Kaputt machen

Es gibt Kleinigkeiten im Leben, an denen ich meine deutsche Herkunft immer wieder vor Augen geführt bekomme. Die deutsche Tugend der Pünktlichkeit halte ich sehr hoch. Damit bin ich einer unter wenigen in Aruba. Mit Anneke kann ich mich zu einer bestimmten Uhrzeit verabreden. Bei ihr weiß ich sicher, dass sie pünktlich sein wird, meistens ist sie sogar vor der vereinbarten Zeit am Treffpunkt. So stehe ich um acht Uhr morgens vor dem Animal Shelter und bin mal wieder der Erste.

Eine der Katzen, die vor dem Tierheim wohnen

Neben den Katzen, die im Tierheim wohnen, gibt es auch noch ein paar vor der Tür. Eine besonders schöne Dame wartet gemeinsam mit mir auf den Schlüssel zur Eingangstür. Nach und nach kommen die anderen Helfer, irgendwann erscheint auch die Dame mit dem Schlüssel. So weit, so gut. Dann können die Katzen vor der Tür ja ihr Futter und Wasser bekommen.

Elvis

Das ist Elvis. Er ist fünf Jahre alt und hat sein gesamtes Leben im Animal Shelter verbracht. Der wunderschöne Kater ist einigermaßen scheu den Menschen gegenüber. Wahrscheinlich hat ihn deswegen niemand adoptiert.

Holzdecke mit Wasserschaden

An Bord treibe ich meine Sanierung weiter voran. Die Holzdecke im Salon muss herunter. Schön ist sie sowieso nicht mehr. Man sieht deutlich verschiedene Stellen, an denen sie einen heftigen Wasserschaden erlitten hat. Außerdem müssen Stromkabel ersetzt werden, die unter der Decke verlegt sind.

Kaputt machen – erster Teil. Es fängt über der Navigationsecke an.

Schraube um Schraube, Brett um Brett. Nach und nach wandert die Holzdecke ins Cockpit. Nach und nach finde ich die Baustellen der kommenden Wochen. Die meisten davon habe ich erwartet.

Kaputt machen – zweiter Teil. Jetzt sind alle Bretter runter.

Ich habe an einigen Stellen vor vier Jahren bei der Elektrik etwas gepfuscht. Das ist mir dann nach dem Wassereinbruch auf die Füße gefallen. Anstatt die vorhandenen Kabel nur neu anzuschließen hätte ich sie besser gegen verzinnte Kabel getauscht. Dann hätte ich auf der Backbordseite an den Lampen wohl auch mehr als 7V Spannung. Diesmal mache ich es richtig.

Die Holzdecke ist Geschichte

Nur noch die Bretter zum Müllcontainer fahren, dann ist wieder ein wichtiger Schritt vollbracht. Meine Bauarbeiten gehen langsam voran aber sie gehen voran. Ich habe einige Arbeiten an Deck zu erledigen, die ich morgens vor 9 Uhr durchführen muss – danach brennt die Sonne zu heiß. Die Arbeiten unter Deck kann ich zu jeder Tageszeit erledigen, ins Schwitzen komme ich immer.

Drei neue Esel im Donkey Sanctuary

Im Donkey Sanctuary sind drei neue Esel eingetroffen. Sie sind sehr schön, nicht zu dick und noch etwas menschenscheu. Meine Karotten mögen sie. Wenn sie kastriert sind, können sie zu den anderen Eseln in die große Gruppe.

Außerdem ist Kerstin diese Woche im Donkey Sanctuary eingetroffen. Das ist für mich insofern von Bedeutung als dass Kerstin sehr nett ist, sie war im vergangenen Jahr schon einmal hier. Weil sie so freundlich ist, hat sie für mich einige Dinge in den Koffer gelegt, die ich in Aruba nicht kaufen kann. Nein, keinen Apfelwein, der wäre viel zu schwer gewesen. Ich habe nun ein neues Telefon.

Fast geplatzt

Das alte Telefon hat sich beinahe seiner Rückseite entledigt und ist auf doppelte Dicke angewachsen. Ich bin froh, dass mir der Akku beim Laden nicht abgebrannt ist. So sitze ich im unwirtlichen Salon und übertrage die Daten vom alten auf das neue Gerät als es draußen heftig zu regnen beginnt. Der Hurrikan Elsa ist weitergezogen, wir haben wieder Wind und die typischen Starkregenereignisse. Es tropft auf den Salontisch. Es tropft an einer Stelle, an der ich es zuletzt erwartet hätte.

Undichte Stelle

Ich glaube, der Vorbesitzer hat sich da schon einmal daran versucht. Leider kommt hier Wasser durch und das schon bei einem handelsüblichen arubanischen Starkregen. Eine Baustelle, die ich nicht erwartet habe. Natürlich wieder an einer ausgesprochen gut zugänglichen Stelle.

So sieht es von oben aus. Das Wasser kommt nicht durch dieses Loch ins Boot, die undichte Stelle befindet sich ziemlich genau unter der Spitze des grünen Pfeils. Im Inneren des Sockels für den Lüfter.

Einen Tag später meldet sich mein rechter Ellenbogen. Der bringt mir in Erinnerung, dass mir das ständige Benutzen der Computermaus vor Jahren einen Golferellenbogen beschert hat. Ach wie ist das fein, selbst das Heben der vollen Kaffeetasse verursacht mir Schmerzen. Jetzt muss ich den auch noch ruhig halten.

Heavy Metal

Vor einigen Tagen habe ich von der Zerstörung des Wandschranks und dem Ausbau des Beschlags geschrieben. Den gebrochenen Beschlag habe ich dann zu einem Fachmann gebracht und besprochen, wie das Ersatzteil aussehen soll. Anschließend ging eine Woche ins Land, ich habe nichts von dem guten Mann gehört. Selbst für Aruba ist das ungewöhnlich. Also rufe ich in der folgenden Woche an und siehe da, mir wird das Teil noch für Donnerstag oder Freitag versprochen. Am Freitagvormittag erreicht mich die Nachricht, dass der Beschlag nun abgeholt werden kann. Sehr schön.

Alt und neu nebeneinander im Vergleich

Der Samstag ist allerdings erst einmal dem Spiel der deutschen Mannschaft gewidmet. Soraida und ich fiebern dem Ergebnis entgegen. Diesmal profitieren wir von den Eigentoren und letztendlich ist es egal, wer sie für uns schießt. Ich erinnere mich gerne an ein Spiel unserer Eintracht gegen Mainz, in dem bei einem 2:2 Endstand die Eintracht nicht ein einziges Tor geschossen hat. Warum nicht auch bei der EM?

Am Sonntag fällt mir auf, dass ich keine vernünftige Dichtmasse für die Beschläge habe, am Montag bin ich im Tierheim und kaufe anschließend die Dichtmasse, so dass es bis zum Dienstag dauert, bis ich mit dem Einbau beginnen kann.

Morgendlicher Besucher auf Sissi

Ich stehe mit der Sonne auf. Die Arbeiten an Deck will ich so früh wie möglich erledigen. Während ich noch meinen Morgenkaffee genieße, bemerke ich einen vierbeinigen Besucher an Bord. Wie süß! Ich gebe ihm ein paar Naschereien. Dann mache ich mich an die Arbeit und schon nach einer knappen Stunde sitzt der Beschlag auf der Steuerbordseite an Ort und Stelle. Das ist richtiges Heavy Metal.

Steuerbordseite

Jetzt darf ich den Wandschrank wieder zusammensetzen. Zuvor wird noch der Geber des Autopiloten ordentlich angeschraubt. Selbstverständlich sind die längsten an Bord verfügbaren Schrauben ein paar Zentimeter zu kurz. Das bedeutet – natürlich – einen Abstecher in den nächsten Baumarkt. Auch eine Stromleitung verlege ich noch, dann kann ich endlich die Lampe an meinem Kopfkissen wieder leuchten lassen.

Der Geber es Autopiloten und die neue Lichtleitung

Das Schrankpuzzle geht nicht ganz korrekt wieder in den ursprünglichen Zustand. Ein paar Bretter, die ich mit zu grober Gewalt aus ihrer Verklebung befreit habe, weigern sich leider, mit mir zusammenzuarbeiten. Über kurz oder lang gewinne jedoch ich und nicht der Schrank. Es sieht fast wieder so aus, als wäre nichts gewesen. Falls ich noch einmal an diese Bolzen heran will, kann ich in fünf Minuten zu ihnen gelangen. Vielleicht 10 Minuten, weil der Geber des Autopiloten vorher zerstörungsfrei entfernt werden muss.

Fast fertig, es fehlt nur noch eine Leiste an der Decke

Auf der Tube der Dichtmasse steht gedruckt, dass man diese nach dem Öffnen innerhalb von 24 Stunden verbrauchen muss. Eigentlich wollte ich mir nun einen Tag Zeit lassen, um die Klamotten wieder in den Schrank zu räumen und den Schrank auf der Backbordseite zu demontieren. Dann müsste ich mir aber eine neue Tube von dem Zeug kaufen, es wären gleich wieder 30 Florin weg gewesen. Lieber mache ich mir die Arbeit und erledige alles an einem Tag. Ich bin ja früh aufgestanden, es ist noch nicht einmal 10 Uhr.

Um 10:30 Uhr sind meine Sachen alle wieder in ihren Schränken. Dann mache ich einen Plan, denn wenn ich wieder zwei Tage am Schrank herumfummele, trocknet die Dichtmasse auch ein. Ich muss nur ein einziges Brett aus der Schrankkonstruktion herausbrechen, dann kann ich die beiden Bolzen erreichen, an die ich kommen muss.

Neuer Beschlag auf der Backbordseite. Heavy Metal.

Die Stelle erst von alter Dichtmasse befreien, die Oberfläche gründlich reinigen und anschließend die neue Dichtmasse auftragen. Die beiden Bolzen gleiten ohne zu murren an ihren Platz. Dann kann ich von unten die Muttern anziehen. Mit ein paar Tropfen Holzleim und einer Schraubzwinge bringe ich den Schrank wieder auf Vordermann. Was ich nicht zu glauben gewagt hätte ist, dass mir der Austausch der Beschläge an beiden Seiten innerhalb eines Tages gelingt.

Der Backbord-Wandschrank. Das Brett habe ich mit einer Schraubzwinge und einem Pfeil markiert.

Was bleibt noch übrig? Nach dem Projekt ist vor dem Projekt. Das Achterstag ist wieder an Ort und Stelle. Für das Feintuning und die richtige Wantenspannung werde ich den Rigger noch einmal kommen lassen. Der darf dann auch gleich prüfen, ob das Rigg den Bruch des Beschlags überlebt hat. Das nächste Projekt ist der Wassereinbruch in der vorderen Kabine, der sich insbesondere auf dem Steuerbordbug bemerkbar macht. Die Ursache will gefunden und behoben werden.

Also räume ich die Bugkabine aus und schaffe alles auf die Matratze von Jens. Genua, Großsegel, dutzende Kissen und Decken. Was man nicht alles auf seinem Schiff so herumliegen hat. Jens’ Koje ist voll, bevor ich vorne auch nur zur Hälfte leeren kann. Auch den stählernen Teil der Kuchenbude kann ich hier noch unterbringen.

Segel- und Deckenlager

Die Arbeiten gehen in den nächsten Abschnitt. Ich kann mich aber nicht den ganzen Tag an Bord vergnügen, sondern möchte noch etwas mit Tieren machen. Wieder bei den Eseln anfangen ist leider ein Ding der Unmöglichkeit. Desiree wird mich wahrscheinlich ihr Leben lang hassen. Also sehe ich mir eines der örtlichen Tierheime an, das Aruba Animal Shelter. Die Esel sind ja schon ziemlich niedlich, die Katzen sind es aber auch. Nicht nur der kleine Jip wird es ins Blog schaffen.

Ach ja, da ist ja noch die Wahl. Am Freitag findet in Aruba die Parlamentswahl statt. Der Wahlkampf läuft immer noch sehr laut und ist auf der Straße präsent. Heute kam im Radio ein Beitrag zum Thema, denn am Donnerstag und Freitag darf wegen der Wahlen auf der Insel kein Alkohol verkauft werden. Weder in Supermärkten noch in den Bars und Restaurants, welche von den Einheimischen besucht werden. Lediglich die Hotels dürfen aus ausländische Touristen ausschenken, denn schließlich soll diesen der Urlaub nicht vermiest werden.

Der Fußball rollt – EM in Aruba

Auch in Aruba spricht man über die Fußball EM. Aruba ist keine große Fußballnation, die eigenen Kicker sind gerade dabei, an der WM-Qualifikation zu scheitern. Einige Fans in Aruba hat der Fußball jedoch, einer davon ist Soraida. Vor unseren Versuchen zur Abreise aus Aruba, haben Jens und ich ihr einige Fan-Artikel zur Verfügung gestellt, damit sie Bus und Haus dekorieren kann, denn sie ist erklärter Fan der deutschen Nationalmannschaft. Da wir genug Deutschland-Flaggen an Bord haben, wanderte eine davon in Soraidas Haus. Ebenso ein Schal in Schwarz-Rot-Gold.

Deutsche Flagge bei Soraida, die MEP-Wahlwerbung bei den Nachbarn.

Der Germane sieht viel dekorativer aus als die Wahlwerbung des Nachbarn. Das ist auch ein Gruß an die Nachbarn von der anderen Straßenseite, die das holländische Team unterstützen. Man beachte die Palme rechts unten im Bild. Der Fernseher wird eingeschaltet, von dem Greenpeace-Stunt bekommen wir nichts zu sehen. Das Spiel beginnt… wie es ausgegangen ist wisst ihr ja.

Ich möchte jetzt lieber über Verkehrsampeln schreiben. Das macht viel mehr Spaß. In Oranjestad gibt es mindestens fünf oder sechs spannende Kreuzungen, an denen Ampelanlagen aufgestellt sind. Wie man sieht, sieht man nichts. Die Ampeln sind aus.

Ampelkreuzung mit abgeschalteten Ampeln

Diese Kreuzung ist je nach Richtung sehr schlecht einsehbar und hat ihre Ampelanlage verdient. Es ist mir schleierhaft, warum sie ausgeschaltet ist. Das ist aber nicht nur an dieser Kreuzung so, es ist an beinahe allen Ampelkreuzungen in Aruba der Fall.

Ebenfalls abgeschaltet – die Ampeln an dieser Kreuzung

Ebenfalls schlecht einsehbar ist diese Kreuzung, die Ampeln sind auch abgeschaltet. Ich habe Ampeln in Noord gesehen, die nur schwarz leuchten., auch in San Nicolas. Wo auch immer auf dieser Insel eine Ampel steht – sie ist aus.

Wirklich? Nein! Es gibt eine einzige Kreuzung in Oranjestad, an der nicht Schwarz die dominierende Ampelfarbe ist. Warum? Sie ist auch nicht schlimmer oder gefährlicher als die anderen Kreuzungen. Nicht jedes Rätsel auf dieser Erde kann gelöst werden.

Einzige funktionierende Ampelkreuzung in Aruba. Rechts oben das Logo der größten Tankstellenkette.

Nur ein paar Schritte weg von dieser Kreuzung befindet sich eine Tankstelle. Kein Vergleich mit unseren Tankstellen, bei denen man sich die Hände schmutzig macht und dem Fahrzeug selbst den Kraftstoff in den Tank füllen muss. Hier hat man die Wahl. Ein bei uns längst ausgestorbener Beruf macht es möglich, der Tankwart.

Die wenigsten fahren hier an die Selbstbedienungs-Zapfsäulen, denn das ist maximal umständlich gelöst. Man geht zur Kasse, bezahlt das Benzin, dann geht man zur Zapfsäule und tankt. Will man volltanken, möchte der Kassenwart gerne ein Pfand haben. Dann schaltet er die Zapfsäule frei. Anschießend ein zweiter Gang zur Kasse und bezahlen. Nein danke.

Tankwarte bei der Arbeit

Die Tankwarte füllen den Tank und kassieren. Man muss das Fahrzeug nicht verlassen. Sehr praktisch, komfortabel und es schafft Arbeitsplätze, die nicht oder nur wenig vom Tourismus abhängig sind. Solche Arbeitsplätze sind in Aruba eher die Ausnahme, der größte Teil der Wirtschaft ist hier der Tourismus.

Nochmal ganz kurz zurück zum Fußball. Am Samstag ist der Anpfiff hier um 12 Uhr mittags. Das werden einige Fahrgäste zu spüren bekommen, denn auf der Strecke ist dann ein Bus weniger unterwegs.

Dekoration am Gartentor und im Bus. Traurig, das Ergebnis.

Am Tag nach dem ersten Fußballspiel arbeiten wir uns ein wenig im Garten ab. Der braucht dringend eine Verschönerung. Insbesondere die beiden Palmen, die links und rechts der Eingangstreppe stehen, sind maximal störend. Sie versperren den Zugang zur Treppe und breiten sich immer mehr aus. Ich kürze die Palmen, dünne die Palmwedel etwas aus und fülle damit den Kofferraum meines Autos.

Esel mit Delikatessen

Der Grünschnitt wird der Weiterverwertung zugeführt. So werden dann alle doch noch zum Gewinner. Soraida gewinnt schön zurecht gestutzte Palmen und die Esel gewinnen eine leckere Zusatzmahlzeit. Zumindest die, die am Eingangszaun stehen. So viel Grünschnitt ist es ja auch nicht.

So sehen Sieger aus!

Baumärkte

Ich war im vergangenen Jahr noch ein wenig irritiert. Als ich damals bei den Eseln mitgeholfen habe, hat die Managerin mir erklärt, wie oft sie in den Baumarkt fährt – meist viermal in der Woche. Das kam mir sehr häufig vor. Inzwischen ist mir klar, warum das so ist. Ich besuche selbst inzwischen fast jeden zweiten Tag einen der Baumärkte. Heute zum Beispiel war ich bei Kooyman.

Kooyman. Sonntags geöffnet.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Vor ein paar Wochen war die Batterie eines der beiden Multimeter an Bord leer. Das ist gar kein Problem, denn ich habe ein zweites Multimeter, dessen Batterie ich im vergangenen Jahr getauscht habe. Diese Batterien halten normalerweise viele Jahre, so viel hat der Mensch auch nicht zu messen. Das zweite Gerät ist zwar nicht ganz so gut wie das erste, aber deswegen ist es normalerweise zweite Wahl. Also kommt die Batterie (ein 9V-Block) auf meine ewige geistige Einkaufsliste und gesellt sich dort zu verschiedenen Sorten Schrauben und anderen Dingen, die ich im Baumarkt besorgen müsste. Sollte. Könnte. Dinge, die ich nicht sofort brauche.

Dieses Multimeter war zuerst leer gemessen. Jetzt wieder mit einer frischen Batterie

Ganz Aruba ist mit Baumärkten voll gestellt. Es gibt Kooyman, Doit Center und die ungezählten chinesischen Baumärkte – Spezialität der Chinesen ist der Verkauf in kleinen Mengen. Wenn ich eine Scheibe Schleifpapier benötige, muss ich bei den großen Baumärkten immer gleich eine ganze Packung kaufen. Der Chinese verkauft sie mir auch einzeln.

Yong Chang

Es dauert fast nirgendwo auf der Insel länger als fünf Minuten, um zu einem der vielen Baumärkte zu kommen. Also wird die Lagerhaltung zu Hause durch eine Lagerhaltung im Baumarkt ersetzt und die drei benötigten Schrauben werden einzeln gekauft. Die Lagerhaltung im Baumarkt ist auch viel günstiger, denn ich muss nur für die Teile bezahlen, die ich tatsächlich benötige. Da die meisten der Läden auch am Sonntag geöffnet sind, gibt es niemals Versorgungsprobleme. Fast niemals, denn manchmal ist ein bestimmtes Produkt ausverkauft. Dann ist es zumeist überall ausverkauft, weil ein Container mal wieder Verspätung hat.

Doit Center. Sonntags geschlossen.

An der Kasse bin ich mit meinen Mini-Einkäufen dann immer in guter Gesellschaft. Die anderen Kunden kaufen auch nicht mehr. Der tatsächliche Bedarf wird eingekauft. Nicht mehr. Die Wartezeit an der Kasse hält sich immer sehr in Grenzen, der Zeitbedarf für einen solchen Einkauf ist gering. Der Leser in Deutschland hält diese Methode möglicherweise für ausgesprochen ineffizient. Es ist jedoch nur halb so schlimm, wenn man den Einkauf mit anderen Einkäufen, etwa denen von Lebensmitteln bündelt. Nur den heutigen Besuch konnte ich nicht bündeln.

Soraidas Bus möchte an manchen Tagen nicht so recht starten. Vor einigen Wochen hatte ich die Starterbatterie schon einmal durchgemessen, damals war sie unauffällig und schien gut in Schuss.

Das zweite Multimeter. Weniger Funktionen, jetzt wieder mit frischer Batterie

Heute früh bekomme ich eine Nachricht von Soraida, ihr Bus hat wieder Startprobleme. Ich biete ihr natürlich sofort an, die Batterie noch einmal zu messen. Dazu greife ich natürlich zu dem verbliebenen Multimeter. Das sieht gar nicht gut aus. Beim letzten Transport ist der drehbare Schalter versehentlich verstellt worden. Der Schalter ist in einer von “Off” verschiedenen Schalterstellung und die gar nicht so alte Batterie ist definitiv leer. Also fahre ich zu Kooyman und besorge drei 9V-Blöcke. Es muss Kooyman sein, weil ich die Dinger da definitiv schon mal gesehen habe. Anderswo habe ich die mal vergeblich gesucht.

Alle vier Katzen auf einem Tresen

Der Straßenwahlkampf läuft zu nervender Hochform auf. Anneke war zu spät bei den Eseln, weil sie gleich zweimal auf ihrer Route in einem von Wahlkämpfern verursachten Stau feststeckte. Ich habe mir inzwischen angewöhnt, den Hauptstraßen nicht mehr zu folgen, sondern quer zu ihnen zu fahren und kleinere Nebenstraßen zu nutzen. Dadurch gewinne ich neue Einblicke in Aruba und stecke meist nicht im Stau fest. Gestern fanden jedenfalls nicht viele Besucher den Weg ins Donkey Sanctuary, meiner Meinung nach ist es dem Wahlkampf geschuldet.

Außerdem musste ich heute noch an Klaus denken, der mir vor einer ganzen Weile geschrieben hat, dass ich mich wohl viel mehr an die lokalen Angewohnheiten angepasst habe, als mir das vielleicht selbst bewusst wird. Das kann schon sein.

Auf dem Boot und auf der Straße

Seit heute gelten bei uns die neuen Corona-Regeln. Die neuen Regeln bedeuten, dass es eigentlich keine Regeln mehr gibt. So ist zum Beispiel die Pflicht zum Tragen der Masken aufgehoben, die Masken werden nur noch empfohlen. Soraida etwa hat sofort gesagt, dass bei ihr keine Fahrgäste ohne Maske in den Bus kommen. Das würde ich an ihrer Stelle auch so halten. Die Zahl der aktiven Covid-19 Fälle ist am heutigen Tag bei 35, Neuinfektionen gab es in den letzten Tagen immer nur zwei bis drei pro Tag. Das Impfprogramm zahlt sich aus. Sogar die Strände dürfen jetzt abends wieder betreten werden, man darf an der Bar sitzen und wenn Künstler auftreten, darf es jetzt sogar wieder ein komplettes Sinfonieorchester sein. Bislang waren höchstens ein Künstler in Innenräumen bzw. drei draußen erlaubt. Soviel dazu, jetzt muss ich aber an die Arbeit.

Ich warte zwar immer noch auf den neuen Beschlag für das Achterstag, das heißt aber nicht, dass mir an Bord die Arbeit ausgehen würde.

Die verlorene Schraube

Ich muss klettern. Nicht auf den ganz großen Mast, nur auf den zweithöchsten. Der trägt den Windgenerator, der uns unterwegs immer so schön die Batterien voll bläst. Leider haben wir auf der letzten Reise die Schrauben verloren, die den Generator an Ort und Stelle halten. Das hat weder der Position noch der Leistung des Kraftwerks etwas geschadet, muss aber gemacht werden.

Bevor ich da nach oben klettern kann, müssen erst einmal alle Fender aus dem Weg geräumt werden. Die Leinen der Windfahne sind ebenfalls im Weg. Ich demontiere sie vor meinem Weg nach oben. Das gestaltet sich anfangs schwierig, alle Blöcke sind sehr, sehr fest geschraubt – wir wollen sie nicht verlieren. Nach einer gute Stunde habe ich alle Leinen unter Deck verstaut, ich muss sie nicht ein ganzes Jahr in der Sonne grillen. Endlich ist der Weg nach oben frei.

Von allen unnötigen Leinen befreit

War der Mast schon immer so hoch? Bin ich da wirklich mitten auf dem Atlantik oben gewesen, um eben diese Schrauben zu ersetzen? Und warum haben wir keine Schrauben mehr in der passenden Länge (M6 mit 10mm Länge). Die Schrauben kommen auf die Einkaufsliste.

Den Watermaker werde ich in den nächsten Monaten nicht benutzen. Also muss ich ihn einwintern. Es soll sich kein Leben in den Schläuchen entwickeln.

Die Reinigungslösung für den Watermaker wird angemischt.

Das habe ich noch nie gemacht. Der Betrieb, bei dem ich den Watermaker habe einbauen lassen, hat zwei Schläuche in das System integriert, mit denen sich ein Kreislauf herstellen lässt. Genau für diesen Zweck. Ich lese mir noch einmal den entsprechenden Abschnitt der Bedienungsanleitung durch, dann geht es los. Mit sonorem Brummen beginnt das Gerät mit seiner Arbeit und schon nach wenigen Sekunden ist der Eimer mit der Reinigungslösung leer geschlürft. Wie bitte?

Hmmm. Ich vergaß, das Ventil am Auslass zu schließen. Anstatt zu zirkulieren, suchte sich die Flüssigkeit den Weg des geringsten Widerstands. In den Atlantik. Ich mische noch eine Portion der Lösung an, stelle die Ventile richtig ein und schon geht es rund. Nach dem Ende des Prozesses nehme ich noch die Filter raus und dann ist es geschafft. Jetzt muss ich mich nicht mehr um das Gerät kümmern, als letzte Amtshandlung schalte ich ihm den Strom ab.

Tief im Inneren von Sissi – der Watermaker wird eingewintert.

Eine Kleinigkeit will ich dann noch am Auto machen – mir gefallen die Reifen nicht. Außerdem fährt der Wagen mit den vier verschiedenen Schlappen nicht besonders gut. Auf dem Weg zum Baumarkt komme ich beim Reifenhändler vorbei. Nicht nur bei einem Reifenhändler, ich besuche mehrere. Zunächst gehe ich zu Jay’s. Der wurde mir von Edward empfohlen, auch Soraida hat Werbung für Jay’s auf ihrem Bus. Ein Spezialist für gebrauchte Reifen. Vier Reifen für meinen Wagen werden mir für 200 Florin inklusive Montage angeboten. Selbstverständlich sind die Reifen vorrätig.

Ich darf mir sogar die Reifen ansehen, gar selbst die Exemplare aussuchen, die später auf meinen Wagen kommen sollen. Das war ein Missverständnis meinerseits. Bei gebrauchten Reifen war meine Assoziation, dass es sich um runderneuerte Reifen handelt. Nein, falsch gedacht. Die Dinger sind wirklich gebraucht und von ihren Vorbesitzern ausgesondert worden. Ich kann keine vier identischen Reifen finden. Ich würde mich nicht verbessern.

Klarmachen zum Reifenwechsel

Bei Jay’s schicken sie mich zu Napa. Dort hätten sie die Reifen in neu, würden aber keine Montage machen. Ich könne mit den Reifen von Napa ja wieder zurück kommen und sie hier montieren lassen. Ein kurzer Abstecher zu Napa bringt mir die Erkenntnis, dass ich für einen neuen Reifen 62 Florin bezahlen muss, dass aber gerade keine Reifen auf Lager sind. Gut zu wissen. Nein, sie können mir nicht sagen, wann die nächste Lieferung kommt. Die kommt irgendwann.

Soraida meint, dass ich blöd wäre. Ich solle sie doch fragen. Für neue Reifen fährt man zu JR. Dort gäbe es ein Angebot, vier neue Reifen für 200 Florin inklusive Auswuchten und Montage. Das ist ja der Preis von vier Gebrauchtreifen bei Jay’s.

Jetzt findet gerade die Verwandlung des Wagens statt. Von einer Schrottkarre in ein gutes Auto.

Bei JR haben sie die Reifen auf Lager. Die Montage wird gleich erledigt, mir wird eine Wartezeit von einer Stunde angekündigt. Das geht ja. Ich halte Ausschau nach Soraidas Bus, deren Fahrtroute bei JR vorbeiführt. Schon nach fünf Minuten kommt ein Mitarbeiter und bedeutet mir, dass der Wagen jetzt in die Halle gefahren werden kann. Das ging schnell. Die Leute machen sich sofort an die Arbeit.

Es ist sehr praktisch. Ich kann mir die Bremsen vernünftig anschauen. Beim Bremsen hatte ich immer den Eindruck, dass irgendwas mit den Bremsscheiben nicht stimmt. Oder den Bremsbelägen. Das kann ich nach einer ordentlichen visuellen Inspektion ausschließen. An dieser Stelle habe ich keine Baustelle gekauft.

Montage der neuen Reifen

Phantastisch. Ich fahre vom Hof und merke, dass ich gerade ein ganz neues Auto habe. Der Wagen fährt jetzt ohne mein Zutun geradeaus und bleibt auch beim Bremsen in der Spur. Ich glaube, der Fahrzeugwert hat sich gerade verdoppelt. Also auf in den Baumarkt. Der erste Baumarkt hat keine metrischen Schrauben. Der nächste keine aus Edelstahl. Der dritte Baumarkt kann mir die M6 mit 10mm Länge anbieten.

Ich halte es wie mit den Bolzen für die Windfahnensteuerung. Ich kaufe ein ganzes Dutzend. Seit wir so viele Ersatzbolzen für die Windfahne haben, ist keiner mehr verloren gegangen. Und eine neue Tube Schraubenkleber, die alte ist seit zwei Jahren offen. Für eine neue Klettertour ist es mir jetzt aber zu heiß. Das erledige ich am nächsten bewölkten Tag oder in den frühen Morgenstunden.

Nachtstimmung in Varadero

Zerstörung des Wandschranks

In den letzten Tagen habe ich mich an den nächsten Schritt des Plans von Jens und mir gemacht. Ich habe den Wandschrank in meiner Koje zerstört, um an den Beschlag zu kommen, der uns von der Reise auf die Azoren abgehalten hat. Das war gar nicht so leicht, denn die Einrichtung ist solide verarbeitet und nicht besonders reparaturfreundlich gebaut. Es kommt mir mehr vor wie ein Smartphone, dessen Hersteller penibel darauf achtet, dass niemand es öffnen oder gar reparieren kann.

Grund für den andauernden Aruba-Aufenthalt

Einhundert Meilen nach unserer Abfahrt brach dieser Beschlag und hat uns zur Umkehr gezwungen. Glücklicherweise ist der Mast oben geblieben, nicht auszudenken was passiert wäre, wenn beide Seiten abgerissen wären. Ich brauche einen neuen Beschlag. Den gibt es in Aruba aber nicht im Laden zu kaufen, den muss mir ein Spezialist anfertigen. Dazu muss ich ihn jedoch erst einmal ausbauen. Wenn ich mit den Fingern nachsehe, finde ich den Anker im GFK-Laminat. Ich finde aber keine Muttern, die ich lösen könnte. Hat der Hersteller das wirklich so gebaut?

So soll der Schrank aussehen, wenn ich ihn wieder zusammen gebaut habe.

Der erste Schritt ist die Herstellung der Arbeitsfähigkeit. Dazu gehören der Umzug in die Marina Varadero wie auch der Autokauf. Ich bin mobil und kann in den Baumarkt fahren. Oder zum Händler für Bootsbedarf. Und natürlich zu Soraida. Der zweite Schritt ist auch getan, Jens ist nach Hause geflogen und hat mir eine leere Koje hinterlassen. Also kann ich alles von meiner Seite auf seine Seite räumen. Ich wundere mich nicht, wie viel in diese Schränke hinein passt. Was auf dem Bild zu sehen ist, ist gerade einmal die Hälfte. Die andere Hälfte liegt in der Vorschiffskoje.

Schrankinhalt

Warum sind die Bücher im Schrank? Ich habe keinen Bücherschrank in meiner Koje, die Bücher sind alle in der Vorschiffskoje untergebracht. Bis auf die Keilbücher. Auf dem Weg von Kuba nach Aruba (oder war es umgekehrt?) ist der Sollwertgeber des elektrischen Autopiloten von seiner Position an der Oberseite des Wandschranks heruntergefallen. Das hat seine Funktionalität nicht verbessert. Sissi verhielt sich merkwürdig, die Fehlersuche hat den Sollwertgeber zutage gefördert. Der war aber auf See nicht vernünftig zu verschrauben, also habe ich ihn mit Büchern in seiner Position festgekeilt. Mit den Keilbüchern. Jetzt werde ich ihn ordentlich festschrauben.

Sollwertgeber des Autopiloten

Nach dem Ausräumen des Schranks und dem Verteilen seines Inhalts über das Boot mache ich mich an das Zerlegen. Das gestaltet sich zunächst einfach. Es ist klar ersichtlich, welche Leiste ich demontieren muss, um an die nächste Leiste zu gelangen. Schraube um Schraube arbeite mich mich zum Ziel vor.

Leer geräumt. Ziel ist, den Bereich hinter der Blende in der oberen Regalreihe zugänglich zu machen. Rechts neben dem Fenster.

Der Arbeitsfluss kommt ins Stocken. Ich finde keine Möglichkeit mehr, die Bretter auseinander zu schrauben. An dieser Stelle fange ich an, über die Reparaturfreundlichkeit zu schimpfen. Die Einzelteile sind verleimt und eine Demontage ist gar nicht vorgesehen. Ich muss zu roher Gewalt greifen. Es wird laut. Mit dem Hammer und einem schmalen Keil kann ich Brett um Brett voneinander trennen. Irgendwann gelingt es mir mit dem letzten Brett, das untere Ende des kaputten Beschlags ist zugänglich.

Fertig!

Damit ist für mich der erste Arbeitstag beendet. Ich brauche eine Dusche und die Duschzeit endet um 17 Uhr. Dann nämlich wird das Tor des Bereichs der Marina abgeschlossen, in dem die Boote auf dem Trockenen stehen und in dem sich auch die Dusche befindet.

Am Ziel angelangt

Am nächsten Arbeitstag ist nicht mehr viel zu tun. Erst einmal muss das Achterstag vom Beschlag gelöst werden. Ich binde es provisorisch mit einem Seil an der Heckklampe fest. Der Mast steht auch ohne Achterstag prima, so lange er keine Segel tragen muss. Dann kann ich die Muttern lösen.

So sieht es unter dem Beschlag aus.

Die Muttern lassen sich erstaunlich leicht lösen. Als ob sie nicht richtig fest gewesen sind. Das ist wahrscheinlich auch gar nicht nötig, so lange Zug auf dem Achterstag ist. Nach der Montage des Ersatzteils mache ich sie aber etwas fester. Locker werden sie sicher wieder von alleine. Ich mache mir ein paar Gedanken über die Zugänglichkeit von innen und plane einen Umbau des Wandschranks.

Er hat verloren. Der Übeltäter.

Ich werde zwei dieser Beschläge bestellen und auf Jens’ Seite ebenfalls den Wandschrank zerstören. Am Abend bekomme ich Besuch. Genauer gesagt locke ich den Besuch mit ein paar Leckerlis zu meinem Boot. Der süße Kater von Paul, dem Besitzer der Marina, läuft seine abendliche Runde über den Steg. Da kann ich nicht widerstehen. Ich habe ihn schon ein paar Mal angefüttert, inzwischen lässt er sich von mir auch anfassen. Deswegen werde ich Shrimp, Sunchi, Socks und Swa aber nicht untreu.

Süßer Bootskater

Nach getaner Arbeit fühlt sich die Abenddämmerung besonders gut an. Ein wichtiger Punkt auf meiner Reparatur-Checkliste ist abgehakt. Nun sind es nur noch 99 weitere Punkte. Die offenen Punkte sind der noch immer andauernde Wasserzufluss in der Vorschiffskoje, der nicht mehr durch die Fenster stattfindet, aber immer noch zu viel ist. Wahrscheinlicher Ort des Geschehens ist eine undichte Relingstütze. Die elektrische Bilgepumpe mitsamt dem Schwanenhals am Auslass. Oder ich baue ein Rückschlagventil ein, wenn ich eines bekommen kann. Ich will gar nicht darüber nachdenken, was hier noch alles zu tun ist. Ich habe genug Zeit.

Abendstimmung

Dienst Technische Inspectie

DTI. Das erinnert mich ein wenig an Kuba, dort hieß eine Behörde DIT. Natürlich hat die DTI nichts mit der kubanischen Geheimpolizei zu tun, außer dass die gleichen Buchstaben verwendet werden. Trotz der unterschiedlichen Reihenfolge habe ich negative Assoziationen damit. Außerdem bringe ich nicht gerne ein Auto zur Hauptuntersuchung, dass meiner Meinung nach die Plakette nicht verdient hat. Also das die Plakette in Deutschland nicht bekommen würde. Das ist schließlich mein Maßstab für “verdient hat”. Aruba und Deutschland sind zwei verschiedene Paar Schuhe, ich bereite das Auto nach den hiesigen Maßstäben für die Inspektion vor. Der Verkäufer sagte, dass ich lediglich die Scheinwerfer umbauen muss (von Xenon auf Halogen, Xenon ist in Aruba nicht erlaubt). Außerdem müssen neue Schonbezüge auf die Sitze gezogen werden.

Die neuen Schonbezüge.

Edward hilft mir beim Umbau der Scheinwerfer. Er freut sich darüber, dass ich ihm das Xenon-Zeugs schenke. Ich freue mich darüber, dass ich mir die Finger nicht schmutzig machen muss. Soraida hat einen Termin für mich gleich morgens um 8 Uhr ausgemacht, wenn die Leute von der DTI ihre Arbeit beginnen.

Kaffee. Viel Kaffee ist nötig, damit ich morgens vor Sonnenaufgang in die Gänge komme.

Ich stelle mir den Wecker auf 6:30 Uhr. Während ich den Kaffee koche, merke ich, dass es eine mir vollkommen fremde Uhrzeit ist. Das Licht ist ungewöhnlich, die Sonne hat es noch nicht über den Hooiberg geschafft. Die erste Kanne frisch gemahlenen Kaffees trinkt sich praktisch von selbst, eine zweite Kanne teile ich unter mir und dem Togo-Becher auf. Dann bin ich bereit und fahre die Kutsche zum TDI. Nein, DTI, das andere ist ein Volkswagen.

Freiluft-Amtsstube

Ich muss außen um das Gebäude herumlaufen, um zur Freiluft-Amtsstube zu kommen, bei der die Papiere abgegeben und das Auto angemeldet werden. So weit, so gut. Die Papiere sind einwandfrei in Ordnung, ich hätte von Soraida nichts anderes erwartet. Sie ist schließlich ein Profi. Dann darf ich das Auto vor die Tür mit der Nummer 3 fahren. Da mein Papiamento für die Konversation nicht ganz ausreicht, bekomme ich die Anweisungen in englischen Worten wie für Kleinkinder erklärt. Es ist 7:55 Uhr.

Das Auto wartet darauf, dass ein Prüfer Zeit findet.

Anschließend darf ich außen um das Gebäude laufen und warten. Es gibt nur eine einzige Stelle in Aruba, die die Hauptuntersuchungen durchführt. Ein anderer Wartender, seines Overalls nach beim örtlichen Wasserversorger angestellt, wartet ebenfalls angestrengt und lästert über die staatlichen Beschäftigten, die es mit der Arbeit nicht besonders eilig haben. Es sieht so aus, als würden sie gleich nach Arbeitsbeginn in die Frühstückspause gehen. Neben uns steht eine Frau, die sehr ungeduldig wirkt. Wir alle haben unseren Termin um 8 Uhr, die Uhr zeigt inzwischen 8:15 Uhr.

Es ist 8:20 Uhr. Die Prüfungen der Autos laufen auf Hochtouren.

Um 8:25 Uhr wird es der ungeduldigen Frau zu bunt. Sie geht zur Freiluft-Amtsstube und beschwert sich über die Wartezeit. Der Wasserwerker neben mir lacht und meint, er würde das nur mit einem fabrikneuen Wagen machen. Sein alter Wagen würde die Inspektion niemals bestehen, wenn er sich beschweren würde. Die Frau scheint jedoch alles richtig gemacht zu haben, die Prüfung ihres Wagens beginnt sofort. Dann läuft auch ein Mitarbeiter zu meinem Auto und zu dem des Wasserwerkers. Als erstes werden die Fahrzeuge desinfiziert.

Die Hauptuntersuchung läuft. Mein Auto ist auf dem Bremsen-Prüfstand (rechts, Scheinwerfer sind an), das Auto der ungeduldigen Frau hat die Bremsprobe schon hinter sich.

Kommen wir einmal zu den Mängeln. Neben den recht abgenutzten Bremsscheiben sind die Reifen meiner Meinung nach zu schlecht. Zwei der vier Reifen haben praktisch kein Profil mehr. Außerdem sind alle vier Reifen unterschiedlich – unterschiedlich alt, es sind unterschiedliche Hersteller und überhaupt. Das Auto fährt nicht geradeaus, wenn das Lenkrad in der Geradeaus-Position ist. Überhaupt zieht es bei der Fahrt ein wenig nach rechts. Mit den Xenon-Scheinwerfern waren die Straßen schon schlecht ausgeleuchtet, mit den Halogen-Scheinwerfern sehe ich genauso wenig in der Nacht. Auch ist der ausgeleuchtete Bereich nicht das, was ich aus Deutschland kenne. Die Sicherheitsgurte auf den Rücksitzen sind hinter der Rückenlehne gut versteckt, die Gurtschlösser existieren gar nicht mehr. Warndreieck, Warnweste und Verbandskasten sind natürlich auch nicht im Auto. So weit, so gut. Schon Edward hat mir signalisiert, dass ich ein sehr gutes Auto gefunden habe. Er hat eine Menge Erfahrung im Basteln an schrottreifen Fahrzeugen und kann Schrott von einem tollen Fahrzeug unterscheiden.

Bestanden!

Nach der Prüfung von Bremsen und Licht fährt der Prüfer einen coolen Schlenker um die Grube herum, parkt den Wagen auf meiner Seite des Gebäudes und teilt mir mit, dass der Wagen bestanden hat. Ich freue mich und schicke Soraida gleich eine Mitteilung. Dann müssen die Papiere noch geändert werden, sie laufen noch auf den Vorbesitzer – jetzt laufen sie auf Soraidas Namen. Damit ist das Auto nun komplett legal. Oder wie Edward sagt, es ist legaler als ich unterwegs.

Es bleibt noch anzumerken, dass der Wagen des Wasserwerkers erwartungsgemäß keine Plakette bekommen hat, weil der Sicherheitsgurt auf der Fahrerseite verklemmt ist. Er hat nun 30 Tage Zeit, den Sicherheitsgurt wieder gängig zu machen und den Wagen erneut vorzuführen. Damit ist er zufrieden. Außerdem hatte er Recht mit seiner Einschätzung der Situation. Die ungeduldige Frau hat eine Mängelliste mitbekommen und ist ziemlich wütend davongefahren. Anscheinend hat man ihr die Beschwerde übel genommen.

Der Tacho. Nach der Hauptuntersuchung ausgefallen.

Eine bestandene Hauptuntersuchung ist kein Grund, dass nicht gleich der Tacho ausfallen könnte. Auf dem Rückweg zu Sissi war es soweit. Macht nichts, die Plakette klebt und weiß nichts vom Tacho. Jetzt warte ich auf den Mann, der unser Rigg reparieren soll. Er will heute vorbeikommen, hat aber keine Uhrzeit genannt. Auf Aruba völlig normal. Ich kann mich da immer noch nicht richtig dran gewöhnen.

Wahlkämpfer

Vorvergangenes Wochenende bin ich zu Soraida gefahren. Bei der Ankunft wundere ich mich über die große Zahl von Autos, die vor ihrer Haustür stehen. Es scheint sich ein Konvoi zu bilden. Ganz vorne in der ersten Reihe steht ein Pickup-Truck mit einer der größten Lautsprecheranlagen, die man sich eben so vorstellen kann. Die Menschen tragen gelbe T-Shirts, werfen den Anwohnern Zettel in die Briefkästen und scheinen glücklich zu sein. Glücklich? Es sind Wahlkämpfer für die MEP, deren Regierung kürzlich aufgrund eines Korruptionsskandals zurücktreten musste. Ich parke den Wagen vor dem Haus, bemerke Soraida im Garten hinter dem Haus und gehe zu ihr. Sie ist gerade damit beschäftigt, ihren Bus in Fluchtrichtung zu drehen. Sie will dem Wahlkampf entfliehen. Wir entfliehen dem immer größer werdenden Getöse mit meinem Wagen. Der ist unauffälliger und steht schon vor dem Grundstück. Wahlkampf in Aruba ist laut. Wahlkampf in Aruba macht den Beteiligten einen großen Spaß. Mich nervt der Wahlkampf, der hier seit Wochen tobt, eigentlich nur noch.

Werbung für die MEP. Das Plakat steht wenigstens nur herum und macht keinen Lärm. Es steht auch nicht im Weg. Dafür aber auf vielen Grundstücken, deren Besitzer ihre politische Einstellung öffentlich machen.

Bei uns ist es eher selten, dass ein normaler Bürger seine politische Einstellung öffentlich macht – etwa durch Wahlplakate, Fahnen oder Aufkleber auf dem eigenen Auto. Hier ist es beinahe normal. Der Teil des Wahlkampfs geht für mich in Ordnung. Auch Informationsstände in der Fußgängerzone sind ja normal. Dann gibt es noch den Teil des Wahlkampfs, der kaum erträglich ist. Glücklicherweise bin ich jetzt mit Sissi in Varadero, dort ist es ruhig. Solange ich noch in der Renaissance Marina gelegen habe, konnte ich die Autokonvois der Parteianhänger im Halbstundentakt genießen. Unterstützt von lauter Musik und Hupen fuhren sie die Uferpromenade ab. Das machen sie wahrscheinlich immer noch, ich höre es jedoch nicht mehr.

Werbung von der AVP. Und es werden noch Unterschriften gesammelt, während sich der Verkehr auf der Hauptstraße ewig weit um die halbe Insel zurück staut.

Insbesondere an den Wochenenden muss man jetzt immer wieder damit rechnen, in eine Partei-Werbeaktion zu geraten. Das ist mir in Noord so gegangen, wo die AVP wohl Unterschriften gesammelt und Aufkleber verkauft hat. Aus vollkommen heiterem Himmel stehe ich in einem Stau auf der Hauptstraße, es geht nur noch zentimeterweise voran. Manchmal stockt es auch minutenlang. Die Musik vom Werbestand übertönt das eigene Autoradio bei weitem.

Es muss nicht immer die AVP sein, die andere Partei kann ebenfalls zu jeder Zeit an jeder Ecke eine kleine “Straßensperre” aufbauen. Manchmal fahren sie aber auch nur an einem der Kreisverkehre mit ihrem Konvoi im Kreis. Das führt unweigerlich zu Verkehrsstau.

Die POR. Es sind nur wenige Anhänger der kleinen Partei unterwegs. Die stören praktisch nicht.

Neben der MEP und der AVP gibt es noch eine Reihe kleinerer Parteien. Die haben nicht so viele Anhänger und sind damit im Straßenbild nicht so präsent. Und es scheint ihnen das Geld für die Miete der großen Lautsprecheranlagen zu fehlen. Diese kleine Gruppe von der POR stört nicht weiter. Ich bin froh, wenn die Wahlen diesen Monat gelaufen sind.

Mein “neues” Auto. Es passt sich perfekt an die Umgebung an.

Um überhaupt im Stau stehen zu können, braucht man ein Auto. Ich habe mir einen Toyota Yaris aus soundsovielter Hand zugelegt. Angemeldet ist der Wagen auf Soraida, die mir sogar ihre 70% Rabatt auf den Versicherungsbeitrag weitergeben konnte. Morgen hat er einen Termin für die Hauptuntersuchung. Ich bin gespannt, sehr gespannt. Die Sitzpolster sind ziemlich abgerockt, deswegen musste ich neue Schonbezüge aufziehen, ohne die es hier wohl keinen TÜV gibt. Mal schauen, was die Brüder zu den ziemlich dünnen Bremsscheiben sagen. Nach Angabe der Einheimischen kein Problem. Die vier verschiedenen Reifen sind auch lustig. Dafür fährt der Wagen prima.

Vor dem Kauf habe ich mir noch andere Fahrzeuge angesehen. Spannend, wie wenig die Menschen hier Wert auf eine anständig funktionierende Motorkühlung legen. Der Nissan Almera, den ich mir zuerst angesehen habe, hatte nicht einmal mehr einen Kühlwasserbehälter. Das funktioniert wahrscheinlich nur, weil hier immer Kurzstrecken gefahren werden. Auch der BYD (Modell unbekannt), den ich Probefahren konnte, hatte kein Kühlwasser. Bemerkenswert – der Chinese ist viel jünger als die beiden Japaner, rostet aber an wirklich allen Teilen.

Jens macht bei seinem letzten Eselbesuch in 2021 eine Aufnahme von Shrimp.

Nur wenige Tage nach seiner ersten Impfung hat Jens Aruba verlassen. Er ist pünktlich nach Amsterdam geflogen und der Zug nach Frankfurt hatte auch nur wenige Stunden Verspätung. Ich fange langsam mit den Reparaturarbeiten bzw. deren Vorbereitungen an. Wir haben in der Vergangenheit nicht die besten Erfahrungen mit der Planung der Zukunft gemacht, etwa 100% unserer Pläne sind gescheitert. Deswegen wird heute nicht mehr geplant, im kommenden Jahr agieren wir spontan.

Mangobaum in Soraidas Garten

Ich bin schon sehr neugierig, wie die Mangos schmecken werden, die gerade in Soraidas Garten reifen. Bei uns stehen Apfelbäume und Kirschbäume hinter den Häusern, hier sind es Mango, Papaya oder Banane. Soraida sammelt das Spülwasser von der Waschmaschine, um ihre Pflanzen zu bewässern.

Bananen

Dass die Saison für Papayas nun zu Ende ist, ist mir recht egal. Mit diesen Früchten kann ich nicht so viel anfangen. Wobei auf Aruba eine scharfe Sauce zum Würzen aus Papayas hergestellt wird, deren Geschmack ich wiederum sehr gerne mag.

Diese stachelige Frucht soll gegen alle möglichen Arten von Krebs und Bluthochdruck helfen. Auch hier bin ich auf den Geschmack gespannt.

Die Wassermelonen, die gestern geerntet wurden, haben sich geschmacklich jedenfalls als Granaten entpuppt. Kein Vergleich mit dem wässrigen Zeug, was wir in unseren Supermärkten kaufen können, sondern zuckersüß und lecker. Die Melonen bekommen übrigens das Kondenswasser der Klimaanlage, nicht das Wasser aus der Waschmaschine.

Leckere Wassermelonen

In Kürze werde ich wieder regelmäßiger schreiben, insbesondere um den Fortschritt beim Bootsbau zu dokumentieren. Noch ist hier an Bord nicht viel zu sehen.