Neue Normalität

Wir schreiben den 4. Juni 2019. Um 13:29 Uhr fahren Jens und ich mit dem ICE nach Holland und leben von nun an auf Sissi. Heute schreiben wir den 4. Juni 2020, ein Jahr ist vergangen. Bis zum 14. März 2020, den Tag der Grenzschließung, hat unser langer Segeltörn die Erwartungen mehr als erfüllt.

ICE nach Amsterdam

Fast drei Monate sind seit dem 14. März vergangen. In gewisser Weise waren es drei verlorene Monate. Durch den kompletten Shutdown auf Aruba, der in Verbindung mit einer strikten nächtlichen Ausgangssperre viel restriktiver als in Deutschland war, war es praktisch unmöglich, mit Arubanern in Kontakt zu kommen. Wie offen und freundlich diese Menschen sind, zeigt sich erst jetzt so richtig.

Inzwischen habe ich ein Dutzend arubanische Telefonnummern gespeichert. Tendenziell werden es noch mehr werden. Also möchte ich mir eine SIM-Karte besorgen, die ich hier auch benutzen kann. Es gibt auf Aruba zwei Anbieter, Digicel und Setar. Zunächst probiere ich es bei Digicel, denn an Bord liegt noch eine Digicel-Karte von Bonaire. Die würde hier funktionieren, aber eine kurze Nachfrage bei den Arubanern ergibt, dass sie alle bei Setar sind. Netzübergreifende Anrufe zwischen Setar und Digicel sind teuer. Und nur Setar bietet echte 4G Daten. Also spaziere ich zum Platzhirsch.

Warteschlange vor dem Setar-Laden

Die neue Normalität gebietet Abstand. Vor dem Laden sind alle zwei Meter Wartepunkte auf den Boden geklebt. Die Leute stehen brav an. Vordrängeln wird nicht geduldet, denn an der Eingangstür steht ein Wachmann. Der winkt die Wartenden persönlich in den Wartesaal, wenn wieder Platz genug ist.

Wartesaal mit genau positionierten Stühlen

Drinnen gibt es angenehm klimatisierte Luft, nicht allzu kalt. Außerdem gibt es für mich eine Wartenummer und mir wird ein Sitzplatz zugewiesen, auf dem ich zu warten habe. Die Stühle sind genau positioniert. Nach nur eineinhalb Stunden wird meine Nummer aufgerufen. Es ist nicht leicht, beim Platzhirsch Kunde zu werden. Als ich endlich dran bin, erhalte ich nach wenigen Minuten meine SIM-Karte. Nun habe ich eine arubanische Telefonnummer. Und ich kann telefonisch bei Dominos eine Pizza bestellen, ohne dabei arm zu werden. Die Telekom-SIM-Karte kostet 3,89€ pro Minute beim Roaming.

Wartemarkierungen vor dem Kino

Aufgrund der langen Wartezeit schaffe ich es gerade noch rechtzeitig zum Anpfiff des Spiels unserer Eintracht in Bremen. Wie immer höre ich den absolut neutralen Radiostream, den unsere Eintracht auf ihrer Webseite anbietet. Parallel dazu wechsle ich WhatsApp-Nachrichten mit dem eingefleischten Bremen-Fan Alfred, der mit seiner Milena Bonatti irgendwann nach dem 1:0 den Empfangsbereich des Mobilfunks verlässt und bis heute wohl keine Ahnung vom Endergebnis 3:0 für unsere Eintracht hat. Nach zwei Auswärtssiegen in Folge muss ich heute wohl auswärts essen und auswärts trinken gehen.

Pizza mit Geflügel – lieber Günter Hans, was ist das denn für ein Spatz?

Ich entscheide mich für eine Pizza und bleibe beim Essen nicht gerne alleine. Dieser freche Spatz oder Fink will ein Stück von der Torte abhaben. Er bleibt aber nicht lange, denn er wird von einem geflügelten Kollegen vertrieben.

Krakeelender Krakel

Unter großem Krakeelen wird allen anderen Vögeln mitgeteilt, dass der Herr jetzt gerne speisen möchte. Dann macht er sich unerschrocken auf den Weg zur Pizzascheibe.

Ich will auch ein Stück Pizza

Das ganze Nachmittagsessen war in höchstem Maße amüsant. Ich habe den Vögelchen dann ein paar Krümel vom Rand überlassen. Auch wenn die Restaurantbetreiber es nicht wollen, dass die Vögel gefüttert werden. Sie sind jedoch echt süß.

Vollbesetzt

Die neue Normalität gebietet Abstand. Also werden pro Bank in der Straßenbahn nur zwei Fahrgäste erlaubt. Zwischen zwei Bänken ist immer eine Bank gesperrt. Das Obergeschoss ist ebenfalls gesperrt, denn in einer Straßenbahn fahren nur drei Mann bzw. Frau Personal mit. Ein Fahrer. Ein Schaffner. Eine Fahrgastdesinfiziererin. Die dritte Person war früher Schaffner für das Obergeschoss. Jetzt darf sie jedem einsteigenden Fahrgast die Hände desinfizieren. Man braucht eine vierte Person für das Obergeschoss. Vielleicht sogar noch einen weiteren Desinfizierer.

Fahrgastdesinfiziererin

Überall wird massiv desinfiziert. Jedes Geschäft, das man betritt, hat am Eingang einen Desinfektionsmittelspender. Nach dem Besuch von drei Supermärkten hat man die Schmatze dreier verschiedener Desinfektionsmittel auf den Händen. Dann noch eine Fahrt mit der Straßenbahn und die Hände sind viermal desinfiziert. Man möge sich eine Shoppingtour vorstellen, die durch ein Dutzend Geschäfte führt…

Der einzige Bereich, in dem es nicht zu massivem Abstand und grenzenlosem Einsatz von Desinfektionsmitteln kommt, sind die Bars. Zwar stehen die Tische der Restaurants weit auseinander und die KellnerInnen tragen Mundschutz, für die Bars scheint diese Regel nicht zu gelten. Oder sie wird nicht umgesetzt. Oder noch nicht. Manche Bars haben die Tresenplätze markiert, an denen man sitzen darf. Wahrscheinlich wird hier noch nachgelegt, im Moment ist es nicht relevant.

Endlich wieder möglich – ein Barbesuch

Es zeigt sich sofort wieder, dass Bars der ideale Ort sind, um mit den Ortsansässigen in Kontakt zu kommen. Nach nur fünf Minuten und einem halben Bier sitze ich in ein Gespräch verwickelt am Tresen und wir unterhalten uns prächtig, bis die Bar um 22 Uhr schließen muss. Auch das gehört zur neuen Normalität.

Wie kommt dieses Blechschild nach Aruba?

Ich hoffe auf einen Impfstoff. Es ist schön, wieder nach draußen zu gehen. Es wäre noch schöner, wenn wir dieses Mistvieh einfach wegimpfen könnten. Manchmal sind meine Hände rot von dem vielen Desinfektionsmittel.

Conchi

Mit Edward, den ich vor ein paar Tagen am California Beach kennengelernt habe, konnte ich mich inzwischen mehrfach treffen. Seine Frau, seine Schwester Shelley und eine seiner Töchter waren inzwischen hier an Bord. Außerdem kenne ich seine Mutter, einen Onkel und eine Tante sowie sein jüngstes Kind, einen sechs Monate alten Sohn. Das geht schnell auf Aruba.

Scheue Katze, die bei Edwards Schwester wohnt

Ich äußerte meinen Wunsch, den Natural Pool im Nationalpark zu sehen. Der Park selbst ist immer noch geschlossen. Jutta hat eine Email an die Parkverwaltung geschickt. Wir hoffen auf eine Antwort.

Edward kennt andere Wege zu dem natürlichen Swimming Pool an der Ostküste der Insel. Er meint, man könne mit dem Auto bis direkt an den Pool fahren. Ich bin gespannt. Seine Schwester ist auch mit von der Partie. Die Anreise gestaltet sich abenteuerlich, ich wäre diesen Weg wahrscheinlich nicht herunter gefahren. Shelley genießt die Fahrt bergab auf der Ladefläche des Fahrzeugs.

Die Anreise mit dem Auto endet auf dem Parkplatz einer Pferdefarm. Dort kann man sich normalerweise Pferde mieten und durch den Park reiten. Vielleicht mache ich das ja auch einmal, keine Ahnung. Als Kind war ich mal auf einem Reiterhof im Urlaub. Das ist sehr lange her. Edward ist entsetzt, wie gründlich die Parkverwaltung die geheimen Zufahrtswege blockiert hat.

Mit Steinen und tiefen Löchern zerstörte Straße

Den jetzt notwendigen Fußweg beschreiben meine beiden Führer als leicht begehbar und nur eine halbe Stunde lang. Das ist gut, ich habe sowieso nicht genug Bewegung und schätze schöne Spaziergänge.

Die Felsenlandschaft erinnert etwas an Lanzarote

Auf den ersten paar hundert Meter müssen wir einen Bergrücken überqueren und landen auf der Rückseite in einer Mondlandschaft, wie es sie auch auf Lanzarote geben könnte. Unterwegs sehen wir noch einige blockierte Zufahrten zum Park und einige neue Zufahrten, die sich in der Entstehung befinden.

Edward zeigt mir unterwegs die Stelle, wo er beim Versuch, ein festgefahrenes Auto abzuschleppen, mit seinem Fahrzeug den Berghang herunter gestürzt ist. Er ist ein Glückspilz, er hat sich bei mehreren schweren Autounfällen niemals schwer verletzt.

Suzuki Jimny

Nicht jedes Auto schafft es wieder aus dem Park heraus. Ich kann mir durchaus vorstellen, warum die Zufahrten zum Park blockiert worden sind.

Weißer Sand

Die Wanderung führt uns weiter über eine Sanddüne von fast einem halben Kilometer Länge. Früher seien sie hier mit ihren Autos gefahren, wird mir erklärt. Sie hätten früher viel Spaß beim Driften im Sand gehabt. Eigentlich ist Edward über die Handlungen der Parkverwaltung empört. Sperrungen aller Zufahrten im Huckepack von Covid-19. Ich habe Freude an unserem Spaziergang.

Klein Aruba

Dann erreichen wir den Strand. Der große Felsen heißt “Klein Aruba”, weil er von oben gesehen die Silhouette von Aruba hat. Die jungen Leute klettern an einem Seil herauf und springen dann in die Fluten. Leider hat die humorlose Parkverwaltung das Seil auf halber Länge gekappt. Edward ist zornig.

Klein Aruba von Conchi aus gesehen

Angekommen am Pool bin ich begeistert. Er ist fast kreisrund und hohe Felsen beschützen ihn vor dem brandenden Atlantik. Wir sind unter uns, es gibt keine weiteren Besucher. Die Arubaner sind genauso fußkrank wie die Deutschen. Wenn man eine halbe Stunde vom Parkplatz aus laufen muss, trennt sich die Spreu vom Weizen.

Natural Pool Conchi

Ich bin wirklich nicht der Typ, der sich gerne an Badestränden herumtreibt. Hier war ich aber sofort Feuer und Flamme und bin in das klare Wasser gestiegen. Shelley sollte einige Beweisfotos aufnehmen. Sonst glaubt mir niemand aus der Familie, dass ich im Wasser war.

Ja, wirklich! Ich bin im Wasser.

Das Wasser ist gar nicht so schlimm. Mit einer Temperatur von vielleicht 25°C kühlt es mich angenehm in der Mittagssonne. Eigentlich wollte Edward mich schon morgens um 9 Uhr abholen, doch das Auto seiner Frau machte ihm mit einer platten Batterie einen Strich durch die Rechnung. Edward fuhr zunächst seine Frau zu ihrem Termin und zurück, er kam erst gegen Mittag zu Sissi. So hatte ich die Möglichkeit, im Radio den glorreichen und unerwarteten 2:1 Auswärtssieg unserer Eintracht über Wolfsburg anhören. Deswegen erreichten wir den Pool erst gegen 14 Uhr.

Vom Ozean her kommen die größten Wellen immer wieder über die Felskante gespritzt. Das ist beeindruckend. Ich glaube, ich will hier noch einmal hin, wenn der Wind für richtig starke Wellen sorgt. Wir posieren für ein Foto.

Winke winke!

Edward ist 31 Jahre alt, also viel jünger als ich. Flausen hat er auch ständig im Kopf. Sie kommt mir aber viel vernünftiger vor. Während ich im Wasser liege und herumgammele, klettert er mal eben hinten auf den Felsen rauf.

Chill out

Das bleibt vollkommen unbemerkt von mir. Langsam schwimme ich in Richtung Ausgang. So lange war ich schon lange nicht mehr ununterbrochen im Wasser. Das schöne ist, dass man gar nicht richtig schwimmen muss. Für jede Körpergröße gibt es Steine, auf denen man bequem stehen kann. Ich krabbele aus dem Wasser und drehe mich um. Edward hat den Gipfel fast erreicht.

Jetzt ist er oben und jubelt. Man sollte tunlichst nicht an der Stelle sein, wenn wieder eine große Welle über den Felsen kommt. Respekt.

Gipfelstürmer

Im Park befindet sich oberhalb von Conchi ein großer Busparkplatz. Die Touristen, die dort abgeladen werden, können den Pool bequem über eine Treppe erreichen. Der Park ist aber geschlossen und es gibt außer uns kaum noch Touristen auf der Insel.

Die Rückfahrt wird zum Abenteuer. Für eine Viertelstunde hatte ich Bedenken, dass wir bis zur nächsten menschlichen Siedlung laufen müssen. Es gibt hier kein Telefonnetz. Edward betreibt Reifenpflege.

Alle Bemühungen nutzen nichts. Wir sind steckengeblieben. Wir kommen aus eigener Kraft nicht diesen Berg hinauf. Edward lässt den Wagen wieder auf den Parkplatz zurück rollen. Wir überlegen uns, wie wir weiter kommen. Wie aus dem Nichts erscheint oben am Hang plötzlich ein nigelnagelneuer, weißer 4×4-Truck und zieht uns aus der Bredouille.

Der Fahrer des Trucks ist bei der Pferdefarm angestellt uns soll dort eigentlich nach den Pferden sehen. Für uns ist es Glück. Edward ist ein Glückspilz.

Unser Retter zieht uns nach oben. Dort zeigt sich, was die Aktion mit dem Hinterreifen gemacht hat. Edward knipst alle frei hängenden Drähte mit einer Kneifzange ab. Der Reifen ist praktisch noch fabrikneu.

Wir fahren zur Abkühlung sofort zu einem weiteren natürlichen Pool. Der befindet sich in der Nähe der alten Goldmine. Dort ist es möglich, bis zum letzten Meter mit dem Auto an den Pool zu fahren. Dementsprechend voll ist es, es stehen noch zwei andere Autos herum.

Natürlicher Pool im Schatten

Meine Sorge vor Überfüllung ist vollkommen unbegründet. Kurz nach unserer Ankunft verschwinden die anderen Badenden und wir haben den schönen Pool für uns alleine. Hier können wir unter einem Felsüberhang schwimmen, auch in der Mittagszeit gibt es hier schönen Schatten.

Zuletzt möchte ich in diesem Beitrag noch Edward und seine Shelley vorstellen. Mit der Zeit werden sicher noch andere Familienmitglieder dazu kommen. Die Familie ist groß. Sie leben alle auf einem großen Grundstück, das ihnen selbst gehört. Dort hat sich jedes Familienmitglied ein kleines Haus mit jeweils riesiger Terrasse hin gebaut. Sie leben alle zusammen und doch hat jeder etwas Eigenes. Das gefällt mir.

Edward und Shelley

Ich möchte auch von dort Fotos veröffentlichen, möchte die Menschen aber vorher fragen, ob sie etwas dagegen haben. Den Kater habe ich nicht um Zustimmung gefragt.

Gibt’s bald Futter?

Ayo Rock

Auf einer meiner Touren mit dem Mietwagen ist mir die Ayo Rock Felsformation aufgefallen. Felsen, wie es sie sonst nirgendwo auf Aruba gibt. Die Tour fand noch vor der Öffnung der Touristenattraktionen statt, deswegen war der Ayo Rock für uns ein gefundenes Fressen. Er kommt nämlich ohne Kassenhäuschen aus und kann immer besucht werden.

Ayo Rock

Nicht nur wir kamen auf die Idee, auch einige Arubaner hatten ihre Autos auf dem Parkplatz abgestellt. Überfüllt war es nicht, denn insgesamt waren kein Dutzend Menschen in dem weitläufigen Park unterwegs.

Felsen und Kakteen

In diesem Park sind wenigstens vernünftige Aufnahmen von Kakteen möglich. Sie stehen zwischen den Felsen nicht so dicht, wie es sonst auf der Insel der Fall ist.

Jutta, Ute und Charly unter einem Divi Divi Baum

Die Divi Divi Bäume faszinieren mich. Immer noch bin ich auf der Suche nach einem schönen Exemplar, welches bevorzugt mitten in der Natur vor einem schönen Hintergrund steht und nicht als Parkgarage für ein Auto missbraucht wird. Wie diese Bäume fast ohne Regen auskommen, ist ein Wunder der Natur.

Dieser Baum hat nicht überlebt

Der leicht begehbare Spazierweg führt mitten in die großen Felsen hinein und darunter hindurch. Zu 100% ist die Kopffreiheit nicht gewährleistet, man darf aufpassen. Für den verwöhnten Europäer sei gesagt, dass nirgendwo Warnschilder hängen.

Jutta öffnet den Durchgang

Nachdem Jutta also für uns den großen Stein hochgeklappt hat, konnten wir die Unterwelten betreten. Zum Glück hat sich keiner von uns den Kopf gestoßen. Manchmal denke ich, dass wir bei uns ein paar Warnschilder zu viel aufhängen. Nur ein paar. Die meisten sind sicher wichtig.

Die Überlebenden

Nach dem langen, anstrengenden und entbehrungsreichen Spaziergang haben wir uns noch ein paar Minuten in den Schatten eines Divi Divi gesetzt. Dabei ist uns in der Baumkrone des Nachbarbaums ein oranger Vogel aufgefallen. Nach ein paar Versuchen konnte ich wenigstens dieses Bild aufnehmen.

Oranger Vogel

Dankeschön an Günter Hans, es ist also ein männlicher Baltimoretrupial.

Immer noch habe ich keine Ahnung, wie diese Vögelchen heißen, die mir unterwegs so begegnen. Schön anzusehen sind sie alle. Anschließend sind wir weiter gefahren und im Donkey Sanctuary angekommen.

Die Katze beaufsichtigt ihre Dosenöffnerin bei der Eselspflege

Zunächst musste ich eine Aufnahme von der Hausherrin machen, wie sie ihre Dosenöffnerin bei der Eselspflege beaufsichtigt. Sie weiß genau, dass sie ihre Dose erst nach der Eselfütterung geöffnet bekommt. Das aber ist sicher.

Ansonsten war ich der Esel des Tages. Nach zwei Katzenfotos war der Akku meiner Kamera leer. Mit der Plastiklinse des Telefons wollte ich nicht fotografieren, also kommen die Esel beim nächsten Besuch zu ihrem Recht. Einen großen Eimer Futter habe ich an die vollkommen ausgehungerten Tiere verfüttert, die trotz eines eindrucksvollen Gebisses ihre Leckereien mit unglaublich weichen Lippen von den Fingern lutschen.

Bei uns liegen die Katzen auf dem Ofen und nicht auf der Gefriertruhe

Null

Seit heute gilt der letzte Covid-19 Patient als genesen. Viel mehr gibt es nicht darüber zu schreiben. Aruba ist nun also coronafrei. Von einem oder zwei Rückkehrerflügen sind allerdings noch 158 Menschen in Quarantäne.

Leben

Allerorten kehrt das Leben auf die Straße zurück. Jetzt haben Restaurants und Friseure wieder geöffnet. Einzig die Bars und Spielcasinos sind noch geschlossen. Die nächtliche Ausgangssperre wurde aufgehoben.

Gestern hatte ich trotzdem einen merkwürdigen Tag. Schon vor 12 Uhr am Mittag hat mir die Temperatur mehr zugesetzt, als sie das üblicherweise tut. Als ich die Straßenbahn mit kreischenden Rädern um eine enge Kurve fahren hörte, ist mir aufgefallen, dass der ansonsten immer mit vier bis fünf Windstärken wehende Passat durch Abwesenheit glänzte. Ich bin dann zur Straßenbahn rüber gegangen und eine Runde mitgefahren. Der Fahrtwind schaffte mir etwas Erleichterung.

Auf der Suche nach einem neuen Kochtopf habe ich mich dann noch in ein paar Läden herumgetrieben. Einer meiner Kochtöpfe ist nicht mehr sauber zu bekommen, seit dem mir darin etwas Popcorn angebrannt ist. Der neue Topf ist jetzt wesentlich Popcorn-tauglicher. Das hoffe ich zumindest, die Qualität ist fragwürdig.

Baby Beach

Außerdem musste ich gestern das Auto an seinen Besitzer zurückgeben. Das ist okay, denn inzwischen sind wir fast überall gewesen, wo man nur mit dem Auto hinkommen kann. Lediglich der bislang geschlossene Nationalpark Arikok muss noch in Angriff genommen werden. Dabei wird mir Edward helfen, mit dem ich morgen verabredet bin.

Über den California Beach habe ich schon geschrieben, er befindet sich an der Nordspitze Arubas. Den Baby Beach kannte ich von einem früheren Besuch mit Lel schon, beim diesmaligen Besuch war ich sogar im Wasser. Hinterher habe ich mich etwas darüber geärgert. Erst nach zwei Tagen war der ganze Sand beseitigt, den ich mir bei der Aktion an Bord geschleppt habe. Wahrscheinlich gehe ich trotzdem wieder ins Wasser, die Temperatur ist schon sehr angenehm. Die Einheimischen setzen sich gerne ins Wasser und halten dort ihren Kaffeeklatsch ab.

Natürlich haben wir uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen, als die Restaurants wieder öffnen durften. Die fröhlichste Bedienung, die ich je gesehen habe, hat uns ein leckeres Abendessen serviert. Es ist toll, wenn man nach einem guten Essen nicht noch Geschirr spülen muss.

Besuch im Strandrestaurant

Im Laufe des gestrigen Tags ist mir außerdem aufgegangen, dass mir das Schreiben fehlt. In den letzten Wochen habe ich mich nicht recht um das Blog gekümmert und auch die Email-Korrespondenz mit verschiedenen Bekannten und Freunden in Deutschland nicht richtig verfolgt. Es war irgendwie wie Urlaub. Dieser “Urlaub” ist vorbei, ich bin wieder im Alltagstrott und es macht wieder richtig Spaß.

Also werde ich in der nächsten Zeit wieder mehr schreiben. Es gibt schließlich auch wesentlich mehr Möglichkeiten, etwas zu erleben.

Heute früh erreichten mich aus Deutschland gute Nachrichten. Wenigstens zwei der Postkarten, die ich kurz nach unserer Antwort im März in den Briefkasten geworfen habe, sind bei ihren Empfängern eingetroffen.

California Beach

Ich habe ein paar Tage nichts geschrieben. Das heißt nicht, dass es mir hier langweilig ist, sondern deutet eher auf das Gegenteil hin. Seit eineinhalb Wochen habe ich das Auto bin auf der Insel unterwegs. Manchmal alleine, manchmal gemeinsam mit den Chapos. An jenem Tag war Charly leider unpässlich, deswegen bin ich mit Jutta und Ute in den hohen Norden von Aruba gefahren, zum California Beach.

Californa Lighthouse

Über dem Strand thront der Leuchtturm, unterhalb des Leuchtturms gibt es ein sauteures italienisches Restaurant. Außerdem gibt es meilenweit Strand. Kein Badestrand, denn hier brandet der Atlantik mit aller Wucht gegen die Küste.

Brandung

Durch den glücklichen Umstand, dass wir die letzten Touristen auf Aruba sind, können wir jeden Meter der wilden Küste alleine genießen.

Einsame Küste

Wenn man genau hinsieht, kann man erkennen, dass die Insel Aruba auf Korallen gebaut ist. Die “Steine”, die am Ufer herumliegen, sind in Wirklichkeit Korallen.

Korallen (Nahaufnahme eines Steins)

Jutta und Ute vergnügen sich damit, versteinerte Brocken der Korallen zu sammeln. Ich stelle mir vor, wie die Chapo immer schwerer und schwerer wird und irgendwann sinkt, wenn beide den ganzen Strand von Aruba abgesammelt haben.

Auf der Suche nach formschönen Steinen und Muscheln

Ein paar große Steine gibt es doch, sie sind so groß, dass man sie beinahe schon als bequem bezeichnen kann.

Felscouch

Immer wieder muss ich die Kamera auf die Brandung halten, bis mir klar wird, dass ich keinerlei Verwendung für 1001 Fotos von Wellen habe. 101 Fotos sind vollkommen ausreichend. Ich trauere ein wenig dem Diafilm nach.

Felsen in der Brandung

Wir begegnen einem arubanischen Pärchen mit einem riesigen Hund. Der Hund sieht zwar harmlos aus, wir wollen aber nicht mit ihm spielen.

Natürlicher Pool

Wir umwandern die Nordspitze der Insel und stoßen auf eine Art natürlichen Pool. Es ist beeindruckend, wie das Wasser hier eine Höhle ausgewaschen hat. Je weiter wir kommen, desto weniger Brandung gibt es zu sehen. Langsam erreichen wir die andere Inselseite.

Ruine eines Divi-Divi Baums

Auf der Leeseite der Insel gibt es erst einmal mehr Vegetation. Wo auf der Luvseite allenfalls Gräser wachsen, sieht man auf der Leeseite sogar die Ruine eines Divi-Divi Baums.

Ich schwöre, ich habe das Bild von Jutta und Ute so gut wie gar nicht bearbeitet. Da ist mir bei den Farben wohl irgendwie die Maus ausgerutscht.

Ute und Jutta stehen an der Ruine des Divi-Divi Baums

Ein paar Kakteen im Vordergrund, ein jagender Pelikan im Hintergrund. Es hat eine Weile gedauert, bis ich dieses Bild im Kasten hatte. Auf der Leeseite ist das Wasser vollkommen glatt. Bis hierhin ist es ein wunderschöner Ausflug.

Jagender Pelikan

Am Wegesrand steht ein Pickup-Truck und zwei junge Männer hantieren an der Ladefläche. Eine Flasche Rum wartet halbvoll oder halbleer auf den nächsten Trinker. Die beiden lachen und unterhalten sich, zeigen auf uns. Im Nachhinein wurde mir der Dialog etwa folgendermaßen zugetragen:

“Guck’ mal, da sind wieder Touristen.”
“Quatsch, es gibt hier keine Touristen. Das sind Leute, die sprechen besser Papiamentu als wir.”

Daraufhin werden wir mit einem Wortschwall überschüttet. Ich brauche zwei oder drei Minuten um ihn zu unterbrechen, der Rum hat die Kehle gut geölt. Wir stellen uns gegenseitig vor, mein Gesprächspartner heißt Edward. Wir tauschen Telefonnummern aus. Edward bietet uns an, uns über die Insel zu fahren und uns jede Ecke zu zeigen. Ein paar Minuten quatschen wir noch. Jetzt ist der Tag perfekt geworden, wir haben endlich wieder ein paar Einheimische kennengelernt.

Pelikan im Flug auf der Jagd

Trouble in paradise

Es geht den Menschen wie den Leuten. In der deutschen Presse wird über Demonstrationen berichtet, auch hier gehen die Menschen auf die Straße.

Vorgestern standen mehrere Dutzend Polizeiwagen auf dem Parkplatz gegenüber dem Parlamentsgebäude. Hunderte Menschen marschierten am Parlament vorbei, drehten mehrere Runden über das Marina- bzw. Hotelgelände und sammelten sich schließlich zu einer Kundgebung. Davon habe ich nichts mehr mitbekommen, ich bin mit dem Mietwagen über die Insel gefahren und sah keinen einzigen Polizisten. Sonst sieht man immer welche.

Nach dem was ich hier erfahren habe, sollen den Beamten, Parlamentariern und Ministern die Bezüge gekürzt werden. Aruba möchte nämlich Geld von den Niederlanden zur Bewältigung der Folgen von Corona. Die Niederlande wollen das Geld nur geben, wenn die Gehälter im öffentlichen Dienst um 15% gekürzt werden. Hiesige Minister verdienen mit 10000 US$ im Monat nicht gerade wenig. Natürlich passt das den Betroffenen nicht.

Stau in Oranjestad

Als ich gestern vom Supermarkt zurück gelaufen kam, wälzte sich eine ungewöhnlich lange Autoschlange durch die engen Straßen der Innenstadt. Das kam mir komisch vor, auf dieser Straße kommt sonst kaum ein Fahrzeug gefahren. Man könnte theoretisch auf der Fahrbahn picknicken. Ich bog um das Parlamentsgebäude herum und sah die Ursache: Die Polizei war wieder bei der Arbeit und hat die Hauptstraße gesperrt.

Demo vor dem Parlamentsgebäude

Eine beträchtliche Menschenmenge hat sich vor dem Parlamentsgebäude versammelt. Ich wollte natürlich wissen, wofür bzw. wogegen diese Leute demonstrieren, und sprach eine Teilnehmerin an.

Minister stellt sich den Demonstrierenden

Wahrscheinlich habe ich gestern alle Lehrer von Aruba gesehen. Die Protestierenden waren Lehrer, die demnächst wieder zur Arbeit gehen sollen. Ich wollte wissen, ob es ebenfalls um Gehaltskürzungen geht. Dazu später mehr, denn gerade als ich das Gespräch angefangen hatte, trat der zuständige Minister vor die Menschenmenge.

Bla Bla Bla

Die Forderungen wurden dem Minister persönlich übergeben und es entspann sich ein Dialog. Der Sprecher der Lehrer stellte den Minister zur Rede, jede Ministerantwort wurde von einem lauten “BLA BLA BLA BLA BLA” der Menge beantwortet. Niemand hat den hier ebenfalls vorgeschriebenen Corona-Sicherheitsabstand eingehalten, was jedoch niemanden gestört hat. Inzwischen gibt es nur noch drei aktive Covid-19 Fälle auf Aruba.

Kundgebung

Anschließend machten die Lehrer die Hauptstraße wieder frei und sammelten sich um die Ecke zu einer Kundgebung. Ich blieb noch ein wenig mit der Lehrerin im Gespräch. Sonst hätte ich auch gar nichts verstanden, denn mein Papiamentu ist noch nicht besonders gut. Es wird aber besser.

Die Lehrer waren nicht primär wegen der Gehaltskürzungen auf der Straße, sondern wegen der Arbeitsbedingungen. Anscheinend sind die Schulgebäude in miserablem Zustand. Dass das in Deutschland ebenfalls so ist, wollte mir die Frau nicht glauben. Das sei doch Deutschland. Außerdem würden sie als Lehrer zwar gut verdienen, sie würden mit dem Geld jedoch auch den privaten Sektor unterstützen. Da ist sicherlich was dran, denn der private Sektor ist vor allem vom Tourismus abhängig.

Privater Sektor – Autowaschstraße

Ja, der private Sektor leidet. Auf jeden Fall haben die Lehrer ihre Forderungen charmant verpackt, denn es ging in der Hauptsache um die Schulen und nicht um das Geld. Die Gehaltskürzungen wollen sie natürlich auch nicht.

Heute ist Christi Himmelfahrt – auch hier ein Feiertag. An Feiertagen gehen alle an den Strand und nicht zur Demo. Ich bin allerdings gespannt, welche Gruppe morgen vor dem Parlament aufmarschieren wird.

Für ein paar Dosen Futter

Wer profitiert? Diese Frage stellt sich der Detektiv im Kriminalroman immer, die Antwort führt ihn zumeist zu Verdächtigen und Motiv. Das erscheint mir sinnvoller, als wild in der Welt herum zu spekulieren.

Viele Prominente machen derzeit Werbung für maßlose Phantasien, warum das Coronavirus so entstanden ist, wie es ist. Das SIE uns dazu bringen wollen, uns von Bill Gates Mikrochips impfen zu lassen. Das ist Blödsinn, wir geben die Daten sowieso freiwillig heraus und lassen uns freiwillig von Mikrochips kontrollieren. SIE sind überall.

Sie beobachtet mich.

SIE beobachten uns im Verborgenen oder ganz offen. SIE schmeicheln sich bei uns ein und wollen Streicheleinheiten. SIE wollen Futter. SIE haben die Macht über ihre Dosenöffner. Doch das reicht ihnen nicht.

Vor einigen Wochen las ich einen Bericht im SPIEGEL, einem durchaus seriösen Nachrichtenmagazin. Katzen können sich mit dem Coronavirus infizieren, Hunde nicht. Das brachte mich auf die richtige Spur. Ich versuchte, SIE ebenfalls zu beobachten. SIE verstecken sich.

So viel ich hinschaue, so viel schauen SIE zu mir zurück.

Diese starrenden Augen können einem Menschen Angst einflößen. Im Internet fand ich heraus, dass das Virus wohl in Deutschland entstanden sein muss. In der Nähe des Ortes, an dem sich angeblich Bielefeld befindet, haben die spitzohrigen Weltherrscher offenbar ihr geheimes Labor. SIE werden es niemandem verraten, es gibt aber Indizien.

Ich will gestreichelt werden!

Cui bono? Wer profitiert? Die größten Profiteure des Lockdowns überall auf der Welt waren die Katzen. Endlich konnten sie fast 24 Stunden des Tages auf ihre Dosenöffner und ihr Streichelpersonal zugreifen. Schnurren, Schmusen und Kuscheln. SIE haben vor Jahren schon das Internet übernommen und jetzt kontrollieren SIE jede Minute deines Lebens.

Wir haben geglaubt, dass wir SIE beim Tierarzt chippen lassen können. Wir haben SIE zwangsimpfen lassen, obwohl SIE es nicht wollten. Jetzt schlagen SIE zurück.

SIE sind böse.

Jetzt sind SIE böse. SIE wollen immer noch, dass dieser Beitrag nie erscheint. SIE wollen noch ein paar Dosen Futter. SIE wollen uns nicht alle umbringen, sondern nur so viele, dass noch genug Dosenöffner für SIE übrig bleiben.

Achtung: Wer das nicht glaubt, der ist der Mainstream-Presse auf den Leim gegangen. Jede Katze, der du eine Schale Futter zum Zwecke der Informationsbeschaffung hinstellst, wird meine Version der Geschichte bestätigen.

Sissi

Ich gehe jetzt Katzenfutter kaufen. Und Katzenspielzeug. Und Katzenstreu.

Weihnachten steht vor der Tür!

Ihr dürft mich jetzt nicht für komplett verrückt halten. Seit meinem letzten Blog sind ein paar Tage vergangen, in denen ich zwar nicht viel geschrieben habe, in denen aber viel geschehen ist.

Nach meinem letzten Blog war ich in einer Art Shopping-Extase. Die Geschäfte sind wieder geöffnet und man darf sogar in Gruppen größer als zwei Personen zusammen sein, denn es gibt inzwischen nur noch fünf aktive Corona-Fälle, die Gesamtzahl hat sich bisher bei 101 gehalten.

Meine Einkaufsorgie brachte mir einen Eiswürfelbereiter an Bord. Herrlich. Die Maschine brummt und nach einer Stunde fallen alle paar Minuten einige Eiswürfel heraus. Jetzt habe ich kein Problem mehr, in Sekundenschnelle eine kalte Orangina zu bekommen. Auch der Sundowner zusammen mit den Chapos bekommt klirrenden Inhalt. Da hier auf der Insel die Spannung im Stromnetz bei 115 V liegt, werden allerdings nur Geräte verkauft, die mit 115V laufen. Auf Sissi habe ich jedoch lediglich die 12V aus den Batterien und die 230V wie in Europa. Ich habe mich dazu entschlossen, den Strom für die Eiswürfel aus den 12V zu gewinnen, dann kann man auch in einer Ankerbucht Eiswürfel machen.

Was hat das aber mit Weihnachten zu tun? Ganz einfach. In der Fußgängerzone haben die meisten Läden ihre Bretterverschalung wieder entfernt. Beim Dufry hatte ich das Gefühl, ich hätte zu viel eingekauft und zu lange nicht auf den Kalender gesehen.

Christmas Madness Mega Sale

Diese Werbung ist mir vor sechs Wochen noch nicht aufgefallen. Es ist aber immer noch Mitte Mai, ich war nicht zu lange unterwegs.

Apropos unterwegs: Ab morgen macht Aruba wieder komplett auf. Die Nationalparks öffnen und auch die Bars werden wieder Getränke, die Restaurants wieder Speisen servieren. Jetzt habe ich das Paradies für mich alleine. Die Einheimischen fragen mich sowieso immer, wie ich denn auf die Insel komme.

In den letzten Tagen war ich viel unterwegs, denn ich habe mir von meinem arubanischen Bekannten Lel ein Auto besorgen lassen. Mietwagenfirmen sind bisher noch geschlossen, das private Mietauto ist auch günstiger. Es hat auch Nachteile. Die Klimaanlage ist kaputt.

Mietauto mit kleinen Mängeln. Näher sollte man nicht heran gehen.

Vorgestern brachte das Auto die Chapos und mich zur “Natural Bridge”. Das ist eine natürliche Brücke aus Kalkstein, die in Teilen eingestürzt ist. Ich wusste nicht so recht, wo ich den Wagen auf dem Parkplatz abstellen soll.

Seeseite der Natural Bridge

Die Brücke befindet sich an der Westküste der Insel, deswegen donnert der Ozean hier mit ordentlicher Wucht dagegen. Die Wellen spritzen beinahe so spektakulär wie auf Lanzarote bei Los Hervideros.

Das Wasser strömt unter der Brücke rein.

In der Nähe befindet sich noch ein bei den Einheimischen sehr beliebter Surfstrand. Die Wellen kommen dort zwar kreuz und quer hinein, nicht so vorhersehbar wie in Portugal, dafür aber genauso hoch.

Surfer

Nach meinen bisherigen Erfahrungen komme ich mit dem japanischen Kleinwagen auf der Insel ganz gut zurecht. Nur gelegentlich ist es halt so, dass ich mir einen Geländewagen wünsche. Ich wollte heute früh nur kurz an den Strand fahren, da verschwand der Asphalt nach wenigen Metern und zurück blieb eine Staubpiste.

Geht es hier zum Strand?

Die vielen Spuren von PKW-Reifen zeigten mir, dass der Weg regelmäßig befahren wird. Mir kamen nur noch Geländewagen entgegen. Echte Geländewagen, nicht die mit denen man nur in der Stadt herumfährt. Dann stand ich vor Steinen in Dackelgröße. Die fehlende Bodenfreiheit des Kleinwagens hielt mich davon ab, bis ans Ende zu fahren.

Kaktus

Zuletzt habe ich nachgesehen, ob der Nationalpark vielleicht schon heute geöffnet hat. Hat er leider nicht. Die Chapos haben mich mal gefragt, warum man nicht einfach so in den geschlossenen Park gehen kann. Für mich ist die Frage ganz einfach zu beantworten – die Natur ist mir auf dieser Insel zu wehrhaft für Spaziergänge ohne Spazierwege.

Kakteenwand

Schließen möchte ich diesen Beitrag mit einem Graffiti, das ich in Oranjestad gefunden habe. Nicht nur in Saint Nicolas, auch in Oranjestad sind viele Gebäude verziert. Mir gefällt es. Ich werde es auf der nächsten Sandpiste beherzigen. Und mit einem kleinen Katerchen. Denn über Katzen muss ich in meinem nächsten Beitrag sehr viel schreiben. Es gibt da etwas, das ihr alle wissen müsst!

Geheime Weltregierung: Die Katzen!

Ich hoffe, ich komme noch zum Schreiben. Wenn mir das nicht gelingt, wisst ihr alle, dass SIE mich daran gehindert haben.

Yesss!

Neulich habe ich während eines Spaziergangs im Vorgarten eines Hauses ein Dutzend Katzen gesehen. Vielleicht waren es auch noch mehr. Als ob diese Katzen alle in einem verlassenen Haus wohnen würden. Nur der Pflegezustand der Pflanzen im Vorgarten sieht aus, als wäre das Haus noch bewohnt. Die Katzen haben auch Futter und Wasser.

Ganz viele süße Katzen!

Heute habe ich mir die GoPro und eine Dose mit Katzenfutter geschnappt, die seit Portugal auf Sissi mitfährt. Ich will ein paar süße Katzen beim Fressen aufnehmen. Leider ist die Katzenbesitzerin im Vorgarten. Ich traue mich nicht, den Katzen das Trockenfutter zuzuwerfen. Ich warte lieber, bis ich die Katzen in der Abenddämmerung auf der Straße erwischen kann.

Divi Divi

Auf dem Weg zurück in die Stadt komme ich an einem der schönsten Bäume in Oranjestad vorbei. Ein Divi Divi Baum, sozusagen die Wappen-Bäume von Aruba. Am Strand gibt es sie in ganz verrückten Formen, sie werden vom Wind zurecht geblasen.

In der Fußgängerzone lasse ich meinen Blick rundherum schweifen. Es sind immer mehr Menschen auf der Straße. Das Leben kehrt in die Innenstadt zurück. Manche Läden sind noch geschlossen, die meisten Geschäfte haben aber inzwischen wieder geöffnet.

Endlich wieder!

Auch die Dreckecken werden aufgeräumt und geputzt. Aruba macht sich wieder fein. Die Restaurants sind noch geschlossen. Ich kann an fast jeder Ecke sehen, dass sie einen Öffnung in Kürze vorbereiten.

Oranjestad wird geputzt.

Was mich wirklich überzeugt hat, dass hier der Krisenmodus in Kürze beerdigt wird, ist die Straßenbahn. Ich wollte meinen Augen kaum trauen, als ich ein rotes Fahrzeug auf dem Gleis fahren sah. Yesss! Sie fährt wieder.

Sie fährt wieder!

Jede zweite Sitzreihe ist gesperrt und auf den Sitzen gibt es jeweils außen Klebemarkierungen. Auf diese Markierungen kann man sich setzen. Vor dem Einsteigen gibt es Händedesinfektion.

Sie fährt wirklich. Das ist ein aktuelles Bild.

Ich setze mich auf eine Bank im Schatten und warte darauf, dass die Straßenbahn wieder in die andere Richtung fährt. Dabei gelingt mir ein schönes Bild von zwei Frauen, die sich zu einem ausgiebigen Schwatz auf einer Bank getroffen haben. Offiziell gelten hier weiterhin die Abstandsregeln, der tolerierte Abstand liegt hier bei 2 Metern.

Tratschen

Nicht nur die Erwachsenen, auch die Jugendlichen haben ihren Spaß. Die letzten Wochen war es hier sehr langweilig. Die Schulen sind immer noch geschlossen.

Jugendliche Radfahrer

Eigentlich ist heute jeder auf der Straße. Es ist lange nicht so voll wie mit den üblichen Touristenscharen, Es erinnert mich an einen Tag ohne Kreuzfahrtschiffe, wenn sich lediglich die Einheimischen in der Fußgängerzone tummeln.

Shoppen geht in jedem Alter

Zuletzt treffe ich noch Jutta und Ute auf der Straße. Sie bummeln auch von Geschäft zu Geschäft und schauen mal hier und mal dort. Sie haben außer dem Supermarkt seit Ende Februar keine geöffneten Geschäfte gesehen.

Yesss! Shopping geht wieder.

Ich überrede die beiden, gemeinsam eine Runde mit der Straßenbahn zu fahren. Sie sind überrascht, dass die Mitfahrt kostenlos ist.

Ute vor der Tram

Kaum sitzen wir in der abfahrbereiten Tram, macht mit Jutta auf das Bierfachgeschäft aufmerksam. Es ist mir schon vor Wochen aufgefallen, aber es hatte ja die ganze Zeit geschlossen. Als ob die Bierversorgung nicht zur Grundversorgung gehören würde. Gespenstig.

Beer World empfängt wieder Kunden.

Jutta hat sichtlich Gefallen an der kleinen Runde mit der Straßenbahn.

Jutta fährt Straßenbahn

Fahrer, Schaffner, Chefdesinfektor und noch eine Angestellte der Straßenbahnbetriebe tummeln sich im Fahrzeug. Heute ist der erste Betriebstag. Die Personale lachen und scherzen mit Passanten, Ladenbesitzern und mit und über uns. Touristen! Sie sind wieder da.

Kein Mindestabstand! Die Schaffnerin wird böse.

Wir fahren an einer Gruppe Männer vorbei, die ohne Sicherheitsabstand nebeneinander stehen. Die Schaffnerin ruft ihnen rüber, dass sie zwei Meter Abstand einhalten müssen. Dann lachen alle gemeinsam. Es kommt mir vor, als ob ein wichtiger Baustein Normalität in die Stadt zurückgekehrt ist.

Schuhe shoppen.

Wir werden an der Endhaltestelle rausgeworfen, es war die letzte Fahrt des Tages. Da hatten wir ja ein Riesenglück. Gemeinsam spazieren wir zurück in die Fußgängerzone. Gemeinsam bis zum ersten geöffneten Schuhladen. Dann muss ich Ute und Jutta leider verlassen. Eigentlich wollte ich Katzen fotografieren und filmen gehen. Statt dessen habe ich Menschen fotografiert. Es war ein schöner Nachmittag.

Auch die Scientologen haben sie heute vor die Tür gelassen. In Ganzkörperoveralls haben sie die Fußgängerzone unsicher gemacht. Müssen sie die Overalls jetzt zu Werbezwecken tragen oder damit man sie auf der Insel immer wiederfinden kann, falls sie davonlaufen.

Mit den Klamotten würde ich bei 32°C im Schatten nicht herumlaufen wollen. Ein Scientologe mit Freewinds-Aufdruck.

Hinsichtlich Corona hat sich heute auch etwas getan. Auf Aruba sind noch neun Personen erkrankt. Ein 70-jähriger Mann ist gestern an Covid-19 gestorben, damit sind es jetzt drei Tote. Die Gesamtzahl der Infektionen bleibt bei 101.