Kreativität

Ich halte mich für einen einigermaßen kreativen Menschen und schätze auch die Kreativität anderer Menschen sehr. Das betrifft jedoch nicht alle Lebensbereiche gleichermaßen. Wenn es beispielsweise um die Elektroinstallation geht, dann endet die Kreativität ziemlich früh. Es ist herausfordernd und ein kreativer Prozess, einen Weg für das Stromkabel zu seinem Ziel zu finden, der keine Zerstörung des halben Bootes nach sich zieht. Wenn es später ans Anschließen geht, halte ich mich lieber an die gängigen Regeln und Vorschriften.

Der Weg aus dem Salon zum Autopiloten

Der Autopilot befindet sich unter der Matratze, die im Bild zu erkennen ist. Es handelt sich um meine Matratze. Wäre das Gerät auf der Seite von Jens eingebaut, hätte ich noch mehr Arbeit gehabt. Die Koje enthält schließlich den kompletten Inhalt unserer Segellast. Der Wasserkocher und die Kaffeemühle stehen hier übrigens auf dem Kühlschrank. Im Schrank hinter dem Kühlschrank befindet sich der Kompressor und natürlich auch der elektrische Anschluss. Um dem Kühlschrank seine neue Stromversorgung zu geben, hatte ich die Deckenplatten abgenommen. Letztendlich ist das dann auch die einfachste Lösung, den Strom zum Autopiloten zu bringen.

Von der Stromverteilung nach oben an die Decke und einmal auf die andere Seite des Schiffs

Die Stromverteilung ist exakt gegenüber, deswegen muss die Leitung vorher an die Decke und auf die andere Seite des Schiffs verlegt werden. So weit, so gut. Auf diesem Teil der Strecke hat sich die Arbeit in Grenzen gehalten. Doch nun muss die Matratze raus und alles andere, was in der Koje ist ebenso. Unter anderem der Vorrat an erfrischenden Säften, der unter meiner Matratze lagert, macht mir einige Arbeit. Ich werfe gleich ein paar Dosen in den Kühlschrank. Jetzt ist es auch unmöglich, sich im Salon richtig zu bewegen. Meine Matratze steht im Weg. Zum Glück habe ich daran gedacht, den Werkzeugkoffer auf der richtigen Seite des Salons abzustellen.

Getränkelager, Autopilot und Ruderquadrant

Muss ich erwähnen, dass sich die Stromleitung unter den Dosen befindet? Es ist immer so organisiert, dass es mir am meisten Arbeit macht. Oder kommt mir das nur so vor? Nach gefühlten 100 Getränkedosen (es werden wohl nur 96 gewesen sein, denn die kommen immer auf 24er Paletten) ist es endlich geschafft. Ich kann an die Leitung heran. Ich kann die Kreativität geradezu schon riechen. An unterschiedlichen Stellen von Sissi habe ich diese Klumpen von Isolierband schon gefunden. Meist befindet sich darunter eine nette Überraschung. Das ist der letzte dieser kreativen Klumpen.

Unter meiner Matratze

Wer sich nicht mit Elektrik auskennt und sich bei der Lektüre langweilen könnte, der möge diesen Absatz überspringen. Die meisten von uns haben den Begriff “Stromkreis” schon einmal gehört. Auch wenn es sich dabei fast nie um einen Kreis handelt, sondern eine Leitung die hin und zurück geht. Diesmal bin ich auf einen echten Stromkreis gestoßen. Das dicke graue Kabel enthält sieben einzelne Adern. Die sind aber nur 1,5 mm² dick. Das reicht locker für den Haushaltsstrom, nicht aber für Großverbraucher wie Autopilot oder Kühlschrank. Also hat der Vorbesitzer diese Kabel zusammengefasst. Zweimal 1,5 mm² ergibt 3 mm². Das reicht für den erwarteten Strombedarf.

Auf der linken Seite kommt das graue Kabel von der Stromverteilung und bringt den Strom, der geht dann über das schwarze Kabel zum Autopiloten. Anschließend wird der Kreis geschlossen, indem der Strom weiter in Richtung Kühlschrank geschickt wird. Vom Kühlschrank aus geht es dann in den Maschinenraum und zu den Batterien zurück. Diesen Kreis habe ich unterbrochen, als ich am Kühlschrank das alte Plus- und Minus-Kabel abgezwickt habe. Konnte ja keiner ahnen. Letzten Endes bin ich jedoch froh, dass diese Mist nicht mehr aktiv ist.

1.) Das graue Kabel kommt von der Stromverteilung. Für Plus sind zwei Leitungen zusammengelötet.
2.) Das graue Kabel geht weiter bis zum Kühlschrank. Es sind zwei Adern zusammengelötet.
3.) Abzweig für den Autopiloten. Die rote Leitung ist Plus und wird von der Stromverteilung aus gespeist. Die schwarze Leitung ist Minus und geht zum Kühlschrank. Dort war sie an ein Minus-Kabel angeschlossen, das wiederum an einer der drei Batterien direkt mit Minus verbunden war. In der Folge hat sich diese Batterie immer viel stärker entladen als die beiden anderen.

Jetzt muss ich nur noch die neuen Kabel an den Autopiloten anschließen und alles testen. Dass das sofort funktioniert, freut mich natürlich sehr. Also kann ich noch am selben Tag mein Bett wieder zusammen bauen. Ein Knips mit der Zange hat mir sechs schweißtreibende Stunden Arbeit beschert, doch Sissi ist wieder ein Stückchen besser geworden.

Nein sagen kam für mich überhaupt nicht in Frage, als Hafenmeister Paul mich vor ein paar Tagen angesprochen hat. Vorgestern Abend hatte ich noch eine Einladung zu einem echt französischen Abendessen. Gleichzeitig haben Gail und Paul mir erklärt, wo sich Katzenstreu und Katzenfutter befinden. Bis zum Ende des Monats habe ich nun ihre vier Katzen in Privatpflege. Mickey braucht eine Sonderbehandlung. Er wird von mir zweimal am Tag an der Leine Gassi geführt.

Mickey an seiner Leine

Früher durfte er immer unbeaufsichtigt durch die Marina spazieren. Es passt ihm gar nicht, dass er nun an der Leine geht. Ändern kann ich es nicht und es ist schade, dass er mich nicht mehr besuchen kommt. Doch seit Paul und Gail eine Katze ins Wasser gefallen ist und nicht mehr wieder gefunden wurde, gelten auch für Mickey neue Regeln.

Mami wird immer besser.

Die Zahl der kleinen Kätzchen nimmt im Tierheim immer weiter zu. Es ist Herbst, Kätzchenzeit. Schade, dass die Leute sich so wenig Gedanken darüber machen, ihre Katzen zu sterilisieren. Die eigenen Kätzchen unserer Mutterkatze sind schon recht groß geworden und essen auch das normale Katzenfutter. Doch wir haben zwei Minis mit unter 300 Gramm Gewicht, die die Milch noch dringend brauchen. Deswegen werden die beiden mit ihrer Amme über Nacht separiert, so dass die Milch da ankommt, wo sie am nötigsten gebraucht wird. Wir haben eine Mami mit Milch, potentiell aber ein Dutzend Kätzchen die dort gerne trinken würden. Damit sie nicht noch dünner wird, bekommt sie noch Extrafutter für die Nacht hingestellt. Lange wird es hoffentlich nicht mehr gehen, beim Frühstück schmatzen sie alle munter vor sich hin.

Hätte, hätte. Was nicht alles hätte passieren können. Vor ein paar Jahren bei unserem ersten großen Segeltörn mit Sissi nach Schottland ist uns unterwegs der Kühlschrank immer wegen Unterspannung ausgegangen. Ich hatte nämlich an der Stromverteilung nur eine der beiden Adern für das Kühlschrank-Plus mit Strom versorgt. Als ich die zweite dazugenommen habe, war das Problem nachhaltig behoben und der Vorfall geriet in Vergessenheit. Für kurze Zeit habe ich erwogen, den Kühlschrank neu zu verkabeln. Die Kabel waren an Bord und die Aufgabe wäre sowieso fällig gewesen. Warum nicht gleich auf See…? Wenn es dumm gelaufen wäre, hätte ich uns damit unterwegs den Autopiloten geraubt. Damals – noch ohne Windfahne – wäre es recht unangenehm geworden.

Immer und immer wieder

lebe ich meine Routine und mache dabei dieselben Fehler. Ich bin zu nett. Der Katamaran ist Anfang August in die Marina gekommen. Das hatte zunächst für mich keine besonderen Auswirkungen. Bis dann gegen Ende August der Eigner auf mich zukam und mich fragte, ob ich meinen Landstrom von einer anderen Steckdose beziehen könnte. Meine Antwort war damals dieselbe, die ich heute geben würde – selbstverständlich. Er möge ins Marina-Büro gehen, nach einer anderen Steckdose für mich fragen, den Zähler fotografieren und dann könne er mich umstecken. Auf seine Frage, ob ich das nicht für ihn machen könnte, habe ich mit Nein geantwortet. Ich hatte ja Landstrom und es gab für mich keinerlei Handlungsbedarf. Am 25. August steckt er mich schlussendlich um.

Einen Tag später erreicht mich morgens im Tierheim die Nachricht aus dem Marina-Büro, dass ich eine Steckdose benutze, die jemand anderem gehört. Ich kann gerade nicht weg, doch Judith meldet sich Minuten später mit den Worten “I was just kidding”. Okay, dann wollte sie mich etwas verarschen. Das ist schon in Ordnung, sie ist eine Frau mit viel Humor und kann auch selbst einen Scherz vertragen.

Freude im Tierheim über die Presseberichterstattung

Wir freuen uns im Tierheim über die Resonanz in der Presse. Unsere Videos von den Überwachungskameras haben auf Facebook viel Zuspruch erhalten und auch das örtliche Printmedium bringt einen Bericht über eine halbe Seite. Das ist toll. Seit dem wurden keine Tiere mehr außerhalb der Öffnungszeiten ausgesetzt. Ich bekomme immer noch die Alarme der Kameras auf mein Telefon geschickt, doch es geschieht nur noch sehr, sehr selten. Meist sind dann ein Auto und eine Person auf dem Bild zu sehen. Die Person liest sich die Öffnungszeiten durch, dann steigt sie wieder ins Auto und fährt davon. Wenn das an unserer Kampagne liegt, bin ich stolz darauf, meinen Teil dazu beigetragen zu haben.

Mutter und gleichzeitig Amme

Die Katzenmutter mit drei Kätzchen wurde vor dem Tierheim ausgesetzt. Eines der letzten Tiere, bevor der Bericht in der Zeitung erschien. Das mittlere Kätzchen ist eines der ihren. Die beiden anderen sind ebenfalls vor dem Tierheim ausgesetzt worden und brauchen die Muttermilch. Es ist ein Glücksfall für sie, dass sie von der Mutterkatze angenommen werden und mittrinken dürfen. Sie haben es besser, als die vier Katerchen, die ich vor einigen Wochen an Bord hatte. Menschen können Katzenmütter eben nur in Grenzen ersetzen.

Nach der Raubtierfütterung und der Reinigung der Katzenkäfige fahre ich noch zum Einkaufen. Dabei kommt mir eine Kolonne von Polizeimotorrädern entgegen, die die Seitenstraßen absperren und die einzige Ampelkreuzung Arubas blockieren. Der Gouverneur ist auf dem Weg zum Parlamentsgebäude. Es ist deutlich an der Flagge erkennbar.

Der Gouverneur auf dem Weg zum Parlamentsgebäude

Zurück an Bord will ich mein Elektroprojekt noch über die letzten Meter schieben. Natürlich fehlen mir noch Kabel, es fehlt immer an irgendwas. Also muss ich zu Budget Marine, im Baumarkt gibt es die guten, verzinnten Kabel nicht zu kaufen. Ich muss aber auch in den Baumarkt, weil mir Terminals fehlen, die es bei Budget nicht zu kaufen gibt. Wenn ich morgens etwas schneller im Kopf wäre, hätte ich das Zeug vor dem Gang zum Supermarkt geholt. Mein Portemonnaie zeigt mir die große Leere, also kommt der Besuch beim Geldautomat ebenfalls auf meine innere Todo-Liste. Meine Sachen sind schnell gepackt, als es an meinem Boot klopft. Jemand rumpelt an meinem Anker, es ist der Eigner des Katamarans. Die Sonne brennt vom Himmel, er verwickelt mich in eine Konversation und möchte sich verabschieden. Er müsse am kommenden Tag die Marina verlassen, weil der einzige Katamaran-Platz reserviert sei. Ich habe keine Lust auf Smalltalk und mir wird es in der Sonne zu warm. Ich gebe eine gewisse Eile vor und es rutscht mir die Bemerkung raus, dass ich zum Baumarkt muss. Wie dumm von mir.

Waschbecken, ein weiteres Corona-Produkt aus dem Alltag

Eine Stunde später stehe ich im Baumarkt vor eine Reihe Waschbecken, die ich mir an aller Ruhe ansehen kann. Ebenfalls die Toiletten und die Spülkästen und Badezimmerfliesen. Meine überschaubaren Einkäufe sind im Einkaufswagen. Außerdem haben wir schon die große Runde durch den Baumarkt hinter uns. Farbe für die Gasflaschen des Katamarans, die die Rostbildung verhindert. Toilettenreiniger. Sonstiges. Nun fehlt nur noch ein WC-Sitz für den Kat. Mein Mitfahrer steht vor einer Überschaubaren Aufgabe. Von den Maßen her sind ca. fünf der 36 Toilettensitze geeignet. Ich werde nach meiner Meinung gefragt. Warum? Mir muss er doch nicht gefallen. Ich zeige auf den erstbesten Sitz. Dann entdeckt der Mann über den drei Reihen zu je 12 Toilettensitzen noch zwei weitere Reihen, die sich in über zwei Meter Höhe der direkten Begutachtung entziehen. Die Suche nach einem Mitarbeiter des Baumarkts zieht sich ein wenig in die Länge, das ist hier in Aruba nicht anders als bei uns. Der erklärt dann, dass oben in der Höhe nur Dekoration ist, es seien die gleichen Sitze, die auch unten hängen. Der Mitarbeiter darf dann ebenfalls noch seine Meinung zu den Produkten äußern. Er zeigt auf den teuersten Sitz. So einfach geht das. Gekauft wird dann ein anderes Produkt. Ist mir doch egal, Hauptsache ist, dass wir endlich wieder aus dem Laden heraus kommen. Ich will schließlich mein Elektroprojekt weiter treiben. Wir fahren noch schnell zu Budget Marine, den Laden kennt mein Begleiter in- und auswendig. Dieser Einkauf ist schnell erledigt. Ohne Begleitung wäre ich eine Stunde früher wieder an Bord gewesen. Warum kann ich nicht Nein sagen?

Küchenbeleuchtung. Die Deckenbeleuchtung kann man auf Rotlicht umschalten.

Die Restarbeiten an Bord sind überschaubar. Der Kühlschrank bekommt eine komplett neue Stromversorgung auf anderem Weg als vorher, da das alte Kabel tief im Inneren vergraben ist und sich meinem Zugriff erfolgreich entzieht. Ich müsste die Achterkoje komplett auseinander nehmen, insbesondere die beiden Matratzen entfernen. Da schneide ich die beiden zugänglichen Enden des Kabels lieber ab und werde den Rest der Leitung so lange an Ort und Stelle belassen, bis sich eine Gelegenheit ergibt. Auch die Küchenbeleuchtung hat eine neue Stromversorgung und bessere Lampen. Die Arbeitsfläche ist jetzt angenehm hell, bei nächtlichen Fahrten lassen sich die Deckenleuchten auf Rotlicht umschalten. Nun sind nur noch die Navigationsbeleuchtung und einzelne Geräte zu verkabeln. Dann bin ich fertig. Die Lampen für den Salon liegen in der Firma von Sönke, dem Eigner der Pamina. Die Familie fliegt bald für eine Woche nach Deutschland und sie werden mir die Lampen mitbringen. Dann kann ich auch die Salondecke schließen. Ich schalte das Landstrom-Batterieladegerät aus und teste die Batterien. Erwartungsgemäß reicht im Hafen die Stromproduktion nicht für den Verbrauch, doch es ist schön anzusehen, wie gleichmäßig sich die Batterien nun entladen. Das Minus-Kabel des Kühlschranks muss sehr weit weg von der zentralen Masse angeschlossen gewesen sein. Ich ersetze das Antennenkabel durch ein neues. Das alte Kabel hatte einen Gleichstrom-Widerstand von 100000 Ohm. Mit dem neuen Kabel sind es noch 3 Ohm. Außerdem schließe ich den Außenlautsprecher an das Funkgerät an.

Neues Antennenkabel und der Außenlautsprecher werden angeschlossen

Wie teste ich das nun? Ganz einfach: Ich lege ein Telefon neben das Funkgerät, das auf einen unverdächtigen Kanal eingestellt ist, und drehe die Lautstärke auf. Dann nehme ich das zweite Telefon und rufe das erste Telefon an. Ich habe eine Verbindung an Bord. Neben dem Telefon kommt noch das Handfunkgerät mit ins Auto. Dann fahre ich langsam vom Boot weg und rufe immer wieder über Funk durch. Der Lautsprecher des Telefons quäkt und ich höre mit der üblichen WhatsApp-Telefonieverzögerung meinen Ruf aus dem Telefon. Das geht über 500 Meter, einen Kilometer und zwei Kilometer noch gut, die Sprache ist verständlich. Dann verliert sie sich in einem Rauschen. Eine Handfunke aus einer Seemeile Entfernung zu empfangen ist ziemlich im Bereich des Optimums. Es gefällt mir. Ein Radiocheck mit Arubaport wird mit “loud and clear” beantwortet. Das gefällt mir auch. Auf dem AIS-Bildschirm werden sogar Schiffe in mehr als 30 Meilen Entfernung angezeigt. Ich bin stolz, denn ich hatte mit den Steckern des Antennenkabels das erste Mal seit meinem Praktikum im Studium wieder einen Lötkolben in der Hand.

Die Stromverteilung ist fertig verkabelt und beschriftet. Drei Stromkreise sind frei.

Auch der Test des Radars verläuft erfolgreich. Der Licht-Check für die Navigationsleuchten ebenso, genau wie für die Lampen im Mast. Ich fühle mich richtig gut, während ich den Controller des Autopiloten anschließe. Ich drücke die Power-Taste und nichts passiert. Habe ich eine Sicherung für diesen Stromkreis eingesetzt? Leider ja. Jetzt muss ich doch unter meiner Matratze nachsehen, denn dort ist der Autopilot montiert. Der Schweiß tropft mir überall vom Körper. An einer verborgenen Stelle hat der Vorbesitzer von Sissi oder gar dessen Vorgänger die Isolierung der Zuleitung des Kühlschranks entfernt und das Minus-Kabel des Autopiloten an das Minus-Kabel des Kühlschranks gefummelt. Ich bin frustriert. Ich habe mir wieder für zwei Tage Arbeit aufgehalst. Andererseits war die alte Konstruktion ein amateurhaftes Gefrickel, ich müsste froh sein, dass ich es los bin. Ich bin aber nicht froh, denn ich wollte gar keine neue Baustelle mehr haben. Meinen Frust teile ich kurze Zeit später mit dem Eigner des Katamarans, der mir zufällig auf dem Steg entgegen kommt.

Kabel, die ich aus Sissi entfernt habe

Das Teilen meines Frusts erbrachte mir der Toilettensitz-Tour zum Baumarkt auch eine gewisse Öffnung dieses einigermaßen zwanghaft agierenden Menschen zu mir hin. Er beginnt, seinen Frust vor mir auszubreiten. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob man an einem Ort plant festzuhängen oder ob es ein ungeplanter Aufenthalt unbekannter Dauer ist. Die Familie mit zwei Kindern (5 und 12 Jahre) reibt sich gerade an dem Aufenthalt in Aruba auf. Seit Anfang August hängen sie fest, es sind noch Arbeiten am Boot zu erledigen und insbesondere der Kartenplotter tut es nicht. Die zu erwartenden größeren Ausgaben scheinen dem Mann geradezu körperliche Schmerzen zu bereiten. Dabei langweilen sich die Kinder, auch wenn die Kleine mit Lea von der Pamina spielen kann und die Große den Hund Charly von der Pamina ausführen darf. Es kommt Heimweh auf. Der Bordfrieden steht auf der Kippe. Als guter Fremdenverkehrs-Onkel empfehle ich, ein gewisses Kulturprogramm mit den Kindern durchzuziehen. Es gibt in Aruba unzählige Möglichkeiten, Kinder zu bespaßen. Die einzige Voraussetzung ist ein Mietwagen oder der Wille, ein Taxi zu der jeweiligen Attraktion zu bezahlen. Dafür ist mein Stegnachbar jedoch noch nicht bereit, dafür müsste er ja das Portemonnaie öffnen. Ich bin gespannt, auch wenn sie in Kürze die Marina verlassen, werde ich sicher noch von ihnen hören.

Olga wurde adoptiert

Ich bin im Tierheim und mache die kleine Olga fertig. Sie wurde adoptiert und wird in Kürze von ihren neuen Dosenöffnern abgeholt. Plötzlich erreicht mich eine Nachricht von Judith aus dem Marina-Büro. Der Eigner der Watashee hat sich darüber beschwert, dass ich ihm den Strom klauen würde. Als ich zurück im Hafen bin, ist Sissi vom Strom getrennt. Ich frage, woher ich meinen Strom denn nun beziehen soll, mir werden zwei Steckdosen an derselben Säule genannt. Leider sind beide mausetot. Ein Blick auf den Batteriemonitor zeigt mir, dass ich Landstrom nie nötiger hatte als heute. Die Batterien sind inzwischen zu etwas mehr als 50 Prozent entladen. Bei unter 40 Prozent Füllstand könnten sie ernsthaften Schaden nehmen. So weit wären wir dann nach der nächsten Nacht. Leider hat Judith keine Ahnung, woher ich sonst den Strom nehmen könnte.

Warum habe ich damals eigentlich nicht Nein gesagt? Als ich damals umgesteckt wurde dachte ich, dass der Eigner des Katamarans Judith gefragt hat, in welche Steckdose mein Stecker gesteckt werden muss. Hat er aber offensichtlich nicht. Hafenmeister Paul verspricht mir die Installation einer zusätzlichen 220V Steckdose, was mir in der aktuellen Situation aber nicht hilft. Ich gehe zum Katamaran und bedanke mich dafür, dass ich nun meinen Motor mal für ein paar Stunden laufen lassen darf. Der Mann meint zwar, er hätte mich genau in die Steckdose gesteckt, die Judith ihm genannt hat. Das kann meiner Meinung nach nicht sein, denn Judith weiß genau, welche frei sind und welche nicht. Aber ich darf wieder den Strom aus meiner alten Steckdose zapfen, er muss ja sowieso am folgenden Tag losfahren.

Hitze

Draußen auf dem Ozean zieht weit im Norden eine tropische Störung nach der anderen durch. Manche davon finden ihren Weg sogar in die Tagesschau, wenn sie auf karibischen Inseln oder in den USA Chaos anrichten. Nach Aruba finden sie glücklicherweise ihren Weg nicht, doch sie saugen wie gigantische Staubsauger den Passatwind weg und sorgen hier dafür, dass die üblichen Temperaturen unerträglich werden. Mit fünf Windstärken kann man auch bei 35°C angenehm im Schatten sitzen, bei nur drei Windstärken tropft der Schweiß auf den Boden.

Es ist heiß

Dafür sehe ich langsam das Ende meine Elektrobaustelle herannahen. Neben der Vorschiffskoje und dem Salon ist jetzt auch das Cockpit neu verkabelt. Anfangs war es noch sehr anstrengend und schweißtreibend, die Leichen der vielen Kabel von den vor Jahren ausgemusterten Instrumenten des Voreigners aus den engen Kanälen zu ziehen. Als ich endlich ein wenig Platz schaffen konnte, war es leicht die neuen Kabel durchzuziehen. Stolz war ich auf den neuen Kabelkanal, der viel ansehnlicher ist als der alte, mit Isolierband umwickelte Kabelstrang. Auch da waren noch einige Leichen drin verpackt. Ich verlege alle Kabel sauber, schließe sie an und prüfe sie auf Funktionsfähigkeit. Nach bestandenen Tests bringe ich die Verkleidung und den Instrumententräger wieder an ihren Platz und verschraube sie.

Cockpit

Dann will ich mich am Ergebnis erfreuen, finde jedoch fünf Minuten später im Salon noch den kleinen externen Lautsprecher, den ich an das Funkgerät anschließen möchte. Der Außenlautsprecher soll es möglich machen, den Funk auch zu verstehen, wenn der Motor läuft. Bislang musste ich immer runter in den Salon, wenn ich dachte, dass Sissi gerufen wird. In Zukunft werde ich wissen, dass Sissi gerufen wurde und kann dann entspannt zum Funkgerät gehen und antworten. Nur liegt dieser blöde Lautsprecher auf dem Salontisch zwischen allem möglichen anderen Installationsmaterial und ist nicht an seinem angedachten Einbauort. Also muss ich noch einmal die ganzen Verkleidungsteile abnehmen und den Lautsprecher an seinen Platz bringen.

Erste Messungen zeigen, dass die Solarzellen auf dem Cockpitdach mit den neuen Kabeln ca. 15% mehr Leistung liefern.

Was ist noch zu tun? Die Stromversorgung des Kühlschranks wird noch erneuert und dann habe ich den Elektrojobs alle erledigt. Fast alle. Ein neues Antennenkabel für die Funkantenne will noch gekauft und verlegt werden. Die Antenne ist noch gut, beim Durchmessen bietet sie einen Kurzschluss für den Gleichstrom des Messgeräts. Das alte Kabel war mehrfach unterbrochen und gelötet, da ist die Sende- und Empfangsqualität hingegangen.

Öffnungszeiten des Animal Shelter

Es ist doch eigentlich gar nicht schwer. Von Montag bis Freitag kann man zwischen 8 Uhr und 11:30 Uhr die nicht mehr gewollten Haustiere abgeben. Die Videoüberwachungskameras bieten auch eine Alarmierungsfunktion. Inzwischen werde ich alarmiert, wenn ein Tier abgeworfen wird. Okay, die Kameras geben Alarm, wenn sich auf dem Parkplatz etwas tut. Die Zahl der Fehlalarme ist überschaubar. Einmal war bin ich hingefahren um zu wissen, was sich in der Box vor der Tür befindet.

Drei Kätzchen in einer Box

Während ich noch überlege und mit Eva telefoniere, was wir mit den Kätzchen machen sollen, kommt plötzlich ein Wagen auf den Parkplatz gefahren. Eine junge Frau mit zwei kleinen Kindern sitzt darin. Sie steigt aus und geht zu den Kätzchen, sammelt sie ein. Ich frage sie, warum sie die Tiere zuerst ausgesetzt, dann wieder eingesammelt hat. Ihre Mutter hat die Katzenkinder ohne zu fragen bei uns entsorgt. Es ist traurig, die Kätzchensaison hat gerade erst begonnen. Am nächsten Morgen finden wir vier Hundewelpen vor der Tür.

Auch ungeliebt von ihren Besitzern.

Im Hafen geht alles seinen normalen Gang. Drei deutsche bewohnte Boote liegen am Steg. Neben Sissi und Pamina noch ein deutscher Katamaran. Der Kat liegt so nah an meinem Boot, dass ich sehen kann, was da alles so veranstaltet wird. Die Besitzerfamilie hat das Boot in Aruba erworben und macht es nun langfahrtentauglich. Arbeiter von der Marina gehen jeden Tag ein und aus, das Boot muss perfekt werden. Der Eigner ist ein ehemaliger Lufthansa Pilot. Wenn die alle so sind, werde ich nie wieder in einen Lufthansa-Jet einsteigen. Das wird wahrscheinlich sowieso nicht passieren.

Anfangs fand ich die Leute ja ganz nett. Der Eigner hat noch keinerlei Erfahrung mit Langstreckensegeln und hatte eine Unmenge Fragen an mich. Allerdings hat er sich zu keiner der Fragen meine Antworten anhören wollen bzw. wenn er sie angehört hat, hat er nicht zugehört. Okay, es muss jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln. Auch ich habe den Stein der Weisheit noch nicht gefunden, dabei gibt es in Aruba jede Menge Steine.

Swa bei seiner Lieblingsbeschäftigung

Er fragte mich am Anfang dieser Woche, ob ich Bescheid sagen würde, wenn ich wieder zum Supermarkt einkaufen fahre. Er würde gerne mitfahren. Am gestrigen Freitag war es dann soweit. Ich sehe ihn den Steg entlang laufen und kündige die Fahrt zum Supermarkt für etwa 16 Uhr an. Das geht bei diesem Menschen nur mündlich, denn der Katamaran ist das einzige Boot, mit dem ich länger im selben Hafen liege und von dem ich nie eine Telefonnummer bekommen habe.

Ziemlich pünktlich stehe ich vor dem Katamaran. Jetzt passt es ihnen gerade nicht, sie haben etwas anderes vor. Sie behandeln mich, als würde ich sie bei wichtigen Tätigkeiten stören. Also gehe ich wieder, schnappe mir Portemonnaie und Autoschlüssel und will losziehen.

Plötzlich steht die ältere Tochter vor meinem Boot und will wissen, ob sie und ihre Mutter doch mitfahren können. Das ist ja kein Problem für mich, es war sowieso geplant. Auf dem Parkplatz treffen wir Rebecca, die Hund Charly gerade ausführt. Die beiden bleiben erst einmal für einen ausführlichen Schnack stehen. Ich komme mir vor, wie der letzte Hanswurst. Ich habe keine Aktien mit dem Hund. Ich muss auch keine Kinder auf meinem Boot unterrichten. Ich will eigentlich nur in den Supermarkt fahren. Eine knappe Viertelstunde später sitzen wir gemeinsam im Auto. Die beiden fangen eine Unterhaltung auf Tschechisch an. Schön, sie sprechen eine Sprache mehr als ich. Das empfinde ich als sehr unhöflich. Ich muss lernen, öfter Nein zu sagen. Der Eigner möchte noch, dass ich ihm seinen Parasailor richte und ihm eine Einweisung gebe. Das geht nicht. Es gibt keinen Katamaran, der groß genug wäre, dass wir beide darauf gleichzeitig fahren könnten.

Music Bingo

Am Mittwoch habe ich den ersten Preis beim Music Bingo gewonnen, eine Flasche Rum aus Venezuela. Wie die meisten Gewinner auch habe ich mir von Sanne eine Ladung Gläser kommen lassen und eine Lokalrunde ausgegeben. Es kommt ja nicht auf den Rum an, sondern darauf, dass man einen schönen Abend hatte.

Gustav

Ich habe ein geregeltes Leben. Arbeiten auf dem Boot, gelegentlich im Tierheim oder bei den Eseln. Jeden Mittwoch fahre ich nach Oranjestad in das Jazz Café, dann gibt es Music Bingo und ich treffe ein paar andere Leute als in der Marina. Letzten Mittwoch fand eine der seltenen Änderungen der Routine statt. Ich warte auf den Beginn der ersten Bingo-Runde, als mein Telefon klingelt und der Name Gustav angezeigt wird. Gustav war Teil einer dänischen Crew, die mit 16 Personen auf einem Boot zwischen Aruba, Curacao und Bonaire hin und her gesegelt sind, wenn sie nicht gerade in Covid-Quarantäne waren. Gustav ist in Curacao und möchte über Aruba in die USA fliegen. Er möchte bei mir an Bord schlafen. Das geht für mich in Ordnung, er muss allerdings mit der Bank im Cockpit vorlieb nehmen. Mein Gästezimmer ist unbewohnbar.

Gästezimmer

Das macht ihm nichts aus. Er freut sich auf das Wiedersehen und meint noch, dass er in der Marina suchen wird, ob er nicht ein gemütlicheres Bett bekommt. Das ist für mich vollkommen in Ordnung. Als ich nach dem Music Bingo zurück zu Sissi komme, treffe ich auf dem Parkplatz Gustav und er hat tatsächlich ein anderes Boot für die Übernachtung gefunden. Sehr schön. Es sieht bei mir schlimm genug aus, da kann ich eigentlich gar keinen Gast gebrauchen.

Stromverteilung entkernt

Meine Stromverteilung ist inzwischen entkernt. Die Kabel hängen geordnet und beschriftet von der Salondecke herunter bzw. etwas ungeordnet in den Ecken. Die meisten davon wollen in den kommenden Wochen ersetzt werden. Meine inzwischen eingebaute und voll funktionstüchtige neue automatische elektrische Bilgepumpe ist ein Komfortgewinn ohne Gleichen. Ich kann nach Herzenslust duschen und noch während des Duschvorgangs kann ich mich an dem Pumpengeräusch im Keller unter mir erfreuen.

Halbwegs geordnet aber durchweg beschriftet

Ich muss nur noch dem Kühlschrank eine dickere Stromleitung verpassen, die Zuleitungen in die Achterkoje ersetzen, die Deckenlampen im Salon anschließen und darf nicht vergessen, zuletzt alles wieder zu verkabeln, was für den Betrieb des Schiffes erforderlich ist. Bei der letzten größeren Stromaktion vor mehr als drei Jahren hatte ich tatsächlich vergessen, den Kühlschrank wieder anzuschließen.

Es gibt noch viel zu tun

Am Donnerstag bin ich wie immer im Tierheim und kümmere mich um die Katzen. Dort erreicht mich eine ziemlich frustrierte Nachricht von Gustav. Sie lassen ihn nicht in die USA einreisen, weil er das falsche Visum hat. Deswegen muss er in Aruba bleiben, wo sie ihn nicht wieder reinlassen wollen, wenn er kein Flugticket für den Rückflug vorweisen kann. Er kauft ein Ticket nach Curacao und fragt mich, ob er in dieser Nacht in meinem Cockpit schlafen darf. Darf er. Am Abend unterhalten wir uns, ich will mehr über seine Pläne wissen. Eigentlich will er in die USA, um dort in New York auf einem Großsegler zu arbeiten und Geld zu verdienen. Das kann er jetzt aber vergessen nach seinem Versuch, mit dem falschen Visum einzureisen. Nun sucht er eine günstige Möglichkeit, seine Zeit in Aruba zu verbringen und eine Passage nach Kolumbien oder Panama auf einem Segelboot zu erwischen.

Esel im Starkregen

In solchen Fällen denke ich immer “Esel”. Ich sehe nach, ob in einem der beiden Apartments Platz ist. Sie sind beide frei. Ich erkläre Gustav den Deal, dass er für 20 Stunden Arbeit in der Woche bei den Eseln ein Apartment und ein Auto bekommen kann. Diese Idee findet er total gut, ich schicke ihm Desriees Telefonnummer. Am Freitag fahre ich ihn ins Donkey Sanctuary. Er bekommt den Job, das Apartment und das Auto, jetzt ist er ein sehr glücklicher Mensch. Nun kann er sich weiter um ein neues Visum für die USA bemühen, eine Passage suchen und hat kein Problem mit drohender Obdachlosigkeit mehr.

Kamino in der großen Gruppe

Im Donkey Sanctuary gibt es auch gute Nachrichten. Kaminos Stumpf ist soweit in Ordnung, dass er in die große Gruppe gelassen wurde. Nun muss er mit den dicken Eseln um das Futter kämpfen. Zur Fütterungszeit stelle ich fest, dass es für ihn kein Problem ist, genug Heu zu bekommen. Er hat die Technik perfektioniert, seinen Körper auf dem vorderen Bein zu drehen und dann mit den hinteren Hufen zu kicken. Keiner mag neben ihm am Heu stehen. Das gefällt mir sehr gut.

Schlank und sehr schön – Kamino

Weitere Ausbrüche aus meiner Routine sind die teilweise schon sehr häufigen Besuche im Animal Shelter, um Videos von den Überwachungskameras zu sichern. Die Aufzeichnungen werden nach vier Tagen überschrieben, mehr passt nicht auf die Festplatte. Interessanterweise werden die Tiere vor allem an Tagen mit viel Regen ausgesetzt. Die fünf Tiere, die an einem Tag ausgesetzt wurden, habe ich schon einmal gezeigt. Jetzt ist es etwas kompakter. Zuerst werden drei Kätzchen gebracht. Dann kommt der erste Hund. Eine Stunde später informiert sich ein Mann über die Öffnungszeiten, fährt wieder davon und bindet eine halbe Stunde später einen Hund an den Baum. Auch das Pärchen im nächsten Schnipsel informiert sich über die Öffnungszeiten, dann werden eine hochschwangere Hündin und eine sehr junge Hündin aus dem Wagen gezerrt. Bei der Abfahrt des Wagens ist gut zu sehen, wie die werdende Mutter hinterher läuft und zu ihren Menschen möchte. Die beiden Hunde können wir durch Zufall retten, sie sind am nächsten Tag noch in der Nachbarschaft. Bei der Sichtung der Videos finde ich später dann den einzigen einigermaßen verantwortungsbewussten Tierhalter, der seine Welpen wieder mitnimmt. Ein wenig Slapstick, wie die Welpen immer wieder aus ihrer Box herauskommen wollen. Der letzte Hund wurde morgens um viertel vor Acht angebunden. Um acht Uhr öffnet das Tierheim.

In den meisten Fällen haben wir das Autokennzeichen. Diese Fälle werden zu einem tierlieben Polizist gebracht, der wiederum die Anzeige fertigt, welche zu einem Bußgeld führt. Der Polizist arbeitet übrigens bei der Hundestaffel. Nach der Sicherung der Videos fahre ich dann wieder zu Sissi und kümmere mich ums Strippen ziehen.

12V und der dritte Geburtstag

Seit Monaten arbeite ich an der Elektrik von Sissi. Auf dem Rückweg von Kuba haben wir ziemlich viel Salzwasser im Boot gehabt und ein großer Teil der Kabel bzw. deren Verbindungsstücken ist korrodiert. Mein Ziel war es eigentlich, das bis zu meinem Geburtstag abgeschlossen zu haben. Das Ziel ist verfehlt, auch die vier kleinen Kätzchen haben ihren Anteil daran gehabt. Es ist mir nicht gerade egal, in Eile bin ich dennoch nicht. Mein neues Ziel ist, mir ein funktionsfähiges neues Schaltpaneel zum Geburtstag zu schenken. Die Stromversorgung vom alten auf den neuen Sicherungskasten umzuziehen ist ein dicker Brocken. In der Vergangenheit habe ich immer im Winterlager an der Elektrik gearbeitet. Damals musste das Boot nicht funktionieren. Jetzt ist Sissi aber bewohnt. Ich brauche zumindest Kühlschrank, Gefrierschrank, Wasserpumpe, Licht, Radio, WLAN und Lademöglichkeiten für mein Telefon, sonst ist mir das Leben zu spartanisch.

Admiral Nelson, Magellan, Captain Sparrow und Columbus

Zunächst muss ich das neue Schaltpaneel bauen. Die Trägerplatte habe ich vor ein paar Wochen in einer Schreinerei gegen zwei Heinecken getauscht. Sie wurde mir schon auf die korrekten Maße zugesägt. Ich muss mich nur noch um die Ausschnitte für die beiden Instrumente sowie für die Schalter kümmern. Die Schalter habe ich nebst Trägern in mehreren Läden über die Insel verteilt zusammengeklaubt.

Trägerplatte nach dem Sägen

Die Ausschnitte für die Schalterleisten sind sehr schön geworden. Weniger schön die Löcher für die Rundinstrumente. Da fehlte mir der passende Aufsatz für die Bohrmaschine, ich habe sie mit der Stichsäge gesägt. Sind die Instrumente an ihrem Platz, kann man die Unsauberkeiten kaum noch sehen. Mir genügt es.

Nach dem ersten Anstrich

Ich will im Salon die dunklen Wände gegen Ende der Renovierungsarbeiten in Weiß streichen. Das wird den Salon mächtig aufhellen. Deswegen fange ich mit dem Schaltpaneel an. Schon der erste Anstrich ist sehr schön geworden. Jetzt muss ich die Farbe über Nacht trocknen lassen. Die Zeit bis zu meinem Geburtstag wird knapp, doch noch ist der Termin zu halten. Ich nutze die Zeit, um die beiden neuen Sicherungskästen auf kleinen Holz-Sockeln an ihren neuen Wohnort zu bringen. Die Verkabelung ist durchweg in 3 mm² ausgeführt, ich kann also später eine fast beliebig dicke Sicherung einsetzen. Es gibt sowieso nur vier Verbraucher, die hier angeschlossen werden und mehr als 5A ziehen (Kühlschrank, Gefrierschrank, Autopilot, Radar).

Die neuen Sicherungskästen sind an Ort und Stelle, sie sind jedoch noch nicht angeschlossen.

Leider tut mir die Farbe nicht den Gefallen, innerhalb von vier Stunden zu trocknen. Die Sicherungskästen sind soweit klar für die Verkabelung. Hier kann ich erst weitermachen, wenn das neue Paneel an Ort und Stelle ist. An Bord ist also nichts mehr zu tun.

Seit ich den Gefrierschrank habe, liegen Packungen mit Blätterteig darin. Ich erinnere mich noch gut an Jens’ Begründung, warum wir in Wales ein Nudelholz kaufen mussten. Er wollte Blätterteig für leckere Croissants selbst machen. Zu diesem Wahnsinn ist es nie gekommen, das Nudelholz war im Laufe der Zeit aber immer wieder Nützlich. Die eine oder andere Pizza haben wir an Bord gebacken. Nun ist mein Backpapier zu Ende, also fahre ich in den Supermarkt. Selbstgebackene Croissants sind schon ziemlich lecker. Beim Abschreiten der Regale finde ich das Backpapier zunächst nicht. Statt dessen finde ich ein mir bisher unbekanntes Corona-Produkt.

Corona Seife

Ich muss an die Anti-Corona-Maßnahmen der hiesigen Regierung denken und fühle mich wie in einem Déjà-vu. Wie soll ich meinen Geburtstag feiern? Wie kann ich die Maßnahmen soweit verbiegen, dass wir alle zusammen kommen können? Im vergangenen Jahr habe ich im Donkey Sanctuary gefeiert. Damals war es nicht erlaubt, am Strand zu feiern oder Alkohol zu konsumieren. Das ist seit einer Woche auch wieder verboten. In Restaurants und Bars gilt die 4-Personen-an-einem-Tisch-Regel. Das gab es im vergangenen Jahr auch. Und wir haben eine harte Ausgangssperre ab 22 Uhr. Wer danach von der Polizei auf der Straße angetroffen wird, zahlt eine Buße von 5000 Florin (wenn ich mich recht erinnere) und verbringt die Nacht im Gefängnis. Das war vergangenes Jahr auch so. Nur hatten wir im vergangenen Jahr gut 100 Corona-Fälle, jetzt sind wir knapp bei 1000. Die Intensivstation ist voll, Kranke werden nach Kolumbien ausgeflogen. Diesmal sind es nicht die Alten, diesmal sind die jungen Ungeimpften die Hauptbetroffenen. Wie ich es aus Deutschland auch mitbekomme.

Corona Kakao

Am Freitag bekommt das neue Schaltpaneel um acht Uhr morgens seinen zweiten Anstrich. Das Ergebnis gefällt mir sehr gut. Ich hoffe, dass ich die Schalter und Instrumente noch am selben Tag einbauen kann. Die Farbe muss nur schnell genug trocknen. Derweil schraube ich schon einmal das alte Paneel los und stelle es neben den Schrank. Ich trenne die Batterien vom Bordnetz. Windgenerator und Solarpaneele sind abgeschaltet. Trotzdem passiert nichts. Natürlich, den Landstromlader habe ich nicht ausgeschaltet. Ein Klick, die rote Kontrollleuchte erlischt. Alle anderen Lampen leuchten weiter, Kühlschrank und Gefrierschrank brummen. Wo kommt denn der Strom immer noch her? Nach kurzem Nachdenken ist mir klar, dass der Strom von der Starterbatterie kommt. Die ist aufgrund der langen Liegezeit über einen Schalter mit dem übrigen Netz verbunden, damit sie sich nicht selbst entlädt. Außerdem kann ich so den Motor über die Verbraucherbatterien starten, wenn es nicht anders geht. Ein Klick und es ist im Boot dunkel.

Der alte Sicherungskasten ist raus.

Jetzt werden alle unbedingt notwendigen Verbraucher auf eine einzige Sicherung gelegt. Ich habe eine schöne, kleine Stromschiene für die Lichtverteilung, auf der noch etwas Platz ist. Deswegen kommen alle Kabel erst einmal provisorisch darauf und werden an einer einzigen Sicherung im neuen Sicherungskasten abgesichert. So kann ich die Nacht überstehen. Später ist es dann doch noch möglich, den neuen Sicherungskasten zu bestücken und zu verdrahten.

Das neue Schaltpaneel

Auf dem Foto ist unschwer zu erkennen, dass ich fünf verschiedene Schalter eingebaut habe. Die sind von zwei verschiedenen Herstellern gebaut und in drei Marineshops in Aruba eingekauft. Entweder nimmt man hier, was man bekommen kann, oder man muss bestellen. Eine Bestellung hat aber nicht immer etwas damit zu tun, dass es auch zu einer Lieferung kommt. Ich warte immer noch auf den Anruf eines der Marineshops bei dem ich vor eineinhalb Monaten eigentlich 24 Schalter bestellt habe.

Das neue Paneel ist an Ort und Stelle

Mein Ziel ist fast erreicht. Da ich die Gäste erst für 17 Uhr zu meiner Geburtstagsfeier in das Jazz Cafe eingeladen habe, bleiben mir noch ein paar Stunden Zeit. Natürlich fängt alles erst einmal mit einer Autofahrt zum Baumarkt an, denn die alten Scharniere kann ich für das neue Paneel nicht mehr benutzen. Die Befestigungsschrauben sind hinüber und mir fehlen entsprechend kleine Schrauben. Entweder brauche ich Schrauben oder neue Scharniere. Die alten haben ein wenig unter dem Salzwasser gelitten, also ersetze ich sie durch neue. Nun kann das Paneel in den Schrank eingebaut und verdrahtet werden. Insbesondere die Leitungen vom Sicherungskasten müssen alle sorgsam an Ort und Stelle gebracht werden. Nicht dass die Nummern durcheinander geraten.

Alt (links) und Neu (rechts)

Jetzt ziehen noch Kühlschrank, Gefrierschrank und Kabinenbeleuchtung auf ihre neuen Schalter um. Anschließend bin ich zufrieden und betrachte den Meilenstein als erreicht. Zumindest ein Teil der Elektrik läuft auf dem neuen Sicherungskasten und Paneel, der Rest kann jetzt einfach umgeklemmt oder angeklemmt werden. Eine schöne Fleißaufgabe für die kommende Woche. Einige der alten Kabel wollen noch ersetzt werden, das ist der Herkules-Teil der Arbeiten.

Ein Eimer Bier

Etwa ein Dutzend Leute habe ich eingeladen. Erwartungsgemäß kommen die Holländer und die Deutschen zuerst. Die Arubaner sind etwas später dran. Ich habe einen einzigen Tisch bestellt, doch Wirtin Sanne verteilt die Reservierungsschilder gleich über drei benachbarte Tische. In der Folge bilden sich ein deutsch-französischer, ein holländischer und ein arubanischer Tisch heraus. Wir bestellen Pizza und lassen es uns gut gehen, außerdem werden von uns jetzt alle Corona-Regeln eingehalten. Die Polizei kommt nicht zu einer Kontrolle vorbei. Es ist der dritte Geburtstag, den ich nicht in Frankfurt feiere.

Eva vom Tierheim ist ebenfalls unter den Gästen. Leider hat sie die traurige Nachricht, dass der kleine Magellan es nicht geschafft hat. Zwei Tage vorher habe ich die vier noch einmal gefilmt. Ich glaube nicht, dass die Großen ihm das Futter weggeschnappt haben. Bei so kleinen Kätzchen ist es schwer, sie alle durchzubringen.

23. August 2021

Es regnet. Es regnet schon die ganze Nacht. Irgendwo nördlich von uns zieht mal wieder eine tropische Störung durch. Deswegen ist es beinahe windstill und das Wasser fällt aus dem Himmel. Stundenlang.

Starkregen in Aruba

Es ist egal. Ich muss raus. Soraida hat mich gerade angerufen, ein Paket für mich wurde bei ihr abgegeben. Es ist das Paket, das schon seit sieben Wochen in Aruba ist. Mein Vater war bei meinem Lieblingsmetzger in Frankfurt und hat ein paar Wurstkonserven, etwas Beef Jerk und eine Dose Apfelwein in ein Paket gepackt. Das fanden die Zöllner in Aruba nicht witzig und so entwickelte sich ein reger Nachrichtenaustausch zwischen dem Paketshop und dem Zoll in Oranjestad. Einzig das Paket gelangte nicht zu mir. Letztendlich stellte sich die Frage, ob ich gewillt bin, knapp 50 Dollar für den Zoll und noch einmal 50 Dollar für eine veterinärmedizinische Untersuchung zu zahlen. Zuzüglich der üblichen Gebühren. Ich war es nicht. Drei Werktage später landete das Paket bei Soraida. Es wurde vom Zoll nicht einmal geöffnet. Die Gebühren belaufen sich auf 125 Florin, also etwa 70 Dollar. Ich freue mich trotzdem, auch wenn der Inhalt längst nicht so viel Wert ist. Der ideelle Wert macht das allemal wieder wett.

Nasse Kreuzfahrer

Ich will noch schnell in den Supermarkt fahren, stecke aber ziemlich schnell in einem dicken Verkehrsstau fest. Eines der seltenen Kreuzfahrtschiffe (Carnival Cruises) liegt am Terminal. Das bedeutet natürlich, dass auf der Uferstraße die Touristen ständig von einer auf die andere Straßenseite torkeln. Also ist Stau, wir fahren diese Leute nicht über den Haufen.

Vor dem Tierheim ausgesetzt am 23. August

Einen Tag später bekomme ich eine Nachricht aus dem Tierheim. Ob ich mal auf der Videoüberwachung schauen kann, wer uns die Hunde und die Kätzchen vor die Tür gelegt hat. Natürlich kann ich. Es ist mir eine Freude. Innerhalb eines Tages wurden zwei Hunde und drei Kätzchen ausgesetzt. Wenn wir gute Aufnahmen haben, geben wir sie zur Polizei. Genauer gesagt bekommt sie ein bestimmter Polizist von der Hundestaffel. Der sorgt dann dafür, dass der Tierfreund eine Geldbuße zahlen muss.

Leider habe ich am Vortag bei einer ähnlichen Aktion die wichtigste Kamera abgeschaltet. Deswegen haben wir das Kennzeichen von dem Mann nicht, der uns gegen 13 Uhr die Katzen vor die Tür gelegt hat. Die Katzen mussten ohne Nahrung und ohne Wasser den ganzen Nachmittag und die folgende Nacht in ihrem Karton ausharren. Die Kätzchen sind ein paar Tage älter als die vier, die bei mir an Bord gewohnt haben. Sie können schon selbständig fressen und ihre Bedürfnisse verrichten.

Die Kennzeichen der beiden nun ehemaligen Hundehalter haben wir jedoch. Insbesondere der zweite Kerl, der uns den Hund an den Baum gekettet hat, ist besonders frech. Bei seinem ersten Besuch (hier können wir das Kennzeichen erkennen) läuft er herum und informiert sich über die Öffnungszeiten. Dann pinkelt er gegen die Mauer zum Nachbargrundstück und fährt wieder davon. Eine Dreiviertelstunde später ist er wieder da und holt den Hund aus dem Kofferraum, der dann am Baum gelassen wird. Außerdem muss er noch ein zweites Mal gegen die Mauer pinkeln. Puh.

Captain Sparrow und seine Tischmanieren

Meinen vier Babys geht es ausgezeichnet. Inzwischen müssen sie nicht mehr abgewaschen werden, sie reinigen sich selbst, wie es ein kleiner Kater machen muss. Nur Captain Sparrow muss noch ein wenig an seinen Tischmanieren arbeiten.

Tiger

Heute ist einer dieser Tage. Anneke sendete mir gestern eine Nachricht, dass sie nicht am Nachmittag sondern am Vormittag im Donkey Sanctuary sein würde. Ich war schon lange nicht mehr am Morgen dort, also habe ich mich gefreut.

Morgens um kurz vor Neun im Donkey Sanctuary

Die Morgenstunde hat ihren ganz eigenen Zauber. Bevor die Besucher kommen, stehen die Esel alle in erwartungsfroher Haltung da und begrüßen die Menschen. Sie wissen, dass in Kürze die Fütterung beginnen wird. Es ist geradezu gespenstig ruhig. Die Morgensonne streichelt weich über die Landschaft. Pünktlich um 9 Uhr ist alles aufgebaut und wir sind bereit, Besucher zu empfangen. Anneke will das Spezialfutter für die Alten fertig machen, als sie plötzlich darauf aufmerksam wird, dass Tiger merkwürdigerweise auf dem Boden liegt.

Keine Lebenszeichen mehr feststellbar, der Körper ist noch warm.

Der Körper des Babyesels ist noch war, aber Anneke kann keine Lebenszeichen mehr feststellen. Tiger war in der letzten Zeit wegen Eisenmangels in Behandlung. Deswegen trägt sie auch noch das Halfter. Ohne kann man einem Esel schlecht eine Spritze geben. Wegen ihrer schlechten Blutwerte vermutet Anneke, dass Tiger einen Herzinfarkt hatte.

Tiger ist eingeschlafen

Rund um das Baby finden sich keine Spuren, dass sie im Todeskampf lange gezappelt hätte oder sich gequält hätte. Anneke lässt ihren Mann Dirk die Videoaufzeichnungen sichten, denn dieser Stall wird von einer Kamera überwacht. Als Todeszeitpunkt wurde 6:10 Uhr festgestellt, Tiger hat sich einfach hingelegt, ist eingeschlafen und nie wieder aufgewacht.

Die Esel nehmen Abschied

Es stellt sich die Frage, was wir mit der Leiche machen. Liegenbleiben kann sie nicht lange, denn in der Hitze wird der Kadaver schnell anfangen zu stinken. Allerdings hat niemand von uns dreien ein geeignetes Auto für den Transport eines toten Esels, sei der Esel noch so klein. Wir müssen auf einen der beiden Pickup-Trucks warten, die zum Donkey Sanctuary gehören.

Es ist merkwürdig. Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als Tiger mit ihrer Mutter Woods auf dem Parkplatz des Golfplatzes in San Nicolas gefangen worden sind. Damals war ich zufällig im Donkey Sanctuary, es wäre gar nicht meine Schicht gewesen. Auch der Tag, an dem Tiger das erste Mal den kleinen Stall verlassen und mit anderen Eseln herumtoben durfte, ist mir noch sehr gut in Erinnerung geblieben. Das Video habe ich noch einmal ausgegraben.

Wir wissen alle, dass die kleinen Esel in Aruba keine großen Chancen haben. Da alle derzeit auf der Insel lebenden Esel von lediglich 20 Eseln abstammen, ist der Genpool schlecht. Wenn sie nicht gerade tot geboren werden, werden die kleinen Esel oft nicht alt. Daran kann auch die gute medizinische Betreuung im Donkey Sanctuary nicht viel helfen. Wir lassen die Esel Abschied nehmen.

Als ich das Donkey Sanctuary gegen Mittag verlasse, kann man schon etwas riechen. Es wird Zeit, dass Tiger abtransportiert wird. Traurig fahre ich zurück zu Sissi. Es ist heute einer dieser Tage.

Adieu Kätzchen

Es ist kaum zu glauben. Die beiden letzten Wochen sind unglaublich schnell vergangen. Ich schwitze im Salon und schreibe diese Zeilen nieder. Dabei wird mir bewusst, dass ich heute vor zwei Wochen die vier Kätzchen mit aufs Boot genommen habe. Und dass ich sie vor drei Tagen wieder ins Tierheim gebraucht habe.

Katzenklumpen vor dem Niedergang

Zuletzt ist es nur noch Admiral Nelson, der durch Schüchternheit am Futternapf auffällt. Dabei weiß ich, dass er fressen kann. Er frisst immer erst dann, wenn seine Brüder ihre Mahlzeit beendet haben. Das ist ungerecht, denn die anderen werden dicker und größer. Nelson hängt hinterher. Also schnappe ich ihn mir bei den nächsten beiden Raubtierfütterungen und lasse ihn im Cockpit alleine speisen. Die anderen veranstalten im Salon ein großes Getöse und versuchen, den Niedergang heraufzuklettern, hören sie ihren Bruder doch genüsslich schmatzen. Wenn Nelson satt ist, bekommen die anderen die “Reste”, immer noch den größten Teil von der Portion. Im Video sieht man es sehr gut. Ich habe Aufnahmen beim Fressen von verschiedenen Tagen hintereinander geschnitten. Dabei wird Nelson am Futternapf immer frecher. Ich entscheide, dass die Kerlchen am Montag wieder ins Tierheim zurück müssen. Nach nur eineinhalb Wochen.

Abfahrbereit

Mit zögerlichen Schritten verlassen sie ihre Transportbox, als ich sie in ihrem neuen Zuhause auf den Boden stelle. Ich lasse sie erst einmal in Ruhe, sie sollen sich an ihre neuen Mitbewohner gewöhnen, die Box als gewohnten Rückzugsort können sie noch ein paar Stunden benutzen. Sehr schnell kommen sie heraus und beginnen, die neue Umgebung zu erkunden.

Das Spielzeug ist schnell gefunden

Nach dem Versorgen der Katzen verlasse ich das Tierheim sehr schnell. Ich bin ein wenig traurig und mein Boot ist leer und leise, als ich wieder in den Salon trete. Sofort mache ich mich an die Arbeit. Die Teppichfliesen müssen alle raus. Zwei Kätzchen konnten die Toilette schon benutzen, das heißt aber auch, dass zwei es noch nicht konnten. Dementsprechend sieht es aus und geruchlich ist auch nicht alles gut.

Teppich oder Toilette?

Dann bekomme ich Zuwachs an Bord, Michael bringt mir die Gefrierbox vorbei, die er mir vor ein paar Tagen verkauft hat. Jetzt kann ich mir auch Speiseeis kaufen. Bei 34°C schadet eine Dose Eis an Bord gar nicht. Die Außentemperatur bringt es allerdings auch mit sich, dass die Gefrierbox nicht weniger als -8°C erreicht. Aber ich möchte die Lebensmittel nicht für Monate aufbewahren. Um sie für ein paar Tage oder Wochen einzufrieren, sollte die Temperatur ausreichen. Wie ich das gefräßige Teil auf dem nächsten Segeltörn mit Strom versorgen will, bleibt mir bislang ein Rätsel. Ich hatte ja gehofft, dass der Kompressor gelegentlich Ruhe bekommt. Er läuft jedoch dauerhaft durch.

Gefrierbox

Die Tropenstürme, die hier einige hundert Kilometer nördlich durchziehen, bringen immer wieder schlechtes Wetter mit sich. Schlechtes Wetter ist für mich Windstille bei prallem Sonnenschein. Auf der Rückseite kommt es anschließend zu starken Regenfällen. Dann kann es passieren, dass die Bar in der ich sitze, innerhalb von wenigen Sekunden leer gespült ist. Die Gäste werden vielmehr vom Außenbereich in den Innenbereich gespült. Zum Glück dauert so ein Regenschauer immer nur wenige Minuten.

Starkregen fällt über das Jazz Cafe

Mein nächster Besuch im Tierheim findet drei Tage später statt. Ich habe drei Tage nichts von den Katerchen gehört oder gesehen. Drei Tage haben sie mich nicht gesehen. Kaum betrete ich den Käfig und spreche zu den Tigern, kommen sie sofort angelaufen und wollen wieder meine Beine hochklettern.

Sie kommen alle gelaufen, auch wenn man nur drei auf dem Bild sieht.

Leider ist nicht alles so, wie es sein soll. Alle vier sind noch nicht besonders gründlich bei der Fellreinigung, das hat ihnen ihre Mutter nicht beibringen können. Deswegen haben sie alle am Hintern einen Haufen fest getrockneter Scheiße. Einmal am Tag müssen sie noch gereinigt werden. Den Job erledige ich unter großem Geschrei des jeweiligen Kandidaten.

Magellan

Ich habe jedem von ihnen das Halsband mit Namen und Nummer selbst angelegt. Nicht, dass die Kater mit dem falschen Namen gerufen werden. Ihre Namen werden sie nur für kurze Zeit tragen, denn die meisten Adoptiveltern geben ihnen einen neuen. Ich werde so lange berichten, bis sie alle adoptiert sind. Sehr stolz bin ich, dass ich sie alle vier durchbekommen habe. Das hat am Anfang noch ganz anders ausgesehen.

Zur Belohnung hole ich mir gleich noch ein Eis. Der neue Luxus ist toll. Jetzt muss ich nur aufpassen, nicht zu viele süße Sachen zu essen.

Katzeklo

Immer wenn ich bei meinem Wagen auf die Bremse trete, tritt ein erbärmliches Geräusch auf. Als wären die Bremsbeläge auf einer Seite komplett abgefahren. An das Problem muss ich irgendwie heran. Also besorge ich ich im nächsten Autoteile-Geschäft einen Satz neue Bremsbeläge und fahre zu Edward, der in seinem Hof eine Miniatur-Autowerkstatt installiert hat. Dort zeigt sich, dass auch die Bremsscheiben ziemlich herunter geritten sind und erneuert werden müssen. Das ist alles kein Ding, schließlich fahre ich ein weit verbreitetes Modell. Die Scheiben müsste es an jeder Ecke geben, doch zuerst muss ich zurück an Bord, denn die Kätzchen brauchen mal wieder eine Fütterung.

Bevorzugte Zubereitungsart ist Dünsten

So etwas wie Kätzchen-Aufzuchtmilch ist hier nicht einmal im Tier-Fachgeschäft zu bekommen. Die Katzenmilch im Supermarkt kostet pro 200ml 3,50 Florin, das grenzt fast an Betrug. Denn wenn ich auf der Zutatenliste sehe, dass da laktosefreie Kuhmilch drin ist, kann ich auch gleich zum Regal für die Menschen gehen und einen Liter fettreduzierte laktosefreie Kuhmilch für 1,99 Florin kaufen. Einen Dreiviertelliter versaufen die kleinen Racker durchaus pro Tag. Ich hoffe, dass ich sie bald dazu bekomme, normales Katzenfutter zu fressen, denn um ihre Milchportion müssen sie sich immer heftig streiten. Ich kann immer nur einem der Katerchen seine Portion geben, die anderen 12 Pfoten kämpfen dann um die Pole-Position.

So sieht meine Hand aus, sie streiten sich um das Futter. Sie kämpfen.

Anfangs hatte ich meine liebe Mühe, sie zum Pinkeln und Kacken zu animieren. Jetzt brauche ich das nicht mehr, sie können das nun von alleine. Ob ich zu Hause bin oder nicht. Manchmal gehen sie auf das Katzenklo. Meistens aber nicht. Gelegentlich sehe ich ein Katerchen in einer Ecke, das eine verdächtige Position einnimmt und plötzlich auch noch verdächtige Geräusche macht. Dann schnappe ich mir den Kerl und trage ihn am Nacken zum Katzenklo. Es funktioniert, dort fangen sie dann an zu Scharren und zu Graben. Wenn ich nicht an Bord bin, landen die Ausscheidungen irgendwo auf dem Teppich.

Unter dem Menschenklo

Genau auf dem Teppich, den Jens und ich vor Monaten von der Ölpest befreit haben. Auf dem Teppich, der von den Voreignern liebevoll in den Salon eingepasst wurde. Auf dem Teppich, der schon lange nicht mehr schön ist und nur die hässlichen Bodenbretter kaschieren soll. Die will ich im Laufe dieses Jahres noch schön machen und gänzlich auf den schwer zu reinigenden Bodenbelag verzichten. Wenn die Kätzchen zurück im Tierheim sind, wird die Reinigung daraus bestehen, die Teppichfliesen auf den Müll zu werfen.

So ist es richtig!

Hinsichtlich der Namen für die Katerchen ist eine Entscheidung gefallen. Einen schönen Vorschlag bekam ich aus Deutschland, Mary Read. Hätte ich gerne genommen, wirklich. Ich hatte für das Mädchen den Namen Anne Bonny ausgesucht.

Ich fahre die Kätzchen am Dienstag zum Entwurmen und zur Untersuchung ins Tierheim und wir stellen fest, dass wir das Mädchen nicht finden können. Es sind vier Jungs. Damit ist auch der Gedanke vorbei, das Mädchen an den Hafenmeister Paul zu vermitteln, der Gesellschaft für seinen Mikey sucht. Mikey akzeptiert keine Männer um ihn herum.

Da der Name auch irgendwie zu seinem Träger passen muss, haben die beiden neugierigsten Kater die Namen Kolumbus und Magellan bekommen. Sie sind beide Entdecker und müssen ihr kleines Näschen überallhin schieben. Dann haben wir noch Admiral Nelson, der die Ruhe selbst ist. Er beteiligt sich nur wenig an der Schlacht um die Milch, sondern wartet einigermaßen geduldig auf seine Portion. Der Letzte im Bund ist eine Fantasiefigur – Captain Sparrow. Er ist ein kleiner Drecksack und besonders gemein zu seinen Brüderchen.

Wie die Katze, die um den heißen Brei schleicht

Schließlich kommt der Tag, an dem alle aus dem Futternapf fressen. Anfangs ist ihnen die Nahrungsquelle nicht geheuer. Es riecht ja eigentlich ganz lecker, hat aber nichts mit dem zu tun, was vorher auf der Speisekarte stand. Also wird es von allen Seiten betrachtet. Meiner Erwartung nach würden entweder Kolumbus oder Magellan den ersten Schritt machen. Ich werde nicht enttäuscht. Magellan stellt gleich einmal seine Pfötchen in die Schale. Die anderen schauen fasziniert zu, den Geräuschen nach klingt es aber nach Nahrungsaufnahme. Ein ziemlich rhythmisches Schmatzen erklingt im Salon, die spitzen Öhrchen wackeln im Takt. Der Kater gerät mehr und mehr in Fress-Extase und landet zuletzt bäuchlings im Futter. Kein Grip in der Schüssel.

Kein Grip für die Füßchen in der Schale. Er muss noch lernen, dass er zum Fressen nicht in die Schüssel muss.

Währenddessen schleicht sich Captain Sparrow an die Schale heran. Zunächst probiert er recht zaghaft, dann merke ich, dass ihm die neue Nahrung ebenfalls mundet. Die anderen beiden halten sich eher entfernt und bei mir, statt sich im ihr Futter zu kümmern. Ich bin halt die Mama und die Mama muss doch Milch geben. Wie man mir im Tierheim erklärt hat, entscheidet die Katzenmama aber irgendwann, dass es keine Milch mehr gibt. Dann gibt es eben Mäuse. Captain Sparrow findet es so lecker, dass er nach nur wenigen Minuten bäuchlings neben Magellan schmatzt.

Damit sind schon zwei überzeugt

Die beiden anderen haben zunächst Probleme mit der Größe der Brocken. Sie saugen die Nahrung eher auf, als dass sie sie kauen. Das müssen sie noch lernen. In die Fußzehen beißen können sie prima, in die Nahrung beißen noch nicht. Das Futter macht eine Riesensauerei im Fell der Tigerchen, deswegen gibt es nach der Mahlzeit von mir nun auch noch eine Katzenwäsche dazu. Mit dem zerkleinerten Futter kann ich die beiden anderen nun auch noch motivieren, ihren Magen in der Schüssel zu füllen.

Wir lernen den Umgang mit dem Futternapf

Das ist die erste Mahlzeit, in der die Kätzchen entscheiden, wie viel sie zu sich nehmen. Kolumbus liegt mit einem Kugelbauch in der Ecke. Auch Captain Sparrow scheint sich etwas zu viel zugemutet zu haben. Die beiden anderen sehen normal aus. Ich bin mal gespannt, wie lange diese Mahlzeit im Vergleich zur üblichen Milchmahlzeit vorhält.

Die Zeit kann ich nutzen, um beim Autoteile-Händler die Bremsscheiben zu besorgen. In den ersten vier Läden lande ich keine Treffer, im fünften und hochpreisigsten Laden finde ich die Scheiben endlich. Da hätte ich auch gleich zu Toyota fahren können. Ich vereinbare mit Edward, dass wir die Bremsscheiben am Folgetag tauschen.

Kolumbus

Gesagt, getan. Mein Wagen steht in der improvisierten Werkstatt und Edward nimmt gerade den Steuerbord-Bugreifen ab. Ich habe die neue Scheibe schon griffbereit. Eine Minute später ist die alte Scheibe demontiert. Sie schreit geradezu danach, ersetzt zu werden.

23 Zentimeter Durchmesser

Edward nimmt die neue Scheibe und will sie auf die Achse stecken. Er flucht. Ich sehe das Desaster und fluche mit. Die neue Scheibe hat zwei Zentimeter mehr Durchmesser. Wie bitte? Ich habe doch beim Einkauf darauf geachtet, dass ich die Scheiben zum richtigen Baujahr kaufe. Die Quittung für den Kauf ist auch schon irgendwo im Müll gelandet. Ich fahre zurück zum Teilehändler und reklamiere. Nach einem Gespräch mit dem Manager ist es möglich, die Scheiben zurück zu geben und mir wird eine Ersatzquittung ausgedruckt. Natürlich kann ich die passenden Scheiben nicht mitnehmen, denn sie sind nicht auf Lager. Sie werden bestellt und haben eine Woche Lieferzeit. Okay, damit kann ich leben.

Vier Zentimeter

Wie konnte es zu diesem Problem kommen? Ganz einfach, ich würde die Ursache “Aruba” nennen. Auf die Frage nach dem Baujahr habe ich mit 2002 geantwortet, wie es auch in den Fahrzeugpapieren steht. Das Problem ist, dass die Fahrzeugpapiere in Aruba gemacht worden sind. Nach Eingabe der Fahrzeugnummer im Computer des Autoteile-Händlers erscheint als Baujahr plötzlich 1999. Warum das drei Jahre jünger wurde, kann mir niemand so recht erklären. Wahrscheinlich hat das Fahrzeug drei Jahre gebraucht, um aus Japan nach Aruba zu kommen und erstmals zugelassen zu werden. Für das Baujahr 1999 gibt es übrigens unterschiedliche Scheibengrößen – mit und ohne ABS.

Verzögerungen beim Bloggen

Und wieder einmal habe ich trotz tigerbedingter Störungen einen Beitrag fertig geschrieben. Ich bin stolz. Jetzt darf ich die Tiger mal wieder waschen. Mit dem Waschlappen. Das Baden im Futter ist nicht gut für das Fell.

Und jetzt dürfen alle mitsingen. Katzeklo, katzeklo…

Niedlichkeitsalarm

Das Tierheim morgens kurz vor acht

Es ist Donnerstag, einer meiner beiden Katzentage. Wie immer fahre ich morgens um zum Tierheim, meine Schicht für die Versorgung der Katzen. Diesen Donnerstag wird mir eine nette Dame vorgestellt, die bei den Katzen mithelfen möchte. Gerne, denn geteilte Arbeit ist halbe Arbeit. Im “Quarantänekäfig” sind vier Neuzugänge. Meine Helferin war schon tags zuvor im Tierheim und bei ihrer Ankunft zugegen. Eigentlich will sie mir gar nicht helfen, sondern sich um die Neuzugänge kümmern.

Vier Neuzugänge vom Mittwoch

Die neuen Kätzchen sind echt klein. Sie haben die ganze Nacht nichts zu fressen bekommen, weil keiner sie gefüttert hat. Aus dem Napf können sie noch nicht fressen. Um alleine auf Toilette zu gehen sind sie ebenfalls zu jung. Irgendwer hat sie am Mittwochvormittag in einem Karton vor der Tür des Animal Shelter abgestellt, hat nicht Bescheid gesagt und ist davon gefahren. Ich bin der einzige Volunteer im Tierheim, der noch ohne ein Tier in Pflege ist. So jedenfalls kommt es mir vor. Bevor entschieden wird, dass diese Kätzchen zu klein zum Überleben sind, melde ich mich freiwillig zur Aufzucht. Ich werde die Kleinen ein paar Wochen bei mir aufnehmen, sie füttern und dazu animieren, zu pinkeln und zu kacken. Das lernen sie normalerweise von ihrer Mami.

Die Kätzchen machen ihre ersten Schritte auf Sissi

Gleich nach der Ankunft machen meine vier Gäste ihre ersten Schritte. Es sind drei Jungs und ein Mädchen, wenn ich das richtig feststelle. Alles ist ja noch sehr, sehr klein. Ab sofort gilt, dass sie alle paar Stunden ihre Futter bekommen. Außerdem erhalten sie eine Massage auf dem Bauch, damit sie lernen, auf Toilette zu gehen. Ich füttere sie mit einer Spritze, was am Anfang für die Kätzchen schwierig zu verstehen ist. Bei der zweiten Fütterung geht es schon besser als bei der ersten. Bei der dritten Fütterung fangen sie an, gegenseitig um den Platz an der Spritze zu kämpfen.

Sissi akzeptiert die Gäste

Sissi ist eine ganz liebe Katze, die nur leider keine Milch hat. Sonst könnte sie mir helfen, die Kleinen zu betreuen. Aber sie ist freundlich zu meinen Gästen. Niemand wird gekratzt oder angefaucht. Eine brave Stoffkatze.

Es vergeht der Freitag. Die Kätzchen pinkeln zwar, aber sie kacken nicht. Langsam fange ich an, mir Sorgen zu machen. Füttern muss ich sie, schließlich brauchen sie viel Nahrung. Ich ändere meine Massagetechnik. Ich bin erfolglos. Auch der Samstag vergeht so. Sie fressen alle viel, doch hinten mag nichts herauskommen. Doch als ich am Sonntag aufstehe, trete ich vor meiner Kabine erst einmal in Katzenkot. Das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich darüber freue, barfuß in die Scheiße zu treten.

Nach dem Fressen kommt das Nickerchen

Derweil ist meine Sissi das attraktivste Schiff im ganzen Hafen. Jeden Tag kommt der Hafenmeister Paul mit seiner Frau vorbei. Die beiden haben vor ein paar Wochen eine Katze verloren, jetzt haben sie sich in das Mädchen verliebt. Lea (7 Jahre) und Tami (5 Jahre) von den beiden benachbarten deutschen Booten würden am liebsten bei mir einziehen. Auch sie kommen einmal täglich vorbei. Das ist ihnen nicht genug, doch mehr als einmal am Tag schaffe ich das nicht. Heute greift Lea ein Kätzchen, das gerade auf der Toilette war und deswegen noch nicht wieder ganz sauber. Ich fand es lustig.

Kätzchen am Fuß

Ich brauche unbedingt Katzenspielzeug. Während ich diesen Beitrag schreibe, spielen zwei Kätzchen mit meinen Fußzehen. Au, das tut weh! Jetzt, wo sie alle auf die Toilette gehen können, habe ich gute Hoffnung, sie auch alle durchzubekommen. Bisher habe ich mich geweigert, ihnen Namen zu geben. Nun muss ich mir vier Namen ausdenken, die mit Seefahrt zu tun haben sollen. Das jedenfalls ist die einhellige Meinung im Tierheim, schließlich werden die Kätzchen auf einem Boot aufgezogen. Ich bin sehr aufgeschlossen für Ideen.

Lea und Tami haben die Kätzchen schon auf die Namen Flocke, Weißpfote, Braunie und Blauauge getauft. Die sind leider nicht für Aruba tauglich. Zwischendrin schaffe ich es sogar, noch etwas am Boot zu machen. Die Vorschiffskoje ist komplett mit neuen Stromleitungen ausgestattet. Auch der Stromanschluss für meinen neuen gebrauchten Gefrierschrank ist vorbereitet. Dass meine Positionslampe am Bug hin und wieder einen Wackelkontakt hatte, wundert mich inzwischen gar nicht mehr. Die Zuleitung war an fünf Stellen geflickt. Jetzt ist sie komplett neu. Morgen mache ich die Deckenverkleidung vorne wieder dran, dann kann ich die Sachen von hinten nach vorne umräumen. Wenn die Kätzchen mir vorher nicht die Zehen abfressen. Au, das tut immer noch weh.

Hündin Ellie hat ein neues Zuhause gefunden. Der beste (und einzige) Rigger Arubas und seine Frau haben sich in die freundliche Hündin verliebt. Jetzt lebt sie bei ihnen unter der Tyrannei zweier Katzen.