Miles and More (Teil 3)

Seit Tagen schiebe ich es vor mir her, heute schreibe ich die Zeilen herunter. Unseren letzten Statistik-Beitrag habe ich auf Lanzarote verfasst. Seit dem haben wir viele Segeltage und viele Meilen im Kielwasser. Wir haben beispielsweise die zurückgelegte Strecke mehr als verdoppelt.

Unsere Reise dauert nun schon 242 Tage. Von den neu hinzu gekommenen 64 Tagen waren wir 31 Tage auf See, also einen ganzen Monat. In dieser Zeit sind wir von Lanzarote über Teneriffa, Mindelo und Barbados nach St. Lucia gesegelt und haben nun 6324 Meilen im Kielwasser. Also in 31 Segeltagen 3265 Meilen bzw. 105 Meilen pro gesegeltem Tag.

Der Motorstundenzähler steht nun bei 301 Motorstunden. Von den 70 hinzu gekommenen Motorstunden sind 20 alleine für die Stromproduktion genutzt worden, und 50 für den Antrieb. Das liegt daran, dass Wind und Sonne unstete Gesellen sind und es gerade in der Ankerbucht bei bewölktem Himmel schwer ist, genug Strom aus regenerativen Energiequellen zu erzeugen. Das geht allen so, wir haben bei jedem Boot in der Ankerbucht die Maschine laufen sehen.

Auf der Fahrt von Lanzarote bis Barbados haben wir 1500 Liter Wasser erzeugt, das sind im Schnitt 30 Liter Wasser pro Tag bzw. 10 Liter Wasser pro Tag pro Person. Das Wasser ist zum Trinken, Abwaschen, Duschen und Putzen benutzt worden, so wie das Wasser zu Hause aus der Wasserleitung. Seit wir in der Karibik sind haben wir 560 Liter Wasser gemacht, das sind 60 Liter am Tag bzw. 15 Liter pro Person und pro Tag. In der Hitze haben wir wesentlich öfter geduscht.

Sicherlich könnte man mit weniger Wasser auskommen. Man muss aber nicht. Wozu haben wir den Watermaker eingebaut? Genau, für den Komfort! Jetzt in der Marina auf St. Lucia wird der Verbrauch wieder sinken, wir gehen schließlich an Land duschen.

Der größte Defekt auf unserer Überfahrt ist beim Parasailor, der uns auf fünf Metern eingerissen ist. Morgen hat der Segelmacher wieder geöffnet, dann können wir ihn endlich zur Reparatur bringen. Außerdem ist ein Teil der Windfahnensteuerung kaputt gegangen, für das uns Peter Foerthmann einen kostenlosen Ersatz nach Martinique schicken wird. Toller Service!!!

Bislang haben wir einen Fisch gefangen. Da ist noch Luft nach oben.

Dschungelwanderung auf Barbados

Es ist Freitag der 24. Januar. Wir – Burti, Jörg Bauer, Jörg und ich haben uns heute vorgenommen, eine Busfahrt in Richtung Norden zu unternehmen. Dort soll es noch einen Teil des alten Urwaldes geben. Der passende Bus ist die Linie in Richtung St. Andrews Church. Der soll einmal pro Stunde fahren, nur wann genau wissen wir nicht. Also setzen wir uns an den Busbahnhof und warten.

Hier haben wir viel Zeit verbracht.

Und wir warten, warten und warten. Irgendwann spricht uns einer der Busfahrer an und fragt, wo wir hin möchten. Wir erklären ihm, dass wir in den Turner Hall Wood möchten, um den Urwald zu sehen. Er schüttelt ungläubig den Kopf: “Da ist doch nichts. Das ist langweilig. Wieso wieso wollt ihr denn da hin? Fahrt doch lieber zur alten Windmühle oder einer anderen Sehenswürdigkeit.” Die Frage, wann denn unser Bus eigentlich kommt, kann er dann aber auch nicht beantworten. Wir vertreiben uns die Wartezeit mit den Ständen rund um den Busbahnhof. Hier gibt es kalte Getränke, gegrillte Hähnchen und WLAN.

Ein weißer Reiher posiert vor meiner Wartebank.

Nach etwa zwei Stunden kommt unser Bus. Wir fahren los und landen im dicksten Freitagnachmittags-Feierabendstau. Außerdem ist gerade Schulschluss und überall stehen Kinder in Schuluniformen, die in den Bus wollen. Der Bus ist voll und es ist heiß. Die Kühlung der offenen Fenster funktioniert im Stau nicht. Langsam macht sich Unmut und Gejammer unter meinen Mitfahrern breit. “Mein Wasser ist alle.”, “Ich will ein kaltes Bier.”, “Ich will eine kalte Cola.”, “Mir ist so heiß!”, “Wie lange noch?”, “Ich hab keine Lust mehr.”, “Sind wir bald da?”… Und so fahren wir durch den Dschungel durch bis an den nächsten Ort an der Küste. Dort bekommen wir etwas Kaltes zu trinken und warten zwei Stunden auf den Bus, der uns zurück fährt. Das hat sich voll gelohnt.

Burti, Jörg B. und Jörg klagen ihr Leid im Bus.

Es ist Samstag der 25. Januar. Mein Geburtstag. (Ok, jetzt wo ich diesen Beitrag schreibe, ist es schon viel später und wir sind mittlerweile auf St. Lucia. Ich möchte mich an dieser Stelle trotzdem nochmal für die zahlreichen Glückwünsche bedanken. Ich habe mich sehr gefreut.) Mein Wunsch für diesen Tag ist es, nochmals in den Dschungel zu fahren, früher auszusteigen und ein paar Kilometer zu wandern. Und zwar alleine. Ich will kein Gejammer hören und außerdem fällt mir die Decke von Sissi nach den Wochen auf See auf den Kopf.

Ich mache mich also wieder auf den Weg zum Busbahnhof. Der Bus kommt nach einer knappen Viertelstunde, der Verkehr in der Stadt ist moderat und nach etwa 30 Minuten steige ich in Porey Spring aus.

Porey Spring

Dem Anschein nach ist hier eine kleine Rasta Community zu Hause. An Palmen, Wänden und auf Schildern wird verkündet, dass Jah Liebe bringt und die Rastas den Krieg ohne Waffen gewinnen werden.

Rasta Palme

Ein Brunnen wird gemeinschaftlich zum Wäsche waschen und zur Körperpflege genutzt.

Rasta Brunnen

Mein Weg führt mich weiter an der Straße entlang. Kleine Kuhweiden und dichter Dschungel wechseln sich ab. Ich laufe durch kleine Dörfer mit Häusern umsäumt von Palmen und alten Bäumen.

Haus im Urwald

So richtig viel ist vom Urwald nicht mehr übrig. Aber es finden sich immer wieder kleine Oasen mit dichtem Wald.

Grüne Vorgärten

Nach etwa zwei Stunden Fußmarsch finde ich eine kleine Bar und kehre ein. Mein Magen knurrt. Auf dem Speiseplan steht Reis mit Hähnchen und Krautsalat. Die Portion ist riesig und das Hähnchen sehr lecker gewürzt. In einer Ecke der Bar steht ein kleines DJ Pult und laute Reggae Musik dröhnt aus dem Lautsprecher. Der DJ sieht aus, als könnte er der kleine Bruder von Snoop Dogg sein. Wie aus dem Gesicht geschnitten. Immer wieder wird er von der Barfrau ermahnt, die Musik leiser zu drehen. Sobald sie kurz nach hinten verschwindet, dreht Snoop Dogg die Lautstärke wieder hoch. Dazu tanzt er mit seinen Kumpels quer durch die Bar. Ob das an dem Rum liegt?

Nach dem Essen mache ich mich wieder auf den Weg. Ich finde einen gelben Bus auf einem Grundstück geparkt. Da wohnt wohl einer der Busfahrer.

Busparkplatz

An der nächsten Ecke biege ich von der Hauptstraße ab und gehe einen Pfad steil nach unten. Hier wollte ich gestern schon hin. In den Turner Hall Wood. So richtiges Dschungelfeeling kommt leider nicht auf, denn ich darf nur am Rand entlang laufen. Der eigentliche Urwald steht unter Naturschutz und ist für Wanderer gesperrt. Ich habe trotzdem meinen Spaß. Fotografiere Blumen und Gestrüpp. Kurz bevor mich der Pfad wieder auf die Straße führt, sehe ich ein paar Affen auf dem Weg sitzen. Die sollen ja eigentlich total frech und neugierig sein. Diese nicht. Als ich die Kamera aus dem Rucksack wurschtele, bemerken sie mich und verschwinden im Unterholz. Schade, aber ich habe zum ersten Mal Affen in freier Natur gesehen. Das war eine schönes Geburtstagsgeschenk.

Gelbe Blümchen
Dschungel von außen
Dschungel von innen

Verfolgungswahn und Weihnachtsessen

Wir werden verfolgt. Das wissen wir ja schon. Wir verfolgen auch andere Boote. Virtuell, im Internet – falls wir Internet haben. Zwei unserer Verfolger sind Lena und Martin von der SY Fairytale. Es hat Martin nicht gefallen, dass wir nur über Marinetraffic tracken und derwegen unsichtbar sind, wenn wir weit draußen auf dem Meer fahren. Deswegen hat er uns ein Tracking gebaut, das wir auch über unser Satellitentelefon nutzen können. Das ist natürlich schon auf der Stalking-Seite integriert, ich möchte an dieser Stelle deswegen nur auf das Update hinweisen.

Ab sofort, also wenn wir hier in Mindelo abfahren, könnt ihr alle das neue Tracking betrachten und Sissi auf ihrem Weg über den Atlantik begleiten.

Unsere Reparaturen schreiten voran. Der Parasailor ist von Salzwasser befreit und wieder verpackt. Er hat einen kleinen Riss bekommen bei der Aktion, diesen haben wir mit Segelklebeband geflickt. Auch ein neues Spifall konnten wir kaufen, hier auf den Kapverden lassen sie sich die Seile mit Gold aufwiegen. Es ist aber der einzige Händler weit und breit, deswegen können wir das Seil dort kaufen oder es lassen. Wir kaufen lieber.

Das Wetter sieht so aus, als könnten wir an Silvester starten, möglicherweise schon einen Tag früher. Das sehen wir in den nächsten Tagen, wenn sich die Vorhersage stabilisiert. Noch ist es zu früh, eine Aussage zu treffen.

Rummelplatz mit Hüpfburg

Gestern, am 25.12., war hier auf den Kapverden ein Feiertag. Und wenn hier ein Feiertag ist, dann wird auch gefeiert. Alle Geschäfte hatten zu, das kennen wir so aus Spanien und Portugal gar nicht mehr. Auch die meisten Restaurants waren geschlossen. Ich machte mich trotzdem auf den Weg, um für uns und die Crew der SY Salty, die wir schon mehrfach getroffen haben, einen Tisch zu reservieren. Auf der Suche nach einem Restaurant ist mir laute Musik aufgefallen, die sogar bis in die Marina schallte. Die Quelle der Musik war schnell gefunden. Für die Kinder hatte man einen Rummelplatz aufgebaut. Dazu gehörte neben der Hüpfburg noch ein Autoscooter. Die Schlange am Einlass war lang.

Autoscooter – CO2-frei

Alle Kinder hatten einen Riesenspaß! Es muss nicht immer knattern und stinken, manchmal reichen auch flotte Musik und Muskelkraft.

Am Abend sind wir dann in das einzige geöffnete Restaurant gegangen, das ich gefunden habe. Wir wurden sofort an unseren Tisch gebracht und bekamen die Speisekarte ausgehändigt. Dann passierte erst einmal eine Stunde gar nichts. Nach einer Stunde kam der Kellner und hat die Bestellungen aufgenommen. Dann passierte wieder eine Stunde gar nichts. Dann kam unser Essen. Eine halbe Stunde später kamen die bestellten Getränke. Wir konnten endlich auf Weihnachten und die Überfahrt anstoßen. Eine Stunde nach Ende der Mahlzeit kam dann der Kellner wieder und räumte den Tisch ab, wir haben dann zur Rechnung noch ein zweites Getränk bestellt. Das kam dann auch schnell – gemeinsam mit der Rechnung nach nur einer halben Stunde. Zum Glück hatten wir genug Bargeld dabei, sonst hätten wir noch eine oder zwei Stunden auf den Kerl mit dem Kreditkartenlesegerät warten müssen. Es war trotzdem ein schöner Abend. Warnung: Wenn du ins Restaurant Nautilus gehen möchtest, solltest du nicht zu hungrig sein und musst viel Zeit mitbringen. Das Essen hat allerdings sehr gut geschmeckt.

Weihnachtsessen der SY Salty und SY Sissi

Atlantik Tag 8 – Hauptantrieb defekt, Lasagne auf dem Teller

Jens holt einen Schraubendreher aus dem Werkzeugkasten und beginnt, den “Defekt des Tages” zu reparieren. Vom Deckel der Bratpfanne hat sich die Schraube abvibriert, die den Griff mit dem Deckel verbindet. Eine Kleinigkeit, aber doch lebensnotwendig für Jens. Schließlich möchte unser Pastafari, dass das letzte schöne Stück Rindfleisch durch den Wolf läuft und in einer Lasagne endet. Meinen Vorschlag, auch diese Schraube mit Schraubenkleber zu sichern, hat er abgetan. Nicht dass davon noch was in die Pastasauce tropft. Bis es so weit ist, haben wir noch einiges zu tun. Wir machen 100 Liter Wasser, fahren den Staubsauger durch den Salon und wienern das Cockpit. Es soll schließlich alles schön sein für den morgigen Landfall.

Die Nähe des Landes zeigt sich auch dadurch, dass das Funkgerät sporadisch wieder anfängt, unverständliches Knarzen von sich zu geben. Noch sind wir theoretisch außer Reichweite, aber das AIS zeigt, dass es auch heute wieder zu Überreichweiten kommt. Wir sehen Schiffe, die über 100 Meilen von uns entfernt sind. Ein paar Delphine schwimmen kurzzeitig neben Sissi, verbergen sich aber gekonnt vor den Kameraobjektiven. Lediglich Jakob hat das Glück, ein paar Sekunden Video eines getauchten Dephins aufnehmen zu können. Fliegende Fische sind zum Glück keine mehr auf unserem Deck gelandet.

Leider hält sich der Wind einigermaßen an die Vorhersage. In den Nachmittagsstunden wird er schwächer und schwächer. Die Genua beginnt wieder zu schlagen, wenn Sissi in den Wellen torkelt. Wir fahren nur noch mit zwei bis drei Knoten. Da wir es sowieso nicht mehr am Nachmittag bis Mindelo schaffen können, ist uns das aber ziemlich egal. Nach dem Pastagenuss rollen wir die Genua ein, starten den Motor und fahren mit Krach und Gestank die letzten 60 Meilen. An Segeln ist inzwischen nicht mehr zu denken, der Windmesser zeigt nur noch drei bis vier Knoten Wind. Nach dem Motorstart bildet sich eine Diesel-Abgaswolke über dem Cockpit. Der letzte Windrest pustet unsere eigenen Abgase mit Bootsgeschwindigkeit vor sich her. Segeln ist so viel schöner.

Unsere Wacheinteilung bleibt, ich habe die erste Wache. Der Sternenhimmel ist immer noch so traumhaft schön. Nach den letzten ruhigen Nächten mit vielen Sternen macht es mir aber heute gar keinen richtigen Spaß mehr, im Cockpit den Kopf in den Nacken zu legen. Das Grollen aus dem Untergrund ist zu penetrant, zu nervig. Dennoch ist es schön zu wissen, dass wir am heiligen Vormittag unsere Füße wieder an Land setzen können. Ein fliegender Fisch landet neben mir im Cockpit. Ich hole ein Kehrblech und befördere das zappelnde Viech wieder ins Wasser. Dann wecke ich Jakob und lege mich ins Bett.

Als ich am Morgen aufwache, sind wir nur noch wenige Meilen weg von Mindelo. Der Morgen graut und langsam können Jens und ich die Schemen der Berge erkennen.

Kurz vor Mindelo, kurz vor dem Sonnenaufgang

Es ist bald geschafft. In einer Stunde spätestens werden wir am Steg liegen. Im Hafen herrscht schon mächtiger Verkehr, eine Fähre und viele Fischerboote fahren umher, wir müssen uns mit Sissi irgendwie da durchmogeln.

Die Sonne geht gleich auf über Mindelo

Nach einem übermüdeten Anlegemanöver liegt Sissi nun wieder fest am Steg vertäut. Ich spaziere mit Björn von der SY Salty zur Immigration, wir holen uns Stempel in den Pässen ab und zahlen pro Schiff eine Gebühr von 25€. Lokales Geld konnte ich leider noch nicht ziehen, der eine Geldautomat war defekt und der andere akzeptiert nur Visa und keine MasterCard.

Weihnachtsmann vor dem Büro der Immigration

Am achten Reisetag zurückgelegte Strecke: 89 nm
Wir haben um 8:30 Uhr in der Marina Mindelo festgemacht.
Position um 12 Uhr: Marina Mindelo
Noch 1999 Seemeilen bis nach Barbados. Die gesamte zurückgelegte Strecke sind 916 Meilen.

Schöne Weihnachten!!!

Weihnachtsbaum auf der Sissi

Miles and more (Teil 2)

Am heutigen Tag öffne ich mal wieder unser Logbuch für euch LeserInnen unseres Blogs. Seit dem letzten Statistik-Beitrag sind nur eineinhalb Monate vergangen. Für uns fühlt es sich an, als wäre es eine lange Zeit. Wir haben seit Sines viel erlebt und so manche Meile auf dem Wasser zurückgelegt.

Logbuch

Inzwischen sind wir 178 Tage unterwegs und haben 718,7 Seemeilen mehr Kielwasser hinterlassen, also insgesamt 3058,7 Meilen (bzw. 5659 Kilometer). An den neu hinzugekommenen 60 Reisetagen waren wir an 12 Tagen wirklich unterwegs, den Rest der Zeit lagen wir mal wieder im Hafen oder – neu – für einige Tage vor Anker. Macht diesmal 20% der Tage, an denen wir auf See waren.

Unser Motorstundenzähler ist inzwischen bei 231 Motorstunden, also sind 21 Motorstunden mehr auf der Uhr. Wir haben von Sines bis Lanzarote ca. 65 Liter Diesel verbrannt – das ist ein sensationeller Dieselverbrauch von knapp 0,1 Liter Diesel pro zurückgelegter Seemeile bzw. von 4,8 Litern auf 100 km (damit sich die Autofahrer etwas darunter vorstellen können). Nur wiegt Sissi so viel, wie ein kleiner LKW, sie hat 12 Tonnen Gewicht. Wir sind allerdings der Meinung, dass das noch besser geht. Wir wollen den Anteil der Segelstunden noch weiter steigern.

Unsere Frischwasserproduktion läuft hervorragend. Wir haben seit dem 16. Oktober weitere 885 Liter Wasser produziert und verbraucht, damit sind wir bei einem Wasserverbrauch von 15 Litern pro Tag gelandet. Einen Teil davon trinken wir, der Rest geht für das Spülen von Geschirr, Händewaschen und das Reinigen von Sissi drauf. Wenn wir weiterhin so wirtschaften, können wir guten Gewissens über den Atlantik aufbrechen und werden auch kein Problem haben, genug Strom zu ernten, um hin und wieder eine Dusche auf dem großen Teich zu nehmen.

An den Duschen in Sines, Portimao, Lagos, Puerto Calero und Rubicon ist nichts auszusetzen. Sie waren sauber und haben prima funktioniert.

Größere Defekte hatten wir keine mehr, lediglich kleinere Problemchen. Uns ist mitten in der Nacht einer der Blöcke der Windfahnensteuerung abgerissen und hat sich in den Atlantik verabschiedet. Dabei folgte er einigen wichtigen Schrauben, die schon vorher verschwunden waren. Zum Glück gibt es Schraubenkleber, damit sind die neuen Schrauben jetzt gesichert.

Klimakiller Sissi-Crew

Unsere einigermaßen schöne CO2-Bilanz haben wir uns mit ca. 6000 Kilometern Flugreise nach Frankfurt und zurück leider vollkommen versaut.

Wir versprechen, dass es nicht wieder vorkommen wird. Dazu hat uns das Fliegen außerdem viel zu wenig Spaß gemacht.

Es gab keine weiteren außergewöhnlichen Vorkommnisse, die wir im Logbuch notiert haben. Wir hoffen, dass das auch weiterhin so bleibt. Mögen alle Segelcrews sicher unterwegs sein.


Der Anlass für den heutigen Beitrag ist mir wichtig. Jetzt sind wir in der perfekten Position, um den Atlantik zu überqueren. Schon bei der derzeitigen Wetterlage wäre es unproblematisch, sofort zu starten. In den kommenden zwei Wochen scheint das Wetter sehr stabil und der Passat stetig zu sein. Die Teilnehmer der ARC werden jedenfalls ihre Freude an diesem Wind haben. Bis Mitte Dezember werden wir jedoch noch auf den Kanaren bleiben, ein Zwischenstopp in Teneriffa ist noch geplant.

Dann sind es aber nur noch ca. 2700 Meilen bis in die Karibik. Oder drei Wochen Fahrt. Nach einem halben Jahr Übung, Training, Reparaturen und Sightseeing fühlt sich das gigantisch an. Was vor ein paar Wochen noch in weiter Ferne schien, liegt jetzt greifbar vor uns. Wir freuen uns. Wir sind gespannt.

Goldene Hochzeit

Heute ist der 50. Hochzeitstag unserer Eltern. Wir Heuchler sind deswegen von Lanzarote nach Frankfurt geflogen. Damit wir nicht wie zwei zerzauste Segler dort ankommen, waren wir schon vor ein paar Tagen beim Friseur.

Jens sitzt auf dem Stuhl

Warum Heuchler? Weil wir einerseits mit dem Segelboot so abgasarm wie möglich um die Welt fahren wollen, keinen Dreck produzieren möchten wie die Kreuzfahrer und die Flugtouristen und andererseits dann von Lanzarote für eine Woche nach Frankfurt und zurück fliegen.

Heutzutage ist der Begriff “Flugscham” bekannt, Greta segelt gerade wieder zurück über den Atlantik unter Wetterbedingungen, bei denen wir Sissi lieber im Hafen anbinden.

Ich habe über Jahre gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens protestiert und mich geweigert, eines dieser Fluggeräte zu betreten und wenn, wollte ich einen anderen Flughafen benutzen. Einen, bei dem die Anwohner nicht so viel unter dem Lärm leiden oder den Lärm gar möchten, weil sie die Arbeitsplätze der Ruhe vorziehen.

Bescheuertes Selfie mit Friseurladen im Hintergrund

Frankfurt Hahn wäre eine Alternative gewesen, der Flughafen ist auch aus Lanzarote direkt zu erreichen. Wir fliegen aber direkt nach Frankfurt am Main, weil es für uns am bequemsten ist. Wenn schon schmutzig, dann richtig schmutzig.

Schlecht fühle ich mich nicht dabei. Ich schreibe diese Zeilen nieder und weiß, dass ich zur Veröffentlichung dieses Beitrags schon ein paar Tage in Frankfurt gewesen sein werde. Darauf freue ich mich.

Heute bin ich sehr darauf gespannt, wie unsere Eltern aus der Wäsche gucken, wenn wir am Dienstagabend vor der Tür stehen und klingeln. Nur ganz wenige Menschen wissen, dass wir uns auf den Weg machen, keiner aus unserer Verwandtschaft gehört dazu. Die Überraschung muss perfekt sein. Rasieren muss ich mich auch noch, dann sieht das optisch schon einmal gut aus.

Jens packt seine warmen Klamotten ein….

Wir haben die Wettervorhersage aus Frankfurt gehört, das Internet hier in der Marina ist sehr gut. Der Radiostream vom Hessischen Rundfunk ist stabil und verrät, dass wir mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt rechnen können. Auf jeden Fall einstellig. Das kennen wir seit Monaten nur aus dem Inneren unseres Kühlschranks. Also suchen wir verzweifelt nach unseren warmen Klamotten. Nur – wo sind die eigentlich? Die meisten haben wir in Frankfurt gelassen. Warum sollten wir die mitnehmen auf einen Segeltörn über die Barfußroute.

…auch ich sammle ein, was irgendwie Wärme in der Kälte Deutschlands verspricht.

Dazu kommt, dass wir am Samstag ins Waldstadion wollen, also müssen die Klamotten auch noch einigermaßen in das Ambiente passen. Und warm müssen sie sein.

Soll ich die dicken Wollsocken einpacken? Ich habe mich immer über die Schotten gewundert, die bei mehr als 16°C plötzlich in T-Shirt und kurzen Hosen herumlaufen. Und ich habe mich über die Portugiesen gewundert, die bei 20°C plötzlich die Winterjacke und den Schal auspacken. Wie wird es uns ergehen? Abgehärtet wie die Schotten sind wir nicht (mehr). Werden wir zittern und frieren? Ich befürchte es.

Flughafen Lanzarote

Und so warten wir nun auf den Abflug. In knapp fünf Stunden werden wir wieder dort sein, wo wir vor fünf Monaten losgefahren sind.

Der Flug ist so angenehm, wie Flüge es sein können. Keine Turbulenzen, überpünktlich und das Personal war total freundlich.

Trotzdem macht es keinen Spaß. Es ist warm, stickig und die Luft ist extrem trocken. Es ist laut und eng. Lieber fünf Tage auf See als fünf Stunden in der Luft.

Flug

Die Frankfurter S-Bahn begrüßt und mit der üblichen Verspätung. Es ist schön, wieder daheim zu sein.

Technische Neuerung im Blog – wieder abgeschafft

So mancher Stammleser hat mich gefragt, wo denn der Abonnieren-Knopf ist. Ich musste immer Antworten, dass wir einen solchen Knopf nicht haben. Wer hier jeden Tag reinschaut, braucht diesen Knopf nicht.

Gestern habe ich mich auf die Suche gemacht und ein Plugin gefunden, das einen solchen Knopf zur Verfügung stellt. Wenn Du über neue Beiträge benachrichtigt werden möchtest, kannst Du den neuen Knopf “Benachrichtigungen aktivieren” nutzen. Dann erhältst Du eine Email, wenn sich hier etwas tut.

Ich garantiere, dass wir über diese Funktion keinen Spam verschicken werden. Ich garantiere auch, dass wir die Email-Adressen speichern. Und ich garantiere, dass wir die Adressen nicht an Dritte weitergeben.

UPDATE: Ich musste das Plugin wieder deinstallieren, weil es leider nicht wunschgemäß funktioniert hat. Ich kümmere mich aber um eine andere Möglichkeit.

Die beste Pizza seit Guernsey. In der Marina-Pizzeria auf Lanzarote.