Unterwegs im Mietauto

Wir haben uns für zwei Tage einen Mietwagen besorgt. Ein optisch von den einheimischen Taxis vor allem durch seine Unverbeultheit unterscheidbarer 8-Sitzer. Also für acht Japaner. Auf St. Lucia gibt es praktisch nur japanische Fahrzeuge. Da sind aber alle namhaften Hersteller vertreten, vom Suzuki-Kleinwagen bis hin zum großen Lexus.

Unsere Tour soll uns einmal um die Insel herum führen. Jens hat sich bereit erklärt, das Ruder zu übernehmen. Keiner von uns hat richtig Lust, das Auto zu fahren. Der Weg führt uns zunächst in die Hauptstadt Castries.

Kreuzfahrtschiff im Hafen von Castries

Im Mietwagen quälen wir uns durch den Stau in der Innenstadt. Der Kreuzfahrer überragt alle Gebäude und wirkt deplatziert. Die Straße windet sich wieder aus der Stadt heraus, es wird langsam grün und dann eröffnet sich noch einmal ein Blick über die Bucht von Castries – mit drei Kreuzfahrtschiffen.

Kreuzfahrer in Castries

Anschließend fahren wir durch Bananenplantagen (Jens weigert sich anzuhalten) und Verkaufsstände für Nippes. Ob die wohl an die Kreuzfahrttouristen verkaufen? So viele Segler sind nicht auf der Insel unterwegs, davon könnten sie nicht leben.

Die beiden Pitons

Mitten im Dschungel halten wir an, eigentlich um einen Farn zu fotografieren. Ein freundlicher Armkettchenhändler macht uns auf den schönen Blick auf die Pitons aufmerksam. Dafür will er lediglich noch ein paar Armkettchen verkaufen, Zigaretten schnorren, Dollars erbetteln und uns noch ganz, ganz viel erzählen. Hier hat es Vorteile, nicht auf den Bus warten zu müssen.

Jens tritt aufs Gas. Er holt alles aus dem Mietwagen heraus. Er trifft jedes Schlagloch in der Straße. Leider kommen sie auf St. Lucia nicht hinterher, die durch den starken Frost entstandenen Frostaufbrüche und Schlaglöcher zu reparieren. Das japanische Auto ist das perfekte Suchgerät. Unsere Bandscheiben kreischen. Im Abstand weniger Minuten ziehen Linienbusse, Privatautos, Pferdekutschen und Schneckenrennen an uns vorbei.

Überholer

Auch der Pickup-Truck überholt uns mit hoher Geschwindigkeitsdifferenz. Der Blick auf die Ladefläche lässt mich fast laut lachen und ganz schnell die Kamera hochreißen. Dieses Foto wollte einfach aufgenommen werden.

Lotse in Souvriere

In Souvriere kommen wir wieder in einen dicken Stau, versuchen es mit einer Umfahrung und stecken fest. Ein Anwohner nutzt die Gelegenheit, uns von dem Unfall zu erzählen, den es gegeben hat. Dann lotst er uns Schritt für Schritt wieder aus dem Straßengewirr. Das alles tut er für uns, ein paar Dollar und Zigaretten.

Der Reichtum auf dieser Insel scheint sehr ungleich verteilt zu sein. Auf Barbados sah das anders aus. Dort erschienen uns die Armen nicht ganz so arm. Hier stürzen sie sich auf jeden Touristen, um sich ein paar Dollar zu erbetteln. Gleichzeitig ist die Zahl japanischer Luxuslimousinen auf den Straßen erstaunlich hoch.

Hier endlich kehren wir ein

Wir fahren weiter, weiter und weiter. Bis ganz in den Süden nach Vieux-Fort. Wir sehen Kühe unter Palmen wiederkäuen, halten aber nicht an für ein Foto. In Vieux-Fort kommen wir aus Versehen in eine Einbahnstraße. Falsch herum natürlich. Es geht glimpflich aus, Jens kann den Wagen wenden, bevor der erste Gegenverkehr kommt. Irgendwann macht sich ein Murren im Wagen breit, wir wollen Nahrung, wir wollen eine Pause. Kaltgetränke.

Wir fahren von der Hauptstraße ab in ein kleines Dorf. Zuerst finden wir den Fischmarkt, dann gibt es nirgendwo eine offene Kneipe. Dann ist die Straße halb mit einem Jeep blockiert, an dem wir natürlich mit dem Kotflügel hängen bleiben. Der Schaden am Jeep ist egal, ein Einheimischer erklärt uns, dass das Auto aufgegeben wurde. Der Schaden am Kotflügel des Mietwagens – so erfahren wir ein paar Tage später – ist ein ganz klein wenig höher, als die Selbstbeteiligung der Autoversicherung.

Endlich finden wir in diesem Dorf eine Art Dorfkneipe, die natürlich Hähnchenschenkel im Angebot hat. Und Pizza. Wir stillen Hunger und Durst. Die örtliche Katze ist nicht zur Zusammenarbeit bereit.

Jens findet auf dem Rückweg zur Marina noch ein paar Schlaglöcher, ansonsten kommen wir gut zurück bei Sissi an. Am zweiten Tag der Automiete will ich nicht mehr mit. Mir war es zu viel Fahrerei und wir haben keine Einheimischen kennen gelernt.