Yesss!

Neulich habe ich während eines Spaziergangs im Vorgarten eines Hauses ein Dutzend Katzen gesehen. Vielleicht waren es auch noch mehr. Als ob diese Katzen alle in einem verlassenen Haus wohnen würden. Nur der Pflegezustand der Pflanzen im Vorgarten sieht aus, als wäre das Haus noch bewohnt. Die Katzen haben auch Futter und Wasser.

Ganz viele süße Katzen!

Heute habe ich mir die GoPro und eine Dose mit Katzenfutter geschnappt, die seit Portugal auf Sissi mitfährt. Ich will ein paar süße Katzen beim Fressen aufnehmen. Leider ist die Katzenbesitzerin im Vorgarten. Ich traue mich nicht, den Katzen das Trockenfutter zuzuwerfen. Ich warte lieber, bis ich die Katzen in der Abenddämmerung auf der Straße erwischen kann.

Divi Divi

Auf dem Weg zurück in die Stadt komme ich an einem der schönsten Bäume in Oranjestad vorbei. Ein Divi Divi Baum, sozusagen die Wappen-Bäume von Aruba. Am Strand gibt es sie in ganz verrückten Formen, sie werden vom Wind zurecht geblasen.

In der Fußgängerzone lasse ich meinen Blick rundherum schweifen. Es sind immer mehr Menschen auf der Straße. Das Leben kehrt in die Innenstadt zurück. Manche Läden sind noch geschlossen, die meisten Geschäfte haben aber inzwischen wieder geöffnet.

Endlich wieder!

Auch die Dreckecken werden aufgeräumt und geputzt. Aruba macht sich wieder fein. Die Restaurants sind noch geschlossen. Ich kann an fast jeder Ecke sehen, dass sie einen Öffnung in Kürze vorbereiten.

Oranjestad wird geputzt.

Was mich wirklich überzeugt hat, dass hier der Krisenmodus in Kürze beerdigt wird, ist die Straßenbahn. Ich wollte meinen Augen kaum trauen, als ich ein rotes Fahrzeug auf dem Gleis fahren sah. Yesss! Sie fährt wieder.

Sie fährt wieder!

Jede zweite Sitzreihe ist gesperrt und auf den Sitzen gibt es jeweils außen Klebemarkierungen. Auf diese Markierungen kann man sich setzen. Vor dem Einsteigen gibt es Händedesinfektion.

Sie fährt wirklich. Das ist ein aktuelles Bild.

Ich setze mich auf eine Bank im Schatten und warte darauf, dass die Straßenbahn wieder in die andere Richtung fährt. Dabei gelingt mir ein schönes Bild von zwei Frauen, die sich zu einem ausgiebigen Schwatz auf einer Bank getroffen haben. Offiziell gelten hier weiterhin die Abstandsregeln, der tolerierte Abstand liegt hier bei 2 Metern.

Tratschen

Nicht nur die Erwachsenen, auch die Jugendlichen haben ihren Spaß. Die letzten Wochen war es hier sehr langweilig. Die Schulen sind immer noch geschlossen.

Jugendliche Radfahrer

Eigentlich ist heute jeder auf der Straße. Es ist lange nicht so voll wie mit den üblichen Touristenscharen, Es erinnert mich an einen Tag ohne Kreuzfahrtschiffe, wenn sich lediglich die Einheimischen in der Fußgängerzone tummeln.

Shoppen geht in jedem Alter

Zuletzt treffe ich noch Jutta und Ute auf der Straße. Sie bummeln auch von Geschäft zu Geschäft und schauen mal hier und mal dort. Sie haben außer dem Supermarkt seit Ende Februar keine geöffneten Geschäfte gesehen.

Yesss! Shopping geht wieder.

Ich überrede die beiden, gemeinsam eine Runde mit der Straßenbahn zu fahren. Sie sind überrascht, dass die Mitfahrt kostenlos ist.

Ute vor der Tram

Kaum sitzen wir in der abfahrbereiten Tram, macht mit Jutta auf das Bierfachgeschäft aufmerksam. Es ist mir schon vor Wochen aufgefallen, aber es hatte ja die ganze Zeit geschlossen. Als ob die Bierversorgung nicht zur Grundversorgung gehören würde. Gespenstig.

Beer World empfängt wieder Kunden.

Jutta hat sichtlich Gefallen an der kleinen Runde mit der Straßenbahn.

Jutta fährt Straßenbahn

Fahrer, Schaffner, Chefdesinfektor und noch eine Angestellte der Straßenbahnbetriebe tummeln sich im Fahrzeug. Heute ist der erste Betriebstag. Die Personale lachen und scherzen mit Passanten, Ladenbesitzern und mit und über uns. Touristen! Sie sind wieder da.

Kein Mindestabstand! Die Schaffnerin wird böse.

Wir fahren an einer Gruppe Männer vorbei, die ohne Sicherheitsabstand nebeneinander stehen. Die Schaffnerin ruft ihnen rüber, dass sie zwei Meter Abstand einhalten müssen. Dann lachen alle gemeinsam. Es kommt mir vor, als ob ein wichtiger Baustein Normalität in die Stadt zurückgekehrt ist.

Schuhe shoppen.

Wir werden an der Endhaltestelle rausgeworfen, es war die letzte Fahrt des Tages. Da hatten wir ja ein Riesenglück. Gemeinsam spazieren wir zurück in die Fußgängerzone. Gemeinsam bis zum ersten geöffneten Schuhladen. Dann muss ich Ute und Jutta leider verlassen. Eigentlich wollte ich Katzen fotografieren und filmen gehen. Statt dessen habe ich Menschen fotografiert. Es war ein schöner Nachmittag.

Auch die Scientologen haben sie heute vor die Tür gelassen. In Ganzkörperoveralls haben sie die Fußgängerzone unsicher gemacht. Müssen sie die Overalls jetzt zu Werbezwecken tragen oder damit man sie auf der Insel immer wiederfinden kann, falls sie davonlaufen.

Mit den Klamotten würde ich bei 32°C im Schatten nicht herumlaufen wollen. Ein Scientologe mit Freewinds-Aufdruck.

Hinsichtlich Corona hat sich heute auch etwas getan. Auf Aruba sind noch neun Personen erkrankt. Ein 70-jähriger Mann ist gestern an Covid-19 gestorben, damit sind es jetzt drei Tote. Die Gesamtzahl der Infektionen bleibt bei 101.

In einem anderen Land zu einer anderen Zeit

Es ist nicht leicht, diese Tage so zu verbringen, dass man nicht blöd im Kopf wird. Der tägliche Gang zum Supermarkt wird zu einem der Höhepunkte des Tages. Obwohl die Marinadusche, die Personaldusche des angrenzenden Hotels, eine ganz miese Aufenthaltsqualität hat, ist der Besuch dort ein weiterer Höhepunkt. Gestern habe ich fünf Stunden am Herd verbracht und ein Abendessen für die Chapo und uns gezaubert. In der ganzen Zeit habe ich Jens mit Küchengerüchen gequält. Das Ereignis war ein auf knackigen Karotten zartrosa gebackener Rinderbraten mit einem Riesenberg knuspriger, mit ein wenig Parmesan verfeinerter Kartoffelpuffer. Zugegebenermaßen wurde der Braten mehr rosa als zart, aber es hat allen geschmeckt. In den letzten Tagen bekochen wir uns gegenseitig.

Positiv an der Situation ist, dass wir zu Dingen kommen, die wir seit Monaten haben liegen lassen. In Lissabon haben wir viele Videos gemacht, geschnitten und veröffentlicht haben wir bisher nichts. Während ich am Herd stand, hat Jens sich mit dem Videoschnitt beschäftigt. Und nun haben wir ein kleines Video von Lissabon mit – ähm – geringem Straßenbahnanteil. Die Straßenbahn dort ist meiner Meinung nach ein rollendes Denkmal.

Auf der anderen Seite des Atlantik, ein halbes Dutzend mit Touristen voll beladener Kreuzfahrtschiffe vor der Stadt, geöffnete Bars und Restaurants, Menschenmassen walzen sich durch die Innenstadt, klumpen sich vor dem Aufzug in die Oberstadt oder quellen aus voll besetzten Straßenbahnen. Ich habe mir das Video zwei oder dreimal angesehen. Nicht wegen der tollen Aufnahmen mit der wackeligen Handkamera. Nicht wegen der phantastischen Filmmusik (Gema-frei). Nicht, weil ich sonst nichts zu tun habe. Ich habe mich am Leben auf den Straßen erfreut.

Ist die Szene bei 3 Min 46 Sekunden als Ausblick in die Zukunft zu verstehen? Wie sieht das Leben in der Öffentlichkeit in einem halben Jahr oder einem Jahr aus?

Straßenbahn fahren auf Aruba

Darauf habe ich mich sehr gefreut. Wir sind auf Aruba und dort gibt es eine Straßenbahn. Ich hatte schon lange keine Schienen mehr unter dem Arsch, das letzte Mal war das auf Teneriffa, auf der anderen Seite des Atlantik und im vergangenen Jahr. Das bringt mir durchaus Entzugserscheinungen. Deswegen bin ich froh, dass wir bei der karibischsten aller Straßenbahnen angekommen sind.

Ein paar technische Daten zur Straßenbahn gibt es auf Wikipedia. Die schreibe ich jetzt nicht ab, bei Interesse klickst Du einfach auf den Link.

Blaue Straßenbahn kommt vom Kreuzfahrerterminal

Wir haben tatsächlich das Glück, an einem Tag drei verschiedene Fahrzeuge zu sehen. Das ist ein ganz guter Wert, denn es gibt insgesamt nur vier Wagen, die die knapp zwei Kilometer lange Strecke befahren.

Rote Bahn an einer der vielen Einkaufsmalls

Eigentlich ist die Bahn in Oranjestad keine Straßenbahn, sondern mehr ein Karussell. Sie hat keinerlei Bedeutung für den ÖPNV, sondern dient nur dazu, die Kreuzfahrttouristen vom Kreuzfahrerterminal in die Einkaufsstraße zu bringen und vice versa.

Orange Tram auf Personalfahrt

Die Fahrt im Karussell kostet nichts. Man kann einfach einsteigen und mitfahren. Das finde ich klasse. Der Spaß wird vermutlich von den Geschäftsleuten in der Innenstadt finanziert, denen die Kreuzfahrer vor die Tür gefahren werden.

Jens fotografiert die blaue Tram

Die schöne Form der Fahrzeuge hat sogar Jens motiviert, mal wieder sein Kameraobjektiv auf ein Schienenfahrzeug zu halten. Ich quäle ihn jeden Abend mit einer Folge Eisenbahnromantik aus der ARD Mediathek. So langsam zeigt das Früchte.

Rote Tram unter Palmen

Das rote Fahrzeug ist jedenfalls viel schöner anzusehen als das blaue. So wie fast immer. Die leuchtenden Farben gehen auch, wenn die Sonne sich hinter Wolken versteckt. Schade, dass der orange Wagen nicht regelmäßig fährt.

“Notfoto” des orangen Wagens. Er kam viel schneller zurück, als ich es erwartet habe.

An der Ausweiche haben wir uns länger aufgehalten und fotografiert. Es ist nicht nur das Bild von Jens beim Fotografieren entstanden, sondern auch ein Bild des roten Fahrzeugs.

Rote Tram in der Ausweiche

An der Endhaltestelle haben die Züge immer ein paar Minuten Pause. Die Straßenbahnfahrerin ist dort in ein Cafe gegangen. Wie immer muss man dem Personal nachlaufen, dann findet man auch gutes und günstiges Essen. Wir konnten leckere Schinken-Käse-Sandwiches jagen, die einem nicht alle Dollars aus dem Portemonnaie gezogen haben.

Endstation

Nach diesem Foto von der blauen Tram an der Endhaltestelle wolle ich noch ein Bild des roten Zugs machen. Der Fahrer hat mir aber das Handy aus der Hand gerissen, Jens und mich an seinen Arbeitsplatz geschickt und uns erst einmal fotografiert.

Das sind wir.

Anschließend hat er sich zu seiner wohlverdienten Pause in den Schatten begeben. Das wäre ein Job nach meinem Geschmack. Eine Viertelstunde arbeiten, dann eine Viertelstunde Pause. Die machen sich nicht kaputt.

Wohlverdiente Pause an der Endhaltestelle

Wenn wir von der Marina zum Kreuzfahrerterminal laufen, können wir die Straßenbahn nehmen und in die Nähe einer Metzgerei fahren. Dann bekommt die Straßenbahn einen verkehrlichen Zweck. Zurück laufen wir dann aber von der Metzgerei in die Marina, weil der Weg kürzer ist und das Fleisch nicht verderben soll.

Wir fahren zum Metzger

Weil es so viel Spaß gemacht hat, haben wir ein kleines Video gedreht und geschnitten. Also ich habe gefilmt und Jens hat es zusammen geschnitten. Das beste war der Fahrer, der erst nicht über das Handy drüberfahren wollte. Da wir noch ein paar Tage in Aruba sind, werden wir noch die eine oder andere Fahrt unternehmen.

Genauer gesagt, ich werde die eine oder andere Fahrt noch mitmachen. Ob Jens dabei ist, weiß ich nicht. Ich muss ihm noch ein paar Folgen Eisenbahnromantik um die Ohren hauen.

Straßenbahn in Santa Cruz

Diesen Beitrag habe ich vorproduziert, damit während unserer Atlantiküberquerung noch das eine oder andere Bild erscheinen kann, welches nicht den langweiligen Ozean zeigt.

Endhaltestelle Intercambiador

An der unteren Endhaltestelle befindet sich ein großer Busbahnhof, von wo aus sowohl Stadtbusse als auch Überlandbusse fahren. Ich beginne meinen Spaziergang entlang der Strecke.

Straßenbahn in der Anfahrt zur Endhaltestelle Intercambiador

Die Straßenbahn fährt von der Küste quer durch die Stadt, immer höher und höher. Die Steilheit der Gleise ist beeindruckend. Das obige Bild ist kurz vor der oberen Endstation “La Trinidad” entstanden.

In der Innenstadt, kurz vor dem unteren Ende und nah bei unserer Marina, sind die beiden folgenden Aufnahmen entstanden.

Kurz vor der Haltestelle “Fundación”

Was mir sehr gut gefallen hat, ist die wirklich gut funktionierende Vorrangschaltung für die Züge an allen Ampeln. Wir haben nirgendwo warten müssen, statt dessen muss der Autoverkehr warten. So muss das sein. Aus Frankfurt kenne ich das anders da warten die Züge oft an den Ampeln, bis die Räder eckig werden.

Auf dem Weg zur Haltestelle “Teatro Guimerá”

Überall hat die Straßenbahn einen eigenen Gleiskörper. So ist sicher gestellt, dass sie nicht von falsch parkenden Autos blockiert wird.

Nach der Haltestelle Plaza Weyler
Ausfahrt Haltestelle La Paz

Teilweise sind die Gleise einbetoniert, teilweise wurde schönes Rasengleis gelegt. Der Bau dieser Straßenbahn zeigt den Willen, ein leistungfähiges Verkehrsmittel für die Stadt Santa Cruz zu installieren. Ich finde es gut gelungen.

Nach der Haltestelle Puente Zurita (und vor dem örtlichen Arbeitsamt)

Immer weiter und immer höher klettert die Straßenbahn. Ich auch. Allerdings zu Fuß. Vor dieser Aufnahme musste ich mich durch einen Pulk Menschen durcharbeiten, die vor einer Art Ladenlokal standen. Zuerst dachte ich, das wäre eine der vielen Spielhöllen. Es war aber das lokale Arbeitsamt.

Dorada Brauerei in der Anfahrt Haltestelle Conservatorio

In der Dorada Brauerei wird das meiner Meinung nach leckerste Bier der Kanaren hergestellt. Ich bevorzuge das Dorada Especial.

Kurz vor der Endstation La Trinidad im Gebirge

Nach meinem Spaziergang auf die Hügel von Santa Cruz bin ich mit der Tram wieder zurück gefahren.

Fahrerperspektive

Der Innenraum der Fahrzeuge ist modern und hell gestaltet. An den Griffstangen gibt es dort, wo sich in anderen Städten die Haltewunschtasten befinden, jeweils zwei USB-Ladesteckdosen für Handys.

Innenraum

Schwarzfahren lohnt sich nie, schon gar nicht hier in Santa Cruz. Die Tarife sind geringfügig höher, als ich es aus Deutschland gewohnt bin.

400€ fürs Schwarzfahren

Straßenbahn in Lissabon

Jens hat innerlich gestöhnt, als wir am ersten Tag unseres Aufenthalts in Oeiras gleich nach Lissabon gefahren und der Straßenbahn nachgelaufen sind. Das hatte er sich anders vorgestellt. An jenem Tag war jedoch an eine Mitfahrt nicht zu denken, gleich fünf Kreuzfahrtschiffe lagen vor Lissabon. Die haben alle die Straßenbahnen verstopft.

Straßenbahn mit Meerblick

Nach wenigen Minuten hat Jens aber auch das Jagdfieber gepackt. Wir haben an jeder Ecke auf die urigen Straßenbahnzüge gefeuert und tatsächlich gibt es an jeder Ecke auch wunderschöne Fotomotive. Das ist dann auch der jahreszeitlich bedingt tief stehenden Sonne geschuldet, die am Nachmittag für spannende Lichtsituationen sorgt.

Tief stehende Sonne schafft tolle Motive

Jetzt fühle ich mich wohler. Ich habe die ersten Straßenbahnfotos ins Blog gestellt. Das reicht erst einmal, die Lissabon-Seite werde ich in ein paar Tagen aktualisieren. Wenn noch ein paar Fotos dazu gekommen sind, die andere Motive als Schienenfahrzeuge zeigen.

Schöne Erinnerungen an Douglas

Wir sind immer noch in Porto und warten auf passenden Wind. Eigentlich warten wir auf irgendeinen Wind, der uns ansatzweise in südliche Richtung bringt. Die aktuellen Prognosen sprechen von stundenlangen Motorfahrten.

Am Boot sind wir mit den Arbeiten im Plan. Die Stadt Porto haben wir uns ausgiebig angesehen. Wir wollen weiter. Und wir sparen unseren Diesel für später auf.

So haben wir in unserem Videomaterial gekramt und noch ungeschnittenes Material von der Isle of Man gefunden. Jens hatte einen Riesenspaß, das Straßenbahnvideo zu schneiden. Ich mache aus ihm noch einen Pufferküsser.

Von allen Orten, die wir bislang gesehen haben, war die Isle of Man die angenehm positivste Überraschung. Ich war dort nicht zum letzten Mal.

Auf zu neuen Ufern! Auf zur Isle of Man!

Ich bin mit dem Blog fast zwei Länder im Rückstand, deswegen kommt jetzt ein längerer Beitrag. Diesen Beitrag schreibe ich in Douglas, der Hauptstadt der Isle of Man, am Vorabend unserer Abreise von dort. Im Backofen backt noch ein neues Brot. So lange das nicht fertig ist, kann ich an diesem Beitrag schreiben.

Nach einem nur 24-stündigen Aufenthalt flüchteten wir quasi aus Belfast. Obwohl wir aus Frankfurt am Main kommen, hat uns die lediglich halb so große Stadt komplett umgehauen. So viele Menschen, so viele Autos, so viel Lärm und so viel Dreck in der Luft. Wenn man wochenlang nur reinste Seeluft und den Duft der Highlands atmen darf, ist das Gewusel und der Trubel einer Großstadt die wahre Hölle.

Also füllten wir ganz schnell die Bestände an frischen Waren im Kühlschrank auf, duschten noch einmal in der sehr, sehr guten Marinadusche und legten uns ein paar Stunden aufs Ohr. Gegen Mitternacht war es dann soweit, wir starteten den Motor und verließen die Marina. Bei der Ausfahrt aus der Marina kam uns im Hafen die Ben-My-Cree entgegen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass es eine Fähre von der Isle of Man war, es war lediglich ein Riesenpott, der auf uns zu kam und dann noch im Hafenbecken drehte.

Nach dem Verlassen des betonnten Kanals stellte sich alsbald ein ordentlicher Segelwind ein, so dass wir den Motor abschalten konnten. Das war für mich die Zeit, ein ausgiebiges Nickerchen zu nehmen, Jens hatte die erste Wache. Die Wellen waren sehr unangenehm und haben uns immer schräg von hinten geschoben, das bei vielleicht zwei Metern Wellenhöhe. So richtig kann ich das nicht abschätzen, es können auch drei oder vier Meter gewesen sein, ich will aber nicht prahlen.

Der Tidestrom half uns ein wenig bei der Geschwindigkeit, doch als ich Jens dann irgendwann am Morgen ablöste, waren wir nicht besonders weit voran gekommen. Das war nicht so gut, denn wir wollten die Nordspitze der Isle of Man noch erreichen, bevor der Strom kippt. Dort ist dann nämlich eine unangenehme und starke Gegenströmung.

Point of Ayre Lighthouse
Point of Ayre Lighthouse

Dann verließ uns auch noch der Wind. Trotz schneller, durch den Strom unterstützter Motorfahrt erreichten wir die Nordspitze etwa eine Stunde zu spät. Onkel Benz wühlte mit seinen 94 Pferdestärken das Wasser auf, dennoch fuhren wir kaum noch mehr als zwei bis drei Knoten über Grund. Die Gegenströmung hatte etwa drei bis vier Knoten und unangenehme Wellen und kreisförmige Ströme verlangten sogar von mir, den Autopiloten auszuschalten und das Schiff von Hand zu steuern. Jens hatte seinen Spaß dabei, in dieser Situation den Leuchtturm an der Nordspitze zu fotografieren.

Nach einer knappen Stunde war der Spuk zum Glück vorbei, Sissi fuhr wieder mit dem Autopiloten und auch der Gegenstrom war auf ein vernünftiges Maß geschrumpft. Nur noch ein bis eineinhalb Knoten strömten uns entgegen. Doch welcher Strom soll zwei Frankfurter auf dem Weg in den nächsten Pub aufhalten?

Noch ein Leuchtturm auf der Isle auf Man

Den nächsten Leuchtturm konnte ich damit selbst fotografieren. Nebenbei versuchten wir noch, ein mehr Informationen über den kommenden Hafen aus dem Internet zu saugen, als der Reeds Nautical Almanach zur Verfügung stellt.

Das Internet verweigerte aber die Mitarbeit. Das Datenvolumen, das wir in Peterhead gekauft haben, ist nur innerhalb des United Kingdom funktionsfähig. Die Isle of Man gehört aber nicht dazu, sie ist Besitz der Krone – wie zum Beispiel auch die Kanalinseln. Dafür meldeten die Handys, dass wir normale EU-Konditionen haben, also kostenloses Roaming. Wir reaktivierten eine alte Datenkarte aus Deutschland und siehe da, das Internet wollte wieder mit uns sprechen.

Einfahrt zur Marina von Douglas

Zum Beispiel kamen wir auf diese Weise an die Information, dass wir nicht in die Marina einlaufen können. Jedenfalls nicht vor 21 Uhr. Wir mussten an den Wartepontoon fahren, an dem nach Angaben des Reeds bis zu 18 Boote Platz finden. Mit viel gutem Willen passen da drei Segelboote hintereinander dran. Da ein größeres englisches Boot schon am Pontoon lag und einige Fischer ihre kleinen Motorboote am anderen Ende festgemacht hatten, musste Jens Sissi in eine ca. 14 Meter lange Parklücke steuern. Zur Erinnerung: Sissi ist vom Anker bis zur Windfahnensteuerung etwa 13 Meter lang. Es klappte hervorragend, der Hafenmeister lobte Jens für das Anlegemanöver. Dann mussten Formulare ausgefüllt werden und wir durften noch gut sechs Stunden darauf warten, dass in der Einfahrt zur Marina genug Wasser ist.

Päckchenbildung am Wartepontoon

In der Zwischenzeit sammelten sich mehr und mehr Segelboote am Wartepontoon. Wenn es nicht hintereinander geht, legt man die Boote halt nebeneinander. Bei uns machte die Steel Pulse fest, ein schönes Segelboot aus Bangor, Nordirland. Es entspann sich ein lockeres Gespräch – wir waren uns sicher, mit den beiden nicht zum letzten Mal gesprochen zu haben.

Endlich ging dann um 21:15 Uhr die Brücke auf, wir konnten in den Hafen fahren. Dort machten wir am Pontoon fest und fielen nach der langen Nacht ziemlich schnell in unsere Betten.

Douglas Marina bei Nacht

Am nächsten Tag ging es dann los, die Insel zu erkunden. Dafür kauften wir uns eine Dreitageskarte für den ÖPNV. Für lediglich 34 Pfund kann man drei Tage lang alle, wirklich alle Öffis auf der Insel benutzen. Die Dampfeisenbahn, die elektrische Eisenbahn, die Bergbahn, die Pferdebahn und natürlich alle Busse. Das ist praktisch und rechnet sich schnell. Und die Öffis sind nicht nur ein Feigenblatt, mit den Bussen kommt man alle Viertelstunde praktisch überall auf der Insel hin. Leider war die Pferdebahn wegen Bauarbeiten außer Betrieb, ich bin noch nie mit einer 1-PS-Straßenbahn unterwegs gewesen.

In der Manx Electric Railway

Die im 19. Jahrhundert eröffnete elektrische Eisenbahn fährt noch mit alten Fahrzeugen aus der Gründerzeit und ist damit sehr gut anzusehen. Die alten Wagen mit ihren Holzaufbauten verwinden sich deutlich, wenn die Züge über die ausgeleierten Gleise schaukeln. Es knarzt und knackt im Gebälk, dafür trötet der Fahrer mit seiner Presslufthupe an jeder Kreuzung noch sein Liedchen dazu.

Wagen 32 in Fairy Cottage

Es gibt geschlossene und offene Triebwagen, die mitgeführten Anhänger waren allesamt offene Sommerwagen.

Laxey Station

Laxey ist so etwas wie eine “zentrale” Umsteigestation. Hier kann man von der normalen Eisenbahn (rechts im Bild) auf die Bergbahn, die Snaefell Mountain Tramway, umsteigen (links im Bild) und auf den höchsten Berg der Insel fahren. Das haben wir natürlich gemacht.

Auf 2000 Fuß Höhe – die Bergstation

Kaum zu glauben, das sich bislang von der Isle of Man nur das Motorradrennen kannte. Ich habe ein paar Videos der Bahnen gemacht und noch einige Fotos auf Lager. Die Videos wollen noch geschnitten werden, dafür brauche ich einen oder zwei Seetage. und hinterher anständiges Internet für den Upload.

Jetzt kommt es erst einmal zu einem Download, das Brot muss aus dem Ofen. Danach gehen wir ins Bett, denn morgen müssen wir zeitig aufstehen. Wir brauche noch Vorräte aus dem Supermarkt, dann dürfen wir die Brückenöffnung nicht verpassen. Den Hafen können wir nämlich nur innerhalb des Zeitfensters von zwei Stunden vor Hochwasser bis zwei Stunden nach Hochwasser verlassen. Sonst sitzen wir bis zur nächsten Tide fest.