Eine lustige Seefahrt – mit Folgen

Zuletzt war ich mit Sissi am 11. März unterwegs. Damals sind Jens und ich von Bonaire gekommen und haben Sissi im Hafen von Oranjestad fest verankert und vertäut. Am 1. Juli bin ich dann wieder für ein paar Stunden draußen gewesen und es hat mir gut getan. Segeln ist gut für die Seele, es macht aber auch Spaß.

Vor ein paar Wochen habe ich Edward und Shelley gefragt, ob sie nicht Lust auf einen Segeltörn hätten. Ich hatte nämlich Lust auf einen Segeltörn und brauchte die Hände.

Meine Nervosität vor dem Start ist groß. Ich habe das Boot voll mit Menschen, die noch nie zuvor auf einem Segelboot waren. Nein – falsch. Die Menschen sind noch nie mit einem Boot gefahren, obwohl sie auf einer Insel leben. Wir wollen etwas Spaß haben und testen, ob sie alle seefest sind.

Zwei Tage habe ich an Bord geschuftet, um Sissi wieder seeklar zu bekommen. Kaum zu glauben, wie viele Dinge sich nicht mehr an ihrem Platz befinden, wenn das Boot ein Vierteljahr nur im Hafen bewohnt wurde. Und warum habe ich eigentlich das Boot mit sechs Leinen am Steg vertäut?

Da der Wind immer von Steuerbord-Achtern kommt und zumeist recht anständig bläst, will ich eine Ankerleine nutzen, um das Boot während des Einholens der Ankerkette an seiner Position zu halten. Das klappt am Anfang recht gut, das Manöver endet jedoch in der Mooringleine des Nachbarn. Ungünstig. Ich bin erstaunt, wie gelassen ich dabei bleibe. Der Hafenmeister schleppt uns mit dem Schlauchboot wieder frei und wir können zu unserem Abenteuer starten.

Mein Glück ist riesig, als endlich die Segel stehen und der Motor verstummt. Nur noch das leise Surren des elektrischen Autopiloten ist neben dem Wind zu hören. Die Mitfahrenden sind begeistert.

Von links nach rechts: Micheline, Shelley und Edward

Micheline ist die Ehefrau von Edward und Shelley seine Schwester. Zwei Kinder hätten eigentlich ebenfalls mitfahren sollen, mussten aber zur Schule gehen. Das nächste Mal machen wir das am Wochenende oder während der Sommerferien, dann können die auch mitfahren.

Dickie und Sohn

Dickie wiederum ist mit Edward befreundet und hat seinen 12jährigen Sohn mitgebracht. Leider habe ich seinen Namen vergessen. Der hätte wahrscheinlich auch in die Schule gehen müssen, war aber mit an Bord.

Begleitmöwe

Nach kurzer Zeit begleitet uns eine Möwe. Sie wird richtig anhänglich, als Shelley anfängt, sie mit Kartoffelchips zu füttern. Möwen fressen wirklich alles.

Edward möchte ausprobieren, wie sich ein Boot unter Segeln fährt. Das ist selbstverständlich kein Problem, nach einem Knopfdruck verstummt der Autopilot.

Edward am Ruder

Fünf Minuten später geht der Autopilot wieder in Betrieb. Zweimal sind wir in eine ungewollte Wende gefahren. Edward muss feststellen, dass sich ein Segelboot anders fährt als ein Auto.

Shelley geht unter Deck, um sich ein Glas Wasser aus dem Hahn zu zapfen. Dann kreischt sie, denn es kommt eine müffelnde, braune Brühe aus dem Hahn. Bäh. Nach nur dreieinhalb Monaten hat sich offenbar ein biologischer Bodensatz im Wassertank gebildet, der nun durch das Segeln durchgeschüttelt worden ist. Lekker.

An dieser Stelle ist alles noch gut. Wenn wir noch ein paar Stunden weiter gesegelt wären, wäre nichts passiert. Gar nichts. Doch die Damen fragen mich, ob es möglich ist, in den Ozean zu springen. Natürlich das möglich. Wir nehmen die Segel runter und klappen die Badeleiter aus. Eine meiner leichtesten Übungen.

Micheline und Edward im Wasser

Shelley und Micheline gehen unter Deck, um sich umzuziehen. Das ist ein Fehler, denn ohne Segel taumelt Sissi in den Wellen in alle Richtungen. Dass Micheline kreidebleich geworden wäre, ist eine Falschbehauptung. Die nackte Wahrheit ist jedoch, dass sie beide mit dem Gesichtsausdruck “mir ist ganz furchtbar elend” wieder an Deck kommen.

Micheline und Edward

Trotzdem macht das Baden Spaß. Da Sissi durch den Wind immer noch mit 1,5 kn Geschwindigkeit vorangetrieben wird, müssen alle richtig schwimmen. Allerdings habe ich eine lange Leine ins Wasser gelassen, damit sie sich festhalten und ausruhen können. Bei 300 Metern Wassertiefe steht es sich nicht so gut.

Badespaß

Während die Männer noch im Wasser toben, haben sich die Damen eine neue Beschäftigung gesucht. Sie posieren abwechselnd und gemeinsam für ihre WhatsApp und Instagram Profile. Natürlich wollen sie ihren Freunden und Bekannten die Nase lang machen.

Ebony and ivory.

Wir segeln weiter, es macht jedoch keine Freude mehr. Wir brauchen beide Eimer, im Cockpit wird synchrongekotzt. Schade, aber es geht nicht anders. Wir kehren um und fahren wieder in den Hafen. Der Hafenmeister hilft mit seinem Schlauchboot beim Ankern und das Abenteuer ist vorbei.

Vielleicht machen wir das wieder, dann werden wir aber auf den Badestopp verzichten.

Backpulver in der Großpackung

Am folgenden Tag gehe ich erst einmal in den Marina-Shop für Seglerbedarf und frage nach Reinigungsmittel für den Trinkwassertank. Ich bin sogar so blöd, dass ich mich von Charly zu einem anderen Geschäft fahren lasse, weil es hier in der Marina das gewünschte Produkt nicht zu kaufen gibt. Der nächste Ladenbesitzer fragt mich, warum ich denn kein Backpulver benutze. Ich klatsche mir mit der flachen Hand gegen die Stirn – natürlich!

Während wir gesegelt sind, sind sogar ein paar neue Boote in den Hafen gekommen. Nun habe ich neue, total nette Nachbarn am Steg.

Sissi ist nicht mehr alleine

Zuletzt komme ich gestern noch zufällig an der 5-Uhr-Bar vorbei, das Backpulver arbeitet gerade in meinem Wassertank. Die neuen Nachbarn stehen gemeinsam mit Jutta und Charly am Tresen. Fünf Minuten später stehe ich auch daneben, ich bin ebenfalls zu einer Geburtstagsparty eingeladen.

Der Abend wurde schön, mein Trinkwasser schmeckt wieder und sieht super aus. Auch die visuelle Inspektion der Tanks von innen präsentiert mir wieder blitzblanken Edelstahl.

Happy Birthday

Besuch beim Baumarkt

Schon lange habe ich mich auf einen Besuch beim Baumarkt gefreut. In Deutschland wie auf Aruba haben die Baumärkte geöffnet. Vor der Tür sind alle zwei Meter Wartepositionen für die Schlange markiert. Vor mir sind vielleicht 10 Menschen in der Schlange, doch bevor ich mich in das Baumarkt-WLAN eingebucht habe, drückt mir schon ein Mitarbeiter einen frisch desinfizierten Einkaufswagen in die Hand. Die wird praktischerweise gleich mit desinfiziert.

Es gelingt mir, metrische Schrauben zu bekommen. Der Mitarbeiter ist zunächst verwirrt, weil mein M12-Bolzen gar nicht zu seinem zölligen Sortiment passt. Ich erkläre ihm, dass das ein europäischer metrischer Bolzen ist und erwarte eine Absage. Doch ich werde zum nächsten Gang geführt und bekomme alles, was ich brauche.

M12

Das Original ist für einen Inbusschlüssel. Aus Erfahrung weiß ich, dass ich die sechskantigen Bolzen auch benutzen kann, schließlich haben wir bei unserer Windfahne schon genug Bolzen verloren. Wenn wir etwas aufpassen, kommen wir damit sicher bis Europa. Dann dürfen wir etwa alle 1000 Meilen einen Bolzen verlieren.

Bei näherem Nachdenken fällt mir auf, dass ich vielleicht besser die doppelte Anzahl hätte kaufen sollen. Der Baumarkt läuft andererseits nicht weg.

Duschkopf

Um das Duscherlebnis auf Sissi noch besser zu machen, habe ich mir einen neuen Duschkopf geleistet. Hier gab es keine Probleme bei den Maßen, denn Armaturen, Schläuche und Duschköpfe sind bei uns auch zöllig.

Es ist toll. Der neue Duschkopf verbraucht viel weniger Wasser und somit kann ich länger darunter stehen bleiben. Das neue Duscherlebnis ist toll, trotzdem werde ich kein Video davon anfertigen.

Pelikan auf Armlänge

Frisch geduscht lässt mich dieser Pelikan auf Armlänge an sich heran. Ich vermute, dass es an der frischen Dusche liegt. Es liegt sicher nicht daran, dass der Pelikan seit Wochen kaum noch Menschen sieht oder dass ich mich ganz behutsam bewege. Er zwinkert nicht einmal mit den Augen.

Statt dessen kann ich die Kamera ganz nah am ausgestreckten Arm zu seinem Auge bringen. Toll.

Auge in Auge

Abtauchen auf Aruba

In unserem Exil auf Aruba geschieht nicht viel. Die Regierung hat den Einreisestopp bis Ende Mai verlängert. Also wird auch in den nächsten Wochen nicht viel passieren. Und doch ist einiges los. Zum Beispiel heute vor der Sissi. Die Ankerkette hängt schon seit über einem Monat im Hafenbecken. Algen und andere Gewächse nutzen sie und wachsen daran. Ich habe die Befürchtung, dass sich die Kette nicht mehr einholen lässt, wenn sie monatelang zugewachsen ist.

Charly hat noch 80 Liter Luft in seiner Tauchflasche. Zu wenig für einen kompletten Tauchgang, zu viel um die Flasche schon nachfüllen zu lassen. Heute kommt er zu Sissi und bürstet mir die Kette wieder sauber. Er bittet mich um ein paar Fotos von der Aktion. Gerne!

Der erste ungewollte Tauchgang ist beendet

Charly fährt das Dinghi an den Steg. Beim Aussteigen rutscht das Heck des Dinghis vom Steg weg und ein erster ungewollter Tauchgang beginnt. Leider bin ich zu langsam, um auch den Dinghispagat mit der Kamera festzuhalten. Ein Schaden entsteht nicht, Charly wollte sowieso tauchen.

Jetzt ein gewollter Tauchgang mit Ausrüstung

Der zweite Tauchgang findet genau in dem Moment statt, den Charly sich ausgesucht hat. Das Dinghi hat keinerlei Mitspracherechte mehr. Ab jetzt läuft alles nach Plan.

Vielen Dank für die Putzaktion

Nun kann ich noch ein paar Bilder machen, bevor Charly unter Wasser verschwindet. In großen Wolken treiben die Algen herum, wenn er die Kette schrubbt. Das hätte ich nicht selbst machen können, dafür ist das Hafenbecken zu tief.

Charly geht auf Tiefe

Das Unterwasserschiff am Wasserpass entlang zu schrubben ist auch ohne Tauchausrüstung einigermaßen möglich.

Während Charly auf Tiefe geht, fällt mir ein, dass ich noch die Gopro an Bord liegen habe. Die befestige ich an einem Bootshaken und kann ein Video davon drehen, wie Charly langsam schrubbend die Kette entlang getaucht kommt.

Mir gefällt, was Charly hinsichtlich des Ankers zu sagen hat. Gut eingegraben ist er. So soll das sein. Um die Elektrolyte in seinem Körper wieder zu ersetzen, bekommt er ein kaltes isotonisches Gerstengetränk. Schön. Vielen herzlichen Dank!!!

Schlechte Pumpe. Gute Pumpe.

Ein paar Tage gab es hier nichts zu lesen. Das liegt nicht daran, dass das Internet hier klemmen würde, sondern daran, dass einfach nichts passiert. Ich möchte nicht dauernd melancholische Beiträge über das Leben in Oranjestad verfassen, sondern reduziere einfach die Zahl der Blogposts. Manchmal passiert ja doch was. Bei 31.5°C und 85% Luftfeuchtigkeit hält Aruba eine Art Winterschlaf.

Bei diesen Temperaturen freue ich mich immer auf die tägliche Dusche. Bis vor ein paar Tagen konnten wir noch die Personaldusche des Hotels benutzen. Jetzt ist diese auch geschlossen und wir duschen auf unseren Booten. Die Dusche auf Sissi ist wenigstens sauber, das war im Hotel nicht so. Dafür ist das Wasser im Hotel immer durch den Abfluss abgelaufen. Auf Sissi landet es in der Bilge, am tiefsten Punkt des Schiffs.

Wir pumpen es immer mit einer rustikalen Handpumpe aus. Ein paarmal den Pumpenhebel bewegen und die Pumpe saugt wieder Luft an. Die elektrische Bilgepumpe benutzen wir nicht, sie hat einen Kurzschluss.

Gummi

Gestern pumpte ich mal wieder das Duschwasser aus der Bilge und wurde dabei nass gespritzt. Das geht gar nicht. Die dicke Gummimembran der Pumpe ist undicht. Das ist eine Katastrophe. Für diesen Gummi haben wir kein Ersatzteil an Bord. Das brauche ich nicht einmal suchen, das weiß ich. Ich zerlegte die Pumpe, um den Schaden begutachten zu können.

Loch

Bei näherem Hinsehen finde ich überall leicht beschädigte Stellen. An einer Stelle ist ein großes Loch zu sehen. Da spritzt das Wasser beim Pumpen mit ordentlichem Druck heraus.

Da stehe ich mit einer Bilge voller Duschwasser und zwei kaputten Bilgepumpen. Die Gummimembran kann ich nicht reparieren. Also zerlege ich die Innenverkleidung von Sissi und suche den Kurzschluss in der Zuleitung zur elektrischen Bilgepumpe. Ich habe einen Verdacht, der sich letztendlich erhärtet. Es ist gut, wenn man sich an den eigenen Pfusch erinnern kann, den man vor knapp drei Jahren verbockt hat. Bisher hatte ich die Arbeit immer gescheut.

Schalter für die elektrische Bilgepumpe

Mit Hilfe der nun funktionsfähigen elektrischen Bilgepumpe wird das Duschwasser in die karibische See befördert. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das auf “Auto” stehenlassen soll. Wenn die Pumpe anspringt, gibt es gleichzeitig einen lauten Alarm. Das könnte auch mitten in der Nacht passieren.

Jens hat nun die Aufgabe, ein Ersatzteil zu organisieren. Zumindest gibt es den Hersteller noch.

Hochseilakrobatik im Hafen

Heute hatten wir das Vergnügen, einer seltenen Abwechslung zusehen zu können. Charly wollte seine WLAN-Antenne wieder in die Mastspitze bringen, wo sie hingehört. Deswegen wurde zunächst die Mastleiter installiert. Wir haben es beim Morgenkaffee bemerkt und dachten zunächst, die Show sei schon vorbei. Nach dem Kaffee spaziere ich rüber zu Chapo und sehe, wie Charly sich gerade an den Aufstieg macht. Ute und Jutta sichern unten am Mast. Im Hafen passiert im Augenblick nicht viel, deswegen schaut auch der Nachbar vom Motorboot interessiert zu.

Charly steigt auf.

Charly ist gebürtiger Bayer und die Bayern haben hohe Berge, sind das Klettern und das Arbeiten in einer Seilschaft gewöhnt. Das merkt man sofort. Bayern kennen auch keine Höhenangst. Ich gehe nicht auf den Mast, dafür habe ich Jens. Der klettert in Kletterhallen und ist damit fast so qualifiziert wie ein Bayer.

Mit ruhiger, entspannter und klarer Stimme gibt Charly eindeutige Anweisungen an das Sicherungsteam, während er beim Aufstieg die letzten Handgriffe zur Montage der Mastleiter durchführt. In regelmäßigem Abstand werden Haltegurte um den Mast gelegt, damit die Leiter nicht wegrutschen kann.

Haltegurte

Jutta und Ute führen die Anweisungen von oben zügig aber ohne Hast durch. Die Kommunikation im Team ist eingespielt. Charly kommt schnell bis an die Mastspitze und bringt die WLAN-Antenne innerhalb weniger Minuten an ihren Platz. Dabei arbeitet er sorgfältig, denn ein erneuter Aufstieg in der Hitze wäre anstrengend. Der Zeitpunkt an und für sich ist perfekt gewählt, denn den ganzen Vormittag schon ist es bewölkt, die Sonne brät nicht so wie sonst.

Am Gipfelkreuz. Die Sehnsucht eines jeden Bergsteigers.

Nach wenigen Minuten ist die Montage erledigt. Während ich mich noch mit Jutta unterhalte und wir über die Vorzüge der neuen Mastleiter sprechen, gibt Charly schon von oben die freundliche Anweisung, ihn langsam wieder abzuseilen. So schnell hätte ich die Antenne nicht auf dem Cockpitdach montieren können, geschweige denn in so großer Höhe. Chapeau.

Eine Kleinigkeit vergessen.

Nach dem Rückweg zur Sissi fällt mir bei der Sichtung der Fotos auf, dass wirklich alles gut gelaufen ist. Charly geht rauf, Charly geht runter, die Antenne sitzt an ihrem Platz und abeitet. Nur die Mastleiter kann nicht mehr herunter genommen werden. Trotz aller Sorgfalt und Umsicht ist der oberste Haltegurt am Mast geblieben.

Das freut mich sehr, ich habe die Gelegenheit noch einer zweiten Hochseilshow beiwohnen zu können. Charly möchte nicht den ganzen Kletterspaß für sich alleine haben. Deswegen darf Jutta auch einmal nach oben und Charly sichert gemeinsam mit Ute.

Charly und Ute sichern

Es dauert nur ein paar Minuten, dann erreicht Jutta die Mastspitze. Sie entfernt den letzten Haltegurt, anschließend geht es wieder abwärts.

Es ist schön, wenn nicht immer nur der Alltag stattfindet.

Jutta auf dem Weg nach oben.

Dem kleinen, grünen Iguana ist das alles gleich. Er schaut mich auf meinem zweiten Weg zurück zu Sissi mit seinen Reptilienaugen an und bettelt um ein Foto. Die Sonne hat sich wieder einmal gegen die Wolken durchgesetzt.

Grüner Iguana

Die Bilge

Vorgestern haben wir Sissi seeklar gemacht. Vorgestern habe ich die Marinarechnung bezahlt. Vorgestern haben wir die Sonnenschutzplane verpackt und beim Zoll ausklariert. Wir haben Martinique offiziell verlassen.

Kurz vor der Abfahrt habe ich noch die Bilge kontrolliert. Dort waren ca. 25 Liter Wasser drin, die da nicht hinein gehören. Wer nicht weiß, das die Bilge ist, kann das bei Wikipedia nachlesen. Wir wollten nach Kuba fahren. Wir wollten aber nicht nach Kuba fahren mit einem Schiff, in dem sich ungeklärt Wasser sammelt.

Das Wochenende haben wir damit verbracht, die Stelle zu suchen, an der das Boot undicht ist. Es gibt viele Löcher im Schiff, durch die theoretisch und auch praktisch Wasser eindringen kann. Diese Borddurchbrüche für etwa das Motorkühlwasser, das Echolot, den Abfluss der Spüle oder der Toilette mussten alle untersucht werden. Dort kommt kein Wasser rein.

Das ganze Wochenende war die Bilge dann aber trocken. Es dringt also kein Wasser von unten ein. Dann hätte der Pegel steigen müssen.

Es hat das ganze Wochenende nicht geregnet. Wir haben Sissi mit dem Wasserschlauch total abgespritzt in der Hoffnung, dass wir irgendwo eindringendes Wasser finden können. Fehlanzeige. Hier dringt kein Wasser ein.

Heute habe ich ausklariert, die Marinarechnung bezahlt und wir haben Sissi seeklar gemacht. Wir fahren heute, auch wenn wir die Ursache für das Wasser in der Bilge noch nicht gefunden haben. Heute hat es wieder geregnet. Heute war wieder Wasser in der Bilge. Wir finden aber nirgendwo eine Spur, wie es dorthin gelangt ist. Ein großes Rätsel. Wir beobachten das.

Leider reicht der Wind nun nicht mehr für einen direkten Schlag nach Kuba. Also haben wir uns ein interessantes Ausweichziel ausgesucht. Wir werden vier bis fünf Tage unterwegs sein. Und vielleicht finden wir unterwegs die Ursache für das Wasser in der Bilge.

Opfer

Seit einigen Tagen liegen wir bequem in der Rodney Bay Marina. Das tut echt gut, wir haben Zugang zu Landduschen, Supermärkten und der Bushaltestelle. Nachher werden wir mit einem Mietauto die Insel erkunden. So weit, so gut.

Leider trifft die alte Langfahrer-Regel wieder zu. “Das Boot an den schönsten Plätzen der Welt reparieren.” Ein Taucher hat das Schiff von unten geputzt, solche Dienstleistungen sind hier echt bezahlbar. Obwohl… aber sie sind bequem.

Man sollte sich nur vorher mit dem Dienstleister über die Währung einig werden. Dollar sind nicht gleich Dollar. Ich bin der Meinung, der Preis wäre in XCD (Ostkaribischen Dollar) genannt worden, der Taucher will aber USD (US Dollar) haben. Die USD haben aber den dreifachen Wert… Wir sind uns dann noch einmal einig geworden.

Als der Taucher wieder an die Oberfläche kommt und zu mir sagt, dass die Opferanode getauscht werden muss, kann ich das erst einmal gar nicht glauben. Möchte mich der Kerl etwa bescheißen? Will er sich einen weiteren Auftrag an Land ziehen?

Opferanode am Propeller

Ich drücke ihm die GoPro in die Hand und lasse ihn ein Foto machen. Das will ich mir selbst ansehen. Immerhin ist die Anode kein Jahr alt und erst im letzten Winterlager getauscht worden. Das Bild sagt jedoch, dass die Anode definitiv fällig ist.

In der örtlichen Chandlery gibt es alles. Die ist gut sortiert und hat ein großes Sortiment. Die Preise sehen gut aus, bis ich an der Kasse erfahre, dass alles in USD ausgezeichnet ist. Pffft. 25€ für eine Opferanode. Ich kaufe vier. Immerhin gibt es die hier und unser Verschleiß ist hoch. Und das alles ist duty free, wenn ich das Schiff dort registriere. Ich registriere. Und kaufe. Die Kreditkarte opfert sich an der Kasse.

Sie hat sich geopfert für unseren Propeller

Die Wäsche kommt in die Wäscherei. Die leere Gasflasche auch. Dort wird sie allerdings gefüllt und nicht gewaschen. Der Watermaker bekommt eine Wartung. Unser Parasailor ist beim Segelmacher. Das Boot wird gereinigt. Alles wird entsalzen, wir haben einen Wasserschlauch. Schrauben werden nachgezogen. Irgendwann wird die Hitze zu groß. Wir haben genug Opfer gebracht und verholen unsere glühenden Körper in den Schatten. Morgen ist auch noch ein Tag.

Hinweis: Wenn du mit deinem Boot mal in der Rodney Bay Marina bist und einen Taucher brauchst bzw. haben willst, schaue nach den freiberuflichen Tauchern. Die kommen hier quasi als registrierte Tagelöhner in die Marina. Es gibt auch bei den Vercharterern fest angestellte Taucher, die Aufträge von Privatleuten nebenher übernehmen. Das wiederum kostet den Freiberuflern Einnahmen und wird als unfreundlich empfunden. Ich habe diesen Fehler leider gemacht. Und bei den Preisverhandlungen musst du unbedingt wissen, in welcher Währung man spricht.

Gold, Platin und viel Arbeit

Auf dem Weg nach Mindelo ist uns das Spifall gebrochen. Mitten in der Nacht. Wir haben uns dann eineinhalb Stunden damit beschäftigt, den Parasailor wieder aus dem Wasser zu bekommen.

Am nächsten Morgen sah ich eine weitere Bescherung, die uns diese Aktion eingebracht hat:

Unterwant, Steuerbord achtern. Leicht defekt.

Auf der Steuerbordseite an der achteren Unterwant waren zwei Drähte gebrochen. Das war nicht gut, gar nicht gut. Damit kann man nicht weiterfahren, jedenfalls nicht mit gutem Gewissen. Ich habe weder Jens noch Jakob etwas davon erzählt, es reicht, wenn ich nicht gut schlafen kann. Komischerweise ist es keinem der beiden aufgefallen. Das hat in der Nacht wirklich einen großen Knall gegeben.

Für mich war in der Situation klar, dass wir auf die Kapverden müssen. In Mindelo gibt es die einzige Firma im Umkreis von 800 Meilen, die neue Wanten herstellen kann. Sie heißt boatCV und hat ihren Sitz praktischerweise direkt in der Marina.

Ein neues Spifall war schnell gekauft. Sie hatten das entsprechende Seil zunächst nicht in der richtigen Länge vorrätig. Da klingelten bei mir innerlich schon die Alarmglocken, aber die Dame am Tresen meinte, dass in einer Stunde eine neue Rolle Seil da wäre. So war es dann auch. Das neue Spifall wurde abgemessen und abgerechnet. Wir haben es mit Hilfe einer Angelschnur problemlos in den Mast einziehen können.

Spifall mit Goldfäden

Aufgrund der verbesserten Haltbarkeit und Reißfestigkeit werden auf den Kapverden in die Fallen dicke Goldfäden eingewoben. Aus 24-karätigem Gold. Das muss man dann als Segler mitbezahlen. Wenn man die vergoldeten Seile nicht möchte, kann man es ja 2000 Meilen weiter in der Karibik noch einmal probieren.

Die Unterwanten bestehen zu 25% aus reinem Platin. Auch das dient der Verbesserung der Stabilität. Der Mann im Bootsladen wollte mir zuerst erklären, dass er vor dem 15. Januar keine Zeit für uns und die Unterwanten hat. Als ich ihm jedoch sagte, dass wir die alten Wanten selbst abmachen und die neuen auch selbst montieren, war er auf eine Stunde herunter zu handeln. Er kam dann am Morgen vorbei, holte die kaputte Want ab und brachte zwei Stunden später schon die beiden neuen. Man muss ja immer beide Seiten tauschen, auch wenn nur eine Seite kaputt ist.

Hoffentlich kommen jetzt keine Piraten, die das Edelmetall von Sissi wieder herunterrupfen wollen. Der ganze Spaß hat zusammen 100.000$ gekostet.

Blick von oben auf Sissi. Man sieht auf dem Steg eine Unterwant liegen.

Als die Mastleiter hochgezogen war, ist Jakob ganz nach oben geklettert und hat ein paar Bilder gemacht. So sieht Sissi von oben aus.

Feierabend mit der Trennscheibe

Wir haben die Trennscheiben für die Akkuflex wieder gefunden. Nein, das ist falsch formuliert. Wir haben Trennscheiben für die Akkuflex gefunden. Nachdem wir Sissi noch einmal auf links gedreht haben und überall die blöden Trennscheiben gesucht haben, bin ich in die nächste Ferreteiria gegangen und habe neue Scheiben gekauft. Jetzt wird es nicht mehr lange dauern, bis wir die anderen Trennscheiben wieder finden.

Mit dem richtigen Werkzeug war es dann ganz einfach, die letzte Bautätigkeit an Bord abzuschließen, nämlich den Bau einer Hochsee-Kaffeekannenhalterung. Die Zutaten hatten wir schon seit unserem Baumarkt-Hack in Arrecife an Bord, jetzt können wir bei mehreren Metern Wellenhöhe ganz entspannt im Cockpit Kaffee trinken, ohne dass uns die Kanne durch die Gegend fliegt. Für den Ausschnitt beim Griff brauchten wir die Scheiben.

Hochsee-Kaffeekannenhalterung

Anschließend musste nur noch die neue Genua hochgezogen werden. Sie sieht gut aus, fühlt sich prima an und sitzt perfekt. Erledigt. Außerdem haben wir noch alle Schrauben kontrolliert und teilweise nachgezogen. Check. Die Blöcke für die Windfahne sind noch einmal neu justiert und frisch geschmiert. Done. Die Relingdrähte wurden ein wenig nachgespannt. Punkt. Ein Schluck Kühlwasser für den Motor, der Ölstand ist perfekt, die Keilriemenspannung auch. Sissi ist topfit!

Die Arbeiten sind getan, unsere To-Do-Liste ist leer. Vorerst jedenfalls. Wir haben Feierabend. Ein gutes Gefühl.

Was bleibt noch zu tun? Warten auf den richtigen Wind, der am Sonntagnachmittag oder am Montag kommen wird. Noch etwas Sightseeing auf Teneriffa. Einkaufen frischer Vorräte für die Überfahrt. Ausklarieren von Schiff und Crew. Und dann natürlich noch die Abfahrt.

Mit dem Sightseeing haben wir heute angefangen. Wir waren in Vilaflor, einem Ort ca. 20 km vom höchsten Berg Teneriffas, dem Teide, entfernt. Leider gibt es nur zwei Busse, die direkt zum Teide fahren, und die fahren beide sehr früh am Morgen. Von dort aus kann man den Teide leider nicht sehen. Dennoch war es ein schöner Ausflug, ich werde vor unserer Abfahrt noch darüber schreiben. Während unseres Ausflugs kam dann noch eine Mail aus der Marina Rubicon – DHL hat es tatsächlich geschafft, nach nur 16 Tagen unser fehlendes Paket aus Deutschland zuzustellen. Zum Glück haben wir die Chapos, die uns das Paket in die Karibik bringen werden.

Prost in Vilaflor – auf den Abschluss der Arbeiten, einen schönen Ausflug und die kommende Überfahrt.

Wir grüßen unsere Familie und Freunde in Deutschland. Genießt das winterliche Schmuddelwetter und ein gutes Bier.

Winschenfett und Trennscheiben

Seit Monaten hat es sich an Bord der Sissi gut versteckt, jetzt ist es endlich wieder aus der Versenkung aufgetaucht. Komischerweise an einem Ort, der sich ziemlich in der Nähe des Platzes befindet, wo das Döschen hingehört. Wir haben es dringend gebraucht. Wir haben unterwegs sogar noch neues Winschenfett gekauft, doch das war in seiner Qualität nicht so gut. Es hat nicht getan, was wir von ihm verlangt haben.

Endlich wieder da – das Winschenfett!

Jetzt ist es nicht so, dass unsere Winschen schlecht geschmiert wären. Die haben vor der Abfahrt in Holland alle ihre Wartung bekommen und laufen ganz leicht. Nicht so leicht lief jedoch der Pumphebel unserer Bordtoilette. Die sollte vor der Atlantiküberquerung noch einmal richtig gut geschmiert werden und ist es jetzt auch. Lange lief die Pumpe nicht mehr so leichtgängig und geschmeidig.

Was das Winschenfett und die Bordtoilette miteinander zu tun haben, kann man auf der Webseite von Sönke Roever nachlesen. Nach dieser Anleitung habe ich das schon mehrmals gemacht und hatte immer für mehrere Monate meine Ruhe.

Wie ich auf unserer Weltreise lernen musste, geht nicht jedes Winschenfett. Es muss eine richtig fettige, dicke Schmatze sein. So dünnflüssiges Zeug, was sie einem für die Anderson-Winschen verkaufen, ist vollkommen ungeeignet und nach ein paar Tagen wieder von der Pumpe abgewaschen.

Außerdem haben wir noch eine Dose Vaseline besorgt. Wir werden die Vaseline bei der nächsten WC-Wartung einsetzen und testen, ob sie genauso gut ist. Für den Atlantik setzten wir stattdessen auf Bewährtes.

Leider sind wir jetzt auf der Suche nach den Trennscheiben für unsere Akkuflex. In den letzten Monaten verwendeten wir als geflügeltes Wort “beim Winschenfett” für alle Dinge, die wir gesucht haben. Die Trennscheiben liegen nicht beim Winschenfett. Wir werden jetzt umstellen. Ab sofort suchen wir die verlorenen Gegenstände bei den Trennscheiben.