Schluss mit Kuba

Dies ist der letzte Beitrag zum Thema Kuba. Dann ist Schluss, dann kommen wir wieder nach Aruba.

Der Eingang zu Chinatown in Havanna. Es gibt hier allerdings nur wenige Chinesen in den chinesischen Restaurants.

Sowohl Jens als auch ich waren sicher nicht das letzte Mal in unserem Leben in Kuba. Je nachdem wie aufgebracht die Bevölkerung ist, wird es früher oder später zu Veränderungen geben. Viele Kubaner hoffen auf Joe Biden und dass er das Embargo aufheben wird. Tourismus könnte fürs Erste eine Lösung sein. Die einzigen Produkte, die in Kuba hergestellt werden und auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sind, sind Zigarren und Rum. Davon alleine wird die Wirtschaft nicht gesunden.

Kirche

Eine (unvollständige) Liste der Dinge, nach denen wir immer wieder gefragt worden sind, weil sie entweder gar nicht zu bekommen oder nur zu irrwitzigen Preisen erhältlich sind:

Glockenturm

– Handys, ob mit oder ohne Tasten, ob mit intaktem oder gesprungenem Display
– alte und gerne auch defekte Laptops
– Zahnpasta, Duschgel, Flüssigseife, Waschmittel, Putzmittel
– Einwegfeuerzeuge, voll oder leer. In Kuba können sie jedes Feuerzeug nachfüllen.
– Speiseöl, Salz und Pfeffer
– T-Shirts

Hühnchendenkmal

Außerdem ist es toll, wenn man ein paar Kleinigkeiten für die vielen Kinder auf der Straße dabei hat. Es geht nicht um Stifte und Papier für die Schule, davon haben sie genug. Mit Kaugummis, Bonbons und Schokoriegeln macht man sich Freunde fürs Leben.

Der Mangel an Feuerzeugen hat sich bei unserem Vermieterpaar in Havanna in krasser Weise gezeigt. Beide sind Raucher. Gekocht wird auf dem Gasherd. Die pragmatische Lösung ist, wenn kein Feuerzeug im Haus ist, dass eine Flamme des Gasherds ununterbrochen brennt, gerne auch mal 24 Stunden am Tag, ob jemand zu Hause ist oder nicht.

Einer der schöneren oldtimer

Kreditkarten funktionieren im ganzen Land gar nicht oder nur selten. Kurz vor unserem Trip nach Havanna ist das Schweizer Segelboot Lupina in die Marina von Santiago gekommen. Am letzten Abend vor unserer Abfahrt fragt mich Skipper Köbi, ob ich ihm bei seinem Problem behilflich sein könne. Ihm ist dass Bargeld ausgegangen. Nach mehreren Telefonaten mit seiner Bank in der Schweiz hat er erfahren, dass die Schweizer Kreditkarten in Kuba gar nicht funktionieren, auch nicht in den Bankfilialen. Die Schweiz hält sich an das Embargo. Deswegen Vorsicht! Ich helfe Köbi mit 1000 Dollar aus und bin mir sicher, dass das Geld auf meinem Konto ist, bevor ich Aruba erreiche. (Nachtrag: So wäre es auch fast gewesen, wenn ich meine eigene IBAN schreiben könnte…)

Gelber Oldtimer

Wir hatten mehrere tausend Dollar in kleinen Scheinen dabei – alle waren 20-Dollar-Scheine, viele davon schon abgegriffen, ein wenig eingerissen oder hatten Spuren von diesen Stiften, mit denen man die Echtheit prüft. Damit fühlten wir uns gut gerüstet. Wir lagen damit nicht ganz falsch aber auch nicht ganz richtig.

Den besten Umtauschkurs gibt es für nigelnagelneue 100-Dollar-Scheine, die noch vollkommen unbenutzt sind. Ich rede hier vom Umtauschkurs auf der Straße, wobei Straße nicht wörtlich zu nehmen ist. Am liebsten habe ich in privaten Wohnungen getauscht, wo man den Deal nicht sehen konnte. Am besten tauscht man bei den Menschen, zu denen man schon eine Beziehung aufgebaut hat. Natürlich muss man über den Umtauschkurs Verhandlungen führen, doch eine einmal getroffene Vereinbarung wird auch penibel eingehalten. Anstelle der Dollar-Scheine funktionieren Euros genauso gut. Doch Vorsicht: Viele neigen zu Vereinfachungen und setzten einen Umtauschkurs von Dollar zu Euro mit 1:1 an.

Alle Bilder in Havanna hat Jens aufgenommen.

Essen im Restaurant

Da es in unserer Herberge kein Frühstück gibt, laufen wir nach dem Aufstehen immer in die Altstadt, wo sich die Restaurants befinden. Dort vermeiden wir die Restaurants an den großen Plätzen, wo sich „Reinholer“ mit einer riesigen Speisekarte auf jeden einzelnen Touristen stürzen. Auf dieser Speisekarte findet sich alles, nur keine Preise. Wir suchen die kleinen Restaurants in den Nebenstraßen, wo uns zumeist eine handgeschriebene Speisekarte mit guten Preisen lockt. Die Mambo Bar können wir empfehlen, genau wie das Teniente del Rei 360. Im Durchschnitt kostet die warme Mahlzeit 150 Pesos. Gerne hätte ich die beiden Plätze verlinkt, leider haben sie keinen Eintrag in Google.

Verkaufsstände auf der Straße

Insbesondere bei gedruckten Speisekarten sollte man nicht vor Hunger sabbernd das Gericht aussuchen, das man am liebsten essen möchte. Es lohnt sich, die Kellnerin oder den Kellner zu fragen, was überhaupt verfügbar ist. Grundsätzlich verfügbar sind Fisch und Hühnchen. Der Fisch ist immer frisch und das Hühnchen lässt sich nicht mit dem bei uns bekannten trockenen, geschmackfreien Fleisch vergleichen. Hühnchen sind in Kuba sehr saftig und lecker.

Gelegentlich verfügbar sind Schweinefleisch, Oktopus, Shrimps und Lobster. In allen Restaurants wird frisch gekocht, dabei kommen keinerlei helfende Pülverchen zum Einsatz – die bei uns so beliebten Conveniance Produkte sind in Kuba einfach nicht verfügbar. Als Beilagem gibt es immer Reis (schwarzer oder weißer Reis), frittierte Bananen bzw. Plantains (Kochbananen) und Gemüse. Wir würden das Gemüse als Salat bezeichnen, denn es besteht (je nach Verfügbarkeit) aus grünem Salat, Tomaten und Gurkenscheiben. Manchmal haben sie auch Süßkartoffeln. Jens mag keine Bananen, doch die frittierten isst er gerne – sie sehen nicht mehr aus wie Bananen, schmecken nicht mehr nach Bananen und haben eine andere Konsistenz.

Tanz auf Stelzen

Was wir in Kuba nie auf den Speisekarten gefunden haben sind Pommes Frites. Ich denke, dass es am Mangel von Speiseöl und am Mangel von Kartoffeln liegt. Speiseöl ist sehr schwer erhältlich. Wir haben einige Flaschen aus den Beständen von Sissi verschenkt. Zum Beispiel hat eine Flasche unseres in Martinique erworbenen Sonnenblumenöls den Silvesterschmaus eines der Marina-Bediensteten erst möglich gemacht. Er hat in seiner Nachtschicht versucht zu angeln, dabei haben wir zusammen auf dem Steg gesessen und uns über Kuba unterhalten. Als er mir erzählte, dass er seit Tagen versucht, Speiseöl für Silvester zu bekommen, bot ich ihm spontan eine Flasche an. Nach unserer Rückkehr aus Havanna durfte ich dann auf seinem Telefon die Bilder des opulenten Mahls (Schwein, Reis, Gemüse) ansehen.

Meiner Meinung nach sind die Frauen in Kuba die schönsten Frauen, die wir in der Karibik gesehen haben. Sie sind schlank und haben wunderschöne Körper. Es gibt auch keine Männer, die ihre fette Plautze vor sich hertragen. Die Menschen sind nicht ausgemergelt und abgemagert, sie sind einfach nur schlank. Das kommt sicher von der gesunden Ernährung.

Open Air Werkstatt für Rikschas

Mit wem man sich auch unterhält, ob in Havanna oder in Santiago, die Menschen in Kuba sind aufgebracht. Der extreme Mangel an allem, die gestiegenen Preise und die Regierung, die nicht das macht, was die Menschen von ihr erwarten. Manch einer spricht von einer weiteren Revolution. Wir haben Email-Adressen mit einigen Kubanern ausgetauscht und werden das Geschehen im Land in der Zukunft verfolgen.

Kuba ist eine große, fruchtbare Insel. Eigentlich könnte die Landwirtschaft genug Produkte hervorbringen, um die Menschen im Land zu ernähren. Der aktuelle Mangel an frischen landwirtschaftlichen Produkten ist zu einem Teil die Folge des extremen Covid-Shutdowns im vergangenen Jahr. Von März bis September ging im ganzen Land gar nichts. Die Menschen durften nicht zur Arbeit gehen, auf den Äckern wurde die Ernte nicht eingebracht und ist verrottet. Wenn es Ernte gab, konnte sie nicht in die Städte transportiert werden, weil Verkehr innerhalb des Landes verboten war. So konnte Kuba mit einer hervorragenden Bilanz aus der ersten Covid-Welle gehen, doch die Bevölkerung muss nun einen hohen Preis zahlen.

Treppe zum Kapitol

Ein anderer Grund für die fehlenden Lebensmittel im Land ist die Tatsache, dass die Regierung einen guten Teil der Produktion ins Ausland verkauft hat, um Devisen in die leeren Kassen zu spülen. Der einfache Kubaner kann sich davon nichts kaufen und sieht nur die leeren Märkte. Das trägt zur Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung bei.

Aktuell steigen die Covid-Zahlen in Kuba wieder, sicherlich eine Folge von Weihnachten und Silvester. An unserem letzten Tag in Havanna wollten wir ein Taxi buchen und aufs Land ins Grüne fahren. In der Nähe sind „Las Terrazas“, berühmte Wasserfälle und eine Badestelle darunter. Unsere Vermieterin hat sich bemüht, einen Taxifahrer zu finden, der uns dorthin fährt. Leider war das Bemühen vergebens. Gleich zwei Fahrer haben unsere schönen grünen Geldscheine abgelehnt, weil die Regierung das Reisen über Provinzgrenzen hinweg untersagt hat.

Friseur auf der Straße

Kuba ist eine sichere Insel. Wir haben nie Angst gehabt, in einer dunklen Ecke überfallen und ausgeraubt zu werden. Straßenkriminalität findet nicht statt. Auch wenn alle wussten, dass wir sprichwörtlich die Taschen voller Dollars haben, war das nie ein Problem. Hätten wir ein Handy verloren, wäre es natürlich nicht im Fundbüro gelandet. Wir mussten aber niemals Angst haben, dass man uns die teure Elektronik aus den Händen reißt. Die halbe Flasche Shampoo, die wir am Abend in der Dusche der Marina haben stehen lassen, war selbstverständlich am nächsten Morgen weg. Wir hatten aber niemals Angst, dass man uns in Boot einsteigen und die ganzen schönen Waren aus unseren Vorratslasten ausräumen würde.

Erste Geige

Genug der Zigarren, der Fahrer unserer Fahrradrikscha fährt uns für 10 Dollar eine Stunde durch die Altstadt. Dabei bemüht er sich immer wieder, uns die Sehenswürdigkeiten zu erklären, gerät dabei aber ganz ordentlich aus der Puste. Als wir ihm sagen, dass er uns nicht so viel erzählen muss, ist er sehr dankbar. Er fährt uns an einige Ecken, zu denen wir wahrscheinlich nicht hingelaufen werden, und möchte am Ende noch ein Selfie mit uns machen. Gerne! Nach der Stunde ist die Cohiba auch abgebrannt, das Timing ist perfekt.

Altstadtgasse

Wir spazieren langsam wieder in unser Quartier. Nach stundenlangem Herumlaufen sind unsere Beine müde und wir wollen uns setzen und ein wenig lesen. Am Vormittag sieht man von unserem Viermieterpärchen nicht viel, dafür sind sie abends beide sehr aktiv und kommen zumeist spät in der Nacht nach Hause. Geigenklänge erfüllen das Haus. Maury hat seine elektrische Geige an eine Lautsprecherbox angeschlossen und spielt Karaoke-Versionen verschiedener Songs ein, zu denen er die erste Geige spielt.

Dieselbe Gasse etwas weiter drinnen

Er möchte wissen, welche Musik wir gerne hören. Mit Heavy Metal kann er nicht viel anfangen, wie die meisten Menschen in Kuba nicht. Mir fällt aber ein Titel ein, den er garantiert nicht kennt und in dem eine Geige die Hauptrolle spielt: „Am Fenster“ von City. Er kennt das Stück wirklich nicht, hört kurz in Youtube hinein und spielt den Geigenpart nach einer halben Minute mit. Das macht den Berufsmusiker aus. Hinterher bedankt er sich dafür, dass ich ihm den Song genannt habe. Ich denke, er wird ihn in sein Repertoire aufnehmen.

Festung mit Leuchtturm – Militär ist da immer noch drin.

Unterhaltungen mit ausschließlich Spanisch sprechenden Menschen sind kompliziert, denn bis auf wenige Grußformeln und Essensbestellungen ist mir die Sprache immer noch fremd. Mir kommen allerhöchstens Worte auf Papiamento in den Sinn, die aber im Spanischen nicht unbedingt einen Sinn ergeben. Also unterhalten wir uns mit Hilfe des Übersetzers von Google. Die Internetverbindung im Gebäude ist – ähm – verbesserungsfähig. Etwa so wie in Deutschland auf dem platten Land. Mal hat das Telefon einen Balken, mal nicht. Das ist aber nicht Schuld von Cubacel, das liegt am hohen Gebäude, in das das Funksignal nur schwer seinen Weg findet.

Prachthotel mit Kugeltaxi

Google kann zwar auch das gesprochene Wort übersetzen, davon machen wir keinen Gebrauch Das Datenvolumen ist streng limitiert, vergleichsweise teuer und muss für Youtube genutzt werden. Wir schreiben auf dem Smartphone des Vermieters. Dabei korrigiert mich die spanische Tastatur immer wieder bei den englischen Eingaben. Übersetzungen zwischen Deutsch und Spanisch spare ich mir gleich, auf einer spanischen Tastatur kann man nicht ordentlich Deutsch schreiben.

Maury beklagt sich darüber, dass die Preise so exorbitant gestiegen sind. Ein Bier würde jetzt 100 Pesos kosten (4 Dollar), das wäre Betrug und die Leute wären zornig auf der Straße. Der Preis für ein Pfund Schweinefleisch mit Schwarte und Knochen sei von 50 Pesos auf 150 Pesos gestiegen. Alle seine Freunde seien zornig auf die Regierung. Auch der Preis für seinen geliebten kubanischen Kaffee hätte sich vervierfacht. Wenn es so weiter gehen würde, müssten sich die Menschen bald gegenseitig aufessen.

Schlange für Brot

Das liegt alles daran, dass der Peso nun irgendwie an den US-Dollar gekoppelt wurde. Es kommt mir ein wenig vor wie vor gut 30 Jahren in Deutschland. Als die D-Mark in die DDR kam und die Preise auch gestiegen sind. Als die Menschen plötzlich zwar Waren kaufen konnten aber kein Geld mehr hatten, diese auch zu bezahlen. Die Löhne in Kuba steigen zwar, die Preise steigen aber schneller. Und freischaffende Künstler wie unser Vermieter sind derzeit ganz ohne Einkommen. Es gibt in Kuba keine Arbeitslosenversicherung wie in Deutschland.

Auch im Restaurant nebenan steigen die Preise, zuallererst die Bierpreise. Der Wirt nimmt jetzt auch 100 Pesos für ein Bier (statt 75 Pesos zuvor). Eigentlich ist es ein günstiger Preis, man bezahlt dort nicht mehr als auf der Straße. Damit kann er keinen Gewinn machen. Absurderweise gibt es die Portion Spaghetti für 75 Pesos, damit ist eine Mahlzeit billiger als ein Getränk. Überhaupt ist das Essen in den Restaurants in Havanna gut und günstig.

Festival der Zigarren und des Rums

Reisen in Covid-Zeiten ist kompliziert. Über das Reisen mit der Eisenbahn in Kuba habe ich schon geschrieben. Aber auch die Stadtbesichtigung in Havanna gestaltet sich mühsam. Alle Museen sind geschlossen, es gibt keine offenen Tanzlokale mit Salsa.

Wasserverkäufer an der Straßenecke

Der Freund unserer Zimmerwirtin ist professioneller Geigenspieler und wird normalerweise immer für Tanzveranstaltungen gebucht. Da diese derzeit nicht stattfinden, hat er gerade kein Einkommen. Das ist hart. Für uns bedeutet es, dass wir in Havanna eigentlich nur herumlaufen und die Eindrücke auf uns wirken lassen können. Das ist jedoch viel besser als nichts.

Schrein für einen Baseballspieler

Wir fühlen uns in Havanna frei. Zwar haben wir den Behörden in Santiago unsere Adresse in Havanna hinterlassen müssen, wir haben aber nicht den Eindruck, unter Beobachtung zu stehen. In Santiago hat sich das anders angefühlt. Dort konnten wir manchmal dieselben Leute an unterschiedlichen Ecken der Stadt stehen und auf ihren Telefonen daddeln sehen. Das hat sich dort nicht wirklich gut angefühlt.

Kirche nahe der Altstadt

Die Bilder, die ich zu diesem Text blogge, haben mit dem Text selbst nur ansatzweise etwas zu tun. Zum den meisten Bildern kann ich keinen erhellenden Bericht schreiben, denn es handelt sich einfach nur um Straßenszenen aus Havanna. Statt dessen möchte ich meine Eindrücke formulieren und darüber schreiben, was wir von den Einheimischen so erfahren haben.

Dieselbe Kirche von innen

Fangen wir an mit dem Festival der Zigarren und des Rums. Am ersten Januar ist Feiertag wie bei uns, am zweiten Januar ist ebenfalls ein Feiertag, hier jährt sich ein Ereignis der Revolution. Deswegen fangen die Kubaner an Silvester mit dem Feiern an. Das traditionelle Gericht ist ein Schwein, das stundenlang über einem Feuer gegrillt und dabei gedreht wird. Spanferkel kann man es nicht nennen, die Kubaner drehen schon ganze Schweine oder wenigstens Schweinehälften über dem Feuer. Dazu trinken sie Rum.

Familienkutsche

Folgerichtig sind die meisten Feierwütigen am ersten Januar morgens noch etwas unfit. So konnten wir es bei unserer Vermieterin erleben, die nur schwer aus dem Bett zu bekommen war, aber auch sonst waren die Straßen in Havanna bis zum frühen Nachmittag ziemlich leer. Dann bildet sich langsam Leben aus, auch die Zigarrenverkäufer und die Rumvermarkter sind wieder unterwegs. Beim Festival der Zigarren und des Rums ist das sogar ziemlich legal. Die Mitarbeiter der Zigarrenmanufakturen, Rumfabriken oder Kaffeeplantagen ist es erlaubt, ihre Produkte auf eigene Rechnung an den Mann bzw. die Frau zu bringen.

Lastwagen mit Einschusslöchern vor dem Revolutionsmuseum

Es ist schon der Mann. Ich habe keine einzige Frau auf der Straße gesehen, die eine Zigarre im Mund gehabt hat. Dafür sieht man in den ersten Tagen des Januar ganz viele Männer mit dicken Zigarren durch die Gegend laufen. Das macht der gute Preis. Der ist grundsätzlich Verhandlungssache.

Wäschetrockner

Wir betreten die Räume einer Kooperative. Von außen sieht es aus wie das, was der deutsche Wohnungsmakler als Heimwerkerparadies anpreisen würde. Ein stark sanierungsbedürftiger Block. Dort würde bei uns niemand wohnen wollen, bei den Bewohnern ist das Gebäude jedoch sehr beliebt. Wir werden durch einige Hinterhöfe geführt und uns wird erklärt, dass alle Bewohner der Kooperative das Gebäude gemeinsam renovieren, dafür dann mietfrei wohnen dürfen. So wird ein Schuh draus.

Plattenbauten

In einem Wohnzimmer bekommen wir das Angebot präsentiert: Zigarren der Marken Cohiba, Montechristo, Romeo y Julieta und andere sind auf dem Tisch. Wie schon gesagt, der Preis ist Verhandlungssache. Als Rum wird uns der Legendario angepriesen, der im Gegensatz zum Havanna Club keine Kopfschmerzen bereiten soll. Das klingt alles schon einmal sehr gut, beim Kaffee werden wir jedoch stutzig. Der „beste Kaffee Kubas“ kommt von Spar. Genau die Marke Spar, die es bei uns auch gibt.

Nach einer kurzen aber erfolgreichen Verhandlungsrunde erwerbe ich 10 Cohibas und eine Flasche Rum für 35 Dollar. Der Verkäufer ist etwas enttäuscht, dass er nicht mehr an uns verkaufen kann, doch wer soll die ganzen Zigarren denn rauchen? Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich nicht noch Kaffee gekauft habe. Der Profigeiger ist nämlich so kaffeesüchtig wie ich, hat aber nicht jeden Tag Kaffee im Haus.

Typisches Gewusel auf der Straße

Wir nehmen uns eine Fahrradrikscha und lassen uns ein wenig durch die Gassen fahren. Dabei muss gleich die erste Cohiba dran glauben, die wirklich lecker ist. Vielleicht hätte ich mehr davon kaufen sollen. Wir haben bei der Kooperative gelernt, wie man eine gute Zigarre von einer schlechten Zigarre unterscheidet.

Zunächst hält man sie mit der Spitze nach unten und dreht sie ein wenig unter leichtem Druck. Fallen jetzt Tabakbrösel heraus, weiß man sofort, dass sie nicht aus ganzen Tabakblättern gemacht ist. Da ist oft bei den billigen Zigarren der Fall, die den Touristen am Straßenrand aufgedrängt werden. Das passt zu der Aussage, dass man auf keinen Fall Zigarren auf der Straße kaufen soll.

Hat die Zigarre den Bröseltest bestanden, kommt der Druck-Test. Mit Daumen und Zeigefinger übt man einen heftigen Druck auf die Zigarre aus und quetscht sie zusammen. Dann lässt man sie los, sie muss wieder zu ihrer alten Form zurückkehren. Ist das nicht der Fall, hat man keine gute Zigarre in der Hand.

Einer von vielen Straßenkötern

Außerdem muss eine Zigarre leicht sein. Sie hat kein großes Gewicht. So eine dicke Cohiba wiegt viel weniger, als es aussieht. Die Frage, welche Zigarre am besten riecht, kann natürlich nur der Genießer beantworten. Neben Cohibas habe ich noch Montechristo und Romeo y Julieta probiert. Letztere haben einen eher dunkleren Tabak und sind etwas stärker. Die Cohibas und die Churchills von Montechristo geben sich meiner Meinung nach nicht viel.

Gleich nach der Ankunft in Santiago hatte ich ein paar Zigarren in der Brauerei gekauft. Die waren nicht schlecht, kein Vergleich zu der Ware, die bei uns an Tankstellen in Aluröhren verkauft wird. Doch die echten Zigarren aus Havanna schlagen die Dinger aus der Brauerei um Längen.

Apothekenmuseum

Die Museen in Havanna sind geschlossen. Da macht das Revolutionsmuseum keine Ausnahme. Auch das Museum der modernen kubanischen Kunst ist zu und das Apothekenmuseum ebenfalls.

Apothekenmuseum

Dies ist ein besonderer Auftrag für mich. Mein ehemaliger Arbeitskollege und Freund Uli ist dabei, in Neubiberg bei München ein Apothekenmuseum einzurichten. Er hat mich gebeten, in Havanna das Apothekenmuseum zu besuchen, wenn möglich zu fotografieren und alle möglichen Prospekte oder Bildbände mitzubringen, die ich bekommen kann.

Die Suche nach dem Museum gestaltet sich zunächst schwierig. Keiner der Taxifahrer, die wir fragen, weiß wo sich das Museum befindet. Vielleicht habe ich die Frage auch falsch gestellt, ich habe nach der historischen Apotheke gefragt. Wir sind halt arm dran, ohne unsere Telefone und ohne Internet. So richtig offline halt. Lediglich die Kamera von Jens macht diese Aufnahmen überhaupt möglich. Nachdem wir zunächst vor einer der drei historischen Apotheken aufgeben mussten, weil sie wegen Renovierung geschlossen ist, finden wir endlich die Apotheke Reunion/Sarre.

Apothekenmuseum von außen

Von der Sonnenseite her fotografiert sieht das repräsentative Gebäude ziemlich geschlossen aus. Es ist ein Sonntag, wir wollen schon aufgeben und am nächsten Tag wiederkommen. Doch kaum laufen wir um die Ecke, können wir sehen, dass die Eingangstür geöffnet ist. Das Museum ist nämlich nicht nur ein Museum, sondern noch eine richtige Apotheke, in der Medikamente verkauft werden.

Verkaufsraum

Es ist am Sonntag nicht viel los in der Apotheke. Vielleicht haben sie auch keine Medikamente. Wir fragen, ob wir fotografieren dürfen. Wir dürfen. Dann bekommen wir freundlich erklärt, dass das Museum geschlossen hat. Durch die Eingangstür macht Jens ein paar Bilder, als plötzlich die Apothekerin kommt und uns andeutet, dass wir ihr folgen sollen. Wir werden durch einige der Räume der Museums geführt und Jens macht Foto um Foto.

Vitrine

In das Obergeschoss können wir nicht und auch die Räume, vor denen ein Sicherheitsfuzzi sitzt, sind für uns tabu. Doch wir bekommen einige schöne Aufnahmen zusammen.

Teil der Vitrine aus der Nähe

Alle möglichen Werkzeuge, die ein Apotheker bei der Herstellung der Medizin benötigte, sind hier in den Vitrinen zu finden. Wenn die Museen wieder geöffnet haben, kann ich einen Besuch dieses Museum nur empfehlen, wenn man sich sowieso schon in Havanna aufhält.

Historische Apothekerwaage

Leider kann ich für Uli nur die Bilder mitbringen, einen Dropbox-Link hat er schon bekommen. Uli, fühl’ Dich frei, die Bilder auf Deiner Webseite zu verwenden. Den Höhepunkt unserer ganz privaten inoffiziellen Führung macht die Öffnung der Tür des Tresors aus, in dem sich die teuren Zutaten und die Drogen befunden haben.

Tresor

Am Ende spenden wir 10 Dollar für die Restaurierung des Museums oder für ein Abendessen für die Apothekerinnen. Ich weiß es nicht. Es war jedenfalls eine tolle private Führung und die Ausstellungsstücke sind schön anzusehen. Ein solches Museum findet man jedenfalls nicht an jeder Ecke.

Apothekergefäße

Havanna

Morgens fallen wir müde aus dem Zug und haben keine Ahnung, wo es zu unserem Quartier geht. Wir halten ein Taxi am Bahnhof an und lassen uns fahren. Der Taxifahrer verlangt 15 Dollar. Wir haben keine Ahnung, ob der Preis in Ordnung ist oder nicht, noch kennen wir die Geografie von Havanna nicht. Also sind wir einverstanden und nach knapp 10 Minuten stehen wir vor unserem “Private House”, unserer Wohnung für die nächsten Tage. Es ist der Morgen des ersten Januar 2021. Ich klingele wie wild an der Tür, es tut sich nichts. Erst nach einigen Minuten öffnet sich die Tür und eine junge Frau mit vollkommen übermüdetem Blick lässt uns herein. Zunächst will sie uns zwei ihrer drei Zimmer vermieten, uns reicht jedoch eins, das kostet die Hälfte.

Das “Wohnzimmer”. Es hat kein Dach und wenn es regnet, regnet es herein. Sonst aber sehr schön.

Natürlich müssen wir das Zimmer im Voraus bezahlen, die Leute haben kein Geld. Unsere Zimmerwirtin verschwindet gleich mit den Ausweisen, um unsere Daten zu notieren. Als ich meinen Ausweis zurück bekomme, fehlt das Visum. Sie findet es nach mehrminütiger Suche irgendwo auf dem Boden, es ist einfach aus dem Pass gefallen. Es wäre fatal für mich, wenn ich dieses Visum verlieren würde.

Nachdem wir uns ausgeruht haben, machen wir einen Spaziergang durch das Quartier. Auf der Suche nach einer Mahlzeit gehen wir immer weiter in Richtung Alt Havanna. Die meisten Restaurants haben geschlossen, es ist der erste Januar. Ein Taxifahrer möchte uns herumfahren, kennt jedoch auch ein Restaurant, das geöffnet hat. So sind wir schon einmal satt.

Altstadt von Havanna. Es ist nicht viel los.

Auf den Straßen ist nicht viel los. Trotzdem sind immer noch genug Taxifahrer da, die uns ihr Taxi anbieten. Es ist das Festival der Zigarren, die Arbeiter in der Manufaktur können Zigarren für einen kleinen Preis auf der Straße verkaufen. Auch Rum und Kaffee sind im Angebot. Wir kaufen nichts, sind sowieso sehr müde. Hier sehen wir eine schöne Straßenszene mit dem Blick auf das Kapitol.

Später am Tag sind die Straßen voller

Wir werden immer wieder angesprochen, ob wir ein Taxi brauchen, Geld wechseln möchten, Zigarren kaufen oder eine Frau. Wir werden gefragt, wo wir herkommen. Wenn die Kubaner hören, dass wir aus Deutschland sind, kommen immer wieder die Worte “alles klar” und “alles paletti”. Anscheinend hat jeder Kubaner einen Verwandten, Bekannten oder Freund in Deutschland. Zumindest sagen sie das. Nur einer war mit der Geografie nicht so ganz firm, er verortete Manchester in Deutschland. Ist ja aus der Entfernung auch nur knapp daneben.

Das Kapitol aus der Nähe

Nach einem Spaziergang von zwei Stunden, einer Mahlzeit und einigen Metern mehr auf dem Asphalt haben wir genug. Wir laufen zurück zu unserem Quartier. Den Rest des Tages verbringen wir mehr oder weniger im Wohnzimmer.

Leider hat unsere Zimmerwirtin einen leeren Kühlschrank. Zum Abendessen gehen wir also noch einmal vor die Tür und besuchen das Restaurant nebenan. Es ist an der Ecke, es ist um die Ecke, man könnte es also Eckkneipe nennen.

CanChanChaRa – an der Ecke. Unser Quartier ist zwei Türen links davon.

Hier kostet eine Mahlzeit zwischen drei und fünf Dollar. Ein Bier kostet drei Dollar. Wir können uns also unbesorgt den Bauch vollschlagen. Das Essen ist wieder richtig gut. Es schmeckt anders als in Santiago. Wir erfahren später, dass jede Region in Kuba ihre eigene Art der Küche hat. Wir wollen wieder kommen, es ist günstig, gut und praktisch.

Blick vom Balkon des Stammrestaurants

Wenn man auf dem Balkon des Restaurants sitzt, hat man den Ausblick wie auf dem obigen Bild. Es sieht aus, als wäre es tief in der Nacht, doch die Sonne geht in Havanna um diese Jahreszeit schon um 18 Uhr unter. Zwei Stunden später ist auf den Straßen nichts mehr los, jedenfalls nicht am ersten Januar außerhalb der Altstadt.

Drohnenflüge verboten. Aufgenommen am Kapitol

Was es mit den Drohnenflügen auf sich hat, beschreibe ich im nächsten Blog. Jetzt muss ich noch ein wenig vorarbeiten, wir haben so viele Bilder aus Havanna mitgebracht. In den kommenden Tagen werden wir in Richtung Aruba, Bonaire oder Curacao weitersegeln. Deswegen muss ich die Beiträge heute vorbereiten.

Abenteuer Eisenbahn

Ende der Funkstille. Wir sind wieder zurück in Santiago. Noch suchen wir nach einer Lösung, wieder einmal einen schönen Blog mit Bildern zu veröffentlichen, das wird hoffentlich nicht mehr lange dauern. Leider haben wir erfahren müssen, dass Jamaika immer noch geschlossen ist. Also suchen wir nach anderen Zielen und können vielleicht mit einer Überraschung aufwarten. Doch nun zu unserem Ausflug nach Havanna.

Vorweg: Ich werde nie wieder eine Beschwerde über die Deutsche Bahn äußern. Nie wieder in meinem Leben, das habe ich mir hier in Kuba geschworen.

Der Fahrplan ist ein Traum. Es gibt einen Zug zwischen Santiago und Havanna, der alle vier Tage fährt. Am ersten Tag fährt er in Santiago los, um am folgenden Tag in Havanna anzukommen. Dort geht es einen Tag später wieder zurück, am vierten Tag ist der Zug wieder in Santiago. Das erste Abenteuer ist der Kauf der Fahrkarte. Die Fahrkarte gibt es mitsamt der zugehörigen Sitzplatzreservierung in speziellen Agenturen oder am Bahnhof. Leider war es mir nicht möglich, an den entsprechenden Schalter zu gelangen. Vermutlich, weil ich kein Einheimischer bin. Doch Norbert hat mir bei der Beschaffung der Fahrkarte für die Verbindung nach Havanna helfen können. Nur die Fahrkarte zurück konnten wir nicht in Santiago bekommen, weil es im neuen Jahr neue Fahrpreise gibt und diese Ende Dezember noch niemandem bekannt waren.

Also fahren Jens und ich am 31.12. gegen Mittag an den Bahnhof von Santiago. Bevor wir zum Taxi gehen, fragt uns Norbert, ob wir auch warme Sachen eingepackt haben. Er hat uns nämlich die erste Klasse reserviert, dort sind die Waggons klimatisiert und zwar richtig, richtig kalt. Wir bitten ihn, uns für die Rückfahrt ein Ticket zweiter Klasse zu besorgen und holen noch ein paar warme Sachen aus dem Boot.

Der Zug soll um 16:30 Uhr abfahren, deswegen sind wir schon um 13 Uhr am Bahnhof. Warum? Weil das zwingend notwendig ist. Die Reservierung muss nun in eine Registrierung umgewandelt werden. Man muss an den entsprechenden Schalter gehen. Dort zeigt man seinen Pass vor und die Reservierung wird im Computer überprüft. Anschließend wird die Fahrkarte auf der Rückseite gestempelt.

Nun können wir den Bahnhof wieder verlassen und noch ein paar Sandwiches für die Reise kaufen. Der kleine Imbiss gegenüber dem Bahnhof hat alles im Angebot, was ein Reisender für die Fahrt braucht. Allerdings gibt es kein Bier, wie fast überall in Kuba. Der Jahreswechsel wirft seine Schatten voraus, die Kubaner haben die kompletten Biervorräte auf der Insel für ihre eigenen Zwecke eingekauft, da bleibt keine Dose mehr im Regal liegen. Okay, das ist ein minderschweres Problem, es gibt schließlich genug Rum.

Um 15:30 Uhr sitzen wir vor dem Bahnhof im Schatten, als plötzlich die Türen der Wartehalle geschlossen werden. Außer uns sind noch mehrere Dutzend Reisende vor der Tür, es kommt beinahe zu Tumulten. Wir können von draußen beobachten, wie bei allen Wartenden die Temperatur gemessen wird. Als der Temperatur-Mess-Offizielle sämtiche Reisenden gecheckt hat, werden die Türen wieder geöffnet. Nun können wir auch in die Wartehalle, beim Eintritt werden die Fahrkarten das erste Mal kontrolliert, unsere Hände werden desinfiziert und unsere Temperatur wird gemessen.

Gegen 16 Uhr öffnen sich die Tore zum Bahnsteig. Die Fahrkarten werden ein zweites Mal kontrolliert, wir werden zum ersten Wagen geschickt. Dort steht die Schaffnerin an der Tür, kontrolliert unsere Fahrkarten ein drittes Mal. Eine Fahrkartenkontrolle bedeutete auch jedes Mal, dass wir unseren Reisepass vorzeigen müssen. Die Schaffnerin notiert unsere Namen auf einem Klemmbrett, die auf unserer Tickets aufgedruckten Sitzplätze werden uns angewiesen und wir können uns endlich setzen. Die Klimaanlage brummt heftig, es ist schon recht frisch im Wagen, doch noch kommt die Sonne von draußen dagegen an. An der Decke sind Fernseher montiert, auf denen eine Art Western läuft. In Spanisch. Niemand kann sich dem entziehen, der Ton kommt über die Wagenlautsprecher.

Die Waggons sind nur wenige Jahre alt und kommen aus China. Dagegen ist nichts einzuwenden, in China gibt es ein riesiges Eisenbahnnetz und sie können Züge bauen. Die Sitze sind sehr bequem und die Beinfreiheit ist exorbitant. So viel Platz gibt es in deutschen Zügen nicht. Auch sind die Waggons sehr sauber und sie haben zwei (!) fuunktionierende Toiletten pro Wagen. Die Deutsche Bahn hat sich von diesem Konzept längst verabschiedet. Nur die Fernseher und die Klimaanlage nerven.

Bei der Abfahrt stellt sich die Schaffnerin in die Mitte des Wagens und macht die Ansage, wie man sie auch aus unseren Zügen kennt. Wir fahren nach Havanna, wir halten unterwegs da und dort, und und und… Währenddessen spielt der Western weiter auf den Fernsehern, nur den Ton hat man etwas leiser gedreht.

Anschließend kommt es zur vierten Fahrkartenkontrolle. Die Schaffnerin kontrolliert, ob jeder auf dem richtigen Platz sitzt. Wer sich auf einen falschen Platz gesetzt hat, wird nun auf den richtigen Platz geschickt. Langsam rumpelt der Zug über einigermaßen ausgeleierte Gleise aus Santiago heraus. Die Landschaft ändert sich schnell, draußen ist es wunderbar grün. Wir fahren durch Bananenplantagen und Urwälder. Toll. Neben der Schaffnerin sind außerdem noch zwei Polizisten in jedem Wagen. Und der Oberschaffner. Vier Personen sind für ca. 50 Reisende zuständig.

Nach einer knappen Stunde hält der Zug am ersten Bahnhof. Den Namen habe ich wieder vergessen. Es sieht aber so ähnlich aus, wie auf deutschen Bahnhöfen auf dem Land. Ein Bahnsteige für den Personenverkehr und daneben ein Dutzend Gütergleise mit rostigen und verrotteten Güterwagen. Die sind allerdings sämtlich in Gebrauch. Das ist der Unterschied. In Kuba werden noch viele Güter auf der Schiene transportiert.

Nach dem ersten Halt kommt die Schaffnerin mit einem Trolley durch den Wagen gelaufen, wie er auch in Flugzeugen üblich ist. Sie verkauft für 5 Pesos ein Sandwich und eine kleine Flasche Limo. Fünf Pesos sind etwa 20 Cent. Mehr ist das Brötchen allerdings auch nicht wert. Es ist trocken und mit knorpeligem Schinken und geschmackfreiem Käse belegt. Die Limo ist pappsüß. Von dem Angebot wird rege Gebrauch gemacht, man kann so viel kaufen, wie man möchte. Unsere Sandwiches aus dem Laden gegenüber sind besser. Außerdem haben wir noch ein Brot für die Reise gebacken, das schlägt das einheimische Brot um Längen.

Bei der fünften und letzten Fahrkartenkontrolle brauchen wir den Pass nicht mehr vorzuzeigen, die Fahrkarte wird abgerissen und die Schaffnerin sammelt die abgerissenen Abschnitte. Da das Papier nicht perforiert ist, faltet sie die Tickets akribisch und reißt sie dann mit einer geübten Bewegung ab.

Gegen 22 Uhr haben wir mehrere Musikvideos, Propagandavideos für den Tourismus in Kuba, eine Raubkopie eines Steve Martin Films (Englisch mit spanischen Untertiteln) und einen spanischen Liebesfilm ertragen müssen. Der Filmterror kommt von einem DVD-Player, der auf Weichen oder heftigen Schienenstößen zu springen anfängt. In jedem Wagen gibt es einen DVD-Player, die werden offenbar nacheinander vom DVD-Beauftragten gestartet und spielen mit leichtem Zeitversatz von ca. 30 Sekunden dann dasselbe Programm. Woher ich das weiß? Ich konnte es hören, wenn die Türen zwischen den Wagen offen standen. Um 22 Uhr schalten sie das Filmprogramm aus und die Lichter im Wagen werden ebenfalls ausgeschaltet. Endlich können wir versuchen zu schlafen.

Pünktlich um Mitternacht geht dann wieder das Licht im Zug an. Der Zugchef höchstpersönlich läuft von Platz zu Platz und wünscht jedem Fahrgast mit der Faust ein frohes neues Jahr. Dann gehen die Lichter wieder aus und wir versuchen zu schlafen, während unsere Füße in den Sandalen ohne Socken langsam zu Eisbrocken gefroren werden.

Nach wenig Schlaf kommen wir am nächsten Tag gegen 10 Uhr morgens mit nur zwei Stunden Verspätung in Havanna an. Wir nehmen uns ein Taxi zu unserem Quartier und müssen uns erst einmal aufwärmen.


Für die Rückfahrt haben wir Fahrkarten zweiter Klasse bekommen. Die Zahl der Kontrollen ist genau gleich. Sogar der Abstand der Sitze ist in der zweiten Klasse wie in der ersten Klasse. Der neue Fahrpreis zweiter Klasse ist mit dem alten Fahrpreis erster Klasse identisch. Eine Fahrt kostet pro Person 95 Pesos, also etwa vier Dollar.

Der Vorteil in der zweiten Klasse ist die Abwesenheit der Videobildschirme, die Abwesenheit der Klimaanlage und die Möglichkeit, die Fenster während der Fahrt zu öffnen. Das ist richtiges Eisenbahnfahren. Ich kann dem Klackern der Räder über die Schienenstöße lauschen, den Menschen, die sich unterhalten und ich kann den Duft Kubas genießen. Es riecht immer irgendwie verbrannt. Irgendwo verbrennen die Menschen ihren Müll, die Lok verbrennt schwefligen Diesel, irgendwo steht immer eine Fabrik die vor sich hin rußt und ihren schwarze Rauch über hohe Schornsteine im Land verteilt. Manchmal riecht es aber auch nach dem Urwald, nach viel Grün.

Neben der Fahrkartenkontrolle kommt unterwegs noch die Covid-Kontrolle. Jeder Fahrgast muss seinen Namen aufschreiben, die Nummer seines Ausweises und das Ziel der Reise. Warum? Wir haben feste Sitzplätze, die Ausweisnummern sind auch im System hinterlegt. Andererseits ist es auch egal, wir sind noch stundenlang in diesem Zug unterwegs und haben nichts Besseres zu tun.

Die Brötchen haben nun neue Preise. Was auf der Hinfahrt für fünf Pesos zu haben war, kostet jetzt 50 Pesos. Was für ein Glück, dass wir uns wieder vor der Fahrt versorgt haben. Außerdem haben wir uns in einem Restaurant den Bauch noch einmal richtig voll geschlagen. Die Reisenden haben lautstark über die neuen Preise im Zug protestiert. Nicht nur dort, überall in Kuba wird über die neuen Lebensmittelpreise geschimpft. Die Preise sind massiv gestiegen, die Gehälter allerdings nicht. Unser Zimmerwirt meinte, dass sich die Menschen gegenseitig aufessen würden, wenn es so weiter geht. Ich bin gespannt, wie sich die Situation in Kuba in den nächsten Monaten entwickeln wird. Die Fleischpreise sind über 150 Prozent gestiegen, die Preise für Brot um 500 Prozent.

Nach unserer Ankunft in Santiago müssen wir zunächst im Zug warten. Als wir endlich aussteigen dürfen und den Bahnsteig entlang laufen, kommen wir zunächst an einem Fahrgastdesinfizierer vorbei. Der steht dort mit einer Art Spritze, wie wir sie bei uns für Unkrautvernichtungsmittel im Garten benutzen, und desinfiziert alle Fahrgäste und ihr Gepäck. Dann kommen wir an einer Station vorbei, an der Fieber gemessen wird. Nun endlich werden wir aus dem Bahnhof entlassen und können uns ein Taxi in die Marina nehmen.

Norbert ist ziemlich glücklich, dass unsere Reise so gut verlaufen ist. Er hat öfter versucht, uns in unserem Quartier zu erreichen. Leider war unsere Zimmerwirtin in der Nacht immer unterwegs und hat gefeiert, dafür hat sie dann tagsüber ihr Telefon nicht gehört. Wir sind nach der Nachtfahrt auch ziemlich müde und gehen früh ins Bett. Diesen Blog musste ich trotzdem schreiben. So viel Zeit muss sein. Ich werde nie wieder über die Deutsche Bahn meckern, über die Möglichkeit am Bahnhof eine Fahrkarte zu kaufen und dann in einen Zug zu steigen, der meistens einmal in der Stunde fährt.

Happy new Year!!!

Happy new year! Wenn diese Zeilen erscheinen, fährt der Zug nach Havanna. Wie im vergangenen Jahr können wir nicht an einer großen Silvesterparty teilnehmen, sondern sind unterwegs.

Die Situation mit dem Internet hat sich noch nicht geändert, aber in Kuba findet sich immer eine Lösung für ein Problem. Deswegen kann ich heute auch ein paar Zeilen mehr schreiben, ich habe einen richtigen Computer gefunden, der mit dem Internet verbunden ist. Man fragt sich durch, man hilft sich. Die Menschen hier sind toll und hilfsbereit.

Wir haben mit Eddi in seinem kleinen gelben Taxi El Cobre besucht. Der Straßenverkehr in Kuba ist faszinierend. Einerseits kurvt Eddi uns um Schlaglöcher herum, in denen man einen Elefanten parken könnte, andererseits geht alles freundlich zu, man hilft sich gegenseitig um die Schlaglöcher herum. Die Landschaft ist ein Traum. Alles ist grün, kein Vergleich zu der Wüste in Aruba. Der Ausblick links und rechts der Straße ist ein Blick in den Dschungel. Auf der Straße sind neben den voll besetzten Bussen und wenigen Taxis viele Pferdekutschen und Eselskarren unterwegs.

Die tierisch gezogenen Gefährte haben ihre Vorteile, sie tanken einfach das Gras, das am Straßenrand wächst. Vor den Tankstellen für die Autos sind lange Schlangen. An einer Tankstelle warteten Lastwagen wohl einen halben Kilometer lang auf ihren Diesel. Auch das ist Kuba. Es gibt nicht viel und für das, was es gibt, muss man lange in der Schlange stehen und stundenlang warten.

El Cobre, ich kann es leider nicht verlinken, ist wohl die heiligste aller Kirchen in Kuba. Schon mehrere Kilometer vorher bieten Händler am Straßenrand Sonnenblumenkränze und Kerzen an, die in der Kirche aufgestellt werden können. Je näher wir der Kirche kommen, desto mehr Verkaufsstände gibt es. Eddi hält an einer Stelle an, an der wir einen tollen Blick auf die Szenerie haben.

Direkt an der Kirche müssen wir erst einmal die Fäuste zur Begrüßung von Eddis Freund tauschen, die neue Covid-Begrüßung anstelle eines Handschlags. Den religiösen Nippes lassen wir trotzdem im Regal stehen, egal wie nett der Verkäufer ist. Statt dessen wenden wir unsere Schritte zu der Kathedrale, in der sowohl Papst Johannes Paul II. als auch Papst Benedikt (Papa Ratzi) schon eine Messe gelesen haben. Es ist beeindruckend. Leider kann ich immer noch keine Fotos anbieten, dass wir den Computer mit Internetzugang benutzen können, ist schon eine Sensation. So ist Kuba. Die Menschen haben mit ihrem Internetanschluss gerade mal 40 Stunden Internet im Monat, das teilen sie aber ohne Gegenleistung.

Nachdem wir die Kirche verlassen haben, fährt uns Eddi wieder zurück. Wir fahren durch die Gassen von Santiago, um irgendwo die Frucht Zapote aufzutreiben. Davon haben wir vor kurzem zwei bekommen, die schmecken super. Es gibt sie nur in der Karibik und nur auf Inseln mit hohen Bergen, also auf Kuba oder Jamaika oder so. Sie werden nach Hörensagen nicht nach Europa exportiert, sind süß, haben eine eigenartige Konsistenz und einen Geschmack, den Jens und ich noch nie zuvor kennengelernt haben. Toll. Leider finden wir die leckeren Früchte nicht. Eddi verspricht uns, dass er uns welche besorgt, falls er welche findet. So leicht scheint das nicht zu sein.

Wir werden ihn weiterhin als unseren „persönlichen“ Taxifahrer buchen, er hat uns nie enttäuscht. Fotostopps, Einkäufe und die in gebrochenem Englisch vorgebrachten Hinweise auf die Sehenswürdigkeiten machen ihn zu dem, was er ist. Außerdem funktioniert sein Taxi, das ist hier nicht die Regel.

Es kann sein, dass in den nächsten Tagen hier wieder Funkstille ist, ich habe keine Ahnung, wie es mit dem Internet und den Zugangsmöglichkeiten in Havanna bestellt ist. Wir wollen nicht zu viel Gepäck mitschleppen, die Computer bleiben in Santiago.

Gran Piedra

Am Morgen bestellen wir uns ein Taxi bei Norbert, dem Hafenmeister. Er soll uns ein Taxi besorgen, mit dem wir den Gran Piedra besuchen können. Fast pünktlich trifft Eddi mit seinem Taxi an der Marina ein. Norbert übergibt uns an den Taxifahrer, der ein paar Brocken Englisch spricht, ein paar Brocken Französisch, einige Worte Deutsch und auch Russisch. Es genügt für die Konversation. Auf der Straße kommen wir an vielen Monumenten vorbei. Gefühlt gibt es für jeden kubanischen Revolutionär mindestens ein oder zwei Denkmäler.

Selfie mit Eddi, demTaxifahrer

Das Selfie entsteht bei einem kleinen Foto-Zwischenstopp. Der kleine, gelbe Wagen hält sich wacker auf der steilen Straße in Richtung Gipfel. Unterwegs sehen wir die anderen Deutschen in ihrem Taxi, das mit aufgeklappter Motorhaube am Straßenrand steht und dem wohl Kühlwasser fehlt. Ich bitte Eddi um einen Zwischenstopp, er lehnt aber ab. Die Straße hat locker eine Steigung von über 20%, irgendwie kann ich verstehen, dass er seinen Wagen in Schwung halten möchte.

Eddis kleines, gelbes Taxi

Wir müssen aber nur eine knappe Viertelstunde warten, dann sind wir alle zusammen am Fuß der Treppe, die die letzten Meter auf den Gipfel führt. Angeblich sind es 400 Treppenstufen, ich habe nicht nachgezählt, mein angeschlagenes Knie bestätigt die Größenordnung. Jede einzelne Treppenstufe lohnt sich.

Farne auf dem Weg zum Gipfel

Unterwegs verändert sich die Landschaft, plötzlich laufen wir durch eine Vegetation, wie es sie auch in Deutschland im Wald geben könnte. Farne und Laubbäume prägen die Landschaft.

Ein Baum sticht besonders heraus, hier Summen und Brummen die Bienen ganz wild. Ich versuche, das mit der Kamera einzufangen. Leider ist der Ton etwas leise.

Gran Piedra

Gran Piedra heißt übersetzt „der große Felsen“ und das ist er auch. Als wir die letzten Treppenstufen erklimmen, sind wir schon ein wenig angeschlagen.

Die letzten Meter

Mein Knie freut sich auf den Abstieg. Derweil schießen wir wild mit der Kamera um uns. Leider können wir das Meer am Horizont nur erahnen, es ist zu dunstig.

Blick ins Hinterland

Dafür ist der Blick ins Hinterland atemberaubend. Schade, dass es so schwierig ist, dorthin zu kommen. Es gibt keine ausgewiesenen Wanderwege und auch keine Infrastruktur für Wanderer. Man müsste die Straßen entlang laufen.

Geier (Foto: Jens)

Über uns kreist für einige Minuten ein Geier auf der Suche nach seinem Mittagessen. Jens gelingt ein wunderschöner Schuss auf den Vogel.

Bescheuertes Selfie auf dem Gipfel

Natürlich machen wir noch ein bescheuertes Selfie. Das wird unsere Familie in Deutschland freuen. Wie ist eigentlich das Wetter in Deutschland? Hier oben können wir uns überhaupt nicht beklagen, in der Höhe sind die Temperaturen sehr angenehm.

Überall fantastische Ausblicke

Wir sind hungrig, als wir wieder unten bei den Fahrzeugen sind. Deswegen bitten wir unsere Fahrer, uns zu einem Restaurant zu fahren. Zunächst kommt es zu einer Diskussion unter den Fahrern, welches der Restaurants man aufsuchen soll. Bergab fahrend bitte ich Eddi, beim nächsten Esel einen Fotohalt einzulegen. Dieser Stopp findet an der Stelle statt, an der das Taxi der anderen deutschen Gruppe auf dem Hinweg Kühlwasser nachgefüllt hat. Hier wird Trinkwasser in Kanistern an der Quelle abgefüllt, der Esel wartet geduldig auf seine Beladung.

Der Esel wartet auf seine Ladung

Das von Eddi bevorzugte Restaurant ist heute geschlossen, wir warten vor der Tür. Eddi macht alles für uns klar, wenige Minuten später können wir uns an den Tisch setzen. Für eine Gruppe von sieben Personen lohnt sich die Öffnung des Restaurants. Während der Wartezeit kann ich diese Straßenszene aufnehmen.

Straßenszene

Je weiter man sich von Santiago entfernt, desto größer wird die Dichte von Pferde- und Eselskarren. Es sind auch sehr viele Fußgänger auf den Straßen. Die Größe der Schlaglöcher, die Eddi umfahren muss, nimmt ebenfalls mit der Entfernung von Santiago zu. Während wir im Restaurant sitzen, warten die Fahrer draußen bei ihren Fahrzeugen.

Das Taxi der anderen deutschen Gruppe

Im Restaurant gibt es Fisch. Den gab es in allen privaten Restaurants, die wir auf Kuba bisher ausprobiert haben. Ist ja klar, den Fisch kann man für kleines Geld aus dem Meer ziehen. Es gibt nur wenige Rinder, die braucht man für die Milchproduktion. Unsere deutscher Begleiter, der witzigerweise ebenfalls Eddi heißt, erklärt uns die drakonischen Strafen für die Einheimischen in Kuba. Wenn ein Bauer sein eigenes Rind schlachtet (Volkseigentum), kommt er für 25 Jahre ins Gefängnis.

Garten

Während wir auf das Essen warten, wird unser Salat frisch im eigenen Garten geerntet. Wir finden das toll, doch die Kubaner würden vielleicht lieber im Supermarkt einkaufen gehen, anstatt den Anbau selbst durchführen zu müssen. Vielleicht auch nicht, das ist nur Spekulation meinerseits.

Gegrillter Oktopus

Nach dem Essen ist es dunkel. Eddi fährt uns behutsam durch die Dunkelheit, dabei umfährt er Eselskarren, Fahrräder und Fußgänger, die allesamt unbeleuchtet auf der Straße unterwegs sind, ohne den Tanz um die Schlaglöcher zu vernachlässigen. Ich lasse mir seine Telefonnummer geben, den nächsten Ausflug machen wir wieder mit ihm.

Cayo Granma

Heute besuchen wir Cayo Granma. Granma war der Name des Boots, mit dem Fidel Castro unterwegs war. Heute ist eine Insel nach dem Boot benannt. Auf der Insel leben vor allen Dingen Fischer, wir können ihre Boote jeden Tag von der Marina aus beobachten, wenn sie in der Abenddämmerung mit dem Fischfang beginnen.

Spuren von Hurrikan Sandy

Während wir auf die Fähre warten, erklärt uns ein Anwohner, dass dieses Haus bis vor ein paar Jahren wunderschön gewesen ist, bis der Hurrikan Sandy über die Insel gefegt ist. Nicht nur dieses Haus wurde zerstört, viele der kaputten Häuser in Santiago de Cuba sind ebenfalls durch den Wirbelsturm in ihre Einzelteile zerlegt worden.

Cayo Granma

Wir haben von der Fähre aus einen wunderschönen Blick auf die Insel, die idyllisch in der Sonne liegt. Nach mehreren Zwischenstopps kommen wir an und machen einen kleinen Spaziergang rund um die Insel. Das ist nicht weit, einmal rundherum sind keine zwei Kilometer.

Einer der vielen Fußwege auf Cayo Granma

Unterwegs sehen wir Kinder, die ein Huhn unter dem Arm tragen, wie bei uns ein Fußball getragen wird. Dem Huhn scheint es nichts auszumachen, irgendwann entlassen die Kinder es auf den Boden.

Fischerboot

Ein paar Kinder sitzen neben einem Fischerboot auf dem Steg. Auch im Winter ist die Wassertemperatur perfekt zum Baden. Wir steigen zum höchsten Punkt der Insel hinauf, dort befindet sich selbstverständlich die örtliche Kirche. Leider ist sie verschlossen.

Kirche auf Cayo Granma

Als wir wieder hinab gelaufen sind, können wir spielende Kinder am Wasser beobachten. Ich bin mir sicher, hier müssen die Eltern keine Angst haben, dass ihnen die Kinder im Wasser absaufen. Hier können alle Kinder schwimmen. Die Reste des ehemaligen Betonpiers sind perfekte Sprungtürme für die größeren Kinder.

Kinder und Jugendliche spielen am Wasser

Eigentlich ist diese Insel ein Paradies für die Kleinen. Hier gibt es keine Gefahr durch Autos, einige wenige Motorräder werden mit der Fähre hin und wieder auf das Festland geschafft und am Abend wieder zurück. Niemand würde so etwas wertvolles wie ein Motorrad über Nacht an Land stehen lassen. Diese MZ ETZ 250 aus DDR-Produktion kostet auf der Straße etwa 12000 CUC bzw. 290000 lokale Pesos, was bei einem üblichen Monatsgehalt von ca. 500 Pesos lediglich 48 Jahresgehälter ausmacht.

MZ ETZ 250

Wir kehren in einem kleinen privaten Restaurant ein und bekommen für kleines Geld frischen Fisch mit Reis, frittierten Bananen und Salat. Alles schmeckt hervorragend, Jens lässt sich sogar die frittierten Bananen schmecken. Das muss ich erwähnen, denn sonst ist Jens ein Bananenhasser. Das Grünzeug in Kuba, egal ob Tomaten, Gurken oder Paprika, ist von allerbester Qualität. Der Unterschied zu der industriellen Produktion in Deutschland ist auf dem Gaumen deutlich spürbar. Bei uns gibt es zwar viel, es ist jedoch nicht immer gut. Die Kubaner können kaum glauben, was wir ihnen über unsere Lebensmittel erzählen. Auch die kleinen Eier von den kleinen Hühnern, die hier überall auf der Straße anzutreffen sind, schmecken ausgezeichnet.

Straße in Cayo Granma

Im Restaurant treffen wir zwei Deutsche, von denen einer als Rentner in Kuba lebt. Wir erfahren viel über die lokalen Probleme, Sitten und Gebräuche, dabei werden wir mit Rum abgefüllt. Wir verabreden uns für den folgenden Tag, um den Gran Piedra zu besuchen, einen der höchsten Berge Kubas. Wir sollen uns ein Taxi besorgen, aber ein neues Taxi mit einem guten Motor, denn der Weg ist steil und nicht jeder Taxifahrer würde dort hinauf fahren.