Neues Leben

Immer noch macht es mir viel Spaß, zu den Eseln zu gehen. Dabei kommt es manchmal zu lustigen Szenen. Wenn die Esel sehen, dass Touristen im Besucherzentrum sind, gehen ihnen schon mal die Magensäfte durch. Die meisten Besucher kaufen einen oder zwei Eimerchen mit Eselfutter. Dieser hier lässt mehrere Minuten die Zunge aus dem Maul hängen und beobachtet genau das Geschehen im Besucherzentrum.

Hat die Zunge vergessen

Dann wird das Futter endlich verteilt und das Gedränge ist groß. Jetzt möchte jeder ein paar Pellets abbekommen. Die leckeren Pellets gibt es sonst nur zum Frühstück.

Außer den Eseln gibt ja noch die Pfaue, die Katzen und die Hühner. Dieser Beitrag ist vor allen Dingen den Hühnern gewidmet. Vor ein paar Tagen habe ich dieses Exemplar im Heu gesehen. Sie hat sich dort ein feines Nest gebaut und alle Helfer haben sie in Ruhe gelassen.

Brütendes Huhn

Gestern war es dann soweit. Vier quietschfidele Küken sind geschlüpft und folgen nun unablässig ihrer Mutter. Oder folgt die Mutter ihren Küken? Jutta hat noch ein verstoßenes Küken gefunden, das aber leider nicht durchgefüttert werden konnte. Die anderen piepen jedenfalls unablässig.

Nachwuchs

Nun hat die Mutter viel damit zu tun, ihren Nachwuchs vor den anderen Tieren zu schützen. Die Pfaue jagen die Küken jedenfalls vollkommen unverfroren und auch bei den Katzen kann ich mir ein gewisses Interesse vorstellen. Frisches Hühnchen, direkt vom Erzeuger.

Gefahr für die Hühnchen

Wollen wir hoffen, dass das Interesse weiterhin so gering ist. Der Platz war von der Henne gut gewählt, denn dort halten sich die Katzen für gewöhnlich nicht auf.

Eine lustige Seefahrt – mit Folgen

Zuletzt war ich mit Sissi am 11. März unterwegs. Damals sind Jens und ich von Bonaire gekommen und haben Sissi im Hafen von Oranjestad fest verankert und vertäut. Am 1. Juli bin ich dann wieder für ein paar Stunden draußen gewesen und es hat mir gut getan. Segeln ist gut für die Seele, es macht aber auch Spaß.

Vor ein paar Wochen habe ich Edward und Shelley gefragt, ob sie nicht Lust auf einen Segeltörn hätten. Ich hatte nämlich Lust auf einen Segeltörn und brauchte die Hände.

Meine Nervosität vor dem Start ist groß. Ich habe das Boot voll mit Menschen, die noch nie zuvor auf einem Segelboot waren. Nein – falsch. Die Menschen sind noch nie mit einem Boot gefahren, obwohl sie auf einer Insel leben. Wir wollen etwas Spaß haben und testen, ob sie alle seefest sind.

Zwei Tage habe ich an Bord geschuftet, um Sissi wieder seeklar zu bekommen. Kaum zu glauben, wie viele Dinge sich nicht mehr an ihrem Platz befinden, wenn das Boot ein Vierteljahr nur im Hafen bewohnt wurde. Und warum habe ich eigentlich das Boot mit sechs Leinen am Steg vertäut?

Da der Wind immer von Steuerbord-Achtern kommt und zumeist recht anständig bläst, will ich eine Ankerleine nutzen, um das Boot während des Einholens der Ankerkette an seiner Position zu halten. Das klappt am Anfang recht gut, das Manöver endet jedoch in der Mooringleine des Nachbarn. Ungünstig. Ich bin erstaunt, wie gelassen ich dabei bleibe. Der Hafenmeister schleppt uns mit dem Schlauchboot wieder frei und wir können zu unserem Abenteuer starten.

Mein Glück ist riesig, als endlich die Segel stehen und der Motor verstummt. Nur noch das leise Surren des elektrischen Autopiloten ist neben dem Wind zu hören. Die Mitfahrenden sind begeistert.

Von links nach rechts: Micheline, Shelley und Edward

Micheline ist die Ehefrau von Edward und Shelley seine Schwester. Zwei Kinder hätten eigentlich ebenfalls mitfahren sollen, mussten aber zur Schule gehen. Das nächste Mal machen wir das am Wochenende oder während der Sommerferien, dann können die auch mitfahren.

Dickie und Sohn

Dickie wiederum ist mit Edward befreundet und hat seinen 12jährigen Sohn mitgebracht. Leider habe ich seinen Namen vergessen. Der hätte wahrscheinlich auch in die Schule gehen müssen, war aber mit an Bord.

Begleitmöwe

Nach kurzer Zeit begleitet uns eine Möwe. Sie wird richtig anhänglich, als Shelley anfängt, sie mit Kartoffelchips zu füttern. Möwen fressen wirklich alles.

Edward möchte ausprobieren, wie sich ein Boot unter Segeln fährt. Das ist selbstverständlich kein Problem, nach einem Knopfdruck verstummt der Autopilot.

Edward am Ruder

Fünf Minuten später geht der Autopilot wieder in Betrieb. Zweimal sind wir in eine ungewollte Wende gefahren. Edward muss feststellen, dass sich ein Segelboot anders fährt als ein Auto.

Shelley geht unter Deck, um sich ein Glas Wasser aus dem Hahn zu zapfen. Dann kreischt sie, denn es kommt eine müffelnde, braune Brühe aus dem Hahn. Bäh. Nach nur dreieinhalb Monaten hat sich offenbar ein biologischer Bodensatz im Wassertank gebildet, der nun durch das Segeln durchgeschüttelt worden ist. Lekker.

An dieser Stelle ist alles noch gut. Wenn wir noch ein paar Stunden weiter gesegelt wären, wäre nichts passiert. Gar nichts. Doch die Damen fragen mich, ob es möglich ist, in den Ozean zu springen. Natürlich das möglich. Wir nehmen die Segel runter und klappen die Badeleiter aus. Eine meiner leichtesten Übungen.

Micheline und Edward im Wasser

Shelley und Micheline gehen unter Deck, um sich umzuziehen. Das ist ein Fehler, denn ohne Segel taumelt Sissi in den Wellen in alle Richtungen. Dass Micheline kreidebleich geworden wäre, ist eine Falschbehauptung. Die nackte Wahrheit ist jedoch, dass sie beide mit dem Gesichtsausdruck “mir ist ganz furchtbar elend” wieder an Deck kommen.

Micheline und Edward

Trotzdem macht das Baden Spaß. Da Sissi durch den Wind immer noch mit 1,5 kn Geschwindigkeit vorangetrieben wird, müssen alle richtig schwimmen. Allerdings habe ich eine lange Leine ins Wasser gelassen, damit sie sich festhalten und ausruhen können. Bei 300 Metern Wassertiefe steht es sich nicht so gut.

Badespaß

Während die Männer noch im Wasser toben, haben sich die Damen eine neue Beschäftigung gesucht. Sie posieren abwechselnd und gemeinsam für ihre WhatsApp und Instagram Profile. Natürlich wollen sie ihren Freunden und Bekannten die Nase lang machen.

Ebony and ivory.

Wir segeln weiter, es macht jedoch keine Freude mehr. Wir brauchen beide Eimer, im Cockpit wird synchrongekotzt. Schade, aber es geht nicht anders. Wir kehren um und fahren wieder in den Hafen. Der Hafenmeister hilft mit seinem Schlauchboot beim Ankern und das Abenteuer ist vorbei.

Vielleicht machen wir das wieder, dann werden wir aber auf den Badestopp verzichten.

Backpulver in der Großpackung

Am folgenden Tag gehe ich erst einmal in den Marina-Shop für Seglerbedarf und frage nach Reinigungsmittel für den Trinkwassertank. Ich bin sogar so blöd, dass ich mich von Charly zu einem anderen Geschäft fahren lasse, weil es hier in der Marina das gewünschte Produkt nicht zu kaufen gibt. Der nächste Ladenbesitzer fragt mich, warum ich denn kein Backpulver benutze. Ich klatsche mir mit der flachen Hand gegen die Stirn – natürlich!

Während wir gesegelt sind, sind sogar ein paar neue Boote in den Hafen gekommen. Nun habe ich neue, total nette Nachbarn am Steg.

Sissi ist nicht mehr alleine

Zuletzt komme ich gestern noch zufällig an der 5-Uhr-Bar vorbei, das Backpulver arbeitet gerade in meinem Wassertank. Die neuen Nachbarn stehen gemeinsam mit Jutta und Charly am Tresen. Fünf Minuten später stehe ich auch daneben, ich bin ebenfalls zu einer Geburtstagsparty eingeladen.

Der Abend wurde schön, mein Trinkwasser schmeckt wieder und sieht super aus. Auch die visuelle Inspektion der Tanks von innen präsentiert mir wieder blitzblanken Edelstahl.

Happy Birthday

Gut Holz

Ein Beitrag, der nichts mit Bundeskegelbahnen zu tun hat. Auf Aruba gibt es meines Wissens nach nicht eine einzige Kegelbahn. Es geht vor allen Dingen um Holz.

Regen

Erstmals seit meiner Ankunft auf Aruba hat sich das Wetter geändert. Es fühlt sich an, als hätte eine Art Regenzeit begonnen. Seit ein paar Tagen gibt es eine Art täglichen Regenschauer. Der dauert dann zwischen einer Minute und einer Viertelstunde. Das ist lästig, denn ich kann die Fenster von Sissi nicht mehr offen stehen lassen, wenn ich nicht an Bord bin. In der Nacht regnet es zuverlässig auf mein Bett und weckt mich.

Im Land der Esel galt es, in der vergangenen Woche einen Sonderauftrag zu erledigen. Es gibt dort zwei winzige “Ferienwohnungen”, von denen eine in Kürze belebt werden soll. Auf der wunderschönen Terrasse, auf der der Wind unablässig weht, steht schon ein Tisch, der sechs Stühle erhalten soll.

Als Desiree (die Chefin des Donkey Sanctuary) mir das Holz und den Stuhl, den ich kopieren soll zeigt, beginne ich innerlich zu lachen. Anscheinend hat sich vor mir schon ein einheimischer Freiwilliger an der Kopie des Stuhls versucht, aber nach ein paar Einzelteilen die Lust verloren. Es gibt außer Jutta und mir im Augenblick keine außerirdischen Helfer bei den Eseln.

Holzzuschnitt

Ich erfahre, dass sie im Donkey Sanctuary sogar 230V Strom haben, also kann ich meine Stichsäge von Bord auch hier benutzen. Nach zwei Tagen kann ich die Säge aus der Hand legen. Die Einzelteile für sechs Stühle sind fertig.

Ein Stuhl möchte zusammen geschraubt werden

Für die Montage des ersten Stuhls brauche ich drei Stunden. Ich zeige ihn Desiree. Er gefällt ihr nicht. Sie hat vollkommen recht, ich muss ihn wieder auseinander schrauben. Die Bretter für die Sitzfläche sind zwei Zentimeter zu lang, deswegen steht die Rückenlehne unbequem steil. Das zweite Mal ist der Stuhl in einer knappen Stunde zusammengeschraubt.

Der erste Stuhl ist fertig. Hier noch mit steiler Rückenlehne.

Jetzt stehe ich erst einmal vor dem Problem der Serienfertigung. Weil ich die Einzelteile für sechs Stühle vorbereitet habe, muss ich nun überall die Sitzfläche verkürzen. Der Fehler war sozusagen in Serie. Absägen ist allerdings einfacher als verlängern. Für den zweiten Stuhl brauche ich dann nur noch eine halbe Stunde. Mit Hilfe einer winzigen und unsichtbaren konstruktiven Verbesserung ist die Montage nun ein Kinderspiel.

Zwei sind fertig.

Der Stuhlbau zu Esel ist für mich jedenfalls eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Zwischendurch freut sich Desiree immer, wenn ich ihr IT-Support leisten kann. Mal ist es der Router, der nach einem Neustart selbstverständlich wieder die Arbeit aufnimmt, mal kann sie keine Emails von ihrem Smartphone versenden und zuletzt wurde ihr Email-Account gehackt und von dort aus Spam versendet.

Alle sechse

Inzwischen sind drei Stühle weiß gestrichen. Die anderen drei sollen noch folgen. Außerdem werden sie anschließend wahrscheinlich noch kreativ verziert. Die anderen Stühle sind es jedenfalls.

Bunt bemalt

Die Zahl der Stühle übertrifft die Zahl der Besucher jedenfalls bei weitem. Laut Desiree waren 90% der Besucher Touristen. Seit ein paar Tagen sind die Grenzen wieder geöffnet für die meisten Länder, viele Touristen sind jedenfalls noch nicht zu sehen.

Muss sich den Rücken kratzen

Ein Besuch lohnt sich jedenfalls. So lange man nicht den Fehler macht, mit einer offen sichtbaren Mohrrübe über das Gelände zu laufen. Dann kommen sie nämlich alle und wollen knabbern.

Tschüß Ute!

Und schon wieder kommt es zu Veränderungen hier im Hafen. Ute hat ihre Koffer gepackt und am Samstag den ersten Linienflug nach der Wiedereröffnung des Flughafens Richtung Amsterdam genommen.

Tschüß Ute!

Eigentlich wollte sie sich nur mal eben über den Atlantik segeln lassen und danach ein paar karibische Inseln genießen. Ute hätte sich vorher nicht vorstellen können, dass daraus ein halbes Jahr wird und sie Aruba, Aruba und Aruba, außerdem Aruba besuchen konnte. Dafür hat sie auf Aruba praktisch alles gesehen. Mit ihrem fröhlichen Wesen hat sie immer dazu beigetragen, dass hier eine gute Stimmung geherrscht hat.

Riesenkaktus

In dieser Größe findet man die Kakteen bei uns normalerweise nicht. Es ist erstaunlich, wie der untere Teil verholzt. Ein Kaktus ist eigentlich ein Baum, sieht jedenfalls so aus. Dieser Kaktus steht im Donkey Sanctuary. Auch wenn ich dort immer ins Schwitzen komme, gehe ich gerne dort hin. Endlich habe ich eine sinnvolle Möglichkeit, mich auch körperlich etwas zu betätigen.

Eselfütterung

Jutta hat mir das Video freundlicherweise geschickt. Sport würde ich niemals machen, das halte ich für sinnfreies Schwitzen. Außerdem haben mich die süßen Katzen gefangen. Diese beiden sind Geschwister.

Über das Verwandtschaftsverhältnis der Esel untereinander habe ich noch keinerlei Kenntnisse. Einige sind miteinander befreundet und immer zusammen unterwegs. Andere sind Einzelgänger, da geht es den Eseln wie den Menschen.

Sieht aus wie geparkt – ein Esel vor dem Besucherzentrum

Die beste Uhrzeit für einen Besuch ist zwischen 11 Uhr und 14 Uhr. Das ist mit den Fütterungszeiten zu begründen. Um 9 Uhr morgens werden die Tore geöffnet und die Esel erhalten ihre morgendliche Fütterung. Damit haben sie zwei Stunden zu tun. Dann sind sie satt und verteilen sich über das Gelände.

Chillende Esel

Anschließend machen die Esel das, was sich viele Menschen ebenfalls angewöhnt haben. Sie machen ein Verdauungsschläfchen. Ich finde das lustig. Die Wahrscheinlichkeit, auf solche Bilder zu treffen, ist um die Mittagszeit am größten.

Das Fressen war soooooo anstrengend.

Am frühen Nachmittag sieht man die Esel dann eher auf dem Gelände umher streifen oder miteinander spielen. Das muss ich noch ordentlich im Bild einfangen. Bislang ist es mir noch nicht gelungen. Die schlafenden Esel sind leichter zu fotografieren. Und ebenso die hungrigen Esel.

Wenn man morgens um 9 Uhr das Gelände betritt, steht man unter 100% Überwachung. Ebenso wenn man um 15 Uhr zur nachmittäglichen Fütterungszeit unterwegs ist. Dann knurren nämlich die Mägen schon wieder.

Drei hungrige Esel

Ein Besuch nach Beginn der Fütterungszeit lohnt sich nicht mehr, denn während der Fütterung sieht man von den Eseln nicht sehr viel.

Fütterungszeit

Wobei es natürlich nicht nur die Esel zu sehen gibt. Ein paar verrückte Hühner leben auf dem Gelände. Sie werden nicht immer freundlich behandelt, denn die Chefin Desiree hat ein Problem mit Vögeln. Und ein paar Pfaue sind noch zu finden. Die beiden Hähne im unteren Bild haben kurz nach der Aufnahme einen kleinen Hahnenkampf begonnen. Da war die Kamera blöderweise wieder in der Hosentasche. Nach den paar Sekunden, die ich für den erneuten Griff in den Hosentasche brauchte, war der Kampf schon wieder vorbei. Das geht aber echt zur Sache.

Gleich werden sie kämpfen

Zur Fütterungszeit der Katzen kommen meist auch ein paar Hühner an den Futternapf. Sie mögen das Katzenfutter und vertreiben die Katzen. Faszinierend. Wenn zwei Hühner in einem Futternapf aus Plastik picken, hört sich das ein wenig an, als würde Hagel auf ein Wellblechdach fallen. Deswegen bekommen die Katzen einen Teil des Futters auf dem Tresen gereicht.

Noch einmal die Geschwister

Von Woche zu Woche wird es hier angenehmer. Die Landschaft verharrt zwar in ihrer grenzenlosen staubtrockenen Tristesse, obwohl es in den letzten Tagen immer wieder mal geregnet hat. Die Pflanzen sind ein wenig grüner geworden, doch der Staub bleibt trockener Staub. Es sind die Menschen hier, die diesen Ort so bemerkenswert machen.

Starkregen in Oranjestad. Fünf Minuten Regen.

Start ins zweite Jahr!

Was ich hier auf Aruba treibe, hat nicht mehr viel mit Langfahrtsegeln zu tun, nicht einmal mit Segeln. Es ist Leben auf einem Segelboot. Manchmal wundere ich mich, wie viele Menschen diese Webseite besuchen. Dabei schreibe ich nur über das Leben auf einer kleinen Karibikinsel. Das hätte ich mir am 19. Juni 2019 nicht vorgestellt, als Jens und ich gemeinsam die Leinen in Stavoren lösten und zu unserem langen Segeltörn starteten.

Abendstimmung in Stavoren

Unser Weg führte uns zunächst auf ausgetretene Pfade. Zunächst überquerten wir die Nordsee. Dabei lernten wir, mit unserer neuen Technik, insbesondere dem AIS umzugehen. Die folgende Zeit in Schottland war ein Traum, denn das schottische Wetter war gar nicht schottisch, es hat nämlich fast nicht geregnet.

Seaport Marina Inverness

Kulinarisch haben wir aus Schottland mitgenommen, wie man einen Hummer zubereitet und wie man ihn anschließend mit möglichst geringem Kollateralschaden isst. Dazu gab es unzählige Fotos und eine große Zahl von Kontakten mit den Einheimischen. Wir haben viele tolle Menschen kennengelernt.

Lobster in der Pfanne

Unsere Reise führte uns über Nordirland, Isle of Man, Irland und Wales nach Guernsey. Dort waren wir mit unserer Schwester Christine und ihrem Sohn Benedikt verabredet. Die beiden haben dort ihre Sommerferien verbracht und mussten für uns einen Fleischwolf aus Frankfurt auf die Sissi schleppen.

Familientreffen auf Guernsey

Anschließend kam der erste Besuch an Bord. Christoph wollte einmal in seinem Leben die Biskaya auf einem Segelboot überqueren. Diesen Wunsch konnten wir ihm erfüllen. Wir wussten, dass wir einen erfahrenen Segler mit an Bord nehmen, schließlich sind wir oft genug zusammen unterwegs gewesen.

Windfahne

Während der Überquerung der Biskaya nutzten wir erstmals unsere Windfahnensteuerung. Das haben wir auf den kurzen Trips immer vor uns hergeschoben, der elektrische Autopilot funktioniert hervorragend. Nach der Biskaya haben wir nur noch die Windfahne benutzt. Sissi segelt viel ruhiger, wenn der Windpilot steuert. In dieser Hinsicht waren wir ziemlich dämlich. Christoph hat uns dann in Vigo verlassen, vorher machten wir noch eine gemeinsame Pilgerfahrt mit der Eisenbahn nach Santiago de Compostela.

Nach dem ersten Haarschnitt

In Spanien bzw. Portugal war es uns so warm, dass wir uns von unseren langen Haaren getrennt haben. Für mich war es der erste Friseurbesuch in diesem Jahrtausend. Es war eine meiner besseren Entscheidungen. Meine Haare sahen schon ziemlich – ähm – aus.

Lanzarote

Auf Lanzarote verbrachten wir eine ziemlich lange Zeit. Das hatte damit zu tun, dass wir auf einen Flug nach Frankfurt warteten, denn wir wollten unsere Eltern auf der Feier ihrer goldenen Hochzeit überraschen. Die Überraschung ist uns gelungen.

Wenn ich mir das obige Bild im heutigen Kontext anschaue denke ich, dass die Folgen von Covid-19 nicht unbedingt alle schlecht sein müssen. Der Genuss am Strand kann nur besser sein, wenn es dort nicht so eng ist. Da schiebe ich mal ein aktuelles Bild von hier dazwischen. Aufgenommen habe ich es bei der Wiedereröffnung der Hotelinsel, die wir als Marinagäste mitbenutzen können.

Wiedereröffnung Renaissance Island Aruba

Zugegebenermaßen hat das Hotel noch nicht geöffnet. Es läuft noch alles etwas auf Sparflamme. Das erste Wochenende waren die Einheimischen auf die Insel eingeladen. Sie konnten für einen Sonderpreis von 60 US$ übersetzen. Das kann sich auf Aruba auch nicht jeder leisten.

Cueva de los verdes

Zurück auf die Kanaren, zurück nach Europa, zurück in der Zeit. Wir waren nicht die einzigen, die die europäische Küste entlang gesegelt sind und auf den Kanaren landeten. Viele Boote haben wir immer wieder getroffen, mit einigen Crews haben sich Freundschaften entwickelt. Manche von uns sitzen in der Karibik fest, wir versuchen den Kontakt zu halten. Für diese Freundschaften sind wir sehr dankbar.

Da wir inzwischen wussten, wie anstrengend eine mehrtägige Seereise für eine Crew aus zwei Personen sein kann, haben Jens und ich uns entschlossen, auf Teneriffa einen Anhalter mitzunehmen.

Letzter Seetag auf dem Atlantik

Jakob, ein junger Österreicher, ist von Teneriffa bis Barbados auf unserer Sissi mitgefahren und hat uns auf dem Atlantik in der erwarteten Weise entlastet. Von seinem Plan, die Erde ohne Flugzeug zu umrunden, hat er inzwischen absehen müssen. Er ist inzwischen nach Österreich zurück geflogen.

Kaum auf Barbados angekommen, hatten wir schon wieder Besuch. Schon vor Monaten hatten wir uns mit Burti und Jörg verabredet. Inzwischen war es Ende Januar und Covid-19 dominierte die Medien. In der Karibik war das alles sehr weit weg.

Burti findet ihr tropisches Paradies

Die beiden begleiteten uns von Barbados über St. Lucia bis nach Martinique. Rückblickend betrachtet war der Zeitraum viel zu lang. Für mich hat sich eine der größten persönlichen Enttäuschungen meines Lebens daraus entwickelt.

Jens mit Eseln auf Bonaire

Auf dem Weg von Martinique nach Bonaire eröffnete mir Jens, dass wir nicht durch den Panamakanal fahren, sondern unseren Kurs in Richtung Deutschland ändern müssen. Das traf mich für einige Tage sehr hart. Wir machten uns daran, ein tragfähiges Restprogramm zu erarbeiten. Dazu gehörten die Inseln Bonaire (wegen des tollen Riffs und der geringen Besiedelung) und Aruba (wegen der Straßenbahn). Anschließend wollten wir uns auf Jamaika mit der Chapo treffen.

Straßenbahnselfie, als die Welt noch in Ordnung war.

Wenige Tage nach unserer Ankunft hat Aruba die Grenzen geschlossen. Die ersten Fälle von Covid-19 wurden auf der Insel gemeldet. Auch auf vielen anderen karibischen Inseln klappten die Schlagbäume herunter, ebenso in Mittelamerika. Wir saßen fest. Eine Weile planten wir, nonstop nach Deutschland zurück zu segeln.

Außerdem hatten wir noch ein Problem. Die Chapo war mitten auf dem Atlantik. Jutta und Charly wussten, dass sie sich für einige Monate nicht mehr bewegen würden können. Sie haben sich dazu entschieden, ebenfalls nach Aruba zu kommen. Das hat uns sehr gefreut, denn sie hatten noch 24 Dosen Apfelwein für uns an Bord. Aufgrund der langen Quarantänezeit von den Kapverden bis nach Aruba wurde ihnen die Einreise trotz der geschlossenen Grenze gestattet.

Wiedersehen auf Aruba

Es folgten mehrere weitgehend ereignisarme Wochen. Aruba hat komplett die öffentliche Verwaltung heruntergefahren. Nur Apotheken, Supermärkte und wenige andere Geschäfte der Grundversorgung hatten noch geöffnet. In der Nacht galt eine strenge Ausgangssperre. Jens ist zurück nach Deutschland geflogen. So können wir uns nicht monatelang auf den Geist gehen, während wir auf Aruba festhängen. Spätestens jetzt war mir klar, dass sich die Situation nicht innerhalb von ein paar Tagen entspannen würde.

Ausgangssperre

Inzwischen ist die Insel ohne Fälle von Covid-19 und bereitet die Öffnung vor. Die ersten frischen Touristen dürfen bald wieder kommen. Das öffentliche Leben unterliegt inzwischen fast keinen Einschränkungen mehr. Die Bars müssen noch um 23 Uhr schließen, Spielcasinos und Massagesalons sind noch komplett geschlossen. Die Einschränkungen halten sich also in Grenzen.

In Zukunft müssen einreisende Touristen einen maximal 72 Stunden alten Corona-Test mitbringen bzw. sie dürfen bei der Einreise einen Test für schlappe 75 US$ kaufen und sind während der eintägigen Wartezeit auf das Ergebnis in Quarantäne. Außerdem brauchen Touristen eine Krankenversicherung, die Covid-19 mit einschließt. Selbstverständlich kann diese Krankenversicherung auch vor Ort abgeschlossen werden, das kostet lediglich 15 US$ pro Tag.

Esel

Jutta und ich fahren jetzt regelmäßig zu den hiesigen Eseln und helfen bei deren Fütterung und der Reinigung des Geländes. Das ist eine angenehme Abwechslung zum Hafenalltag. Man kann nicht jeden Tag einen neuen touristischen Höhepunkt finden. Die Insel ist schließlich relativ klein.

Auch meine Kontakte zu den Arubanern werden besser. Seit man sich wieder im öffentlichen Leben begegnen kann, komme ich immer häufiger ins Gespräch. Das Gespräch ist allerdings bislang einigermaßen holprig, weil mein Papiamento stark verbesserungsfähig ist. Daran werde ich in den kommenden Wochen arbeiten.

Und ich werde mich jedes Mal freuen, wenn ich im Regen spazieren gehen darf. Dieser Tage hat es für zwei Minuten geregnet und ich war zu Fuß unterwegs. Toll.

Starkregen. Zwei Minuten lang. Die Straße wird nicht einmal richtig nass.

Was mir neben Familie und Freunden am meisten fehlt, ist der Wechsel der Jahreszeiten. Seit wir losgefahren sind, sind wir im Sommer unterwegs. Sommer in den Niederlanden und in Schottland, Irland und Frankreich. Überall war es Sommer. Je später der Monat desto südlicher waren wir unterwegs. Ich wünsche mir mal wieder so einen richtig schön verschneiten Wintertag oder den Duft von Herbstlaub nach einem Regenschauer. Ja, den Regen vermisse ich auch. Seit März hat es hier zusammen genommen keine Viertelstunde geregnet.

Nächsten Monat will ich versuchen, mit Sissi mal wieder eine Runde zu segeln. Edward und Shelley möchten testen, ob sie seekrank werden. Wenn sie nicht seekrank werden, können wir vielleicht mal einen kleinen Ausflug nach Curacao oder Bonaire machen. Seit dem 15. Juni gilt innerhalb der ABC-Inseln Reisefreiheit. Ich bin optimistisch für das zweite Jahr der Reise.

Noch nie zuvor konnte ich so viel in so kurzer Zeit erleben.

Iguanasuppe

Es ist wie im richtigen Leben. So komme ich im Augenblick kaum dazu, Beiträge für das Blog zu schreiben. Draußen passiert so viel. Zumindest haben wir wieder Wind. Die Flaute dauerte nur knapp zwei Tage.

Filetsteak

Ich möchte mit einem Filetsteak beginnen, das fünf Zentimeter dick geschnitten auf meinem Teller liegt. Lecker. Zuvor wurde ich in einem Restaurant unglaublich enttäuscht. Das eigentlich sehr gute Fleisch war zu Beginn der Zubereitung vermutlich auch fünf Zentimeter dick. Dann hat der Koch es nach Art eines Schmetterlingschnitzels aufgeschnitten und anschließend gebraten. Ein Graus. Dann brate ich es mir lieber selbst.

Seltener Anblick – drei Busse sind gleichzeitig abfahrbereit.

Inzwischen habe ich das Busnetz von Aruba komplett entschlüsselt. Jetzt fehlt mir nur noch ein aktueller Fahrplan. Der im Internet veröffentlichte Fahrplan entspricht jedenfalls nicht dem tatsächlich gefahrenen. Auch der Aushangfahrplan am zentralen Busbahnhof hat bestenfalls den Wahrheitsgehalt einer Rede von Herrn Trump. Einige Linien sind zwar verzeichnet, sind jedoch eingestellt. Über eine Linie gibt es keine Informationen. Der Bus der Linie 5 fährt mehrmals am Tag die Dörfer im Hinterland an. Dort gibt es nicht einmal Haltestellenschilder, man hält den Bus einfach durch ein Winkzeichen an.

Die bei der staatlichen Gesellschaft Arubus beschäftigten Busfahrer halten sich gerne im Pausenraum am zentralen Busbahnhof auf. Gelegentlich läuft einer der Fahrer zu einem der mit laufendem Motor (und laufender Klimaanlage) geparkten Fahrzeuge und fährt seine Fahrgäste an ihr Ziel. Danach geht es zielstrebig wieder in den Aufenthaltsraum. Ich habe gestern eine Mail an den Busbetreiber mit der Bitte um einen aktuellen Fahrplan geschickt.

Fünf Busse haben Pause.

Für die Fahrt in einem dieser Busse werden 4,50 Florin verlangt – unabhängig von der gefahrenen Strecke. Neben den großen staatlichen Bussen gibt es noch ein komplettes zweites Busnetz in Aruba. Die kleinen privaten Busse. Sie fahren auf denselben Strecken und halten überall auf ein Winkzeichen. Lediglich in Oranjestad unterscheidet sich die Starthaltestelle.

Wartende Kleinbusse

Eine Fahrt mit den Kleinbussen kostet lediglich 3 Florin. Für 6 Florin gibt es jedoch einen speziellen Service – der Bus verlässt seine Fahrtstrecke und fährt bis direkt vor die Haustür. Das ist sehr praktisch. Wenn man möchte, kann man mit dem Fahrer noch ein Pickup vereinbaren. Dann kommt der Bus etwa zu einer bestimmten Uhrzeit an den vereinbarten Ort und sammelt den Fahrgast ein. Praktisch.

Die kleinen Busse fahren alle paar Minuten, wesentlich öfter als die staatliche Konkurrenz. Ein Wermutstropfen ist die Qualität des angebotenen Transports. Das trifft auf die FahrerInnen beider Bussysteme zu. Für die FahrerInnen ist es kein Problem, während der Fahrt WhatsApp zu lesen und zu schreiben. Bei den Privatbussen kommt dazu noch eine stark schwankende Qualität der Hardware. Vom fabrikneuen Fahrzeug mit Neuwagengeruch, Klimaanlage, bequemen Sitzen und intakter Federung bis zum rollenden Vollschrott, der bei uns niemals vom Hof des TÜV rollen würde, kann man alles bekommen.

Alle FahrerInnen haben aber auch gemein, dass sie außerordentlich freundlich sind. Wenn ich da so an Frankfurt oder gar Berlin denke…

Im Minibus

Jetzt habe ich mir den größten Teil der Insel mit öffentlichen Verkehrsmitteln zugänglich gemacht. Das ist ein gutes Gefühl. Sogar eine Arubus-Smartcard konnte ich mir besorgen. Damit sinkt der Fahrpreis für die Busfahrt auf etwas mehr als 3 Florin, etwa 1,50 Euro.

Esel

Mit den Kleinbussen gibt es somit die Möglichkeit, zum Donkey Sanctuary zu kommen. Bisher konnte ich immer mit den Chapos gemeinsam im Auto fahren, es ist aber gut zu wissen, dass es auch ohne Auto geht.

Der oben abgebildete Esel ist übrigens männlich. Nach der Veröffentlichung einiger Fotos wurde ich nach dem Geschlecht der Esel gefragt. Ich möchte es mal so formulieren: Die Männchen lassen sich sehr gut von den Weibchen unterscheiden. Am Futtertrog sind sie jedenfalls alle ziemlich rabiat untereinander.

Entspannung pur.

So lange die Fütterung noch nicht läuft, können sich die Katzen auch noch entspannen. Ich bekomme es übrigens noch nicht hin, allen fünf Katzen ihre Namen zuzuordnen. Nur bei Sweety weiß ich es zu 100%. Die Katzen bekommen ihr Futter immer erst kurz bevor alles zugeschlossen wird. Damit soll vermieden werden, dass eine Katze aus Versehen eingeschlossen wird.

Entspannung auf dem Kassentresen des Souvenirladens

Vielleicht hatten die bösen Zungen wirklich recht und ich gehe nur wegen der Katzen zu den Eseln. Die Esel können einfach nicht schnurren, die Ohren sind nicht so schön spitz und ihr Fell lange nicht so weich.

Die Eselkatzen sind jedenfalls nicht nur auf Whiskas abgerichtet. Wenn sie zwischendurch Hunger haben, können sie sich ihre Leckereien auch in der freien Natur besorgen.

Sweety mit seinem Snack

Zweimal die Woche zu den Eseln zu gehen ist eine schöne Sache. Öfter muss es nicht sein, man kommt dort ziemlich ins Schwitzen bei der ungewohnten körperlichen Arbeit. Es bringt mir eine schöne Abwechslung. Wenn ich einem Arubaner davon erzähle, freut der sich immer riesig. Sie mögen ihre Esel schon sehr.

Blick über das Gelände des Donkey Sanctuary Aruba

Was der Katze schmeckt ist sicher auch für den Menschen ganz lecker. Nicht nur in den Nachbarländern werden Iguanas gegessen, auch auf Aruba gibt es Spezialitäten auf Iguanabasis.

Vor ein paar Tagen fragte mich Shelley, ob ich Lust auf einen Teller Iguanasuppe hätte. Da ich immer gerne neue Tiere auf den Speiseplan nehme, habe ich mein Interesse geäußert. Gestern Abend brachte mir Shelley dann die Suppe ans Boot.

Iguanasuppe

Es hat hervorragend geschmeckt. Eine Gemüsesuppe mit Fleischeinlage. Das Fleisch schmeckt in etwa so wie Froschschenkel oder Hähnchen. Vielleicht sollte man die Iguanas nicht zu Suppe verarbeiten, sondern mit Knoblauch und Petersilie anbraten. Die Suppe war allerdings sehr lecker gewürzt und hatte eine angenehme Schärfe. Danki!

Motorboot mit Mast

Gestern hat sich mein Ausblick seit langer Zeit zum ersten Mal verändert. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte sich der verrückte Ami ganz hinten einen Mast auf die Motorbratze gesetzt.

Sieht man genauer hin entdeckt man die britische Segeljacht Aequus, die seit gestern im Hafen von Oranjestad liegt. Sie ist in fünf Tagen von St. Lucia nach Aruba gesegelt und hat jetzt einen hurrikansicheren Platz. Vorher hing sie drei Monate auf St. Lucia fest. Gelegentlich gibt es sogar hier Veränderungen.

Flaute brutal

Heute war DFB Pokal Halbfinale. Leider hat sich unsere Eintracht nach einem grandiosen Spiel gegen die Bayern geschlagen geben müssen. Gemeinsam mit Charly habe ich das Spiel auf Sissi gesehen.

Nach dem 1:0 setzte starker Regen ein, es fiel mehr Wasser vom Himmel als in den letzten drei Monaten. Nach dem Abpfiff ist der Wind eingeschlafen bzw. hat die Richtung komplett gedreht.

Im Augenblick sitze ich im Cockpit und hoffe auf Wind. Der Regen hat die Temperatur zwar auf 28°C gedrückt, durch die Flaute ist es aber irrsinnig heiß.

Normalerweise kann man die Müllverbrennung nicht riechen, die ein paar Kilometer südlich von uns stattfindet. Jetzt liegt der Dunst verbrannter Autoreifen über Oranjestad, steckt tief im Salon und wird mich wohl die Nacht begleiten. Hoffentlich reparieren sie den Wind bald.

Ohne Wind ist es hier ziemlich unerträglich. Diese Flaute ist echt brutal.

Eagle Beach

Am Sonntag war ich zum Zwecke der Kitschfotografie am Eagle Beach, einem der schönsten Strände auf der Insel. Ich habe mich am späten Nachmittag in den Bus gesetzt und wollte einen Divi Divi Baum vor dem Sonnenuntergang in Szene setzen. Nebenbei stellte ich dann innerlich fest, dass es so nie wieder an den Stränden aussehen wird. Deswegen machte ich quasi als Beifang noch ein paar Aufnahmen, wie es an einem Sonntagnachmittag ohne Touristen ist.

“Mein” Divi Divi Baum. Diesen hier will ich in Szene setzen.

Ich war viel zu früh vor Ort, weil die Busse irgendwie wieder öfter fahren und nicht mehr ein großer Teil der Fahrten ausfällt. Also hatte ich viel Zeit, mir die Umgebung anzusehen.

Joggerin

Eine einsame Joggerin lief den Strand entlang. Es war nicht viel los. Nur wenige Sonnenschirme waren belegt.

Leerer Eagle Beach

Die Hotels gegenüber wirkten grotesk. Ohne Gäste und ohne Leben sieht es öde aus. Nächsten Monat werde ich wieder hierher kommen und Vergleichsfotos produzieren.

Leer.
Geschlossen.
Zu.

Viele Arubaner sind im Moment arbeitslos. Nicht alle sind ohne Geld, Edward etwa bekommt von seinem Arbeitgeber noch 60% des Gehalts und wartet darauf, dass die Hotels endlich wieder öffnen können. Schließlich macht er in einem großen Hotel so eine Art Hausmeisterjob. Deswegen haben die Leute viel Zeit und viel Strand für sich alleine.

Auf zwei Rädern an den Strand. Krasse Hinterradschwinge.

Schon in den ersten Tagen auf der Insel sind mir die Motorräder mit der krassen Hinterradschwinge aufgefallen. Ich weiß nicht, wie man so was um enge Kurven bekommen könnte. Die gibt es aber nicht auf Aruba, zum Posen am Strand ist die Konstruktion jedenfalls bestens geeignet.

Der Strand ist leer, der Kiosk mangels Kundschaft noch geschlossen.

Als die Sonne sich langsam in Richtung Horizont bewegte, ging ich wieder zu “meinem” Divi Divi Baum.

Zweiter Divi Divi mit Frachtschiff.

An dieser Stelle stehen zwei dieser wunderbaren Gewächse. Das obige Foto zeigt einen Frachter neben dem Baum. Dieser Frachter liegt dort schon länger vor Anker, als ich auf der Insel bin. Die arme Crew kann das Schiff seit mindestens drei Monaten nicht mehr verlassen. Insgesamt sind es sieben oder acht Schiffe, die vor Aruba auf neue Aufträge warten.

Sonnenuntergangsfotografin.

Nicht nur ich habe die Idee gehabt, einen dieser Bäume vor der untergehenden Sonne abzulichten. Diese Frau kam kurz nach mir, wir haben uns abgewechselt.

Noch eine Sonnenuntergangsfotografin.

Ein paar Minuten später kam dann noch eine Sonnenuntergangsfotografin. Insgesamt scheint nicht nur bei mir der Bedarf an Kitsch zu bestehen. Manchmal braucht man diesen Kitsch einfach.

Kitsch am Eagle Beach.

Als es vorbei war, schnappte ich mir den nächsten Bus zurück nach Oranjestad. Ich ärgerte mich wieder darüber, dass die Busgesellschaft im Augenblick nicht in der Lage ist, Chipkarten zu verkaufen. Wenn man mit Chipkarte bezahlt, kostet die Fahrt nur 2/3 des Fahrpreises. Man hat mich auf die Zeit nach der Grenzöffnung vertröstet, denn für frische Touristen werden auch wieder frische Chipkarten hergestellt.

Im Bus war die Klimaanlage so potent, dass die Scheiben von oben her zugefroren sind. Ich brauche für die nächste Busfahrt unbedingt einen Pulli, Mütze und Handschuhe. Warme Handschuhe.

Die Sonne verschwindet hinter dem Horizont.

Aruba putzt sich

Die Insel brummt und vibriert. Die meisten Geschäfte sind geöffnet, allerdings sind die Souvenirläden noch so geschlossen wie die Grenzen. Alle bereiten die Grenzöffnung vor. Wahrscheinlich machen auch die Spielcasinos bald wieder auf. In der Fußgängerzone konnte ich jedenfalls gestern den Grund ausmachen, warum die Straßenbahn nicht gefahren ist. Die Palmen wurden mit der Kettensäge gepflegt.

Palmenpflege mit der Kettensäge

Bald geht es wieder los. Die Zeit der leeren Strände ist bald vorbei. Ich kann mich kaum noch erinnern, wie es damals bei unserer Ankunft war. Ich freue mich.

Volunteer

Inzwischen bin ich lange genug auf der Insel, um zu wissen, welche Lebensmittel wo zu bekommen sind. Ein wichtiger Bestandteil der Versorgung hier ist Superfood. Ein holländischer Lebensmittelmarkt. Die meisten Supermärkte in Aruba werden von Chinesen geführt und haben größtenteils Produkte aus den USA in den Regalen stehen. Im Superfood gibt es Produkte aus den Niederlanden, die es in den USA nicht gibt. Zum Beispiel frische Schlagsahne.

Liniennetzplan

Ich hätte natürlich Charly fragen können, ob er mich schnell zum Superfood fahren kann. Dazu hatte ich aber keine Lust, bisher kenne ich noch nicht so viel vom Liniennetz der hiesigen Busse. Also suche ich mir die Abfahrt der Linie 10 heraus, die bis 200 Meter an den Superfood heran fährt. Die Haltestelle befindet sich am Eagle Beach, einem sehr schönen Strand. Superfood hat einen kostenlosen Lieferservice, also muss ich meine Einkäufe nicht schleppen.

Von der Bushaltestelle sind es also 200 Meter bis zum Supermarkt oder vielmehr bis zu der Straße, die ich vor dem Supermarkt noch überqueren muss. Es ist eine vierspurige Hauptstraße. Ich muss laut lachen, es machen wirklich viele US Amerikaner Urlaub auf Aruba. Das obere Schild hat der Supermarkt anbringen lassen. Das untere Schild ist von mehreren Hotels.

Achtung. Straße. Da fahren Autos.

Liebe Gäste, wegen des schnellen Autoverkehrs empfehlen wir nicht, die Straße zum Superfood am Kreisverkehr zu überqueren. Bitte nehmen Sie statt dessen ein Taxi. Wir sorgen für ihre Sicherheit. Danke.

Ich gehe unerschrocken weiter, denn bisher kenne ich die Arubaner immer nur als sehr freundlich im Straßenverkehr. Überall halten sie für Fußgänger an, ob es einen Zebrastreifen gibt oder nicht. Unwohl habe ich mich nicht gefühlt, als ich die Straße hier überquert habe. Die Autos kommen entweder langsam aus dem Kreisverkehr oder sie bremsen in den Kreisverkehr hinein. Schafft es ein Amerikaner hier nicht lebend rüber?

Zebrastreifen am Kreisverkehr

Während der Wartezeit auf den Bus zurück nach Oranjestad gelingt mir eine Aufnahme eines der kitschigsten Divi Divi Bäume, den ich bisher gefunden habe. Er steht direkt auf dem Eagle Beach.

Divi Divi am Eagle Beach

Das alles hat natürlich gar nichts mit der Überschrift dieses Beitrags zu tun. Erst einmal wollte ich das Foto des Warnschilds loswerden. Dann ist es Zeit für die Esel. Vor ein paar Monaten sagte ich zu Jens, dass ich mich als Volunteer im Donkey Sanctuary melde, wenn es mir auf der Sissi zu langweilig wird. Jutta fand die Idee ebenfalls gut, Charly und Ute ebenfalls.

Heute ist unser erster Arbeitstag. Wir sind unglaubliche 20 Minuten zu früh am Eingangstor und haben noch Zeit, kurz die Ruine der nahegelegenen Balashi Goldmine zu besichtigen.

In der Ruine der Balashi Goldmine

Am Donkey Sanctuary werden wir zunächst von einer ganzen Reihe Pfaue begrüßt, die ebenfalls zum Inventar gehören. Es gibt nicht nur 120 Esel, sondern fünf Katzen, einige Hühner und ziemlich viele Pfaue.

Pfaue. Für die habe ich gar kein Kochrezept

Ich muss es vorweg stellen. Es sind nicht nur die Esel, die mich hierher geführt haben. Die sind zwar hochintelligent und ziemlich knuffig, doch den Ausschlag geben die Katzen. Streichelbare, verschmuste Katzen.

Ich bin sooooo müde.

Uns wird erklärt, wo das Futter steht, wieviel Futter die Esel bekommen, wo der Kot hingeschafft wird und wie die Tränke geputzt wird. Wir füttern, fegen und putzen. Genauer gesagt schleppe ich Säcke mit Futterpellets und Heuballen, während Jutta und Ute “Poop” zusammen rechen.

Zufriedene Kunden

Fühlt sich bei folgender Beschreibung jemand an ein Essensbuffet erinnert? Zuerst wird die Essensglocke geläutet, dann kommen alle Esel angelaufen. Natürlich stehen schon zwei Dutzend Esel vor der leeren Futterkrippe und warten. Die anderen kommen von hinten und wollen die in der ersten Reihe weg schubsen. Dabei sind sie laut, schnauben und brüllen sich gegenseitig an.

Je weiter ich mit dem Füllen der Tröge komme, desto mehr Ruhe kehrt an der Futterstelle ein. Der Tumult ist einem leisen Schmatzen gewichen, es wird auch nicht mehr geschubst.

Mmmh

Einige Esel, die sich in diesem harten Kampf nicht behaupten können, werden separat gefüttert. Die Katzen bekommen ebenfalls Futter, ich darf sie aber leider nicht füttern. Kommt noch. Nach der Eselfütterung streichle ich noch zwei Katzen ordentlich durch.

Zwei Tage in der Woche wollen wir ab sofort bei den Eseln mitarbeiten. Normalerweise machen das Studenten aus den USA. Die sind aber derzeit nicht da.

Entspannt ausstrecken.

Zuletzt möchte ich noch ein Video verlinken, das auf der Webseite des Donkey Sanctuary verlinkt ist und erst von 210 Menschen gesehen wurde. Es zeigt die Esel und die Umgebung, in der sie leben. Mehr Fotos werde ich in naher Zukunft liefern.