Miles and more (Teil 2)

Am heutigen Tag öffne ich mal wieder unser Logbuch für euch LeserInnen unseres Blogs. Seit dem letzten Statistik-Beitrag sind nur eineinhalb Monate vergangen. Für uns fühlt es sich an, als wäre es eine lange Zeit. Wir haben seit Sines viel erlebt und so manche Meile auf dem Wasser zurückgelegt.

Logbuch

Inzwischen sind wir 178 Tage unterwegs und haben 718,7 Seemeilen mehr Kielwasser hinterlassen, also insgesamt 3058,7 Meilen (bzw. 5659 Kilometer). An den neu hinzugekommenen 60 Reisetagen waren wir an 12 Tagen wirklich unterwegs, den Rest der Zeit lagen wir mal wieder im Hafen oder – neu – für einige Tage vor Anker. Macht diesmal 20% der Tage, an denen wir auf See waren.

Unser Motorstundenzähler ist inzwischen bei 231 Motorstunden, also sind 21 Motorstunden mehr auf der Uhr. Wir haben von Sines bis Lanzarote ca. 65 Liter Diesel verbrannt – das ist ein sensationeller Dieselverbrauch von knapp 0,1 Liter Diesel pro zurückgelegter Seemeile bzw. von 4,8 Litern auf 100 km (damit sich die Autofahrer etwas darunter vorstellen können). Nur wiegt Sissi so viel, wie ein kleiner LKW, sie hat 12 Tonnen Gewicht. Wir sind allerdings der Meinung, dass das noch besser geht. Wir wollen den Anteil der Segelstunden noch weiter steigern.

Unsere Frischwasserproduktion läuft hervorragend. Wir haben seit dem 16. Oktober weitere 885 Liter Wasser produziert und verbraucht, damit sind wir bei einem Wasserverbrauch von 15 Litern pro Tag gelandet. Einen Teil davon trinken wir, der Rest geht für das Spülen von Geschirr, Händewaschen und das Reinigen von Sissi drauf. Wenn wir weiterhin so wirtschaften, können wir guten Gewissens über den Atlantik aufbrechen und werden auch kein Problem haben, genug Strom zu ernten, um hin und wieder eine Dusche auf dem großen Teich zu nehmen.

An den Duschen in Sines, Portimao, Lagos, Puerto Calero und Rubicon ist nichts auszusetzen. Sie waren sauber und haben prima funktioniert.

Größere Defekte hatten wir keine mehr, lediglich kleinere Problemchen. Uns ist mitten in der Nacht einer der Blöcke der Windfahnensteuerung abgerissen und hat sich in den Atlantik verabschiedet. Dabei folgte er einigen wichtigen Schrauben, die schon vorher verschwunden waren. Zum Glück gibt es Schraubenkleber, damit sind die neuen Schrauben jetzt gesichert.

Klimakiller Sissi-Crew

Unsere einigermaßen schöne CO2-Bilanz haben wir uns mit ca. 6000 Kilometern Flugreise nach Frankfurt und zurück leider vollkommen versaut.

Wir versprechen, dass es nicht wieder vorkommen wird. Dazu hat uns das Fliegen außerdem viel zu wenig Spaß gemacht.

Es gab keine weiteren außergewöhnlichen Vorkommnisse, die wir im Logbuch notiert haben. Wir hoffen, dass das auch weiterhin so bleibt. Mögen alle Segelcrews sicher unterwegs sein.


Der Anlass für den heutigen Beitrag ist mir wichtig. Jetzt sind wir in der perfekten Position, um den Atlantik zu überqueren. Schon bei der derzeitigen Wetterlage wäre es unproblematisch, sofort zu starten. In den kommenden zwei Wochen scheint das Wetter sehr stabil und der Passat stetig zu sein. Die Teilnehmer der ARC werden jedenfalls ihre Freude an diesem Wind haben. Bis Mitte Dezember werden wir jedoch noch auf den Kanaren bleiben, ein Zwischenstopp in Teneriffa ist noch geplant.

Dann sind es aber nur noch ca. 2700 Meilen bis in die Karibik. Oder drei Wochen Fahrt. Nach einem halben Jahr Übung, Training, Reparaturen und Sightseeing fühlt sich das gigantisch an. Was vor ein paar Wochen noch in weiter Ferne schien, liegt jetzt greifbar vor uns. Wir freuen uns. Wir sind gespannt.

Goldene Hochzeit

Heute ist der 50. Hochzeitstag unserer Eltern. Wir Heuchler sind deswegen von Lanzarote nach Frankfurt geflogen. Damit wir nicht wie zwei zerzauste Segler dort ankommen, waren wir schon vor ein paar Tagen beim Friseur.

Jens sitzt auf dem Stuhl

Warum Heuchler? Weil wir einerseits mit dem Segelboot so abgasarm wie möglich um die Welt fahren wollen, keinen Dreck produzieren möchten wie die Kreuzfahrer und die Flugtouristen und andererseits dann von Lanzarote für eine Woche nach Frankfurt und zurück fliegen.

Heutzutage ist der Begriff “Flugscham” bekannt, Greta segelt gerade wieder zurück über den Atlantik unter Wetterbedingungen, bei denen wir Sissi lieber im Hafen anbinden.

Ich habe über Jahre gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens protestiert und mich geweigert, eines dieser Fluggeräte zu betreten und wenn, wollte ich einen anderen Flughafen benutzen. Einen, bei dem die Anwohner nicht so viel unter dem Lärm leiden oder den Lärm gar möchten, weil sie die Arbeitsplätze der Ruhe vorziehen.

Bescheuertes Selfie mit Friseurladen im Hintergrund

Frankfurt Hahn wäre eine Alternative gewesen, der Flughafen ist auch aus Lanzarote direkt zu erreichen. Wir fliegen aber direkt nach Frankfurt am Main, weil es für uns am bequemsten ist. Wenn schon schmutzig, dann richtig schmutzig.

Schlecht fühle ich mich nicht dabei. Ich schreibe diese Zeilen nieder und weiß, dass ich zur Veröffentlichung dieses Beitrags schon ein paar Tage in Frankfurt gewesen sein werde. Darauf freue ich mich.

Heute bin ich sehr darauf gespannt, wie unsere Eltern aus der Wäsche gucken, wenn wir am Dienstagabend vor der Tür stehen und klingeln. Nur ganz wenige Menschen wissen, dass wir uns auf den Weg machen, keiner aus unserer Verwandtschaft gehört dazu. Die Überraschung muss perfekt sein. Rasieren muss ich mich auch noch, dann sieht das optisch schon einmal gut aus.

Jens packt seine warmen Klamotten ein….

Wir haben die Wettervorhersage aus Frankfurt gehört, das Internet hier in der Marina ist sehr gut. Der Radiostream vom Hessischen Rundfunk ist stabil und verrät, dass wir mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt rechnen können. Auf jeden Fall einstellig. Das kennen wir seit Monaten nur aus dem Inneren unseres Kühlschranks. Also suchen wir verzweifelt nach unseren warmen Klamotten. Nur – wo sind die eigentlich? Die meisten haben wir in Frankfurt gelassen. Warum sollten wir die mitnehmen auf einen Segeltörn über die Barfußroute.

…auch ich sammle ein, was irgendwie Wärme in der Kälte Deutschlands verspricht.

Dazu kommt, dass wir am Samstag ins Waldstadion wollen, also müssen die Klamotten auch noch einigermaßen in das Ambiente passen. Und warm müssen sie sein.

Soll ich die dicken Wollsocken einpacken? Ich habe mich immer über die Schotten gewundert, die bei mehr als 16°C plötzlich in T-Shirt und kurzen Hosen herumlaufen. Und ich habe mich über die Portugiesen gewundert, die bei 20°C plötzlich die Winterjacke und den Schal auspacken. Wie wird es uns ergehen? Abgehärtet wie die Schotten sind wir nicht (mehr). Werden wir zittern und frieren? Ich befürchte es.

Flughafen Lanzarote

Und so warten wir nun auf den Abflug. In knapp fünf Stunden werden wir wieder dort sein, wo wir vor fünf Monaten losgefahren sind.

Der Flug ist so angenehm, wie Flüge es sein können. Keine Turbulenzen, überpünktlich und das Personal war total freundlich.

Trotzdem macht es keinen Spaß. Es ist warm, stickig und die Luft ist extrem trocken. Es ist laut und eng. Lieber fünf Tage auf See als fünf Stunden in der Luft.

Flug

Die Frankfurter S-Bahn begrüßt und mit der üblichen Verspätung. Es ist schön, wieder daheim zu sein.

Technische Neuerung im Blog – wieder abgeschafft

So mancher Stammleser hat mich gefragt, wo denn der Abonnieren-Knopf ist. Ich musste immer Antworten, dass wir einen solchen Knopf nicht haben. Wer hier jeden Tag reinschaut, braucht diesen Knopf nicht.

Gestern habe ich mich auf die Suche gemacht und ein Plugin gefunden, das einen solchen Knopf zur Verfügung stellt. Wenn Du über neue Beiträge benachrichtigt werden möchtest, kannst Du den neuen Knopf “Benachrichtigungen aktivieren” nutzen. Dann erhältst Du eine Email, wenn sich hier etwas tut.

Ich garantiere, dass wir über diese Funktion keinen Spam verschicken werden. Ich garantiere auch, dass wir die Email-Adressen speichern. Und ich garantiere, dass wir die Adressen nicht an Dritte weitergeben.

UPDATE: Ich musste das Plugin wieder deinstallieren, weil es leider nicht wunschgemäß funktioniert hat. Ich kümmere mich aber um eine andere Möglichkeit.

Die beste Pizza seit Guernsey. In der Marina-Pizzeria auf Lanzarote.

Miles and more

Viele ziehen eine 100-Tage-Bilanz. Das hatte ich auch vor, aber mir sind die 100 Tage irgendwie entwischt. Deswegen öffnen wir unser Logbuch und ziehen jetzt eine 118-Tage-Bilanz:

Logbuch

Wir sind jetzt seit 118 Tagen unterwegs und haben in dieser Zeit 2340 Meilen Kielwasser hinterlassen – das sind etwa 4329 km (für die Landratten). Richtig unterwegs waren wir in diesen 118 Tagen an 41 Tagen, also sind wir an 77 Tagen keinen Meter gesegelt. Das passt irgendwie zu den Erzählungen anderer Langfahrtsegler, die von maximal 30% Segeltagen sprechen oder schreiben.

Den Motor haben wir in dieser Zeit 210 Stunden laufen lassen und dabei 343 Liter Diesel verbrannt. Das sind pro gefahrenem Tag ca. fünf Motorstunden. Wir haben oft Segeltage von 24 Stunden Länge. Die Motorzeit ist inklusive der Kanalfahrt durch den Caledonian Canal und inklusive der Zeit, in der der Motor unproduktiv vor bzw. in Schleusen vor sich hin brummt. Wir stellen ihn zwar so oft wie möglich ab, manchmal musste er in den Schleusen jedoch brummen.

Die Tendenz ist bei den Motorstunden klar fallend, wir warten inzwischen lieber auf passenden Wind.

Mit dem Watermaker haben wir seit dem 1. August 1395 Liter Wasser hergestellt. Damit liegt unser gemittelter Wasserverbrauch bei ca. 20 Litern am Tag oder bei 10 Litern pro Person. Ich glaube, wir sind da gar nicht so schlecht mit. Wir sparen kein Wasser und trinken einen großen Teil der Eigenproduktion.

Die besten Duschen haben wir in Oban, Port Ellen, Belfast und Sines gefunden. Die miesesten Duschen waren in Wicklow (keine), Dublin (kalte) und Douglas (fühlt man sich wie im Knast).

Wir hatten drei größere Defekte. Zuerst war der Watermaker inkontinent, der Hersteller hat uns auf Garantie ein Ersatzgerät geliefert. Danach machte uns der Watermaker keine Probleme mehr, sondern nur noch Wasser. Wir mussten den Wärmetauscher der Motorkühlung auswechseln, glücklicherweise hatten wir ein Ersatzteil an Bord. Und dann ist uns noch eine Reffkausche aus dem Großsegel ausgerissen. Der Segelmacher konnte das schnell beheben.

Außergewöhnliche Vorkommnisse haben zwei im Logbuch notiert: Einmal empfingen wir den Pan-Pan-Ruf eines belgischen Seglers kurz vor Guernsey, der eine Motorstunde von uns entfernt ohne Ruder, Maschine und ohne Segel herum trieb. Wir haben unseren Kurs geändert, zum Glück wurde der Belgier jedoch von einem Fischer an den Haken genommen. Und dann haben wir zwischen Peniche und Oeiras noch das Mann-über-Bord-Signal eines 3 Meilen entfernten AIS-SART-MOB-Alarmsenders empfangen. Nach einem kurzen Funkgespräch mit dem Besitzer konnten wir den Alarm zu den Akten legen, die haben das Gerät zum Glück nur im Cockpit getestet.

Sissi in der Presse

Kaum zu glauben. Wir segeln hier munter die Portugiesische Küste nach Süden und bekommen plötzlich wir einen Scan aus der Frankfurter Neuen Presse zugeschickt. Da ist doch am 9. Oktober plötzlich ein Bericht über unsere Reise erschienen.

Die Autorin Sylvia Menzdorf hatte vor einem Vierteljahr mit uns Kontakt. Sie hat irgendwie von unserem Plan erfahren und ich bekam eine lange Liste mit Fragen zugesendet. Die habe ich ausführlich beantwortet. Anschließend hieß es, wir würden eine PDF-Datei mit dem Artikel bekommen, falls er erscheint. Die Autorin meinte, sie würde eine Serie daraus machen. Warum nicht, haben wir damals gedacht.

Anschließend hat sich Frau Menzdorf für ein paar Monate nicht gemeldet. Sie hat auch nicht auf Mails von mir reagiert, denn ich wollte wissen, ob und wann der Artikel erscheinen wird.

Unsere Eltern haben den Artikel in der Zeitung gefunden und ihn für uns eingescannt. Ich habe ihn auf die Webseite geladen: Teil 1 und Teil 2

Wenn wir vor dem Erscheinen des Artikels noch einmal angesprochen worden wären, hätten wir zwei grobe Fehler im Text korrigieren können. Sissi ist nicht 17, sondern 41 Jahre alt. Und unsere Mutter heißt Annemie. Schade.

Atlantik bei Vollmond

Gegen Mittag sind wir in Oeiras gestartet, haben einen einigermaßen kitschigen Sonnenuntergang und den Klassiker “Reste von gestern” genossen und fahren in Richtung Sines.

Zum Klassiker muss ich aber noch ein paar Worte schreiben. Jens ist bekanntermaßen unheilbar lasagnesüchtig. Ich kann manchmal ein wenig Abwechslung auf dem Teller gebrauchen. Deswegen überlege ich mir, wie ich andere Gerichte in Form einer Lasagne servieren kann. Hilft allerdings nicht viel.

Lasagne Portuguese – in Portugal zubereitet

Ich habe ein Blumenkohl-Kartoffelgratin zwischen Lasagne-Nudelplatten gepackt. Es war sehr lecker. Jens meinte hinterher, es würde wie Kleister im Magen liegen. Er hat halt zugeschlagen, als würde er eine echte Lasagne essen.

So viel zu den Resten von gestern. Wir sind bei schwachem Wind aus dem Hafen motort, konnten nach einer halben Stunde die Segel setzen und zwei Stunden später in Richtung unseres Ziels wenden. Hält sich der Wind an die Vorhersage, kommen wir morgen kurz nach Sonnenaufgang in Sines an. Es gibt dort leider keine Straßenbahn.

Atlantik bei Nacht im Vollmond

Während meiner Wache geschieht zunächst nicht viel. Der Wind nimmt ein wenig zu, wir werden schneller. Das ist in etwa so, wie es vorhergesagt war. Noch passt unser Plan zum Wetter. Mal sehen, wie viele Motorstunden am Ende noch dazu kommen. Die Windfahne hält uns sauber auf Kurs, auf unserem Track sieht man schön, wie das Cabo Espichel den Wind gedreht und damit unsere Kurslinie geändert hat. Leider ändert sie sich gerade zurück und wird damit ungünstiger.

Irgendwann sehe ich einen Frachter auf dem AIS, der uns schon eine Weile aufs Korn nimmt. Irgendwie will der Kapitän genau da hin, wo wir auch hinfahren. Aber das passt schon. Letztendlich fährt der Frachter 250 Meter vor uns durch. Keine Probleme.

Der Frachter

Insgesamt wieder eine angenehme, ruhige Überfahrt, obwohl wir einen Kurs hoch am Wind fahren. Das ist die Art von Kursen, die normalerweise reichlich anstrengend sind. Doch noch hält sich die Welle in Grenzen. Wir gleiten durch das dunkle Wasser.

Ich staune, wie weit draußen hier das Internet noch funktioniert. Das sind schon einige Meilen von Sissi bis zum nächsten Funkmast. Das beeindruckt mich – deswegen blogge ich auch live von der Überfahrt. Unsere Position ist derzeit 38°16’N 9°07’W. Es ist Mitternacht.

UPDATE:
Es ist jetzt gut 12 Stunden später. Mir fällt auf, dass ich gestern Nacht vergessen habe, den Screenshot vom Navigationscomputer in diesen Beitrag zu packen. So schön die Segelei in der Nacht ist, manchmal bin ich um die Zeit ein wenig unaufmerksam.

Mitternacht auf dem Weg nach Sines

Ich finde, man sieht auf dem Bild sehr schön, wie der Wind am Kap umgelenkt wird und wie dadurch unser Kurs beeinflusst wird. In Vor-Windfahne-Zeiten haben wir in diesen Situationen immer am Autopiloten nachgeregelt bzw. an den Segeln gezupft. Jetzt machen wir gar nichts mehr – ein echter Komfortgewinn.

Wir haben letztendlich um 9:57 Uhr die erste Leine mit dem Steg verbunden. Die GNR war um 10:13 Uhr da und hat Formulare ausgefüllt. Dann war ich von 10:28 Uhr bis 10:57 Uhr beim Hafenmeister, es wurden dieselben Daten in andere Formulare geschrieben. Anschließend habe ich noch einen Blick in die Duschen geworfen – ein wahrer Tempel. Die besten Duschen seit Belfast. Und das für nur 16,31€ pro Nacht. Wenn jetzt der Ort noch schön ist, könnte ich schwach werden. Doch die Windvorhersage für morgen ist ziemlich gut. Mal sehen, wie sich der Aufenthalt hier entwickelt.

Blick vom Heck der Sissi nach Sines

Spielzeug

Wir haben Spaß daran gefunden, hin und wieder Videos von unserer Reise zu präsentieren. Bislang haben wir die Videos mit einer etwas in die Jahre gekommenen digitalen Videokamera (maximale Auflösung ist HD), den Handykameras und unseren Fotokameras erstellt. Alle diese Kameras haben das Problem, dass sie nicht wasserdicht sind, also nur bei schönem Wetter für Außenaufnahmen taugen.

Deswegen kam, was kommen musste. Wir haben uns eine Action-Kamera geleistet, die unter anderem wasserdicht ist. Damit können wir auch Unterwasseraufnahmen machen. Falls wir uns in das noch viel zu kühle Nass hinein trauen.

Jens schreitet zum Kameratest

Um zu testen, wie viel Action in der Actionkamera drin steckt, musste Jens sich ganz nah an die Action heran begeben. Die Kamera hat nämlich eine sehr, sehr kurze Brennweite.

Jens filmt die Action

Die ersten Tests verliefen erfolgreich. Wir werden in wenigen Wochen mal wieder ein Video veröffentlichen. Darin werden wir auch Bilder zeigen, die wir mit der neuen Kamera aufgenommen haben. Obwohl. Eines können wir ja mal vorne weg bringen. Es war ein spannendes Gefühl. Wir haben eine neue Kamera und versenken sie gleich mal im Wasser. Das soll sie ja aushalten… hier haben wir probiert, ob die Kamera was taucht.

Test

Erinnerungen an Guernsey

Nach einem opulenten Abendessen hier auf der Sissi habe ich mich noch ein paar Minuten hingesetzt, um die Fotos der letzten Tage zu sichten und schönere Exemplare ins Blog zu stellen. Dabei habe ich die Tage in Guernsey bearbeitet, in denen wir darauf gewartet haben, dass der Wind ein wenig abflaut und die Reise nach Frankreich komfortabler wird.

Starker Wind lässt die Wellen an den Felsen brechen

Im Radio hören wir über eine wacklige WLAN-Verbindung die Übertragung des Spiels von unserer Eintracht gegen Vaduz (Rückspiel Qualifikation Euroleague). Es sind wieder einmal Tiefdruckgebiete über dem Atlantik unterwegs und wir hoffen, dass wir morgen zumindest ein Stück auf unserer geplanten Route zurück legen können.

In einer ähnlichen Wartephase haben wir auf Guernsey zwei tolle Ausflüge gemacht. Einmal an den Stausee der Insel, der der Trinkwasserversorgung dient, und einmal an den westlichsten Punkt der Insel mit einem kleinen Naturpark und tollen Klippen. Dabei ist auch das obige Photo entstanden.

Auf hoher See

Der Wind pfeift, sanft zischt das Schiff angenehm schaukelnd durch die Wellen, es ist ruhig. Die weißen Segel sind prall gefüllt. Die Sonne scheint vom blauen Himmel. Am Horizont ziehen die Möwen durch die Luft. Gelegentlich sieht man die Rückenflossen einer Delphinschule. In der Hand einen gekühlten Cocktail.

So oder so ähnlich mag sich der eine oder andere Anfänger das vorstellen, insbesondere wenn er noch nie auf einem Segelboot war. So sieht man es auch in den Prospekten der Hersteller von Segelbooten. Das ist jedoch Bullshit.

Der Wind passt eigentlich fast nie. Entweder gibt es zu viel Wind oder zu wenig. Bei zu wenig Wind torkelt das Schiff durch die Wellen, weil die Spannung fehlt, für die sonst die Segel sorgen. Weht zu viel Wind, sticht das Schiff oft in die Wellen hinein, es gibt heftige Schläge.

Manchmal scheint die Sonne. Dann brennt sie vom Himmel, wird vom Wasser gespiegelt und man muss die Augen zukneifen, um geblendet zu werden. Die Sonnenbrillen helfen nur bedingt. Manchmal regnet es. Dann sitzt man in Regenklamotten da und sucht zwischen den Böen den Frachter, den man eben noch auf dem AIS gesehen hat. Ein wolkenverhangener, bedeckter Himmel ist mir persönlich am liebsten.

Ruhig ist es auf keinen Fall. Im Frischwassertank schwappt das Wasser. Die hölzerne Innenverkleidung knarzt mit der Außenschale des Schiffs um die Wette. Ab und an schlagen Wellen gegen den Rumpf, das tut dumpfe Schläge. Wenn das Schiff zu hart in die Wellen einsetzt, kracht es wie ein starker Hammerschlag. Oft schlägt die Schiffsglocke laut an. Im Hintergrund hört man kontinuierlich das Wimmern des elektrischen Autopiloten. Bei Rollbewegungen klirren alle Gläser im Regal. Läuft der Motor, kommt auch noch das beständige Dröhnen des Diesels hinzu. Stunde für Stunde. Tag und Nacht.

Die Entspannung wird oft zu Langeweile. Bei einer kleinen Crew von zwei Personen ist man permanent müde, weil es nicht genug Schlaf gibt. Man muss aufmerksam sein, läuft aber immer wieder Gefahr, in den Schlaf zu fallen. Das ist schlecht, dann fährt man vielleicht andere Boote über den Haufen oder wird selbst zu Klump gefahren. Immer wieder muss man rundum schauen, ob sich nicht ein anderes Schiff verbirgt. Das ist fast nie der Fall, deswegen will der Körper wieder dösen, schlafen, ausruhen.

Alte Dünung, also bewegte See, ist oft noch tagelang im Wasser zu spüren. Dazu wird die See durch den aktuellen Wind bewegt. Die sanfte Schaukelbewegung wird zu einer harten Schüttelei. Jede Bewegung, die man im Schiff macht, führt zu blauen Flecken. Irgendwo ist immer eine Kante, an der man sich stoßen kann.

Jens ist benachteiligt. Wenn wir wenigstens drei oder vier Tage im Hafen waren, ist jeder Tag auf See wie der erste. Es fühlt sich für ihn an, als wäre es ein neuer Segeltörn. Deswegen lohnt es sich auch gar nicht, am ersten Seetag den großen Küchenzauber zu veranstalten. Mit dem Zeug werden doch die Fische gefüttert. Also gibt es am ersten Seetag Konserven, die dann nicht lange drin bleiben. Danach ist das vorbei, dann erträgt Jens die unangenehmsten Roll- und Stampfbewegungen und kann dabei Zwiebeln und Fleisch anbraten. Der erste Tag aber ist immer zum K*****.

Das Ziel kommt nicht näher. Bei einer Geschwindigkeit von fünf Knoten braucht man für eine Strecke von 250 Meilen etwa 50 Stunden. Dann sieht man auf dem Kartenplotter, wie jede Zehntelmeile heruntergezählt wird. Das kann an den Nerven sägen, besonders wenn man nicht auf die fünf Knoten kommt, wenn man bei Gegenwind aufkreuzen muss und sich effektiv nur mit zwei Knoten auf das Ziel zubewegt. Wenn die Tideströmung von den fünf gesegelten Knoten wieder zwei wegnimmt. Oder wenn alles das zusammen kommt, wenn man auf der Stelle segelt. Irgendwann kommt man trotzdem an.

Warum tun wir uns das an?

Weil es toll ist. Die Weite der See zu sehen, die Leere zu spüren. Die Belohnung ist dann zum Beispiel der tolle Anblick, wenn sich das Licht der Nachmittagssonne im Wasser spiegelt und rundherum nur der Horizont ist. Wenn ein Dutzend Delphine mit dem Schiff spielen. Dann leben wir den Augenblick. Dann stellt sich eine grenzenlose Entspannung und innere Ruhe ein.