Runter und rauf

Wir schreiben den 1. März, es ist ein Montag. Am späten Vormittag haben wir immer noch keine Nachricht von der Marina Varadero, wo wir den Mast legen wollen. Also planen wir einen Besuch bei den Eseln ein. Ich wechsle einige Textnachrichten mit meiner Lieblingsbusfahrerin Shoraia. Natürlich möchte ich mich von ihr ins Donkey Sanctuary fahren lassen.

Kaum weiß ich ihre nächste Abfahrtszeit gibt mein Telefon wieder einmal das Geräusch einer eingehenden Nachricht von sich. Judith von der Marina Varadero meldet sich und kündigt den Krantermin für 8 Uhr am kommenden Morgen an. Das passt mir überhaupt nicht. Entweder müssen wir um 7 Uhr losfahren, damit wir rechtzeitig dort sind, oder wir fahren heute noch nach Varadero, verbringen die Nacht in der Einöde und sind dafür aber rechtzeitig vor Ort. Schweren Herzens sage ich die Busfahrt ab.

Das war vollkommen blinder Aktionismus. Kurze Zeit später kommt der endgültige Krantermin für 13:30 Uhr. Das gibt uns Zeit für den Besuch bei den Eseln, das Abnehmen des Baums und eine gemütliche Überfahrt am Dienstagmittag. Shoraia dreht mit ihrem Bus noch eine Runde, dann sitzen wir bei ihr und lassen uns kutschieren.

Ein Foto an der Wand. Das bleibt von Sweety.

Sweety ist nicht mehr da. Der süße, plüschige, weiche, verschmuste Sweety fehlt mir. Er lebt jetzt in einem Stall in Holland.

Dafür kommen Swa und Socks von ihrem Dach wieder herunter. Die beiden konnten sich nie mit Sweety arrangieren.

Swa ist wieder auf dem Tresen

Socks hat ein riesiges Streicheldefizit. Eine Stunde lang wechseln Jens und ich uns ab. Wir streicheln den ebenfalls kuschelweichen Kater fachgerecht durch, bis ihm am Ende die Puste ausgeht und er sich schlafen legen muss.

Socks fühlt sich wohl.

Die kleine Tiger wird immer größer. Sie verliert inzwischen ihr Babyfell und die kurzen Haare einer großen Eselin kommen zum Vorschein. Außerdem ist sie total zutraulich geworden. Man kann sie streicheln wie eine Katze.

Tiger

Wir verbringen einen total entspannten Nachmittag bei den Eseln und wissen, dass wir am folgenden Tag tierisch arbeiten müssen. Die Vereinbarung mit der Marina sieht vor, dass wir den Kran zweimal für bis zu vier Stunden haben. Einmal kommt er, um den Mast abzunehmen und einmal, um ihn wieder an Ort und Stelle zu bringen.

Sissi – mal wieder in Varadero

Wir verlassen Oranjestad gegen 11 Uhr und sind nach einer knappen halben Stunde in der Slipanlage in Varadero. Dort darf meine Kreditkarte erst einmal bluten, die Hälfte der veranschlagten Summe ist sofort fällig. Für arubanische Verhältnisse pünktlich kommt der Kran um 13:35 Uhr am Boot an. Der Kranfahrer ist entspannt und macht diesen Job nicht zum ersten Mal.

Der Kran ist aufgebaut

Wenn ich arbeite kann ich nicht fotografieren. Wenn ich fotografiere, arbeite ich nicht. Also gibt es keine Fotos davon, wie wir den Mast abnehmen. Es gibt keine Fotos vom Mast, der am Haken hängt. Warum? Weil ich während der Zeit den Mastfuß in den Händen hatte und Jens das Vorstag getragen hat. Deswegen konnte auch er keine Bilder machen.

Die Umlenkrollen

Nach einer guten halben Stunde liegt der Mast auf dem Boden und der Kranfahrer macht sich daran, seinen Kran wieder abzubauen. Da ich den Kran aber für bis zu vier Stunden bezahlen muss und sich dieser Preis nicht ändert, bitte ich den Fahrer, noch ein paar Minuten bei uns zu bleiben. Wir müssen feststellen, ob sich das Problem in 10 Minuten oder in 10 Tagen beheben lässt. Brauchen wir ein Ersatzteil? Muss ein Ersatzteil womöglich aus Europa eingeflogen werden?

Achse

Es stellt sich jedoch heraus, dass die Achse, auf der die beiden Umlenkrollen sitzen, sich lediglich in ihrer Position verschoben hat. An beiden Enden gehören Sicherungssplinte hinein, von denen einer gebrochen ist. Dadurch konnte sich die Achse verschieben und aus ihrer Position verrutschen. Ich ersetze die beiden Splinte durch kräftigere. Dann bringen wir alles wieder an Ort und Stelle, verschließen die Mastspitze wieder und sind froh, dass der Kran noch da ist.

Der Kranfahrer murmelt irgendwas in seinen nicht vorhandenen Bart, dass es für ihn das erste Mal ist, am selben Tag den Mast zu legen und wieder zu stellen, hat aber noch genug Zeitreserven auf seiner Uhr. Insgesamt brauchen wir dreieinhalb Stunden für den Spaß. Abnehmen, reparieren, stellen. Yess. Das spart uns etwa 800 Dollar.

Nostalgie

Ausnahmsweise haben wir alles richtig gemacht. Die Segel hätten wir zu keinem besseren Zeitpunkt runter nehmen können. Über Nacht hat der Wind ordentlich aufgefrischt und bei den Böen, die wir heute erleben, wäre die Genua immer noch an Ort und Stelle. Bravo!

Kreuzfahrtschiff im März 2020 in Bonaire

Morgen ist der 1. März. Genau vor einem Jahr waren wir in Bonaire und sahen jeden Tag ein Kreuzfahrtschiff am Anleger festmachen, an manchen Tagen auch zwei. Natürlich war irgendwo auf der anderen Seite des Planeten dieses chinesische Virus unterwegs, das hatte auf das Leben jedoch keinerlei Auswirkungen. Massenweise erstürmten die Kreuzfahrer am Morgen die Insel, am Abend verschwanden sie wieder und wir hatten an unserer Boje unsere Ruhe – bis zum nächsten Morgen.

Reisen war so unkompliziert. Und günstig. Wir wählten die gewünschte Insel aus, beim Ausklarieren bekamen wir die Dokumente für das Ziel und dann segelten wir los. Die Einreise im Zielland war unkompliziert, ich musste lediglich den mehr oder minder langen Marathon durch die unterschiedlichen Behörden erledigen. Das war dann in einem Zeitraum zwischen fünf Minuten (Martinique) bis zu zwei Stunden (St. Lucia) erledigt. In St. Lucia hat es deswegen so lange gedauert, weil die unterschiedlichen Behörden zu unterschiedlichen Zeiten ihre Mittagspause gemacht haben.

Die Behördengänge kosteten zwar mehr oder minder viel Geld, es war jedoch günstig im Vergleich zu den Kosten, die heute auf den Reisenden zukommen.

Karneval in Martinique, Februar 2020

Jetzt ist Reisen kompliziert. Und teuer. Wer heutzutage reisen möchte, muss den bürokratischen Teil fast besser vorbereiten als den seglerischen. Auf jeden Fall sollte man Zusatzvorräte für zwei Wochen an Bord haben, falls unerwartet am Zielort eine zweiwöchige Quarantäne angeordnet wird. Wir wollen uns von Aruba auf eine andere Insel bewegen. Okay, welche Alternativen haben wir denn?

Einkaufsstraße in Bridgetown, Barbados, im Januar 2020

Curacao. Die kürzest mögliche Strecke. Voraussetzung für die Einreise ist ein maximal 72 Stunden alter, negativer Covid-19 Test. Man meldet seine Reise über eine Webseite an. Man muss sogar die geschätzte Ankunftszeit vorher bekanntgeben. Das negative Testergebnis muss auf eine bestimmte Webseite hochgeladen werden. Für die Tests werden jeweils 125$ verlangt. Erreichbar ist Curacao in ca. 14 Motorstunden. Segeln ist ziemlich besch…., da der Wind direkt entgegen kommt. Man wählt als Tag der Überfahrt einen schwach windigen Tag. Die Zahl der Covid-19 Erkrankungen ist sehr gering.

Dominikanische Republik. Voraussetzung ist die Registrierung auf verschiedenen Webseiten. Einen Covid-Test verlangen sie nicht. Bei der Einreise wird die Temperatur gemessen und das war es dann auch im Prinzip. Unsere Freunde von der Chapo haben 260 Dollar Gebühren bezahlt. Darin enthalten ist der Dienstleister für den Behördendschungel. Segeln in die DR ist sehr gut möglich, der Wind weht nämlich immer aus der schönen Halbwindrichtung. Die Zahl der Neuinfektionen mit Covid ist einigermaßen hoch.

Puerto Rico. Fällt aus wegen fehlendem Krankenversicherungsschutz. Das gilt auch für die US Virgin Islands.

British Virgin Islands. Immer noch geschlossen. Gerade wurde die Öffnung auf Mitte April verschoben. Darauf können und wollen wir uns nicht verlassen.

Anguilla. Wenn man angemeldet ist, lassen sie einen rein. Auch hier gibt es Webseiten für die Anmeldung. Sie verlangen dort einen maximal fünf Tage alten, negativen Covid-19 Test. Das Problem ist hier schon einmal, dass Anguilla so weit östlich liegt, dass wir ziemlich kämpfen müssen, um dorthin zu kommen. Wir werden mehr als fünf Tage brauchen. Bei der Ankunft gibt es noch einen Covid-Test, es folgen 10 Tage Quarantäne und ein abschließender Covid-Test. Das ist ziemlich teuer, die normalen Gebühren kommen selbstverständlich noch oben drauf. Danach ist das Leben aber fein, denn es gibt keine Fälle mehr.

Party am Freitagabend in Gros Islet, St. Lucia, Februar 2020

Es gibt keine Garantien, dass sich die Regeln nicht von heute auf morgen wieder ändern. Länder können wieder schließen, wegen der Angst vor den Mutationen oder wegen – äh – keine Ahnung. Sie können schließen und sie tun es auch.

Grenada. Die absolut härteste Tour. 500 Meilen direkt gegen den Wind. 500 Meilen gegen eine Strömung von bis zu 2 kn. Noch viel härter, als von Kuba nach Aruba zu segeln. Aber unsere Freunde von der Milena Bonatti konnten dort ihre Covid-19-Impfung bekommen. Das wäre eine ziemliche Motivation für den Ritt. Quarantäne müssten wir bei einer veranschlagten Reisezeit von über 14 Tagen wohl nicht mehr machen. In Grenada wird das gute AstraZeneca benutzt.

Wenn unser Mast repariert ist, verlassen wir die Insel. Für meine Seele hätte ich gerne einen Abfahrtstermin vor dem 11. März. Am 11. März 2020 sind wir nämlich erstmals auf Aruba angekommen. Am 14 März wurden die Grenzen geschlossen. Ende des Monats auch noch der Flughafen stillgelegt. Aruba ging in den Tiefschlaf.

Lockdown. März 2020

Curacao erscheint mir unwirtschaftlich, da sich die Landschaft nur geringfügig von der Arubas unterscheidet. Die Dominikanische Republik ist eine sogenannte tief hängende Frucht, die leicht zu pflücken ist. Werden wir damit glücklich? Die ganzen Inseln im Osten sind schwer erreichbar. Sollen wir direkt nach Frankreich (Guadeloupe) fahren? Dort können wir wenigstens bevorraten, bevor es in ein paar Monaten über den Atlantik nach Europa zurück geht. Ich weiß es nicht.

Oder nehmen wir die Anstrengungen für Grenada auf uns? Die Chance auf eine Impfung und möglicherweise weniger Behördengänge und Covid-19-Tests in der Zukunft. Impfprivilegien würde ich gerne nutzen. Ich recherchiere noch.

In Jamaika gibt es immer noch keine Öffnungsperspektive. Jamaika wäre sehr leicht erreichbar. Dem Hörensagen nach wird Jamaika erst wieder die Häfen öffnen, wenn der Kreuzfahrttourismus wieder in Gang ist. Die paar Segelboote, die in der Karibik unterwegs sind, werden von den Behörden ignoriert.

Britannia im Januar 2020. Kommt uns zwischen Barbados und St. Lucia viel zu nah. Unsere Handys waren im Bordnetz. Ich kann auf die Dinger gerne verzichten.

Wir sind wahrscheinlich wieder in Europa, wenn die ersten Kreuzfahrer wieder die Karibik unsicher machen. Also wird das mit Jamaika in diesem Frühjahr nichts mehr. Schade, aber nicht zu ändern. Das Reisen war früher so einfach, so spontan. “Hey, der Wind sieht gut aus in den nächsten Tagen, lass’ uns losfahren.” Schnell zu den Behörden und anschließend frei sein. Man konnte unterwegs das Ziel ändern. Der Stopp auf Bonaire war spontan, wir hatten Papiere für Aruba dabei. Dabei bekomme ich nostalgische Gefühle, obwohl meine Karriere als Langfahrer bisher eher kurz ist.

Ich freue mich auf ein paar Segeltage, auch wenn diese anstrengend sind. Segeltage sind gut für den Geist.

Die Seele baumeln lassen. Januar 2020.

Der Mast muss runter

Wir warten auf Nachrichten. Der einzige Rigger in Aruba meldet sich am späten Vormittag. Er kann uns nicht helfen, so lange der Mast steht. Also muss der Mast runter. Jens nimmt die Mastleiter ab, bringt gleich den Windmesser mit und macht noch ein Foto von den blockierten Umlenkrollen.

Blockierte Umlenkrollen an der Mastspitze

Wir müssen die Segel runter nehmen, alle beide. Das Großsegel ist schnell runter geholt, wir legen es nach einer knappen halben Stunde fein säuberlich zusammengelegt in die Vorschiffskoje. Die Genua wehrt sich zunächst. Wir können sie nicht ausrollen, weil unsere tolle Reffwinsch mal wieder blockiert ist. Ich nehme sie auseinander. Alle Teile sind irgendwie fest miteinander zusammen gebacken. Es ist mir schleierhaft, wie ich diese Winsch jemals wieder gängig machen kann. Zum Glück ist direkt daneben eine weitere Winsch, die wir statt dessen benutzen werden.

Genua Reffwinsch. Die innere Scheibe sollte sich eigentlich drehen lassen. Sie ist fest mit dem äußeren Ring, der Bremse, zusammen gebacken.

Wir nehmen die Reffleine von der Seiltrommel und können die Genua in einem Windstillen Augenblick ausrollen. Dann weigert sie sich, nach unten zu kommen. Dann setzt der Wind wieder ein. Dann fällt uns das Segel fast ins Wasser. Wir kämpfen ein paar Minuten, dann endlich haben wir das Tuch auf dem Vordeck liegen. Wir sind nass geschwitzt.

Geschafft. Die Genua ist unten.

Den Baum werden wir später ab, wir brauchen ihn noch, damit er unser Sonnensegel hält. Außerdem muss ich die Stromkabel abmachen, die die einzelnen Lampen versorgen.

Wenn der Mast dann später am Kran hängt, werden alle Wanten, Vorstag und Achterstag abgemacht. Jetzt endlich kann der Kran den Mast auf den Boden legen. Nach der Reparatur läuft alles in umgekehrter Reihenfolge ab und wir sind wieder segelklar. So weit der Plan. So weit sind wir aber noch nicht.

Hard Grooves Jazz Bar

Wir belohnen uns für die harte Arbeit mit einem Besuch der Hard Grooves Jazz Bar. Nicht dass wir auf den Jazz stehen würden, der aus dem Inneren ertönt. Es ist das Abendessen, das uns hierher treibt. Ich hoffe, das Bild erzeugt in Deutschland nicht zu viel Neid. Dass das Essen gut ist, meinen auch die Katzen, die eigentlich zum benachbarten Restaurant gehören, sehr streichelbar sind und mit stummen, bohrenden Blicken die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich ziehen möchten.

Stumm bettelnd

Nun warten wir auf Nachrichten von der Marina Varadero. Die müssen einen Autokran organisieren. Wenn das geklärt ist, werden wir Sissi dorthin verlegen. So lange müssen wir uns die Zeit vertreiben.

Richtig glücklich bin ich nicht.

Gute Nachrichten und schlechte Nachrichten

Bei der Bekämpfung unserer Ölpest haben wir einen ersten Erfolg erzielt. Inzwischen haben wir gelernt, mit unserem Teppichreinigungs-Wundermittel umzugehen. Anfangs haben wir zu viel Backpulver und zu wenig Alkohol genommen. Inzwischen haben wir gelernt, wie wir das beste Reinigungsergebnis bekommen können.

Oben der dunkle Ölschmutz, unten der Boden, der gerade bearbeitet wird.

Zuerst verteile ich das Backpulver auf dem trockenen Teppich. Anschließend massiere ich es mit meinen Füßen in den Teppichboden ein. Ich verteile es quasi genau so, wie ich vorher den Dreck im Boot verteilt habe, nur mit etwas mehr Sorgfalt. Anschließend sprühe ich das alle so weit mit Alkohol ein, dass der Teppich getränkt ist und ich das weiße Backpulver nicht mehr sehen kann.

Diese Fläche kann jetzt eingesprüht werden.

Dann ist die Arbeit erst einmal getan. Ich setze mich an die frische Luft, der Alkoholdunst ist nur schwer erträglich. Das Boot muss gut gelüftet sein. Ich könnte mir vorstellen, dass sich sonst eine explosive Mischung in der Luft bildet. Das Lüften hilft auch gegen die Kopfschmerzen. Nach zwei bis drei Stunden ist der Alkohol verdunstet (bei ca. 30°C Raumtemperatur). Dann sollten sich erste Dreckflecken im Backpulver zeigen.

Der Boden trocknet langsam ab und es zeigen sich braune Flecken im weißen Backpulver. Das ist der Dreck, der rauskommt.

Nun sprühe ich den Alkohol wieder und wieder darauf, er löst den Dreck aus dem Teppich. Nach drei bis vier Alkoholanwendungen lasse ich den Teppich über Nacht komplett trocknen. Am nächsten Morgen wird gesaugt, das trockene Backpulver lässt sich leicht aufsaugen.

Nach dem Staubsaugen. Man sieht deutlich, dass immer noch Dreck im Teppich hängt. Also ist eine weitere Anwendung nötig.

Anschließend kann ich das Ergebnis beurteilen und ob der Teppich eine weitere Behandlung braucht. Wenn keine weitere Behandlung nötig ist, bürste ich mit einer kräftigen Bürste die letzten Reste aus dem Teppich und lasse sie im Staubsauger verschwinden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. In der Vorschiffskoje war ein breiter, schwarzer Strich auf dem Boden, dort steht immer unsere Hochsee-Mülltonne, da laufen wir oft entlang. Jetzt ist der Boden wieder schön sauber.

Vorschiffskoje nach drei Anwendungen. Eigentlich waren es zwei Anwendungen und ein Versuch zum Lernen.

Ach ja, da wäre noch der Dienstagmorgen. Der Rigger ist bei uns am Boot und schaut sich die Mastspitze in aller Ruhe mit dem Fernglas an. Dann teilt er mir mit, dass wir wahrscheinlich den Mast legen müssen. Er wird versuchen, sich über Nacht eine Lösung einfallen zu lassen, wie er das Problem bei stehendem Mast beheben kann. Ansonsten würde alleine der Kran ca. 1000 US$ kosten. Bäh. Ich mag solche Nachrichten nicht.

Frisch eingesprüht, darf trocknen.

Ich schnappe mir die Sprühflasche und gebe dem Fußboden eine weitere Behandlung. Aruba ist klebriger als unser Fußboden.

In Covid-Zeiten ist es sicher nicht schlecht, dass wir in den letzten Tagen unseren Teppichboden immer wieder und wieder und wieder und wieder desinfiziert haben. Unsere Füße werden auf keinen Fall Covid bekommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Ort mit besser desinfiziertem Fußboden gibt.

Todo-Liste ist abgearbeitet!

Es ist Mittwoch. Die Malerarbeiten gehen in den Endspurt. Jens hat das gesamte Cockpit neu gestrichen. Damit sieht Sissi wieder aus wie neu. Wir freuen uns am Ergebnis und daran, dass kaum noch Punkte auf der Todo-Liste sind. Unserer geplanten Abfahrt am Sonntag steht nichts mehr im Weg.

Frisch gestrichen

Es ist Donnerstag. Ich bin mit Anneke verabredet. Sie hat mir angeboten, mich zum Einkaufen zu fahren. Einmal Price Smart und Superfood. Jetzt kommt der Werbeblock. Wir trinken an Bord ja unser eigenes Wasser. Manchmal muss es aber auch ein Getränk mit Geschmack sein. Auf Aruba haben wir die Säfte der Firma Jumex kennengelernt.

Jumex

Teilweise befindet sich Fruchtsaft in den Dosen, teilweise Nektar. Das Zeug ist aber nicht zu süß und alle Geschmacksrichtungen haben uns bislang geschmeckt. Außer Banane-Erdbeere, die Dosen habe ich für mich alleine. Bei Price Smart gibt es die Säfte für kleines Geld palettenweise, man muss immer 24 Dosen kaufen und weiß nicht, was drinnen ist. Es sind drei verschiedene Sorten, die immer unterschiedlich zusammengestellt sind. Ich kaufe acht Paletten.

Sollte für ein paar Tage reichen

Bei Superfood kaufe ich noch Lebensmittel für eine Woche. Wer weiß, wie schnell wir in Curacao einen gescheiten Supermarkt finden und wie weit der von unserem Boot entfernt ist. Wir wollen lieber gut bevorratet unterwegs sein, das hat noch nie geschadet.

Die Todo-Liste ist erfreulich kurz

Es ist Freitagnachmittag. Der letzte Punkt unserer Todo-Liste kommt an die Reihe. Es handelt sich um den obligatorischen Rigg-Check, der nach unserem Ritt von Kuba nach Aruba etwas gründlicher als sonst durchgeführt wird.

Ich habe keine Ahnung, warum wir uns diesen Punkt bis zuletzt aufgehoben haben. Wahrscheinlich hat es keinen besonderen Grund. Besonders dringend waren die Luken und die Reinigungsarbeiten. Außerdem haben wir bei diesem Punkt noch nie ein Problem gefunden, das uns an der Abfahrt hindern würde. Wir graben die Mastleiter in der Segellast aus und Jens darf in die Mastspitze klettern.

Gipfelstürmer

Die Wanten sehen super aus. Auf dem Weg nach oben prüft Jens die Unterwanten, Oberwanten, Salinge und zuletzt Vor- und Achterstag auf Beschädigungen. Alles sieht sehr gut aus. Nur die Umlenkrolle, die das Großfall an der Mastspitze umlenken soll, sitzt schief in ihrer Position. Das hat zur Folge, dass sie sich nicht drehen kann. Sie ist komplett blockiert. Das hat zur Folge, dass wir das Großsegel nicht mehr ohne weiteres setzen oder reffen können. Das Großfall lässt sich kaum bewegen, wenn etwas Druck im Segel ist geht da garantiert nichts mehr. Hätten wir diesen Punkt mal eher abgearbeitet. Hätte, hätte, ….

Hätten wir dem Großfall mal einen eigenen Punkt auf der Liste spendiert. Wir erinnern uns daran, dass das Bergen des Groß am Vorabend unserer Ankunft in Aruba anstrengender war als üblich. Das wurde dann aber überschattet von der motorlosen, übermüdeten Ankunft und der Freude, es geschafft zu haben.

Unsere Kachel bei den Eseln

Es ist Sonntagnachmittag. Ich sitze wieder neben Anneke bei den Eseln. Erfreut kann ich feststellen, dass unsere Kachel inzwischen geliefert und an eine Säule geklebt wurde. Am Montag erwarte ich Nachrichten von einem Rigger, den mir Charly von der Chapo empfohlen hat. Wir hoffen, dass er das Problem lösen kann, ohne dass der Mast gelegt werden muss. Ansonsten…

…müssen wir wieder nach Varadero. Dann wird ein Autokran gemietet. Das alles will organisiert sein und dauert ein paar Tage. Aruba ist klebrig.

Ölkatastrophe

Seit Wochen hadern wir schon mit einem Problem. Uns ist auf der Reise von Kuba nach Aruba eine Flasche Speiseöl leck geschlagen. Wie kann das passieren? Leider kann so etwas allzu leicht geschehen. Wir lagern unsere Speiseöl-Vorräte im Salontisch in der unteren Ebene. Dort, wo Zöllner gemeinhin das Drogenversteck und den geschmuggelten Alkohol vermuten. In Martinique haben wir vergangenes Jahr sehr viele Flaschen Speiseöl gekauft und verstaut. Nach und nach wurden diese Vorräte dezimiert, einen guten Teil haben wir in Kuba verschenkt. Die übriggebliebenen Flaschen hatten zu viel Bewegungsfreiheit. Eine von ihnen hat sich während unseres Tanzes in den Wellen in eine offen liegende Schraube gestürzt. Die Flasche ist zum größten Teil ausgelaufen.

Mein Fuß. Die Füße von Jens sehen auch so aus.

Wir haben es nicht bemerkt. Wir haben die Flecken auf dem Boden zunächst für Wasser gehalten, weil genau an dieser feuchten Stelle ständig das Wasser von der Dachluke tropfte. Nach und nach verwandelte sich der Teppichboden in eine schwarze Oberfläche, unsere Füße waren ständig schmutzig und trotz mehrfachem Waschen mit Süßwasser wollten die Flecken nicht trocknen. Außerdem wurde der Salon immer schmutziger. Erst als ich zum Kochen eine neue Flasche Öl aus dem Lager nehme, sehe ich die Ursache des ganzen Übels.

Erste Versuche mit Allzweckreiniger sind wirkungslos. Wir sind relativ planlos, wie wir diese Baustelle angehen können. Außerdem haben wir genug Arbeit mit den Luken und dem Deck. Das Thema Teppich stellen wir hinten an, zur Not müssen wir ihn raus werfen und mit dem sehr abgenutzten Holzfußboden vorlieb nehmen. Der braucht eigentlich zunächst mächtig Zuwendung. Außerdem mag ich den Teppichboden. Jens wirft sich mächtig ins Zeug und schaut mehrere YouTube-Videos zum Thema Teppichreinigung.

Backpulver, die Allzweckwaffe. Und Alkohol (nicht zum Verzehr geeignet)

Wir brauchen Backpulver und Alkohol. Damit nicht der gute kubanische Rum draufgeht, hole ich gleich mal mehrere Flaschen Alkohol und eine große Tüte Backpulver.

Mit der Sprühflasche geht das Auftragen am einfachsten.

Zunächst muss das Backpulver trocken in den Teppich einmassiert werden. Dann wird der Teppich mit Alkohol besprüht. Der Alkohol löst das Öl aus dem Teppichboden und das Backpulver nimmt es beim Trocknen auf. Wenn alles wieder getrocknet ist, nimmt der Staubsauger das Backpulver mit dem Öl aus dem Teppich heraus.

Abwarten und einwirken lassen

Während des Sprühens hat man das Gefühl, schon von den Dämpfen betrunken zu werden. Jens hält das tapfer durch, das Backpulver bekommt eine schleimige Konsistenz. Den Gasherd wollen wir jetzt lieber nicht benutzen, nicht dass noch eine Explosion stattfindet. Anschließend dauert es Stunden, bis der Backpulverschleim sich in öliges Backpulver verwandelt hat. Dann kann gesaugt werden.

Nach der ersten Anwendung. Hier ist schön zu sehen, wo das meiste Öl im Teppichboden gelandet ist. An den anderen Stellen erfreut uns das Ergebnis schon sehr.

Jetzt endlich haben wir die Perspektive, dass wir den Teppich in ein paar Tagen wieder sauber bekommen können. Wir sind sicher nicht mehr lange genug in Aruba, um diese Arbeit abzuschließen. Das geht aber auch sehr gut in Curacao.

Endspurt

Schon wieder habe ich ein paar Tage lang nichts geschrieben. Das liegt vor allem daran, dass wir uns hier quasi im Endspurt befinden. Wir bearbeiten nicht nur die absolut notwendigen Punkte auf unserer Liste, sondern sind nun bei den Punkten angekommen, die nicht unbedingt nötig sind aber praktisch wären.

Gerade beim Segeln gegen den Wind nervt es ungemein, dass die Telefone auf dem Navigationstisch weite Wege gehen oder durch die Luft springen. Als Abhilfe dachten wir an einen kleinen Rahmen oder eine Box, in die wir gleich noch die Lademöglichkeit für die Telefone integrieren.

Eine echt kubanische Zigarrenkiste

Beim Aufräumen der Souvenirs aus Kuba fiel mir auf, dass die Zigarrenkiste von den Cohibas die perfekte Größe hat. Sie kann genau unsere zwei Telefone und die Platten für die drahtlose Ladung aufnehmen.

Das magische Innere zeigt sich

Die Latten für den Rahmen haben wir noch an Bord. Ursprünglich wollten wir daraus ein Fliegengitter bauen, doch das Holz war zu filigran. Nun dient es dazu, die Telefone vor dem Verrutschen zu schützen. Dabei werden sie jeweils in der optimalen Position für das drahtlose Laden fixiert.

Die Rückseite. Mmmh. Außerdem muss noch einmal feucht gewischt werden.

Natürlich sind die zwei USB-Ladekabel, die hinten aus der Kiste rauskommen, ein gewisser Stilbruch. Ich fände es aber übertrieben, extra einen Stecker und eine Verteilung einzubauen. Außerdem sind genug Steckdosen in der Nähe. Vier Schrauben halten die Kiste sicher in ihrer Position.

Bei der Bearbeitung des Fotos fällt mir auf, dass ich hier unbedingt noch einmal feucht wischen muss. Das ist bei Erscheinen dieses Blogs auch geschehen.

Die Zigarren

Einzig die Zigarren sind die Leidtragenden, sie mussten aus ihrer schönen Holzkiste ausziehen. Hoffentlich schadet ihnen das nicht.

Immer wieder süß – die bettelnden Esel

Am Sonntag habe ich dann noch einmal einen Besuch bei den Eseln gemacht. So lange ich auf der Insel bin, werde ich da einmal die Woche hin müssen. Am nächsten Sonntag wollen wir aber auf der nächsten Insel sein. So war es wohl mein allerletzter Besuch. Ich bin wieder etwas traurig.

Sweety

Für Sweety ist die Zeit im Donkey Sanctuary bald vorbei. Er fliegt in wenigen Tagen nach Holland, wo er ein neues Zuhause bekommen wird. Er hat seine Mitbewohner-Katzen ein paar Mal zu oft terrorisiert und soll deswegen ausziehen. Das finde ich sehr schade, denn ich hätte ihn nach der Heimreise gerne zu mir nach Deutschland genommen.

Boca Catalina

Im Gegensatz zur Drohne war die Anschaffung der Unterwasser-Kamera eine gute Investition. Zum einen kann man Bilder der Unterseite des Boots machen, zum anderen beim Schnorcheln schöne Aufnahmen der Unterwasserwelt.

Kawumm

Eigentlich nervt das Ding nur. Der Karton braucht unglaublich viel Platz. Der Akku ist kaputt. Und bei bestimmten Ländern macht es nur Probleme bei der Einreise. In Kuba bringt es Ärger. Die Rede ist von der Drohne.

Vielfach unerwünscht

Aus einer Laune heraus haben wir sie in Spanien erworben, für schlecht befunden und nur zwei oder dreimal benutzt. Dann wurde sie von uns um die halbe Welt transportiert. Jetzt ist Schluss. Nie wieder bei der Einreise die Drohne deklarieren müssen.

Katzen und Esel

Am siebten Tage sollst du ruhen. So oder so ähnlich steht es irgendwo geschrieben. Ruhen können wir ausgezeichnet und so legen wir die Arbeit nieder und gehen zur Bushaltestelle. Dort bestechen wir am Sonntag einen Busfahrer der San Nicolas Buslinie, damit er uns ins Donkey Sanctuary fährt – das wird normalerweise von der Santa Cruz Buslinie bedient, die aber am Sonntag nicht fährt.

Shrimp

Ich freue mich darüber, Nella und Anneke wieder zu sehen. Mit ein wenig Katzenfutter im Gepäck freuen sich auch die Katzen, dass wir wieder da sind. Jens rappelt mit der Tupperdose und plötzlich stehen wir im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Nein, nicht wir, die Tupperdose. Dafür gibt Shrimp sogar ihren Schönheitsschlaf auf.

Sweety

Sweety lässt sich immer noch von mir auf den Arm nehmen. Es wird zwar nicht seine Lieblingsdisziplin, er kann es jedoch genießen, wenn ich ihm den Bauch kraule. Nach zwei oder drei Minuten ist es dann genug für ihn, ich muss ihn absetzen.

Swa und Socks kommen nicht von ihrer erhobenen Aussichtsposition herunter. Das liegt wie immer an Sweety und nicht an der Qualität unserer Leckerlies.

Swa und Socks

Ach ja, und Esel gibt es auch noch. Wir haben eine Tüte mit Karotten dabei, die hat auf die Esel natürlich dieselbe Wirkung wie das Katzenfutter auf die Katzen. Und die Esel erkennen mich wieder. Ich will Kamino eine Karotte geben, er weicht zunächst zurück, weil er Medizin in der orangen Leckerei vermutet. Da habe ich ihn wohl einmal zu oft aufs Kreuz gelegt. Nach kurzem Zögern greift er dann doch zu, die anderen Esel folgen schnell.

Diva und Gipsy erkennen mich auch wieder und fordern ihre Karotten ein. Selbstverständlich werden sie von mir bedient. Nach und nach bekommen alle alten Bekannten ihre Möhrchen. Wahrscheinlich würden sie mich in einem Jahr auch noch wiedererkennen. Die Esel sind doch sehr, sehr schlau.

Bettelnde Esel

Damit komme ich zum Schluss dieses vermutlich letzten Beitrags zum Thema Esel – es sei denn uns läuft ein Esel aufs Boot. Im vergangenen Jahr gab es genug Eselblogs.