar. Einmal war bin ich hingefahren um zu wissen, was sich in der Box vor der Tür befindet.

Drei Kätzchen in einer Box

Während ich noch überlege und mit Eva telefoniere, was wir mit den Kätzchen machen sollen, kommt plötzlich ein Wagen auf den Parkplatz gefahren. Eine junge Frau mit zwei kleinen Kindern sitzt darin. Sie steigt aus und geht zu den Kätzchen, sammelt sie ein. Ich frage sie, warum sie die Tiere zuerst ausgesetzt, dann wieder eingesammelt hat. Ihre Mutter hat die Katzenkinder ohne zu fragen bei uns entsorgt. Es ist traurig, die Kätzchensaison hat gerade erst begonnen. Am nächsten Morgen finden wir vier Hundewelpen vor der Tür.

Auch ungeliebt von ihren Besitzern.

Im Hafen geht alles seinen normalen Gang. Drei deutsche bewohnte Boote liegen am Steg. Neben Sissi und Pamina noch ein deutscher Katamaran. Der Kat liegt so nah an meinem Boot, dass ich sehen kann, was da alles so veranstaltet wird. Die Besitzerfamilie hat das Boot in Aruba erworben und macht es nun langfahrtentauglich. Arbeiter von der Marina gehen jeden Tag ein und aus, das Boot muss perfekt werden. Der Eigner ist ein ehemaliger Lufthansa Pilot. Wenn die alle so sind, werde ich nie wieder in einen Lufthansa-Jet einsteigen. Das wird wahrscheinlich sowieso nicht passieren.

Anfangs fand ich die Leute ja ganz nett. Der Eigner hat noch keinerlei Erfahrung mit Langstreckensegeln und hatte eine Unmenge Fragen an mich. Allerdings hat er sich zu keiner der Fragen meine Antworten anhören wollen bzw. wenn er sie angehört hat, hat er nicht zugehört. Okay, es muss jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln. Auch ich habe den Stein der Weisheit noch nicht gefunden, dabei gibt es in Aruba jede Menge Steine.

Swa bei seiner Lieblingsbeschäftigung

Er fragte mich am Anfang dieser Woche, ob ich Bescheid sagen würde, wenn ich wieder zum Supermarkt einkaufen fahre. Er würde gerne mitfahren. Am gestrigen Freitag war es dann soweit. Ich sehe ihn den Steg entlang laufen und kündige die Fahrt zum Supermarkt für etwa 16 Uhr an. Das geht bei diesem Menschen nur mündlich, denn der Katamaran ist das einzige Boot, mit dem ich länger im selben Hafen liege und von dem ich nie eine Telefonnummer bekommen habe.

Ziemlich pünktlich stehe ich vor dem Katamaran. Jetzt passt es ihnen gerade nicht, sie haben etwas anderes vor. Sie behandeln mich, als würde ich sie bei wichtigen Tätigkeiten stören. Also gehe ich wieder, schnappe mir Portemonnaie und Autoschlüssel und will losziehen.

Plötzlich steht die ältere Tochter vor meinem Boot und will wissen, ob sie und ihre Mutter doch mitfahren können. Das ist ja kein Problem für mich, es war sowieso geplant. Auf dem Parkplatz treffen wir Rebecca, die Hund Charly gerade ausführt. Die beiden bleiben erst einmal für einen ausführlichen Schnack stehen. Ich komme mir vor, wie der letzte Hanswurst. Ich habe keine Aktien mit dem Hund. Ich muss auch keine Kinder auf meinem Boot unterrichten. Ich will eigentlich nur in den Supermarkt fahren. Eine knappe Viertelstunde später sitzen wir gemeinsam im Auto. Die beiden fangen eine Unterhaltung auf Tschechisch an. Schön, sie sprechen eine Sprache mehr als ich. Das empfinde ich als sehr unhöflich. Ich muss lernen, öfter Nein zu sagen. Der Eigner möchte noch, dass ich ihm seinen Parasailor richte und ihm eine Einweisung gebe. Das geht nicht. Es gibt keinen Katamaran, der groß genug wäre, dass wir beide darauf gleichzeitig fahren könnten.

Music Bingo

Am Mittwoch habe ich den ersten Preis beim Music Bingo gewonnen, eine Flasche Rum aus Venezuela. Wie die meisten Gewinner auch habe ich mir von Sanne eine Ladung Gläser kommen lassen und eine Lokalrunde ausgegeben. Es kommt ja nicht auf den Rum an, sondern darauf, dass man einen schönen Abend hatte.

Gustav

Ich habe ein geregeltes Leben. Arbeiten auf dem Boot, gelegentlich im Tierheim oder bei den Eseln. Jeden Mittwoch fahre ich nach Oranjestad in das Jazz Café, dann gibt es Music Bingo und ich treffe ein paar andere Leute als in der Marina. Letzten Mittwoch fand eine der seltenen Änderungen der Routine statt. Ich warte auf den Beginn der ersten Bingo-Runde, als mein Telefon klingelt und der Name Gustav angezeigt wird. Gustav war Teil einer dänischen Crew, die mit 16 Personen auf einem Boot zwischen Aruba, Curacao und Bonaire hin und her gesegelt sind, wenn sie nicht gerade in Covid-Quarantäne waren. Gustav ist in Curacao und möchte über Aruba in die USA fliegen. Er möchte bei mir an Bord schlafen. Das geht für mich in Ordnung, er muss allerdings mit der Bank im Cockpit vorlieb nehmen. Mein Gästezimmer ist unbewohnbar.

Gästezimmer

Das macht ihm nichts aus. Er freut sich auf das Wiedersehen und meint noch, dass er in der Marina suchen wird, ob er nicht ein gemütlicheres Bett bekommt. Das ist für mich vollkommen in Ordnung. Als ich nach dem Music Bingo zurück zu Sissi komme, treffe ich auf dem Parkplatz Gustav und er hat tatsächlich ein anderes Boot für die Übernachtung gefunden. Sehr schön. Es sieht bei mir schlimm genug aus, da kann ich eigentlich gar keinen Gast gebrauchen.

Stromverteilung entkernt

Meine Stromverteilung ist inzwischen entkernt. Die Kabel hängen geordnet und beschriftet von der Salondecke herunter bzw. etwas ungeordnet in den Ecken. Die meisten davon wollen in den kommenden Wochen ersetzt werden. Meine inzwischen eingebaute und voll funktionstüchtige neue automatische elektrische Bilgepumpe ist ein Komfortgewinn ohne Gleichen. Ich kann nach Herzenslust duschen und noch während des Duschvorgangs kann ich mich an dem Pumpengeräusch im Keller unter mir erfreuen.

Halbwegs geordnet aber durchweg beschriftet

Ich muss nur noch dem Kühlschrank eine dickere Stromleitung verpassen, die Zuleitungen in die Achterkoje ersetzen, die Deckenlampen im Salon anschließen und darf nicht vergessen, zuletzt alles wieder zu verkabeln, was für den Betrieb des Schiffes erforderlich ist. Bei der letzten größeren Stromaktion vor mehr als drei Jahren hatte ich tatsächlich vergessen, den Kühlschrank wieder anzuschließen.

Es gibt noch viel zu tun

Am Donnerstag bin ich wie immer im Tierheim und kümmere mich um die Katzen. Dort erreicht mich eine ziemlich frustrierte Nachricht von Gustav. Sie lassen ihn nicht in die USA einreisen, weil er das falsche Visum hat. Deswegen muss er in Aruba bleiben, wo sie ihn nicht wieder reinlassen wollen, wenn er kein Flugticket für den Rückflug vorweisen kann. Er kauft ein Ticket nach Curacao und fragt mich, ob er in dieser Nacht in meinem Cockpit schlafen darf. Darf er. Am Abend unterhalten wir uns, ich will mehr über seine Pläne wissen. Eigentlich will er in die USA, um dort in New York auf einem Großsegler zu arbeiten und Geld zu verdienen. Das kann er jetzt aber vergessen nach seinem Versuch, mit dem falschen Visum einzureisen. Nun sucht er eine günstige Möglichkeit, seine Zeit in Aruba zu verbringen und eine Passage nach Kolumbien oder Panama auf einem Segelboot zu erwischen.

Esel im Starkregen

In solchen Fällen denke ich immer “Esel”. Ich sehe nach, ob in einem der beiden Apartments Platz ist. Sie sind beide frei. Ich erkläre Gustav den Deal, dass er für 20 Stunden Arbeit in der Woche bei den Eseln ein Apartment und ein Auto bekommen kann. Diese Idee findet er total gut, ich schicke ihm Desriees Telefonnummer. Am Freitag fahre ich ihn ins Donkey Sanctuary. Er bekommt den Job, das Apartment und das Auto, jetzt ist er ein sehr glücklicher Mensch. Nun kann er sich weiter um ein neues Visum für die USA bemühen, eine Passage suchen und hat kein Problem mit drohender Obdachlosigkeit mehr.

Kamino in der großen Gruppe

Im Donkey Sanctuary gibt es auch gute Nachrichten. Kaminos Stumpf ist soweit in Ordnung, dass er in die große Gruppe gelassen wurde. Nun muss er mit den dicken Eseln um das Futter kämpfen. Zur Fütterungszeit stelle ich fest, dass es für ihn kein Problem ist, genug Heu zu bekommen. Er hat die Technik perfektioniert, seinen Körper auf dem vorderen Bein zu drehen und dann mit den hinteren Hufen zu kicken. Keiner mag neben ihm am Heu stehen. Das gefällt mir sehr gut.

Schlank und sehr schön – Kamino

Weitere Ausbrüche aus meiner Routine sind die teilweise schon sehr häufigen Besuche im Animal Shelter, um Videos von den Überwachungskameras zu sichern. Die Aufzeichnungen werden nach vier Tagen überschrieben, mehr passt nicht auf die Festplatte. Interessanterweise werden die Tiere vor allem an Tagen mit viel Regen ausgesetzt. Die fünf Tiere, die an einem Tag ausgesetzt wurden, habe ich schon einmal gezeigt. Jetzt ist es etwas kompakter. Zuerst werden drei Kätzchen gebracht. Dann kommt der erste Hund. Eine Stunde später informiert sich ein Mann über die Öffnungszeiten, fährt wieder davon und bindet eine halbe Stunde später einen Hund an den Baum. Auch das Pärchen im nächsten Schnipsel informiert sich über die Öffnungszeiten, dann werden eine hochschwangere Hündin und eine sehr junge Hündin aus dem Wagen gezerrt. Bei der Abfahrt des Wagens ist gut zu sehen, wie die werdende Mutter hinterher läuft und zu ihren Menschen möchte. Die beiden Hunde können wir durch Zufall retten, sie sind am nächsten Tag noch in der Nachbarschaft. Bei der Sichtung der Videos finde ich später dann den einzigen einigermaßen verantwortungsbewussten Tierhalter, der seine Welpen wieder mitnimmt. Ein wenig Slapstick, wie die Welpen immer wieder aus ihrer Box herauskommen wollen. Der letzte Hund wurde morgens um viertel vor Acht angebunden. Um acht Uhr öffnet das Tierheim.

In den meisten Fällen haben wir das Autokennzeichen. Diese Fälle werden zu einem tierlieben Polizist gebracht, der wiederum die Anzeige fertigt, welche zu einem Bußgeld führt. Der Polizist arbeitet übrigens bei der Hundestaffel. Nach der Sicherung der Videos fahre ich dann wieder zu Sissi und kümmere mich ums Strippen ziehen.

12V und der dritte Geburtstag

Seit Monaten arbeite ich an der Elektrik von Sissi. Auf dem Rückweg von Kuba haben wir ziemlich viel Salzwasser im Boot gehabt und ein großer Teil der Kabel bzw. deren Verbindungsstücken ist korrodiert. Mein Ziel war es eigentlich, das bis zu meinem Geburtstag abgeschlossen zu haben. Das Ziel ist verfehlt, auch die vier kleinen Kätzchen haben ihren Anteil daran gehabt. Es ist mir nicht gerade egal, in Eile bin ich dennoch nicht. Mein neues Ziel ist, mir ein funktionsfähiges neues Schaltpaneel zum Geburtstag zu schenken. Die Stromversorgung vom alten auf den neuen Sicherungskasten umzuziehen ist ein dicker Brocken. In der Vergangenheit habe ich immer im Winterlager an der Elektrik gearbeitet. Damals musste das Boot nicht funktionieren. Jetzt ist Sissi aber bewohnt. Ich brauche zumindest Kühlschrank, Gefrierschrank, Wasserpumpe, Licht, Radio, WLAN und Lademöglichkeiten für mein Telefon, sonst ist mir das Leben zu spartanisch.

Admiral Nelson, Magellan, Captain Sparrow und Columbus

Zunächst muss ich das neue Schaltpaneel bauen. Die Trägerplatte habe ich vor ein paar Wochen in einer Schreinerei gegen zwei Heinecken getauscht. Sie wurde mir schon auf die korrekten Maße zugesägt. Ich muss mich nur noch um die Ausschnitte für die beiden Instrumente sowie für die Schalter kümmern. Die Schalter habe ich nebst Trägern in mehreren Läden über die Insel verteilt zusammengeklaubt.

Trägerplatte nach dem Sägen

Die Ausschnitte für die Schalterleisten sind sehr schön geworden. Weniger schön die Löcher für die Rundinstrumente. Da fehlte mir der passende Aufsatz für die Bohrmaschine, ich habe sie mit der Stichsäge gesägt. Sind die Instrumente an ihrem Platz, kann man die Unsauberkeiten kaum noch sehen. Mir genügt es.

Nach dem ersten Anstrich

Ich will im Salon die dunklen Wände gegen Ende der Renovierungsarbeiten in Weiß streichen. Das wird den Salon mächtig aufhellen. Deswegen fange ich mit dem Schaltpaneel an. Schon der erste Anstrich ist sehr schön geworden. Jetzt muss ich die Farbe über Nacht trocknen lassen. Die Zeit bis zu meinem Geburtstag wird knapp, doch noch ist der Termin zu halten. Ich nutze die Zeit, um die beiden neuen Sicherungskästen auf kleinen Holz-Sockeln an ihren neuen Wohnort zu bringen. Die Verkabelung ist durchweg in 3 mm² ausgeführt, ich kann also später eine fast beliebig dicke Sicherung einsetzen. Es gibt sowieso nur vier Verbraucher, die hier angeschlossen werden und mehr als 5A ziehen (Kühlschrank, Gefrierschrank, Autopilot, Radar).

Die neuen Sicherungskästen sind an Ort und Stelle, sie sind jedoch noch nicht angeschlossen.

Leider tut mir die Farbe nicht den Gefallen, innerhalb von vier Stunden zu trocknen. Die Sicherungskästen sind soweit klar für die Verkabelung. Hier kann ich erst weitermachen, wenn das neue Paneel an Ort und Stelle ist. An Bord ist also nichts mehr zu tun.

Seit ich den Gefrierschrank habe, liegen Packungen mit Blätterteig darin. Ich erinnere mich noch gut an Jens’ Begründung, warum wir in Wales ein Nudelholz kaufen mussten. Er wollte Blätterteig für leckere Croissants selbst machen. Zu diesem Wahnsinn ist es nie gekommen, das Nudelholz war im Laufe der Zeit aber immer wieder Nützlich. Die eine oder andere Pizza haben wir an Bord gebacken. Nun ist mein Backpapier zu Ende, also fahre ich in den Supermarkt. Selbstgebackene Croissants sind schon ziemlich lecker. Beim Abschreiten der Regale finde ich das Backpapier zunächst nicht. Statt dessen finde ich ein mir bisher unbekanntes Corona-Produkt.

Corona Seife

Ich muss an die Anti-Corona-Maßnahmen der hiesigen Regierung denken und fühle mich wie in einem Déjà-vu. Wie soll ich meinen Geburtstag feiern? Wie kann ich die Maßnahmen soweit verbiegen, dass wir alle zusammen kommen können? Im vergangenen Jahr habe ich im Donkey Sanctuary gefeiert. Damals war es nicht erlaubt, am Strand zu feiern oder Alkohol zu konsumieren. Das ist seit einer Woche auch wieder verboten. In Restaurants und Bars gilt die 4-Personen-an-einem-Tisch-Regel. Das gab es im vergangenen Jahr auch. Und wir haben eine harte Ausgangssperre ab 22 Uhr. Wer danach von der Polizei auf der Straße angetroffen wird, zahlt eine Buße von 5000 Florin (wenn ich mich recht erinnere) und verbringt die Nacht im Gefängnis. Das war vergangenes Jahr auch so. Nur hatten wir im vergangenen Jahr gut 100 Corona-Fälle, jetzt sind wir knapp bei 1000. Die Intensivstation ist voll, Kranke werden nach Kolumbien ausgeflogen. Diesmal sind es nicht die Alten, diesmal sind die jungen Ungeimpften die Hauptbetroffenen. Wie ich es aus Deutschland auch mitbekomme.

Corona Kakao

Am Freitag bekommt das neue Schaltpaneel um acht Uhr morgens seinen zweiten Anstrich. Das Ergebnis gefällt mir sehr gut. Ich hoffe, dass ich die Schalter und Instrumente noch am selben Tag einbauen kann. Die Farbe muss nur schnell genug trocknen. Derweil schraube ich schon einmal das alte Paneel los und stelle es neben den Schrank. Ich trenne die Batterien vom Bordnetz. Windgenerator und Solarpaneele sind abgeschaltet. Trotzdem passiert nichts. Natürlich, den Landstromlader habe ich nicht ausgeschaltet. Ein Klick, die rote Kontrollleuchte erlischt. Alle anderen Lampen leuchten weiter, Kühlschrank und Gefrierschrank brummen. Wo kommt denn der Strom immer noch her? Nach kurzem Nachdenken ist mir klar, dass der Strom von der Starterbatterie kommt. Die ist aufgrund der langen Liegezeit über einen Schalter mit dem übrigen Netz verbunden, damit sie sich nicht selbst entlädt. Außerdem kann ich so den Motor über die Verbraucherbatterien starten, wenn es nicht anders geht. Ein Klick und es ist im Boot dunkel.

Der alte Sicherungskasten ist raus.

Jetzt werden alle unbedingt notwendigen Verbraucher auf eine einzige Sicherung gelegt. Ich habe eine schöne, kleine Stromschiene für die Lichtverteilung, auf der noch etwas Platz ist. Deswegen kommen alle Kabel erst einmal provisorisch darauf und werden an einer einzigen Sicherung im neuen Sicherungskasten abgesichert. So kann ich die Nacht überstehen. Später ist es dann doch noch möglich, den neuen Sicherungskasten zu bestücken und zu verdrahten.

Das neue Schaltpaneel

Auf dem Foto ist unschwer zu erkennen, dass ich fünf verschiedene Schalter eingebaut habe. Die sind von zwei verschiedenen Herstellern gebaut und in drei Marineshops in Aruba eingekauft. Entweder nimmt man hier, was man bekommen kann, oder man muss bestellen. Eine Bestellung hat aber nicht immer etwas damit zu tun, dass es auch zu einer Lieferung kommt. Ich warte immer noch auf den Anruf eines der Marineshops bei dem ich vor eineinhalb Monaten eigentlich 24 Schalter bestellt habe.

Das neue Paneel ist an Ort und Stelle

Mein Ziel ist fast erreicht. Da ich die Gäste erst für 17 Uhr zu meiner Geburtstagsfeier in das Jazz Cafe eingeladen habe, bleiben mir noch ein paar Stunden Zeit. Natürlich fängt alles erst einmal mit einer Autofahrt zum Baumarkt an, denn die alten Scharniere kann ich für das neue Paneel nicht mehr benutzen. Die Befestigungsschrauben sind hinüber und mir fehlen entsprechend kleine Schrauben. Entweder brauche ich Schrauben oder neue Scharniere. Die alten haben ein wenig unter dem Salzwasser gelitten, also ersetze ich sie durch neue. Nun kann das Paneel in den Schrank eingebaut und verdrahtet werden. Insbesondere die Leitungen vom Sicherungskasten müssen alle sorgsam an Ort und Stelle gebracht werden. Nicht dass die Nummern durcheinander geraten.

Alt (links) und Neu (rechts)

Jetzt ziehen noch Kühlschrank, Gefrierschrank und Kabinenbeleuchtung auf ihre neuen Schalter um. Anschließend bin ich zufrieden und betrachte den Meilenstein als erreicht. Zumindest ein Teil der Elektrik läuft auf dem neuen Sicherungskasten und Paneel, der Rest kann jetzt einfach umgeklemmt oder angeklemmt werden. Eine schöne Fleißaufgabe für die kommende Woche. Einige der alten Kabel wollen noch ersetzt werden, das ist der Herkules-Teil der Arbeiten.

Ein Eimer Bier

Etwa ein Dutzend Leute habe ich eingeladen. Erwartungsgemäß kommen die Holländer und die Deutschen zuerst. Die Arubaner sind etwas später dran. Ich habe einen einzigen Tisch bestellt, doch Wirtin Sanne verteilt die Reservierungsschilder gleich über drei benachbarte Tische. In der Folge bilden sich ein deutsch-französischer, ein holländischer und ein arubanischer Tisch heraus. Wir bestellen Pizza und lassen es uns gut gehen, außerdem werden von uns jetzt alle Corona-Regeln eingehalten. Die Polizei kommt nicht zu einer Kontrolle vorbei. Es ist der dritte Geburtstag, den ich nicht in Frankfurt feiere.

Eva vom Tierheim ist ebenfalls unter den Gästen. Leider hat sie die traurige Nachricht, dass der kleine Magellan es nicht geschafft hat. Zwei Tage vorher habe ich die vier noch einmal gefilmt. Ich glaube nicht, dass die Großen ihm das Futter weggeschnappt haben. Bei so kleinen Kätzchen ist es schwer, sie alle durchzubringen.

Ellie

Einige Male war ich bei den Katzen, seit dem ich den letzten Beitrag geschrieben habe. Auch bei den Eseln konnte ich mich an den Sonntagnachmittagen entspannen. Das Leben geht hier seinen geruhsamen Gang und normalerweise passiert nicht viel. Die großen Ereignisse in der Welt finden nicht in Aruba statt. Kleine Anekdoten kann ich natürlich erzählen und etwa die Geschichte von Ellie hat das Zeug zu einem ganz großen Drama.

Ellie, eine von vielen streunenden Hündinnen in Aruba

Vor knapp zwei Wochen ist die Segeljacht Pamina hier in Varadero angekommen. Am Heck weht die deutsche Flagge und an Bord sind Lea, Rebecca, Sönke und Charly. Eine ganz normale Familie, die sich auf der Barfußroute eine Auszeit gönnt. Während ich meinen Morgenkaffee trinke ruft mich Paul zu sich. Ein deutsches Boot würde hineinkommen und ich könnte doch bei Sprachproblemen aushelfen. Natürlich mache ich das gerne, außerdem ist mir jede Abwechslung im normalen Alltag willkommen. Beeindruckend ist nicht nur die Größe des Boots, beeindruckend ist auch die Größe von Charly, dem Bordhund. Er ist nun 12 Jahre alt.

Die Pamina

Auf der Pamina ist in Aruba ganz großes Programm geplant. Das Boot soll aus dem Wasser geholt und von unten gestrichen werden. Außerdem hat Sönke neue Batterien bestellt, die hier eingebaut werden sollen. Eine Klimaanlage für die Pamina steht auch noch auf der Todo-Liste. Also werden wir hier eine gewisse Zeit gemeinsam verbringen. Sönke ist zwar der Meinung, dass alles Ende August fertig sein wird, er glaubt aber auch noch an erfolgreiches Projektmanagement in Aruba. Die erste Ernüchterung war, dass von den 24 bestellten Batteriezellen nur 12 geliefert worden sind. Ich bin gespannt, wie lange die Nachlieferung brauchen wird, die erste Ladung war sechs Wochen unterwegs.

Callas, Caruso und Pavarotti. Drei Kätzchen, die sich durch eine außergewöhnliche Stimmgewalt auszeichnen, sind in der vergangenen Woche im Tierheim eingezogen. Wir sind gespannt, ob das weiße Katerchen taub ist. Noch konnten wir es nicht herausfinden.

Um mir den Abschied von diesen süßen Spitzohren leichter zu machen, versuche ich, mir das Schicksal der anderen nicht mehr so zu Herzen zu führen. Auch die Namen lerne ich normalerweise nicht mehr. Die Opernsänger allerdings sind auf meinem Mist gewachsen, ich hatte die Aufgabe der Namensfindung.

Und da wäre dann Ellie. Lea (7) hat sie im Fischrestaurant kennengelernt, die beiden haben viel miteinander gespielt. Ellie ist eine mehrere Monate alte Streunerin, die neben einigen anderen Hunden im Hafenbereich lebt. Das ist nicht außergewöhnlich, die Angestellten der Marina, die Fischer, die Segler und die Leute vom Restaurant stellen Wasser und gelegentlich Nahrung bereit. Man kann den Hund ja nicht verkommen lassen. Ellie zeichnet gegenüber anderen Straßenhunden aus, dass sie ein Halsband trägt. Und Rebecca findet Ellie auch süß, sie hat ihr ihren Namen gegeben. Sie hat sie von Dutzenden Zecken befreit und mit Flohmittel behandelt. Ich ziehe die Familie nun immer damit auf, dass sie nun ein zweites Hundekörbchen unter Deck brauchen. Auch Charly ist begeistert von Ellie, denn sie war in den letzten Tagen heiß und er hatte seinen zweiten Frühling. Hoffentlich ist da nichts angebrannt…

Verkabeln eines von zwei der neuen Sicherungskästen

Mein Ellenbogen behindert mich immer noch an der Arbeit. In den letzten Tagen hat sich glücklicherweise eine stetige Verbesserung abgezeichnet, so dass ich hoffen kann, in ein bis zwei Wochen wieder ordentlich zupacken zu können. Derweil robbe ich mich arbeitsmäßig langsam an mein Ziel heran. Der alte Sicherungskasten ist mit Sicherungsautomaten ausgestattet, die wahrscheinlich so alt sind wie Sissi. Diese sind inzwischen so herunter, dass sie unter anderem bei unterschiedlichen Stromstärken auslösen.

Der alte Sicherungskasten

Einige der Automaten sind gar nicht mehr zu gebrauchen. Das Zeug fliegt komplett raus. Ich ersetze es durch zwei Sicherungskästen mit Schmelzsicherungen und einfachen Schaltern. Auch diese wollen verkabelt werden, Sicherungen, Schalter, Kabel und die Grundplatte müssen besorgt werden.

Den Sicherungskasten und die Stromkabel bekomme ich bei Budget Marine. Sauteuer, dafür aber für den Gebrauch auf Booten ausgelegt. Insofern sicherlich eine gute Investition. Bei den Schaltern werde ich aber nicht fündig, meinen Bedarf kann Budget Marine hier nicht befriedigen. Auch bei den Schmelzsicherungen herrscht hier gerade Knappheit. So fahre ich anschließend zu Boat & Fishing Aruba. Die haben 10 der von mir benötigten Schalter, von denen ich 24 brauche. Die anderen 14 bestelle ich, sie sollen in der ersten Augustwoche eintreffen. Dafür gibt es hier aber die Montagehalterungen nicht, sie sind auch nicht bestellbar. Hä? Diese Halterungen habe ich aber bei Budget Marine gesehen. Allerdings hat Budget nur eine einzige im Laden vorrätig, also bestelle ich die restlichen. Auch die sollen in der ersten Augustwoche kommen.

Derweil kann ich die beiden Sicherungskästen schon verkabeln. Sicherungen und Kabelschuhe gibt es im Baumarkt. Der Baumarkt hat aber kein Holz, das ich als Trägerplatte benutzen kann. Die verfügbaren Bretter sind alle in 2,4 m Länge und 1,2 m Breite und passen damit nicht in mein Auto. Außerdem wollen sie mir nicht das kleine 36 cm auf 40 cm Brettchen verkaufen, ich müsste das ganze Brett nehmen. Das geht besser.

Ich frage Soraida. Sie gibt mir den Tipp, es bei einer Schreinerei zu versuchen. Eine Viertelstunde und zwei Heinecken später habe ich ein auf Maß zugesägtes Stück Holz. Ein schönes Erfolgserlebnis.

Voll verkabelter Sicherungskasten

Derweil sehe ich Ellie immer wieder auf der Pamina an Bord. Nachdem sie an einem der ersten Tage ins Wasser gefallen ist und von Rebecca gerettet wurde, kann sie inzwischen selbständig an und von Bord gehen. Das freut Charly sicherlich sehr, wenn die Familie einen Ausflug macht und er alleine das Boot bewachen muss. Nur Sönke ist bislang standhaft und verkündet seine Meinung, dass er keinen zweiten Hund an Bord braucht. Er verscheucht Ellie regelmäßig. Einem echten Straßenhund macht das gar nichts aus. Außerdem haben alle anderen Ellie lieb.

Sind sie nicht niedlich? Die muss man doch adoptieren.

Meine Beziehung zu den Katzen und Kätzchen im Tierheim lasse ich jedenfalls gar nicht mehr so tief werden. Nur Elvis wird von mir regelmäßig gestreichelt und gekrault. Das kann ich machen, weil er in seinem Leben das Tierheim wohl nicht mehr verlassen wird. Er war vor ein oder zwei Jahren an eine Familie vermittelt worden und wurde total unglücklich. Er hat nicht mehr gefressen und sich in Ecken verkrochen. Als er zurück ins Tierheim kam, blühte er wieder auf und war glücklich.

Shrimp chillt

Also halte ich mich für die festen Beziehungen an Shrimp, Sunchi, Swa und Socks im Donkey Sanctuary sowie an Mikey im Hafen. Wobei der bildhübsche Kerl derzeit Ausgangssperre hat. Er hat sich an einer der Hinterpfoten verletzt, muss eine Halskrause tragen und darf nicht mehr in der Marina spazieren gehen. Ich freue mich darauf, wenn er wieder zu mir zum Frühstücken kommt.

Auch zu den Eseln eine Beziehung aufzubauen ist vollkommen risikolos. Esel passen nicht auf Segelboote. Außerdem geht es diesen Eseln ausgezeichnet, man könnte ihnen keine bessere Umgebung bieten.

Relax

Ich bin gespannt, wie die Geschichte mit Ellie weitergeht und ob sie ein Straßenköter auf Aruba bleibt. Rebecca versucht gerade, über Facebook jemanden zu finden, der den zugegebenermaßen niedlichen Hund bei sich aufnimmt. Lea versucht, den Hund so oft wie möglich zu knuddeln und zu umarmen. Charly versucht, was die Natur ihm vorgibt. Sönke versucht, die Kontrolle nicht zu verlieren. Ich versuche, meinen blöden Ellenbogen wieder fit zu bekommen. Ellie jedenfalls hat morgen gemeinsam mit Charly einen Termin beim Tierarzt. Entflohen, entwurmen, impfen (?). Das wird noch spannend.

Ellie entspannt vor der Pamina

Kaputt machen

Es gibt Kleinigkeiten im Leben, an denen ich meine deutsche Herkunft immer wieder vor Augen geführt bekomme. Die deutsche Tugend der Pünktlichkeit halte ich sehr hoch. Damit bin ich einer unter wenigen in Aruba. Mit Anneke kann ich mich zu einer bestimmten Uhrzeit verabreden. Bei ihr weiß ich sicher, dass sie pünktlich sein wird, meistens ist sie sogar vor der vereinbarten Zeit am Treffpunkt. So stehe ich um acht Uhr morgens vor dem Animal Shelter und bin mal wieder der Erste.

Eine der Katzen, die vor dem Tierheim wohnen

Neben den Katzen, die im Tierheim wohnen, gibt es auch noch ein paar vor der Tür. Eine besonders schöne Dame wartet gemeinsam mit mir auf den Schlüssel zur Eingangstür. Nach und nach kommen die anderen Helfer, irgendwann erscheint auch die Dame mit dem Schlüssel. So weit, so gut. Dann können die Katzen vor der Tür ja ihr Futter und Wasser bekommen.

Elvis

Das ist Elvis. Er ist fünf Jahre alt und hat sein gesamtes Leben im Animal Shelter verbracht. Der wunderschöne Kater ist einigermaßen scheu den Menschen gegenüber. Wahrscheinlich hat ihn deswegen niemand adoptiert.

Holzdecke mit Wasserschaden

An Bord treibe ich meine Sanierung weiter voran. Die Holzdecke im Salon muss herunter. Schön ist sie sowieso nicht mehr. Man sieht deutlich verschiedene Stellen, an denen sie einen heftigen Wasserschaden erlitten hat. Außerdem müssen Stromkabel ersetzt werden, die unter der Decke verlegt sind.

Kaputt machen – erster Teil. Es fängt über der Navigationsecke an.

Schraube um Schraube, Brett um Brett. Nach und nach wandert die Holzdecke ins Cockpit. Nach und nach finde ich die Baustellen der kommenden Wochen. Die meisten davon habe ich erwartet.

Kaputt machen – zweiter Teil. Jetzt sind alle Bretter runter.

Ich habe an einigen Stellen vor vier Jahren bei der Elektrik etwas gepfuscht. Das ist mir dann nach dem Wassereinbruch auf die Füße gefallen. Anstatt die vorhandenen Kabel nur neu anzuschließen hätte ich sie besser gegen verzinnte Kabel getauscht. Dann hätte ich auf der Backbordseite an den Lampen wohl auch mehr als 7V Spannung. Diesmal mache ich es richtig.

Die Holzdecke ist Geschichte

Nur noch die Bretter zum Müllcontainer fahren, dann ist wieder ein wichtiger Schritt vollbracht. Meine Bauarbeiten gehen langsam voran aber sie gehen voran. Ich habe einige Arbeiten an Deck zu erledigen, die ich morgens vor 9 Uhr durchführen muss – danach brennt die Sonne zu heiß. Die Arbeiten unter Deck kann ich zu jeder Tageszeit erledigen, ins Schwitzen komme ich immer.

Drei neue Esel im Donkey Sanctuary

Im Donkey Sanctuary sind drei neue Esel eingetroffen. Sie sind sehr schön, nicht zu dick und noch etwas menschenscheu. Meine Karotten mögen sie. Wenn sie kastriert sind, können sie zu den anderen Eseln in die große Gruppe.

Außerdem ist Kerstin diese Woche im Donkey Sanctuary eingetroffen. Das ist für mich insofern von Bedeutung als dass Kerstin sehr nett ist, sie war im vergangenen Jahr schon einmal hier. Weil sie so freundlich ist, hat sie für mich einige Dinge in den Koffer gelegt, die ich in Aruba nicht kaufen kann. Nein, keinen Apfelwein, der wäre viel zu schwer gewesen. Ich habe nun ein neues Telefon.

Fast geplatzt

Das alte Telefon hat sich beinahe seiner Rückseite entledigt und ist auf doppelte Dicke angewachsen. Ich bin froh, dass mir der Akku beim Laden nicht abgebrannt ist. So sitze ich im unwirtlichen Salon und übertrage die Daten vom alten auf das neue Gerät als es draußen heftig zu regnen beginnt. Der Hurrikan Elsa ist weitergezogen, wir haben wieder Wind und die typischen Starkregenereignisse. Es tropft auf den Salontisch. Es tropft an einer Stelle, an der ich es zuletzt erwartet hätte.

Undichte Stelle

Ich glaube, der Vorbesitzer hat sich da schon einmal daran versucht. Leider kommt hier Wasser durch und das schon bei einem handelsüblichen arubanischen Starkregen. Eine Baustelle, die ich nicht erwartet habe. Natürlich wieder an einer ausgesprochen gut zugänglichen Stelle.

So sieht es von oben aus. Das Wasser kommt nicht durch dieses Loch ins Boot, die undichte Stelle befindet sich ziemlich genau unter der Spitze des grünen Pfeils. Im Inneren des Sockels für den Lüfter.

Einen Tag später meldet sich mein rechter Ellenbogen. Der bringt mir in Erinnerung, dass mir das ständige Benutzen der Computermaus vor Jahren einen Golferellenbogen beschert hat. Ach wie ist das fein, selbst das Heben der vollen Kaffeetasse verursacht mir Schmerzen. Jetzt muss ich den auch noch ruhig halten.

Leben auf der Baustelle

Schon wieder fällt mir auf, dass ich einige Tage nichts veröffentlicht habe. Dabei ist es nicht so, dass hier nichts passieren würde. Außer am vergangenen Freitag, da war nämlich der Wahltag in Aruba. Dank eines Verkaufs- und Ausschankverbots für Alkohol waren die Bars geschlossen. Auch der Genuss von Alkohol in der Öffentlichkeit war mit Geldbuße belegt.

Geschlossen am Wahltag

Das hält die Arubaner natürlich nicht davon ab, sich nicht trotzdem zu betrinken. Die Wartezeit ist lang, bis die Stimmen alle ausgezählt sind. Um halb drei Uhr in der Nacht steht das Ergebnis fest, gewonnen hat die MEP. Das ist die Partei, die schon vorher die Regierung geführt hat. Die Regierung, die wegen eines Korruptionsskandals zurücktreten musste.

Es gibt jedoch auch Stimmen die behaupten, dass die Konkurrenz (AVP) recht froh ist um den Wahlsieg des Gegners. Die Einwohner werden in nicht allzu ferner Zukunft Einschnitte hinnehmen müssen oder höhere Steuern bezahlen, da der Staatshaushalt aufgrund von Covid-19 ziemlich in Schieflage geraten ist. Wenn der Name der eigenen Partei damit verknüpft ist, schmälert das in der fernen Zukunft die Chancen auf Wahlsiege.

Schmücken für die Parade

Zunächst einmal ist die Freude bei den Siegern groß. Am Samstag bekomme ich davon gar nicht so viel mit, am Sonntag wird es jedoch überdeutlich. Überall schmücken die Anhänger der MEP ihre Grundstücke in den Farben der Partei. Auch Soraidas Nachbarn sind mit von der Partie. Traditionell findet am Sonntag nach der Wahl nämlich immer eine Parade statt, ein Autokorso der Sieger über die ganze Insel. Ein letztes Mal Verkehrsstau auf den Straßen. Die Parade kommt sogar durch die echt abgelegene Ecke, in der Soraidas Haus steht.

Warten auf die Parade

Das brauche ich mir nicht anzutun. Ich flüchte zu den Eseln, dort ist der Sonntag aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens eher ruhig, denn die Touristen kennen die Schleichwege nicht. Auch die Einheimischen kommen nicht zu Besuch. Ein Grund ist sicherlich, dass die Niederlande gerade ein Fußballspiel verlieren. Ein anderer Grund ist wohl, dass die MEP-Fans am Straßenrand auf die Parade warten.

Sunchi putzt Shrimp

Um eine ausreichende Zahl von Katzen um mich herum muss ich mir nun keine Sorgen mehr machen. Am Montag bin ich vormittags im Tierheim und kümmere mich um die Katzen. Nach getaner Arbeit (füttern und reinigen) kann ich die Spitzohren nach Lust und Laune streicheln. Sie sollen an Menschen gewöhnt werden. Das mache ich doch gerne. Nur mit den Namen habe ich es noch nicht so, zum Glück tragen die meisten von ihnen Halsbänder mit ihrem Namen und einer Nummer.

Wer möchte mich adoptieren?

Gesprochen wird Holländisch, das Tierheim ist ein holländischer Ort. Inzwischen bin ich so weit, dass ich einem Gespräch in dieser Sprache durchaus folgen kann, sprechen kann ich aber noch kein Wort.

Glückskatze

Den Katzen ist das reichlich egal, ihnen genügen Futter und ein paar Streicheleinheiten. Im Gegensatz zu manch anderen Einrichtungen dieser Art gibt es hier keine Höchstdauer, die die Tiere auf eine Vermittlung warten dürfen. Das könnte ich nicht – Katzen füttern, die nächste Woche eingeschläfert werden, weil sie zu lange warten. Elvis beispielsweise ist fünf Jahre alt und wird wohl nie adoptiert werden.

Schlafender Tiger

Nach dem Essen ist erst einmal ein Schläfchen angesagt. Nach dem Schläfchen kommt ein Nickerchen und anschließend möchte der Kater sicher noch etwas dösen. Ich habe ein kleines Video von der Raubtierfütterung. Der Käfig muss von Katzen befreit werden, damit er gereinigt werden kann. Dafür stellt man den Katzen das Futter vor die Tür.

Wenn ich nicht gerade Katzen bespaße oder Esel besuche, habe ich die Arbeiten an Bord. Das wird nicht langweilig und findet auch so schnell noch kein Ende. Um die Ursache für das in die Vorschiffskoje tropfende Wasser zu finden, räume ich den Raum erst einmal aus. Nur – wohin mit all den Sachen, die sich sonst auf den Kojen und in der Segellast tummeln. Erst einmal in den Salon. Der ist jetzt total gemütlich.

Der Salon als Lagerraum

Anschließend kommt die Deckenverkleidung runter. Ich klebe auf jedes einzelne Holzteil einen Streifen Krepp. Dann werden die Teile durchnummeriert. Anschließend fotografiere ich das. Das muss reichen, um es später wieder zusammen zu setzen.

Die Deckenverkleidung ist runter

Nach der Deckenverkleidung muss noch ein Stück von der Wandverkleidung herunter. Ich fange da an, wo es immer zuerst getropft hat. Das zahlt sich aus, schnell gelange ich an die Stelle. Der Decksdurchbruch für einen der Püttinge ist undicht. Es ist eindeutig zu sehen, wo das Wasser immer heruntergelaufen ist.

Hier kommt das Wasser rein

Von oben sieht man davon natürlich nichts. Solche Schäden entstehen nicht von heute auf morgen, die Abdichtung wird über die Jahre immer schlechter. Ich gehe davon aus, dass ich alle sechs Durchbrüche neu abdichten darf, schließlich sind sie alle gleich alt.

Nicht ganz dicht.

Und wieder einmal stehe ich vor der Frage, wie ich die Reparatur am besten angehe. Ich muss mich beraten und treffe mich mit einem anderen Segler, der mir gute Tipps gibt. Davon ist die Arbeit natürlich noch nicht getan. Ich brauche einen Tag mit bedecktem Himmel, wenn ich an Deck arbeiten möchte – außer ich mache das ganz früh am Morgen.

Heavy Metal

Vor einigen Tagen habe ich von der Zerstörung des Wandschranks und dem Ausbau des Beschlags geschrieben. Den gebrochenen Beschlag habe ich dann zu einem Fachmann gebracht und besprochen, wie das Ersatzteil aussehen soll. Anschließend ging eine Woche ins Land, ich habe nichts von dem guten Mann gehört. Selbst für Aruba ist das ungewöhnlich. Also rufe ich in der folgenden Woche an und siehe da, mir wird das Teil noch für Donnerstag oder Freitag versprochen. Am Freitagvormittag erreicht mich die Nachricht, dass der Beschlag nun abgeholt werden kann. Sehr schön.

Alt und neu nebeneinander im Vergleich

Der Samstag ist allerdings erst einmal dem Spiel der deutschen Mannschaft gewidmet. Soraida und ich fiebern dem Ergebnis entgegen. Diesmal profitieren wir von den Eigentoren und letztendlich ist es egal, wer sie für uns schießt. Ich erinnere mich gerne an ein Spiel unserer Eintracht gegen Mainz, in dem bei einem 2:2 Endstand die Eintracht nicht ein einziges Tor geschossen hat. Warum nicht auch bei der EM?

Am Sonntag fällt mir auf, dass ich keine vernünftige Dichtmasse für die Beschläge habe, am Montag bin ich im Tierheim und kaufe anschließend die Dichtmasse, so dass es bis zum Dienstag dauert, bis ich mit dem Einbau beginnen kann.

Morgendlicher Besucher auf Sissi

Ich stehe mit der Sonne auf. Die Arbeiten an Deck will ich so früh wie möglich erledigen. Während ich noch meinen Morgenkaffee genieße, bemerke ich einen vierbeinigen Besucher an Bord. Wie süß! Ich gebe ihm ein paar Naschereien. Dann mache ich mich an die Arbeit und schon nach einer knappen Stunde sitzt der Beschlag auf der Steuerbordseite an Ort und Stelle. Das ist richtiges Heavy Metal.

Steuerbordseite

Jetzt darf ich den Wandschrank wieder zusammensetzen. Zuvor wird noch der Geber des Autopiloten ordentlich angeschraubt. Selbstverständlich sind die längsten an Bord verfügbaren Schrauben ein paar Zentimeter zu kurz. Das bedeutet – natürlich – einen Abstecher in den nächsten Baumarkt. Auch eine Stromleitung verlege ich noch, dann kann ich endlich die Lampe an meinem Kopfkissen wieder leuchten lassen.

Der Geber es Autopiloten und die neue Lichtleitung

Das Schrankpuzzle geht nicht ganz korrekt wieder in den ursprünglichen Zustand. Ein paar Bretter, die ich mit zu grober Gewalt aus ihrer Verklebung befreit habe, weigern sich leider, mit mir zusammenzuarbeiten. Über kurz oder lang gewinne jedoch ich und nicht der Schrank. Es sieht fast wieder so aus, als wäre nichts gewesen. Falls ich noch einmal an diese Bolzen heran will, kann ich in fünf Minuten zu ihnen gelangen. Vielleicht 10 Minuten, weil der Geber des Autopiloten vorher zerstörungsfrei entfernt werden muss.

Fast fertig, es fehlt nur noch eine Leiste an der Decke

Auf der Tube der Dichtmasse steht gedruckt, dass man diese nach dem Öffnen innerhalb von 24 Stunden verbrauchen muss. Eigentlich wollte ich mir nun einen Tag Zeit lassen, um die Klamotten wieder in den Schrank zu räumen und den Schrank auf der Backbordseite zu demontieren. Dann müsste ich mir aber eine neue Tube von dem Zeug kaufen, es wären gleich wieder 30 Florin weg gewesen. Lieber mache ich mir die Arbeit und erledige alles an einem Tag. Ich bin ja früh aufgestanden, es ist noch nicht einmal 10 Uhr.

Um 10:30 Uhr sind meine Sachen alle wieder in ihren Schränken. Dann mache ich einen Plan, denn wenn ich wieder zwei Tage am Schrank herumfummele, trocknet die Dichtmasse auch ein. Ich muss nur ein einziges Brett aus der Schrankkonstruktion herausbrechen, dann kann ich die beiden Bolzen erreichen, an die ich kommen muss.

Neuer Beschlag auf der Backbordseite. Heavy Metal.

Die Stelle erst von alter Dichtmasse befreien, die Oberfläche gründlich reinigen und anschließend die neue Dichtmasse auftragen. Die beiden Bolzen gleiten ohne zu murren an ihren Platz. Dann kann ich von unten die Muttern anziehen. Mit ein paar Tropfen Holzleim und einer Schraubzwinge bringe ich den Schrank wieder auf Vordermann. Was ich nicht zu glauben gewagt hätte ist, dass mir der Austausch der Beschläge an beiden Seiten innerhalb eines Tages gelingt.

Der Backbord-Wandschrank. Das Brett habe ich mit einer Schraubzwinge und einem Pfeil markiert.

Was bleibt noch übrig? Nach dem Projekt ist vor dem Projekt. Das Achterstag ist wieder an Ort und Stelle. Für das Feintuning und die richtige Wantenspannung werde ich den Rigger noch einmal kommen lassen. Der darf dann auch gleich prüfen, ob das Rigg den Bruch des Beschlags überlebt hat. Das nächste Projekt ist der Wassereinbruch in der vorderen Kabine, der sich insbesondere auf dem Steuerbordbug bemerkbar macht. Die Ursache will gefunden und behoben werden.

Also räume ich die Bugkabine aus und schaffe alles auf die Matratze von Jens. Genua, Großsegel, dutzende Kissen und Decken. Was man nicht alles auf seinem Schiff so herumliegen hat. Jens’ Koje ist voll, bevor ich vorne auch nur zur Hälfte leeren kann. Auch den stählernen Teil der Kuchenbude kann ich hier noch unterbringen.

Segel- und Deckenlager

Die Arbeiten gehen in den nächsten Abschnitt. Ich kann mich aber nicht den ganzen Tag an Bord vergnügen, sondern möchte noch etwas mit Tieren machen. Wieder bei den Eseln anfangen ist leider ein Ding der Unmöglichkeit. Desiree wird mich wahrscheinlich ihr Leben lang hassen. Also sehe ich mir eines der örtlichen Tierheime an, das Aruba Animal Shelter. Die Esel sind ja schon ziemlich niedlich, die Katzen sind es aber auch. Nicht nur der kleine Jip wird es ins Blog schaffen.

Ach ja, da ist ja noch die Wahl. Am Freitag findet in Aruba die Parlamentswahl statt. Der Wahlkampf läuft immer noch sehr laut und ist auf der Straße präsent. Heute kam im Radio ein Beitrag zum Thema, denn am Donnerstag und Freitag darf wegen der Wahlen auf der Insel kein Alkohol verkauft werden. Weder in Supermärkten noch in den Bars und Restaurants, welche von den Einheimischen besucht werden. Lediglich die Hotels dürfen aus ausländische Touristen ausschenken, denn schließlich soll diesen der Urlaub nicht vermiest werden.

Auf dem Boot und auf der Straße

Seit heute gelten bei uns die neuen Corona-Regeln. Die neuen Regeln bedeuten, dass es eigentlich keine Regeln mehr gibt. So ist zum Beispiel die Pflicht zum Tragen der Masken aufgehoben, die Masken werden nur noch empfohlen. Soraida etwa hat sofort gesagt, dass bei ihr keine Fahrgäste ohne Maske in den Bus kommen. Das würde ich an ihrer Stelle auch so halten. Die Zahl der aktiven Covid-19 Fälle ist am heutigen Tag bei 35, Neuinfektionen gab es in den letzten Tagen immer nur zwei bis drei pro Tag. Das Impfprogramm zahlt sich aus. Sogar die Strände dürfen jetzt abends wieder betreten werden, man darf an der Bar sitzen und wenn Künstler auftreten, darf es jetzt sogar wieder ein komplettes Sinfonieorchester sein. Bislang waren höchstens ein Künstler in Innenräumen bzw. drei draußen erlaubt. Soviel dazu, jetzt muss ich aber an die Arbeit.

Ich warte zwar immer noch auf den neuen Beschlag für das Achterstag, das heißt aber nicht, dass mir an Bord die Arbeit ausgehen würde.

Die verlorene Schraube

Ich muss klettern. Nicht auf den ganz großen Mast, nur auf den zweithöchsten. Der trägt den Windgenerator, der uns unterwegs immer so schön die Batterien voll bläst. Leider haben wir auf der letzten Reise die Schrauben verloren, die den Generator an Ort und Stelle halten. Das hat weder der Position noch der Leistung des Kraftwerks etwas geschadet, muss aber gemacht werden.

Bevor ich da nach oben klettern kann, müssen erst einmal alle Fender aus dem Weg geräumt werden. Die Leinen der Windfahne sind ebenfalls im Weg. Ich demontiere sie vor meinem Weg nach oben. Das gestaltet sich anfangs schwierig, alle Blöcke sind sehr, sehr fest geschraubt – wir wollen sie nicht verlieren. Nach einer gute Stunde habe ich alle Leinen unter Deck verstaut, ich muss sie nicht ein ganzes Jahr in der Sonne grillen. Endlich ist der Weg nach oben frei.

Von allen unnötigen Leinen befreit

War der Mast schon immer so hoch? Bin ich da wirklich mitten auf dem Atlantik oben gewesen, um eben diese Schrauben zu ersetzen? Und warum haben wir keine Schrauben mehr in der passenden Länge (M6 mit 10mm Länge). Die Schrauben kommen auf die Einkaufsliste.

Den Watermaker werde ich in den nächsten Monaten nicht benutzen. Also muss ich ihn einwintern. Es soll sich kein Leben in den Schläuchen entwickeln.

Die Reinigungslösung für den Watermaker wird angemischt.

Das habe ich noch nie gemacht. Der Betrieb, bei dem ich den Watermaker habe einbauen lassen, hat zwei Schläuche in das System integriert, mit denen sich ein Kreislauf herstellen lässt. Genau für diesen Zweck. Ich lese mir noch einmal den entsprechenden Abschnitt der Bedienungsanleitung durch, dann geht es los. Mit sonorem Brummen beginnt das Gerät mit seiner Arbeit und schon nach wenigen Sekunden ist der Eimer mit der Reinigungslösung leer geschlürft. Wie bitte?

Hmmm. Ich vergaß, das Ventil am Auslass zu schließen. Anstatt zu zirkulieren, suchte sich die Flüssigkeit den Weg des geringsten Widerstands. In den Atlantik. Ich mische noch eine Portion der Lösung an, stelle die Ventile richtig ein und schon geht es rund. Nach dem Ende des Prozesses nehme ich noch die Filter raus und dann ist es geschafft. Jetzt muss ich mich nicht mehr um das Gerät kümmern, als letzte Amtshandlung schalte ich ihm den Strom ab.

Tief im Inneren von Sissi – der Watermaker wird eingewintert.

Eine Kleinigkeit will ich dann noch am Auto machen – mir gefallen die Reifen nicht. Außerdem fährt der Wagen mit den vier verschiedenen Schlappen nicht besonders gut. Auf dem Weg zum Baumarkt komme ich beim Reifenhändler vorbei. Nicht nur bei einem Reifenhändler, ich besuche mehrere. Zunächst gehe ich zu Jay’s. Der wurde mir von Edward empfohlen, auch Soraida hat Werbung für Jay’s auf ihrem Bus. Ein Spezialist für gebrauchte Reifen. Vier Reifen für meinen Wagen werden mir für 200 Florin inklusive Montage angeboten. Selbstverständlich sind die Reifen vorrätig.

Ich darf mir sogar die Reifen ansehen, gar selbst die Exemplare aussuchen, die später auf meinen Wagen kommen sollen. Das war ein Missverständnis meinerseits. Bei gebrauchten Reifen war meine Assoziation, dass es sich um runderneuerte Reifen handelt. Nein, falsch gedacht. Die Dinger sind wirklich gebraucht und von ihren Vorbesitzern ausgesondert worden. Ich kann keine vier identischen Reifen finden. Ich würde mich nicht verbessern.

Klarmachen zum Reifenwechsel

Bei Jay’s schicken sie mich zu Napa. Dort hätten sie die Reifen in neu, würden aber keine Montage machen. Ich könne mit den Reifen von Napa ja wieder zurück kommen und sie hier montieren lassen. Ein kurzer Abstecher zu Napa bringt mir die Erkenntnis, dass ich für einen neuen Reifen 62 Florin bezahlen muss, dass aber gerade keine Reifen auf Lager sind. Gut zu wissen. Nein, sie können mir nicht sagen, wann die nächste Lieferung kommt. Die kommt irgendwann.

Soraida meint, dass ich blöd wäre. Ich solle sie doch fragen. Für neue Reifen fährt man zu JR. Dort gäbe es ein Angebot, vier neue Reifen für 200 Florin inklusive Auswuchten und Montage. Das ist ja der Preis von vier Gebrauchtreifen bei Jay’s.

Jetzt findet gerade die Verwandlung des Wagens statt. Von einer Schrottkarre in ein gutes Auto.

Bei JR haben sie die Reifen auf Lager. Die Montage wird gleich erledigt, mir wird eine Wartezeit von einer Stunde angekündigt. Das geht ja. Ich halte Ausschau nach Soraidas Bus, deren Fahrtroute bei JR vorbeiführt. Schon nach fünf Minuten kommt ein Mitarbeiter und bedeutet mir, dass der Wagen jetzt in die Halle gefahren werden kann. Das ging schnell. Die Leute machen sich sofort an die Arbeit.

Es ist sehr praktisch. Ich kann mir die Bremsen vernünftig anschauen. Beim Bremsen hatte ich immer den Eindruck, dass irgendwas mit den Bremsscheiben nicht stimmt. Oder den Bremsbelägen. Das kann ich nach einer ordentlichen visuellen Inspektion ausschließen. An dieser Stelle habe ich keine Baustelle gekauft.

Montage der neuen Reifen

Phantastisch. Ich fahre vom Hof und merke, dass ich gerade ein ganz neues Auto habe. Der Wagen fährt jetzt ohne mein Zutun geradeaus und bleibt auch beim Bremsen in der Spur. Ich glaube, der Fahrzeugwert hat sich gerade verdoppelt. Also auf in den Baumarkt. Der erste Baumarkt hat keine metrischen Schrauben. Der nächste keine aus Edelstahl. Der dritte Baumarkt kann mir die M6 mit 10mm Länge anbieten.

Ich halte es wie mit den Bolzen für die Windfahnensteuerung. Ich kaufe ein ganzes Dutzend. Seit wir so viele Ersatzbolzen für die Windfahne haben, ist keiner mehr verloren gegangen. Und eine neue Tube Schraubenkleber, die alte ist seit zwei Jahren offen. Für eine neue Klettertour ist es mir jetzt aber zu heiß. Das erledige ich am nächsten bewölkten Tag oder in den frühen Morgenstunden.

Nachtstimmung in Varadero