2. Advent

Es ist kalt geworden auf Lanzarote, am Morgen sind es nur 18°C. Wir tragen Pullis. Zumindest ist der Regen durchgezogen, es ist trocken. Und es ist an der Zeit, mal wieder den Standort von Sissi zu verlegen. Wir sind früh aufgestanden und wollen um 10 Uhr abfahren. Unser nächstes Ziel heißt Teneriffa. Das sind von hier aus 130 Meilen zu fahren, die Windvorhersage ist gut. Wir erwarten 15 bis 20 Knoten Wind, damit erreichen wir optimale Geschwindigkeit. Die Wellen sollen nicht höher als zwei Meter sein, das bedeutet eine ruhige Fahrt.

Neues von DHL, dem langsamsten Paketdienst der Welt
Ein Paket aus der Heimat hat uns bisher nicht erreichen können. Es ist seit dem 27. November unterwegs zu uns. Seit dem 2. Dezember vermeldet DHL, dass sich das Paket im Zielgebiet und “auf der Straße” befindet. So viele Straßen gibt es nicht auf Lanzarote, aber unser Paket scheint sie alle befahren zu wollen. Das ist sehr schade, doch die Chapos werden es hoffentlich für uns abholen und in die Karibik segeln können.

Das Katzenorakel sagt eine ruhige Überfahrt voraus

Du bist zu lange an einem Ort gewesen, wenn du den Fremdenführer für Gäste aus Deutschland machen kannst. Du bist zu lange an einem Ort gewesen, wenn die Frau im Marinabüro einer Riesenmarina deinen Schiffsnamen kennt. Du bist zu lange an einem Ort gewesen, wenn du den Standort der Katzen kennst, wenn die unvermeidlichen Anhalter in die Karibik es bei deinem Schiff schon gar nicht mehr probieren, mitgenommen zu werden.

Per Anhalter über den Atlantik
Gehört habe ich darüber schon viel, gesehen habe ich es erstmals in Lagos. Danach hier in Rubicon. Auf Teneriffa wird es sicher nicht anders sein. Junge Menschen mit mehr oder minder großen Rucksäcken laufen die Stege ab. Sie fragen bei allen Booten, die den Eindruck erwecken, dass sie in die Karibik fahren möchten, ob noch Hände gebraucht werden. “Hand gegen Koje” möchten sie machen, also sich die Überfahrt über den Atlantik erarbeiten. Sicherlich ein verlockender Gedanke, bei der dreiwöchigen Überfahrt nicht nur zu zweit zu sein. Andererseits ein verstörender Gedanke, gemeinsam mit zwei Fremden drei Wochen lang im engen Segelboot aufeinander zu hocken. Wir nehmen niemanden mit, wir sind komplett.

Beinahe seeklar
Seit gestern Nachmittag sind wir wieder einigermaßen seeklar. Heute sind wir schon um 7:30 Uhr aufgestanden, um die restlichen Vorbereitungen zu treffen. Wie immer müssen wir Sissi auf links drehen. Die Liegezeit im Hafen hinterlässt immer ihre Spuren. Es ist nur noch die Frage zu klären, ob wir den Parasailor ausgraben oder mit der neuen Genua segeln.

Wir haben eine leckere Mahlzeit für heute eingekauft, auch wenn ich befürchte, dass Jens sie wieder einmal mit Neptun teilen wird. Immerhin sind wir seit knapp einem Monat auf Lanzarote. Auf Teneriffa wollen wir nicht so lange bleiben. Der Starttermin für die Atlantiküberquerung ist beinahe erreicht.

Wir wünschen einen schönen 2. Advent

Wortspiele mit dem Begriff “Rubikon” drängen sich in meinem Hirn nach vorne. Letztendlich stimmt es in gewisser Weise auch. Wir sind an einem Punkt, an dem es sich nur noch schwer umkehren lässt. Mit jeder Meile, die wir weiter nach Westen segeln, wird es schwerer. Der Rubikon ist überschritten, Karibik, wir kommen!

Wir wünschen allen in der Heimat einen schönen 2. Advent. Macht etwas, was euch Spaß macht! Wir tun es. Wir segeln bei besten Bedingungen von Lanzarote nach Teneriffa. Adios für heute. Adios Lanzarote.

Segelbürokratiepapierkram

Ende gut, alles gut. Wir haben eine neue Genua gekauft und diese ist bei uns auf dem Schiff. Insofern hätte das alles schlechter enden können. Immerhin haben wir jede Menge Mehrwertsteuer eingespart. Allerdings frage ich mich, ob wir diese Genua überhaupt noch einmal mit in die EU nehmen dürfen. Vielleicht sollte ich nicht darüber schreiben?

Es fing alles damit an, dass wir unsere Genua während der Überfahrt zu den Kanaren zu spät gerefft haben und uns deswegen das Unterliek abgerissen ist. Es fing eigentlich schon beim Kauf von Sissi an, denn die Genua war nicht mehr richtig taufrisch. Der Segelmacher in Stavoren hat uns schon gesagt, dass sie nicht mehr lange halten wird. Deswegen war sowieso schon geplant, unterwegs eine neue Genua machen zu lassen. Blauäugig und unerfahren wie ich bin, wollte ich das auf den Kanaren erledigen. Dort sind viele Segelboote, wo Segelboote sind gibt es Segelmacher und Segelmacher machen Segel. Dachte ich. Und auf den Kanaren gibt es keine Mehrwertsteuer, also muss das Segel dort billiger sein. Dachte ich.

Genua beim Segelmacher

Wir trugen unsere Genua also in Puerto Calero zum Segelmacher. Der sollte uns das Unterliek annähen und eine neue Genua machen. Ersteres konnte er anbieten. Danach war die Genua zumindest wieder verwendbar. Letzteres konnte und wollte er nicht.

“Hier auf den Kanaren bestellen alle Leute ihre Segel entweder in Deutschland oder in England. Die Segel sind dort schneller fertig und kosten weniger.” So viel also zu meinem Plan. Also klemmte ich mich ans Telefon und fand einen Segelmacher in Deutschland, der uns schnell eine Genua nähen und nach Lanzarote schicken wollte. Da wir sowieso eine Woche in Frankfurt eingeplant hatten, war das mit der Wartezeit nicht so schlimm. Mit wurde genau erklärt, was wir alles ausmessen müssen, damit das neue Segel passt. Der Segelmacher in Puerto Calero hat uns noch beim Messen geholfen. So weit, so gut.

Ausmessen

Dann ging ich schnell noch an den Computer, habe die Anzahlung nach Deutschland überwiesen und telefonisch geklärt, wie das mit der Lieferung sein soll. Die Lieferadresse habe ich mir aus dem Internet heraus gesucht (Marina Rubicon) und übermittelt. Wir haben inzwischen so viele Lieferungen bekommen, dass es schon zur Gewohnheit wird, der Lieferadresse den Schiffsnamen und meinen Namen voran zu stellen. So weit, so gut.

Montag, 25. November
Während unseres Aufenthalts in Frankfurt ruft mich der Segelmacher an und teilt mir mit, dass die Genua versandfertig ist. Er will wissen, ob ich sie nicht lieber nach Frankfurt geliefert haben möchte, damit ich sie selbst mitnehmen kann. Das hätte ich sogar gemacht, wenn unser Rückflug nicht am nächsten Tag gewesen wäre. Das Segel wird also UPS anvertraut. Immerhin haben wir mit diesem Paketdienst noch keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Dienstag, 26. November
UPS sendet noch vor unserem Rückflug eine Email, dass unsere Genua am Donnerstag geliefert werden soll. Wow, dachte ich. Nur drei Tage von Deutschland bis Lanzarote. Da können sich andere Paketdienste einige Scheiben abschneiden.

Mittwoch, 27. November
UPS sendet eine Email, dass unser Segel in Gran Canaria eingetroffen ist. Dann folgen im Dreistundentakt weitere Emails, übrigens alle auf Spanisch, die eine Exception für die Lieferung vermeldeten. Mit Hilfe von Leo können wir herausfinden, dass es darum geht, dass die Genua im Zoll festhängt und es nicht an UPS liegt, dass sie nicht weiter transportiert wird. Egal. Die Genua ist schon ganz in der Nähe.

Donnerstag, 28. November
Der Tag der angekündigten Auslieferung. In meiner Mailbox sind schon wieder mehrere Mails von UPS, die weiterhin die Zollabfertigung vermelden. Liebe Leute in Deutschland, ihr wisst gar nicht, wie gut wir es mit der europäischen Zollunion haben. Die Genua bleibt im Zoll, ich komme kaum hinterher, die ganzen Mails von UPS zu löschen. Die haben da eine echte Spam-Maschine installiert.

Freitag, 29. November
Es kommt eine Mail von UPS, die die Auslieferung des Pakets für Montag, den 2. Dezember ankündigt. Schön. Das reicht uns. So weit, so gut.

Montag, 2. Dezember
Am frühen Nachmittag bekomme ich eine Mail von UPS, dass das Paket hätte ausgeliefert werden sollen, die Marina aber die Annahme verweigert hat. Wir finden heraus, dass es darum ging, dass 210€ Zollgebühren fällig gewesen wären und dass die Marina nicht “das Paket”, sondern “den Papierkram” abgelehnt hat. UPS sendet eine Mail, dass das Paket nun auf dem Rückweg sei. UPS fragt an, ob die Ware vernichtet werden darf. Jens und ich drehen durch. Die Marina hat uns erklärt, dass bei der Adresse der Zusatz “yacht in transit” fehlt. Wie bekommen wir diesen Zusatz auf die Adresse? Bei UPS meldet sich niemand mehr.

Dienstag, 3. Dezember
Wir versuchen, UPS auf Gran Canaria zu erreichen. Aussichtslos. Bei UPS in Spanien spricht man kein Englisch. Wir sprechen kein Spanisch. UPS in Deutschland können wir von hier aus nicht anrufen, weil die 0180er Nummer nicht aus dem Ausland anrufbar ist. Wir versuchen, die Adressänderung über den Segelmacher zu erreichen. Ich rufe Marcos an, meinen ehemaligen Chef, der Spanisch als Muttersprache kann. Er erklärt sich bereit, mit UPS in Spanien zu telefonieren. Außerdem kann er mit UPS in Deutschland telefonieren.
Jutta von der Chapo ruft ihren Sohn an. Der spricht ebenfalls fließend Spanisch. Ihm gelingt es, den Paketfahrer Alberto zu erreichen. Der hat das Paket noch in seinem Auto liegen. Jens überredet den Chef von der Marina, das Paket doch anzunehmen. Zum Glück hat Alberto die schwere Kiste noch nicht wieder aus dem Auto ausgeladen. Alberto will am folgenden Tag noch einmal vorbei kommen.

Lieferwagen

Mittwoch, 4. Dezember
Wir warten gespannt auf Alberto. Ich campiere mit einer Brotzeit in der Nähe des Marinabüros im Schatten. Jens wartet am Boot, falls Alberto das Paket direkt an den Steg fährt. Derweil darf er das Deck weiter streichen. Am frühen Nachmittag ist es dann so weit. Der Lieferwagen kommt.

Daumen hoch!

Alberto liefert das Segel im Marinabüro ab und kassiert die 210€ Zollgebühren. 30 Sekunden später bekomme ich von der Marina eine Rechnung über 270€. Die schlagen einen Haufen Gebühren für die Annahme des Pakets drauf. Egal. Scheißegal.

Alberto bringt uns das Segel dann noch an den Steg und bekommt von Jens ein freundliches Trinkgeld in die Hand gedrückt. Vielleicht wird er noch ein Segel für einen anderen Segler transportieren. Auf jeden Fall macht er keinen unglücklichen Eindruck auf mich, als er die Marina wieder verlässt.

Paket mit dem Segel drin

Nun liegt sie da, unsere neue Genua. Wir würden sie gerne hochziehen, doch das ist mit den Windböen derzeit gerade nicht möglich. Das Paket haben wir ausgepackt, die Genua in der Vorschiffskoje verstaut und darauf ein Bier getrunken.

Einerseits hat der Spaß eine Menge Zoll- und Marinagebühren gekostet, andererseits haben wir durch die Lieferung nach Lanzarote eine Menge Mehrwertsteuer gespart. Das ist das Gute daran. Hätten wir das Segel nach Frankfurt liefern lassen, wäre das nicht der Fall gewesen.

Segel

Ob wir die neue Genua allerdings wieder nach Deutschland einführen dürfen, weiß ich nicht. Vielleicht müssen wir sie dann noch versteuern. Ich hebe sicherheitshalber mal die Rechnung mit den Gebühren auf. Es geht westwärts, da gilt das deutsche Zoll- und Steuerrecht nicht.

Danke an alle, die uns geholfen haben oder helfen wollten, das Tuch aus dem Zoll zu bekommen. Danke an Alberto, David, Jutta, Marcos, Stefan und Frau N. von der Segelmacherei. Alles ist gut.

F*cking Regen

Lanzarote liegt in der Passatzone,
was dazu führt, dass auf der Insel
ganzjährig frische Winde
aus Nord bis Nordost wehen.
Lanzarote besitzt ein ganzjährig mildes und
niederschlagsarmes arides Klima, da die
Passatwinde an der relativ flachen Insel
meist nicht abregnen.
(Quelle: Wikipedia)

Wir sind gerade zwei Stege weit gelaufen und haben unsere T-Shirts wechseln müssen, weil sie durch geregnet sind. Dabei hatten wir schon geduscht. Es regnet auf Lanzarote nur, wenn man am Nachmittag das Deck des Schiffs mit frischer neuer Antirutschfarbe gestrichen hat.

Es regnet dann, wenn man bei Freunden auf einem anderen Schiff zum Abendessen eingeladen ist. Es regnet, wenn man vergessen hat, eine der Dachluken zu schließen. Es regnet, wenn die Schuhe auf dem Steg stehen.

Mit 112 Millimetern Niederschlag
pro Jahr ist Lanzarote die trockenste
der Kanarischen Inseln.
85 Prozent der Niederschläge fallen von
Januar bis März. Die relative Luftfeuchtigkeit
beträgt im Mittel 70 Prozent.
Im gebirgigen Norden können mit bis zu
300 Millimetern pro Jahr deutlich mehr
Niederschläge fallen als im Süden.
(Quelle: Wikipedia)

Es regnet in Playa Blanca. Weiter südlich kann man sich auf Lanzarote nicht befinden. Wikipedia ist Mist. Ich habe keine Ahnung, wie wir das Innere von Sissi in den nächsten Tagen wieder trocken bekommen sollen. Natürlich dreht der Wind und natürlich regnet es durch den offenen Niedergang direkt in den Salon.

Unser Großfall schlägt gerade gegen den Mast, der Wind hat gedreht. Keiner von uns ist motiviert, nach dem Wechsel der T-Shirts noch einmal an Deck zu gehen, um den Lärm zu beenden. Es regnet.

Regen in Rubicon

Auch am folgenden Morgen peitschen Regenschauer durch die Marina. Der Regen bringt Sand mit, der sich geschmeidig in jeder Ritze an Deck breit macht. Toll.

1. Advent

Mit ein paar Tagen Verspätung schreibe ich diesen Beitrag zum ersten Advent. Der war vorgestern. Schon in Deutschland finde ich weihnachtliche Stimmung ziemlich doof, hier wirkt es noch skurriler. Bei 28°C am ersten Advent. Wir fühlen uns auch ohne Weihnachten wohl.

Apothekenthermometer in Playa Blanca

Um den Tag gebührend zu begehen, haben wir entschieden, gemeinsam mit den Chapos die Tapas Bar in Yaiza zu besuchen, die Jens und ich schon vor unserem Flug nach Frankfurt entdeckt haben. Der Besuch stand noch aus.

Wir spazierten gemütlich zur zentralen Bushaltestelle in Playa Blanca und haben nur wenige Katzen auf dem Weg zum Bus gestreichelt. Wenn wir sie alle gestreichelt hätten, wären wir nicht pünktlich zur Abfahrt da gewesen. Dann waren es nur noch 15 Minuten Busfahrt und wir standen vor der Tapas Bar.

Der Laden brummt

Anfangs bekamen wir gar keinen Tisch, so voll war das Restaurant. Wir wurden in keinerlei Hinsicht enttäuscht. Innen waren keine dicken Briten oder Deutsche, sondern fast nur Einheimische, die mit ihren Familien das Sonntagsessen genossen. Den Tisch konnten wir nahtlos von einem italienischen Paar übernehmen und anschließend endlich zur Essensbestellung schreiten. Es war dringend, unsere Mägen knurrten lauter, als ein hungriger Pitbull. Eine Speisekarte gibt es nicht.

Essensbestellung

Die einfachen Speisen sind alle vorgekocht und warten auf die hungrigen Gäste. Man tritt an den Tresen und sucht sich aus, was man alles essen möchte. Dabei wurden wir als ausländische Gäste vom Wirt hofiert, der uns auch die Teller ordentlich vollgeladen hat. Diese wanderten dann in die Mikrowelle und fertig ist das Mittagessen. An den anderen Tischen duftete es schon verführerisch.

Die Mikrowelle ist klein, der Hunger war groß. So hatten wir den ersten Teller schon fast leer, als der Wirt uns den zweiten Teller an den Tisch getragen hat. Als Tischwein hatten wir einen Weißwein aus Lanzarote ohne Etikett. Es war der beste Wein, den wir bisher auf dieser Insel bekommen haben. Dazu gab es Fleischbällchen, Fisch, Nudeln, Gemüse, Kichererbsen, Kartoffeln, (…).

Ich bin ja nicht der Typ, der sein Essen fotografiert – wenn es nicht gerade Rippchen mit Kraut ist. Doch in dieser Bar konnte ich nicht anders. Alles ist ganz einfach gehalten und alle Speisen sind extrem lecker. Jens und ich haben entschieden, dass wir noch einmal dort hinfahren müssen. Außerdem möchte ich dem Wirt zwei oder drei von diesen Weinflaschen abschwatzen.

Charly und Jens kommen aus der Bar

Für den Geldbeutel war dieses Essen eine echte Erholung. Für vier Personen kostete es mit Vorspeisengetränk, Wein und Tapas nur 45€. Ab jetzt ist es kein Geheimtipp mehr, denn es steht im Internet.

Der Volksmund spricht, dass man nach dem Essen ruhen oder tausend Schritte tun soll. Ruhen konnten wir nicht, also haben wir uns für einen Spaziergang entschieden. Bis der Bus wieder Richtung Playa Blanca fahren sollte, war noch über eine Stunde Zeit. So setzten wir die Ortsbesichtigung dort fort, wo wir vor zwei Wochen abbrechen mussten. Im Inneren der kleinen Kirche.

Kirche in Yaiza

Selbstverständlich steht in der Kirche eine Krippe. Die Kirche ist schön gestaltet und wirkt nicht überladen. Ein Besuch, der sich für uns gelohnt hat, denn auf der Rückseite der Kirche haben wir dann noch eine Art “Krippe” gefunden. Ich fand es total putzig, denn die Yaizaer (?) bzw. Yaizaner oder Yaizäner, also eben die Einwohner des Orts Yaiza, haben ein Miniatur-Lanzarote aufgebaut.

Miniatur-Lanzarote mit Vulkan

Eigentlich fehlt nur noch eine Märklin-Eisenbahn, um das Ensemble komplett zu machen. Ich kann darauf nur verzichten, weil es auf Lanzarote keine Schienen gibt. Um die Installation kann man komplett herum gehen und findet etwa die Salinen, den Ort El Golfo oder die Kochlöcher von Los Hervideros. Es ist alles da!

Christbaumkugeln

Wir machten uns einen Spaß daraus, weihnachtliche Grüße in die Heimat zu schicken. So zum Beispiel mit Zitronen als Christbaumkugeln. Die Chapos sammelten Zutaten für einen Adventskranz.

Jutta und Charly mit ihrem zukünftigem Adventskranz

Noch einmal vielen Dank für die Einladung zum Essen! Danke für den schönen Nachmittag, an dem wir so viel gelacht haben.

An einen so schönen Nachmittag darf natürlich die obligatorische Katze nicht fehlen. Diese hier lief immer wieder vor uns davon und hatte Angst. Irgendwann setzte sie sich endlich hin und beobachtete uns misstrauisch, wie wir eine Aufnahme von ihr angefertigt haben. Auch für den cat content war somit gesorgt.

Cat content

Satt und müde war es an der Zeit, sich an die Bushaltestelle zu bewegen. So richtig pünktlich sind die Busse nicht, die Wartezeit an der Haltestelle musste also überbrückt werden.

Entweder bin ich noch nicht so recht süchtig nach meinem Smartphone oder es liegt an meinem Telefonvertrag mit arg begrenztem Datenvolumen. Ich bin der einzige aus unserer Vierergruppe, der kein Handy in der Hand hält. Jutta hält ihres zum Fotografieren.

Warten auf den Bus

Nach Einbruch der Dunkelheit sind Jens und ich dann noch einmal durch Playa Blanca gelaufen, um die allerorten angebrachte Weihnachtsbeleuchtung in Aktion zu sehen. Wir wollten sehen, wie auf den Kanaren zu Weihnachten dekoriert wird.

Einkaufsmeile in Playa Blanca

Die Einkaufsmeile könnte überall in Europa sein. Dort finden sich dieselben Marken, wie sie auch in einer deutschen Fußgängerzone zu finden sind, ähnliche Chinashops und natürlich Souvenirläden an jeder Ecke.

Weihnachts”baum” am Ankerkreisel

Der “Baum” ist skurril. Ein Tannenbaumersatz auf einer Insel, die praktisch keine frei lebenden Bäume hat. Lachen mussten wir nicht, die beste Installation haben wir allerdings in einem Verkehrskreisel am Ortseingang gefunden. Eine Weihnachtswindmühle. Was das mit Weihnachten oder Lanzarote zu tun hat? Keine Ahnung.

Weihnachtsmühle

Es war genug, der erste Advent war fast vorbei. Also lenkten wir unsere Schritte wieder in die Marina, lichteten unterwegs noch eine wunderschöne Straßenkatze ab und horchten anschließend, was uns unsere Matratzen so zu flüstern hatten.

Gute Nacht, Katze!

Wir wünschen allen eine lustige Adventszeit.

Rückgabetag

Wir müssen das Speed-Dinghi wieder in seinen Heimathafen zurückbringen. Davor wollen wir aber noch eine kleine Runde über die Insel drehen und an der Westküste einige Stellen anschauen, die wir bislang noch nicht gesehen haben.

Im Nationalpark mussten wir für den ersten Fotostopp anhalten – zwei Gründe: Einmal war ein schönes Motiv zu sehen mit Gärten inmitten von Steinmauern, Versuche des Menschen, die Insel kultivierbar zu machen.

Gärten am Rande des Nationalparks

Zum Anderen spukt mir ein Spruch durch den Kopf, der sich auf dieser Insel inmitten der Lavabrocken immer mehr verfestigt hat. Wir mussten die Hauptstraße verlassen, um die Gärten zu fotografieren. Da ist sonst außer der Lava nicht viel. Der Spruch wurde früher immer mal wieder in Eisenbahn-Newsgroups gebracht, wenn Pufferküsser mit ihren Autos und hoher Geschwindigkeit den Zügen auf irgendwelchen Pisten nachgefahren sind. “Company cars and rental cars may go anywhere.” Dieser Spruch ist auf seinen Wahrheitsgehalt zu prüfen.

Company cars and rental cars may go anywhere. Stimmt.

Wir befreien den Wagen wieder aus der Lava und setzen unsere kleine Tour fort. Nach der Querung des Nationalparks Timanfaya landen wir dann wieder inmitten weißer Häuser, die unterhalb von braunen Bergen stehen. Eine Ortschaft lädt uns zu einem kleinen Fotostopp ein – La Santa. Immerhin ist bald Weihnachten. Weihnachten werden wir wohl inmitten des Atlantik verbringen.

La Santa – gut einen Monat vor Weihnachten

Weiter geht es, wir müssen uns beeilen, eine Tankstelle erreichen, bevor wir den ganzen Sprit verbraucht haben. Wir haben aber immer noch die Zeit, einen fantastischen Himmel zu fotografieren.

Himmel über Lanzarote

Zuletzt geben wir den Wagen zurück. Der Vermieter will sich gar nicht anschauen, ob der Wagen in ordentlichem Zustand ist. Wir werden gefragt, ob der Tank noch zu einem Viertel gefüllt ist. Warum haben wir Ochsen eigentlich voll getankt? Anschließend gehen wir zur Bushaltestelle und warten auf den Bus, der uns in die Marina zurück bringt. Während wir auf den Bus warten, ergibt sich dann noch einmal eine wunderschöne Lichtsituation unter den Wolken. Heute war der Himmel traumhaft schön.

Wolkenformation

Blanker Bauch am Strand

Wir verbringen eine schöne Zeit auf Lanzarote. Jeden Tag arbeiten wir ein paar Stunden an Sissi, damit wir nächsten Monat eine entspannte Überfahrt über den Atlantik haben. Dann schnappen wir uns unseren Mietwagen und sehen uns ein paar Sehenswürdigkeiten an, gehen Wandern oder essen im Restaurant. Uns wurde vorher erzählt, dass man hier ganz viele deutsche Rentner findet, die den Winter auf Lanzarote verbringen. Auch sonst müssen hier ja ganz viele Touristen sein – nur wo sind die denn? Außer in der Hauptstadt Arrecife gibt es keine Hochhäuser, in Arrecife gibt es genau eins. Und große Resorts und Hotelanlagen haben wir auch nicht gesehen. Bislang jedenfalls. Und dann kommen wir ganz in den Süden, nach Playa Blanca. Hier werden die Klischees bedient.

Playa Blanca – der Turm ist keine Kirche, er gehört zu einem Viersternehotel

Ein solches Ambiente hätte ich an wesentlich mehr Stellen der Insel erwartet. Zum Glück sieht es fast überall anders aus. Hier findet man deutsche Speisekarten, Wiener Schnitzel, Paulaner Bier in der Strandbar und im Supermarkt stehen Warsteiner, Krombacher, Bitburger und Oettinger Bier einträchtig nebeneinander im Kühlregal. Playa Blanca.

Touristengrill

Der Strand mit Sonnenschirmen und halb gegrillten Touristen, an der Strandpromenade lösen sich Souvenirläden, Strandbars und Kioske ab. Dazwischen sind immer wieder Hoteleingänge und geschlossene Bereiche.

Bikers Beach Club und Burger King

Alle namhaften Fast Food Ketten haben sich in Strandnähe niedergelassen und der Bikers Beach Club ist am frühen Nachmittag sehr gut gefüllt. Spaziergänger an der Standpromenade tragen gekühlte Bierdosen in der Hand, Kinder plärren und deutsche Wortfetzen dringen an allen Ecken in unsere Ohren. Das ist in etwa das Bild, das ich von Lanzarote erwartet hatte.

Katzenhaus

Vor einem der Hotels finden wir eine kleine Futterstelle für Katzen und stilecht liegt eine schwarze Katze davor. Natürlich ist sie schwarz, sonst wäre sie leicht zu fotografieren. Wir laufen mit offenen Augen weiter entlang der Strandpromenade und siehe da, die schwarze Katze ist nicht allein.

Nicht nur die Dosenöffner entspannen

Die Dosenöffner legen sich für ihre Entspannung an den Strand in die Sonne, die wahren Herrinnen der Welt in den Schatten. Unsere Anwesenheit entlockt diesem Spitzohr nur ein müdes Augenzwinkern.

Ich bemühe dann noch einmal den Leo. Leo ist ein Wörterbuch im Internet, ohne das wir unsere Reise nicht hätten machen können. Damit kann man nicht nur nach Englisch, sondern auch nach Französisch, Portugiesisch und Spanisch übersetzen lassen. Das ist sehr praktisch, wenn man die Vokabeln nicht kennt. “Playa Blanca” heißt übersetzt auf Deutsch: “Weiße Haut am Strand”.

Playa Blanca

Das hier ist nicht unsere bevorzugte Ecke auf Lanzarote. Wir liegen hier mit Sissi, weil wir demnächst nach Teneriffa weiter fahren wollen und der Hafen ein prima Absprungpunkt ist.

Yaiza

Ich habe auf Lanzarote noch keinen Ort gesehen, der in seiner Authentizität Yaiza überbieten könnte. Auf dem Rückweg von Timanfaya kamen wir erstmals durch Yainza hindurch.

Yaiza

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich schon, dass die vielen weißen Häuser mitnichten alle irgendwelche Touristenresorts sind, sondern dass praktisch alle Häuser auf Lanzarote in dieser Farbe gestrichen sind.

Wir wollten während unseres Aufenthalts einen Ort finden, in dem die Einheimischen die Kirche und die Kneipe besuchen. Einen Ort, in dem nicht die Hotels und Ferienanlagen das Ambiente dominieren. Einen Ort, in dem das Restaurant keine deutsche Speisekarte hat.

Tapas Bar in Yaiza

Wir glauben, diesen Ort in Yaiza gefunden zu haben, und werden im Laufe unseres Aufenthalts auf dieser Insel auch noch genau diese Tapas Bar besuchen. Der berühmteste Mensch aus diesem Ort ist sicherlich der Pfarrer, der über den Vulkanausbruch im heutigen Nationalpark TImanfaya einen Augenzeugenbericht angefertigt hat.

Radfahrer auf dem Weg durch Yaiza

Ähnlich wie diese Radfahrer sind wir bei unserer ersten Durchfahrt aus Süden durch den Ort gefahren und haben uns sofort vorgenommen, hier noch einmal die Kameras kreisen zu lassen.

Hauptstraße

Auffällig ist, dass hier im Gegensatz zu vielen anderen Orten, durch die wir gefahren sind, wirklich Leben auf der Straße ist. Otto-Normaltourist wird diesen Ort niemals sehen, denn es wurde eine Umgehungsstraße gebaut und auf der Straßenkarte von Lanzarote sind hier keine Sehenswürdigkeiten verzeichnet.

Weinreben im Garten

Dafür findet man aber abseits der Hauptstraße schön gepflegte Häuser und Gärten, zum Beispiel auf dem obigen Bild Weinreben, die akkurat mit kleinen Mäuerchen eingezäunt und individuell bewässert werden. Wasser ist bekanntermaßen knapp auf dieser Insel.

Violett…
…Orange…
…Rot…
…oder Gelb. Es gibt hier andere Farben als Schwarz, Braun und Grau.

Die Gemeinde hat auf den öffentlichen Flächen viele verschieden farbig blühende Pflanzen aufgestellt, die wir hier noch Mitte November in ihrer ganzen Pracht bewundern durften. Eine Wohltat für das Auge und mal wieder ganz andere Farben. Toll.

Kirche

Vor der Kirche sehen wir gerade ein Paar, das sich entschlossen hat, doch nicht den Gottesdienst zu besuchen. Wir waren in der Kirche und hätten sogar Fotos vom Inneren machen können, haben aber davon abgesehen, weil just zum Zeitpunkt unseres Besuchs der Pfarrer den Gottesdienst begonnen hat. Da wollten wir dann aus Respekt nicht mit den Kameras hantieren. Aber wir kommen wieder, wir wollen ja die Tapas Bar noch besuchen. Vielleicht hat die Kirche dann auch geöffnet.

Kirche und Tapas Bar

Gleich hinter der Kirche ist die Bar. Das ist doch wie in Bayern, dachte ich mir. In der Bar sitzen die Männer und trinken, in der Kirche sitzen die Frauen und beten. Das Rollenbild ist alt hergebracht.

Zentraler Punkt im Ort – die Bar

Endlich wieder mal ein Ort mit echtem Leben. Auch wenn es nur spärlich zu sehen ist, wie die bunten Pflanzen in ihren Farben. Endlich keine dicken, blank gezogenen Bäuche am Strand, sondern ganz normale Menschen. Dieser Ort ist erfrischend anders. Zum Glück hat dieses Blog nicht die nötigen Zugriffszahlen, die so etwas verändern könnten. Ich werde Jens davon abhalten, das auf Instagram zu veröffentlichen.

Jens in Yaiza

Yaiza. Ein Ort, den man eigentlich nicht findet. Hauptstadt der Gemeinde und doch in keinem Touristenführer verzeichnet. Mit dem Auto fährt man automatisch daran vorbei. Es gibt so gut wie keine Hotels, kein Schwimmbad, keine Diskothek. Dafür nimmt der Geldautomat im Ort keine Extragebühren und die örtliche Bar ist nicht von Briten, Deutschen oder anderen Touristen bevölkert. Der Traum eines Individualtouristen. Jens und ich werden dort noch Tapas essen und stilecht mit dem Linienbus anreisen.

Anfang und Ende dieses Beitrags: Die Tapas Bar

Cueva de los Verdes

Wieder einmal haben wir uns das volle Touristenprogramm gegeben. Für 9,50€ pro Person haben wir die Cueva de los Verdes besucht. Es handet sich dabei um einen der größten Lavatunnel der Welt und wie immer brauchst Du nur auf den Link zu klicken, um in der Wikipedia den ganzen Rest nachzulesen.

Eingang zur Cueva de los Verdes

Wir fahren auf den geräumigen Besucherparkplatz und lassen uns von einem freundlichen Marinero einen Liegeplatz für unser Speed-Dinghi zuweisen. Dann packen wir unsere Rucksäcke und ich beginne leise an zu fluchen. Ich will nämlich meine Kamera aus dem Rucksack nehmen und stelle fest, dass sie es sich für den Tag auf dem Navigationstisch von Sissi bequem gemacht hat. Also ohne. Also nur mit dem Handy.

Eingang ohne Touristen. Die Gruppe vor uns ist gerade losgegangen.

Nach der Bezahlung des Eintrittsgelds müssen wir noch ein paar Minuten auf den Beginn der nächsten Führung warten. Die Höhle darf man nämlich nicht alleine besuchen, sondern nur in einer geführten Gruppe. Das alles relativiert sich natürlich wieder, denn die Gruppengröße ist auf 50 Personen begrenzt. Dann kann man schon mal verloren gehen, länger stehen bleiben und ein schönes Foto machen. Aber ich habe die Kamera ja an Bord vergessen.

Unsere Gruppe sammelt sich im Eingangsbereich

Am ersten Treffpunkt erklärt die Höhenführerin, dass es sich um ein sieben Kilometer langes Höhlensystem handelt, dass innen immer angenehme 20°C herrschen und dass man auf den Treppen auf keinen Fall fotografieren darf. Unfallgefahr. Das wiederholt sie noch ein paar Mal. Vergebene Mühe, so mancher hat stolpernd auf den Treppen geknipst. Dann geht es los, wir müssen uns tief bücken. Die Treppe im Eingangsbereich ist vielleicht 1,20 Meter hoch. Spannend.

In Großbritannien hätten die Besucher Helme bekommen, in Frankreich hätte man wohl einfach den Eingang vergrößert.

Mineralien an den Wänden

Wir bekommen einen kleinen Vortrag über die verschiedenen Mineralien an den Wänden. Phosphat, Calciumcarbonat, Rost. Und natürlich Lava, Lava, Lava, ist doch die Höhle vor ein paar tausend Jahren durch einen Vulkanausbruch entstanden. Insgesamt ist die Höhle 7 km lang, unser Rundgang jedoch nur einen Kilometer.

Touristen und Lava

Wie auch sonst an vielen Stellen auf dieser Insel befinden sich viele Touristen und viel Lava in dieser Höhle. Ich bin gar nicht mehr so unglücklich, dass meine gute Kamera auf der Sissi geblieben ist, denn das Handy hat einen genialen Nachtfotomodus. Damit werden die Bilder so hell, als hätte ich sie draußen bei Sonnenlicht fotografiert. Jedenfalls manchmal, wenn die Beleuchtung der Höhle stimmt.

Keine Stalagtiten!

Die spannenden Muster, die teilweise zu bewundern sind, sind keine Stalagtiten. Darauf legt die Höhlenführerin großen Wert. Es tropft hier auch kein Wasser rein, die Insel ist schließlich ziemlich trocken. Die Formen kommen alle von der erkaltenden Lava, die hier einst durch den Tunnel zum Meer geflossen ist.

Jens ist etwas gefllasht – ohne Blitzlicht

Wir wurden gebeten, kein Licht oder Blitzlicht für die Fotos zu benutzen. Natürlich halten sich nicht alle daran. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Fotos mit Blitzlicht besser werden, als diese fast ausschließlich computergenerierten Nachtaufnahmen. Begeistert nehme ich Bild um Bild auf, einfach aus der Hand. Was heutzutage mit der Bildverarbeitung möglich ist, ist ganz schön krass.

Niedrige Deckenhöhe

Auch tiefer in der Höhle gibt es immer wieder Wegstücke, die man nicht aufrecht beschreiten kann. Ich habe mal aus der Hüfte nach hinten geschossen, um die nach mir folgenden Touristen beim beinahe Krabbeln zu fotografieren.

Jens sitzt im Konzertsaal

Am hintersten Ende der Höhle ist ein Konzertsaal, der wohl eine ausgezeichnete Akkustik hat. Wir durften Platz nehmen, doch leider hat sich unsere Höhlenführerin nicht an den Flügel gesetzt und aufgespielt, sondern nur von den Konzerten erzählt. Und von der Forschungsstation, die ebenfalls in der Höhle eingerichtet ist und die seismische Wellen beobachtet.

Höhlenführerin im Konzertsaal

Auf dem Foto sieht es fast schon aus, als würde sie ein Orchester dirigieren. Doch sie hat nur sehr viel mit ihren Händen erzählt (in zwei Sprachen – Spanisch und Englisch). Anschließend geht es für den Rückweg auf die zweite, die obere Ebene.

Zwei Ebenen in der Höhle sind zu erkennen

Wer sich die Überraschung nicht verderben will und in der Zukunft einen Höhlenbesuch plant, der sollte an dieser Stelle mit der Lektüre aufhören und auch keine weiteren Bilder mehr anschauen. Ansonsten ist nämlich die Pointe abgesoffen.

Wirklich. Ich meine das ernst. Es ist wirklich überraschend! Und es ist sehr, sehr schön. Wir werden alle gebeten, uns vor einem tiefen Loch zu versammeln, dort sollen wir ganz leise sein.

Versammelte Gruppe vor dem Loch

Das Loch sieht schon wunderschön aus. Die Höhle zeigt sich irgendwie symmetrisch und das ganze Ambiente ist wirklich stilvoll beleuchtet. Es wird spannend. Die Führerin nimmt einen Stein in die Hand und drückt ihn einem der Touristen in die Hand. Er möge den Stein in das Loch werfen und wir sollen auf das Echo hören.

Zwei wunderschön und stilvoll beleuchtete Ebenen

Der Stein fliegt kurz und es macht “Platsch”. Die zweite Ebene ist in Wirklichkeit eine Spiegelung in einer Pfütze. Das Wasser ist auch nicht auf natürlichem Weg hierher gekommen, sondern es wurde genau zu diesem Zweck dorthin geschafft. Dies sei eines der größten Geheimnisse von Lanzarote, meint die Führerin mit einem augenzwinkernden Schmunzeln. Klasse! So macht man es. Da hat sich jemand etwas bei gedacht.

Das Wasser kräuselt sich noch leicht

Leider ist der Andrang der fotografierenden Touristen plötzlich so brutal, dass ich erst für mein Bildchen an die Reihe komme, als sich das Wasser schon fast wieder beruhigt hat. Doch nun ist sehr schön zu erkennen, dass es sich um eine Spiegelung handelt und nicht um zwei Ebenen des Höhlensystems.

Jens benutzt ein Lava-Stativ

Die war der Höhepunkt der Tour und so gehen wir langsam in Richtung Ausgang. Es wird gefilmt, geknipst und über die Spiegelung diskutiert. In vielen verschiedenen Sprachen. Ich kenne nicht alle diese Sprachen, aber alle Leute klingen begeistert.

Große Halle vor dem Ausgang

Wir verlassen die Höhle, kneifen die Augen ob der großen Helligkeit draußen zusammen und schlendern gemütlich auf den Parkplatz zurück. Ein toller Ausflug!

El Golfo

Nein, nein, wir waren nicht Golf spielen. Ich kann das gar nicht und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich freiwillig über einen Golfplatz laufe. El Golfo ist ein Küstenort auf Lanzarote. Wir waren dort.

Vom Wind gepeitschte Palmen am Ortseingang von El Golfo

Wie alle (!) Orte auf Lanzarote besteht auch dieser aus weißen Häusern. Ich hatte ja versprochen, dass ich ein solches Dorf mal abbilden werde – nun ist es so weit. Dieser Ort hat viele Hotels, Fischrestaurants und dazu vor der Küste ganz tolle, brechende Wellen.

El Golfo

Vom großen Parkplatz am Ortseingang aus sind es nur wenige hundert Meter auf einem gut ausgebauten Wanderweg, bis man El Lago Verde, den grünen See erreicht. Es handelt sich um einen ehemaligen Vulkankrater, der irgendwie unterirdisch mit dem Meer verbunden ist und seine grüne Farbe durch Algen bekommen hat.

El Lago Verde

Viel mehr Informationen zum Ort und zum grünen See gibt es wie immer im verlinkten Wikipedia-Beitrag. Ich bin schon sehr froh über die Wikipedia, so muss ich das alles nicht selbst niederschreiben, sondern kann einfach einen Link legen.

Blick vom grünen See auf El Golfo

El Golfo hat keinen Hafen, die wenigen kleinen Boote sind von den Bewohnern in der nächsten Bucht an Land gezogen worden. Wenn man sich anschaut, wie der Atlantik hier auf die Küste eindrischt, möchte man sich nicht vorstellen, wie sich das in einer solchen kleinen Nussschale anfühlt. Seekrankheit für Landratten ist garantiert.

Die Boote vor El Golfo

Immer mehr freue ich mich über unsere Entscheidung, ein Auto für die Erkundung der Insel zu mieten. Nur so konnten wir in diese wunderschönen Ecken kommen. Der ÖPNV ist zwar einigermaßen ausgebaut, wir hätten jedoch niemals in so kurzer Zeit die Vielfalt der Eindrücke genießen können.

Los Hervideros

An der südlichen Lavaküste von Lanzarote liegt “Los Hervideros”. Ein beeindruckender Ort, an dem wir uns sehr erfreut haben. Es gibt Küsten, die sieht man am besten vom Boot aus, an anderen Küstenlinien möchte man mit dem Boot, erst recht mit dem Segelboot, einen größeren Abstand einhalten. Diese Lavaküste gehört dazu.

Begrüßungsschild

In Timanfaya haben wir gesehen, wo die Vulkane ausgebrochen sind und ihre Lava durch die Landschaft geschleudert haben. In Los Hervideros konnten wir sehen, wo der Lavafluss im Meer endete. Die See ist dort nicht besonders tief, das äußert sich durch beeindruckende, brechende Wellen.

Wellen brechen sich an der Küste

Bleibt man geduldig mit der Kamera für einige Minuten am selben Ort stehen, hat man die Gelegenheit zu phantastischen Aufnahmen spritzender Gischt. Die hohe Kunst ist es, zur rechten Zeit auf den Auslöser der Kamera zu drücken. Das vergisst man vor lauter Staunen sehr leicht.

Die Gischt spritzt

Das besondere an dieser Stelle sind die sogenannten Kochlöcher. Zum Namen habe ich keine Erklärung auf Wikipedia finden können, ich kann es mir nur so erklären, dass die See in diesen Löchern quasi kocht.

Eine Welle rollt an

Wenn die Welle angerollt ist, läuft sie in die Löcher hinein, wird von den Steinen reflektiert und spritzt wieder zurück. Ein toller Anblick!

Reflektierte Welle und wieder sprühende Gischt

Die Löcher sind durch natürliche Erosion entstanden, also nicht eine direkte Folge der Vulkanausbrüche. Das Gestein ist selbstverständlich vulkanischen Ursprungs.

Kochloch von außen

Für uns Touris wurden Pfade und Treppen in die Steine gehauen, damit wir es schaffen, ohne Verletzungen zu den Löchern zu gelangen. Sonst wäre es nur geübten Kletterern möglich. Jens meinte zu mir, dass man dort bestimmt prima klettern kann, weil das Gestein einen super Grip hat.

Ich stehe da nicht so sehr drauf, mir sind brauchbare Treppen wesentlich lieber. So bin ich dann auch in das Innere eines der Löcher gelangt.

Kochloch von innen

Alles das ist nichts, wo man mit seinem Schlauchboot hinein fahren möchte. Für die obige Aufnahme habe ich ein paar Minuten gebraucht, die Wellen wollten einfach nicht so wie ich. Als ich mich wieder umschaute, war schon eine lange Schlange hinter mir.

Glücklicherweise ist das ein Ort, wo man weder Eintritt zahlen muss, noch von einem Fremdenführer weiter gescheucht wird. Auch Jens hat sich am Kochloch versucht.

Jens fotografiert das kochende Wasser

Neben den schönen Aufnahmen des tosenden atlantischen Ozeans hat man von hier aus auch einen spitzenmäßigen Blick auf die kalten Vulkane.

Blick in Richtung Timanfaya

Der Touristenpfad ist mit Schildern gesäumt, die das Betreten der Gesteinsfläche verbieten. Anscheinend haben es manche Menschen übertrieben. Ich hätte gar keine Lust, in dieser unwirtlichen Ebene herum zu stapfen. Mir reicht der tolle Blick auf die Berge.

Touristenpfad

Los Hervideros ist ein beeindruckender Ort. Ich bin froh, dass wir dorthin gefahren sind. Es steht nicht auf der Top-Liste der Sehenswürdigkeiten, es gibt nicht einmal eine eigene Seite auf Wikipedia. Lanzarote gefällt mir jedenfalls mehr und mehr.

Noch ein Blick durch die Felsspalten auf das kochende Wasser