Willkommen auf Atlantis

Der letzte Tag unserer Reise. Ich habe uns für ein Zeitfenster zwischen 5 Uhr und 9 Uhr in Atlantis angemeldet, damit der Doktor an die Pier kommen und einen PCR-Test machen kann.

Am Vorabend nehmen wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit das Großsegel herunter, damit wir nicht zu schnell sind. Außerdem ist es eine Sauarbeit, die besser bei Tageslicht erledigt wird. Wir sind gut in der Zeit. Wir fahren eine verkürzte Nachtschicht, denn wir wollen um kurz nach 5 Uhr in den Hafen von Barcadera einlaufen. Als ich um Mitternacht an Jens übergebe, ist alles noch plangemäß.

Um fünf Uhr morgens stehe ich auf, der Bordcomputer zeigt eine besch….. Position. Wir segeln seit fünf Stunden praktisch auf der Stelle, der Wind hat ziemlich zu unseren Ungunsten gedreht. Also entschließen wir uns, den Motor zu starten und die letzten sechs Meilen zu motoren. Das Ingenieurskunstwerk aus Sindelfingen erwacht mit dem üblichen Grollen zum Leben. Wir nehmen die Genua runter, das Getriebe tut seinen üblichen Schlag, als ich den Gang einlege. Der Motor heult auf, als ich Gas gebe. Sonst passiert nichts.

Ruckzuck ist die Genua wieder in Betrieb, wir wären fast rückwärts gegen die einzige Tonne weit und breit getrieben worden. Was wir auch anstellen – der Propeller verweigert die Zusammenarbeit. Nach Atlantis zu kommen ist schwieriger als gedacht. Wir müssen es bis auf den letzten Meter aussegeln.

Um 7 Uhr ist der Einklarierungshafen Barcadera informiert. Um 8 Uhr ist klar, dass aus der Marina ein Dinghi als Schlepphilfe kommt. Um 9 Uhr haben wir den Treffpunkt ausgemacht, den wir jedoch erst um kurz vor 11 Uhr erreichen. Wir segeln hin und her, der Wind lässt nach und die Strömung gewinnt die Überhand. Kurz vor 11 kann uns Hans von der Renaissance Marina endlich in den Schlepp nehmen. Er müht sich redlich und nur knapp kann der 40 PS Motor uns an die Zollpier schleppen. Leinen rüber, festmachen, Schweiß von der Stirn wischen. 68 Meilen, aber eine Stunde fehlt noch bis zum Etmal.

Einklarieren war schnell erledigt, die Menschen sind freundlich und die Zöllner an Bord haben natürlich nichts geklaut. An dieser Stelle soll Schluss sein, wir sind müde und müssen schlafen. Morgen zeige ich ein paar Bilder aus Havanna.

Endspurt

Tag 10

Es ist alles gesagt und aufgeschrieben. Doch eines ist sicher, der zehnte Tag ist der letzte vollständige Tag auf dem Wasser. Wir können Atlantis fast schon sehen. Die Knochen tun weh, wir sind müde und erschöpft. Zehn Tage gegen den Wind fahren hat Spuren bei uns beiden hinterlassen. Zehn Tage gegen den Wind fahren hat Spuren an Sissi hinterlassen. Wir freuen uns auf die Ruhe am Quarantäne-Ankerplatz.

Morgen werden wir bei Sonnenaufgang den Hafen Barcadera erreichen. Es sind noch 30 Meilen bis Aruba, unser zehntes Etmal liegt bei 79 Meilen.

Atlantis

Tag 9

Der Wind bläst mit gewohnter Stärke und wir kreuzen durch die karibische See. Aus den Lautsprechern ertönt kubanische Salsa-Musik, die wir uns vor Ort kopiert haben. Wenn man Salsa tanzen könnte, würde man zu diesen Klängen jede schöne Frau über die Tanzfläche schieben können. Wir haben eine Mission. Wir sind auf der Suche nach einer geheimnisvollen, vergessenen Insel. Dieses Eiland fehlt in allen Seekarten. Warum tun wir das?

Vor ein paar Tagen saßen wir noch in einer dunklen, schmutzigen kubanischen Bar in Santiago, in die sich vor uns noch nie ein Tourist verirrt hat. Wir tranken Rum, denn es gab kein Bier. Dem Wasser haben wir nicht getraut. Der Rum schmeckte gut, er schmeckte süß und erinnerte an das Meer. Plötzlich kam ein alter Kubaner zu uns an den Tisch. Er lächelte uns an, zwischen den Zahnlücken waren nur noch wenige schwarze Zähne zu sehen. Seine Haut war faltig und fleckig. In einer großen Zahnlücke hatte er eine der dicksten Zigarren platziert, die wir jemals gesehen haben. Er wollte wissen, wo wir herkommen.

Als wir „Deutschland“ sagten, freute sich der Alte sehr. Er sei jetzt 93 Jahre alt und in der Zeit vor der Revolution sei er zur See gefahren. Dabei ist er auch nach Deutschland gekommen, nach Stralsund und nach Warnemünde. Dort wäre das Bier gut und billig gewesen. Er wollte wissen, ob das heute noch so ist. Und er musste uns umgehend mitteilen, dass er die Fußball-Bundesliga toll findet und ein großer Fan von Bayern München ist. Ich spie meinen Rum aus.

Jens erklärte ihm, dass die Erwähnung dieses Vereins bei mir immer Übelkeit und Erbrechen auslöst. Er bestellt eine Runde Rum für uns drei. Der Alte war weiterhin an uns interessiert. Er nahm mir meinen Brechreiz nicht übel und fragte, wann unser Flieger zurück nach Deutschland geht. Wir verrieten ihm, dass wir mit dem Segelboot hier sind und in den nächsten Tagen weiter fahren wollen.

Wenn wir noch ein oder zwei Gläser Rum spendieren, sagte der Alte, hätte er etwas ganz Besonderes für uns aus der Zeit, in der er zur See gefahren ist. Das machte uns neugierig, ich ging zum Wirt und bestellte die nächste Runde.

Der Alte leerte sein Glas in einem Zug und verabschiedete sich kurz. Er müsse in seine Wohnung gehen, die sei aber gleich um die Ecke. Noch bevor Jens und ich unsere n Rum austrinken konnten, war der Alte schon wieder da. Er faltete eine zerknitterte und abgenutzte Seekarte von 1904 auf dem kleinen Kneipentisch auseinander und schaute fragend auf die lange Reihe von Rumflaschen hinter dem Tresen. Dabei zog er lange und genießerisch an seiner Zigarre. Auf mein Handzeichen brachte der Wirt sofort die nächste Runde. Es kam mir vor, als wäre bei jeder Runde mehr Rum in den Gläsern.

Wir erkannten auf der Karte Aruba, Bonaire und Curacao sowie die Küste Venezuelas. Mit kaum noch erkennbaren Bleistiftstrichen war nordwestlich von Aruba eine weitere Insel eingezeichnet worden. Wir wollen sie Atlantis nennen. Der Alte erzählte, dass er 1947 als Matrose auf einem Frachtsegelschiff gefahren ist. Das Schiff ist in einen schweren Sturm geraten und alle drei Masten seien gebrochen. Nachdem sie zwei Tage über den Atlantik getrieben sind, seien sie auf Land gestoßen und gestrandet. Der Kapitän hätte nicht gewusst, dass sich dort eine Insel befindet.

Die Insel war grün und fruchtbar, die Einwohner freundlich und hilfsbereit. Sie halfen den Seeleuten, ihren Frachter wieder flott zu machen. Jeder Matrose fand sofort eine oder zwei Freundinnen. Der alte Mann schwärmte von Seen mit kristallklarem Wasser, Urwäldern mit Früchten, die man nur pflücken musste und mit einer Tierwelt, die ihresgleichen suchte. Wer wollte, hat sich einen Vogel gefangen und gegrillt. Zahme Wildschweine grunzten zwischen den Bäumen. Es war das Paradies auf Erden.

Die Einwohner unterstützten die Schiffbrüchigen beim Setzen der neuen Masten. Es gab neuen Proviant, leckeres Obst und frisches Gemüse, saftige Rindersteaks und knuspriges Brot. Der Abschied sei ihnen sehr schwer gefallen, erzählte uns der Alte an unserem Tisch und schaute in sein leeres Glas. Nicht alle Matrosen hätten damals die Insel wieder verlassen, einige blieben für immer. Man hat nie wieder etwas von ihnen gehört.

Der Wirt brauchte kein Zeichen mehr, er war sofort mit der Flasche am Tisch. Außerdem hatte er drei dicke Zigarren in seinen Händen, ein Geschenk des Hauses. Der Kapitän hätte versucht, die Position der Insel in die Seekarte einzutragen. Wegen des Sturms sei die Position aber nicht so ganz genau gewesen. Er würde uns diese Seekarte nun schenken. Wenn wir in der Gegend seien, sollen wir aufpassen, dass wir nicht Schiffbruch erleiden. Jens uns ich verabschiedeten uns. Wir eilten zum Hafen, um die letzte Fähre des Tages in die Marina nicht zu verpassen.

Jetzt segeln Jens und ich seit ein paar Tagen in der fraglichen Gegend ein Zick-Zack-Suchraster ab. Wir sind freudig auf diese Insel gespannt, die auf unseren Seekarten und auf Gugel-Maps fehlt. An der erwarteten Position zeigt die Satellitenaufnahme leider nur eine dichte Wolkendecke. Das Radar läuft, wir können sie nicht verpassen. Seit Tagen haben wir kein Schiff mehr gesehen, wir sind abseits aller Schifffahrtsrouten. Der Kater vom Rum ist längst vergangen. Die Seekarte liegt auf dem Kartentisch, Wasser tropft langsam auf den alten Druck. Atlantis, wir kommen! Unser Etmal sind 89,2 Meilen. Noch 85 Meilen Luftlinie bis Atlantis.

Zick und Zack und Zick und Zack

Tag 8

Die Frustration des gestrigen Tages ist einer gewissen Euphorie gewichen. Wir können es machen und wir werden es machen. Unser ursprünglicher Plan, in den Bereich hinein zu fahren, von dem aus wir mit dem Motor an unser Ziel fahren können, wurde durch die Atlantikwellen pulverisiert. Wir können allenfalls die letzten Meilen motoren, die Wellen sind zu groß und die Gegenströmung zu stark.

Doch nun nutzen wir die Mittel, die wir haben, auf wesentlich effizientere Weise. Wir lesen die Wetterkarte genauer und nutzen die Winddreher zu unseren Gunsten. Das bringt uns voran. Nicht so schnell, wie wir erwartet hätten, doch wesentlich schneller, als wenn wir mit dem Motor fahren würden.

Zuerst fahren wir sechs Stunden nach Norden, der Wind verwehrt uns einen direkten Kurs auf Aruba. Kurz vor dem Abendessen kommt dann der erwartete Winddreher. Er ermöglicht uns für die kommenden zwölf Stunden einen direkten Kurs auf unser Ziel. Wenn der Wind wieder zurück dreht, nehmen wir wieder Kurs nach Nord. Und so weiter… Eigentlich wollten wir heute schon angekommen sein, das war Wunschdenken von uns. Wir haben die Gegenströmung komplett unterschätzt. Jetzt haben wir gelernt, damit umzugehen.

Während meiner abendlichen Wache schaue ich zwei Filme, diesmal bleiben wir von Unwettern verschont. Ein merkwürdiges Geräusch lenkt mich vom Kino ab, neben mir zappelt im Cockpit ein fliegender Fisch. Den verfrachte ich so schnell wie möglich in sein eigentliches Element zurück, da kann er zappeln so viel er will.

Um halb zwei lenkt mich ein flackerndes Licht von meinem dritten Film ab. Der Dimmer im Salon hat das viele Salzwasser nicht vertragen. Obwohl die Lampe ausgeschaltet ist, flackert sie munter vor sich hin. Ich hole das Werkzeug und baue den Dimmer aus. Das Wasser hat furchtbar gewütet. Der Dimmer wird mit Süßwasser gereinigt und trockengelegt.

Der morgendliche Winddreher kommt zwei Stunden früher als erwartet. Jens fährt eine Wende, ich werde in der Koje herumgeworfen. Wir machen wieder Strecke nach Norden, das verbessert den Winkel nach Aruba. Vorgestern hatten wir noch einen Winkel von 120°, jetzt sind wir bei einem Winkel von 135°. Wenn wir bei 150° angekommen sind, können wir es direkt segeln. Dann sind wir auch weitestgehend unabhängig von den Winddrehern. Der einzige Wermutstropfen ist, dass wir immer noch knapp 150 Meilen Luftlinie zurücklegen müssen. Unser Etmal sind 83 Meilen.

Frustrierend

Tag 7

Wir versuchen alles, um unsere Geschwindigkeit zu verbessern. Es ist eine Krux. Entweder fahren wir den perfekten Kurs, dann sind wir aber langsamer als ein DHL-Paket. Oder wir fahren eine akzeptable Geschwindigkeit, dann nähern wir uns Aruba nicht mehr so richtig. Die Kompromisslösung ist also ein ungünstiger Kurs mit langsamer Geschwindigkeit. Unsere Zukunftspläne für die Zeit nach Aruba beinhalten eigentlich einen weiteren langen Schlag gegen den Passat. Das müssen wir noch einmal überdenken. Das Überdenken wäre viel leichter, falls Jamaika endlich die Grenzen öffnet. Das werden wir in diesem Frühjahr aber wohl nicht mehr erleben.

Ein Regenschauer dreht den Wind noch einmal 40° zu unseren Ungunsten. Nach eineinhalb Stunden ist er vorbei, wir sind wieder auf dem Kompromisskurs.

Jens entdeckt verloren geglaubte Fertigkeiten wieder. Seit wir in Lagos (Portugal) losgefahren sind, haben wir uns nie wieder Gedanken über das Trimmen unserer Segel machen müssen. Der Wind kam immer von hinten und in ausreichender Stärke. Jetzt kommt er von vorne und ist mal stärker und mal schwächer. Jens setzt das Groß ordentlich durch, es steht nun faltenfrei im richtigen Winkel zu unserer Genua.

Aus dem Kompromisskurs wird fast der perfekte Kurs, wir hätten uns früher mit der Thematik auseinandersetzen sollen. Doch wer wird schon über verschüttete Milch lamentieren, es ist wie es ist. Mit dem neuen Kurs und der neuen Geschwindigkeit können wir damit rechnen, am Dienstag in Aruba zu sein.

Alles ist wie immer. Die Bordroutine hat sich eingestellt. Jens geht nach dem Abendessen ins Bett, ich habe die erste Wache. Die Windvorhersage verspricht uns für die nächsten Stunden einen Winddreher zu unseren Gunsten, der kombiniert ist mit etwas mehr Windstärke. Jens meint noch, ich hätte den ganzen Spaß, denn für seine Wache ist weniger Wind vorhergesagt und der Wind wird wieder zu unseren Ungunsten drehen.

So sitze ich im Cockpit und lese ein Buch, als aus heiterem Himmel der Wind von 20 kn auf 40 kn auffrischt. Gleichzeitig setzt heftiger Regen ein. Ein Squall wie aus dem Bilderbuch. Ich feuere das Radar an und überlege, die Segel zu reffen. Die Aufwärmphase des Radars sind 90 Sekunden, in dieser Zeit wurde mir schon klar, dass wir sicher unterwegs sind. Unsere gut getrimmte Besegelung und Sissi stecken das locker weg. Der Windpilot steckt es ebenfalls weg und hält das Boot sicher auf Kurs. Ich bin pitschnass im Cockpit. Nach einer Viertelstunde ist der Spuk vorbei und alles normalisiert sich.

Eine gute Stunde später kommt der nächste Squall. Diesmal läuft das Radar, ich hätte ihn vorher sehen müssen. Ich sah ihn aber nicht, der Regen setzt erst später ein. Dann aber heftig, wie ich es aus Aruba kenne. Auch diesmal geht es auf 40 kn Wind hoch, ich sehe den Regen auf die Solarzellen prasseln. So viel Spaß wollte ich in der Nacht nicht haben.

Aus heiterem Himmel tut es einen heftigen Schlag, eine Welle trifft Sissi im achteren Bereich. 12 Tonnen Segelboot werden in Bruchteilen von Sekunden zur Seite geschleudert. Mein Kopf schlägt gegen das Cockpitdach. Das gibt eine Beule. Jens ruft aus der Achterkoje, dass Wasser durch das Seitenfenster eingedrungen ist. Zum Glück ist das Seitenfenster noch an Ort und Stelle. Die Regeln des Atlantik sind hart.

Nach genauer Prüfung der Wettervorhersage sollte der Spaß um ein Uhr früh vorbei sein. Um drei Uhr wird Jens mich ablösen. So bleibt der ganze Spaß bei mir. Danke. Jens zieht derweil ein frisches, trockenes Bettlaken auf sein Bett. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Am Morgen weckt mich ein Knall. Kurz darauf höre ich, dass der elektrische Autopilot seine Arbeit aufgenommen hat. Ich krieche aus dem Bett. Jens unterrichtet mich, eines der Steuerseile unseres Windpiloten ist mitsamt seinem Umlenkblock abgerissen. Mal wieder eine Reparatur am Morgen. Es ist frustrierend. Wir nähern uns Aruba nur zentimeterweise und jeder dieser kleinen Defekte wirft uns wieder meterweit zurück. Siebtes Etmal 71 Meilen. Noch 150 Meilen Luftlinie nach Aruba.

Schneckenrennen

Tag 5

Ein gebrauchter Tag. Jedenfalls für mich. Nach der Reparatur des Ruders will ich mir endlich ein paar Frühstücksbrote schmieren. Ich bin nicht nur nass geschwitzt, ich habe auch einen riesigen Kohldampf. Wir haben von dem Winddreher bisher nicht viel mitgenommen, weil wir während der Reparatur ein paar Meilen nach Westen abgetrieben sind. Ärgerlich.

Ich stehe an der Anrichte und schneide mir gerade meine Brote ab, als eine Welle quer kommt und Sissi gehörig beutelt. Dabei knicke ich mit dem Fuß um, Brote, Brotmesser und ich fliegen durch den Salon. Jetzt hat mein linkes Fußgelenk Fußballgröße, die Tendenz geht zum Basketball. Oder so ähnlich. Wenigstens muss ich in den nächsten Tagen nicht viel durch die Gegend laufen. Die Wanderwege auf Sissi sind sehr begrenzt.

Seit ein paar Stunden machen wir nun wieder Strecke nach Osten, der Download einer neuen Wettervorhersage verspricht uns das Zurückdrehen des Windes für ca. 20 Uhr. Dann gehen wir wieder auf Kurs Aruba. Im Großsegel ist jetzt das zweite Reff eingebunden, wir haben uns endlich zu dieser Arbeit aufraffen können. Sissi läuft jetzt viel besser geradeaus. Wir werden davon in den kommenden Tagen profitieren.

Wir haben noch ein paar Dosen Haggis an Bord und machen einen schottischen Abend. Jens steht am Herd, ich kann nicht richtig stehen mit dem kaputten Fuß. Zum Haggis gibt es Püree aus Süßkartoffeln und zermatschte Erbsen mit ein wenig Minze. Aussehen tut es definitiv authentisch, die Süßkartoffeln geben dem Gericht einen karibischen Einschlag. Nach dem Abendessen fahren wir wieder eine Wende und haben wieder Kurs Richtung Aruba. Der Wind dreht ein paar Grad zurück zu unseren Gunsten. Unser fünftes Etmal liegt bei 70 Meilen.

Tag 6

Meile für Meile machen wir Fortschritte auf unserem Weg. Auf dem Navigationscomputer sieht es zwar so aus, als kämen wir nicht voran, doch das ist falsch. Auch mit drei Knoten Geschwindigkeit sind es noch 72 Meilen am Tag. Und wir müssen nur noch zwei Tage segeln, dann sind wir in Motorreichweite. Dann müssen wir uns entscheiden. Nehmen wir den Motor, um die letzten Meilen zu mogeln und kommen am Montag an oder machen wir noch einmal eine Wende, fahren wieder von Aruba weg und kommen am Dienstag an. So oder so, das Ende der Reise ist absehbar.

Ausnahmsweise ist in der Nacht nichts kaputt gegangen. Wir können also das tun, was wir sonst jeden Tag tun. Herumsitzen und dösen. Außerdem brauchen wir wieder ein frisches Brot und das Abendessen will geplant sein – ein Vorgang, der inzwischen einigermaßen viel Kreativität benötigt. An frischen Lebensmitteln haben wir noch eine Süßkartoffel und ein paar Knoblauchzehen. Der Rest sind Konserven und Nudeln. Bislang hat es uns aber immer geschmeckt.

Auf mein Frühstückbrot kommt heute Wurst aus der letzten Dose mit der Aufschrift „Hausmacher Presskopf“ von der Metzgerei Haase in Bonames. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist der 20. März 2020. Gleich nach dem Öffnen strömt leckerer und appetitlicher Geruch durch das Boot. Unsere Konserven aus Bonames sind zwar allesamt abgelaufen, manche schon über ein Jahr, es ist jedoch nur eine einzige davon kaputt gegangen. Das Datum auf den Dosen ist viel zu konservativ gewählt, sie halten alle viel, viel länger.

Eine Bevorratung mit frischen Lebensmitteln in Kuba ist vollkommen unmöglich. Wie sollen wir frische Lebensmittel einkaufen, wenn schon für die Kubaner nicht genug zu essen da ist? Die wissen wenigstens, wo man sich in der Schlange anstellen muss. Ich bearbeite noch ein paar Bilder aus Havanna. Drei Dutzend habe ich schon vorbereitet, ein weiteres Dutzend wird wohl noch dazu kommen. Aus Santiago habe ich eine Nachricht an Juliette in Aruba geschickt und sie gebeten, meine SIM-Karte aufzuladen. Damit können wir in Aruba sofort online gehen, auch wenn wir erst noch Quarantäne haben und ankern müssen, bis das Ergebnis des Covid-Tests da ist.

Zum Abendessen mache ich uns Nudeln mit Tomatensauce nach mediterraner Art mit Sardinen und Oliven. Es ist sehr lecker. Die Nacht ist ruhig, wir können beide gut schlafen. Leider bringt der nächste Morgen das ernüchternde Ergebnis, dass wir viel zu langsam sind. Es sind immer noch 200 Meilen nach Aruba. Es wäre genug Wind da, um schnell zu segeln, doch die Wellen machen uns einen Strich durch die Rechnung. Mit diesem Tempo werden wir erst am Mittwoch ankommen. Mini-Etmal von 57 Meilen.

Rock’n’Roll

Tag 4

Der Traum fast jeden Seglers. Ein stetiger Wind von fünf bis sechs Windstärken, immer aus der gleichen Richtung. Die Segel sind dicht geholt, das Schiff hat eine schöne Schräglage und der Bug pflügt durch die Wellen. Die Gischt spritzt dem Steuermann um die Ohren, das Schiff läuft Höchstgeschwindigkeit. Bäh. Pfui. Ich hasse das. Es ist die anstrengendste Ozeanpassage, die ich bisher hinter mich bringen musste. Drei Wochen von den Kapverden nach Barbados segeln mit dem Wind von hinten ist nicht so anstrengend wie drei Tage in der karibischen See gegen den Passat zu kämpfen. Der stetige Wind produziert stetig Wellen, die mit vier bis fünf Metern Höhe recht ordentlich sind. An Geschwindigkeit ist nicht zu denken, wenn wir zu schnell fahren, bohrt sich der Bug in die Wellen und es scheppert ungemein.

Wer kam bloß auf die Idee, nach Aruba zurück zu fahren? Es liegen noch 330 Meilen vor uns und das ist die Luftlinie. Die können wir nicht direkt fahren. Wir werden wahrscheinlich 500 Meilen fahren müssen, das sind bei unserer Geschwindigkeit noch sechseinhalb Tage. Ich will gar nicht daran denken. Mit dem Motor können wir nicht mogeln, wir haben nur noch Diesel für 170 Meilen übrig.

Der Schlafentzug macht sich langsam bemerkbar. Zu Therapiezwecken wird er eingesetzt gegen Depressionen, wenn ich mich richtig erinnere. An Bord ist er eher nicht geeignet, die Stimmung aufzuhellen. Wenn ich mich auf die Couch lege, fallen mir sofort die Augen zu. Wenn ich dann gerade am wegdösen bin, trifft Sissi auf eine heftige Welle und der Anker kracht ins Wasser. Dann bin ich wieder wach. Jens geht es ähnlich, auch er hat bisher keinen richtigen Schlaf finden können. Das wird wohl bis Aruba so bleiben.

Insofern freuen wir uns auf die 24 Stunden Quarantäne an unserer Ankerkette, wenn wir angekommen sind und unseren Covid-Test hinter uns gebracht haben. Dann haben wir keine Verpflichtungen und können uns endlich mal ausschlafen.

Am Nachmittag werden wir von einigen Delphinen begleitet. Sie schwimmen neben Sissi her und springen aus den hohen Wellen hinaus. Das ist wunderschön anzusehen, lässt sich leider nur mit viel Glück fotografieren. So viel Glück haben wir nicht. Die Erinnerung daran muss genügen. Es sind tolle Tiere.

Mit Papier, Bleistift, Geodreieck und Zirkel errechnen wir den Kurs, den wir gerade noch fahren können, um ohne aufzukreuzen mit dem letzten Rest Diesel unser Ziel erreichen zu können. Ich würde sagen, die Chancen stehen etwas besser als 50%. Falls der Wind nicht noch einmal 10° zu unseren Ungunsten dreht, kann es klappen.

Die Klebeband-Abdichtung ist undicht geworden. Schade, ist aber nicht zu ändern. Über dem Salon hält sie noch einigermaßen, nur die Vorschiffskoje ist zu einer Tropfsteinhöhle mutiert. Da wir bei unserem Kurs durch den Windgenerator mit Unmengen von Strom versorgt werden, überlegen wir kurz, den Heizlüfter zum Trocknen einzusetzen. So lange es dabei von eben weiter tropft, ist es natürlich vollkommen unsinnig. Also machen wir das Radio an und hören eine Stunde lang laute Heavy Metal Musik. Das verbraucht auch Strom. Alle Batterien sind und bleiben zu 100% gefüllt.
Die Nacht ist vergleichsweise ruhig, der Wind hat nachgelassen. Er hat allerdings auch seine Richtung zu unseren Ungunsten verändert. Jens schlägt vor, dass wir eine Halse fahren. Wir sind uns beide einig, dass wir Aruba nicht mehr direkt anlegen können. Gesagt, getan. Nach wenigen Minuten fährt Sissi einen ganz verrückten Kurs. Wir müssen feststellen, dass wir keinerlei Ruderwirkung mehr haben. F*ck!!!

Vor zwei Jahren ist uns das in Stavoren schon einmal passiert. Das Seil, das die Kräfte vom Steuerrad auf das Ruder überträgt, ist damals vom Ruderquadranten gesprungen. So ist es auch heute. Ich muss meine gesamte Koje ausräumen, um an das Seil zu kommen. Im Gegensatz zum Hafen von Stavoren ist hier wenigstens genug Leeraum, wir können nirgendwo gegen treiben. Dafür brauche ich heute fast eine Stunde für die Reparatur. Jens muss das Ruder irgendwie mit der Notpinne gerade halten, damit ich das Seil wieder in die Führung bekommen und die Schrauben anziehen kann. Nun tropft uns beiden der Schweiß von allen Körperteilen, unsere T-Shirts sind nass wie frisch aus der Waschmaschine. Wir brauchen eine Dusche. Sissi läuft wieder prima. Den neuen Kurs werden wir jetzt einen Tag fahren, dann soll laut Vorhersage der Wind wieder in die alte Richtung zurück drehen. Viertes Etmal 77 Meilen.

Fast eine Flucht

Nach der Freigabe durch die Behörden entschließen wir uns, Kuba so schnell wie möglich zu verlassen. Eine kurze Prüfung der Wettervorhersage ergibt ordentlichen Wind aus achterlicher Richtung, der uns erst einmal bis Haiti blasen soll. Haiti selbst ist sehr hoch und produziert einen Windschatten, den wir mit Motorkraft überwinden wollen. Dann ist es aufgrund der Windrichtung kein Problem mehr, Aruba anzulegen und direkt darauf zuzusteuern. So ist der Plan.

Tag 1

Wie es mit Plänen so ist, sie halten nicht viel länger als kubanische Regeln. Wir verlassen die Bucht von Santiago und erwischen erst einmal einen schönen Wind, setzen das Großsegel und die Genua und versuchen, so schnell wie möglich aus der 12-Meilen-Zone zu kommen. Nach drei Meilen ist aber Schluss mit der Herrlichkeit, der Wind ist weg und der Motor darf wieder arbeiten. Ich schlage Jens vor, schon einmal ein Reff ins Großsegel zu binden. Jens ist zu träge und meint, dass die Vorhersage nicht so viel Wind hergibt. Wir sind beide glücklich, Kuba unser Heck zu zeigen.

Nachdem wir die kubanischen Gewässer verlassen haben, kommt wieder Wind auf. Diesmal von vorne, nicht wie vorhergesagt. Aber die Menge ist ausreichend, wir können wieder segeln. Beide Segel sind voll gesetzt, Sissi hält mit hoher Geschwindigkeit auf Haiti zu, das wir allerdings in gebührendem Abstand passieren wollen. Es gibt dort eine heftige Strömung, der wir ausweichen wollen. Ich muss noch aufs Vordeck klettern und die Wanten nachspannen. Offenkundig habe ich das in Kuba nicht ordentlich gemacht. Jens hat immer noch keine Lust, das Großsegel zu reffen. Dann bleibt es eben ungerefft. Wird schon gehen.

In der Nacht frischt der Wind auf, wir bekommen bis zu 35 kn auf die Nase. Jetzt rächt sich das ungereffte Großsegel an uns. Nur mit handtuchgroßer Genua versuchen wir das Problem zu umschiffen. Außerdem werden wir immer näher an Haiti und die Zone mit der Gegenströmung geblasen. Sissi fährt ungewohnte Schräglagen. Es ist praktisch unmöglich, sich auf dem Boot zu bewegen. Wir müssen uns mit den Händen festhalten, derweil schaukeln die Füße in der Luft wie bei den Schimpansen im Affenhaus. Ich sage zu Jens, dass ich in Frankfurt mit dem Bouldern anfangen werde. Schlimmer als auf der Sissi kann das nicht sein. Ich werde nicht anfangen, meine blauen Flecken zu zählen.

Die erste Nacht ist unangenehm, wir werden durch unsere Kojen geschleudert. Die Vorschiffskoje und später auch der Salon verwandeln sich in eine Tropfsteinhöhle. Seit Monaten suche ich nach der undichten Stelle in der Vorschiffskoje, jetzt weiß ich, dass es nicht nur dort eine undichte Stelle ist. Und jetzt ist mir auch klar, wo das Wasser eindringt: Am äußeren Rand der Luken, wo sie auf das Deck aufgesetzt sein. Es betrifft alle Luken. Leider können wir zu diesem Zeitpunkt nichts daran ändern. Mitten in der Nacht setzt sich ein kleiner Vogel auf unsere Solarpaneele, nachdem er zunächst eine Landung auf der Saling versucht hat. Er bleibt dort bis zum Morgengrauen sitzen, bevor er sich wieder in die Luft begibt. Leider konnten wir diesen Vogel nicht klassifizieren.

Am nächsten Morgen lässt der Wind mehr und mehr nach, wir sind richtig nah an Haiti und in der Flautenzone. Und in der Gegenströmung. Der Motor wummert und Sissi fährt lediglich mit 1,5 kn über Grund. Zwei kleine haitianische Fischerboote umkreisen uns, wollen wissen, wo wir herkommen und fragen nach Geld. Bei dem Seegang wäre es quasi Selbstmord, wenn wir irgendwie so nahe an die Fischer heranfahren würden, dass wir ihnen etwas übergeben können. Wir winken uns gegenseitig noch zu, dann gehen die Fischer wieder ihrem Job nach.

Wir fahren diagonal mit dem Motor gegen die Strömung in die Richtung, in der wir am ehesten Wind erwarten. So kommen wir immerhin auf 2,5 kn Fahrt. Das erste Etmal liegt gerade einmal bei 102 Meilen.

Tag 2

Die Situation ist erst einmal unverändert. Wir dieseln durch die Flaute. Erst gegen 22 Uhr stellt sich ein stetiger Wind aus der vorhergesagten Richtung ein. Langsam verlassen wir die windtote Zone. Jens ist schon seit ein paar Stunden im Bett, also setze ich die Genua alleine (sehr einfache Übung) und reduziere die Drehzahl des Motors. Unsere Geschwindigkeit nimmt zu. Gegen 1 Uhr in der Nacht kann endlich den Diesel schlafen schicken. Als ich Jens um 2:30 Uhr wecke, machen wir gut 5 kn Fahrt. Gemeinsam nehmen wir noch die Windfahne in Betrieb, dann lege ich mich schlafen. Durch die Abwärme des Motors ist es unerträglich heiß in der Koje.

Wie immer habe ich die erste Nachtwache, dann wecke ich Jens. Kurz bevor Jens ins Cockpit kommt, lässt sich ein Tölpel auf unseren am Heck gestapelten Fendern nieder. Die Vögel werden größer. In der ersten Nacht hatten wir keinen ruhigen Schlaf, in der zweiten Nacht auch nicht. Ich werde wieder durch die Koje geworfen. Jens refft die Genua, die Geräuschkulisse höre ich erstmals in der Koje. Bislang war ich immer derjenige, der in der Nacht gerefft hat. Gegen acht Uhr wache ich durch den Lärm auf, den unser Anker verursacht, wenn er sich in die Wellen bohrt. Wir müssen noch mehr reffen. Ich komme ins Cockpit und sehe gut 30 kn Wind auf dem Anzeiger. Wow, das sind 10 kn mehr als vorhergesagt. Die Wellen sind imposant. Wir reffen die Genua weiter, so dass wir nur noch mit gut 3 kn Fahrt unterwegs sind. Dafür bohrt sich der Anker nicht mehr in die Wellen. In der Vorschiffskoje regnet es weiterhin. Jens erzählt, dass der Tölpel kurz vor Sonnenaufgang verschwunden ist.
Anstatt
einen Start in die Luft zu wagen, ist er einfach ins Wasser gesprungen und von dort gestartet. Cool.

Wir ändern den Kurs, so dass wir vor dem Wind laufen. Sofort ist Sissi ruhig im Wasser. Dann klettere ich mit Rettungsweste und Sicherheitsgurt auf das Vordeck, um sämtliche Luken mit Klebeband abzudichten. Mal sehen, ob das was bringt und ob meine Arbeitshypothese mit der undichten Stelle stimmt.

Für den nächsten Schlag von Aruba in Richtung Nordosten werden wir die Wettervorhersage genauer prüfen. Die Fahrt von Kuba weg ist mehr eine Flucht als eine sorgfältig geplante Segelreise. Wir haben vergessen, die Wellenvorhersage zu prüfen. Die Wellen sind jetzt sehr, sehr unangenehm und drehen uns immer wieder aus dem Kurs. Nicht nur Kuba, auch der Atlantik hat Regeln, die unerbittlich eingehalten werden. Allerdings ändern sich die Regeln auf dem Ozean nicht. Wenn man sie nicht beachtet, bekommt man blaue Flecken und eine nasse Vorschiffskoje. Angebrüllt wird man nur vom Wind. Das zweite Etmal liegt bei nur noch 88 Meilen.

Tag 3

Wir genießen unsere Reise nicht, wir existieren auf dem Segelboot. Wir sind todmüde. Wir sind ungewaschen und geschwitzt. An eine Dusche ist nicht zu denken bei diesem Seegang, auch eine Wäsche mit dem Waschlappen würde nur für blaue Flecken sorgen, nicht aber für die gewünschte Sauberkeit. Im Boot ist es immer noch warm und feucht. Unsere Klamotten kleben an uns. Der Motor kühlt nur langsam ab. Wo man auch hin fasst, was man auch anfasst, alles ist mit einem Salzfilm überzogen. Die Holzpaneele an der Salondecke sind teilweise aufgequollen und verzogen durch das eingedrungene Wasser.

Die provisorische Reparatur mit Klebeband hat den gewünschten Effekt erzielt. Es tropft wenigstens nicht mehr von der Decke. Ich möchte das dauerhafter gestalten und beginne, die Dichtmasse zu suchen, von der ich mir sicher bin, dass sie an Bord ist. Nach einer Weile finde ich die Tube Sikaflex, die seit zwei Jahren abgelaufen und deren Inhalt steinhart ist. Damit ist klar, wir müssen mit unserem Regenwald leben, bis wir einen Baumarkt finden.

In einer ruhigen Minute kann ich mich duschen. Es fühlt sich toll an. Dann habe ich meine Nachtwache und werde mehrfach mit Seewasser überschüttet. Schon bin ich wieder gesalzen und der Effekt der Dusche ist dahin. An den weiteren Umständen ändert sich nichts, die dritte Nacht ist genau so ruhig wie die ersten beiden Nächte. Zumindest sieht die Kurslinie auf dem Bordcomputer am nächsten Morgen ein wenig besser aus, die wenigen Meilen in Richtung Osten haben wir uns hart erkämpft. Es ist noch ein weiter Weg nach Aruba. Das dritte Etmal liegt bei 79 Meilen.

Wir sind in Kuba

Wir laufen gerade in die Bucht von Santiago de Cuba ein. Ein tolles Gefühl. Ein neues Land. Die Überfahrt war ruhig und entspannt.

Der letzte Sonnenuntergang, bevor wir Kuba erreichen

Nachdem ich fast auf den Tag genau neun Monate in Aruba zugebracht habe, fühlten sich die letzten fünf Tage auf dem Wasser grandios an. Das Zischen des Rumpfs durch das Wasser. Das Pfeifen des Winds in der Takelage. Das Knarzen, Klirren, Klappern, Poltern und Rumpeln überall. Am besten ist es in der Nacht, wenn sich rund um Sissi die Sterne am Himmel zeigen. So vertraut und so lange vermisst. Ebenfalls vertraut ist mir das bleiche Gesicht von Jens nach dem ersten Abendessen. Auf dieser Überfahrt hat es Jens ganz schön gebeutelt. Er war nicht nur einen Tag seekrank, sondern musste die ersten drei Tage leiden. Am letzten Abend vor Kuba hat er die Lasagne aber gerne gebacken und konnte sie genießen. Auch für Jens waren es neun Monate Abstinenz vom Segeln.

Lasagneproduktion ist hier Routine

Was erwartet uns nun? Wenn wir der Literatur folgen, wird in Kürze eine Armada Offizieller unser Boot aufsuchen. Sie bringen Drogensuchhunde und jede Menge Formulare mit. Einen Covid-Test müssen wir auch machen. Bis das Resultat da ist, werden wir an Bord in Quarantäne bleiben müssen, das dauert zwischen 24 und 48 Stunden. Für diese Zeit liegen noch leckere Steaks im Kühlschrank. Wir werden nicht hungern.

Dieser Beitrag geht noch über das Satellitentelefon raus. Da diese Art Telefone in Kuba nicht erlaubt ist, wird es von den Behörden an Bord versiegelt werden – so steht es in der Literatur. Das gleiche gilt lustigerweise für das tragbare Funkgerät und das Hand-GPS. Dass unsere Telefone ebenfalls GPS haben ist wohl unwichtig, die normalen Telefone können wir benutzen. Es heißt ja nicht, dass Regeln immer konsistent sein müssen.

Kuba ist in Sicht

Unser Plan ist, mit der Eisenbahn einmal quer über die Insel nach Havanna zu fahren. Schöne Ankerbuchten können wir nicht aufsuchen, denn freies Ankern ist in Kuba nicht erlaubt. Man kann allenfalls von Marina zu Marina fahren. Dann setze ich mich lieber in den Zug. Ankerbuchten werden wir auf der nächsten Insel finden, das allerdings nicht mehr in diesem Jahr. Ich bin gespannt, wie auf Kuba Weihnachten und Silvester gefeiert werden bzw. ob derzeit überhaupt gefeiert werden kann.

Wir sind endlich wieder unterwegs!

Da die Seegrenze von Jamaika immer noch geschlossen ist, können wir leider nicht dorthin fahren. Wir haben umdisponiert und ändern die Reihenfolge der Inseln, wie wir sie besuchen wollen. Zuerst fahren wir also nach Kuba.

Der Wind treibt uns an…

Mit dem Erscheinen dieses Beitrags ist es nun offiziell. Wir haben in Aruba ausklariert und sind unterwegs nach Kuba. Damit lohnt es sich wieder, auf der Stalking-Seite die Position von Sissi zu verfolgen. Wenn alles gut geht, kommen wir am Montag oder Dienstag in Santiago de Cuba an. Dann wird es neue Beiträge nur noch in größeren Abständen geben, denn das Internet in Kuba ist dem Vernehmen nach schlecht ausgebaut. Wir werden sehen.

High Rise Hotels

Die Navigation fällt leicht, haben wir doch seit kurzem zwei Navigationsesel an Bord. Ein Backbard- und ein Steuerbordesel.

Navigationsesel