Statik

Nach einem halben Jahr auf Aruba wollte ich heute an dieser Stelle verkünden, was mir wirklich auf dieser Insel gefällt und was mich ungemein nervt. Statt dessen mache ich erst noch einen kleinen Ausflug ins Donkey Sanctuary. Dort steht seit ein paar Tagen ein Sinnbild dessen, was ich an der Insel liebe und was mir echt auf den Keks geht. Den anderen Beitrag bereite ich vor und werde ihn in naher Zukunft veröffentlichen.

Besucherin füttert die Esel unter dem neuen Dach

Gestern erreichte mich eine Email von Claudia, die auf Lanzarote am selben Steg wie ich lag. Sie ist vom Fach und Stammleserin meines Blogs und hat auch den Beitrag zum Dach bzw die Bilder des Dachs gesehen:

Das Foto zeigt keine Queraussteifung der Konstruktion. Eventuell ist dies auch nicht sichtbar. Das jedoch extrem wichtig um die Konstruktion standsicher zu machen. Hat da ein Statiker drauf geschaut?

Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht. Immerhin wurde der Sonnenschutz von einer Fachfirma gebaut. Die Fahrzeuge und die Arbeitskleidung der Dachdecker waren ganz offensichtlich von einem Dachdeckerbetrieb.

Dann habe ich mir das Dach noch einmal genauer angesehen. Irgendwie sieht die Konstruktion schon komisch aus. Ich suche nun aktiv nach problematischen Stellen:

Die neuen Stützen werden einfach auf die alten Stützen gesteckt und verschraubt.

Die Holzkonstruktion ruht auf neun stählernen Stützpfeilern. Die Stützpfeiler stehen auf Beton und sind unten mit jeweils zwei Schrauben an die ehemaligen Zaunpfähle geschraubt.

Während des Baus kam mir das verdächtig vor. Ich fragte einen der Dachdecker, wie das im Wind halten soll. Das sei kein Problem, man würde dieses Problem über die Dachkonstruktion lösen. Okay, sie haben daran gedacht. Danach machte ich mir gar keine Gedanken mehr und schickte das auch an Claudia. Sie antwortete:

Wenn das Dach als massive Scheibe oder mit Queraussteifung ausgeführt ist, könnte es gehen. Habe es als meine Pflicht gesehen, das anzusprechen. Es werden ja manchmal abenteuerliche Dinge gebaut!

Diese Latte liegt ziemlich hoch. Genau wie die Latten des Dachs. Das ist ein schöner Windfang. So richtig steif sieht es auch nicht aus.

Das Dach

Oben sind die Pfeiler mit jeweils zwei Schrauben an den großen Dachbalken befestigt. Die Schrauben sind ca. fünf Zentimeter lang. Wir finden ständig noch welche auf dem Boden. Die Esel könnten sich ihre Hufe daran verletzen.

Jeweils zwei fünf Zentimeter lange Schrauben halten das Dach fest.

Das untere Ende der Dachpfeiler ist ja bekanntermaßen an die alten Zaunpfähle geschraubt. Ich habe keine Ahnung, wie tief die im Boden verankert sind, vermute aber, dass sie einfach nur im Beton stecken.

Bei mehreren Pfeilern bröselt der Beton

Oben zwei Schrauben, unten zwei. Dazu ziemlich viele Quadratmeter Dachfläche. Wir wissen von unseren Segelbooten, dass der Wind nicht zu unterschätzen ist. Reffen kann man das Dach nicht, also muss es auch größere Windmengen verkraften können. Die Verbindung der neuen Dachkonstruktion mit der vorhandenen sieht auch ziemlich wackelig aus.

Verbindung der neuen mit der alten Dachkonstruktion

Okay. Beim näheren Hinsehen ist die Konstruktion vielleicht wirklich etwas fragil. Danke, Claudia!

Ich habe alle Informationen an Anneke und Jaqueline weitergegeben. Sie sind ebenfalls der Meinung, dass noch nachgebessert werden muss. Leider ist die Kasse leer. Das Baumaterial hat etwa 5000€ gekostet. Ab November soll es wieder viel Wind und Regen geben, bis dahin sollte eine Lösung gefunden sein.

Ich will mich mal ganz mächtig strecken

Sicherlich wird die Lösung kommen, auf Aruba kommt immer irgendeine Lösung irgendwie und irgendwann. Mich nervt manchmal ziemlich, dass die Arbeiten lediglich bis zu einem Fortschritt von 75% oder 80% ausgeführt werden. Die Geschichte mit dem Meisterzwang in Deutschland ist meiner Meinung nach ziemlich vernünftig.

Das sehe ich auch in der Marina an verschiedenen Stellen. Dann enden sie einfach. Mein Nachbar Brian hat sein Boot von innen schleifen und neu lackieren gelassen. Er hat dann noch drei Tage nachgeschliffen und selbst lackiert, denn das Boot soll in den Verkauf gehen und gut aussehen, die arubanischen Qualitätsansprüche sind andere. Bei Johnny ist immer die Sicherung rausgeflogen, weil die Stromsäule einen Defekt hat. Die Säule wurde nicht repariert, Johnny hat eine neue Steckdose an einer anderen Säule bekommen.

Sweety kümmert sich nicht um Statik, liegt aber sicherheitshalber unter einem massiven Stuhl.

Für die meisten Liegeplätze in der Marina wurden Mooringbojen gesetzt. Nur für meinen nicht. Da sollte auch eine hinkommen, nun liegt dort aber meine Ankerkette im Weg. Ich würde die Kette gerne gegen eine Boje tauschen, dann ist das Ein- und Ausfahren viel einfacher. Leider hat sich die Marina nun dafür entschieden, auf meine Abreise zu warten, bis die Arbeiten fortgesetzt werden. Oder so. Die versprochene Boje fehlt jedenfalls noch. Vielleicht ist es auch besser so, meinem Anker und der Kette vertraue ich zu 100%.

Wasseranschluss: Kunsthandwerk oder Handwerkskunst?

Am Schluss dieses Beitrags stelle ich fest, dass ich jetzt doch schon darüber geschrieben habe, was mich auf dieser Insel unglaublich nervt. Also werde ich mich im nächsten Blog auf die positiven Aspekte konzentrieren. Das macht auch viel mehr Spaß.


Nach dem Gespräch über das neue Dach erzählte man mir noch eine Geschichte über das Dach des Heulagers. Bei der Konstruktion hat man vergessen, das Dach mit den Containern zu verbinden. Ein paar Jahre lang hat das niemand gemerkt. Irgendwann schwebte es an einem stark windigen Tag einen halben Meter in der Luft.

Hier lagert das Futter und sonstige Ausrüstung

Es ist vollbracht!

Nach einer Bauzeit von nur zwei Wochen ist das neue Dach fertig geworden. Zuerst habe ich die Konstruktion für übertrieben gehalten. Inzwischen gefällt sie mir total gut. Die Aufenthaltsqualität hat sich wesentlich verbessert. Die Balken wurden so verbaut, dass die angeknabberten Seiten nach oben zeigen und von unten nicht zu sehen sind.

Das neue Dach

Jetzt können die Besucher die Esel im Schatten unter dem Dach füttern. Das bringt sie dazu, länger zu bleiben, mehr Futter zu kaufen und schafft damit mehr Einnahmen. Außerdem bleiben die Esel in der Nähe, denn sie lieben den Schatten ebenfalls. Wenn es regnet, wird es ganz eng unter dem Dach, dann suchen die Esel nämlich am liebsten einen trockenen Platz.

So sieht der Ausblick von innen nun aus

Ein Nachteil ist, dass es nun im Inneren viel dunkler geworden ist. Mit der Sonnenbrille kann man da nicht mehr sitzen. Ich wechsle jetzt andauernd die Brille – je nachdem, ob ich drinnen oder draußen bin.

Einem Bewohner des Donkey Sanctuary ist es allerdings egal, ob das Dach da vorne ist oder nicht – dem Kater Sweety. Er hat sich in den letzten Wochen einen neuen Platz zum Abhängen gesucht.

Sweety hängt ab

Wenn er nicht auf dem Tresen liegt und Streicheleinheiten möchte, hängt er in letzter Zeit immer an der Decke ab.

Zur Verbesserung der Sicherheit gegen Vandalismusschäden hat jede Tür einen Bügel bekommen, der hochgeklappt werden muss.

Sicherheitsgewinn?

Wie lange wird dieser Bügel wohl für einen Sicherheitsgewinn sorgen? Die Esel sind schon verdammt intelligente und geschickte Tiere. Etwa eine Minute, nachdem der Bügel an dieser Tür angeschraubt war, kam auch schon der erste Esel und hat ihn fast bis nach oben geklappt. Noch einen Zentimeter weiter und der Esel hätte sein Erfolgserlebnis gehabt. Das wird nicht lange dauern.

Ein Esel kann nicht sehen, was sich genau vor seiner Nase befindet. Seine Augen befinden sich seitlich am Kopf und damit kann er fast alles um ihn herum sehen. Nur eben nicht das, was vor seiner Nase sitzt. Das ertastet er mit seinen Lippen. Ob es sich um Futter handelt oder um “Spielzeug”. So wie die Türverriegelung. Das Problem ist, dass die Esel alle sehr motiviert sind, die Türen zu öffnen. Dahinter befindet sich das Paradies in Form leckerer Möbel und Futterpellets.

Das kann der Esel

Der Esel kann den Bügel oben mit Sicherheit herum klappen, das habe ich schon gesehen. Außerdem schafft er es, den kleinen Riegel zuerst aus seiner Endposition nach oben zu klappen, um ihn dann in die geöffnete Position zu schieben. Wow! Das alles mit den Lippen. Die Reihenfolge ist klar. Das ist keinerlei Zufall. Lediglich der kleine Karabinerhaken bietet hier Sicherheit. Den können sie nicht öffnen.

Magische Farben am Abend in Oranjestad

Vandalismus im Donkey Sanctuary

In der vergangenen Woche hat sich im Donkey Sanctuary der größte Fall von Vandalismus in diesem Jahr ereignet. Ich komme aus Frankfurt und bin Fan von unserer Eintracht. Der eine oder andere Fall von Vandalismus wird hin und wieder in diese Ecke geschoben. An Vandalismus im Umfeld von Fußballspielen habe ich mich nie beteiligt. Für den Fall im Donkey Sanctuary bin ich jedoch alleine verantwortlich, auch wenn ich bei der Durchführung Helfershelfer hatte, die mit Freude bei der Sache waren.

Masseneselhaltung

Zwei Tage nach meiner Geburtstagsfeier habe ich den Auftrag, die Esel alle in ein anderes, relativ kleines Gehege zu treiben. Da man einen Esel nicht treiben kann, muss das Futter entsprechend verteilt werden. Dann kommt der Esel ganz von selbst. Eine Abwechslung zur normalen Arbeit und ein riesiger Spaß, wenn die Esel kapieren, dass am üblichen Futterplatz heute nicht serviert wird. Wie immer ist der Sonntag anstrengend, da ich zwei Schichten mache, also auch zweimal füttern darf.

Über 100 Esel müssen nun für ein paar Tage gemeinsam auf einer Fläche leben, die sonst von lediglich elf Eseln bewohnt wird. Das ist eng.

Kann man diese Kamera womöglich essen?

Am Dienstag habe ich nur eine Schicht, die mit der abendlichen Fütterung endet. Das Verteilen von Heu in diesem Gehege ist ein Abenteuer, denn die Esel warten nicht darauf, dass ich ihnen das Futter bringe. Sie kommen alle zum Schubkarren und wollen direkt daraus speisen. Das kann nicht gut gehen. Also muss ich mindestens 50 kleine Fressplätze ein- und die Schubkarre zweimal wieder aufrichten, die Esel stoßen sie gerne um. Ich beende die Fütterung nass geschwitzt, denn es ist heute besonders heiß, kein Lüftchen weht.

Hier ist nicht viel Platz

Der Grund für den Umzug der meisten Bewohner ist der Bau eines neuen Dachs im Besucherzentrum. Die Dachdecker müssen mit dem Auto immer wieder ein- und ausfahren, dabei wollen sie nicht mit den Eseln spielen.

Beginn des Dachbaus (Stand Dienstag)

Desiree hat die Bauzeit des Dachs auf zwei Tage veranschlagt. Deswegen wundere ich mich ein wenig, als ich am Dienstag zur Arbeit kommen. Lediglich einige wenige Stützen stehen schon. Der Zaum um das Besucherzentrum ist demontiert, Gerüste werden aufgestellt. Am Dienstag erfahre ich, dass es wohl noch ein paar Tage länger dauern wird, das Material sei erst seit ein paar Stunden vollzählig. Die Dachdecker machen Mittagspause.

Nach eineinhalb Tagen Bauzeit

Am Mittwoch besuche ich die Esel außer der Reihe. Eigentlich will ich vor Ort sein, wenn sie das kleine Gehege wieder verlassen dürfen. Außerdem bin ich gerne dort, ich will noch einige Fotos von den vielen Eseln auf dem engen Raum machen. Desiree begrüßt mich mit den Worten, dass sie in der Nacht Vandalismus gehabt hätten. Jetzt fallen mir beinahe die Gläser aus der Sonnenbrille.

Sämtliche Tische und Stühle haben Verbiss-Schäden. Ein Stuhlbein ist fast durchgebissen worden. Das Behältnis für die Futterpellets ist zerstört. Schrubber, Besen und Rechen haben keine oder nur noch sehr kurze Stiele. Desiree zeigt mir Fotos von einem total verschissenen Besucherzentrum. Selbst die Treppe zur Toilette hat einen Schaden. Als Symbolbild nehme ich den Deckel des Futters. Der ist aus massivem Holz.

Vandalismus

Meine langohrigen Helfershelfer haben ganze Arbeit geliefert. Ich traue mich nicht, Desiree nach den Bildern zu fragen.

Wie konnte das passieren? Als ich die Esel am Dienstag Nachmittag gefüttert habe, vergaß ich einen der Riegel zusätzlich mit einem Karabinerhaken zu sichern. Ein paar der Esel haben nämlich die Fertigkeit entwickelt, die Türriegel mit ihren Lippen aufzuschieben und dann die Türen zu öffnen. So konnten sie in der Nacht auf das gesamte Gelände und wegen des fehlenden Zauns auch ins Besucherzentrum. Der Rest ist Geschichte. Der Fehler darf mir nicht noch einmal passieren, sonst verliere ich wohl den Job.

Eine Woche Bauzeit

Nach einer Woche Bauzeit stehen immerhin schon alle Dachstützen und der Zaun vor dem Besucherzentrum ist wieder montiert. Die Esel dürfen wieder überall herumlaufen. Dabei kommt es zu witzigen Begebenheiten.

Diva und Gypsy sind gefangen

Mit gesenktem Kopf und immer auf der Suche nach übrig gebliebenen Futterpellets am Boden haben sich Diva und Gypsy in eine aussichtslose Situation spaziert. Unter den diagonalen Streben passten sie mit gesenktem Kopf durch, die Gier hat den Rest erledigt. Raus kommen sie aber nicht mehr, weil sie nicht mehr auf der Suche nach Futter, sondern nach einem Ausweg sind.

Wir wollen hier raus

Letzten Endes darf ich die diagonalen Streben demontieren. So können die beiden befreit werden. Es ist absolut unmöglich, einen Esel unter einer Stange durchzuschieben. Auch Futter als Motivation hat nicht geholfen.

Das nächste Opfer

Ein paar Stunden später schnappt die Eselfalle noch einmal zu. Ein weiterer Esel hat sich gierig in die Klemme gebracht. Zuerst versucht Anneke es mit einer Karotte als Motivation (siehe Filmaufnahme). Dann versuchen wir es gemeinsam – ich versuche innen ein wenig zu drücken, während die Karotte draußen den Esel zieht. Das klappt beinahe, bis der Esel kapiert, dass ich von innen drücke. Dann will er nicht mehr. Zuletzt demontiere ich die Streben ein zweites Mal. Toll.

Geld

Ich möchte heute über Geld sprechen. Durch das Leben in Aruba habe ich gelernt, wie toll das Leben in Europa mit dem Euro ist. Die größten Scheine sind am meisten wert. Die Geldscheine haben unterschiedliche Farben, damit kann man sie sofort erkennen. Auch die Münzen sind deutlich voneinander zu unterscheiden. Außerdem ist es fantastisch, dass man mit diesem Euro in vielen unterschiedlichen Ländern bezahlen kann. Nicht aber in Aruba.

Hier gibt es nicht eine Währung für viele Länder, sondern zwei Währungen nebeneinander in einem Land. Das einheimische Geld heißt Florin, die Holländer verwenden oft noch den alten Begriff Antillengulden. Daneben steht der Dollar, eine der unpraktischsten Währungen auf der Welt.

US Dollars. Verbreitetes Zahlungsmittel in Aruba. Alle Scheine sind gleich groß und von gleicher Farbe.

Bei den blöden Dollars sind alle Scheine gleich groß und haben die gleiche Farbe. Man muss also das Geld immer lesen, bevor man es ausgeben kann. Das finde ich absolut unpraktisch. Die Florins wiederum sind schön bunt, die Scheine haben wie bei unseren Euros unterschiedliche Farben und Größen. So weit, so gut. Ich könnte also einfach auf die Dollars verzichten und nur noch mit Florins leben. Wenn die nicht so teuer wären.

Der Geldautomat um die Ecke gibt mir die Dollars kostenlos, ich muss also keine Gebühren für das Bargeld zahlen. Hebe ich die gleiche Summe in Florins ab, will der Automat 9 US$ Gebühren von mir haben. Das sehe ich nicht ein. Also ziehe ich mir Dollars. Das Umrechnen ist ganz einfach, der Wechselkurs ändert sich nie.

Ein US$ sind 1,75 Florin. Das Leben ist so einfach, die Währungen werden beliebig miteinander gemischt. Eine Busfahrt im Minibus kostet 3 Florin. Ich gebe dem Busfahrer einen 1-Dollar-Schein und 1,25 Florin in Münzen. Passt. Oder ich gebe zwei 1-Dollar-Scheine zum Fahrer und bekomme 0,50 Florin zurück.

Florin. Die 0,50 Florin Münze ist eckig. 5 Florin haben eine andere Farbe.

Manchmal wird mir das Hantieren mit Bargeld zu nervig, dann mache ich es wie die Amis. Dann zahle ich einfach mit der Kreditkarte. Auch wenn es nur einen Dollar kostet.

50 Jahre

So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ganz und gar nicht. Ich wusste zwar nicht ganz genau, wo ich diesen Tag verbringen wollte, doch sicher nicht auf Aruba. Malerische Inseln im Südpazifik hätte ich besuchen wollen, statt dessen füttere ich Esel.

Eisbox

Ich frage Desiree, ob ich meinen Geburtstag im Donkey Sanctuary feiern darf. Ich darf. Außerdem bekomme ich als Dreingabe das Auto des Donkey Sanctuary geliehen, mit dem ich die Einkäufe leicht erledigen kann. Für den Transport von der Marina und zurück frage ich einen der Minibus-Fahrer, dieser Punkt der Organisation ist schnell erledigt. Dickie leiht mir seinen Grill.

Der Grill läuft sich warm – auf der Leeseite des Gebäudes.

Etwa gegen 16 Uhr erreiche ich das Donkey Sanctuary und kann zum Entladen sogar bis aufs Gelände zum Visitors Center fahren. Dann muss ich die Eisbox füllen und den Grill anheizen. Zur Belohnung gönne ich mir eine gut gekühlte Dose Apfelwein. Ich ärgere mich darüber, dass ich die Gerippten an Bord vergessen habe.

Charly und Johnny am Grill

Wie immer wird es früh dunkel. Der Grill ist heiß, als der Bus die Gäste an der Tür abliefert. Leider haben wir nur wenige Stunden Zeit, denn die Regierung hat eine Ausgangssperre zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens angeordnet. Entweder müssen wir bis um fünf Uhr durchfeiern oder um 23 Uhr die Party beenden.

Geburtstagstorte

Ich bekomme eine wunderschöne Geburtstagstorte (cremig) und einen Apfelkuchen, von Anneke selbst gemacht. Ich muss zugeben, dass mein Favorit der Apfelkuchen ist. Die Torte ist allerdings spektakulärer.

Dann muss ich einen albernen Geburtstagshut aufsetzen. Die Amerikaner haben da schon lustige Traditionen. Die Bilder kann ich vielleicht noch nachreichen, ich habe mir ein Geburtstagshut-Selfie verkniffen.

Gitarrenklänge zum Geburtstag

Alle haben ihre Instrumente dabei, so wird gleich noch eine Gesangsrunde eingelegt. Nach dem Gesang darf ich mich gleich wieder besonders albern aufführen. Meine Gäste haben eine Piñata besorgt. Hoffentlich heißt das Teil auch so. Mir verbinden sie zuerst die Augen, dann darf ich auf das Teil eindreschen. Es kommt aber nichts raus.

Zuschauer. Karen filmt.

Die Zuschauer amüsieren sich jedenfalls köstlich. Karen nimmt einige Fotos und Filme auf, ich muss sie noch um die Aufnahmen bitten. Johnny ist der nächste. Auch er ist nicht besonders erfolgreich, die Piñata hält seinen Schlägen stand.

Johnny versucht sein Glück

Nun macht sich Edward mit dem Schläger ans Werk. Er hat nach nur zwei Schlägen Erfolg und ein Strom aus Süßigkeiten und kleinen Schnapsflaschen ergießt sich über den Boden. Ich mache mich erst einmal daran, die Süßigkeiten einzusammeln. Die Schnapsflaschen brauche ich nicht. Hä? Was schreibe ich da. War ich zu dem Zeitpunkt schon angetrunken? Oder bin ich es noch?

Hier freut sich der Zahnarzt

Um kurz vor 23 Uhr sehen wir auf dem Parkplatz Lichter. Wir leeren die letzten Drinks und machen uns auf den Weg zu unserem Bus. Ich möchte den Busfahrer bezahlen, dabei fällt mir auf, dass mein Portemonnaie an Bord liegt. Ich verspreche ihm seinen Lohn für den folgenden Tag. Danach krieche ich mehr auf das Boot als dass ich laufen würde. Noch ein Stück Apfelkuchen zur Nacht und danach gehe ich schnell ins Bett.

Ich habe mich gefreut, wir hatten eine tolle Feier. Und nun steht bei meinem Alter die Ziffer Fünf vorne. Und wir haben nebenbei mächtig die aktuellen Corona-Regeln gebrochen. Private Partys sind derzeit verboten.

Ich trete am nächsten Morgen zum Aufräumen an. Ich würde mich am liebsten neben diesen Esel legen. Aua. Mein Kopf. Der alberne Geburtstagshut hat wohl Druckstellen verursacht.

Chillender Esel

Bavaria

Ich arbeite jetzt schon seit einigen Monaten im Donkey Sanctuary. Dabei komme ich natürlich mit so manchem Besucher in Kontakt. Viele sind überrascht von meiner Nationalität, kommen dann aber so richtig auf Touren. Ob ich denn schon im deutschen Restaurant gegessen habe, will man immer wieder von mir wissen. Das war bis gestern Abend nicht der Fall. Das Restaurant liegt in einer Gegend, in der sonst eher hochpreisige Restaurants zu finden sind. Außerdem ist die deutsche Küche bei mir an Bord einigermaßen gut repräsentiert.

Jo, Stewart und Johnny machten sich gestern gemeinsam mit mir auf den Weg zum Restaurant Bavaria. Einziger Wermutstropfen bei der Sache: Ich bin der Fahrer. Also darf ich mir die Kühlschränke mit über 100 verschiedenen Bieren nur anschauen.

Bavaria Aruba, Wirt Peter hinter dem Tresen

Es wirkt auf den ersten Blick ungemütlich. Insbesondere der Tresen, aus Bierkästen erbaut, macht einen sterilen Eindruck. Das ist eine Folge der Anti-Covid-Maßnahmen, die im Augenblick Barhocker am Tresen verbieten. Aus den Lautsprechern ertönt volkstümliche Musik, die in meinen Gehörgängen schmerzt. Peter aus Siegen, der vor zehn Jahren dieses Restaurant aufgemacht hat, erklärt mir mit inzwischen schwer niederländischem Akzent bei seiner Aussprache, dass es sich um Radio Heimatmelodie handelt, ein Internetradiosender aus Bayern. Jeder Leser ist aufgefordert, länger als eine Viertelstunde zuzuhören.

Meine Idee, einen anderen Internetradiosender aus Bayern, Rockantenne, einzuschalten, wurde mit einem Lächeln hinter der weiß-blauen Maske quittiert. Seine Gäste würden diese Musik erwarten. Die drei Amerikaner am Tisch wirkten jedenfalls nicht verstört.

Die Speisekarte ist schon ziemlich gut und repräsentiert Süddeutschland, vom Schwarzwald bis zur österreichischen Grenze. Über die Zubereitung und den Geschmack kann ich nicht klagen, mein gar nicht so süddeutscher Sauerbraten war sehr lecker. Nur das Rotkraut war nicht mein Fall – ich war allerdings vorgewarnt. Peter erklärte mir, dass es hier nicht traditionell geht, sondern süß sein muss. Okay. Stewart war von seiner Schweinshaxe mehr als begeistert. Jo hat sich die Hälfte ihres Gulaschs einpacken lassen, sie war völlig überwältigt von der Portionsgröße. Auch Johnny musste sich Essen einpacken lassen. In Sachen Portionsgröße ist es hier wirklich typisch deutsch. Mein Fazit: Ich komme wieder, wenn ich Lust auf eine Schweinshaxe habe.


In Sachen Covid-19 kommt die Insel nicht so recht zur Ruhe. Vor knapp drei Wochen schrieb ich, dass die Zahl der aktiven Fälle auf knapp 300 angestiegen war. Wohlgemerkt, wir sind bei Null gestartet. Heute sind wir bei 1165 aktiven Fällen bei einer Gesamtzahl von inzwischen 1670. Die erste Welle verursachte gerade einmal 102 Infektionen. Im Schnitt wächst die Zahl täglich um ca. 60 Fälle.

Die positiv getesteten Touristen sind nur zu einem geringen Teil beteiligt, die meisten der Infektionen geschehen lokal. Das ist bedauerlich, Einheimische sind quasi gefährlicher als Touristen. Wobei die meisten Touristen allerdings nicht länger als eine Woche hier bleiben. Die können positiv sein, am Flughafen negativ getestet werden und entwickeln die Symptome vielleicht erst nach dem Rückflug.

Die Maßnahmen der Regierung sind irgendwie halbherzig. Die Bars sind geschlossen, allerdings nicht alle. Die Spielcasinos sind geöffnet. Private Partys sind verboten, Touristen können sich jedoch beliebig in den Hotelanlagen zusammenrotten. Nun kommt als neue Maßnahme eine altbekannte Maßnahme hinzu – die Ausgangssperre. Sie gilt ab morgen von Mitternacht bis fünf Uhr morgens, damit sich das Virus in der Nacht nicht mehr lokal übertragen kann. Ich halte es für wirkungslosen Aktionismus, der mir einigermaßen egal sein kann, weil ich in dieser Zeit sowieso schlafe. Darauf eine gute Nacht!

Zahnarztbesuch

Tja., was soll ich schreiben. Manchmal muss es eben sein, da hilft keine Gegenwehr. Wenn der Zahnarzt zu Besuch im Donkey Sanctuary ist, muss mindestens ein Esel behandelt werden. Die anderen Esel sind neugierig oder ignorieren die Behandlung.

In diesem Fall handelt es sich um eine Eselin, deren Namen ich noch nachschlagen muss. Sie hat Unebenheiten in ihren Zähnen, so dass sie nicht mehr richtig kauen kann. Das kann man ihr auch ansehen, sie ist ziemlich mager geworden.

Ich verzichte auf eine Untermalung mit Musik, so kommt das Geräusch des Zahnarztwerkzeugs besser zur Geltung. Zahnarzt und Esel kauen zeitweise synchron.

Witzig finde ich, dass der Zahnarzt und Peter beide übersehen haben, dass das Tor noch geöffnet ist. Fast wäre ihnen der zweite Patient entwischt.

Queeny ist allergisch

Manchen Menschen geht es wie den Eseln. Oder umgekehrt. Mein Neffe Benedikt ist allergisch gegen Mückenstiche. Die Eselin Queeny ebenfalls. Auch die Esel kratzen sich, wenn die Mückenstiche jucken. Das hat im Falle von Queeny schwerwiegende Folgen.

Queeny beim Frühstück. Dabei fallen die Wunden an Kopf, Brust und Vorderbein auf.

Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, wie Queeny sich mit ihrem linken Hinterhuf das Gesicht, die Brust und das vordere Bein kratzt. Außerdem kratzt sie sich ihren Kopf am Zaun, am Betontrog und überall sonst, wo sie eine Kante erwarten kann.

Die Mücken kommen immer dann raus, wenn es mal stärker geregnet hat. Zeiten der Windstille sind besonders schlimm, da die Mücken ab einer gewissen Windstärke nicht mehr fliegen können. Ich merke selbst an den Mückenstichen, die ich erhalte, wie stark die Mücken gerade wieder unterwegs sind.

Selbst zugefügte Wunden

Es gibt ein Buch, in dem die Behandlung der kranken Esel einerseits beschrieben andererseits dokumentiert wird. So steht bei Queeny, dass die Wunden erst desinfiziert werden müssen und anschließend ein linderndes Spray aufgesprüht wird.

Manche Esel wehren sich gegen die Behandlung, Queeny lässt sich durch die Behandlung kaum von ihrer Mahlzeit ablenken. Das ist praktisch. Ich kann sie alleine behandeln, was keine fünf Minuten dauert.

Das schmerzlindernde Spray ist lila. Das ist praktisch, ich sehe sofort, wo es noch fehlt und wo ich es schon aufgetragen habe. Hoffen wir, dass es bald wieder viel Wind gibt, der die Mücken davon bläst. Ich kratze mich nämlich auch schon viel zu oft.

Queeny nach der Behandlung. Das Spray ist lila.

Igor geht es wieder etwas besser. Zwar frisst er nur langsam, doch er frisst. Im Esel verzehnfacht sich dann die gefressene Menge zu einem großen Berg Poop. So sieht es beinahe aus.

Außerdem haben wir gestern versucht, einen hinkenden Esel einzufangen. Der wollte aber nicht mitkommen und hinkte verdammt schnell in die Kakteen davon.

Nach einem Tag im Donkey Sanctuary fahre ich meistens mit dem Bus nach Hause. In den Kleinbussen sitzt man üblicherweise dicht aneinander gequetscht. Viele Frauen haben hierzulande ein breites Gesäß. Wenn ich jedoch von den Eseln komme, sind die Busse plötzlich sehr geräumig. Diese freundlichen Menschen drücken ihre Masken fester ins Gesicht, der Busfahrer fährt schneller und niemand kuschelt sich an mich. Ich kann die Esel auch selbst riechen. Fast hätte ich laut über den Busfahrer gelacht, der wenige Minuten nach meinem Einstieg die Klimaanlage ausschaltete und alle Fenster öffnete.

Entspannung im Pool

Seit ein paar Tagen schon spiele ich für Johnny, Jo und Stewart den Fremdenführer. Auf diese Weise komme ich mal wieder zu den schönsten Plätzen der Insel, denn die sind leider ausnahmslos nicht mit dem Bus erreichbar.

Jo und Stewart steigen die Leiter hinab

Mein letzter Besuch am sogenannten “neuen natürlichen Pool” ist schon eineinhalb Monate her, damals besuchte ich den Pool gemeinsam mit Shelly, Moses, Vanita, Brian und Johnny. Diesmal ist unsere Gruppe kleiner.

Der Einstieg erfolgt über eine fünf Meter lange Leiter. Das war damals der Grund, dass Moses nicht ins Wasser gehen konnte. Johnny ärgert sich etwas, dass er seine Schuhe am Auto zurückgelassen hat. Der Weg über die abgebrochenen Korallen ist schmerzhaft.

Johnny am Fuß der Leiter

Heute ist der Blick über die abgebrochene Kante auf den atlantischen Ozean grandios. Wind mit einer Stärke von sechs bis sieben Beaufort lässt den Ozean brodeln.

Starker Wind für starken Seegang

Nach wenigen Minuten erreichen wir den Einstieg ins Wasser und dann beginnt die sofortige Entspannung. Was diesen Pool ausmacht ist, dass man sogar um die Mittagszeit unbegrenzt lange im Wasser bleiben kann, ohne dass man Gefahr läuft, von der Sonne verbrannt zu werden.

Ich bin im Wasser (das Foto hat Stewart gemacht)

Für Johnny ist der Ort nicht neu, er weiß noch genau, von welcher Stelle aus man ins Wasser hüpfen kann. Nach einer ordentlichen Arschbombe überschüttet er uns mit Wasser. Bäh, ich mag Salzwasser nicht.

Stewart und Jo

Fast eine Stunde entspannen wir im Wasser, bevor die Mägen nach einer Füllung rufen. In dieser Zeit kommen mehrere geführte Inseltouren vorbei. Die Besucher trauen sich teilweise gar nicht, über die scharfkantigen Korallen bis zum Pool zu laufen. Manchem fehlt der Schneid, bis zum bestmöglichen Einstiegsfelsen zu gehen. Es ist weniger glitschig, als es aussieht. Die meisten dieser Gruppen verbringen leider nur ein paar Minuten am Pool. Es ist schade, wenn man es im Urlaub so eilig haben muss.

Musizieren am Pool

Künstlich ist der Hotelpool, künstlerisch unsere abendliche Darbietung an diesem Pool. Auch beim gemeinsamen abendlichen Musizieren können wir uns prima entspannen. Besonders Shelly glänzt mit ihrer wunderschönen Stimme, während ich versuche, nicht ganz so laut zu sein. Charly wiederum ist inzwischen sehr locker geworden mit seiner Gitarre. Noch vor wenigen Monaten weigerte er sich, in der Öffentlichkeit Gitarre zu spielen. Selbst ich gehörte zu dieser Öffentlichkeit. Inzwischen ist er ohne Lampenfieber unterwegs.

Windstille

Es sieht nach Regen aus.

Heute früh wachte ich um fünf Uhr auf und konnte keinen Schlaf mehr finden. Ich brauchte einige Zeit um herauszufinden, dass ich in Schweiß gebadet an Deck lag, weil sich keinerlei Lüftchen mehr regte. Jetzt haben wir sieben Uhr, ich habe meinen Kaffee getrunken und im Cockpit arbeitet der Ventilator. Es sieht nach Regen aus. Hoffentlich kommt bald wieder Wind auf. Während ich diese Zeilen schreibe und unter Deck sitze, tropft der Schweiß von meinem Kinn auf das Handtuch, das ich vor meine Tastatur gelegt habe.

Schweißtreibende Arbeit am Computer

Bei der Windstille sieht man besonders gut, dass bei dem Kreuzfahrer, der schon ein paar Tage hier am Terminal liegt, immer eine Maschine läuft. Dabei wird ordentlich Ruß produziert.

Kreuzfahrer rußt vor Oranjestad

Die Gesamtzahl der Covid-19 Erkrankten hat inzwischen die 1000er Marke geknackt. Ermutigend ist, dass die Zahl der Neuerkrankungen in den letzten Tagen immer weiter zurück gegangen ist – von gestern auf heute kamen nur noch 19 dazu. Aktiv sind noch 905, 11 Menschen sind im Krankenhaus, zwei auf der Intensivstation und einer davon wird beatmet.

Oh Freude! Mit dem einsetzenden Regen kommt der Wind zurück. Was für eine Erleichterung. Und ich habe rechtzeitig daran gedacht, meine Schuhe noch vom Steg ins Trockene zu schaffen.