Busfahren auf Aruba – wir fahren nach Lourdes

Auf Aruba gibt es einen gut ausgebauten ÖPNV. Von Oranjestad aus kann man mit dem Bus über die ganze Insel reisen. Eine Einzelfahrt kostet unabhängig von der Entfernung 2,60 US$. Für das Geld bekommt man eine ganze Menge Busfahren, der Preis ist vollkommen in Ordnung.

So spazieren wir zum zentralen Busbahnhof und nehmen die Linie nach San Nicolas, ganz im Süden der Insel. Die Busse sind recht neu, haben eine brutal gute Klimaanlage und im Inneren läuft, wie überall in der Karibik, natürlich Reggaemusik.

Wir steigen aus und sehen auf der Straße ein Hinweisschild zur Grotte von Lourdes. Das klingt interessant, schon weil das Schild in Richtung des Naturparks zeigt, den wir besuchen wollen. Leider gibt es keine Buslinien zum Naturpark, also gehen wir in der knallenden Sonne zu Fuß.

Straße in San Nicolas

Außer uns blöden Touristen ist kaum ein Mensch auf der Straße zu sehen. Alle verbringen die heißesten Stunden des Tages irgendwo im Schatten.

Auch wir suchen uns ein schattiges Plätzchen und stärken uns mit selbst gebackenem Brot, auf dem der in Bonaire gekaufte, im Kühlschrank von Sissi gründlich nachgereifte französische Rohmilchcamembert schon beinahe ein Eigenleben entwickelt. Den riecht man wahrscheinlich quer über die ganze Insel, er ist aber super lecker.

Lustig. Jens kaut ein Brot. Das ist immer für einen feinen Gesichtsausdruck gut.

Immer weiter laufen wir aus dem Ort in Richtung Naturpark. Die Landschaft unterscheidet sich kaum von der Landschaft auf Bonaire, nur gibt es hier weniger Vögel zu sehen – warum auch immer. Dann erreichen wir endlich die Grotte.

Schild am Eingang

Vor der Grotte, die immerhin sogar auf dem großen Wegweiser an der Hauptstraße aufgeführt ist, steht nicht ein Auto. Auch kein Reisebus. Niemand. Nur die Sonne brennt. Es gibt keinen Ticketschalter und es kostet auch keinen Eintritt. Wir erklimmen die Stufen.

Lourdesgrotte

Nun wissen wir Bescheid. Die Lourdesgrotte ist relativ klein und gut eingezäunt. Blumen und Kerzen zeigen, dass sie regelmäßig benutzt wird.

Lourdes

Nach ein paar Minuten haben wir genug gesehen. Es ist eine Mischung aus Religion und Tristesse. Wir fotografieren noch ein wenig, dann machen wir uns auf den Weg und gehen in der Hitze wieder zurück zur Bushaltestelle.

Dort steht glücklicherweise ein Baum, unter dem wir im Schatten auf unseren klimatisierten Transport nach Oranjestad warten können. Auch auf Aruba regnet es selten.

Kakteen bei der Grotte

Straßenbahn fahren auf Aruba

Darauf habe ich mich sehr gefreut. Wir sind auf Aruba und dort gibt es eine Straßenbahn. Ich hatte schon lange keine Schienen mehr unter dem Arsch, das letzte Mal war das auf Teneriffa, auf der anderen Seite des Atlantik und im vergangenen Jahr. Das bringt mir durchaus Entzugserscheinungen. Deswegen bin ich froh, dass wir bei der karibischsten aller Straßenbahnen angekommen sind.

Ein paar technische Daten zur Straßenbahn gibt es auf Wikipedia. Die schreibe ich jetzt nicht ab, bei Interesse klickst Du einfach auf den Link.

Blaue Straßenbahn kommt vom Kreuzfahrerterminal

Wir haben tatsächlich das Glück, an einem Tag drei verschiedene Fahrzeuge zu sehen. Das ist ein ganz guter Wert, denn es gibt insgesamt nur vier Wagen, die die knapp zwei Kilometer lange Strecke befahren.

Rote Bahn an einer der vielen Einkaufsmalls

Eigentlich ist die Bahn in Oranjestad keine Straßenbahn, sondern mehr ein Karussell. Sie hat keinerlei Bedeutung für den ÖPNV, sondern dient nur dazu, die Kreuzfahrttouristen vom Kreuzfahrerterminal in die Einkaufsstraße zu bringen und vice versa.

Orange Tram auf Personalfahrt

Die Fahrt im Karussell kostet nichts. Man kann einfach einsteigen und mitfahren. Das finde ich klasse. Der Spaß wird vermutlich von den Geschäftsleuten in der Innenstadt finanziert, denen die Kreuzfahrer vor die Tür gefahren werden.

Jens fotografiert die blaue Tram

Die schöne Form der Fahrzeuge hat sogar Jens motiviert, mal wieder sein Kameraobjektiv auf ein Schienenfahrzeug zu halten. Ich quäle ihn jeden Abend mit einer Folge Eisenbahnromantik aus der ARD Mediathek. So langsam zeigt das Früchte.

Rote Tram unter Palmen

Das rote Fahrzeug ist jedenfalls viel schöner anzusehen als das blaue. So wie fast immer. Die leuchtenden Farben gehen auch, wenn die Sonne sich hinter Wolken versteckt. Schade, dass der orange Wagen nicht regelmäßig fährt.

“Notfoto” des orangen Wagens. Er kam viel schneller zurück, als ich es erwartet habe.

An der Ausweiche haben wir uns länger aufgehalten und fotografiert. Es ist nicht nur das Bild von Jens beim Fotografieren entstanden, sondern auch ein Bild des roten Fahrzeugs.

Rote Tram in der Ausweiche

An der Endhaltestelle haben die Züge immer ein paar Minuten Pause. Die Straßenbahnfahrerin ist dort in ein Cafe gegangen. Wie immer muss man dem Personal nachlaufen, dann findet man auch gutes und günstiges Essen. Wir konnten leckere Schinken-Käse-Sandwiches jagen, die einem nicht alle Dollars aus dem Portemonnaie gezogen haben.

Endstation

Nach diesem Foto von der blauen Tram an der Endhaltestelle wolle ich noch ein Bild des roten Zugs machen. Der Fahrer hat mir aber das Handy aus der Hand gerissen, Jens und mich an seinen Arbeitsplatz geschickt und uns erst einmal fotografiert.

Das sind wir.

Anschließend hat er sich zu seiner wohlverdienten Pause in den Schatten begeben. Das wäre ein Job nach meinem Geschmack. Eine Viertelstunde arbeiten, dann eine Viertelstunde Pause. Die machen sich nicht kaputt.

Wohlverdiente Pause an der Endhaltestelle

Wenn wir von der Marina zum Kreuzfahrerterminal laufen, können wir die Straßenbahn nehmen und in die Nähe einer Metzgerei fahren. Dann bekommt die Straßenbahn einen verkehrlichen Zweck. Zurück laufen wir dann aber von der Metzgerei in die Marina, weil der Weg kürzer ist und das Fleisch nicht verderben soll.

Wir fahren zum Metzger

Weil es so viel Spaß gemacht hat, haben wir ein kleines Video gedreht und geschnitten. Also ich habe gefilmt und Jens hat es zusammen geschnitten. Das beste war der Fahrer, der erst nicht über das Handy drüberfahren wollte. Da wir noch ein paar Tage in Aruba sind, werden wir noch die eine oder andere Fahrt unternehmen.

Genauer gesagt, ich werde die eine oder andere Fahrt noch mitmachen. Ob Jens dabei ist, weiß ich nicht. Ich muss ihm noch ein paar Folgen Eisenbahnromantik um die Ohren hauen.

Esel

Wir mieten uns Motorroller, denn auf Bonaire gibt es keinen ÖPNV. Ein Auto wollen wir nicht mieten, dazu ist die Insel viel zu klein. Seit dem ersten März gibt es auf Bonaire die Helmpflicht. Wie es der Gesetzgeber hier mit dem Filmen während der Fahrt mit dem Smartphone aussieht, ist mir nicht bekannt. Ich habe hier noch keinen Polizisten gesehen.

Motoselfie

Mit den Motorrollern fahren wir los, erst einmal in den Süden der Insel. Den Norden nehmen wir uns für den folgenden Tag vor. Zuerst fahren wir am Flughafen vorbei und an den Salinen. Anschließend kommen die Pelikane, Flamingos und der Leuchtturm.

An diesem Leuchtturm sind wir auf der Seeseite schon einmal vorbei gefahren

Die Rollervermieterin hat uns erklärt, dass man die Strecke im Süden in etwa einer Stunde fahren kann. Wir haben nach drei Stunden noch nicht einmal die Hälfte und müssen uns deswegen beeilen, weil wir noch zu den Eseln wollen.

Die Esel gehören zur Saline wie die Sklaven auch. Als man die Esel zur Salzproduktion nicht mehr brauchte, hat man sie einfach freigelassen und sie haben sich auf der Insel vermehrt. Seit 1993 gibt es das Donkey Sanctuary. Man hat viele Esel eingesammelt und ihnen auf einer Fläche von ca. sechs Fußballfeldern Größe Raum zum artgerechten Leben gegeben.

Jens im Eselreservat

Der Eintrittspreis ist mit 9$ pro Nase meiner Meinung nach angemessen. Es gibt hier wirklich sehr viele Esel. Ich will noch einen Eimer Karotten für die Fütterung erwerben, doch den verkauft mir die Eselwärterin nicht. Sie meint, dass wir mit den Rollern keine Chance hätten. Wenn die Esel merken würden, dass wir Futter für sie haben, würden sie uns umzingeln und wir kämen nicht mehr weiter. Ist okay, wir müssen sie ja nicht füttern.

Eselprozession zum Mittagessen

Auf einem Aussichtsturm haben wir einen guten Überblick. Es gibt wirklich sehr viele Futterstationen für die Esel und überall sehen wir Esel bei ihrer Mahlzeit. Wenn die jetzt alle auf unsere Karotten stürmen würden – nicht auszudenken.

Futterstationen

Auf unserer Weiterfahrt durch den Eselpark sehen wir plötzlich am Rande des Wegs einen schwarzen Schatten. Schnell halten wir die Roller an und mit den Kameraobjektiven auf das seltene Tier. Wir sehen die erste Katze auf Bonaire. Bisher haben wir noch keine gesehen. Ein paar Hunde, die im Schatten liegen, haben wir schon gesehen, aber im Vergleich zu den anderen karibischen Inseln ist es wenig. Und es werden hier keine Hühner gehalten. Jedenfalls nicht auf der Straße.

Katze unter Eseln

Dann gibt es noch eine Aufzuchtstation für Jungtiere und für Tiere, die etwa im Straßenverkehr verwundet worden sind. Diese werden auf Bonaire im Eselreservat abgeliefert und die Leute versuchen rührig, sie aufzupäppeln. Am Morgen unseres Besuchs ist ein einsames Eselbaby abgegeben worden, das noch nicht einmal einen Tag alt ist. Die freiwilligen Pflegerinnen päppeln es mit der Milchflasche auf.

Eselbaby. Hier hat er eine Überlebenschance

Um das Ganze zu komplettieren oder warum auch immer sind noch ein paar Schildkröten zu sehen.

Eselsschildkröte

Und eine Gruppe von fünf Flamingos wurde auch gespendet. Die Besitzer der Flamingos hatten diese viele Jahre im Garten stehen, dann sind sie zurück nach Holland gegangen und haben die Vögel dem Eselparadies geschenkt.

Eselflamingos

Zuletzt kommt dann noch das Altersheim. Es gibt hier tatsächlich ein Altersheim für Esel. Zuerst habe ich das Schild gelesen und gestaunt: Wenn die Esel älter als 30 Jahre werden, kommen sie hier ins Altersheim und bekommen spezielles, altersgerechtes Futter. Ich wusste gar nicht, dass ein Esel so alt werden kann.

Altersheim

Liebe Leser, jetzt wisst ihr zumindest ein wenig, was Salz, Sklavenhaltung und Esel miteinander zu tun haben.

Bei den ganzen Eseln musste ich auch immer mal wieder an meine ehemaligen Arbeitskollegen denken. Wir Softwareentwickler haben vor knapp 20 Jahren eine interne Software namens ESEL programmiert. Damit wird (wahrscheinlich) heute noch bei der Denic gearbeitet. Ich hoffe, die Software kommt jetzt langsam auch ins Altersheim, auch wenn sie noch nicht 30 Jahre alt geworden ist. Ganz viele liebe Grüße nach Frankfurt am Main!

Vogelviecher

Pinguine

Der Pinguin ist so eine Art Wappentier von Bonaire. Es gibt ihn im Touristen-Geschenkeladen als Stofftier in allen Größen, er steht aber auch auf der Insel eigentlich an jeder Ecke. Pinguine können nicht fliegen. Deswegen stehen sie im Wasser herum und sehen gut aus dabei.

Pinguin auf der Nahrungssuche

Wir haben Glück und können einen Pinguin bei der Nahrungssuche beobachten. Bisher kenne ich sie nur aus dem Frankfurter Zoo, wo sie ihren Platz direkt am Haupteingang haben. Ich muss aber sagen, dass sie hier in ihrer natürlichen Umgebung viel besser anzusehen sind.

Füllervogel bei der Jagd. Leider zu spät auf den Auslöser gedrückt.

Dann können wir noch den Füllervogel beobachten. So einen hatte ich schon in der Grundschule, aber jetzt sehe ich einen in freier Wildbahn bei der Jagd. Leider habe ich hier zu spät auf den Auslöser gedrückt. Die Fontäne nach dem Eintauchen ins Wasser ist ordentlich.

Der Füllervogel startet wieder

Den Start nach dem ersten Tauchgang im “divers paradise” kann ich problemlos fotografieren, dann sehen wir dem Füllervogel zu, wie er an Höhe gewinnt.

Füllervogel gewinnt an Höhe

Höher, höher und noch höher kreist der Vogel. Er sucht von oben im klaren Wasser nach frischem Fisch.

Füllervogel auf Betriebshöhe

Mit dem dicken Hals und auf der Verpackung des Füllfederhalters sieht der Füllervogel nicht besonders elegant aus. Das ändert sich allerdings sofort, wenn er in der Luft seine Kreise zieht. Und dann stürzt er sich in die Fluten…

Füller stürzt in die Fluten

Wir könnten noch Stunden an dieser Stelle stehen, dann kämen wir aber nicht bis zu den Eseln. Über die Esel werde ich noch etwas schreiben, aber dafür ist in diesem Augenblick nicht die Zeit. Wir steigen also auf unsere Motorroller, lassen die Motoren brüllen und jagen in Richtung der Esel. Dabei führt uns der Weg an einer beeindruckenden Brandung vorbei.

Kein Badestrand

Wer es bis jetzt noch nicht gemerkt hat – ich habe keine Ahnung vom Vögeln. Aber elegant sehen sie trotzdem aus. Und mache von ihnen gibt es in tollen Farben. Für diesen Vogel hier habe ich keinen Namen, aber er ist schön gelb.

Gelbes Vögelchen

sed s/Pinguin/Flamingo/g Vogelviecher
sed s/Füllervogel/Pelikan/g Vogelviecher

Salz – noch einmal….

Auf dem Atlantik habe ich mich über das Salz beschwert. Salz auf der Sissi, Salz auf uns und Salz überall um uns herum. Auf Bonaire versuchen sie, dagegen etwas zu tun.

Salz

Im Süden der Insel ist eine große Saline, es gibt einen Salzpier, an dem Schiffe mit Salz beladen werden können. Das Geschäftsmodell ist einfach. Der Atlantik wird in große, flache Seen hineingelassen, dann scheint die Sonne und das Wasser verdunstet. Übrig bleibt Salz.

Saline mit Salzbergen

So sehr sie sich auf Bonaire auch anstrengen, sie haben es noch nicht geschafft, den Atlantik irgendwie ansatzweise auch nur ein wenig zu entsalzen. Da sind wir mit unserem Watermaker weiter, aber wir wollen ja auch nicht das Salz, sondern das Wasser.

Ich finde, die Berge aus Salz sehen irgendwie so aus, als wären sie der Toblerone-Werbung entsprungen. Nur ohne Alpen.

Salzberge. Versandfertig.

Alle diese Berge werden früher oder später auf einem Schiff landen und dann in den Supermärkten dieser Erde als Meersalz verkauft werden. So ist das.

Jens und ich haben uns Motorroller gemietet, um die Insel zu erkunden. Die Saline war nur das erste von vielen Zielen, die wir angesteuert haben. Salzgewinnung gibt es auf Bonaire schon ziemlich lange, in früheren Zeiten wurden Sklaven eingesetzt, um die schweren Arbeiten zu verrichten. Außerdem hat man Esel benutzt, aber zu den Eseln werde ich noch einen weiteren Blog schreiben. Kommen wir also zu den Sklaven.

Sklavenhütten – der Erklärungstext

Noch um 1850 gab es hier also die Sklaverei. Man hat den Sklaven Hütten gebaut, in denen sie übernachten konnten. Die sind ca. 1,50 Meter hoch, darin können allenfalls kleine Kinder stehen.

Sklavenhütten

Mehr als Schlafen war in den Hütten sicher nicht möglich, aber wohl auch nicht gewollt. Der Hund bekommt ja auch eine Hundehütte, damit er etwas Wetterschutz hat. Oder der Esel bekommt ein Dach, das ihm Schatten gibt. Aber zu den Eseln komme ich später.

Auch in gefälligem Gelb – die Sklavenhütten

Die Arbeit in der Saline war jedenfalls kein Zuckerschlecken. Ich möchte an dieser Stelle mit dem Salz schließen, wir haben heute so viel auf der Insel gesehen, dass ich wohl mehrere Tage brauchen werde, um es für das Blog aufzubereiten.

Caribbean Netherlands

Mir gefallen die Autokennzeichen. “Divers Paradise”. Auch dazu muss ich wohl ncoh etwas schreiben, denn wir sind an einem der besten Schnorchel- und Tauchplätze, die es in der Karibik geben soll.

Alleine

Wir sind seit dem 15. Dezember letzten Jahres zum ersten Mal wieder alleine an Bord. Jörg hat sich gestern in den Flieger gesetzt und ist heute gut in Frankfurt angekommen. Wir hatten eine schöne Zeit zusammen, haben drei Länder bereist, sind gemeinsam vom Regen durchnässt und von der Sonne gebraten worden. Hoffentlich muss er in Deutschland nicht allzu sehr frieren.

Er ist jedenfalls mitten in der Faschingszeit in Frankfurt gelandet. Faschingszeit. Das kommt mir hier so unwirklich vor.

Jörg steigt in den Bus

Jens und ich sind nun wieder alleine an Bord. Am gestrigen Tag haben wir das genutzt und fast gar nichts gemacht. Wir haben die Zeit verrinnen lassen, uns kaum unterhalten und den Moment genossen. Seit Teneriffa haben wir viele tausend Meilen zurückgelegt, dabei war immer die Bugkabine belegt. Jetzt ist sie leer.

Laute Musik von der Uferstraße her macht mich auf einen Karnevalsumzug aufmerksam. Ich schnappe mir eine Kamera und gehe nachschauen.

Karnevalsumzug – äh – Kinderfasching

Aus verschiedenen Schulklassen kommen alle Teilnehmer des Umzugs. Jede Schule bzw. jede Klasse hat sich ein Motto gewählt. Gerührt war ich von jenen, die sich mit Flaggen aller Herren Länder geschmückt haben, auch wenn ich keine deutsche Flagge gesehen habe. Dafür ist Großbritannien noch dabei.

Die Gruppe wartet auf ihren Musikwagen

Vor jeder Gruppe fährt ein Musikwagen her. Die Zahl der Lautsprecherboxen ist jeweils beeindruckend, aber das sorgt für einen ausgewogenen Sound im ganzen Ort. Ich rufe Jens, der sich hinter Heavy-Metal verschanzt hat und den Staubsauger ausführt. Der Staubsauger kann in diesem Fall warten. Wir gehen in den Ort und suchen den Umzug.

Das Wort “Lautsprecherwagen” wird neu definiert

Wenn es nicht mehr weiter geht und sich der Umzug staut, wird einfach vor Ort getanzt. Auf dem Lautsprecherwagen ist der DJ, der für die musikalische Untermalung sorgt.

DJ Pult

Selbstverständlich habe ich ein kleines Video gemacht, damit ihr zu Hause auch die tolle Karnevalsmusik hören könnt. Hier geht es für eine Gruppe weiter, die gerade pausieren musste.

Und dann ist da noch die ganze Meute, die an der Uferstraße tanzt, weil es mit dem Umzug einfach nicht vorwärts geht. Stau ist im Karneval üblich, in der Wartezeit wird zur Musik gehüpft.

Als der letzte Wagen an uns vorbei gefahren ist und wir wieder herunter in die Marina laufen, sind wir uns ohne Worte einig, dass es mit der Arbeit für diesen Tag gelaufen ist. Wir gehen noch einen Döner essen und machen uns am Abend die Reste von der Lasagne warm.

Blick von oben auf die Marina

Heute haben wir geputzt, den Kühlschrank abgetaut (ja, wir haben eine ungewollte Eiswürfelmaschine!!!), die Wanten nachgespannt, lose Schrauben festgedreht, die Segellast aufgeräumt, die Bugkoje wieder auf Zweipersonenbetrieb umgeräumt, das Ersatzteil an die Windfahnensteuerung montiert und uns anschließend wieder ausgeruht. Morgen machen wir mit den Arbeiten weiter.

Schmusekater

Auf einem Ausflug mit dem Mietwagen halten wir an einem Aussichtspunkt. Wir wollen uns ein wenig die Beine vertreten und die schöne Aussicht fotografieren. Nach wenigen Augenblicken entdeckt Jens, dass der Aussichtspunkt nicht unbewohnt ist. Ein kleines Katerchen mit Halsband schaut neugierig.

Jens streichelt den Kater

Der kleine Kerl lässt sich problemlos auf den Arm nehmen. Er wirft seinen Motor an und brummt ungeniert. Dabei genießt er die Finger, die seine Ohren durchkraulen.

Jörg streichelt den Kater

Uns werden langsam die Finger lahm. Und von der schönen Landschaft haben wir auch noch keine Fotos geschossen. Dafür will der Kater wieder und wieder seine Aufmerksamkeit. Er brummt aber auch so lieblich.

Jörg streichelt den Kater

Wahrscheinlich wohnt der kleine Kerl in der Nähe und kommt immer an den Aussichtspunkt, wenn er Streicheleinheiten haben möchte. Seine Dosenöffner streicheln ihn wohl nie. Er muss Dosenöffner haben, denn er trägt ein Halsband und ist nicht halb verhungert.

Und dann gelingt es mir noch, mich für ein paar Hundertstelsekunden von dem Katerchen loszumachen und ein Foto von der Aussicht zu schießen.

Aussicht auf das Meer

Auch die Palmen sind ein Foto wert. Wir haben zwar nicht wegen des Katers angehalten, aber der kleine Kater hat der schöne Aussicht definitiv die Schau gestohlen. Ein schöner Stopp, ich hätte noch zwei Stunden bleiben können. Nein, wir haben das Schmuseviech nicht aus Versehen eingepackt.

Meerblick mit Palmen

St. Anne

Vor der Marina in Le Marin vorgelagert ist ein beliebter Strand, an dem auch gerne geankert wird. Um dort hinzukommen, muss niemand vor St. Anne ankern, es geht auch mit der Buslinie A von Le Marin aus, die Haltestelle ist gleich am Hinterausgang der Marina. Ich empfehle die Nutzung des Linienbusses, denn der Ankerplatz ist mir – mmmh – ein ganz klein wenig zu belebt.

Ankern vor St. Anne

Ich möchte hier meinen Anker nicht in den Sand graben. Das ist mir zu kuschelig. Die Buslinie A lässt uns am Busbahnhof raus, dort steigen wir in einen Kleinbus, der uns zum beliebten Strand “Les Salines” bringt.

Ein kurzer Gedanke an den Besuch einer Strandbar verflüchtigt sich, wir spazieren einen schattigen Weg entlang, an dem wie in Südfrankreich links und rechts die Autos geparkt sind. Der Franzose an und für sich geht gerne an den Strand, der Weg zum Auto darf nur nicht die 100 Meter übersteigen, nach denen die Wegstrecke unzumutbar lang wäre. Immerhin hat fast jeder eine schwere Kühltasche zu schleppen.

Strand in Les Salines

Irgendwann kommen wir an eine Absperrung, die den Autofahrern die Durchfahrt verbietet. Wir spazieren weiter, der Strand wird sofort merklich leerer.

Strand jenseits der Parkplätze

Zwischen den beiden obigen Bildern liegen etwa 500 Meter Wegstrecke. Man muss das nicht glauben, aber es ist so. Die Franzosen sind richtig fußkrank. Wir sind es nicht, spazieren den Küstenpfad weiter. Aus dem breiten, mit Fahrzeugen befahrbaren Weg wird ein richtiger Pfad. Wir begegnen immer weniger Menschen.

Wanderweg

Einerseits ist es ziemlich unmöglich, sich zu verlaufen. Auf der linken Seite haben wir immer das Meer, auf der rechten Seite Gestrüpp. Dennoch ist der Weg gut beschildert, auch Entfernungsangaben und Hinweise zu Sehenswürdigkeiten fehlen nicht. So etwa erwarten wir an einer Landspitze, eine Kapelle sehen zu können. Eine richtige Kapelle ist es nicht, aber sie ist Petrus gewidmet.

Kapelle

Für den Aufstieg auf die Steilküste gibt es aber auch noch eine weitere optische Entschädigung. Einen tollen Blick auf die Bucht, an der wir in der letzten Stunde entlang gelaufen sind.

Strand. Einsam wie im Reiseprospekt.

Die Vegetation unterscheidet sich natürlich gewaltig von der in Südfrankreich. Durch den häufigen Regen ist es vor allem sehr grün, wenn ich es mit Korsika im Herbst vergleiche. Und Kakteen in dieser Größe gibt es dort auch nicht.

Kaktus

Irgendwie kommt mir Martinique wie ein kleiner Fremdkörper in der Karibik vor. Es ist alles so französich. Und doch ist es karibisch. Ich weiß nicht so recht, wo ich das jetzt in meinem Kopf hinstecken soll.

Auch die hiesigen Franzosen arbeiten anders, als die in Europa. In Europa ist es kein Problem, als Ausländer mit den Franzosen Französisch zu sprechen. Hier schalten sie meiner Meinung nach viel zu schnell auf Englisch um, wenn ein Tourist vor ihnen steht.

Steilküste

Lässt man aber die Einheimischen weg und nur die Landschaft sprechen, ist das Karibik-Gefühl wieder da.

Bescheuertes Selfie auf Martinique

Also wandern wir weiter, es liegen noch einige Kilometer vor uns und der letzte Bus des Tages fährt schon um 18:30 Uhr. Französische Verhältnisse halt.

Mangroven

Der Wanderweg wird gesäumt von Mangroven. Es sind die ersten Mangroven, die ich in freier Wildbahn sehe. Der Tümpel ist außerdem eine Brutstätte für alle möglichen Mücken, die uns in der Marina bzw. am Ankerplatz jedoch verschonen. Sie fliegen dann doch nicht kilometerweit für eine Mahlzeit, sondern nehmen sich die Menschen, die direkt vor ihrer Tür wohnen.

Reiher

Auch eine größere Reiherkolonie findet sich in den flachen Gewässern, die nicht mit dem Meer verbunden sind, sondern nur über Regenwasser aufgefüllt werden.

Vor St. Anne finden wir nach der Wanderung noch eine Strandbar. Wir waren lediglich sechs oder sieben Kilometer weit unterwegs, bei Temperaturen um 30°C ist das allerdings genug. So erfrischen wir uns mit einer Orangina und dann fahren wir mit dem letzten Bus des Tages in die Dunkelheit zurück zu Sissi. Ein schöner Tag.

Busfahren auf Martinique

Ich bin begeisterter Motorradfahrer und habe zigtausend Kilometer auf französischen Straßen zurückgelegt. Dabei sind mir immer die Linienbusse aufgefallen, die ich dann mit hoher Geschwindigkeit überholt habe. Blitzblank waren sie immer geputzt, der Lack makellos. Die Klimaanlage brummte hörbar auf dem Dach. Busfahren in Frankreich muss eine tolle, bequeme Angelegenheit sein. Martinique ist Frankreich.

Uferstraße in Le Marin, Martinique auf dem Weg zur Bushaltestelle

Busfahren in Frankreich hat auch Nachteile. Auf dem Land sind die Fahrpläne sehr dünn, nur wenige Verbindungen am Tag erreichen die abgelegenen Dörfer. Es ist oft schwer, an Linienpläne, Fahrpläne und Fahrpreisauskünfte zu kommen. So habe ich es in Frankreich ebenfalls erlebt.

Südfrankreich pur.

Wir finden nach hartnäckiger Recherche im Internet einen Busfahrplan für die Buslinie BKJ, die uns nach Vauclin bringen soll. Auf Martinique gibt es lokale Buslinien, die sind nummeriert. 31, 32, 33, 54 und so weiter. Dann gibt es noch überregionale Buslinien, die haben Buchstaben. F, G, H oder eben BKJ. Um es noch etwas komplizierter zu machen, gibt es die Linien BKJ1 und BKJ2. Der Bus fährt etwa alle vier Stunden, das fühlt sich sehr französisch an. Unser Bus kommt pünktlich, die Klimaanlage funktioniert. Im Gegensatz zu den Bussen auf den vorherigen Inseln hat dieser Bus auch Sicherheitsgurte für die Passagiere – EU-Standard halt. Der Fahrpreis ist mit 2,10€ für die Einzelfahrt nicht überzogen.

Moderner Überlandbus

Nach einer knappen halben Stunde erreichen wir Vauclin. Den Busbahnhof, der vor den Toren der Stadt liegt. Da der Anschlussbus vor 10 Minuten abgefahren ist, laufen wir in den Ort. Es wären sowieso nur zwei Haltestellen gewesen und Anschlüsse oder Vertaktung sind in Frankreich Glückssache. Auch auf Martinique.

Uferpromenade in Vauclin

Beim Spaziergang an der Uferpromenade kommt uns ein Bus der Linie entgegen, mit der wir an einen bestimmten Punkt fahren wollten. So haben wir uns das am Busbahnhof ausgedacht, während wir den Linienplan studiert haben. Die Busfahrerin hält mitten auf der Straße an, sammelt uns ein und erklärt uns, dass sie nur bis zum Bahnhof fährt. Sie lässt uns auch nicht mehr raus, jedenfalls nicht vor dem Busbahnhof.

Also sind wir wieder da. Wir beschließen, mit irgendeiner Buslinie noch eine Überraschungsrunde zu drehen. Während wir unsere Dreiviertelstunde wartend absitzen, bewundern wir den Boxenstopp der Linienbusse. Ein mobiler Werkstattwagen ist vorgefahren.

Betankung an der Endhaltestelle

Unser Bus wird betankt, währenddessen fahren noch mehr Busse vor und sammeln sich um den Werkstattwagen.

Reifenwechsel an der Endhaltestelle

Die Busfahrer sitzen unter dem Baum im Schatten, während das Werkstattpersonal bei dem einen Bus sogar die Reifen wechselt – alle vier Reifen in einer guten Viertelstunde. Die Jungs sollten mal bei der Formel 1 anklopfen. Wenn die bei Linienbussen schon so schnell sind…

Der von uns ausgesuchte Bus fährt uns dann in die Berge. Auf schmalen und schmaleren Straßen geht es höher und höher. Okay, das Ziel heißt auch “La Haut”, was man mit “Die Höhe” übersetzen könnte. Der Ausblick aufs Meer wird wunderschön. Es ist leider ziemlich diesig.

Straße im Landesinneren

Immer wieder fahren wir an einzelnen Häusern vorbei, die entweder einen kleinen Garten oder gleich eine ganze Bananenplantage vor der Tür haben.

Bananen

Wir sehen einen kleinen Einkaufsladen, dort beschließen wir auszusteigen. Sonst haben wir auf unserer Runde keinerlei Läden oder Leben auf der Straße gesehen. Das ist ein großer Unterschied zu Inseln wie St. Lucia oder Barbados. Dort ist immer Leben auf der Straße. Hier ist Frankreich.

Der Hahn ist schon in essfertiger Größe

Aber auch auf Martinique scheint jeder seine Hühner zu haben. Sie laufen auf allen Inseln in jedem Ort auf der Straße herum und gackern.

Einkaufsladen mit Katze

Eine Katze spricht uns an und erklärt uns, wo der Einkaufsladen ist. Sie streicht uns über die Beine und lässt sich sogar hochnehmen. Dann sehen wir, dass es gar keine Katze ist, sondern ein junger Kater. Der Motor läuft auf Hochtouren.

Der Kater hält uns vom Einkaufen ab

Endlich ist es dem Katerchen genug. Wir können unseren in der drückend schwülen Hitze erworbenen Durst im Kaufladen löschen. Lustig, dass die das lokale Bier auf Martinique “Lorraine” nennen. Lothringen. Es schmeckt auch ein wenig wie Kronenbourg.

Lorraine

Als wir gerade mit dem Bier fertig geworden sind, kommt der Bus schon wieder vorbei. Wir hatten gerade mal 70 Minuten Zeit in diesem verschlafenen Nest. Die 70 Minuten haben aber den ganzen Tag aufgewertet.

Für die Rückfahrt nehmen wir wieder die Buslinie BKJ. Diesmal ist es eine BKJ1, wir hatten auf dem Hinweg die BKJ2. Beim Busfahrer löse ich drei Fahrkarten nach Le Marin und bezahle den erwarteten Betrag. Eine halbe Stunde später wirft uns der Busfahrer kurz vor Fort de France raus, er hat Endstation. Ich frage ihn nach Le Marin, er schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Nach einer weiteren halben Stunde Wartezeit bringt uns dieser Bus dann den ganzen Weg zurück bis Le Marin. Es ist der letzte Bus des Tages (um 17:00 Uhr). Busfahren auf Martinique ist wie Busfahren in Frankreich. Gut gekühlt verlassen wir den klimatisierten Bus und laufen in die Marina.

Überlebenskampf im Hexenwald von Anaga

Es gibt Tage, an denen ich etwas unnötige Anstrengung brauche. Eine masochistische Stimme in mir verlangt danach, dass mein Körper Schmerzen leidet. Muskelkater kann so schön sein. Montag ist unser Abfahrtstag, also plane ich für Sonntag einen Wandertag im Anaga Nationalpark. Es soll der Sonntag sein, denn die Busse dorthin fahren Wochentags am Vormittag nur um 05:30 ab, und so sehr möchte ich mich dann doch nicht quälen. Im Fahrplan steht, dass die Abfahrt an “Sabados” um 07:30 ist. Immerhin zwei Stunden länger schlafen. Ich hätte mich schon lange um ein paar Spanisch Stunden bemühen sollen. Freitag Abend, vor dem Schlafengehen, schauen Jörg und ich nochmals in den Fahrplan, um eine Tour am Samstag zu planen. Andere Buslinien haben auch “Domingos” als Tage im Fahrplan stehen. Scheiße! Sabados sind Samstage. Ich muss die Wanderung gleich morgen starten, denn Sonntags fährt dieser Bus gar nicht.

Um 06:00 klingelt mein Wecker. Ich packe eine Flasche Wasser und ein paar andere Dinge in meinen Rucksack und mache mich auf den Weg zum Intercambiador, der zentralen Busstation.

Intercamiador
Intercamiador

Brot ist leider aus. Ich kann mir ja unterwegs etwas kaufen. Denkste! Die Stadt ist zu dieser Zeit stockfinster. Keine Menschen auf der Straße und keine Geschäfte geöffnet. In der Busstation gibt es außer einem Kaffee auch nichts zum Frühstück. Dann kaufe ich mir halt in Chamorga, der Endhaltestelle, etwas. Vor dort starten viele Wanderungen, also können sich hungrige Wanderer dort sicherlich auch verpflegen.

Linie 947
Linie 947

Ich bin der einzige Fahrgast im Bus. Laut Fahrplan dauert die Fahrt ca. eine Stunde. 1,25€ finde ich dafür einen fairen Fahrpreis. Der Bus schlängelt sich durch die engen Straßen in die Berge. Die aufgehende Sonne färbt die tief hängenden Wolken rosarot. Spanische Fiesta Musik tönt aus dem Radio und der Fahrer quält den Bus mit manueller Schaltung langsam immer weiter die Berge hinauf. Nach etwa 2 Stunden werde ich dann in Chamorga abgesetzt.

Chamorga
Chamorga

Der Ort ist sehr übersichtlich. Nach 10 Minuten habe ich alles gesehen. Auch das Gebäude, das wohl irgendwann mal eine Bar oder Imbiss war. Kein Mensch weit und breit. Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als mit leerem Magen und ohne Verpflegung loszulaufen. Ein 10 Kilometer langer Wanderweg in Richtung Küste verspricht laut Infotafel einen Supermarkt im nächsten Ort. Prima.

Igueste de San Andrés sollte mein Ziel sein.

Nebel hängt in den Bergen. Die Wälder im Anaga sind so eine Art Regenwald. Es ist auch die feuchteste Region der Insel. Die Wege sind nass und glitschig.

Nebel und sattes Grün

Legenden über Hexen, die in den Wäldern und Höhlen der Berge ihr Unwesen treiben, werden erzählt. Ich kann mir das gut vorstellen. Die Landschaft wirkt märchenhaft verwunschen.

Zauberwald
Zauberwald

Ich lasse mir Zeit und genieße die frische Luft. Schnell kann ich mich auf dem glitschigen Untergrund ohnehin nicht bewegen. Der Anstieg nach La Cumbrilla ist steil und schon bald meldet sich mein Magen. Das Thunfischsteak vom Vorabend gibt mir Kraft und der nahe Supermarkt motiviert mich. Nach etwa einer Stunde sehe ein paar kleine Steinhäuser. Ich freue mich auf ein Baguette und leckeren Serrano Schinken.

Die schwarze Katze von der Hexe
Die schwarze Katze von der Hexe

Eine schwarze Katze begrüßt mich auf dem Weg in den Ort. Ist das die Katze von einer der Hexen? Aus einem der Häuser dringt leckerer Küchengeruch und eine Frau singt bei der Arbeit. Das ist Folter! Und dass Hexen hier ihr Unheil treiben, glaube ich langsam wirklich. Sie haben nämlich den Supermarkt weggehext. Der nächste Bus fährt erst in etwa 6 Stunden. Ich muss schnell weiter, sonst lande ich am Ende selbst in einem Kochtopf.

La Cumbrilla
La Cumbrilla

Es geht steil weiter. Am Wegesrand stehen Kakteen, die reife Kaktusfeigen tragen. Wird diese Wanderung zum Überlebenskampf, könnte ich die essen, um nicht zu verhungern. Ich hab’ die Dinger aber eigentlich lieber in Form von Tequila.

Palme
Palme

Der Weg wird immer steiler, steiniger und ist kaum noch zu erkennen. Nach ein paar Ausrutschern klettere ich auf allen Vieren weiter. Bin ich noch auf dem richtigen Weg? Eine Markierung habe ich schon seit einer Weile nicht mehr gesehen. Mir kommt das spanisch vor und ich kehre um. Nach etwa 20 Minuten finde ich die letzte Markierung. Ich hätte tatsächlich abbiegen müssen. Das Ding war aber auch schwer zu erkennen. Waren sicher die Hexen, um mich in die Falle zu locken. Zumindest wird der Weg wieder etwas leichter. In Lehm gegrabene Treppenstufen erleichtern den Aufstieg. Meine Laune bessert sich und der Hunger ist vorerst vergessen.

Vom Hunger benebelt dämlich gequältes grinsen
Vom Hunger benebelt dämlich gequältes Grinsen

Auf dem Gipfel angekommen kreuzt der Weg eine Straße. Ich könnte mich ja auch an den Straßenrand setzen und per Anhalter zurück fahren. Die Leute auf den Inseln sind normalerweise sehr nett und die Chancen, dass jemand anhält, sind groß. Die kleine masochistische Stimme meldet sich allerdings wieder und zwingt mich weiter zu laufen. Der Pfad wird wieder kleiner und führt mich durch ein Tal in den nächsten verwunschenen Wald. An einer Gabelung vermisse ich die Wegmarkierung. Links oder Rechts? Falsch! Zurück. Ich habe mich schon wieder verlaufen. Und ich habe nicht mal ein Brot, um den Weg zu markieren. Oder Schinken, oder… Schnauze Magen!

Links oder rechts?
Links oder rechts?

Der richtige Abzweig war diesmal zum Glück nicht ganz so weit weg. Die weiß-gelbe Markierung zeigt mir den Weg.

weiß-gelb zeigt mir den Kurs
Weiß-gelb zeigt mir den Kurs

Es geht immer weiter hinauf und die Vegetation wird karger. Aus Bäumen werden kleine Büsche, aus Palmen werden Kakteen. Ich erreiche den höchsten Punkt der Tour und werde mit einem atemberaubenden Ausblick auf die Küste belohnt. Das war es wert.

Die Belohnung
Die Belohnung

Unten im Tal sehe ich Igueste. Da muss ich hin. Dort fährt der Bus alle zwei Stunden und an der Küste gibt es immer Restaurants. Das Ziel ist in Sicht. Vorbei an ein paar Ziegen steige ich über den Berg und beginne mit dem Abstieg.

Määähhhh!
Määähhhh!

Ich habe es geschafft. Ich bin dem Hexenwald entkommen. Hier gibt es keinen Nebel und keine düsteren Pfade. Auf dieser Seite der Berge wachsen fast nur noch Kakteen. Jeder meiner Schritte wird von einem Rascheln im Unterholz begleitet. Tausende kleine Eidechsen flitzen durch die Gegend und verstecken sich vor meinen großen Füßen.

Sommer, Sonne, Kaktus.
Sommer, Sonne, Kaktus.

Irgendwann erreiche ich wieder eine Straße. Es sind nur noch ein paar hundert Meter bis in den Ort. Meine Schritte beschleunigen sich. Ich kann es riechen. Was zum Essen. Wieder werde ich von Katzen begrüßt. Doch diesmal sind es weiße Katzen. Sissi war eine schwarze Katze und eigentlich bringen uns schwarze Katzen immer Glück. In einem verhexten Wald gelten wohl andere Gesetze. Jedenfalls finde ich kurz hinter den Katzen eine Tapas Bar und stopfe mir den Wanst voll.

Glückskatzen
Glückskatzen

Für die 10 Kilometer habe ich etwa 5 Stunden gebraucht. Bei diesem Schnitt rechne ich mir beste Chancen aus, sollte ich mich mal bei DHL bewerben.

Prost!
Prost!