Lebenshilfe für Karibiksegler

Sissi in der knallenden Sonne vor Kralendijk

Das Bild zeigt Sissi, wie sie in der Mittagssonne an der Mooring vor Kralendijk hängt. Im Cockpit lässt es sich prima aushalten, denn wir haben eine Sonnenschutzplane aufgehängt, die sich auf unserem Törn bisher sehr gut bewährt hat. Das ist aber nicht das Thema dieses Blogs.

In diesem Blog geht es um Hitze, um die mörderischen Temperaturen, die es in der Karibik im Januar und Februar schon gibt. Seit zwei Monaten etwa leben wir in der Temperaturzone zwischen 28°C und 31°C. Jeden Tag. Es gibt keine Änderungen. Es gibt nur warme Tage und heiße Tage. Das kann nerven. Auf dem Atlantik hat es uns so sehr genervt, dass wir bei Jörg und Burti ein paar PC-Lüfter bestellt haben. Die beiden haben uns dann die Lüfter nach Barbados gebracht. Seit dem schlafen wir besser. Auf dem Atlantik ist das Problem, dass wir zwar genug Wind gehabt hätten, um Sissi ordentlich zu durchlüften, wir aber die Fenster nicht öffnen konnten, damit der Atlantik nicht zu Besuch in unsere Schlafkoje kommt.

Leiser PC Lüfter

Alle notwendigen technischen Daten stehen auf dem Lüfter, man muss nur das Foto vergrößern. Der Lüfter zieht 0.08 Ampere und braucht somit 0.96 Watt. Das sollte jede Schiffsbatterie aushalten. Er hat einen Durchmesser von ca. 20 Zentimetern, ist also ziemlich groß für einen PC-Lüfter. Dafür ist er praktisch nicht zu hören. Einer ist über meiner Koje montiert, einer über Jens Koje. Ist der Lüfter eingeschaltet, sorgt er für eine leichte Luftbewegung im Schlafzimmer und dafür, dass man nicht mehr im eigenen Saft geschmort wird. Toll! Noch einmal vielen Dank an Jörg für das Besorgen und Mitbringen.

Sissi im Abendrot

Auch wenn die Sonne untergegangen ist, nehmen die Temperaturen nicht ab. Deswegen sind die Lüfter so wichtig. Einen dritten Lüfter hatten wir erst für die Gästekoje im Vorschiff vorgesehen, dafür wird er jetzt aber nicht benutzt. Er sorgt jetzt für einen erhöhten Luftdurchsatz am Kühlschrankkompressor und wir merken schon, dass der Energieverbrauch unseres Kühlschranks gesunken ist – die Akkus sind nach zwei Tagen an der Boje auf Bonaire nicht leerer geworden. Genau kann ich das noch nicht quantifizieren, werde aber auf jeden Fall noch Messungen durchführen.

Kralendijk bei Nacht

Wenn du glaubst, dein Segelboot auch mit PC-Lüftern ausstatten zu wollen, sie haben ein paar tolle Eigenschaften: Leise, geringer Stromverbrauch und direkt an 12V anschließbar. Achte aber darauf, dass es sich um möglichst große, langsam laufende Lüfter handelt. Sonst wirst du nicht glücklich damit. Ein Lüfter kostet ca. 45€. Ich möchte nicht wissen, wie teuer die wären, wenn es sie im Segelbedarfsladen gäbe.

Esel

Wir mieten uns Motorroller, denn auf Bonaire gibt es keinen ÖPNV. Ein Auto wollen wir nicht mieten, dazu ist die Insel viel zu klein. Seit dem ersten März gibt es auf Bonaire die Helmpflicht. Wie es der Gesetzgeber hier mit dem Filmen während der Fahrt mit dem Smartphone aussieht, ist mir nicht bekannt. Ich habe hier noch keinen Polizisten gesehen.

Motoselfie

Mit den Motorrollern fahren wir los, erst einmal in den Süden der Insel. Den Norden nehmen wir uns für den folgenden Tag vor. Zuerst fahren wir am Flughafen vorbei und an den Salinen. Anschließend kommen die Pelikane, Flamingos und der Leuchtturm.

An diesem Leuchtturm sind wir auf der Seeseite schon einmal vorbei gefahren

Die Rollervermieterin hat uns erklärt, dass man die Strecke im Süden in etwa einer Stunde fahren kann. Wir haben nach drei Stunden noch nicht einmal die Hälfte und müssen uns deswegen beeilen, weil wir noch zu den Eseln wollen.

Die Esel gehören zur Saline wie die Sklaven auch. Als man die Esel zur Salzproduktion nicht mehr brauchte, hat man sie einfach freigelassen und sie haben sich auf der Insel vermehrt. Seit 1993 gibt es das Donkey Sanctuary. Man hat viele Esel eingesammelt und ihnen auf einer Fläche von ca. sechs Fußballfeldern Größe Raum zum artgerechten Leben gegeben.

Jens im Eselreservat

Der Eintrittspreis ist mit 9$ pro Nase meiner Meinung nach angemessen. Es gibt hier wirklich sehr viele Esel. Ich will noch einen Eimer Karotten für die Fütterung erwerben, doch den verkauft mir die Eselwärterin nicht. Sie meint, dass wir mit den Rollern keine Chance hätten. Wenn die Esel merken würden, dass wir Futter für sie haben, würden sie uns umzingeln und wir kämen nicht mehr weiter. Ist okay, wir müssen sie ja nicht füttern.

Eselprozession zum Mittagessen

Auf einem Aussichtsturm haben wir einen guten Überblick. Es gibt wirklich sehr viele Futterstationen für die Esel und überall sehen wir Esel bei ihrer Mahlzeit. Wenn die jetzt alle auf unsere Karotten stürmen würden – nicht auszudenken.

Futterstationen

Auf unserer Weiterfahrt durch den Eselpark sehen wir plötzlich am Rande des Wegs einen schwarzen Schatten. Schnell halten wir die Roller an und mit den Kameraobjektiven auf das seltene Tier. Wir sehen die erste Katze auf Bonaire. Bisher haben wir noch keine gesehen. Ein paar Hunde, die im Schatten liegen, haben wir schon gesehen, aber im Vergleich zu den anderen karibischen Inseln ist es wenig. Und es werden hier keine Hühner gehalten. Jedenfalls nicht auf der Straße.

Katze unter Eseln

Dann gibt es noch eine Aufzuchtstation für Jungtiere und für Tiere, die etwa im Straßenverkehr verwundet worden sind. Diese werden auf Bonaire im Eselreservat abgeliefert und die Leute versuchen rührig, sie aufzupäppeln. Am Morgen unseres Besuchs ist ein einsames Eselbaby abgegeben worden, das noch nicht einmal einen Tag alt ist. Die freiwilligen Pflegerinnen päppeln es mit der Milchflasche auf.

Eselbaby. Hier hat er eine Überlebenschance

Um das Ganze zu komplettieren oder warum auch immer sind noch ein paar Schildkröten zu sehen.

Eselsschildkröte

Und eine Gruppe von fünf Flamingos wurde auch gespendet. Die Besitzer der Flamingos hatten diese viele Jahre im Garten stehen, dann sind sie zurück nach Holland gegangen und haben die Vögel dem Eselparadies geschenkt.

Eselflamingos

Zuletzt kommt dann noch das Altersheim. Es gibt hier tatsächlich ein Altersheim für Esel. Zuerst habe ich das Schild gelesen und gestaunt: Wenn die Esel älter als 30 Jahre werden, kommen sie hier ins Altersheim und bekommen spezielles, altersgerechtes Futter. Ich wusste gar nicht, dass ein Esel so alt werden kann.

Altersheim

Liebe Leser, jetzt wisst ihr zumindest ein wenig, was Salz, Sklavenhaltung und Esel miteinander zu tun haben.

Bei den ganzen Eseln musste ich auch immer mal wieder an meine ehemaligen Arbeitskollegen denken. Wir Softwareentwickler haben vor knapp 20 Jahren eine interne Software namens ESEL programmiert. Damit wird (wahrscheinlich) heute noch bei der Denic gearbeitet. Ich hoffe, die Software kommt jetzt langsam auch ins Altersheim, auch wenn sie noch nicht 30 Jahre alt geworden ist. Ganz viele liebe Grüße nach Frankfurt am Main!

Schreck in der Morgenstunde

Ein Rumpeln und Dröhnen holt mich aus meinem Schlaf. Es herrscht ein Riesenlärm draußen, ich muss nachsehen, worum es sich handelt. Ein Riesenpott, die Aidaperla, ist gerade dabei an der winzigen Betonpier festzumachen.

Ankunft des Kreuzfahrtschiffs

Ich wusste, dass es praktisch keine Inseln in der Karibik gibt, an denen keine Kreuzfahrtschiffe ankommen. Dass es uns aber mal so hart treffen würde, hätte ich nicht gedacht. Piepen von der Bordsprechanlage, Durchsagen in mehreren Sprachen und Lärm von der Maschine. Ich lege mich wieder ins Bett.

Aidaperla neben Sissi

Als ich um acht Uhr nicht mehr schlafen kann, der Lärm von dem fetten Pott hat nicht aufgehört, hat Jens zum Glück den Kaffee schon fertig. Wir werden heute mit unseren Motorrollern flüchten. Das ist ja nicht auszuhalten. Beim Kaffee sehen wir den Passagieren zu, wie sie die Prozession zur Immigration machen. Warum können sie die Leute nicht wegen des Coronavirus auf See aussperren? Sind halt schon entspannt, die Holländer.

Im gelben Haus befindet sich die Einwanderungsbehörte

Ein Kreuzfahrtschiff mit mehr als 3500 Passagieren ist auf Bonaire angekommen. Bonaire selbst hat nur 18000 Einwohner. Das ist schon ein ganz schöner Brocken. Die Wassertaxis fahren die Kreuzfahrer im Akkord nach Klein Bonaire, einer vorgelagerten Insel mit beliebten Sandstränden.

Wassertaxi

Der Kreuzfahrer ist so mächtig, er dreht sogar den Wind. Wir liegen normalerweise mit dem Bug nach Osten, weil der Wind immer aus Ost kommt. Jetzt liegen wir mit dem Bug nach Süden, denn dieser fette Pott ist so nah, dass er den Wind einmal um 90° gedreht hat. Mmmpf. Das passt jetzt mit unserer Sonnenschutzplane nicht mehr richtig.

Ich fahre mit Jens an Land, der möchte eine ausgedehnte Wanderung im Nationalpark machen. Dann gehe ich noch in den Telefonladen und muss hinter drei deutschen Kreuzfahrern in der Schlange stehen, die alle eine SIM-Karte für ihre Telefone brauchen. Ich habe eine SIM-Karte und will sie nur aufladen. Das dauert aber, weil die Deutschen im Kreuzfahreralter nun einmal nicht so sehr des Englischen mächtig sind. Und weil bestimmte Worte wie “Handy” oder “Prepaid” in diesem Sprachraum nicht existieren bzw. eine andere Bedeutung haben. Aber der Deutsche meint ja, dass er besser verstanden wird, wenn er lauter spricht…

Als ich fertig bin und zurück zu Sissi gehe, fallen mir fast die Gläser aus der Brille. Das habe ich ja noch gar nicht gesehen. Es ist nicht nur ein Kreuzfahrer auf Bonaire gelandet, sondern es sind deren zwei.

Zwei Kreuzfahrer

Also sind etwa 7000 Kreuzfahrer zusätzlich zu den normalen Touristen auf dem Inselchen. Wow. Können sich die Reedereien nicht wenigstens untereinander absprechen? Wenn wir jetzt ausklarieren wollten, wäre das wegen der vielen Menschen nicht möglich. Wir wollen sowieso bleiben, haben wir doch die Roller noch bis zum Abend gemietet und die Insel noch nicht komplett gesehen.

Ich trinke noch einen Kaffee im Cockpit, da kommt plötzlich von hinten ein Wassertaxi. Dort sind einige echt angetrunkene (es ist 10:30 Uhr am Morgen) Deutsche drauf. Die grölen zu mir rüber. Die grüßen die deutsche Flagge an unserem Heck. Die zeigen mir den Hitlergruß. Ich zeige ihnen den Mittelfinger. Ich hasse Kreuzfahrer. Nicht die Menschen, die meisten sind völlig normal und total nett. Die Schiffe, die dahinter stehende Industrie und das, was sie aus den Reisezielen macht.

Walskelett
Infotafel zum Walskelett

Vogelviecher

Pinguine

Der Pinguin ist so eine Art Wappentier von Bonaire. Es gibt ihn im Touristen-Geschenkeladen als Stofftier in allen Größen, er steht aber auch auf der Insel eigentlich an jeder Ecke. Pinguine können nicht fliegen. Deswegen stehen sie im Wasser herum und sehen gut aus dabei.

Pinguin auf der Nahrungssuche

Wir haben Glück und können einen Pinguin bei der Nahrungssuche beobachten. Bisher kenne ich sie nur aus dem Frankfurter Zoo, wo sie ihren Platz direkt am Haupteingang haben. Ich muss aber sagen, dass sie hier in ihrer natürlichen Umgebung viel besser anzusehen sind.

Füllervogel bei der Jagd. Leider zu spät auf den Auslöser gedrückt.

Dann können wir noch den Füllervogel beobachten. So einen hatte ich schon in der Grundschule, aber jetzt sehe ich einen in freier Wildbahn bei der Jagd. Leider habe ich hier zu spät auf den Auslöser gedrückt. Die Fontäne nach dem Eintauchen ins Wasser ist ordentlich.

Der Füllervogel startet wieder

Den Start nach dem ersten Tauchgang im “divers paradise” kann ich problemlos fotografieren, dann sehen wir dem Füllervogel zu, wie er an Höhe gewinnt.

Füllervogel gewinnt an Höhe

Höher, höher und noch höher kreist der Vogel. Er sucht von oben im klaren Wasser nach frischem Fisch.

Füllervogel auf Betriebshöhe

Mit dem dicken Hals und auf der Verpackung des Füllfederhalters sieht der Füllervogel nicht besonders elegant aus. Das ändert sich allerdings sofort, wenn er in der Luft seine Kreise zieht. Und dann stürzt er sich in die Fluten…

Füller stürzt in die Fluten

Wir könnten noch Stunden an dieser Stelle stehen, dann kämen wir aber nicht bis zu den Eseln. Über die Esel werde ich noch etwas schreiben, aber dafür ist in diesem Augenblick nicht die Zeit. Wir steigen also auf unsere Motorroller, lassen die Motoren brüllen und jagen in Richtung der Esel. Dabei führt uns der Weg an einer beeindruckenden Brandung vorbei.

Kein Badestrand

Wer es bis jetzt noch nicht gemerkt hat – ich habe keine Ahnung vom Vögeln. Aber elegant sehen sie trotzdem aus. Und mache von ihnen gibt es in tollen Farben. Für diesen Vogel hier habe ich keinen Namen, aber er ist schön gelb.

Gelbes Vögelchen

sed s/Pinguin/Flamingo/g Vogelviecher
sed s/Füllervogel/Pelikan/g Vogelviecher

Einkaufen wie in Holland

Wir befinden uns ja in den karibischen Niederlanden. Auf Bonaire nehmen sie zwar keine Euros sondern US$, ansonsten kommen wir uns schon so vor wie in Holland. Sie sprechen auch so wie in Holland. Irgendwas, das nach Halsentzündung klingt und Englisch. Ein guter Supermarkt soll nur etwa einen Kilometer von unserer Boje entfernt sein. Wir laufen los.

Straßenszene in den Niederlanden

Wir laufen also die Straße entlang zum Supermarkt, weil wir uns etwas versorgen wollen. Immer nur im Restaurant essen gehen ist doof, teuer und schmeckt auf die Dauer auch nicht. In der Karibik ist die Auswahl an Gerichten nicht allzu groß, lediglich die Zahlen neben den Gerichten haben eine komische Größe.

Bei unserem Spaziergang fällt uns auf, dass man nicht sehen kann, wie der Strom in die Straßenlaternen kommt. Hier haben sie zumindest in der Hauptstadt die Stromleitungen unter die Erde gelegt. Das war auf den anderen karibischen Inseln nicht so.

Van den Tweel Supermarket

Nach einer knappen halben Stunde sind wir da. Von außen macht der Supermarkt einen tollen Eindruck. So etwas haben wir seit Europa nicht mehr gesehen. Vielleicht ansatzweise auf den Kanaren, aber auch dort hatten die Supermärkte zumeist eine überschaubare Größe.

Supermarkt von innen

In den Regalreihen finden wir haufenweise Produkte, die wir zuletzt in Stavoren im Coop gesehen haben. Das ist wirklich lange, lange her. An einigen Regalen sind Schilder angebracht, dass sich die Container aus Holland aufgrund von schlechten Wetters verspäten und erst in der kommenden Woche eintreffen werden. Für uns ist jedenfalls noch genug da. Wir angeln ein tolles Rinderfilet aus der Fleischtheke (Herkunft: Netherlands) und dazu grünen Spargel aus Mexiko. Wir freuen uns auf das Abendessen.

Dann werden wir an die Jahreszeit erinnert. Ist denn wirklich schon bald Ostern? Wenn man wie wir ohne Jahreszeiten unterwegs ist, dann fehlt der Bezug zu solchen Terminen vollkommen.

Bald ist Ostern

Wir verzichten auf den Erwerb der Osterhäschen. So wichtig ist das nicht. Statt dessen kreisen wir noch durch die restlichen Regale des Ladens und finden bei den Bieren eine Sorte, die wir auch zuletzt in Stavoren getrunken haben: Brand. Aus der ältesten Brauerei der Niederlande. Wow. Da nehmen wir uns gleich einen Sixpack mit, für mehr reicht das Budget nicht. Eine Dose kostet nämlich 1,89$. Egal, das ist es uns heute wert. Und es schmeckt.

Brandje – Prost!

Salz – noch einmal….

Auf dem Atlantik habe ich mich über das Salz beschwert. Salz auf der Sissi, Salz auf uns und Salz überall um uns herum. Auf Bonaire versuchen sie, dagegen etwas zu tun.

Salz

Im Süden der Insel ist eine große Saline, es gibt einen Salzpier, an dem Schiffe mit Salz beladen werden können. Das Geschäftsmodell ist einfach. Der Atlantik wird in große, flache Seen hineingelassen, dann scheint die Sonne und das Wasser verdunstet. Übrig bleibt Salz.

Saline mit Salzbergen

So sehr sie sich auf Bonaire auch anstrengen, sie haben es noch nicht geschafft, den Atlantik irgendwie ansatzweise auch nur ein wenig zu entsalzen. Da sind wir mit unserem Watermaker weiter, aber wir wollen ja auch nicht das Salz, sondern das Wasser.

Ich finde, die Berge aus Salz sehen irgendwie so aus, als wären sie der Toblerone-Werbung entsprungen. Nur ohne Alpen.

Salzberge. Versandfertig.

Alle diese Berge werden früher oder später auf einem Schiff landen und dann in den Supermärkten dieser Erde als Meersalz verkauft werden. So ist das.

Jens und ich haben uns Motorroller gemietet, um die Insel zu erkunden. Die Saline war nur das erste von vielen Zielen, die wir angesteuert haben. Salzgewinnung gibt es auf Bonaire schon ziemlich lange, in früheren Zeiten wurden Sklaven eingesetzt, um die schweren Arbeiten zu verrichten. Außerdem hat man Esel benutzt, aber zu den Eseln werde ich noch einen weiteren Blog schreiben. Kommen wir also zu den Sklaven.

Sklavenhütten – der Erklärungstext

Noch um 1850 gab es hier also die Sklaverei. Man hat den Sklaven Hütten gebaut, in denen sie übernachten konnten. Die sind ca. 1,50 Meter hoch, darin können allenfalls kleine Kinder stehen.

Sklavenhütten

Mehr als Schlafen war in den Hütten sicher nicht möglich, aber wohl auch nicht gewollt. Der Hund bekommt ja auch eine Hundehütte, damit er etwas Wetterschutz hat. Oder der Esel bekommt ein Dach, das ihm Schatten gibt. Aber zu den Eseln komme ich später.

Auch in gefälligem Gelb – die Sklavenhütten

Die Arbeit in der Saline war jedenfalls kein Zuckerschlecken. Ich möchte an dieser Stelle mit dem Salz schließen, wir haben heute so viel auf der Insel gesehen, dass ich wohl mehrere Tage brauchen werde, um es für das Blog aufzubereiten.

Caribbean Netherlands

Mir gefallen die Autokennzeichen. “Divers Paradise”. Auch dazu muss ich wohl ncoh etwas schreiben, denn wir sind an einem der besten Schnorchel- und Tauchplätze, die es in der Karibik geben soll.

Bonaire

Was für ein Ritt. Stell’ dir einfach vor, dass du in dein Auto steigst und zweieinhalb Tage Vollgas fährst. Oder nahezu Vollgas. Das haben wir hinter uns. Der Wind hat zugenommen und uns mit 25 kn in Richtung der ABC-Inseln geblasen. Zum Glück fährt Sissi ganz alleine, wir müssen uns dabei nur um wenig kümmern. So hat Jens zum Beispiel Zeit für einen Thriller.

Thriller bei Höchstgeschwindigkeit

Am Abend präsentiert sich das Wetter noch einmal von seiner schönsten Seite. Die Wolken und die untergehende Sonne sorgen für eine feine Kitschstimmung. Ungezählte Sonnenuntergänge auf See werden doch nicht langweilig. Jens geht schon etwas früher ins Bett als sonst, weil die Nacht heute kurz wird. Wir sind zu schnell.

Feinster Kitsch

Wir können kein ganzes Etmal mehr ausfahren, denn am Morgen sind wir schon um 8 Uhr am Leuchtturm von Bonaire. Wir halsen seit vier Tagen das erste Mal um die Südspitze der Insel, dann halten wir auf den Hauptort Kralendijk zu. Hier ist der einzige Hafen zum Einklarieren.

Okay, Hafen ist etwas dick aufgetragen. Es handelt sich um zwei Betonstege, an denen sogar große Frachtschiffe festmachen können. Nur wir können da nicht festmachen. Ich rufe auf allen möglichen mir sinnvoll erscheinenden Funkkanälen den Hafen, nur leider schweigt sich das Funkgerät aus. Und so stehen wir etwas dumm vor den Stegen herum, auf denen ein Dutzend Leute die Angeln ausgeworfen haben.

Gerade wollen wir all unseren Mut zusammen nehmen und doch an einen der Betonstege gehen, da kommt mit hoher Geschwindigkeit ein Zollboot auf uns zugefahren. Wir winken sie zu uns. Sie erklären uns, dass wir dort nirgendwo anlegen können. Wir sollen eine Mooringboje nehmen und dann mit dem Dinghi zum Einklarieren fahren. Okay, das können wir natürlich tun. Um 11:30 Uhr sind wir fest, also eine halbe Stunde vor dem Etmal sozusagen.

Das Einklarieren selbst ist dann in einer Viertelstunde und kostenfrei erledigt. Im Gegensatz zu anderen Ländern wollen sie hier allerdings die gesamte Crew sehen. Dabei habe ich Jens auf dem Boot gelassen, denn in fast allen Ländern geht nur der Skipper zu den Behörden. Ich muss Jens hinterher aber nicht mehr holen, ich soll ihn aber zum Ausklarieren mitbringen. Mache ich doch gerne.

Anschließend kommt noch ein Schlauchboot zu uns an die Boje gefahren und bringt uns die Regeln für die Bojenbenutzung vorbei. Die Boje wird in der Marina im Voraus bezahlt, gehört aber nicht zur Marina. Es herrscht auf der ganzen Insel ein Ankerverbot, deswegen wurde von der Naturschutzbehörde ein riesiges Bojenfeld angelegt. So wird die Unterwasserwelt vor uns Seglern geschützt. Ich finde das gut. Die Leute springen direkt an der Boje ins Wasser, um dort zu Schnorcheln, denn alle Bojen sind irgendwie ziemlich direkt an der Riffkante platziert.

Der Bojenwärter sprach von einer halben Stunde Fußweg bis zur Marina. Also schnappe ich mir das Dinghi und fahre lieber. Auf dem Weg zur Marina finde ich noch die Daphne, die wir zuletzt in Portugal gesehen haben. Schön, mal wieder alte Bekannte zu sehen.

Marinaschildkröte

Ich komme dann aus dem Marinabüro heraus und gehe zurück zum Dinghi, da fallen mir fast die Augen aus dem Gesicht. Eine Meeresschildkröte paddelt gemächlich durch das klare Wasser des Hafenbeckens. Zwar habe ich nur das Smartphone dabei, das ist aber besser als gar keine Kamera. Ich halte drauf und freue mich. Endlich mal eine ordentliche Schildkrötenaufnahme.

In dreiundzwanzigeinhalb Stunden haben wir dann zuletzt also 138 Meilen zurückgelegt. Jetzt wird der Wind erst einmal ungünstig für uns, deswegen bleiben wir wenigstens bis Montag auf Bonaire. Anschließend gucken wir mal, wie es passt. Ich will noch nach Aruba, denn dort gibt es eine Straßenbahn. Vielleicht können wir auch noch Curacao mitnehmen, das liegt so in der Mitte. Zwischen diesen drei Inselchen sind es keine richtigen Entfernungen.