Rippche mit Kraut

Gestern Abend gab es bei uns Rippche mit Kraut zum Essen. Das hatten wir zuletzt, als wir unsere Eltern anlässlich ihrer goldenen Hochzeit im November besucht haben. Eine Dose Sauerkraut lagerte schon eine Weile in unseren Schapps, beim Metzger in Oranjestad haben wir wunderschöne Rippchen gefunden. Damit war das Abendessen gesetzt.

Rippche mit Kraut

Die Welt um uns herum dreht aufgrund der Corona-Krise hohl. Die meisten Länder haben ihre Grenzen geschlossen. Wir trauen uns derzeit nicht, Aruba zu verlassen, denn die Gefahr ist groß, dass man uns im nächsten Land nicht hinein lässt. Was tun?


Jens: Es ging mir in der letzten Zeit nicht besonders gut. Irgendetwas hat mir psychisch Probleme bereitet, aber ich konnte nicht so richtig deuten, was es war. Als wir von Martinique nach Bonaire gefahren sind, saß ich während meiner Wache grübelnd im Cockpit. Da viel es mir wie Schuppen von den Augen. Es ist die Einsamkeit auf dieser langen Reise. Wir haben unterwegs viele nette Menschen kennengelernt und neue Freunde gewonnen. Diese Freundschaften sind jedoch meist nur von kurzer Dauer, denn entweder begeben wir uns auf die Weiterfahrt, oder eben die anderen. Am Ende sind wir unter uns. Ich vermisse es, unter anderen Menschen zu sein und meine Freunde zu sehen. Diese Erkenntnis musste ich selbst erst verdauen und saß dort eine Weile mit Tränen in den Augen. Nachdem Jörg aufgestanden war erzählte ich ihm, was mir so schwer auf dem Seele lag. Er hatte dafür vollstes Verständnis und mir fiel an diesem Tag ein großer Stein vom Herzen. Ich bin trotz allem froh das ich mich auf diese Reise begeben habe. Unsere Erlebnisse und das Abenteuer waren es wert.


Ich habe mir das alles noch ein paar Tage schön geredet. Ich hatte immer die Hoffnung, Jens noch einmal umstimmen zu können, konnte aber auch sehen, wie groß seine Erleichterung ist, dass wir zurück fahren werden.

Wir haben beschlossen, zum richtigen Zeitpunkt, also etwa Anfang Mai, den Atlantik von West nach Ost zu überqueren, einen Zwischenstopp auf den Azoren einzulegen und dann den Sommer in Schottland zu verbringen. Hier in der Karibik wollten wir mindestens noch Jamaika und Kuba besuchen, vielleicht auch noch einen Kurztrip nach Haiti machen. Die Ankunft in Frankfurt planten wir für den September.


Dann kam Corona, die Sperrung des Panamakanals für Sportboote, Grenzschließungen an den meisten Landesgrenzen und damit Schließungen der meisten Inseln für uns. Die Unmöglichkeit, weiter nach Westen reisen zu können, macht mir die ganze Geschichte sehr viel leichter. Es fühlt sich für mich nicht besser an, wenn ich alle paar Tage neue Nachrichten über die Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit der Kanaldurchfahrt lesen darf. Das ändert sich täglich.

Wir warten jetzt auf Aruba, bis wir die Situation besser einschätzen können. Da wir schon die Vorräte für den Pazifik eingekauft haben, könnten wir notfalls auch nonstop über den Atlantik fahren. Das wäre aber unschön, denn dabei sieht man nichts von der Welt.

Jeden Tag gibt es Neuigkeiten, neue Entwicklungen und damit auch neue Pläne für uns. Die übriggebliebene Zeit unseres Törns werden wir nutzen, um noch so viel wie möglich zu sehen.

Daheim in Frankfurt gibt es dann wieder Rippche mit Kraut.

Geisterstadt Oranjestad

Geisterzug – nur mit Fahrer und Schaffner besetzt. Normalerweise sitzen da noch viele Kreuzfahrer drin.

Manchmal gehen Wünsche in Erfüllung. Manchmal werden Träume wahr. Wenn du regelmäßig in diesem Blog liest, ist dir sicher nicht entgangen, dass ich bei vielen Begegnungen mit Kreuzfahrtschiffen etwas zu meckern habe. Sie stinken, sie fluten die Ziele mit Menschen, sie halten sich nicht an die Verkehrsregeln auf See, sie sehen scheiße aus und verbauen auch noch oft den Blick auf die Landschaft oder den Horizont. Ich habe mir immer eine Welt ohne Kreuzfahrer gewünscht.

Dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Im Augenblick haben wir unsere Ruhe vor den Kreuzfahrtschiffen.

Kreuzfahrerterminal in Oranjestad – hier liegen normalerweise jeden Tag zwei Schiffe

Der Grund dafür, dass in den nächsten vier Wochen keine Kreuzfahrer nach Aruba kommen, ist natürlich inzwischen jedem bekannt. Es liegt am Coronavirus. Auch Flüge nach Europa sind abgesagt.

Plakat mit Verhaltensregeln

In den umliegenden Ländern wurden die Grenzen geschlossen. Wir Segler fahren normalerweise dort hin, wo uns der Wind hinbläst. Dann gehen wir zu den Behörden, füllen einen riesigen Berg Formulare aus und bekommen Stempel in unsere Pässe. Anschließend sind wir im Land und können tun und lassen, wozu wir Lust haben.

Wir lesen im Internet, dass in Europa ein Land nach dem anderen seine Schlagbäume herunter lässt. Das ist auf den Inseln in der Karibik nicht anders. Deswegen bleiben wir erst einmal hier und harren der Dinge, die uns in den nächsten Wochen erwarten. Mir ist klar, dass das Jammern auf einem recht hohen Niveau ist, denn wir sind an einem sehr schönen Ort, haben Zugang zu guter Versorgung in Infrastruktur und hätten im Fall der Fälle auch eine ordentlich ausgestattete Klinik zur Hand. Es bereitet uns aber keine Freude. Wir sind auch mit unseren Gedanken bei Familie und Freunden in Deutschland.

Leere Fußgängerzone in Oranjestad

Viel ist in Zeitungen und Zeitschriften zu lesen, dass sich das Virus auf die Wirtschaft auswirken wird. Dass es irgendwann die meisten Menschen bekommen werden. Über die Gefährlichkeit wird viel spekuliert und die Entwicklung eines Impfstoffs wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Es wird viel Panik geschürt, Halbwissen beherrscht den virtuellen Raum im Netz, blöde Witze werden gerissen.

In Oranjestad sehen wir überdeutlich, dass ein Schaden für die lokale Wirtschaft sofort eintreten kann. Die Fußgängerzone ist leer, die Geschäfte sind es auch.

Leeres Geschäft, sie sehen jetzt alle so aus.

Die Welt hat sich innerhalb weniger Tage verändert. Wir haben nun einen anderen Planeten. Teilweise drehen verrückte Politiker am Rad, setzen krude Theorien in Umlauf und zeigen mit ihren Fingern auf andere Länder, anstatt sich um die Eindämmung der Seuche zu kümmern.

Die verunsicherten Menschen reagieren mit Handlungen, die sie unter normalen Umständen niemals ausführen würden. Wer (außer uns Seglern) braucht für mehrere Monate Toilettenpapier im Haus? Unser Vorrat würde bis Australien reichen. Wer isst eigentlich gerne Dinkelnudeln? Und wer ist so bekloppt, sich die Nase mit Essig auszuwaschen?

Die Kassiererin im Supermarkt gleich um die Ecke unserer Marina trug gestern eine OP-Maske und Gummihandschuhe. Vor der Kasse stand ein Teller mit aufgeschnittenen rohen Zwiebeln. Vernunft und Wahnsinn direkt nebeneinander.

Ich will hoffen, dass der Planet in den nächsten Wochen wieder zur Normalität zurück findet. Wir hängen fest, wir können nicht weiter. Die Lage kann sich jeden Tag, jede Stunde ändern. Wenn wir weiter fahren, können wir uns nicht sicher sein, dass wir am Ziel auch in den Hafen gelassen werden. Dazu haben wir zu viele Berichte aus erster Hand von anderen Seglern bekommen, die es am eigenen Leib erfahren haben.

Für meine persönliche Stimmung ist das Gift. Für unsere Pläne ist es sehr, sehr unglücklich. Für die Menschen hier in Oranjestad ist es eine Katastrophe.

Der Zug ist abgefahren.

Für ein Leben ohne das neue Coronavirus ist der Zug jedenfalls abgefahren.

Corona am Freitag, den 13.3.2020

Corona (nicht ansteckend)

Als wir im letzten Jahr losgefahren sind, war Corona für mich nur ein schlechtes Bier. Ich habe es bis vor ein paar Tagen nie getrunken, aufgrund der Problematik mit dem Coronavirus haben wir uns jedoch zwei Flaschen davon gekauft und später ausgetrunken. Das Bier schmeckt wirklich nicht. Wir können aber sagen, dass wir Corona hatten und nun unser Boot coronafrei ist.

Die Welt dreht sich weiter und vor unserer Atlantiküberfahrt war Corona ein Problem in China. China ist weit weg. Mit China haben wir nichts am Hut, waren nie dort und deswegen hatten wir kein Problem damit.

Corona-Brüter und -Verteiler

In der Karibik lasen wir, dass Corona seinen Weg auf Kreuzfahrtschiffe gefunden hat. Ein Schiff wurde in Japan unter Quarantäne gestellt. Anderen Schiffen wurde auf karibischen Inseln die Einfahrt verwehrt. Das kann uns natürlich nicht passieren, wir sind coronafrei und nicht in China, Italien oder sonstwo gewesen. Wir sind fein raus, dachten wir.

Auf entsprechenden Seiten im Internet, insbesondere Noonsite, haben wir uns immer wieder informiert und dann in Sicherheit gefühlt. Zwar müssen Segler immer öfter zur Gesundheitsprüfung, aber das war es dann auch. Zuletzt haben wir heute Nachmittag ein Bild von Bekannten geschickt bekommen, die in Kolumbien bei der Einreise einen Corona-Schnelltest machen mussten. Ist ja kein Problem, wir sind Segler. Wir haben das nicht.

Nach dem Abendessen erreicht mich dann eine Nachricht von der Gentoo, die wir zuletzt in Portugal gesehen haben. Die sind schon in Panama.

Good day Sailors, Regretfully, the Health Ministry has sent a circular yesterday, stopping all activities of pleasure boats, yachts, megayachts. No one is allow to land or move in dinky or tender boats until further notice. Currently no check in or check out of the country. Shelter bay marina is not accepting any boats to enter, neither dinky boats. No personnel from yachts are allow to come ashore. Difficult to transit without 4 handliners view they must remain on board after transit. La Playita marina, Flamengo marina and Balboa yacht club are not working. Please hold and do not head down to Panama until the scenario has change. San blas Island is not accepting tourism, border with Costa Rica also not accepting tourist. Will keep you posted in due course when scenario changes.

Wir sitzen hier auf Aruba und sehen zu, wie überall um uns herum die Schlagbäume herunter geklappt werden. Das macht keinen Spaß. Dabei sind wir Segler nicht wirklich die Risikogruppe.

Es hilft nichts, es ist wie es ist. Wir halten uns an die lokale Biermarke, die den passenden Namen hat. Wir können nur abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Sollten wir hier allerdings länger festhängen, fahren wir zurück nach Bonaire. Dort ist der bessere Supermarkt. Wenn sie uns in Bonaire wieder herein lassen.

Chill

Miles and More (Teil 3)

Seit Tagen schiebe ich es vor mir her, heute schreibe ich die Zeilen herunter. Unseren letzten Statistik-Beitrag habe ich auf Lanzarote verfasst. Seit dem haben wir viele Segeltage und viele Meilen im Kielwasser. Wir haben beispielsweise die zurückgelegte Strecke mehr als verdoppelt.

Unsere Reise dauert nun schon 242 Tage. Von den neu hinzu gekommenen 64 Tagen waren wir 31 Tage auf See, also einen ganzen Monat. In dieser Zeit sind wir von Lanzarote über Teneriffa, Mindelo und Barbados nach St. Lucia gesegelt und haben nun 6324 Meilen im Kielwasser. Also in 31 Segeltagen 3265 Meilen bzw. 105 Meilen pro gesegeltem Tag.

Der Motorstundenzähler steht nun bei 301 Motorstunden. Von den 70 hinzu gekommenen Motorstunden sind 20 alleine für die Stromproduktion genutzt worden, und 50 für den Antrieb. Das liegt daran, dass Wind und Sonne unstete Gesellen sind und es gerade in der Ankerbucht bei bewölktem Himmel schwer ist, genug Strom aus regenerativen Energiequellen zu erzeugen. Das geht allen so, wir haben bei jedem Boot in der Ankerbucht die Maschine laufen sehen.

Auf der Fahrt von Lanzarote bis Barbados haben wir 1500 Liter Wasser erzeugt, das sind im Schnitt 30 Liter Wasser pro Tag bzw. 10 Liter Wasser pro Tag pro Person. Das Wasser ist zum Trinken, Abwaschen, Duschen und Putzen benutzt worden, so wie das Wasser zu Hause aus der Wasserleitung. Seit wir in der Karibik sind haben wir 560 Liter Wasser gemacht, das sind 60 Liter am Tag bzw. 15 Liter pro Person und pro Tag. In der Hitze haben wir wesentlich öfter geduscht.

Sicherlich könnte man mit weniger Wasser auskommen. Man muss aber nicht. Wozu haben wir den Watermaker eingebaut? Genau, für den Komfort! Jetzt in der Marina auf St. Lucia wird der Verbrauch wieder sinken, wir gehen schließlich an Land duschen.

Der größte Defekt auf unserer Überfahrt ist beim Parasailor, der uns auf fünf Metern eingerissen ist. Morgen hat der Segelmacher wieder geöffnet, dann können wir ihn endlich zur Reparatur bringen. Außerdem ist ein Teil der Windfahnensteuerung kaputt gegangen, für das uns Peter Foerthmann einen kostenlosen Ersatz nach Martinique schicken wird. Toller Service!!!

Bislang haben wir einen Fisch gefangen. Da ist noch Luft nach oben.

Angekommen auf Teneriffa

Nach ziemlich genau 26 Stunden Fahrt oder 136 Meilen sind wir auf Teneriffa angekommen. In den letzten Stunden vor der Ankunft hat der Wind leider ziemlich abgenommen, sonst hätten wir die Strecke in weniger als 24 Stunden geschafft. Aber wir sind hier, im letzten Hafen vor der Karibik. Wenn alles nach Plan läuft.

Sonnenaufgang zwischen Lanzarote und Teneriffa

Der Wind kam die ganze Zeit aus achterlichen Richtungen, die Wellen auch. Das hat (wie üblich) die Auswirkung gehabt, dass Jens sein Abendessen mit Neptun geteilt hat. Eigentlich hat er alles an Neptun verfüttert. Ich hätte mir das schöne Steak lieber selbst reinziehen sollen. Mit gutem Willen hätte ich dafür noch Platz gefunden. Während er seine Seekrankheit ausschlief, habe ich ihm noch eine Tomaten-Tütensuppe mit Reis in eine Thermoskanne gefüllt. Die ist dann drin geblieben.

Teneriffa in Sicht

Beim Landeanflug war der Kontakt zur Marina über VHF Kanal 9 unproblematisch, ein Marinero hat uns am Steg erwartet und beim Anlegen geholfen. Unsere neuen Nachbarn sind freundliche Franzosen, bei denen ich mal wieder meine Kenntnisse in ihrer Landessprache üben kann.

Das WIFI ist hier kostenpflichtig. Dafür ist es allerdings auch rattenschnell. Es kostet etwa 2€ am Tag und das ist es auch wert. Wir haben innerhalb kurzer Zeit schon Seekarten aktualisieren können, auch das Hessische Radio spielt wieder ohne Aussetzer. Da freuen wir uns doch schon auf das Eintracht-Spiel am Donnerstag.

Andenken aus der Marina Rubicon: In der Marina Rubicon muss man sich Adapter für das Landstromkabel gegen 50€ Pfand ausleihen, die dort verbauten Steckdosen reichen für 32A und haben die großen Stecker. Die Adapter sind nicht wasserdicht. Deswegen ist unser Landstromstecker im Laufe der Zeit voll Wasser gelaufen. Das hat hier in Santa Cruz erst einmal den FI-Schalter herausgehauen. Natürlich haben wir auf diese Weise auch den freundlichen Franzosen den Strom geklaut. Danke, Marina Rubicon!

Laut Google ist der nächste Supermarkt nur 300 Meter entfernt, auch in die Innenstadt ist es nicht weit. Wir werden das ausprobieren.

Miles and more (Teil 2)

Am heutigen Tag öffne ich mal wieder unser Logbuch für euch LeserInnen unseres Blogs. Seit dem letzten Statistik-Beitrag sind nur eineinhalb Monate vergangen. Für uns fühlt es sich an, als wäre es eine lange Zeit. Wir haben seit Sines viel erlebt und so manche Meile auf dem Wasser zurückgelegt.

Logbuch

Inzwischen sind wir 178 Tage unterwegs und haben 718,7 Seemeilen mehr Kielwasser hinterlassen, also insgesamt 3058,7 Meilen (bzw. 5659 Kilometer). An den neu hinzugekommenen 60 Reisetagen waren wir an 12 Tagen wirklich unterwegs, den Rest der Zeit lagen wir mal wieder im Hafen oder – neu – für einige Tage vor Anker. Macht diesmal 20% der Tage, an denen wir auf See waren.

Unser Motorstundenzähler ist inzwischen bei 231 Motorstunden, also sind 21 Motorstunden mehr auf der Uhr. Wir haben von Sines bis Lanzarote ca. 65 Liter Diesel verbrannt – das ist ein sensationeller Dieselverbrauch von knapp 0,1 Liter Diesel pro zurückgelegter Seemeile bzw. von 4,8 Litern auf 100 km (damit sich die Autofahrer etwas darunter vorstellen können). Nur wiegt Sissi so viel, wie ein kleiner LKW, sie hat 12 Tonnen Gewicht. Wir sind allerdings der Meinung, dass das noch besser geht. Wir wollen den Anteil der Segelstunden noch weiter steigern.

Unsere Frischwasserproduktion läuft hervorragend. Wir haben seit dem 16. Oktober weitere 885 Liter Wasser produziert und verbraucht, damit sind wir bei einem Wasserverbrauch von 15 Litern pro Tag gelandet. Einen Teil davon trinken wir, der Rest geht für das Spülen von Geschirr, Händewaschen und das Reinigen von Sissi drauf. Wenn wir weiterhin so wirtschaften, können wir guten Gewissens über den Atlantik aufbrechen und werden auch kein Problem haben, genug Strom zu ernten, um hin und wieder eine Dusche auf dem großen Teich zu nehmen.

An den Duschen in Sines, Portimao, Lagos, Puerto Calero und Rubicon ist nichts auszusetzen. Sie waren sauber und haben prima funktioniert.

Größere Defekte hatten wir keine mehr, lediglich kleinere Problemchen. Uns ist mitten in der Nacht einer der Blöcke der Windfahnensteuerung abgerissen und hat sich in den Atlantik verabschiedet. Dabei folgte er einigen wichtigen Schrauben, die schon vorher verschwunden waren. Zum Glück gibt es Schraubenkleber, damit sind die neuen Schrauben jetzt gesichert.

Klimakiller Sissi-Crew

Unsere einigermaßen schöne CO2-Bilanz haben wir uns mit ca. 6000 Kilometern Flugreise nach Frankfurt und zurück leider vollkommen versaut.

Wir versprechen, dass es nicht wieder vorkommen wird. Dazu hat uns das Fliegen außerdem viel zu wenig Spaß gemacht.

Es gab keine weiteren außergewöhnlichen Vorkommnisse, die wir im Logbuch notiert haben. Wir hoffen, dass das auch weiterhin so bleibt. Mögen alle Segelcrews sicher unterwegs sein.


Der Anlass für den heutigen Beitrag ist mir wichtig. Jetzt sind wir in der perfekten Position, um den Atlantik zu überqueren. Schon bei der derzeitigen Wetterlage wäre es unproblematisch, sofort zu starten. In den kommenden zwei Wochen scheint das Wetter sehr stabil und der Passat stetig zu sein. Die Teilnehmer der ARC werden jedenfalls ihre Freude an diesem Wind haben. Bis Mitte Dezember werden wir jedoch noch auf den Kanaren bleiben, ein Zwischenstopp in Teneriffa ist noch geplant.

Dann sind es aber nur noch ca. 2700 Meilen bis in die Karibik. Oder drei Wochen Fahrt. Nach einem halben Jahr Übung, Training, Reparaturen und Sightseeing fühlt sich das gigantisch an. Was vor ein paar Wochen noch in weiter Ferne schien, liegt jetzt greifbar vor uns. Wir freuen uns. Wir sind gespannt.

El Gasóleo

Jens und ich mussten vor zwei Jahren feststellen, dass wir mit Sissi prima segeln können. Wenn uns der Wind ausgeht, haben wir einen tollen Dieselmotor eingebaut, der uns immer voran bringt und dabei schnurrt wie ein Kätzchen. Nach einem tollen Segeltag starteten wir den Motor vor der Hafeneinfahrt von Stavoren und nur wenige Sekunden hörte das Kätzchen mit dem Schnurren auf.

Erschrecke den Tankwart

Die Aktion kostete uns einen Anker. Den mussten wir nämlich rauswerfen, während wir das Motorproblem beseitigten. Sonst wären wir auf die Hafenmauer getrieben. Das Motorproblem war relativ schnell beseitigt, denn mit etwas Diesel lief der Motor dann wieder rund und gleichmäßig. Das anschließende Aufholen des Ankers war chaotisch, weil sich die elektrische Ankerwinde verabschiedete und beim manuellen Hochkurbeln auch noch die Pallklinke abgerissen ist. So ging es für den Anker mitsamt seiner Kette nur noch nach unten.

Kurz gesagt: Wir sind in dieser Hinsicht etwas paranoid. Auf der Strecke von Vigo nach Lanzarote haben wir knapp 80 Liter Diesel verbraucht. Das sind ca. 800 Meilen oder auch 0,1 Liter Diesel pro Meile. Bei diesem Verbrauch reichen die knapp 300 Liter Tankinhalt locker für die 2800 Meilen nach Barbados.

Reservesprit

Damit wir unser Kätzchen immer am Schnurren halten können, haben wir an der Tankstelle um die Ecke noch 100 Liter Reservediesel gekauft und an Bord geschleppt. Der Tankwart guckte etwas dumm aus der Wäsche, als wir zum Tanken die Kofferraumklappe unseres Seat Ibiza geöffnet hatten. Auch die 100 Liter Diesel für den kleinen Seat sind nicht ganz normal. Er kam zu uns, um nachzuschauen, ob wir irgendwelche Probleme haben. Hatten wir natürlich nicht.

Jetzt sind wir spritmäßig voll ausgerüstet für den Sprung über den Atlantik. Unsere Reichweite haben wir durch den Reservediesel um mindestens einen Tag vergrößert, bei Flaute und ruhigem Wasser sogar um eineinhalb Tage. Das ist beruhigend.

Besuch aus Marokko

An unseren ersten Tagen hier auf Lanzarote hatten wir ungebetenen Besuch aus Marokko bzw. aus Afrika. Frau Calima hat sich ungefragt bei uns eingenistet und wollte Sissi nicht mehr verlassen.

Immer noch übrig, die Spuren von der Calima

Die Calima ist ein warmer Wind aus der Sahara und bringt gleich ein Stück der Sahara mit. Lanzarote muss immer wieder darunter leiden. Das Foto oben ist entstanden, nachdem wir Sissi schon zweimal gereinigt haben. Wir haben es versäumt, vor der ersten Reinigung ein paar Bilder zu machen.

Es ist sauschwer den Sand wieder von Bord zu bekommen. Mit dem Wischlappen darf man da nicht ran, denn sonst rubbelt man sich gleich die ganze Farbe vom Deck und aus dem Cockpit. Das funktioniert noch besser, als mit Sandpapier von 60er Körnung.

Es sieht jetzt alles irgendwie ungepflegt aus.

Also muss mit dem Schlauch gespült werden. Das schlechte Gewissen spült da immer mit, denn auf Lanzarote ist Trinkwasser knapp und muss unter hohem Energieaufwand erzeugt werden. Wir haben beschlossen, das Boot nur noch einmal zu reinigen, nämlich am Tag vor der Abfahrt.

Hinweis in der Dusche

Andere Yachties nehmen es mit dem Wasser nicht so genau. Sie spritzen ihre Boote jeden Tag ab. Das bringt aber nichts. Wenn das Boot noch schön feucht ist, findet es die Calima besonders gemütlich, sich auf jeder freien Fläche nieder zu lassen. Die Calima fliegt durch alle Ritzen und kommt auch unter Deck. Wir müssten Sissi schon komplett in Folie verpacken, um das zu verhindern.

Die äußere Bordwand hat noch nicht so viel von unserer Reinigungswut abbekommen. Hier ist noch besser zu sehen, wie es überall an Bord ausgesehen hat. Wer Wert auf ein blitzblankes, gewienertes Boot legt, sollte um Lanzarote einen großen Bogen segeln.

Sissi, das Calima-Opfer

Ein Gang über den Marinaparkplatz entspannt das Gemüt. Nicht nur wir Segler sind Opfer der Calima. Einige der geparkten Fahrzeuge sehen aus, als würden sie schon Jahre dort stehen oder seien aufgegeben. Dabei ist hier nur das Resultat von wenigen Tagen Saharawind zu sehen.

So schön und einzigartig die hiesige Landschaft auch ist, ich freue mich schon auf den Tag, an dem wir dieser Insel das Achterstag zeigen. Denn erst dann sind wir sicher vor dem Sand.

Alle leiden unter dem Sand.

Durst und Heimweh

Warnung! Beitrag enthält Heimweh. Oder wie Friedrich Stoltze damals geschrieben hat:

Es is kaa Stadt uff der weite Welt,
Die so merr wie mei Frankfort gefällt,
Un es will merr net in mein Kopp enei:
Wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!

Man sagt ja, dass Durst schlimmer sei als Heimweh. Das gilt insbesondere bei schönem Wetter vor einem Biergarten. Ich behaupte jetzt, dass der Spruch falsch ist. Ein leckeres Getränk lässt sich überall auftreiben, unser Frankfurt gibt es jedoch nur am Main.

Frankfurter Römer während der Luminale am 12. Oktober 2017 (Foto: Manfred Jonas)

Noch leide ich keinen richtigen Durst. Noch haben wir Apfelwein an Bord und können uns jederzeit einen Frankfurter Schluck genehmigen. Doch waren wir in unserem Leben noch nie so lange nicht in Frankfurt. Ich merke das.

Unsere Kommunikation läuft vollkommen problemlos. Wir haben zumeist gutes Internet an Bord und können nach Hause telefonieren. Das machen wir auch regelmäßig. Gelegentlich nutzen wir sogar Skype, damit wir unsere mal wieder Eltern sehen und nicht nur mit ihnen reden können.

Wir haben in den letzten Monaten so viele Menschen kennen gelernt, wie das zu Hause niemals der Fall sein könnte. Die meisten Segler sind sehr offene Menschen. Wenn wir uns zwei Stunden mit neuen Bekannten im Cockpit unterhalten haben, ist meist aus der Bekanntschaft fast schon eine Freundschaft geworden. Um dieses Niveau zu erreichen, brauche ich in der Heimat meist Monate. Vielleicht liegt es daran, dass die meisten Segler, die wir treffen, einen ähnliches Ziel verfolgen. Gelegentlich gewinne ich den Eindruck, dass es auf dem Atlantik eng wird, weil so viele Boote in die Karibik wollen. Vielleicht liegt es auch daran, dass die meisten Segler sich entweder eine berufliche Auszeit genommen haben oder schon in Rente sind. Ohne den täglichen Druck, zur Arbeit gehen zu müssen, lebt es sich durchaus entspannt. Oder es ist die Gewissheit, dass man sich nur für ein paar Tage gegenseitig auf den Geist geht. Irgendwann stimmt die Windrichtung wieder, die Steggemeinschaft löst sich auf und jeder fährt zu seinem nächsten Ziel. Also ist man gezwungen, sich schnell auf eine sehr persönliche Ebene zu bewegen, sonst bleiben wichtige Themen unausgesprochen. Ich schätze diesen Aspekt des Langfahrtsegelns sehr.

Ich vermisse Treffpunkte, Freunde und Gewohnheiten aus Frankfurt. Eine jahrelange Freundschaft ist nicht durch eine Stegbekanntschaft zu ersetzen. Statt zu den Heimspielen ins Waldstadion gehen, müssen wir mit der Übertragung im Radio vorlieb nehmen und die Tore alleine bejubeln. So schön es unterwegs ist, wir können uns nirgendwo ans Mainufer setzen. Dieser Aspekt des Langfahrtsegelns war mir vorher zwar klar, ich konnte jedoch nicht ahnen, mit welcher Intensität das in mir bohren würde.

Ich spüre das Heimweh nicht immer. Wenn die Segel oben sind und Sissi durch das Wasser zischt, ist nichts so fern wie das Heimweh. Es fühlt sich am besten an, wenn wir so weit draußen sind, dass wir nur noch mit dem Satellitentelefon kommunizieren können, ohne Handynetz und ohne das Plärren aus dem Funkgerät. Dann bin ich tief im Jetzt. Dann ist das Universum begrenzt auf die wenigen Quadratmeter Segelboot. Dann ist die Aufgabe, sicher zum nächsten Ziel zu kommen. Vor dem Bug liegt die Aussicht auf so viel Neues, für das ich das Altbekannte gerne loslasse. In der Nacht schalte ich dann gerne mal für ein paar Minuten die Schiffsbeleuchtung aus und genieße die Freiheit, unter einem ungetrübten Sternenhimmel ins dunkle Nichts zu segeln.

Liegen wir aber fest, schweben meine Gedanken am Abend im Cockpit oft in die Heimat. Möglicherweise ist es sogar so, dass die Möglichkeit, jederzeit zum Telefon zu greifen, das Heimweh verstärkt. Gerne würde ich unsere Eintracht mal wieder live sehen oder einen Bembel in einer Apfelweinwirtschaft leeren. Dieser Zug ist jedoch abgefahren. Anfang Juni.

Frankfurt Hauptbahnhof, Gleis 20, ICE nach Amsterdam

In ein paar Jahren gehe ich wieder ans Mainufer und ins Waldstation. Vorher werde ich auf die Kaneren, in die Karibik und die Südsee fahren, Australien sehen und noch viel mehr. Das wird spannend!

Dieser Beitrag erscheint während unserer Überfahrt nach Lanzarote. Bis nach Frankfurt sind es nur noch ca. 25000 Seemeilen.

Langfahrer und andere Segler

Ich habe in der Vergangenheit schon öfter von Langfahrern geschrieben und darüber die eine oder andere Aussage gemacht. Wir selbst rechnen uns auch dazu. Warum eigentlich? Und was unterscheidet Langfahrer bzw. Fahrtensegler von anderen Seglern? Andere Segler sind etwa die Regattasegler, die Chartersegler, die Wochenendsegler oder die Stegsegler… Diese Frage ist schon ein paar Mal in meiner Mailbox eingetroffen und ich möchte sie hier mit ein paar Bildern beantworten.

Hier, in der Marina von Lagos, liegen alle Typen von Seglern. Deswegen konnte ich mit der Kamera kurz durch die Marina laufen und ein paar Fotos machen. Ein Foto habe ich allerdings geklaut von der Webseite der Marina Kornati in Biograd, dort stehen über hundert Charterboote bereit. Alle sind gewienert und geputzt, sie warten auf den nächsten Charterkunden. Der freut sich über ein blitzendes, blinkendes Boot und hat einen schönen Urlaub.

Charterboote (Bild geklaut bei der Marina Kornati in Biograd)

Altmeister Bobby Schenk hat es auf seiner Homepage schon vor vielen Jahren erklärt. Die Fahrtensegler haben andere Prioritäten. Die Boote werden zumeist nicht gesegelt, sondern sie werden bewohnt. Gelegentlich verlegt man sie an einen anderen Ort, dort wohnt man wieder darauf. Das Segeln als solches tritt in den Hintergrund, es ist lediglich Mittel zum Zweck. Deswegen sehen Fahrtenboote meist nicht so blitzblank aus, sie haben andere Qualitäten.

Fahrtenboot

Bei diesem Exemplar aus Liverpool sieht man einen Windgenerator, Solarzellen und eine Menge Zusatzausstattung (Surfbrett, Hackenporsche, Dinghi, Spritkanister, Rettungsinsel, viele Antennen und und und….).

Die Zusatzausstattung ist in vieler Hinsicht auf den meisten Fahrtenbooten ähnlich. Ein wesentlicher Punkt ist die Energieversorgung. Charterboote werden zumeist von Hafen zu Hafen gefahren, selten über Nacht und die Zahl der Nächte in einer Ankerbucht ist überschaubar. Schon gar nicht bleibt der Charterkunde über einen längeren Zeitraum an derselben Stelle, dafür sind die Kosten viel zu hoch. Im Hafen gibt es eine Steckdose und deswegen braucht ein Charterboot weder Windgenerator noch Solarzellen.

Stromerzeugung

Fahrtenboote

Der Fahrtensegler wiederum möchte unabhängig von der Steckdose sein. Er hat dicke Akkus im Schiff verbaut und möchte diese möglichst immer nachladen, damit der Kühlschrank läuft und die Navigationsinstrumente funktionieren. Deswegen verziert er sein Boot mit allem, was irgendwie Strom in die Akkus pumpen kann. Ohne Strom ist nichts los. Der Chartersegler kann im Hafen den Wassertank aus dem Wasserschlauch füllen, der Watermaker des Fahrtenseglers braucht jede Menge Strom. In der Ankerbucht gibt es weder Steckdosen noch Wasseranschlüsse.

Dieselkanister

Reservesprit

Außer den regenerativen Energiequellen hat der Langfahrer nur den Dieselmotor (nebst dicker Lichtmaschine), um die Akkus wieder aufzuladen. Doch Diesel gibt es nur an der Tankstelle und die ist nicht in der Ankerbucht.Also führen die meisten Fahrtenboote noch mehr oder minder viele Reservekanister mit sich, um so lange wie möglich unabhängig zu sein. Wir auch.

Chartersegler, Regattasegler und Wochenendsegler kommen immer wieder an Tankstellen vorbei und können dort ihren Diesel nachfüllen. In meiner Zeit als Charterer habe ich immer vor der Rückgabe des Bootes getankt und mich gefreut, wenn ich in einer Woche weniger als 100 Liter Diesel verfahren habe. Mit 100 Litern Dieser kommen wir viele hundert Meilen weit, weil wir den Motor nur selten anwerfen. Wir haben – im Gegensatz zu Charterseglern – alle Zeit der Welt.

Drehbare Solarpaneele

Auf dem Foto rechts sind drehbare Solarpaneele zu sehen. So etwas haben wir auf der Sissi nicht, unsere sind starr nach oben gerichtet. Die Stromausbeute bei den drehbaren Paneelen ist natürlich besser, weil sie immer optimal zur Sonne eingestellt werden können. Das macht aber Arbeit, die wir uns sparen. Wir lösen das Problem durch die schiere Menge, die große Quadratmeterzahl unserer Paneele. Und wir könnten noch weiter aufrüsten…

Sissi – mit verbesserter Fahrtensegeloptik

Neben Windgenerator und Solarpaneelen sieht man am Heck von Sissi noch die Windfahnensteuerung. Die sieht man auch an 99% der anderen Fahrtenboote, denn ein elektrischer Autopilot verbraucht jede Menge Strom, mit dem man auch den Kühlschrank betreiben könnte. Sparsamkeit beim Strom ist auch so eine Priorität beim Fahrtensegeln. In Gesprächen am Steg, beim Grillen oder in der Hafenbar kommt man immer wieder auf den Stromverbrauch, die Stromerzeugung und die Stromspeicherung zu sprechen. Über die Wahl der richtigen Batterien gibt es Glaubenskriege (wir fahren übrigens einfache Blei-Säure Batterien).

Unterschiedlich groß, unterschiedlich alt und sicherlich unterschiedlich genutzt. Dafür aber poliert, blitzblank und derzeit (im November) unbewohnt. Diese Boote sind mit großer Wahrscheinlichkeit keine Fahrtenboote. Es gibt keine Einrichtungen zur zusätzlichen Stromversorgung, an welchen man normalerweise die Boote der Langfahrer immer erkennen kann.

Anker

Das Boot auf dem dritten Bild hat keinen Anker. Das kann kein Langfahrer sein. Möglicherweise hat der Besitzer den Anker mit nach Hause genommen, weil er das Boot winterfest gemacht hat. Wahrscheinlich hat er den Anker aber nur weggelassen, weil er ihn sowieso nicht benutzt. Der Anker ist eine super wichtige Ausstattung eines Fahrtenbootes, auch von Sissi, selbst wenn wir unseren bislang meist geschont haben. Das kommt noch. Langfahrer verbringen Wochen in Ankerbuchten und müssen sich auf ihr Grundeisen verlassen können. Spaziert man durch die Marina, dann fällt auf, dass sich bestimmte Ankerformen in der Szene etabliert haben.

Delta Anker
Bügelanker
Rocna Anker
Rocna Anker
Rocna Anker

Der derzeit beliebteste Anker scheint der Rocna Anker zu sein. Ganz billig ist er nicht, es werden ihm jedoch unbändige Haltekräfte zugeschrieben. Der Bügelanker spielt in derselben Liga. Den Delta Anker sieht man nicht mehr so oft. Wenn ich mit den Besitzern über Anker gesprochen habe, waren die Delta Anker eher älter. Manch einer der Besitzer dieser Anker möchte sie irgendwann gegen einen Bügel oder einen Rocna tauschen. So lange der Anker jedoch funktioniert, wird er eher nicht ausgetauscht. Nach Lektüre von Büchern, dem Schauen von vielen Videos auf Youtube und dem Lesen vieler Webseiten habe ich mich bei der Ausrüstung von Sissi auch für einen Rocna entschieden, denn den CQR-Anker, den wir vorher an der Sissi hatten, mussten wir im Ijsselmeer abwerfen (das ist keine Ankergeschichte, das ist eine Dieselmotor-Geschichte, die ich ein anderes Mal erzählen werde).

Sissi und ihr Hauptanker

Wir haben dazu noch zwei weitere, kleinere und leichtere Anker, die wir mit dem Dinghi ausbringen können, wenn es sein muss. Das ist bei 100% der anderen Fahrtenboote auch der Fall.

Bei den Charterbooten ist die Wahl des Ankers eher zweitrangig. Der Anker muss bei den Charterbooten mal einen Nachmittag arbeiten, wenn die Crew Badetag macht oder eine Nacht, wenn die Crew sich für das Abenteuer in der freien Natur entscheidet.

Die beiden nebenstehenden Anker sind fotografiert an zwei Charterbooten desselben Vercharterers in Lagos. Wenn es dem Besitzer wichtig wäre, hätte er zumindest beide Boote mit dem Anker ausgestattet, den er für den besten hält. So hat er wahrscheinlich den Anker genommen, der von der Werft mitgeliefert wurde. Die Wahl des Ankers ist auf einem Charterboot nachrangig.

Charterboot in Lagos

Fazit

Die Boote sind so unterschiedlich, wie es der Anwendungszweck der Boote ist. Langfahrer legen Wert auf größtmögliche Unabhängigkeit und weniger auf cooles Aussehen ihrer Fahrzeuge oder die guten Segeleigenschaften. Regattasegler wollen gute Segeleigenschaften, die Wohnlichkeit tritt in den Hintergrund. Chartersegler wollen ein blitzblankes Boot, mit dem sie eine schöne Urlaubswoche verbringen können. So ist das eben.

Es ist also völlig egal, ob wir mit Sissi von Lagos auf die Kanaren viereinhalb oder fünfeinhalb Tage brauchen. Wir verbringen die Zeit unter Segeln komfortabel und wenn wir erst einmal angekommen sind, bleiben wir gemeinsam mit den schnellen Seglern für einige Wochen an derselben Stelle. Oder der Nachbarbucht.