50 Jahre

So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ganz und gar nicht. Ich wusste zwar nicht ganz genau, wo ich diesen Tag verbringen wollte, doch sicher nicht auf Aruba. Malerische Inseln im Südpazifik hätte ich besuchen wollen, statt dessen füttere ich Esel.

Eisbox

Ich frage Desiree, ob ich meinen Geburtstag im Donkey Sanctuary feiern darf. Ich darf. Außerdem bekomme ich als Dreingabe das Auto des Donkey Sanctuary geliehen, mit dem ich die Einkäufe leicht erledigen kann. Für den Transport von der Marina und zurück frage ich einen der Minibus-Fahrer, dieser Punkt der Organisation ist schnell erledigt. Dickie leiht mir seinen Grill.

Der Grill läuft sich warm – auf der Leeseite des Gebäudes.

Etwa gegen 16 Uhr erreiche ich das Donkey Sanctuary und kann zum Entladen sogar bis aufs Gelände zum Visitors Center fahren. Dann muss ich die Eisbox füllen und den Grill anheizen. Zur Belohnung gönne ich mir eine gut gekühlte Dose Apfelwein. Ich ärgere mich darüber, dass ich die Gerippten an Bord vergessen habe.

Charly und Johnny am Grill

Wie immer wird es früh dunkel. Der Grill ist heiß, als der Bus die Gäste an der Tür abliefert. Leider haben wir nur wenige Stunden Zeit, denn die Regierung hat eine Ausgangssperre zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens angeordnet. Entweder müssen wir bis um fünf Uhr durchfeiern oder um 23 Uhr die Party beenden.

Geburtstagstorte

Ich bekomme eine wunderschöne Geburtstagstorte (cremig) und einen Apfelkuchen, von Anneke selbst gemacht. Ich muss zugeben, dass mein Favorit der Apfelkuchen ist. Die Torte ist allerdings spektakulärer.

Dann muss ich einen albernen Geburtstagshut aufsetzen. Die Amerikaner haben da schon lustige Traditionen. Die Bilder kann ich vielleicht noch nachreichen, ich habe mir ein Geburtstagshut-Selfie verkniffen.

Gitarrenklänge zum Geburtstag

Alle haben ihre Instrumente dabei, so wird gleich noch eine Gesangsrunde eingelegt. Nach dem Gesang darf ich mich gleich wieder besonders albern aufführen. Meine Gäste haben eine Piñata besorgt. Hoffentlich heißt das Teil auch so. Mir verbinden sie zuerst die Augen, dann darf ich auf das Teil eindreschen. Es kommt aber nichts raus.

Zuschauer. Karen filmt.

Die Zuschauer amüsieren sich jedenfalls köstlich. Karen nimmt einige Fotos und Filme auf, ich muss sie noch um die Aufnahmen bitten. Johnny ist der nächste. Auch er ist nicht besonders erfolgreich, die Piñata hält seinen Schlägen stand.

Johnny versucht sein Glück

Nun macht sich Edward mit dem Schläger ans Werk. Er hat nach nur zwei Schlägen Erfolg und ein Strom aus Süßigkeiten und kleinen Schnapsflaschen ergießt sich über den Boden. Ich mache mich erst einmal daran, die Süßigkeiten einzusammeln. Die Schnapsflaschen brauche ich nicht. Hä? Was schreibe ich da. War ich zu dem Zeitpunkt schon angetrunken? Oder bin ich es noch?

Hier freut sich der Zahnarzt

Um kurz vor 23 Uhr sehen wir auf dem Parkplatz Lichter. Wir leeren die letzten Drinks und machen uns auf den Weg zu unserem Bus. Ich möchte den Busfahrer bezahlen, dabei fällt mir auf, dass mein Portemonnaie an Bord liegt. Ich verspreche ihm seinen Lohn für den folgenden Tag. Danach krieche ich mehr auf das Boot als dass ich laufen würde. Noch ein Stück Apfelkuchen zur Nacht und danach gehe ich schnell ins Bett.

Ich habe mich gefreut, wir hatten eine tolle Feier. Und nun steht bei meinem Alter die Ziffer Fünf vorne. Und wir haben nebenbei mächtig die aktuellen Corona-Regeln gebrochen. Private Partys sind derzeit verboten.

Ich trete am nächsten Morgen zum Aufräumen an. Ich würde mich am liebsten neben diesen Esel legen. Aua. Mein Kopf. Der alberne Geburtstagshut hat wohl Druckstellen verursacht.

Chillender Esel

Bavaria

Ich arbeite jetzt schon seit einigen Monaten im Donkey Sanctuary. Dabei komme ich natürlich mit so manchem Besucher in Kontakt. Viele sind überrascht von meiner Nationalität, kommen dann aber so richtig auf Touren. Ob ich denn schon im deutschen Restaurant gegessen habe, will man immer wieder von mir wissen. Das war bis gestern Abend nicht der Fall. Das Restaurant liegt in einer Gegend, in der sonst eher hochpreisige Restaurants zu finden sind. Außerdem ist die deutsche Küche bei mir an Bord einigermaßen gut repräsentiert.

Jo, Stewart und Johnny machten sich gestern gemeinsam mit mir auf den Weg zum Restaurant Bavaria. Einziger Wermutstropfen bei der Sache: Ich bin der Fahrer. Also darf ich mir die Kühlschränke mit über 100 verschiedenen Bieren nur anschauen.

Bavaria Aruba, Wirt Peter hinter dem Tresen

Es wirkt auf den ersten Blick ungemütlich. Insbesondere der Tresen, aus Bierkästen erbaut, macht einen sterilen Eindruck. Das ist eine Folge der Anti-Covid-Maßnahmen, die im Augenblick Barhocker am Tresen verbieten. Aus den Lautsprechern ertönt volkstümliche Musik, die in meinen Gehörgängen schmerzt. Peter aus Siegen, der vor zehn Jahren dieses Restaurant aufgemacht hat, erklärt mir mit inzwischen schwer niederländischem Akzent bei seiner Aussprache, dass es sich um Radio Heimatmelodie handelt, ein Internetradiosender aus Bayern. Jeder Leser ist aufgefordert, länger als eine Viertelstunde zuzuhören.

Meine Idee, einen anderen Internetradiosender aus Bayern, Rockantenne, einzuschalten, wurde mit einem Lächeln hinter der weiß-blauen Maske quittiert. Seine Gäste würden diese Musik erwarten. Die drei Amerikaner am Tisch wirkten jedenfalls nicht verstört.

Die Speisekarte ist schon ziemlich gut und repräsentiert Süddeutschland, vom Schwarzwald bis zur österreichischen Grenze. Über die Zubereitung und den Geschmack kann ich nicht klagen, mein gar nicht so süddeutscher Sauerbraten war sehr lecker. Nur das Rotkraut war nicht mein Fall – ich war allerdings vorgewarnt. Peter erklärte mir, dass es hier nicht traditionell geht, sondern süß sein muss. Okay. Stewart war von seiner Schweinshaxe mehr als begeistert. Jo hat sich die Hälfte ihres Gulaschs einpacken lassen, sie war völlig überwältigt von der Portionsgröße. Auch Johnny musste sich Essen einpacken lassen. In Sachen Portionsgröße ist es hier wirklich typisch deutsch. Mein Fazit: Ich komme wieder, wenn ich Lust auf eine Schweinshaxe habe.


In Sachen Covid-19 kommt die Insel nicht so recht zur Ruhe. Vor knapp drei Wochen schrieb ich, dass die Zahl der aktiven Fälle auf knapp 300 angestiegen war. Wohlgemerkt, wir sind bei Null gestartet. Heute sind wir bei 1165 aktiven Fällen bei einer Gesamtzahl von inzwischen 1670. Die erste Welle verursachte gerade einmal 102 Infektionen. Im Schnitt wächst die Zahl täglich um ca. 60 Fälle.

Die positiv getesteten Touristen sind nur zu einem geringen Teil beteiligt, die meisten der Infektionen geschehen lokal. Das ist bedauerlich, Einheimische sind quasi gefährlicher als Touristen. Wobei die meisten Touristen allerdings nicht länger als eine Woche hier bleiben. Die können positiv sein, am Flughafen negativ getestet werden und entwickeln die Symptome vielleicht erst nach dem Rückflug.

Die Maßnahmen der Regierung sind irgendwie halbherzig. Die Bars sind geschlossen, allerdings nicht alle. Die Spielcasinos sind geöffnet. Private Partys sind verboten, Touristen können sich jedoch beliebig in den Hotelanlagen zusammenrotten. Nun kommt als neue Maßnahme eine altbekannte Maßnahme hinzu – die Ausgangssperre. Sie gilt ab morgen von Mitternacht bis fünf Uhr morgens, damit sich das Virus in der Nacht nicht mehr lokal übertragen kann. Ich halte es für wirkungslosen Aktionismus, der mir einigermaßen egal sein kann, weil ich in dieser Zeit sowieso schlafe. Darauf eine gute Nacht!

Explosiv

Aruba befindet sich nun in einem Lernprozess. Die Zahl der Covid-19 Fälle ist so hoch, wie sie während der ersten Welle niemals war. Im Juni war die Insel ohne Fälle. Am 10. Juli gab es schon wieder vier Fälle, die ersten frischen Touristen aus den USA konnten einreisen.

Irgendwann in den letzten Wochen ist nach meinen Informationen ein Barkeeper aus dem Urlaub in den Niederlanden zurückgekommen. Er wurde bei seiner Einreise getestet und war negativ. Also ging er wieder zur Arbeit. Blöderweise war er jedoch trotzdem positiv. Ein großer Teil der Infektionen soll auf diese Bar zurückzuführen sein.

Am 3. August waren wir noch bei 12 Fällen, die ersten fünf Fälle wurden bekannt, in denen sich die Menschen hier auf Aruba angesteckt haben. Am 4. August stieg die Zahl auf 17, die Regierung verkündete die ersten Verschärfungen. Am 5. August wurden 39 neue Fälle bekannt. Am 6. August kamen weitere 92 Fälle hinzu. Heute dann 133. Die Gesamtzahl liegt damit bei 279 aktiven Fällen. Das explodiert hier bedauerlicherweise gerade etwas.

Busfahrer mit Maske und Scheibe

Am weitreichendsten ist die Pflicht, in öffentlichen Verkehrsmitteln Maske zu tragen. Damit habe ich an und für sich kein Problem. Allerdings hält manch ein Busfahrer gar nicht mehr an, wenn der Fahrgast ohne Maske an der Haltestelle wartet. Das geht mir auf den Keks, draußen kann schließlich nichts passieren. Dann wäre da noch die Sache mit dem Knoblauch… Man ist dem eigenen Atem des Todes schon ziemlich ausgeliefert.

Seit einigen Tagen warte ich angespannt auf ein Paket aus der Heimat. Jens hat es vor knapp zwei Wochen in den Niederlanden zur Post gebracht.

Man beachte die Schreibweise des “S” in FAST. Das ist Programm.

Am späten Vormittag erreicht mich ein Bündel von Nachrichten auf Whatsapp, die alle von einer mir unbekannten Rufnummer aus Aruba kommen.

“Ho”
“Hi”
“My name is luis from UPS”
“Can i hafe your name?”
“Are you the owner of Yacht Sissi?”

“My name is Jörg and I am the owner of Sissi.”

“Hi sir”
“My name is Luis from UPD”
“Ups”
“Are you in Aruba?”

“Yes I am. I hope you have a parcel for me.”

“Correct i have a transit shipment for you, but we connot delivered, customer must to picked up at Cargo Building due that the shipment is in Transit.”
“Our location is…”
“You will not pay duties”
“But our handling is”
“48.86 USD”

Das Paket liegt schon hinter Sissi am Steg

Ich bitte Charly, mich zum Flughafen zu fahren. Dort befindet sich die Niederlassung von UPS. Später bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Mit Gesichtsmaske stehe ich im Büro und darf erst einmal knapp zehn Minuten warten, bis Luis ein Telefongespräch mit seiner Freundin beendet hat. So viel Zeit muss immer sein.

Dann legt er sich aber sofort für mich ins Zeug. Als erstes kassiert er die Gebühren. Ich zahle mit Bargeld in der Hoffnung, den Prozess vielleicht ein klein wenig beschleunigen zu können. Das Gegenteil ist der Fall – Luis findet keine 1.14 USD. Ein Kollege im Hinterzimmer kann aber wechseln. Ich darf ein paar Papiere unterschreiben, andere Zettel werden lautstark gestempelt. Dann erklärt mir Luis, dass diese Papiere nun zum Zoll müssen.

Er verschwindet für eine knappe Viertelstunde, dann sind zu dem Papierstapel noch weitere Zettel dazugekommen. Dann erklärt mir Luis, dass er nun das Paket holen geht. Schon nach 20 Minuten ist er wieder da. Ich muss die Papiere und das Paket nun zum Zoll nach Oranjestad fahren. Bzw. Charly muss mich dorthin fahren, wir sind inzwischen schon eine knappe Stunde für die Abholung des Pakets unterwegs.

Äppler an Bord

Der Hafen in Oranjestad ist weitestgehend verwaist. Trotzdem findet Charly keinen Parkplatz, Parken ist dort nicht vorgesehen. Da ich nicht weiß, wo der Zoll ist, lasse ich das Paket im Auto. Es fährt mit Charly zur Tankstelle. Zwar liegt ein Kreuzfahrer an der Pier, es ist jedoch nur ein Teil der Crew an Bord. Ich frage den Pförtner, wo sich der Zoll befindet. Der zeigt auf das benachbarte Gebäude. Dort befindet sich eine Art Käfig, in den ich gehe und an einem winzigen Fenster anklopfe.

Das Fenster öffnet sich einen Spalt und ich werde nach meinem Anliegen gefragt. Nun hätte ich das Paket präsentieren müssen. Der Zöllner gibt sich jedoch mit den Papieren zufrieden und sagt, dass er mir glaubt, ich würde das Paket an Bord bringen. Klar! Selbstverständlich!

Der teuerste Apfelwein meines Lebens

Noch nie in meinem Leben habe ich einen Apfelwein getrunken, der pro Glas sechs Euro kostet. Jeder Schluck ein Euro. Und er schmeckt richtig, richtig gut. Danke!

Iguanasuppe

Es ist wie im richtigen Leben. So komme ich im Augenblick kaum dazu, Beiträge für das Blog zu schreiben. Draußen passiert so viel. Zumindest haben wir wieder Wind. Die Flaute dauerte nur knapp zwei Tage.

Filetsteak

Ich möchte mit einem Filetsteak beginnen, das fünf Zentimeter dick geschnitten auf meinem Teller liegt. Lecker. Zuvor wurde ich in einem Restaurant unglaublich enttäuscht. Das eigentlich sehr gute Fleisch war zu Beginn der Zubereitung vermutlich auch fünf Zentimeter dick. Dann hat der Koch es nach Art eines Schmetterlingschnitzels aufgeschnitten und anschließend gebraten. Ein Graus. Dann brate ich es mir lieber selbst.

Seltener Anblick – drei Busse sind gleichzeitig abfahrbereit.

Inzwischen habe ich das Busnetz von Aruba komplett entschlüsselt. Jetzt fehlt mir nur noch ein aktueller Fahrplan. Der im Internet veröffentlichte Fahrplan entspricht jedenfalls nicht dem tatsächlich gefahrenen. Auch der Aushangfahrplan am zentralen Busbahnhof hat bestenfalls den Wahrheitsgehalt einer Rede von Herrn Trump. Einige Linien sind zwar verzeichnet, sind jedoch eingestellt. Über eine Linie gibt es keine Informationen. Der Bus der Linie 5 fährt mehrmals am Tag die Dörfer im Hinterland an. Dort gibt es nicht einmal Haltestellenschilder, man hält den Bus einfach durch ein Winkzeichen an.

Die bei der staatlichen Gesellschaft Arubus beschäftigten Busfahrer halten sich gerne im Pausenraum am zentralen Busbahnhof auf. Gelegentlich läuft einer der Fahrer zu einem der mit laufendem Motor (und laufender Klimaanlage) geparkten Fahrzeuge und fährt seine Fahrgäste an ihr Ziel. Danach geht es zielstrebig wieder in den Aufenthaltsraum. Ich habe gestern eine Mail an den Busbetreiber mit der Bitte um einen aktuellen Fahrplan geschickt.

Fünf Busse haben Pause.

Für die Fahrt in einem dieser Busse werden 4,50 Florin verlangt – unabhängig von der gefahrenen Strecke. Neben den großen staatlichen Bussen gibt es noch ein komplettes zweites Busnetz in Aruba. Die kleinen privaten Busse. Sie fahren auf denselben Strecken und halten überall auf ein Winkzeichen. Lediglich in Oranjestad unterscheidet sich die Starthaltestelle.

Wartende Kleinbusse

Eine Fahrt mit den Kleinbussen kostet lediglich 3 Florin. Für 6 Florin gibt es jedoch einen speziellen Service – der Bus verlässt seine Fahrtstrecke und fährt bis direkt vor die Haustür. Das ist sehr praktisch. Wenn man möchte, kann man mit dem Fahrer noch ein Pickup vereinbaren. Dann kommt der Bus etwa zu einer bestimmten Uhrzeit an den vereinbarten Ort und sammelt den Fahrgast ein. Praktisch.

Die kleinen Busse fahren alle paar Minuten, wesentlich öfter als die staatliche Konkurrenz. Ein Wermutstropfen ist die Qualität des angebotenen Transports. Das trifft auf die FahrerInnen beider Bussysteme zu. Für die FahrerInnen ist es kein Problem, während der Fahrt WhatsApp zu lesen und zu schreiben. Bei den Privatbussen kommt dazu noch eine stark schwankende Qualität der Hardware. Vom fabrikneuen Fahrzeug mit Neuwagengeruch, Klimaanlage, bequemen Sitzen und intakter Federung bis zum rollenden Vollschrott, der bei uns niemals vom Hof des TÜV rollen würde, kann man alles bekommen.

Alle FahrerInnen haben aber auch gemein, dass sie außerordentlich freundlich sind. Wenn ich da so an Frankfurt oder gar Berlin denke…

Im Minibus

Jetzt habe ich mir den größten Teil der Insel mit öffentlichen Verkehrsmitteln zugänglich gemacht. Das ist ein gutes Gefühl. Sogar eine Arubus-Smartcard konnte ich mir besorgen. Damit sinkt der Fahrpreis für die Busfahrt auf etwas mehr als 3 Florin, etwa 1,50 Euro.

Esel

Mit den Kleinbussen gibt es somit die Möglichkeit, zum Donkey Sanctuary zu kommen. Bisher konnte ich immer mit den Chapos gemeinsam im Auto fahren, es ist aber gut zu wissen, dass es auch ohne Auto geht.

Der oben abgebildete Esel ist übrigens männlich. Nach der Veröffentlichung einiger Fotos wurde ich nach dem Geschlecht der Esel gefragt. Ich möchte es mal so formulieren: Die Männchen lassen sich sehr gut von den Weibchen unterscheiden. Am Futtertrog sind sie jedenfalls alle ziemlich rabiat untereinander.

Entspannung pur.

So lange die Fütterung noch nicht läuft, können sich die Katzen auch noch entspannen. Ich bekomme es übrigens noch nicht hin, allen fünf Katzen ihre Namen zuzuordnen. Nur bei Sweety weiß ich es zu 100%. Die Katzen bekommen ihr Futter immer erst kurz bevor alles zugeschlossen wird. Damit soll vermieden werden, dass eine Katze aus Versehen eingeschlossen wird.

Entspannung auf dem Kassentresen des Souvenirladens

Vielleicht hatten die bösen Zungen wirklich recht und ich gehe nur wegen der Katzen zu den Eseln. Die Esel können einfach nicht schnurren, die Ohren sind nicht so schön spitz und ihr Fell lange nicht so weich.

Die Eselkatzen sind jedenfalls nicht nur auf Whiskas abgerichtet. Wenn sie zwischendurch Hunger haben, können sie sich ihre Leckereien auch in der freien Natur besorgen.

Sweety mit seinem Snack

Zweimal die Woche zu den Eseln zu gehen ist eine schöne Sache. Öfter muss es nicht sein, man kommt dort ziemlich ins Schwitzen bei der ungewohnten körperlichen Arbeit. Es bringt mir eine schöne Abwechslung. Wenn ich einem Arubaner davon erzähle, freut der sich immer riesig. Sie mögen ihre Esel schon sehr.

Blick über das Gelände des Donkey Sanctuary Aruba

Was der Katze schmeckt ist sicher auch für den Menschen ganz lecker. Nicht nur in den Nachbarländern werden Iguanas gegessen, auch auf Aruba gibt es Spezialitäten auf Iguanabasis.

Vor ein paar Tagen fragte mich Shelley, ob ich Lust auf einen Teller Iguanasuppe hätte. Da ich immer gerne neue Tiere auf den Speiseplan nehme, habe ich mein Interesse geäußert. Gestern Abend brachte mir Shelley dann die Suppe ans Boot.

Iguanasuppe

Es hat hervorragend geschmeckt. Eine Gemüsesuppe mit Fleischeinlage. Das Fleisch schmeckt in etwa so wie Froschschenkel oder Hähnchen. Vielleicht sollte man die Iguanas nicht zu Suppe verarbeiten, sondern mit Knoblauch und Petersilie anbraten. Die Suppe war allerdings sehr lecker gewürzt und hatte eine angenehme Schärfe. Danki!

Motorboot mit Mast

Gestern hat sich mein Ausblick seit langer Zeit zum ersten Mal verändert. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte sich der verrückte Ami ganz hinten einen Mast auf die Motorbratze gesetzt.

Sieht man genauer hin entdeckt man die britische Segeljacht Aequus, die seit gestern im Hafen von Oranjestad liegt. Sie ist in fünf Tagen von St. Lucia nach Aruba gesegelt und hat jetzt einen hurrikansicheren Platz. Vorher hing sie drei Monate auf St. Lucia fest. Gelegentlich gibt es sogar hier Veränderungen.

Schweinekrustenbraten

Seit Wochen schon bin ich Stammkunde in der Metzgerei Carniceria Central. Bisher habe ich noch keine bessere Bezugsquelle für Fleisch gefunden. Nicht zuletzt haben sie dort sehr gute Preise. Vor zwei Wochen ist mir dort leckerer Schweinebauch aufgefallen. Leider konnte ich kein großes Stück erwerben, wie man es für einen Krustenbraten braucht. Der gesamte Schweinebauch war leider schon in Scheiben geschnitten.

Das Problem ist, dass der Metzger das Fleisch tiefgefroren erhält und schon in gefrorenem Zustand schneidet. Der Chef versprach mir, bei der nächsten Lieferung ein Stück für mich aufzuheben und nicht zu schneiden.

Schweinekrustenbraten mit Semmelknödeln

Jutta hat den Schweinebauch anschließend stundenlang in ihrem Bordbackofen geschmort. Als traditionelle Beilagen wurden Semmelknödel und Kraut gereicht. Lecker! Leider hatten wir kein fränkisches Bier zur Hand, damit hätten wir die Mahlzeit perfekt ergänzen können.

Obwohl wenn ein schöner Krustenbraten nicht im Verdacht steht, ein kalorienarmes Gericht zu sein, hat Jutta den Braten noch um einen Apfelstrudel ergänzt. Wir hatten mal wieder eine ordentliche Fressorgie.

Und warum schreibe ich das alles auf? Ich habe so viel über das Essen geschrieben, dass man beim Lesen schon zunehmen könnte. Ganz einfach: Charly hat eine hervorragende Technik entwickelt, dem Krustenbraten die perfekte Kruste zu verpassen. Das geht im Bordbackofen nämlich nicht. Der Braten würde auseinander fallen, bevor auch nur ein Ansatz von einer Kruste entsteht. Auf Lanzarote erlebten wir Charlys Vorstellung schon einmal, jetzt auf Aruba durfte ich sie wieder sehen. Die Wiederholung war sogar besser als die Premiere. Eine perfekte Kruste.

Abendessen bei Sonnenuntergang

Ich bin kurz davor, die kitschig schönen Sonnenuntergänge komplett zu ignorieren. Fast jeden Abend gibt es eine Stunde der Farben in allen Gelb- und Rottönen, die die Natur jemals erfunden hat.

Die Stunde der Farben beginnt.

Jeden Abend frage ich mich, was ich den ganzen Tag so geleistet habe. Jeden Abend nehme ich mir eine möglichst unangenehme Arbeit für den folgenden Tag vor. Gestern war es schon wieder Arbeit an der Bilge bzw. der Bilgepumpe. Vorgestern hat die frisch wiederbelebte elektrische Bilgepumpe unter Versendung heftigster Rauchzeichen den Betrieb eingestellt. Mit ein paar Tropfen Sekundenkleber konnte ich wenigstens die Membran der Handpumpe wieder gängig machen. So war die tägliche Dusche gesichert.

Gestern konnte ich dann die kaputte elektrische Pumpe durch ein Ersatzgerät tauschen. Vier Stunden Arbeit mit viel zu kurzen Armen in der viel zu tiefen Bilge. Mir ist so viel Schweiß vom Kinn in die Bilge getropft, dass genug Flüssigkeit für einen Probelauf vorhanden war. Die anschließende Dusche war zwingend nötig und führte zu genug Wasser in der Bilge für einen zweiten Lauf. Merke: Wenn Du das Seeventil der elektrischen Pumpe nicht öffnest, quirlt sie das Wasser nur in der Bilge herum.

Müll am Straßenrand

Aruba hat das öffentliche Leben so weit heruntergefahren, dass nicht einmal mehr die Straßenreinigung betrieben wird. Das macht sich inzwischen deutlich bemerkbar. In der ganzen Stadt sind die Straßen von Müll gesäumt. Da die Restaurants nur noch zum Mitnehmen anbieten, liegen sehr viele Essensbehälter herum.

Müll

Jeden Tag kommt noch ein wenig Müll dazu. Bei jedem Gang zum Supermarkt oder zum Metzger finden sich neue Abfallberge oder Hügelchen. Es wird Zeit, dass das wieder funktioniert. Mein Eindruck ist, dass um so mehr Müll dazu kommt, je mehr schon herumliegt.

Coronamüll

Das Bloggen habe ich in den letzten Tagen heruntergefahren. Es fällt mir schwer, immer neue Facetten unserer Situation zu finden, ohne in der Melancholie zu versinken. Ich habe mir vorgenommen, nur noch positive Beiträge zu schreiben. Angesichts der immer schöner werdenden Umgebung ist das nicht leicht.

Fußgängerzone

Auch die Beschränkungen im Leben nerven mich. Wahrscheinlich gibt es keinen auf diesem Planeten, der nicht genervt ist. Nach 21 Uhr ist Ausgangssperre. Nach 21 Uhr ist die Temperatur aber auch so angenehm, dass man schön mit dem Fahrrad die Strände entlang fahren könnte. Nach 21 Uhr wären ausgedehnte Spaziergänge am Strand ein toller Genuss. Vor Sonnenuntergang sitze ich am liebsten im Salon und gehe der Hitze aus dem Weg. Das ist eine Art freiwillige Ausgangssperre. Nur wenige Leute sind so blöd, bei 32°C im Schatten Bewegung in der Mittagshitze zu suchen.

Wenn am Abend die Sonne untergeht, werden die Temperaturen angenehm und das Leben schöner. Dann finden viele positive Erlebnisse statt.

Sonnenuntergang am 14.3.2020

Abends setzen wir uns fast immer zum Abendessen zusammen. Abendessen ist Nahrungsaufnahme, Abendessen ist aber auch Genuss. Lieblingsgerichte sind erlaubt, ja fast schon Pflicht.

Kartoffelklöße, vor dem Kochen

Natürlich gibt es Hausmannskost, wenn ich koche. Ich hatte Lust auf Gulasch und Kartoffelklöße. Also kaufte ich Fleisch und Kartoffeln. Nach nur wenigen Stunden Arbeit war der Kloßteig aus rohen und gekochten Kartoffeln fertig. Ich war stolz. Dann habe ich Wasser angeheizt, um ein paar Probeklöße zu machen. Langer Rede kurzer Sinn – die hiesigen Kartoffeln sind absolut ungeeignet für Klöße, die Klöße haben sich im Wasser einfach völlig aufgelöst und wurden zu einer Art Kartoffelsuppe.

Ich hatte aber noch so unglaublich viel Kloßteig, den ich nicht wegwerfen wollte. Für Kartoffelpuffer hat sich der Teig super geeignet. Die sind sehr lecker geworden und konnten auch zusammen mit dem Gulasch verzehrt werden. Jutta hat sich fast in den Teller hinein geworfen. Lieblingsgerichte halt.

Kartoffelpuffer

Damit wir nicht so dick werden, hat Jutta für den nächsten Tag ein einfaches, leichtes Gericht versprochen. Ich war gespannt und wurde nicht enttäuscht, wäre aber nie auf die Idee gekommen, das als Abendessen zuzubereiten. Es gab Toast Hawaii. Mit frischer Ananas, keine Ananas aus der Dose. An jener Stelle zeigte sich ein ungewohnter Geschmack, die Dosenananas sind viel süßer.

Toast Hawaii

Es ist schön, wenn man sich das Kochen teilt. Dann ist auch das Abspülen geteilt. Die Chapo hat sogar eine Spülmaschine, die im Augenblick leider kaputt ist. Und auf der Chapo wohnt Ute, die auf beiden Booten schön sauber spült.

Es ist auch schön, dass wir uns nicht den ganzen Tag gegenseitig auf den Geist gehen, sondern uns erst zum Abendessen treffen. Anschließend spielen wir ein paar Runden Karten, schwätzen, lachen und haben eine gute Zeit. Auf diese Weise werden wir mit einem gesundem Geist über die Zeit kommen. Für den gesunden Körper haben wir ja die gute Küche.

Pizzateig (Anfangsstadium)

Für den heutigen Tag hat mir Jutta verboten, ein Dessert anzufertigen. Also mache ich eine Vorspeise. Ich will kleine Pizzahäppchen backen, die dann kalt aus der Hand gegessen werden können. Dazu habe ich einen Pizzateig angesetzt. Das ist kein Dessert.

Wenn Jutta die Finger von der Pizza lässt und nichts davon isst, wird sie auch kein Problem mit ihren Diätbemühungen haben. Ich werde die Pizza aber so lecker würzen, dass Widerstand außerordentlich schwierig sein wird.

Pizzateig (fertig geknetet)

Ein Spaziergang führt mich zufällig an der Metzgerei vorbei. Dort finde ich meine Idee für den Pizzabelag – Chicken Curry. Ich sammele ein paar Hühnerfilets ein, die an Bord klein geschnitten und in eine feine Paprika-Curry-Marinade eingelegt werden. Dazu lege ich noch klein geschnittene grüne Paprika und fertig ist die Mini-Pizza.

Der Pizzateig wächst und gedeiht.

Während der Teig noch geht, mache ich mich an das Schnippeln und Reiben der übrigen Zutaten. Zwiebeln, Knoblauch, Käse. Pizza ist ein tolles Gericht, gerade an Bord dauert die Zubereitung stundenlang.

Zutaten

Anschließend forme ich die Häppchen. Ich habe schon richtig Appetit. Das geht mir immer so, wenn ich Pizza backe. Also werden die Häppchen etwas größer als zunächst geplant.

Minipizza in unterschiedlichen Stadien der Zubereitung

Aus dem Teig bekomme ich vier Bleche mit Minipizzas heraus. Das bedeutet eine Backzeit von insgesamt zwei Stunden. Der Bordbackofen ist leider kein guter Pizzaofen. Besser als bei Dominos werden sie allemal schmecken.

Fertige Minipizzas

Ich freue mich über die Backergebnisse und muss gleich einmal eine Qualitätskontrolle machen. Ich darf nicht zu viel Qualitätskontrolle machen, sonst habe ich nachher keinen Hunger mehr auf die Hauptspeise. Was wollte Jutta kochen? Ich habe es schon wieder vergessen, hatte nur Augen für die Pizza. Ich freue mich schon auf den Abend. Und auf den Sonnenuntergang.

Wird sich Jutta bei der Pizza zurückhalten können? Die Frage werde ich vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft beantworten.

Das Leben auf Aruba ist schön. Wir machen uns einen schönen Aufenthalt. Wir lassen nicht zu, dass wir von Depressionen aufgefressen werden.

Noch eine Minute, dann ist die Sonne weg.

Nachtrag: Jutta hat von der Pizza gegessen. Außerdem hat sie leckere gefüllte Paprika gemacht. Die waren zwar vegetarisch, dafür aber so gut, dass ich noch Nachschlag brauchte. Jetzt bin ich rund gefressen.

Tortuga sticht in See

Holger haben wir vor zwei Wochen kennengelernt. Damals lag er mit seiner Tortuga hinter der Landebahn des Flughafens vor Anker. Dort hatte er kein Internet und so sind der Corona-Ausbruch und die Folgen für alle Segler zunächst an ihm vorbeigegangen. Er bemerkte zwar, dass der Verkehr auf der Uferstraße in der Nacht komplett zum erliegen gekommen ist, wusste aber nicht warum. Holger wartete alleine an Bord auf seine Crew. Die vorherige Crew konnte noch regulär nach Hause fliegen, die neue Crew aber nicht mehr in Aruba einreisen. Ein echtes Problem.

Tortuga an der Tankstelle

Ein Freund von Holger sitzt auf Martinique und würde ihm bei der Überführung nach Deutschland helfen. Der darf aber auch nicht nach Aruba. Also will Holger nach Martinique. Er hat sich schlau gemacht, weiß von den 14 Tagen Quarantäne, die ihn nach der Einreise erwarten. Dennoch fährt er nach Martinique.

Die Leinen sind los, die Fender werden noch verstaut.

Wir wünschen Holger eine gute Reise, perfekten Wind und dass er die richtige Entscheidung getroffen hat. Entscheidungen treffen ist heutzutage nicht einfach, weil sich die Rahmenbedingungen so schnell ändern und Segelboote so langsam sind.

Tortuga verlässt Oranjestad

Wenn wir mit dem Segelboot unterwegs sind, müssen andauernd Entscheidungen getroffen werden. Meist sind Wetter und Wettervorhersage Grund dafür, dass diese Entscheidungen notwendig sind. Damit können wir umgehen.

Vernagelte Schaufenster

Auch wenn wir in Oranjestad im Augenblick alles haben, was wir brauchen, machen mir bestimmte Anzeichen Sorge. Im Hafen liegt eine große Motorjacht eines alten Holländers, der schon vor 15 Jahren nach Aruba gezogen ist. Gestern hat er sich vom Supermarkt große Mengen Nahrungsmittel auf sein Boot liefern lassen. Er meint, dass die Leute im Augenblick noch entspannt seien, weil sie noch Geld haben. Das wäre in ein bis zwei Monaten anders. In der Innenstadt gibt es praktisch kein Geschäft mehr, das nicht die Schaufenster mit Brettern vernagelt hätte.

Vielleicht verlegen wir Sissi in die zweite Marina auf Aruba. Dort ist die Liegegebühr günstiger und sie liegt ziemlich abseits von allem. Das Einkaufen wäre zwar beschwerlicher, dafür wären wir aber weit weg von jedem für Randalierer oder Plünderer interessanten Fleck. Vielleicht passiert aber auch gar nichts. Auf welcher Grundlage sollen wir eine solche Entscheidung treffen?

Sonnenuntergang, immer wieder schön.

Auf keinen Fall sollte man Entscheidungen mit leerem Magen treffen. Wir haben Leiterchen beim Metzger eingekauft und diese über Nacht in einer leckeren Jerk-Tomaten-Marinade eingelegt. Unser großer Topf ist voll, es ist eine Portion für fünf hungrige Personen. Diese Leiterchen habe ich dann dreieinhalb Stunden auf kleinster Flamme schmoren lassen. Jutta hat bergeweise Pommes frittiert und für Gemüse gesorgt. Jens hat einen Schoko-Nuss-Pudding gerührt. Gemeinsam gab es dann eine große Völlerei. Das Fleisch war perfekt mürbe und löste sich problemlos von den Knochen. Der Wachmann von der Marina ist uns fast in den Topf mit den Leiterchen gesprungen. Eidechsen mögen auch Schoko-Nuss-Pudding. Die Entscheidung wird vertagt, der Magen ist viel zu voll dafür. Außerdem kann sie noch ein paar Wochen warten. Dann wissen wir mehr.

Eins wissen wir jetzt allerdings mit Sicherheit: Corona macht dick und rund.


Nachtrag: Die Tortuga ist wieder auf Aruba. Holger musste aufgrund von Problemen umdrehen.

Apfelwein auf Aruba!

Heute ist ein Freudentag. Gestern kam die Chapo nach Oranjestad und es war ein Freudentag. Heute ist schon wieder ein Freudentag! Und heute geschah das Ende einer langen Geschichte.

Die Geschichte beginnt in Frankfurt. Vor fast einem halben Jahr fragte mich Stefan, ein ehemaliger Arbeitskollege, ob er uns nicht mit einer Lieferung aus der Heimat unterstützen kann. Ich habe mich darüber sehr gefreut und bat ihn um den Versand einer Palette Apfelwein. Zu diesem Zeitpunkt sind wir in Portugal gewesen und haben alle möglichen Getränke probiert, die aus Äpfeln hergestellt werden. Keines davon war nur ansatzweise vergleichbar mit einem echten, leckeren Apfelwein.

Charly übergibt den Apfelwein an mich

Als wir wieder eine gesicherte Versandadresse hatten, weil wir auf unser neues Segel gewartet haben, hat Stefan das Paket mit unserem Lieblings-Paketdienst auf den Weg geschickt. Derweil hat sich in Stade der Segelmacher an seine Nähmaschine gesetzt und eine frische Genua für uns genäht. Die Genua wurde verpackt und in unsere Marina gesendet. Irgendwann konnten wir sie in den Händen halten. In der Zwischenzeit musste DHL lediglich eine Palette Apfelwein nach Lanzarote bringen.

Wir waren dann soweit, dass wir Lanzarote verlassen haben. Leider war der Apfelwein noch nicht da, laut Tracking hat er es sich in dieser Zeit in verschiedenen schönen Lagerhallen in Spanien bequem gemacht. Jutta und Charly von der Chapo haben sich bedankenswerterweise bereit erklärt, den Apfelwein für uns abzuholen, falls er irgendwann in der Marina eintrifft, und über den Atlantik zu segeln.

Vierundzwanzig neue Freunde!

Charly konnte den Schoppen gleich am folgenden Tag im Marinabüro abholen. Wie es der Herr Murphy so wollte, kam der Äppler gleich am Tag nach unserer Abfahrt in der Marina Rubicon an. Der Äppler verschwand in den Tiefen des Ankerkastens der Chapo.

Während wir uns schon in der Karibik vergnügten, war die Chapo immer noch auf den Kanaren. Innerlich hatten wir den Äppler schon abgeschrieben, denn wir fuhren von Barbados nach St. Lucia, die Chapos von Las Palmas nach Mindelo. Sie waren tausende von Meilen hinter uns zurück. Den Karneval verbrachten Jens und ich auf Martinique. Unser Apfelwein überlebte den Karneval in Mindelo. Es ist vielleicht auch besser, transozeanische Apfelweintransporte mit Hilfe von Bayern oder Franken durchzuführen, der Apfelwein überlebt dann leichter die lange Überfahrt.

Die Chapo verließ Mindelo, wir irgendwann Martinique. Wir bummelten in Richtung Bonaire, der Insel mit den tollen Korallen unter Wasser. Unser Apfelwein war in guten Händen.

Jetzt ist wieder Apfelwein an Bord!

Dann kam die Seuche. Es wurde immer klarer, dass die Chapo nicht ihrem ursprünglichen Plan folgen könnte, ihre Anhalter auf Barbados rauszulassen und sich dann mit uns in Jamaica zu treffen. Das war nämlich Gegenstand unserer Verabredung. Wir hätten uns bei plangemäßer Fortsetzung unserer Reise auf Jamaica mit großer Wahrscheinlichkeit verfehlt.

Grenzen wurden geschlossen und Segler hatten und haben damit große Probleme. Wo einreisen, wenn das Boot in einem Hafen außerhalb der Hurrikanzone liegen soll. Welches Land nimmt noch Segelboote an. Ich witterte die Gunst der Stunde (sagen böse Zungen) und wir konnten mit Hilfe von Frau Rodrigues (Honorarkonsulin) eine Einreiseerlaubnis für die Chapo über die ansonsten geschlossene Grenze bewirken. Im Vordergrund unserer Hilfe stand selbstverständlich nur der Apfelwein. Es lag überhaupt nicht daran, dass wir innerhalb des letzten Dreivierteljahres eine gemeinsame Freundschaft entwickelt haben.

Keine Quarantäne für den Äppler. Willkommen an Bord!

Danke Stefan, dass du den Apfelwein auf die lange Reise geschickt hast. Danke Jutta und Charly dafür, dass ihr ihn auf eurer Odyssee nicht ausgetrunken habt. Danke Frau Rodriguez, dass der Äppler einreisen durfte. Zwei Dosen stehen jetzt im Kühlschrank. Wir trinken nachher auf euch alle!

Diät

Dieser Tage fällt es einem nicht leicht, einen klaren Kopf zu behalten. Wir sitzen die meiste Zeit auf unserem Boot herum, hängen am Strand ab oder spazieren durch die praktisch menschenleere Innenstadt. Welche Internetseiten wir auch aufmachen, sie kennen alle nur das eine Thema. Das Thema, das ich in diesem Beitrag mit genau keinem Wort streifen möchte. Ich bin nämlich auf Diät – Nachrichtendiät.

Die Idee dazu hatte ich gestern Nachmittag, als ich eine Email von meinem ehemaligen Arbeitskollegen Uli bekam. Eine Diät ist genau richtig. Zu einer Diät braucht man natürlich das richtige Essen. Ich mache einen Spaziergang zum Metzger und kaufe uns ein Stück von einer Kuh.

Dann kommt der Fleischwolf zum Einsatz, dieses wunderbare Stück mechanischer Technik. Bei 32°C im Schatten möchte ich Hackfleisch nicht einmal die 750 Meter von der Metzgerei bis zum Sissikühlschrank tragen, deswegen lasse ich es lieber im Laden. Wir haben einen Fleischwolf, also wolfen wir selbst. Ich verwandle das Kuhstück in Hackfleisch. Von diesem Vorgang gibt es keine Bilder, denn mit den Kuhfingern fasse ich die Kamera nicht an. Beim nächsten Mal lasse ich Jens ein Bild machen.

Bolognese

Ich schneide einen kleinen Hügel voll Zwiebeln und eine ordentliche Portion Knoblauch. Es kommt nicht genau auf die Menge an, es kommt nur darauf an, dass es eine große Menge ist – nach Gefühl, Erfahrung und dem eigenen Appetit.

Dann brate ich das Hackfleisch an, packe Zwiebeln und Knoblauch dazu und zuletzt eine große Packung passierter Tomaten. Ein paar Finger voll scharfer, getrockneter Chilis von den Kapverden sorgen für eine gesunde Schärfe, Salz, Pfeffer, Oregano und etwas Zucker für einen leckeren Geschmack. Das alles darf eine Weile auf kleiner Flamme vor sich hin köcheln.

Käse mit viel Geschmack

Die Zeit nutze ich, um einen großen Block Käse aus Frankreich zu reiben. Das kommt mir etwas wenig Käse vor, also grabe ich aus dem Kühlschrank noch einen zweiten Käseblock aus und reibe ihn ebenfalls. Jetzt scheinen die Mengenverhältnisse zwischen Bolognesesauce und geriebenem Käse zu stimmen. Also gehe ich weiter zum nächsten Schritt. Ich heize den Ofen an.

Lasagne vor dem Backen

Hackfleisch, Teigplatten und Käse werden jetzt von mir sorgsam in die Lasagneform geschichtet. Damit am Ende alles in die Form passt, muss ich immer mal wieder kräftig darauf drücken. Zu guter Letzt kann ich jedoch alle Zutaten in die Form pressen und muss diese nur noch in den vorgeheizten Ofen schieben.

Nun habe ich Zeit. Viel Zeit. Es dauert 20 Minuten, bis die Teigplatten durchgekocht sind. Ich kann mir also ein Video anschauen. Am besten sind Tiervideos, denn es gibt nichts, was entspannender ist als Tiervideos, wenn man auf eine Lasagne wartet, die von Minute zu Minute ihren Duft intensiver im Salon verteilt.

Dann ist das Essen fertig. Es gelingt mir diesmal, die Form aus dem Ofen zu nehmen, ohne mir dabei irgendwelche Brandverletzungen zuzufügen. Das ist selten. Ich freue mich. Der Lasagneduft im Salon wird unbeschreiblich stark.

Lasagne frisch aus dem Ofen

Jens kratzt mit der Gabel über den Salontisch und meckert mich an, weil ich mit der Kamera hantiere, anstatt die Pasta einfach auf den Tisch zu schleudern. Es geht ihm zu langsam. Er springt mir fast auf die Füße. Ich zerteile die frisch gebackene Speise in portionsgerechte Stücke. Denke ich. Jens denkt, ich möchte ihn auf Diät setzen. Die Stücke sind ihm viel zu klein.

Viel zu kleine Portion Lasagne

Er meckert immer noch, bis der Teller endlich vor ihm steht. Dann inhaliert er den Duft, schimpft über die Temperatur der Mahlzeit und beginnt mit der Nahrungsaufnahme. Das geht dann plötzlich sehr schnell. Jens hat seine erste Portion schon genossen, als ich meinen Teller noch nicht einmal zur Hälfte leer gegessen habe. Er nimmt sich noch eine Portion. Und noch eine Portion. Jens ist ein Pastafari!

Genuss pur. Lasagne wird langsam gegessen.

Nach dem Essen wird es dann noch Zeit für ein wenig abendliche Unterhaltung. Die Entscheidung für ein Konzert fällt uns leicht, die Kultur führt auf einem Segelboot leider immer wieder ein Nischendasein.

Der Lasagneklumpen in meinem Bauch will und will sich nicht auflösen, Jens spricht nach einer Stunde schon wieder von einem “Hüngerchen”. Wer soll nur das ganze schmutzige Geschirr noch abwaschen? Egal, zuerst kommt der Kulturgenuss.

Den einen oder anderen Diättag werden wir in Zukunft wohl machen. Ich empfehle dir auch gelegentliche Diät. So lebt es sich angenehmer und entspannter. Und nach dem Konzert gehst du am besten gleich ins Bett und daddelst nicht mehr auf dem Smartphone herum. Sonst war die ganze Diät sinnlos.

Einkaufen wie in Holland

Wir befinden uns ja in den karibischen Niederlanden. Auf Bonaire nehmen sie zwar keine Euros sondern US$, ansonsten kommen wir uns schon so vor wie in Holland. Sie sprechen auch so wie in Holland. Irgendwas, das nach Halsentzündung klingt und Englisch. Ein guter Supermarkt soll nur etwa einen Kilometer von unserer Boje entfernt sein. Wir laufen los.

Straßenszene in den Niederlanden

Wir laufen also die Straße entlang zum Supermarkt, weil wir uns etwas versorgen wollen. Immer nur im Restaurant essen gehen ist doof, teuer und schmeckt auf die Dauer auch nicht. In der Karibik ist die Auswahl an Gerichten nicht allzu groß, lediglich die Zahlen neben den Gerichten haben eine komische Größe.

Bei unserem Spaziergang fällt uns auf, dass man nicht sehen kann, wie der Strom in die Straßenlaternen kommt. Hier haben sie zumindest in der Hauptstadt die Stromleitungen unter die Erde gelegt. Das war auf den anderen karibischen Inseln nicht so.

Van den Tweel Supermarket

Nach einer knappen halben Stunde sind wir da. Von außen macht der Supermarkt einen tollen Eindruck. So etwas haben wir seit Europa nicht mehr gesehen. Vielleicht ansatzweise auf den Kanaren, aber auch dort hatten die Supermärkte zumeist eine überschaubare Größe.

Supermarkt von innen

In den Regalreihen finden wir haufenweise Produkte, die wir zuletzt in Stavoren im Coop gesehen haben. Das ist wirklich lange, lange her. An einigen Regalen sind Schilder angebracht, dass sich die Container aus Holland aufgrund von schlechten Wetters verspäten und erst in der kommenden Woche eintreffen werden. Für uns ist jedenfalls noch genug da. Wir angeln ein tolles Rinderfilet aus der Fleischtheke (Herkunft: Netherlands) und dazu grünen Spargel aus Mexiko. Wir freuen uns auf das Abendessen.

Dann werden wir an die Jahreszeit erinnert. Ist denn wirklich schon bald Ostern? Wenn man wie wir ohne Jahreszeiten unterwegs ist, dann fehlt der Bezug zu solchen Terminen vollkommen.

Bald ist Ostern

Wir verzichten auf den Erwerb der Osterhäschen. So wichtig ist das nicht. Statt dessen kreisen wir noch durch die restlichen Regale des Ladens und finden bei den Bieren eine Sorte, die wir auch zuletzt in Stavoren getrunken haben: Brand. Aus der ältesten Brauerei der Niederlande. Wow. Da nehmen wir uns gleich einen Sixpack mit, für mehr reicht das Budget nicht. Eine Dose kostet nämlich 1,89$. Egal, das ist es uns heute wert. Und es schmeckt.

Brandje – Prost!