Restarbeiten

Man könnte es als die dritte Woche in der Werft bezeichnen, doch es handelt sich lediglich um die Abarbeitung der Todo-Liste. Manche Punkte sind schnell erledigt oder müssen lediglich veranlasst werden. Für andere brauchen wir ein paar Tage.

Frisch gestrichen gegenüber alter Farbe

Jens streicht das Deck. Diesmal haben wir mehr Glück als im vergangenen Jahr in Lanzarote, wo kurz nach dem Ende der Malerarbeiten ein heftiger Regenschauer über Sissi nieder ging und einen großen Teil der frischen Farbe gleich in den Atlantik spülte. Diesmal spielte das Wetter mit und der Regen setzte erst ein, als die Farbe schon trocken war.

Schotwinsch

Ich zerlege derweil die Backbord-Schotwinsch. Ich muss herausfinden, warum ich beim Segeln mit Juliette und Familie die Winschkurbel an die Nase bekommen habe. Das war kein gutes Gefühl. Eine winzige Feder war gebrochen und deswegen rasteten die Sperrklinken nicht mehr in die Zahnräder ein. Natürlich befindet sich kein Ersatz an Bord. Auch der kleine Zubehörladen in der Marina hat sie nicht da.

Sperrklinken mit Federchen

Also fahre ich mit dem Bus zu Budget Marine, dort hole ich gleich die doppelte Anzahl. Auf dem Rückweg denke ich, dass ich noch zu wenige geholt habe. Wenn ich wieder einmal dort bin, kaufe ich noch ein paar mehr.

Die Mastleiter wird hochgezogen, Jens klettert in die Mastspitze und prüft das Rigg. Es sieht alles gut aus. Wir sind fertig. Sissi ist seeklar.

Die zweite Woche in der Werft

Die Wettervorhersage ist gut. Schon am Wochenende hat es nur noch wenig geregnet. Als wir morgens zu Sissi kommen, lässt es sich bei bedecktem Himmel und trockenem Wetter gut arbeiten. Das Antifouling ist eine fiese, stinkende Pampe, die erst einmal stundenlang gerührt werden will, bevor man es streichen kann. Eine Dose kostet 250 Florin, wir brauchen zwei Dosen für einen Anstrich und wollen zweimal Streichen. Damit sind wir bei etwa 1000 Florin oder 500 Euro für die schwarze Farbe.

Jens rührt

Nach dem Rühren fangen wir mit dem Streichen an. Einer macht die Backbordseite, der andere Steuerbord. Wir kommen gut voran. Für Montag und Dienstag haben wir uns je einen Anstrich vorgenommen. Das klappt wunderbar.

Paint it black

In meinem Kopf erklingt Musik von den Rolling Stones. I see a red boat and I want to paint it black. Eigentlich wollten wir beim Malern Musik hören, haben die Lautsprecherbox aber bei den Eseln stehengelassen.

Sissi wird schwarz

Nach und nach breitet sich die schwarze Farbe auf dem Rumpf aus. Der neue Anstrich gefällt uns sehr gut. In meinem Hinterkopf habe ich schon genau vor mir, wie Sissi in Zukunft aussehen soll.

Der erste Anstrich ist perfekt.

Jo und Stewart lamentieren, dass die Arbeit an ihrem Boot nur langsam voran geht und dass sie schon seit fast vier Wochen auf dem Trockenen sitzen. Stewart gibt uns immer wieder nützliche Tipps. Außerdem lobt er die Qualität des Anstichs. Das gibt uns Rückenwind. Wir schaffen zwei Anstriche in zwei Tagen.

Der blaue Streifen wird abgeklebt

Das neue Farbkonzept sieht drei Farben vor: Schwarz, Weiß und Rot. Ganz einfach. Ganz Eintracht Frankfurt. Alles was bislang blau gestrichen ist, wird über kurz oder lang rot gemalt. Wir fangen an mit dem Streifen knapp über der Wasserlinie. Die höher liegenden Streifen machen wir später, wir haben nicht genug Farbe. Und die rote Farbe ist leider ausverkauft.

Jetzt mit rotem Streifen

Pünktlich werden wir am Donnerstagnachmittag mit dem letzten roten Anstrich fertig. Nun geben wir der Farbe noch einen Tag zum Trocknen, bevor es am Freitag wieder ins Wasser geht. Überrascht werden Jo und Stewart ebenfalls am Donnerstag. Sie erfahren plötzlich, dass sie noch am selben Tag wieder ins Wasser kommen.

Sissi in neuem Glanz

Wir sind am Freitag an der Reihe. Als Sissi im Wasser ist, fährt Jens den Wagen nach Oranjestad, ich fahre Sissi. Wir hätten es besser umgekehrt gemacht, denn auf dem Weg zurück erwischt mich eine fette Regenwolke. Ich werde nass, mir ist kalt. Es ist auf dem Hinweg wie auf dem Rückweg. Diesmal konnte ich mich aber beim Marinapersonal über den Weg erkundigen. Ich fahre anders und habe nie weniger als sieben Meter unter dem Kiel. Abgesehen von der Kälte fühle ich mich dabei sehr wohl.

Wieder im Wasser

Jamaika hat die Seegrenze wieder geöffnet. Wir haben nur noch eine kleine Todo-Liste die wir abarbeiten wollen. Es sind gar nicht so viele Punkte darauf. Bislang werden es im Augenblick aber immer mehr Punkte. So wird es wohl noch ein paar Tage gehen. Auch Jens klebt schon fleißig Streifen an die Wand.

Todo-Liste

Die erste Woche in der Werft

Am Montagmorgen müssen wir früh aufstehen. Um 9 Uhr haben wir den Termin zum Slippen des Boots. Aus der Seekarte erklärt sich der Weg nach Varadero nicht, sie zeigt dort einfach eine nicht kartografierte Fläche, unter der sich große Steine verbergen sollen. Die anderen schaffen es auch nach Varadero, also probieren wir es und haben fast nie weniger als drei Meter Wassertiefe. Das beruhigt. Weniger beruhigend ist der starke Regen, der plötzlich einsetzt und uns beide komplett durchnässt.

Auf dem Weg nach Varadero

Ein sauberer Tonnenstrich empfängt uns an der direkten Zufahrt zur Marina. Die Angestellte, die uns am Funk betreut, gibt uns genaue Anweisungen wann und wo man in den betonnten Bereich einfährt und betont mehrfach, dass wir auf keinen Fall die Mitte verlassen sollen. Machen wir nicht. Wir bringen Sissi sicher bis zur Slipanlage.

Sissi ist bereit

Als der Regen aufhört erscheinen alsbald ein paar Werftarbeiter, die Sissi zunächst auf den Wagen bugsieren. Wenn es regnet, wird auf Aruba im Allgemeinen nicht gearbeitet, jedenfalls nicht, wenn der Arbeiter dabei nass werden könnte. Sie arbeiten routiniert und achten genau darauf, dass das Schiff gerade angehoben wird.

Sissi wird hochgehoben

Dann setzt sich die Fuhre langsam in Bewegung und mehr und mehr von der Unterseite wird sichtbar. Das Boot sieht besser aus, als man es nach neun Monaten im Hafen vermuten würde.

Wir slippen jeden

Ein großer Teil des Bewuchses kann schon durch den Hochdruckreiniger entfernt werden. Auch die alte Farbe wird zum Teil abgewaschen. Es sieht aus, als würde Sissi bluten.

Reinigung mit Hochdruck

Während Sissi an ihren zukünftigen Parkplatz geschoben wird, sehe ich mit Freude, wer unsere Nachbarn sind – Jo und Stewart von der Patronus. Wir unterhalten uns kurz, sie sind schon seit zwei Wochen hier und warten darauf, dass ihr Anstrich fertig wird. Da beide über 70 Jahre alt sind, machen sie die Arbeit nicht selbst, sondern lassen sie durch die Werft erledigen. Das dauert.

Regenzeit

Es regnet wieder einmal stark, wir warten noch auf das Auto, das uns zum Donkey Sanctuary bringen soll. Dort wohnen wir während der Arbeiten. Mir wird klar, dass wir vollkommen abhängig vom Wetter sind. Wenn es während der Malerarbeiten regnet, landet die Farbe wieder da, wo wir sie nicht haben wollen.

Nach der Ankunft im Donkey Sanctuary teilt Desiree uns mit, dass wir uns das Apartment und das Auto mit Lucas und Marcin teilen müssen. Sie kommen aus Schweden und Polen, sind etwas älter als 20 und arbeiten als Volunteers an verschiedenen Orten der Insel. Ein Programm der EU hat sie nach Aruba gebracht, das europäische Solidaritätskorps. Es gehört zu Erasmus und war mir vollkommen unbekannt.

In den nächsten Tagen fahren wir Marcin und Lucas immer zu ihrem Einsatzort, bevor wir selbst zum Boot fahren. Auf diese Weise haben wir den ganzen Tag das Auto zur Verfügung, es würde sonst nur herumstehen.

Abschleifen des alten Anstrichs

Das Schleifen ist eine Drecksarbeit. Das alte Antifouling ist eine ganz weiche Farbe, die einerseits unglaublich viel giftigen Staub erzeugt, andererseits nach wenigen Minuten die Schleifblätter verklebt. Über den immensen Verbrauch an Schleifscheiben habe ich schon geschrieben.

Nach drei Tagen ist Sissi glatt geschliffen

Wir hatten das Glück, in drei Tagen mit dieser Drecksarbeit fertig zu werden. Nach mehreren Gesprächen mit Stewart entscheiden wir uns dafür, das neue Antifouling ein paar Zentimeter höher zu streichen und aus dem Wasser ragen zu lassen. An dieser Stelle wird es am nötigsten Gebraucht, denn der stärkste Bewuchs ist immer an der Wasserlinie.

Barrier Coat

Dienstag bis Donnerstag waren wir mit dem Schleifen beschäftigt, am Freitag konnten wir dann den ersten Anstrich malen. Der Streifen, der später aus dem Wasser schauen soll, bekommt einen Barrier Coat, eine Schutzschicht. Den Wagen benutzen wir dabei als mobile Arbeitsplattform. Später wird uns das von der Marina untersagt. Ich komme mir sehr arubanisch vor. Am Steuer sitzend und Jens immer mal wieder einen Meter weiter rollend. So sind wir am Freitag sehr früh fertig und können zu unseren Eseln gehen. Wir nehmen uns das Wochenende frei für touristische Zwecke.

Ein Lebenszeichen von uns…

Wir sind mit Sissi wieder in der Marina in Oranjestad und kommen langsam zur Ruhe. Gerade eben bemerkte ich, wie lange es her ist, dass ich einen Beitrag verfasst habe. Deswegen möchte ich ein kleines Lebenszeichen senden, in den vergangenen Wochen hatten wir viel Arbeit und haben trotzdem noch Zeit für Sightseeing und Entspannung im Wasser gefunden. Außerdem ist meine letzte Schicht im Donkey Sanctuary gelaufen. Wir sind beinahe abfahrbereit.

Sweety auf dem Dach

Sissi war zwei Jahre lang fast ununterbrochen im Wasser. Den letzten Anstrich hat sie im Winter 2018/2019 bekommen. Ich hatte schlimmste Befürchtungen, wie es um den Zustand des Anstrichs bestellt war. In St. Lucia habe ich einen Taucher engagiert, der von unten den Bewuchs abgekratzt hat. Dann hat Sissi aber fast neun Monate im Hafen gelegen.

Sissi wird geslippt

Anstelle eines Krans benutzen sie auf Aruba eine große Slipanlage. Die größten Yachten und Katamarane werden hier auf diese Weise aus dem Wasser gezogen. Mit viel Routine bewegen die Arbeiter Sissi an Land. Die Farbe des Unterwasseranstrichs ist übrigens rot.

Aus der Nähe betrachtet

Aus der Nähe betrachtet ist es gar nicht so schlimm wie befürchtet. Lediglich der Propeller sieht ziemlich bewachsen aus. Damit erklärt sich mir auch das merkwürdige Verhalten von Sissi unter Motor. Die Drehzahl wird nicht mehr richtig in Geschwindigkeit umgesetzt.

Verbrauchte Schleifscheiben

Zwei Wochen Zeit in der Werft haben wir veranschlagt, um das Unterwasserschiff zu streichen. In der ersten Woche sollten alle vorbereitenden Tätigkeiten geschehen, wie zum Beispiel das Abschleifen des alten Anstrichs. Die weiche Farbe verklebt eine Schleifscheibe nach der anderen. Mehr als einen Quadratmeter kann man mit einer Scheibe nicht abschleifen. Dann muss wieder eine neue her. Die beiden der Werft am nächsten gelegenen Baumärkte hatten nach kurzer Zeit keine Schleifscheiben mehr im Angebot, ich musste über die halbe Insel fahren, um noch Nachschub zu organisieren.

Die Frage der Fragen: Wird es regnen?

Es ist Regenzeit in Aruba. Es stellt sich immer wieder die Frage, ob wir mit dem Streichen beginnen können. Wird es regnen oder nicht? Die Zugrichtung der Wolken ist immer gleich, wir schauen auf den Hooiberg und die Wolken. Wir hatten jedoch ein Riesenglück. Immer wenn wir gestrichen haben, regnete es nicht. Der Regen kam dann in der Nacht, als die Farbe so trocken war, dass ihr das Wasser nichts mehr anhaben kann. Kein Vergleich zum Streichen des Decks auf Lanzarote, wo uns Starkregen einen großen Teil der Farbe gleich wieder in den Atlantik gespült hat.

Irgendwann ist alles geschliffen und kann gestrichen werden

Nach dem Abschleifen kommt das Anstreichen. Die Farbe ist ausreichend giftig, so dass man sich gerne gegen die Spritzer schützt. Die Arbeit macht einen Riesenspaß bei 32°C im Schatten. Ich schreibe das mit der Temperatur nur hin, damit ihr in Deutschland nicht vergesst, dass es hier eigentlich keine Jahreszeiten gibt. Nur die mit und die ohne Regen. Die Temperaturen ändern sich kaum. Das hat aber auch einen immensen Vorteil. Über 24°C trocknet die Farbe in einer Stunde schon so weit, dass man sie anfassen kann. Über Nacht ist sie komplett getrocknet. So können wir innerhalb von zwei Tagen zwei Anstriche auf den Rumpf bringen.

Der Propeller ist wieder fast wie neu

Montags sind wir aus dem Wasser gegangen und am Freitag in der Folgewoche wieder ins Wasser. Sissi sieht toll aus. Die Schraube ist wie neu und auf der Rückfahrt von der Werft in die Marina konnte ich erfreut feststellen, dass nun Drehzahl und Geschwindigkeit wieder zueinander passen. Da ich endlich wieder die Bilder von meinem Telefon auslesen kann, habe ich einen immensen Rückstand beim Bloggen. Das hole ich in Kürze nach. Ich möchte noch über die weiteren Touristenspots schreiben, die Jens und ich noch besucht haben.

Socks

Die letzte Schicht bei den Eseln ist beendet. So lange ich noch auf der Insel bin, werde ich hin und wieder dorthin fahren, möglichst viele der anderen Volunteers noch einmal treffen und mich verabschieden. Da ich wochenlang Vollzeit gearbeitet habe, kenne ich praktisch alle. Es ist unmöglich, sich von ihnen allen zu verabschieden. Heute Nachmittag wollen wir zu Anneke fahren. Von ihr habe ich am meisten über die Esel gelernt. Mit ihr hatte ich immer angenehme Schichten. Und für die Katzen haben wir auch noch Leckereien. Adieu.

Malern

Die erste Schicht Antifouling haben wir nun auf dem Boot. Derzeit ist meine Priorität beim Malern und nicht beim Blog. Ich möchte nur vermelden, dass es planmäßig voran geht. Bilder gibt es später.

Frustrierend

In den vergangenen drei Tagen haben Jens und ich das komplette Boot von unten abgeschliffen. Ich habe ein paar Fotos mit dem Telefon geschossen, auf denen man den Zustand vor und nach der Bearbeitung sieht. Irgendwas ist aber mit dem Kabel, mit dem ich das Telefon mit dem Computer verbinde. Ich kann die Bilder nicht herunterladen. So gibt es keine Bilder. Wenn ich eine Lösung gefunden habe, werde ich sie nachreichen. Mit den Arbeiten liegen wir zeitlich gut im Plan, wir werden wohl am Ende des Monats wieder im Wasser sein. Auch aus Jamaika gibt es gute Nachrichten, sie haben die Seegrenze wieder geöffnet. Damit ist eine weitere Voraussetzung für unsere Weiterfahrt da. Es geht voran. Ich bin optimistisch. Das mit den Fotos ist trotzdem frustrierend.

Eine lustige Seefahrt – mit Folgen

Zuletzt war ich mit Sissi am 11. März unterwegs. Damals sind Jens und ich von Bonaire gekommen und haben Sissi im Hafen von Oranjestad fest verankert und vertäut. Am 1. Juli bin ich dann wieder für ein paar Stunden draußen gewesen und es hat mir gut getan. Segeln ist gut für die Seele, es macht aber auch Spaß.

Vor ein paar Wochen habe ich Edward und Shelley gefragt, ob sie nicht Lust auf einen Segeltörn hätten. Ich hatte nämlich Lust auf einen Segeltörn und brauchte die Hände.

Meine Nervosität vor dem Start ist groß. Ich habe das Boot voll mit Menschen, die noch nie zuvor auf einem Segelboot waren. Nein – falsch. Die Menschen sind noch nie mit einem Boot gefahren, obwohl sie auf einer Insel leben. Wir wollen etwas Spaß haben und testen, ob sie alle seefest sind.

Zwei Tage habe ich an Bord geschuftet, um Sissi wieder seeklar zu bekommen. Kaum zu glauben, wie viele Dinge sich nicht mehr an ihrem Platz befinden, wenn das Boot ein Vierteljahr nur im Hafen bewohnt wurde. Und warum habe ich eigentlich das Boot mit sechs Leinen am Steg vertäut?

Da der Wind immer von Steuerbord-Achtern kommt und zumeist recht anständig bläst, will ich eine Ankerleine nutzen, um das Boot während des Einholens der Ankerkette an seiner Position zu halten. Das klappt am Anfang recht gut, das Manöver endet jedoch in der Mooringleine des Nachbarn. Ungünstig. Ich bin erstaunt, wie gelassen ich dabei bleibe. Der Hafenmeister schleppt uns mit dem Schlauchboot wieder frei und wir können zu unserem Abenteuer starten.

Mein Glück ist riesig, als endlich die Segel stehen und der Motor verstummt. Nur noch das leise Surren des elektrischen Autopiloten ist neben dem Wind zu hören. Die Mitfahrenden sind begeistert.

Von links nach rechts: Micheline, Shelley und Edward

Micheline ist die Ehefrau von Edward und Shelley seine Schwester. Zwei Kinder hätten eigentlich ebenfalls mitfahren sollen, mussten aber zur Schule gehen. Das nächste Mal machen wir das am Wochenende oder während der Sommerferien, dann können die auch mitfahren.

Dickie und Sohn

Dickie wiederum ist mit Edward befreundet und hat seinen 12jährigen Sohn mitgebracht. Leider habe ich seinen Namen vergessen. Der hätte wahrscheinlich auch in die Schule gehen müssen, war aber mit an Bord.

Begleitmöwe

Nach kurzer Zeit begleitet uns eine Möwe. Sie wird richtig anhänglich, als Shelley anfängt, sie mit Kartoffelchips zu füttern. Möwen fressen wirklich alles.

Edward möchte ausprobieren, wie sich ein Boot unter Segeln fährt. Das ist selbstverständlich kein Problem, nach einem Knopfdruck verstummt der Autopilot.

Edward am Ruder

Fünf Minuten später geht der Autopilot wieder in Betrieb. Zweimal sind wir in eine ungewollte Wende gefahren. Edward muss feststellen, dass sich ein Segelboot anders fährt als ein Auto.

Shelley geht unter Deck, um sich ein Glas Wasser aus dem Hahn zu zapfen. Dann kreischt sie, denn es kommt eine müffelnde, braune Brühe aus dem Hahn. Bäh. Nach nur dreieinhalb Monaten hat sich offenbar ein biologischer Bodensatz im Wassertank gebildet, der nun durch das Segeln durchgeschüttelt worden ist. Lekker.

An dieser Stelle ist alles noch gut. Wenn wir noch ein paar Stunden weiter gesegelt wären, wäre nichts passiert. Gar nichts. Doch die Damen fragen mich, ob es möglich ist, in den Ozean zu springen. Natürlich das möglich. Wir nehmen die Segel runter und klappen die Badeleiter aus. Eine meiner leichtesten Übungen.

Micheline und Edward im Wasser

Shelley und Micheline gehen unter Deck, um sich umzuziehen. Das ist ein Fehler, denn ohne Segel taumelt Sissi in den Wellen in alle Richtungen. Dass Micheline kreidebleich geworden wäre, ist eine Falschbehauptung. Die nackte Wahrheit ist jedoch, dass sie beide mit dem Gesichtsausdruck “mir ist ganz furchtbar elend” wieder an Deck kommen.

Micheline und Edward

Trotzdem macht das Baden Spaß. Da Sissi durch den Wind immer noch mit 1,5 kn Geschwindigkeit vorangetrieben wird, müssen alle richtig schwimmen. Allerdings habe ich eine lange Leine ins Wasser gelassen, damit sie sich festhalten und ausruhen können. Bei 300 Metern Wassertiefe steht es sich nicht so gut.

Badespaß

Während die Männer noch im Wasser toben, haben sich die Damen eine neue Beschäftigung gesucht. Sie posieren abwechselnd und gemeinsam für ihre WhatsApp und Instagram Profile. Natürlich wollen sie ihren Freunden und Bekannten die Nase lang machen.

Ebony and ivory.

Wir segeln weiter, es macht jedoch keine Freude mehr. Wir brauchen beide Eimer, im Cockpit wird synchrongekotzt. Schade, aber es geht nicht anders. Wir kehren um und fahren wieder in den Hafen. Der Hafenmeister hilft mit seinem Schlauchboot beim Ankern und das Abenteuer ist vorbei.

Vielleicht machen wir das wieder, dann werden wir aber auf den Badestopp verzichten.

Backpulver in der Großpackung

Am folgenden Tag gehe ich erst einmal in den Marina-Shop für Seglerbedarf und frage nach Reinigungsmittel für den Trinkwassertank. Ich bin sogar so blöd, dass ich mich von Charly zu einem anderen Geschäft fahren lasse, weil es hier in der Marina das gewünschte Produkt nicht zu kaufen gibt. Der nächste Ladenbesitzer fragt mich, warum ich denn kein Backpulver benutze. Ich klatsche mir mit der flachen Hand gegen die Stirn – natürlich!

Während wir gesegelt sind, sind sogar ein paar neue Boote in den Hafen gekommen. Nun habe ich neue, total nette Nachbarn am Steg.

Sissi ist nicht mehr alleine

Zuletzt komme ich gestern noch zufällig an der 5-Uhr-Bar vorbei, das Backpulver arbeitet gerade in meinem Wassertank. Die neuen Nachbarn stehen gemeinsam mit Jutta und Charly am Tresen. Fünf Minuten später stehe ich auch daneben, ich bin ebenfalls zu einer Geburtstagsparty eingeladen.

Der Abend wurde schön, mein Trinkwasser schmeckt wieder und sieht super aus. Auch die visuelle Inspektion der Tanks von innen präsentiert mir wieder blitzblanken Edelstahl.

Happy Birthday

Besuch beim Baumarkt

Schon lange habe ich mich auf einen Besuch beim Baumarkt gefreut. In Deutschland wie auf Aruba haben die Baumärkte geöffnet. Vor der Tür sind alle zwei Meter Wartepositionen für die Schlange markiert. Vor mir sind vielleicht 10 Menschen in der Schlange, doch bevor ich mich in das Baumarkt-WLAN eingebucht habe, drückt mir schon ein Mitarbeiter einen frisch desinfizierten Einkaufswagen in die Hand. Die wird praktischerweise gleich mit desinfiziert.

Es gelingt mir, metrische Schrauben zu bekommen. Der Mitarbeiter ist zunächst verwirrt, weil mein M12-Bolzen gar nicht zu seinem zölligen Sortiment passt. Ich erkläre ihm, dass das ein europäischer metrischer Bolzen ist und erwarte eine Absage. Doch ich werde zum nächsten Gang geführt und bekomme alles, was ich brauche.

M12

Das Original ist für einen Inbusschlüssel. Aus Erfahrung weiß ich, dass ich die sechskantigen Bolzen auch benutzen kann, schließlich haben wir bei unserer Windfahne schon genug Bolzen verloren. Wenn wir etwas aufpassen, kommen wir damit sicher bis Europa. Dann dürfen wir etwa alle 1000 Meilen einen Bolzen verlieren.

Bei näherem Nachdenken fällt mir auf, dass ich vielleicht besser die doppelte Anzahl hätte kaufen sollen. Der Baumarkt läuft andererseits nicht weg.

Duschkopf

Um das Duscherlebnis auf Sissi noch besser zu machen, habe ich mir einen neuen Duschkopf geleistet. Hier gab es keine Probleme bei den Maßen, denn Armaturen, Schläuche und Duschköpfe sind bei uns auch zöllig.

Es ist toll. Der neue Duschkopf verbraucht viel weniger Wasser und somit kann ich länger darunter stehen bleiben. Das neue Duscherlebnis ist toll, trotzdem werde ich kein Video davon anfertigen.

Pelikan auf Armlänge

Frisch geduscht lässt mich dieser Pelikan auf Armlänge an sich heran. Ich vermute, dass es an der frischen Dusche liegt. Es liegt sicher nicht daran, dass der Pelikan seit Wochen kaum noch Menschen sieht oder dass ich mich ganz behutsam bewege. Er zwinkert nicht einmal mit den Augen.

Statt dessen kann ich die Kamera ganz nah am ausgestreckten Arm zu seinem Auge bringen. Toll.

Auge in Auge

Abtauchen auf Aruba

In unserem Exil auf Aruba geschieht nicht viel. Die Regierung hat den Einreisestopp bis Ende Mai verlängert. Also wird auch in den nächsten Wochen nicht viel passieren. Und doch ist einiges los. Zum Beispiel heute vor der Sissi. Die Ankerkette hängt schon seit über einem Monat im Hafenbecken. Algen und andere Gewächse nutzen sie und wachsen daran. Ich habe die Befürchtung, dass sich die Kette nicht mehr einholen lässt, wenn sie monatelang zugewachsen ist.

Charly hat noch 80 Liter Luft in seiner Tauchflasche. Zu wenig für einen kompletten Tauchgang, zu viel um die Flasche schon nachfüllen zu lassen. Heute kommt er zu Sissi und bürstet mir die Kette wieder sauber. Er bittet mich um ein paar Fotos von der Aktion. Gerne!

Der erste ungewollte Tauchgang ist beendet

Charly fährt das Dinghi an den Steg. Beim Aussteigen rutscht das Heck des Dinghis vom Steg weg und ein erster ungewollter Tauchgang beginnt. Leider bin ich zu langsam, um auch den Dinghispagat mit der Kamera festzuhalten. Ein Schaden entsteht nicht, Charly wollte sowieso tauchen.

Jetzt ein gewollter Tauchgang mit Ausrüstung

Der zweite Tauchgang findet genau in dem Moment statt, den Charly sich ausgesucht hat. Das Dinghi hat keinerlei Mitspracherechte mehr. Ab jetzt läuft alles nach Plan.

Vielen Dank für die Putzaktion

Nun kann ich noch ein paar Bilder machen, bevor Charly unter Wasser verschwindet. In großen Wolken treiben die Algen herum, wenn er die Kette schrubbt. Das hätte ich nicht selbst machen können, dafür ist das Hafenbecken zu tief.

Charly geht auf Tiefe

Das Unterwasserschiff am Wasserpass entlang zu schrubben ist auch ohne Tauchausrüstung einigermaßen möglich.

Während Charly auf Tiefe geht, fällt mir ein, dass ich noch die Gopro an Bord liegen habe. Die befestige ich an einem Bootshaken und kann ein Video davon drehen, wie Charly langsam schrubbend die Kette entlang getaucht kommt.

Mir gefällt, was Charly hinsichtlich des Ankers zu sagen hat. Gut eingegraben ist er. So soll das sein. Um die Elektrolyte in seinem Körper wieder zu ersetzen, bekommt er ein kaltes isotonisches Gerstengetränk. Schön. Vielen herzlichen Dank!!!

Schlechte Pumpe. Gute Pumpe.

Ein paar Tage gab es hier nichts zu lesen. Das liegt nicht daran, dass das Internet hier klemmen würde, sondern daran, dass einfach nichts passiert. Ich möchte nicht dauernd melancholische Beiträge über das Leben in Oranjestad verfassen, sondern reduziere einfach die Zahl der Blogposts. Manchmal passiert ja doch was. Bei 31.5°C und 85% Luftfeuchtigkeit hält Aruba eine Art Winterschlaf.

Bei diesen Temperaturen freue ich mich immer auf die tägliche Dusche. Bis vor ein paar Tagen konnten wir noch die Personaldusche des Hotels benutzen. Jetzt ist diese auch geschlossen und wir duschen auf unseren Booten. Die Dusche auf Sissi ist wenigstens sauber, das war im Hotel nicht so. Dafür ist das Wasser im Hotel immer durch den Abfluss abgelaufen. Auf Sissi landet es in der Bilge, am tiefsten Punkt des Schiffs.

Wir pumpen es immer mit einer rustikalen Handpumpe aus. Ein paarmal den Pumpenhebel bewegen und die Pumpe saugt wieder Luft an. Die elektrische Bilgepumpe benutzen wir nicht, sie hat einen Kurzschluss.

Gummi

Gestern pumpte ich mal wieder das Duschwasser aus der Bilge und wurde dabei nass gespritzt. Das geht gar nicht. Die dicke Gummimembran der Pumpe ist undicht. Das ist eine Katastrophe. Für diesen Gummi haben wir kein Ersatzteil an Bord. Das brauche ich nicht einmal suchen, das weiß ich. Ich zerlegte die Pumpe, um den Schaden begutachten zu können.

Loch

Bei näherem Hinsehen finde ich überall leicht beschädigte Stellen. An einer Stelle ist ein großes Loch zu sehen. Da spritzt das Wasser beim Pumpen mit ordentlichem Druck heraus.

Da stehe ich mit einer Bilge voller Duschwasser und zwei kaputten Bilgepumpen. Die Gummimembran kann ich nicht reparieren. Also zerlege ich die Innenverkleidung von Sissi und suche den Kurzschluss in der Zuleitung zur elektrischen Bilgepumpe. Ich habe einen Verdacht, der sich letztendlich erhärtet. Es ist gut, wenn man sich an den eigenen Pfusch erinnern kann, den man vor knapp drei Jahren verbockt hat. Bisher hatte ich die Arbeit immer gescheut.

Schalter für die elektrische Bilgepumpe

Mit Hilfe der nun funktionsfähigen elektrischen Bilgepumpe wird das Duschwasser in die karibische See befördert. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das auf “Auto” stehenlassen soll. Wenn die Pumpe anspringt, gibt es gleichzeitig einen lauten Alarm. Das könnte auch mitten in der Nacht passieren.

Jens hat nun die Aufgabe, ein Ersatzteil zu organisieren. Zumindest gibt es den Hersteller noch.