Vollmond über Puerto Calero

Mitternacht ist längst durch, Jens liegt schon eine Weile im Bett. Da gehöre ich auch hin, unser Programm für morgen ist ziemlich voll gepackt.

Eigentlich bin ich sehr müde und doch kann ich mich nicht losreißen. Ich kann mich nicht losreißen von der Stille, von der Nacht, von dem Licht, das der Mond über die Marina wirft. Wir sind auf den Kanaren angelangt. Es ist zu spät, um diese Uhrzeit noch die Meilen zu addieren, die wir zurückgelegt haben. Es waren verdammt viele Meilen. Ich bin in diesem Jahr mehr Meilen gesegelt, als ich bisher in meiner Seglerkarriere zurückgelegt habe. Jens geht es in dieser Hinsicht nicht anders.

Vollmond über der Marina

Wieder einmal ist es mitten in der Nacht. Ich habe heute keine Wache, sondern kann mich ganz auf diesen Beitrag konzentrieren, ohne regelmäßig nach anderen Schiffen Ausguck zu halten.

Der DSV verlangt für den Sportküstenschifferschein (SKS) einen Nachweis über 300 Seemeilen auf einem Segelboot. Dieser Führerschein ist nicht einmal vorgeschrieben, sondern freiwillig. Es ist der “höchste” Führerschein, den ich besitze, und er gilt nur bis zu 12 Seemeilen von der Küste entfernt. Da war ich aber schon wesentlich weiter weg.

Es gibt noch weitere, noch höhere Führerscheine, für die ein paar Meilen mehr verlangt werden. Die habe ich nicht. Ich habe die Meilen. Jens auch. Die Meilen sind unser Bonus auf der kommenden Überquerung des Atlantik, nicht das bedruckte Papier. Dennoch stellt sich mir immer wieder die Frage, ob wir qualifiziert genug sind, den Sprung über den Atlantik zu wagen. Am Papier wird es sicherlich nicht scheitern.

Marinagebäude in Puerto Calero

Ich nehme mir ein Bier aus dem Kühlschrank und mache einen kleinen Spaziergang durch die Marina. Auf den Booten ist schon lange Stille eingekehrt, nur aus dem Marinagebäude kommt noch Lärm. Eine oder zwei Bars sind noch in Betrieb. Seit zwei Tagen hat der Wind merklich nachgelassen und das hatte zur Folge, dass einige Boote heute hereingekommen sind. Die Crews sind noch am feiern.

Andere Boote haben die Marina heute verlassen. Zwei hatten eine ARC-Flagge draußen hängen, die sind für ihre Regatta schon recht spät dran. Dass sie hier auf das Nachlassen des starken Windes gewartet haben, war ziemlich vernünftig. Die meisten Segler gehen keine unnötigen Risiken ein, sie haben Respekt vor dem Wasser.

Palmen vor dem Marinagebäude

Ich suche die Marinakatze. Sie wohnt im hiesigen Schuhgeschäft, ist aber gerade nicht zu Hause. Wahrscheinlich hat sie noch eine zweite und eine dritte Heimat. Katzen sind sehr flexibel. Sind wir Menschen das auch? Sind wir flexibel genug, drei bis vier Wochen auf dem engen, sich ständig bewegenden Raum zu leben, ohne uns zwischenzeitlich an den Hals zu gehen? Die Chancen sind gut, haben wir doch inzwischen fünf längere, mehrtägige Passagen hinter uns. Aber es ergeben alle fünf Passagen zusammen nicht die Länge, die jetzt vor uns liegt. Sind wir Traumtänzer, Heuchler, Idioten?

Eisenbahn-Kinderkarussell

Mein Spaziergang führt mich an der Kaimauer entlang. Viele Segelboote liegen hier im Hafen, die allermeisten sind ähnlich ausgerüstet wie wir. Die haben alle ähnliche Ziele, alle wollen über den Atlantik. Nur wenige Dauerlieger haben ihre Boote hier in der Marina. Man erkennt sie an der Calima-Patina und daran, dass sie nicht dauerhaft bewohnt sind. Diejenigen, die den Ozean überqueren wollen, haben oft Jahrzehnte mehr Erfahrung als Jens und ich zusammen. Kann das gut gehen?

Boote in Puerto Calero

Unsere Ausrüstung ist toll, unsere Vorräte sind gigantisch. Wir haben Navigationskram bis zum Erbrechen, Seekarten von der ganzen Welt. Wir haben Wind- und Sonnenenergie, einen Watermaker und einen guten Kühlschrank. Unser Anker gehört zu den besten, die man auf dem Markt kaufen kann. Wir haben heute vollgetankt und zusätzlich 100 Liter Diesel in Reservekanistern an Bord geschafft. Unsere Genua wurde professionell repariert, unser Großsegel ist ebenfalls topfit. Seit Roscoff haben wir es kaum noch gebraucht. Die Vorratslasten biegen sich vor lauter Konservendosen. Alle unsere Gasflaschen sind frisch nachgefüllt, damit können wir mindestens ein halbes Jahr kochen und backen.

Unsere Ausrüstung ist suboptimal. Wenn ich in Seglerblogs lese, was die Protagonisten alles an Bord installiert haben, bekomme ich gelegentlich Minderwertigkeitskomplexe. Das alles haben wir nicht. Andererseits hatte Kolumbus nicht einmal eine Seekarte, Moitissier, Erdmann, Cornell und Schenk hätten sich nach unserem Zeug die Finger abgeleckt. Wie weit muss man mit der Ausrüstung gehen? Wann ist es gut? Woher weiß man, dass man genug hat?

Steg J in Puerto Calero

Meine Schritte wenden sich wieder unserem Steg zu. Das Bier ist leer, die Dose im Müll. Wir haben ein gutes Schiff. Sissi ist zwar über 40 Jahre alt, sie ist aber stabil und schwimmt nun schon so viele Jahre. Andere Segler beneiden uns um den Komfort, den sie uns bietet.

Wir können mit unserer Ausrüstung umgehen. Wir kennen Sissi. Unsere Navigation war bislang ohne Fehl und Tadel. Wir haben uns nur wenige Fehler bei der Interpretation der Wettervorhersage geleistet. Wir ergänzen uns gegenseitig sehr gut. Was soll da noch schief gehen?

Unsere Literatur ist aktuell. Die Bordapotheke prall gefüllt und die Medizin ist noch nicht abgelaufen. Die Lebensmittel sind lecker. Wir können mit Süßwasser umgehen, als wäre es keine begrenzte Ressource.

Nach der Fahrt auf die Kanaren war ich froh, wieder im Hafen zu sein und nicht mehr den Lärm der knarzenden Verbände des Schiffs zu hören, nicht mehr auf der schwankenden Plattform durch die Gegend zu stolpern und endlich wieder ausschlafen zu können. Jetzt habe ich schon wieder die Nase voll vom Hafen.

Sissi am Steg in Puerto Calero

Es sind lediglich 2800 Meilen von hier bis nach St. Lucia oder Barbados. Das sind etwa 23 Tage bei einem 120-Meilen-Etmal. Und zwischendrin liegt noch Teneriffa, wo wir noch einmal anhalten wollen. Ich freue mich auf die Weite, auf den schier unendlich großen Ozean. Ich kann es kaum erwarten. Zweifel sind wohl normal, ich habe noch keinen Segler getroffen, der nicht an seinen Fähigkeiten gezweifelt hätte.

Unser Raumschiff ist eigentlich startklar. Nur noch ein paar Wochen, dann können wir los.

El Gasóleo

Jens und ich mussten vor zwei Jahren feststellen, dass wir mit Sissi prima segeln können. Wenn uns der Wind ausgeht, haben wir einen tollen Dieselmotor eingebaut, der uns immer voran bringt und dabei schnurrt wie ein Kätzchen. Nach einem tollen Segeltag starteten wir den Motor vor der Hafeneinfahrt von Stavoren und nur wenige Sekunden hörte das Kätzchen mit dem Schnurren auf.

Erschrecke den Tankwart

Die Aktion kostete uns einen Anker. Den mussten wir nämlich rauswerfen, während wir das Motorproblem beseitigten. Sonst wären wir auf die Hafenmauer getrieben. Das Motorproblem war relativ schnell beseitigt, denn mit etwas Diesel lief der Motor dann wieder rund und gleichmäßig. Das anschließende Aufholen des Ankers war chaotisch, weil sich die elektrische Ankerwinde verabschiedete und beim manuellen Hochkurbeln auch noch die Pallklinke abgerissen ist. So ging es für den Anker mitsamt seiner Kette nur noch nach unten.

Kurz gesagt: Wir sind in dieser Hinsicht etwas paranoid. Auf der Strecke von Vigo nach Lanzarote haben wir knapp 80 Liter Diesel verbraucht. Das sind ca. 800 Meilen oder auch 0,1 Liter Diesel pro Meile. Bei diesem Verbrauch reichen die knapp 300 Liter Tankinhalt locker für die 2800 Meilen nach Barbados.

Reservesprit

Damit wir unser Kätzchen immer am Schnurren halten können, haben wir an der Tankstelle um die Ecke noch 100 Liter Reservediesel gekauft und an Bord geschleppt. Der Tankwart guckte etwas dumm aus der Wäsche, als wir zum Tanken die Kofferraumklappe unseres Seat Ibiza geöffnet hatten. Auch die 100 Liter Diesel für den kleinen Seat sind nicht ganz normal. Er kam zu uns, um nachzuschauen, ob wir irgendwelche Probleme haben. Hatten wir natürlich nicht.

Jetzt sind wir spritmäßig voll ausgerüstet für den Sprung über den Atlantik. Unsere Reichweite haben wir durch den Reservediesel um mindestens einen Tag vergrößert, bei Flaute und ruhigem Wasser sogar um eineinhalb Tage. Das ist beruhigend.

Salinas de Janubio

Unser Einstieg in die Lavaküste war bei den Salinas de Janubio. Das sind die größten Salinen, die es auf den Kanaren gibt.

Salinas de Janubio

Wir waren sofort fasziniert von der Anlage. So fasziniert, dass wir im örtlichen Souvenirladen Salz gekauft hätten, waren wir allerdings nicht. Für mich schmeckt Salz immer salzig, ob es nun als Salz aus den Alpen oder als Meersalz daher kommt.

Salzgewinnung direkt am Ozean

Natürlich ist es etwas Besonderes, wenn das Salz direkt aus dem Atlantik gewonnen wird. Für mich war es aber etwas ganz Besonderes, die Anlage dieser Salinen im Lavagestein zu sehen. Salzgewinnung aus dem Meer gibt es an vielen Orten, das vulkanische Ambiente ist einzigartig.

Salztürme

Für uns Touristen ist neben den Salinen ein schöner Aussichtsparkplatz gebaut worden, von dort aus sind auch die Bilder entstanden.

Außerdem hatten wir den ersten Eindruck von der Lavaküste, wo das Meer auf Land trifft und die in den Wellenbergen gespeicherte Kraft in Bruchteilen von Sekunden freigesetzt wird.

Wellen brechen sich vor den Salinen

Damit nicht so viel passiert, hat man sogar ein schönes Hinweisschild aufgestellt. Das Baden an dieser Stelle wird nicht empfohlen.

Baden nicht zu empfehlen

Der Text könnte aus Großbritannien stammen. Ich habe einmal in einem Hafenführer gelesen, dass es nicht zu empfehlen sei, die östliche Einfahrt in den Hafen zu nehmen. Bei Hochwasser war der Text nicht zu verstehen, bei Niedrigwasser stand ein riesiger Felsen mitten in der östlichen Einfahrt. So ist es hier auch mit dem Baden.

Viel schöner als das Baden ist an einer solchen Stelle die Fotografie. Jens und ich haben ewig herumgestanden und versucht, das perfekte Foto von den brechenden Wellen zu machen.

Jagd auf das perfekte Foto

Dabei haben wir es nicht bewenden lassen. Wir haben uns auch noch gegenseitig aufs Korn genommen. Hier ein Bild von Jens, wie er mit seiner Kamera aussieht:

Jens mit Kamera vor dem Gesicht

Wenn zwei Menschen die Kamera aufeinander halten, muss irgendwann einer von beiden aufgeben und die Kamera zuerst herunter nehmen. Ich war es diesmal nicht, diesmal war es Jens.

Jens ohne Kamera vor dem Gesicht

Und wie sah das Ergebnis aus? Gut sah es aus. Die Bilder von dort waren einzigartig, nicht zu steigern und überhaupt. Dachten wir. Dabei hatte unsere Fahrt entlang der Lavaküste erst angefangen.

Kaum zu glauben, wie oft wir an diesem Tag noch auf den Auslöser gedrückt haben. Ich werde einige Zeit brauchen, die Bilder für das Blog aufzubereiten. Die Eigenart der Landschaft bringt es nämlich mit sich, dass man praktisch keine schönen Bilder ohne Nachbearbeitung erzeugen kann, jedenfalls nicht mit unseren Kameras. Es war ein schöner Tag.

Lava mit brechenden Wellen

Marina und die Müllkatzen

Hier in der Marina gibt es eine privilegierte Katze und die anderen. Der Futternapf und das Katzenelend stehen einigermaßen dicht nebeneinander.

Der Schuhladen. Rechts unten im Bild die Katzenkiste

Marina ist ziemlich dick. Marina wohnt im Schuhgeschäft. Marina lässt sich gerne streicheln. Marina frisst gerne. Marina ist die best genährte Katze, die in der Marina Puerto Calero lebt. Tagsüber hat sie ihren Platz auf dem Verkaufstresen des Schuhhändlers und wird von den Kunden liebkost, auch von solchen Leuten wie wir, die gar keine Schuhe kaufen wollen.

Marina frisst

Ich war schon lange nicht mehr so oft im Schuhgeschäft wie hier. So lange der Laden geöffnet ist, kann man hinein gehen und die Katze streicheln. Für die Nacht hat sie einen Karton vor dem Laden stehen.

Marina hat fertig gefressen

Wir haben es schon ein paar Mal nach Ladenschluss probiert, die Katze zu finden, zu füttern und zu streicheln. Das ist aber fast immer schief gegangen, denn Marina hat wohl noch ein paar andere Anlaufstellen, an denen sie gefüttert wird. Marina geht es ziemlich gut.

Zuerst dachten wir, Marina seit die einzige Katze auf Lanzarote mit einem dementsprechend großen Arbeitsprogramm. Wer sich von allen Inselbewohnern durchfüttern lässt, wächst zwangsläufig um den felligen Bauch herum. Eines Nachts jedoch war ich um halb Drei noch einmal bei den Mülltonnen, um eine volle Mülltüte loszuwerden, die nicht an Bord weiter stinken sollte. Auf dem Weg dorthin sind mir spitze Ohren aufgefallen.

Katze auf dem Parkplatz mit Blick auf die Restaurants

Sie ließ sich nicht locken. Ich konnte nicht einmal näher als 20 Schritte an sie heran kommen. Diese Katze definiert, was eine scheue Katze ist. Dachte ich. Sie hielt Ausguck nach den Restaurants und siehe da, nur wenige Minuten später kam ein Restaurantmitarbeiter mit zwei vollen Müllsäcken in der Hand. Innerlich klatschte ich mir die Hand gegen die Stirn – natürlich – Essensreste.

Kaum war der Mensch weg, hörte ich von den den Mülltonnen her Katzengeräusche. Da war nicht nur diese eine Katze, es waren gleich drei.

Drei Katzen an den Mülltonnen

Mein erster Gedanke war, zurück an Bord zu gehen und das Katzenfutter zu holen. Der zweite war, es zu lassen. Ich wollte die Katzen nicht an den Mülltonnen anfüttern. Dann habe ich das Katzenfutter doch geholt, schließlich werden die Katzen jeden Tag von den Restaurantleuten mit Müll gefüttert.

Diese Katzen sind jedoch so ängstlich, scheu und ganz und gar nicht an Menschen gewöhnt, dass sie von der rappelnden Dose mit dem Katzenfutter verscheucht wurden. Sie tun mir leid.

Müllkatze

Wie gut geht es dagegen den Lagos Ferry Cats.

Timanfaya

Timanfaya ist keine Tropenkrankheit, sondern eine wichtige Sehenswürdigkeit auf Lanzarote.

Eine riesige Geröllhalde aus erkalteter Lava und Asche läuft unter dem Namen “Nationalpark Timanfaya“. Wir haben uns unser Speed-Dinghi geschnappt und dort einen Besuch gemacht. Gleich an der Einfahrt zum Parkplatz ziehen sie einem 10€ pro Person aus dem Portemonnaie, man kann sich praktisch nicht dagegen wehren, auch nicht einfach so wild parken, denn direkt neben der Straße türmt sich das Vulkangestein in ungeahnten Höhen.

Im Eintrittsgeld inkludiert ist eine gut halbstündige Rundfahrt mit dem Touristenbus. Kaum hatten wir das Auto verlassen, wurden wir quasi schon in den nächsten abfahrbereiten Bus gedrückt. In vier Sprachen (Spanisch, Englisch, Deutsch und Französisch) wurde den Fahrgästen vor der Abfahrt mitgeteilt, dass es in wenigen Minuten losgehen wird, dass aus Zeitgründen die Durchsagen während der Fahrt nur in Spanisch, Englisch und Deutsch gemacht werden und dass man unterwegs nicht aussteigen können wird. Man möge sich für den vollen Text bitte die App aufs Handy laden.

Nach dem dreimaligen Genuss dieser Vor-der-Fahrt-Ansage stieg der Busfahrer endlich ein und es ging los.

Im Touristenbus

Während der Fahrt läuft dann ein dreisprachiger Text, der die Vulkanausbrüche in der Vergangenheit beschreibt. Der Bus hält dazu an verschiedenen interessanten Gesteins- und Kraterformationen. Ich habe außer dem obigen Bild im Bus keine Fotos gemacht, das war mir zu albern. Die meisten anderen Fahrgäste haben die Fahrt gefilmt und schlechte Bilder durch die getönten, schmutzigen Scheiben gegen die Sonne gemacht.

Das mag alles jetzt ein wenig abwertend klingen, ich meine das gar nicht so. Ich bin nur nicht so sehr an das Verhalten von Touristen in Gruppen gewöhnt. Die Fahrt selbst macht Spaß und gibt wirklich schöne Einblicke. Auf Wikipedia kann man die Aufzeichnungen des Pfarrers von Yaiza nachlesen. Diese sind im Prinzip der Hauptbestandteil des erklärenden Textes zur Busrundfahrt.

Touristen bestaunen ein Strohfeuer

Nach Abschluss der Tour wurden die Touristen noch zu einem Loch im Boden geführt. Dort konnten sie bestaunen, dass sich trockenes Stroh entzündet, wenn man es in das Loch wirft. Die Show wurde auch reichlich gefilmt. Ja, das vulkanische Gestein ist noch sehr heiß, auf dem Berg steht ein (teures) Restaurant, in welchem auf der vulkanischen Hitze sogar noch gegrillt wird.

Künstlicher Geysir

Ebenfalls zur Unterhaltung der Touristen sind vor dem Restaurant einige Rohre in den Boden versenkt. Hier gießen die Touristenführer nach der Show mit dem brennenden Stroh einen Eimer Wasser hinein, der dann nach wenigen Augenblicken als Wasser-Dampf-Gemisch zurück kommt.

Wir sind anschließend noch ein paar Schritte zu Fuß gegangen und haben uns die erloschenen Vulkane, Krater und die ganze Landschaft hereingezogen.

Irgendwann kam hier einmal Lava heraus.

Außer ein paar Flechten und Moosen wächst noch nicht viel in dieser Gegend der Insel, der letzte Vulkanausbruch ist ja auch erst 200 Jahre her. Ich kann mir vorstellen, dass das hier wieder alles grün ist, wenn ich in 200 bis 300 Jahren hier das nächste Mal vorbei komme.

Blick über die Kraterlandschaft bis zum Meer

Auf den Bildern sieht das wie eine Mondlandschaft aus, gleich landet Apollo 13. In der Wirklichkeit sieht es genauso aus. Es ist beeindruckend. Und es ist beeindruckend, wie hartnäckig die Menschen diese Insel trotzdem weiter besiedelt haben.

Es war ein toller Ausflug, wir hatten unsere helle Freude daran. Das Eintrittsgeld ist gut investiert, ich kann jedem Besucher von Lanzarote diese Vulkane empfehlen.

Vulkanasche, kalte Lava und im Hintergrund ein weißes Dorf

Besuch aus Marokko

An unseren ersten Tagen hier auf Lanzarote hatten wir ungebetenen Besuch aus Marokko bzw. aus Afrika. Frau Calima hat sich ungefragt bei uns eingenistet und wollte Sissi nicht mehr verlassen.

Immer noch übrig, die Spuren von der Calima

Die Calima ist ein warmer Wind aus der Sahara und bringt gleich ein Stück der Sahara mit. Lanzarote muss immer wieder darunter leiden. Das Foto oben ist entstanden, nachdem wir Sissi schon zweimal gereinigt haben. Wir haben es versäumt, vor der ersten Reinigung ein paar Bilder zu machen.

Es ist sauschwer den Sand wieder von Bord zu bekommen. Mit dem Wischlappen darf man da nicht ran, denn sonst rubbelt man sich gleich die ganze Farbe vom Deck und aus dem Cockpit. Das funktioniert noch besser, als mit Sandpapier von 60er Körnung.

Es sieht jetzt alles irgendwie ungepflegt aus.

Also muss mit dem Schlauch gespült werden. Das schlechte Gewissen spült da immer mit, denn auf Lanzarote ist Trinkwasser knapp und muss unter hohem Energieaufwand erzeugt werden. Wir haben beschlossen, das Boot nur noch einmal zu reinigen, nämlich am Tag vor der Abfahrt.

Hinweis in der Dusche

Andere Yachties nehmen es mit dem Wasser nicht so genau. Sie spritzen ihre Boote jeden Tag ab. Das bringt aber nichts. Wenn das Boot noch schön feucht ist, findet es die Calima besonders gemütlich, sich auf jeder freien Fläche nieder zu lassen. Die Calima fliegt durch alle Ritzen und kommt auch unter Deck. Wir müssten Sissi schon komplett in Folie verpacken, um das zu verhindern.

Die äußere Bordwand hat noch nicht so viel von unserer Reinigungswut abbekommen. Hier ist noch besser zu sehen, wie es überall an Bord ausgesehen hat. Wer Wert auf ein blitzblankes, gewienertes Boot legt, sollte um Lanzarote einen großen Bogen segeln.

Sissi, das Calima-Opfer

Ein Gang über den Marinaparkplatz entspannt das Gemüt. Nicht nur wir Segler sind Opfer der Calima. Einige der geparkten Fahrzeuge sehen aus, als würden sie schon Jahre dort stehen oder seien aufgegeben. Dabei ist hier nur das Resultat von wenigen Tagen Saharawind zu sehen.

So schön und einzigartig die hiesige Landschaft auch ist, ich freue mich schon auf den Tag, an dem wir dieser Insel das Achterstag zeigen. Denn erst dann sind wir sicher vor dem Sand.

Alle leiden unter dem Sand.

Umparken ist albern

Mit dem Motorrad durfte ich die Erfahrung schon des Öfteren machen. Auf die Zeltplatzwiese gefahren, Motorrad aufgebockt und das Zelt schnell aufgestellt. Dann zum Bierstand des Motorradtreffens, Grillwurst essen und den Abend verfliegen gelassen. Anschließend in fragwürdigem Zustand zurück zum Zelt gegangen und gesehen, dass man das Motorrad schöner hinstellen kann. Das Ergebnis war in 98% der Fälle Belustigung für die anderen Teilnehmer des Motorradtreffens. In 100% der Fälle hatte ich aber Hilfe, um das Motorrad wieder aufzustellen. Umparken ist albern.


Wir erreichten die Marina Puerto Calero am Abend des 10. November und waren froh, dass wir aufgenommen wurden. In der Marina Rubicon hatten wir zwar reserviert, aber erst ab dem 18. November. Aufgrund der guten Windvorhersage sind wir eine Woche früher von Lagos zu den Kanaren gestartet und die problemlose Passage hat unsere Entscheidung bestätigt. Uns wurde ein Liegeplatz am Ende des Pontoons J zugewiesen. J gefällt uns, das ist unser Buchstabe.

Am nächsten Morgen war ich beim Hafenmeister, um den Aufenthalt für den Rest der Woche klar zu machen. Bei einer Windvorhersage von 30 kn mit Böen bis zu 40 kn wollten wir nicht ankern. Das macht keinen Spaß.

Der Hafenmeister meinte, wir könnten gerne bleiben, müssten das Boot aber auf einen anderen Platz verlegen. Unser Platz sei reserviert. Auf meine Frage, wie wir das bei 30 kn Wind machen sollen, hatte der Hafenmeister nur die Antwort, dass er zwei Marineros schicken wird, die uns helfen. Und wir sollen schnell verlegen, denn gegen Mittag würde der Wind wieder stärker werden. Na gut.


Der Wind schien etwas nachzulassen, die Marineros waren vor Ort und das Ablegemanöver klappte hervorragend. Dann folgte die Hauptarbeit. Wenden von Sissi bei inzwischen wieder 25 kn Wind mit ihrem langen Kiel und ohne Bugstrahlruder. Mmmpf. Ich fand einen geeigneten Platz. Dachte ich…

Spuren unseres Rocna

In der Drehbewegung erwischte uns eine Bö. Und wir erwischten gerade noch so einen Katamaran. Der Besitzer nahm es mit Humor.

Ein wenig Gelcoat, etwas Arbeitszeit und 70€ später sah der Kat wieder wie neu aus. Umparken ist nicht nur albern, Umparken ist Mist. Auf dem “reservierten” Platz liegt bis heute kein anderes Boot. Das nächste Mal werde ich mit dem Hafenmeister streiten, das ist billiger.

Hacking Baumarkt

Die Überschrift für diesen Beitrag brummt schon seit ein paar Stunden in meinem Kopf herum. Ich weiß aber noch nicht so recht, wie ich ihn beginnen soll. Am besten, ich beginne am Anfang.

Speed Dinghi mit festem Dach und festem Boden

Am Anfang war der Autovermieter. Wir sind ja in der Marina Puerto Calero gelandet, die ist so ziemlich von allem weit entfernt, was wir ansehen wollen. Lediglich der Weg zur Bushaltestelle ist einigermaßen kurz, der Bus fährt aber nur einmal in der Stunde. Es gibt nur einen kleinen Supermarkt in der Marina, der nächste Supermarkt außerhalb ist schon vier Kilometer weg. Außerdem wollen wir uns die Insel ansehen. Also bin ich zum örtlichen Autovermieter gegangen und habe mir ein Speed-Dinghi gemietet. Es hat Platz für vier Personen oder zwei Personen und unsere lädierte Genua. Den Preis von 110€ für eine Woche finde ich nicht überzogen. Das zahlt man hier auf der Insel auch, wenn man sich eine Karre außerhalb der Marina besorgt – nur muss man da noch mit dem Bus hinfahren, um sie abzuholen bzw. zurück zu bringen.

Der Autovermieter ist ein fauler Mensch. Nachdem er meine Kreditkarte durch das Gerät gezogen hat, drückt er mir den Autoschlüssel in die Hand. Ich frage noch nach einer Übergabe, er sagt mir, dass der Wagen hinter dem Haus rechts steht. Na gut. Dann finde ich eine Menge Schäden von den Vormietern, die ich fotografiere. Ich gehe zurück zu ihm ins Büro, störe ihn beim Daddeln mit seinem Handy und bitte ihn, die Schäden zu notieren. Er antwortet mit den Worten “It’s okay. It’s full casco”. Na gut.

Hui, wie schnell!

Wir finden zwar weder Festmacher noch Fender, doch wir kommen gut aus der Marina. Den Mast vermissen wir auch und ich vermisse ganz besonders den Autopiloten im Auto. Dafür zeigt Navionics aber einen ganz guten Speed an. Ein Motorboot halt. Jens und ich sitzen seit Frankfurt zum ersten Mal wieder in einem Auto.

In rasender Fahrt passieren wir Arrecife, den größten Ort der Insel, auf der Umgehungsstraße und sehen einen Baumarkt, einen IKEA und noch andere große Läden. Wir sind uns einig, dass wir dort noch einmal hin müssen.

In den Baumarkt müssen wir sowieso, denn unser 10er Schlüssel ist im Hafenbecken von Lagos tauchen gegangen. Außerdem haben wir eine Spur verlorener Schrauben im Atlantik hinter uns hergezogen. Die vibrieren sich bei Sissi genau so schnell ab, wie bei einem Motorrad aus Milwaukee. In Lagos bei der Kontrolle waren sie noch fest, in Puerto Calero haben sie schon gefehlt. Dumm gelaufen. Langsam gehen uns die M6-Schrauben aus. Auch von den M10 haben wir nicht mehr viele. Aber zuerst wollen wir noch etwas Sightseeing machen.

Blick aus den Bergen auf das Meer

Wir haben so viele schöne grüne Landschaften gesehen, dass wir uns über das vollkommen andere Ambiente auf Lanzarote freuen. Es ist etwas ganz Eigenes, überall dominieren die Farben Braun, Schwarz und Dunkelbraun. Asche, Lava. Dazwischen die Dörfer sind immer weiß gehalten. Zuerst haben wir es nur für Ferienhaussiedlungen gehalten, dann aber gelernt, dass es hier einen großen Künstler, César Manrique, gab, der die Insel vor Bettenburgen und größtenteils auch vor Hochhäusern bewahrt hat.

Mirador del Rio

Auch der Aussichtspunkt Mirador del Rio ist ein Werk von César Manrique. Man hat von hier aus einen tollen Blick auf die Nachbarinsel La Graciosa. Dort befindet sich auch eine der wenigen schönen Ankerbuchten. Vielleicht fahren wir da noch einmal hin.

La Graciosa

Eines von den weißen Dörfern muss ich unbedingt noch fotografieren. Auf dem Rückweg zu Sissi sind wir dann am Strand entlang gefahren. Auch sehr, sehr schön. Mir gefällt die Insel ungemein.

Am Strand

Jetzt sind wir auf dem Rückweg und ich komme nun zur Baumarkt-Geschichte. Bewaffnet mit einem langen Einkaufszettel sind wir durch die Regalreihen getigert. Schrauben, Muttern, Schraubenschlüssel, ein Extraset Schraubenschlüssel zum Versenken, Kaffeekannenhalterung für das Cockpit, Wäscheklammern, Wäscheleine und und und…

In einem Regal sehen wir Fußmatten und greifen sofort zu. Eine ordentliche Industriematte, die man mit Salzwasser tränken kann (gegen die Kakerlakeneier, in die man vielleicht reingetreten ist) und die oberhalb der Einstiegsleiter hingelegt werden kann. Schwupps ist sie im Einkaufswagen.

Optimus Baumarkt in Arrecife

An der Kasse wird jedes Teil gescannt. Bei der Fußmatte fehlt aber der Aufkleber mit dem Barcode. Ich will schon losgehen, um eine andere zu holen, da sich hinter uns eine Schlange gebildet hat, doch Jens hält mich zurück – es war die letzte Fußmatte dieser Art. Die Kassiererin ruft eine Kollegin zu Hilfe. Die geht zu den Fußmatten und kommt nach ein paar Minuten mit einem dicken Fragezeichen im Gesicht. Das kommt mir spanisch vor.

Die Kollegin der Kassiererin verschwindet im Hinterzimmer. Dann kommt sie wieder. An einem PC beginnt sie, im Online-Sortiment des Baumarkts zu stöbern. Dann werden Bilder von Fußmatten mit der Google-Bildersuche durchgeschaut. Dann wird Amazon aufgerufen. Es wird wieder diskutiert. Die Schlange hinter uns wächst und wächst.

Die Aktion an der Kasse dauert nun schon eine knappe Viertelstunde. Die Kassiererin “parkt” unseren Einkauf und baut erst einmal die Schlange ab. Jens macht den Vorschlag, doch einfach das Preisschild aus dem Regal zu nehmen. Der Vorschlag ist ja an und für sich nicht schlecht, aber für genau diese Fußmatte gibt es kein Preisschild. Letztendlich wird der Preis von irgendeiner Fußmatte in die Kasse eingegeben. Der Preis ist okay.

Nach einer halben Stunde an der Kasse kannten wir fast alle Mitarbeiter des Baumarkts. Und wir hatten die Idee zum Baumarkt-Hacking. Man kaufe einen Gegenstand bei OBI und trage ihn zu Hornbach an die Kasse. Es muss ein Gegenstand sein, den Hornbach nicht im Sortiment hat, der aber baumarktüblich ist. In Arrecife konnten wir auf diese Weise unabsichtlich sechs Menschen eine halbe Stunde beschäftigen. Wie mag das wohl bei Hornbach sein???