Kopfüber ins Aquarium

Ein paar hundert Meter von unseren Ankerplatz in der Carlisle Bay entfernt liegen drei Schiffswracks auf 3-5 Metern Tiefe auf dem Grund herum. Am laufenden Band werden Touristen in Ausflugsbooten zum Schnorcheln dorthin gekarrt. Der Preis für so eine Tour liegt zwischen 60 und 90 Dollar. Jörg Bauer und ich schnappen uns Schnorchel und Flossen, hüpfen ins Dingi und fahren auf eigene Faust los. In einem abgesperrten Bereich finden wir eine Boje zum Festmachen und springen ins Wasser. Ich war vorher noch nie so richtig schnorcheln. Wir treiben wie schwerelos mit dem Kopf nach unten auf dem Bauch im Wasser. Das Wasser ist angenehm warm. Ein tolles Gefühl.

Schiffswrack

Es dauert nicht lange, bis wir das erste Wrack finden. Als künstliches Riff bietet es Heimat für hunderte von kleinen, bunten Fischen, wie ich sie sonst nur aus dem Aquarium kenne.

Neugierig kommen die Fische näher und als ich mich umdrehe, tummelt sich ein ganzer Schwarm um meine Füße. Langsam gewöhne ich mich an das Atmen durch den Schnorchel. Ich könnte hier stundenlang herumtreiben.

Viele kleine Fische über ihrem Hausboot.

Sobald sich ein großer Fisch nähert, verschwinden die Kleinen in Sekundenbruchteilen im Schutze des Wracks.

Mehr als einen Meter entfernen sich die kleinen nicht vom Bug des Wracks.

Es soll hier auch Schildkröten geben, doch leider bekommen wir keine zu sehen. Statt dessen gleitet ein großer Meeressäuger langsam über mich hinweg.

Grazil und anmutig bewegt sich der schwere Meeressäuger durch sein Element.

Miles and More (Teil 3)

Seit Tagen schiebe ich es vor mir her, heute schreibe ich die Zeilen herunter. Unseren letzten Statistik-Beitrag habe ich auf Lanzarote verfasst. Seit dem haben wir viele Segeltage und viele Meilen im Kielwasser. Wir haben beispielsweise die zurückgelegte Strecke mehr als verdoppelt.

Unsere Reise dauert nun schon 242 Tage. Von den neu hinzu gekommenen 64 Tagen waren wir 31 Tage auf See, also einen ganzen Monat. In dieser Zeit sind wir von Lanzarote über Teneriffa, Mindelo und Barbados nach St. Lucia gesegelt und haben nun 6324 Meilen im Kielwasser. Also in 31 Segeltagen 3265 Meilen bzw. 105 Meilen pro gesegeltem Tag.

Der Motorstundenzähler steht nun bei 301 Motorstunden. Von den 70 hinzu gekommenen Motorstunden sind 20 alleine für die Stromproduktion genutzt worden, und 50 für den Antrieb. Das liegt daran, dass Wind und Sonne unstete Gesellen sind und es gerade in der Ankerbucht bei bewölktem Himmel schwer ist, genug Strom aus regenerativen Energiequellen zu erzeugen. Das geht allen so, wir haben bei jedem Boot in der Ankerbucht die Maschine laufen sehen.

Auf der Fahrt von Lanzarote bis Barbados haben wir 1500 Liter Wasser erzeugt, das sind im Schnitt 30 Liter Wasser pro Tag bzw. 10 Liter Wasser pro Tag pro Person. Das Wasser ist zum Trinken, Abwaschen, Duschen und Putzen benutzt worden, so wie das Wasser zu Hause aus der Wasserleitung. Seit wir in der Karibik sind haben wir 560 Liter Wasser gemacht, das sind 60 Liter am Tag bzw. 15 Liter pro Person und pro Tag. In der Hitze haben wir wesentlich öfter geduscht.

Sicherlich könnte man mit weniger Wasser auskommen. Man muss aber nicht. Wozu haben wir den Watermaker eingebaut? Genau, für den Komfort! Jetzt in der Marina auf St. Lucia wird der Verbrauch wieder sinken, wir gehen schließlich an Land duschen.

Der größte Defekt auf unserer Überfahrt ist beim Parasailor, der uns auf fünf Metern eingerissen ist. Morgen hat der Segelmacher wieder geöffnet, dann können wir ihn endlich zur Reparatur bringen. Außerdem ist ein Teil der Windfahnensteuerung kaputt gegangen, für das uns Peter Foerthmann einen kostenlosen Ersatz nach Martinique schicken wird. Toller Service!!!

Bislang haben wir einen Fisch gefangen. Da ist noch Luft nach oben.

Dschungelwanderung auf Barbados

Es ist Freitag der 24. Januar. Wir – Burti, Jörg Bauer, Jörg und ich haben uns heute vorgenommen, eine Busfahrt in Richtung Norden zu unternehmen. Dort soll es noch einen Teil des alten Urwaldes geben. Der passende Bus ist die Linie in Richtung St. Andrews Church. Der soll einmal pro Stunde fahren, nur wann genau wissen wir nicht. Also setzen wir uns an den Busbahnhof und warten.

Hier haben wir viel Zeit verbracht.

Und wir warten, warten und warten. Irgendwann spricht uns einer der Busfahrer an und fragt, wo wir hin möchten. Wir erklären ihm, dass wir in den Turner Hall Wood möchten, um den Urwald zu sehen. Er schüttelt ungläubig den Kopf: „Da ist doch nichts. Das ist langweilig. Wieso wieso wollt ihr denn da hin? Fahrt doch lieber zur alten Windmühle oder einer anderen Sehenswürdigkeit.“ Die Frage, wann denn unser Bus eigentlich kommt, kann er dann aber auch nicht beantworten. Wir vertreiben uns die Wartezeit mit den Ständen rund um den Busbahnhof. Hier gibt es kalte Getränke, gegrillte Hähnchen und WLAN.

Ein weißer Reiher posiert vor meiner Wartebank.

Nach etwa zwei Stunden kommt unser Bus. Wir fahren los und landen im dicksten Freitagnachmittags-Feierabendstau. Außerdem ist gerade Schulschluss und überall stehen Kinder in Schuluniformen, die in den Bus wollen. Der Bus ist voll und es ist heiß. Die Kühlung der offenen Fenster funktioniert im Stau nicht. Langsam macht sich Unmut und Gejammer unter meinen Mitfahrern breit. „Mein Wasser ist alle.“, „Ich will ein kaltes Bier.“, „Ich will eine kalte Cola.“, „Mir ist so heiß!“, „Wie lange noch?“, „Ich hab keine Lust mehr.“, „Sind wir bald da?“… Und so fahren wir durch den Dschungel durch bis an den nächsten Ort an der Küste. Dort bekommen wir etwas Kaltes zu trinken und warten zwei Stunden auf den Bus, der uns zurück fährt. Das hat sich voll gelohnt.

Burti, Jörg B. und Jörg klagen ihr Leid im Bus.

Es ist Samstag der 25. Januar. Mein Geburtstag. (Ok, jetzt wo ich diesen Beitrag schreibe, ist es schon viel später und wir sind mittlerweile auf St. Lucia. Ich möchte mich an dieser Stelle trotzdem nochmal für die zahlreichen Glückwünsche bedanken. Ich habe mich sehr gefreut.) Mein Wunsch für diesen Tag ist es, nochmals in den Dschungel zu fahren, früher auszusteigen und ein paar Kilometer zu wandern. Und zwar alleine. Ich will kein Gejammer hören und außerdem fällt mir die Decke von Sissi nach den Wochen auf See auf den Kopf.

Ich mache mich also wieder auf den Weg zum Busbahnhof. Der Bus kommt nach einer knappen Viertelstunde, der Verkehr in der Stadt ist moderat und nach etwa 30 Minuten steige ich in Porey Spring aus.

Porey Spring

Dem Anschein nach ist hier eine kleine Rasta Community zu Hause. An Palmen, Wänden und auf Schildern wird verkündet, dass Jah Liebe bringt und die Rastas den Krieg ohne Waffen gewinnen werden.

Rasta Palme

Ein Brunnen wird gemeinschaftlich zum Wäsche waschen und zur Körperpflege genutzt.

Rasta Brunnen

Mein Weg führt mich weiter an der Straße entlang. Kleine Kuhweiden und dichter Dschungel wechseln sich ab. Ich laufe durch kleine Dörfer mit Häusern umsäumt von Palmen und alten Bäumen.

Haus im Urwald

So richtig viel ist vom Urwald nicht mehr übrig. Aber es finden sich immer wieder kleine Oasen mit dichtem Wald.

Grüne Vorgärten

Nach etwa zwei Stunden Fußmarsch finde ich eine kleine Bar und kehre ein. Mein Magen knurrt. Auf dem Speiseplan steht Reis mit Hähnchen und Krautsalat. Die Portion ist riesig und das Hähnchen sehr lecker gewürzt. In einer Ecke der Bar steht ein kleines DJ Pult und laute Reggae Musik dröhnt aus dem Lautsprecher. Der DJ sieht aus, als könnte er der kleine Bruder von Snoop Dogg sein. Wie aus dem Gesicht geschnitten. Immer wieder wird er von der Barfrau ermahnt, die Musik leiser zu drehen. Sobald sie kurz nach hinten verschwindet, dreht Snoop Dogg die Lautstärke wieder hoch. Dazu tanzt er mit seinen Kumpels quer durch die Bar. Ob das an dem Rum liegt?

Nach dem Essen mache ich mich wieder auf den Weg. Ich finde einen gelben Bus auf einem Grundstück geparkt. Da wohnt wohl einer der Busfahrer.

Busparkplatz

An der nächsten Ecke biege ich von der Hauptstraße ab und gehe einen Pfad steil nach unten. Hier wollte ich gestern schon hin. In den Turner Hall Wood. So richtiges Dschungelfeeling kommt leider nicht auf, denn ich darf nur am Rand entlang laufen. Der eigentliche Urwald steht unter Naturschutz und ist für Wanderer gesperrt. Ich habe trotzdem meinen Spaß. Fotografiere Blumen und Gestrüpp. Kurz bevor mich der Pfad wieder auf die Straße führt, sehe ich ein paar Affen auf dem Weg sitzen. Die sollen ja eigentlich total frech und neugierig sein. Diese nicht. Als ich die Kamera aus dem Rucksack wurschtele, bemerken sie mich und verschwinden im Unterholz. Schade, aber ich habe zum ersten Mal Affen in freier Natur gesehen. Das war eine schönes Geburtstagsgeschenk.

Gelbe Blümchen
Dschungel von außen
Dschungel von innen