Kopfüber ins Aquarium

Ein paar hundert Meter von unseren Ankerplatz in der Carlisle Bay entfernt liegen drei Schiffswracks auf 3-5 Metern Tiefe auf dem Grund herum. Am laufenden Band werden Touristen in Ausflugsbooten zum Schnorcheln dorthin gekarrt. Der Preis für so eine Tour liegt zwischen 60 und 90 Dollar. Jörg Bauer und ich schnappen uns Schnorchel und Flossen, hüpfen ins Dingi und fahren auf eigene Faust los. In einem abgesperrten Bereich finden wir eine Boje zum Festmachen und springen ins Wasser. Ich war vorher noch nie so richtig schnorcheln. Wir treiben wie schwerelos mit dem Kopf nach unten auf dem Bauch im Wasser. Das Wasser ist angenehm warm. Ein tolles Gefühl.

Schiffswrack

Es dauert nicht lange, bis wir das erste Wrack finden. Als künstliches Riff bietet es Heimat für hunderte von kleinen, bunten Fischen, wie ich sie sonst nur aus dem Aquarium kenne.

Neugierig kommen die Fische näher und als ich mich umdrehe, tummelt sich ein ganzer Schwarm um meine Füße. Langsam gewöhne ich mich an das Atmen durch den Schnorchel. Ich könnte hier stundenlang herumtreiben.

Viele kleine Fische über ihrem Hausboot.

Sobald sich ein großer Fisch nähert, verschwinden die Kleinen in Sekundenbruchteilen im Schutze des Wracks.

Mehr als einen Meter entfernen sich die kleinen nicht vom Bug des Wracks.

Es soll hier auch Schildkröten geben, doch leider bekommen wir keine zu sehen. Statt dessen gleitet ein großer Meeressäuger langsam über mich hinweg.

Grazil und anmutig bewegt sich der schwere Meeressäuger durch sein Element.

Dschungelwanderung auf Barbados

Es ist Freitag der 24. Januar. Wir – Burti, Jörg Bauer, Jörg und ich haben uns heute vorgenommen, eine Busfahrt in Richtung Norden zu unternehmen. Dort soll es noch einen Teil des alten Urwaldes geben. Der passende Bus ist die Linie in Richtung St. Andrews Church. Der soll einmal pro Stunde fahren, nur wann genau wissen wir nicht. Also setzen wir uns an den Busbahnhof und warten.

Hier haben wir viel Zeit verbracht.

Und wir warten, warten und warten. Irgendwann spricht uns einer der Busfahrer an und fragt, wo wir hin möchten. Wir erklären ihm, dass wir in den Turner Hall Wood möchten, um den Urwald zu sehen. Er schüttelt ungläubig den Kopf: “Da ist doch nichts. Das ist langweilig. Wieso wieso wollt ihr denn da hin? Fahrt doch lieber zur alten Windmühle oder einer anderen Sehenswürdigkeit.” Die Frage, wann denn unser Bus eigentlich kommt, kann er dann aber auch nicht beantworten. Wir vertreiben uns die Wartezeit mit den Ständen rund um den Busbahnhof. Hier gibt es kalte Getränke, gegrillte Hähnchen und WLAN.

Ein weißer Reiher posiert vor meiner Wartebank.

Nach etwa zwei Stunden kommt unser Bus. Wir fahren los und landen im dicksten Freitagnachmittags-Feierabendstau. Außerdem ist gerade Schulschluss und überall stehen Kinder in Schuluniformen, die in den Bus wollen. Der Bus ist voll und es ist heiß. Die Kühlung der offenen Fenster funktioniert im Stau nicht. Langsam macht sich Unmut und Gejammer unter meinen Mitfahrern breit. “Mein Wasser ist alle.”, “Ich will ein kaltes Bier.”, “Ich will eine kalte Cola.”, “Mir ist so heiß!”, “Wie lange noch?”, “Ich hab keine Lust mehr.”, “Sind wir bald da?”… Und so fahren wir durch den Dschungel durch bis an den nächsten Ort an der Küste. Dort bekommen wir etwas Kaltes zu trinken und warten zwei Stunden auf den Bus, der uns zurück fährt. Das hat sich voll gelohnt.

Burti, Jörg B. und Jörg klagen ihr Leid im Bus.

Es ist Samstag der 25. Januar. Mein Geburtstag. (Ok, jetzt wo ich diesen Beitrag schreibe, ist es schon viel später und wir sind mittlerweile auf St. Lucia. Ich möchte mich an dieser Stelle trotzdem nochmal für die zahlreichen Glückwünsche bedanken. Ich habe mich sehr gefreut.) Mein Wunsch für diesen Tag ist es, nochmals in den Dschungel zu fahren, früher auszusteigen und ein paar Kilometer zu wandern. Und zwar alleine. Ich will kein Gejammer hören und außerdem fällt mir die Decke von Sissi nach den Wochen auf See auf den Kopf.

Ich mache mich also wieder auf den Weg zum Busbahnhof. Der Bus kommt nach einer knappen Viertelstunde, der Verkehr in der Stadt ist moderat und nach etwa 30 Minuten steige ich in Porey Spring aus.

Porey Spring

Dem Anschein nach ist hier eine kleine Rasta Community zu Hause. An Palmen, Wänden und auf Schildern wird verkündet, dass Jah Liebe bringt und die Rastas den Krieg ohne Waffen gewinnen werden.

Rasta Palme

Ein Brunnen wird gemeinschaftlich zum Wäsche waschen und zur Körperpflege genutzt.

Rasta Brunnen

Mein Weg führt mich weiter an der Straße entlang. Kleine Kuhweiden und dichter Dschungel wechseln sich ab. Ich laufe durch kleine Dörfer mit Häusern umsäumt von Palmen und alten Bäumen.

Haus im Urwald

So richtig viel ist vom Urwald nicht mehr übrig. Aber es finden sich immer wieder kleine Oasen mit dichtem Wald.

Grüne Vorgärten

Nach etwa zwei Stunden Fußmarsch finde ich eine kleine Bar und kehre ein. Mein Magen knurrt. Auf dem Speiseplan steht Reis mit Hähnchen und Krautsalat. Die Portion ist riesig und das Hähnchen sehr lecker gewürzt. In einer Ecke der Bar steht ein kleines DJ Pult und laute Reggae Musik dröhnt aus dem Lautsprecher. Der DJ sieht aus, als könnte er der kleine Bruder von Snoop Dogg sein. Wie aus dem Gesicht geschnitten. Immer wieder wird er von der Barfrau ermahnt, die Musik leiser zu drehen. Sobald sie kurz nach hinten verschwindet, dreht Snoop Dogg die Lautstärke wieder hoch. Dazu tanzt er mit seinen Kumpels quer durch die Bar. Ob das an dem Rum liegt?

Nach dem Essen mache ich mich wieder auf den Weg. Ich finde einen gelben Bus auf einem Grundstück geparkt. Da wohnt wohl einer der Busfahrer.

Busparkplatz

An der nächsten Ecke biege ich von der Hauptstraße ab und gehe einen Pfad steil nach unten. Hier wollte ich gestern schon hin. In den Turner Hall Wood. So richtiges Dschungelfeeling kommt leider nicht auf, denn ich darf nur am Rand entlang laufen. Der eigentliche Urwald steht unter Naturschutz und ist für Wanderer gesperrt. Ich habe trotzdem meinen Spaß. Fotografiere Blumen und Gestrüpp. Kurz bevor mich der Pfad wieder auf die Straße führt, sehe ich ein paar Affen auf dem Weg sitzen. Die sollen ja eigentlich total frech und neugierig sein. Diese nicht. Als ich die Kamera aus dem Rucksack wurschtele, bemerken sie mich und verschwinden im Unterholz. Schade, aber ich habe zum ersten Mal Affen in freier Natur gesehen. Das war eine schönes Geburtstagsgeschenk.

Gelbe Blümchen
Dschungel von außen
Dschungel von innen

Kreuzfahrer-Dreck und Dreckskreuzfahrer

Diesen Beitrag schrieb ich am 14.12. vor der Abfahrt in Santa Cruz. Er gehörte zu den Beiträgen, die während unserer Atlantiküberfahrt erscheinen sollten. Aus verschiedensten Gründen habe ich auf die Veröffentlichung bislang verzichtet, nach dem Erlebnis heute Nacht ist es mir jedoch ein Bedürfnis, meine Meinung zu Kreuzfahrtschiffen mitsamt ihrer Fracht zu äußern.

Dezember 2019, Santa Cruz, Teneriffa: Vorgestern haben Jens und ich die neue Genua hochgezogen. Es war gerade eine gute Gelegenheit, denn der Wind hatte gerade abgeflaut. Dann geht der Segelwechsel am einfachsten von der Hand, denn das Segel wird nicht wild in der Gegend herum zappeln. Ich stand an der Winsch, um das Segel hoch zu kurbeln, Jens am Vorstag zum Einfädeln das Segels in die Rollanlage. Plötzlich blieb mir die Luft etwas weg, ich fühlte mich, als würde ich direkt am Auspuff eines VW Diesel einen tiefen Luftzug nehmen.

Queen Victoria rußt

Die Queen Victoria liegt heute in Santa Cruz. An derselben Stelle liegt jeden Tag ein anderes Schiff. Alle lassen ihren Dieselgenerator im Hafen laufen. Alle hinterlassen diese fette Rußfahne, die man auf dem vom Vordeck der Sissi aufgenommenen Bild gut erkennen kann. Das ist die eine Seite der Kreuzfahrerei. Ich kann sehr gut verstehen, dass die Venezianer, die Hamburger und eigentlich alle Bewohner der von Kreuzfahrtschiffen überlaufenen Städte dieser Umweltverpestung Einhalt gebieten wollen.

Der Ruß wird vom Wind in den Salon der Sissi getrieben. Den Ruß atmen wir beim Arbeiten auf dem Schiff ein, wir bekommen ihn auch in der Freizeit ab. Er zieht bis in unsere Schlafkoje. Erst wenn sich der Kreuzfahrer mit einem Höllenlärm von seiner Schiffströte mitten in der Nacht verabschiedet, zieht langsam wieder frische Luft durch unser Boot.

Kreuzfahrer mit E-Bikes

Außerdem fallen mit jedem Kreuzfahrtschiff auch Horden von Menschen in den Ort ein. Sie stehen im Supermarkt vor uns normalen Bootstouristen in der Schlange und tragen oft die Lebensmittel und Getränke raus, die wir eigentlich hätten selbst kaufen wollen. Die Supermärkte hier sind klein, meist werden sie erst am folgenden Tag wieder beliefert und aufgefüllt.

AIDS Logo auf dem E-Bike

Ändern können wir es nicht. Wir müssen damit leben. Wenn sie mich dann mit ihren E-Bikes aber auf dem Weg vom Boot zur Dusche fast über den Haufen fahren, dann möchte ich sie am liebsten ins Hafenbecken schubsen. Danke, AIDA, dass du so viele E-Bikes mitgenommen und an deine Passagiere verliehen hast. Könnt ihr nicht wenigstens mit Reisebussen durch die Gegend kutschen, wie die anderen Kreuzfahrer auch? Die Busse machen zwar auch Lärm, dafür fahren sie nicht mitten durch die Marina.


31. Januar 2020, 01:50 Uhr, zwischen Barbados und St. Lucia: Ich liege auf der Couch und döse ein wenig vor mich hin. Meine Wache ist fast zu Ende, in einer guten Stunde werde ich Jens wecken. Bislang war die Wache ziemlich ereignislos – wie fast immer auf dem Atlantik.

Ein penetrantes Piepsen bringt mich aus meinem Dämmerzustand schnell wieder in den Wachzustand. Der AIS-Kollisionsalarm meldet sich. In einer knappen halben Stunde wird die Britannia uns über den Haufen fahren oder ganz nah passieren. Hä? Unser AIS sendet. Unser AIS empfängt. Die können sehen, dass wir ein Segelboot sind. Die können unseren Kurs sehen. Ich mache mir keine besonderen Gedanken, denn viele Kreuzfahrer fahren nach Barbados.

Ich sitze im Cockpit und betrachte den hellen Lichtschein, der sich immer mehr nähert. In den ganzen hellen Lampen kann ich die Positionslampen nicht ausmachen. Unser Windpilot steuert seinen normalen Zickzack. Mal werden wir 30 Meter, mal 300 Meter entfernt von der Britannia den nächsten Begegnungspunkt haben. Und zwar in 20 Minuten. Ich probiere den Nachtfotomodus meines Handys aus, da kann man sogar was erkennen.

Noch 20 Minuten bis zur Begegnung

Die Kurslinie des Kreuzfahrers auf dem AIS ändert sich keinen Zentimeter. Er hält auf uns zu. Ich entscheide mich erst einmal für unsere Kurshaltepflicht, die wir als Segler schließlich haben. Das muss auch der Kerl am Ruder der Britannia wissen. Allerdings unterstütze ich den Windpiloten in seinem Zickzack. Das Zick erlaube ich ihm, das Zack nicht. Eine Viertelstunde später steht fest, dass wir den Kreuzfahrer etwa in 100 bis 200 Metern Entfernung passieren werden. Auf dem Handy erscheint eine Begrüßungs-SMS für das Bordnetz der Britannia. Letztendlich war der kürzeste Abstand weniger groß als die Länge dieses Dampfers.

Unfallfrei passiert, die Britannia ist durch

Frachtschiffe haben bislang immer ihren Kurs für uns geändert, auch die 300 Meter langen Brocken. Fähren sind immer einen großen Bogen um uns gefahren. Nur die Kreuzfahrtschiffe sind eine Gefahr, die machen nach unserer Erfahrung nämlich gar nichts.

Die Dreckskerle fahren einfach stur ihren Kurs weiter. Wenn Passagiere vor den Häfen ausgebootet werden, fahren auch die Dinghis eine schnurgerade Linie, ob da ein Segler vorbei kommt oder nicht. Dies soll keine Verallgemeinerung oder ein Vorurteil sein, dies ist mein Urteil nach 6000 Seemeilen unserer Welttournee und ein Fazit aus mehreren Dutzend Begegnungen mit diesen leuchtenden Trümmern.


Jetzt habe ich meinen Dampf abgelassen. Wir haben noch 10 Meilen bis zur Rodney Bay vor uns, werden wohl bei Tageslicht einlaufen. Dann zwei Stunden duschen und anschließend ein riesiges Steak im Marinarestaurant. So stelle ich mir den Abend vor.

Überraschungsbus

An einem schönen Tag auf Barbados wollen Jens und Jörg schnorcheln gehen. Ich habe dazu keine Lust, Burti auch nicht. Wir wollen an Land gehen und einen Ausflug machen.

Wir haben auch keine Lust, den Touristenhorden hinterher zu traben. Wir wollen eine individuelle Tour machen, die es so in keinem Reiseführer gibt. Also gehen wir zum nächsten Busbahnhof und steigen in den nächsten Bus. Wir wissen nicht, wo der Bus hinfahren wird. Wir wissen auch nicht, wie lange es dauern wird. Die Einheimischen, die wir in der Warteschlange treffen, wollen unser Ziel wissen. Wir kennen es nicht. Die Leute halten uns für komplett beknackt. Ein gelber Bus fährt vor, beschriftet mit “Sam Lords Castle”. Wir steigen ein und es geht los. Eineinhalb Stunden fährt uns der Bus über die Insel, immer weiter durch Vororte von Bridgetown, dann am Flughafen vorbei und dann noch eine halbe Stunde weiter. An der Endstation werden wir mitten in der Pampa rausgeworfen.

Endhaltestelle

Zunächst einmal gibt es hier nicht viel zu sehen. Haben wir den falschen Bus genommen? Die Sonne brennt vom Himmel, Schatten gibt es nicht viel. Nur an der Kreuzung, an der wir den Bus verlassen haben, stehen ein paar Bäume herum.

Blick nach Nordwesten – eine Schule
Blick nach Nordosten – eine Billard Bar
Blick nach Südosten – zum Meer
Blick nach Südwesten – da geht es Richtung Bridgetown

Wir entscheiden uns dafür, erst einmal an der Bar vorbei zu laufen und dann noch etwas die Straße entlang. Die Bar ist ausgestorben, wir wissen aber jetzt, dass wir auf dem Rückweg kalte Getränke bekommen werden.

Vereinzelte Häuser in der weiten Landschaft

An einer kleinen Seitenstraße biegen wir ab, laufen in Richtung des Meeres. Wir wollen versuchen, an den Strand zu gelangen. Viel Hoffnung haben wir nicht, es ist kein Weg zum Strand ausgeschildert und der asphaltierte Weg verwandelt sich bald in Schotter und später in eine Trecker-Fahrspur. Ein paar Pfützen zeugen von Regenschauern, die vor kurzem erst herunter gekommen sein müssen.

Auf dem Weg zum Strand

Der Weg wird unwegsamer, die Sonne brennt heißer und wir wollen nicht mehr allzu weit gehen. Unsere Klamotten sind durchgeschwitzt und die mitgenommenen Wasservorräte gehen immer mehr zur Neige.

Anscheinend war die Idee mit dem Überraschungsbus doch nicht so gut. Wir hätten lieber schnorcheln gehen sollen. Oder einfach den Tag mit den Einheimischen Rum saufend verbringen sollen. Oder an Bord bleiben und das Nichtstun pflegen. Doch dann gehen wir um eine Ecke und wie aus dem Nichts taucht die schönste karibische Bucht auf, die wir uns jemals hätten vorstellen können.

Felsen umrahmen die kleine Bucht
Perfekte karibische Bucht

Wir klettern über eine steile, halb verfallene Treppe an den Strand herunter und laufen bis zum Meer. Alles ist ein wenig unwirklich.

Treppe

Zwischen den Palmen stellt sich bei uns ein gewisses Dschungelgefühl ein. Es liegen hier keine leeren Getränkedosen herum, kein Müll und kein Dreck. Nur ein paar Kokosnüsse faulen am Boden, von Tieren leer gefressen.

Dschungelgefühl

Es ist einsam, außer uns gibt es hier keine Menschen. Es herrscht Ruhe und Frieden. Die Wellen brechen sich, das Wasser leuchtet in den schönsten Blautönen. Herrlich.

Unberührter Strand

Wir laufen mit nackten Füßen durch den Sand, die Wellen spülen um unsere Unterschenkel. Wir könnten hier noch Stunden verbringen. Zum Baden ist es zu gefährlich. Entspannen können wir hier gut. Die Freude ist groß.

Burti am Wasser

So stellt man sich die Karibik vor, wenn man die Prospekte der Reiseveranstalter sieht. Solche Bilder bekommen die Kreuzfahrttouristen nicht zu sehen. Hier gibt es nichts, nicht einmal einen Rumverkäufer.

Burti im tropischen Paradies
Jörg im tropischen Paradies

Auf dem Rückweg zur Bushaltestelle kehren wir in allerbester Stimmung in der kleinen Bude gegenüber von der Billard Bar ein. Es gibt kalte Cola und kaltes Bier. Dazu kommt Reggae-Musik aus einer Boom-Box. Die Einheimischen stellen für uns Stühle in den Schatten, damit wir einen kühlenden Luftzug abbekommen.

Kiosk und Bar

Die Leute sprechen zwar kein Wort Deutsch, können aber an den Zischlauten unsere Sprache erkennen. Wir kommen ins Gespräch. Es wird ein schöner Nachmittag. Einer der Locals wiegt kleine Portionen Marihuana verkaufsfertig ab, ein anderer verkauft sie an der Straße. Ein dritter verpackt selbst angebauten Tabak zu verkaufsfertigen Portionen. Ständig kommen Leute vorbei, die sich hier ihren Rauch kaufen. Alles geht ganz entspannt, selbst wir Bleichgesichter werden akzeptiert. Sitzen wir doch mit den Einheimischen zusammen und unterhalten uns angeregt.

Auf dem Rückweg nach Bridgetown fahren wir mit einem Reggae-Bus. Das Radio spielt laut, die Fenster stehen offen. Wir inhalieren den Duft der Insel noch einmal und hoffen, dass Jens und Jörg einen ebenso schönen Tag hatten.

Reggae Bus

Der Busfahrer fährt uns in seinem gelben Bus vollkommen entspannt über die Insel und durch den Stau in Bridgetown.

DISCLAIMER: In alles öffentlichen Verkehrsmitteln, Taxis, Bars, Restaurants und unter Dächern gilt auf Barbados ein Rauchverbot.

WiFi in der Strandbar

Bei Roaming in der Länderklasse 3 zahlt man als Deutscher einen Laster voll Geld, wenn man über die deutsche SIM-Karte telefoniert oder das Internet nutzt.

Also haben wir so nah am Strand geankert, wie wir verantworten konnten und unsere große Antenne aufgebaut.

Anschließend klapperten wir die Strandbars ab uns sammelten die Passwörter ein.

Sonnenuntergang in Extremkitsch

Ein solcher Strandspaziergang ist nicht nur der Konnektivität förderlich, sondern bietet am Abend auch tolle Ausblicke.

Am meisten Spaß machen die extrem kitschigen Sonnenuntergänge. Ich habe das eine oder andere Bild schon verschickt, bevor ich es jetzt ins Blog nehme. Auf diese Sonnenuntergangskitschbilder bekomme ich die meisten Reaktionen.

Kitsch mit Mond

Anscheinend ist es das, was ihr zu Hause aus der Karibik sehen wollt. Bitteschön, ich kann liefern.

In der Tagesschau heute habe ich von Sturmtiefs und Schneefall gehört. Unvorstellbar, hier sind es mitten in der Nacht noch 26°C.

Dieser Beitrag wurde über das WLAN der Copacabana Bar gepostet.

Fischmarkt

Wir haben einen Fisch auf der Fahrt über den Atlantik gefangen. Davon konnten wir zwar drei Wochen leben (der Fisch war ja riesengroß), aber irgendwann war er aufgegessen.

Fleisch ist auf Barbados nur in geringer Qualität bzw. zu Apothekenpreisen erhältlich. Fast alles wird tiefgefroren aus den USA eingeflogen. Fisch wird jedoch vor Ort gefangen und auf dem Fischmarkt verkauft.

So hatten wir feine Thunfisch-Steaks (4 Stück für 28 $ bzw. 14 €) oder Blue-Marlin (22$) in allerbester Qualität.

Fischmarkt

Jedem Besucher sei ein Besuch des Marktes angeraten. Man muss auch nicht so früh aufstehen, der Markt bietet auch gegen Mittag noch ein großes Angebot.

Thunfisch

Für den Transport zum Segelboot packen die Händler den Fisch auf Eis, dann bleibt er auch bei 30°C noch frisch bis zum Kühlschrank. Lekker.

Blue Marlin

Busfahren auf Barbados

Zunächst wollten wir ein Auto mieten. Es gibt die großen, bei uns auch bekannten Autovermieter, die hier allerdings auch große Preise nehmen. Dann gibt es noch kleine, lokale und günstige Vermieter, die jedoch auf Wochen ausgebucht sind. Also entschieden wir uns für den Bus.

Busbahnhof

Mit dem Bus kann man die ganze Insel erkunden. Es gibt die blauen Gouvernement-Busse, die gelben Privatbusse und weiße Sammeltaxis mit großer Musikanlage darin.

Im Schnitt fahren die Busse jede Stunde und bis spät in die Nacht. Unabhängig vom Anbieter und der Länge der Fahrt kostet eine Fahrkarte immer 3,50 $, also etwa 1,75 €. Das ist günstig. Wichtig ist, immer abgezähltes Kleingeld dabei zu haben. Das wirft man beim Busfahrer in den Zahlkasten.

Gelber Privatbus

Die Einheimischen rieten uns desöfteren, die gelben Busse zu nehmen und nicht die blauen. Die gelben Busse seien zuverlässiger. Um das in seiner Gänze zu beurteilen, fehlt mir die Erfahrung mit den Bussen auf Barbados. Fakt ist jedoch, dass man Zeit und Muße mitbringen muss, wenn man mit dem Bus die Insel erkunden möchte.

Grundsätzlich kann man wirklich in jede Ecke mit dem Bus fahren. Und so lange man Kleingeld hat, nehmen sie einen mit. Praktisch ist es jedoch so, dass die Fahrpläne etwa so viel wert sind wie bei der Deutschen Bahn. Gar nichts. Die Busse fahren ihre Linienwege ab und kommen, wenn sie kommen.

Bei einer unserer Touren habe ich das Foto von den Schülerinnen der Mädchenschule geschossen. Sie warteten nach Schulschluss gemeinsam auf den Bus.

Schüler warten nach Schulschluss auf den Bus

Wir warteten auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf den Bus in die andere Richtung. Plötzlich erschien ein Bus mit der Beschriftung “SCHOOL” und wir dachten, dass er die Mädchen einsammeln würde. Dachen die Mädchen auch, denn sie packten ihre Taschen und machten sich bereit zum Einsteigen. Nur dem Busfahrer hat keiner was davon gesagt – er ist weiter gefahren.

Der Bus ist durchgefahren

Einige machten sich daraufhin zu Fuß auf den Weg. Das scheint hier öfter vorzukommen. Andere Schüler haben geduldig gewartet, teilweise bis zu zweieinhalb Stunden. Sie waren schon da, als wir ankamen, in der örtlichen Bar ein paar Erfrischungsgetränke zu uns genommen haben und dann selbst noch eine Stunde auf den Bus gewartet haben. Wenn ich überlege, wie manchmal in Deutschland über den Schulbusverkehr geschimpft wird… Die Schüler auf Barbados haben in dieser Hinsicht kein leichtes Leben.

Im Bus

Als der Bus endlich kam, klumpten sich die Schüler sofort um die Eingangstür. Wir waren da erst einmal hinten dran. Dann wurden wir entdeckt. Weiße. Touristen. Fremde. Die Schüler wurden von der Tür weggescheucht und wir durften zuerst einsteigen und uns hinsetzen. Wow!

Mitfahrt im blauen Gouvernement Bus

Ich habe ein kleines Video von der Mitfahrt im blauen Bus gedreht. Die Straße hat jede Menge Schlaglöcher, der Bus klappert aber alles ist gut.

Außerdem habe ich einen Videoschnipsel aus einer Mitfahrt mit dem Sammeltaxi, wo der “Schaffner” des Sammeltaxis Kunden auf der Straße einsammelt.

Im weißen Sammeltaxi

Viele EU Vorschriften nerven vielleicht. So müssen bei uns die Busse eine Wegfahrsperre haben, damit der Bus nicht mit offenen Türen losfahren kann. Hier auf Barbados ist die offene Tür eigentlich der Standard. So mussten wir es erleben, wie ein Mann aus unserem Bus bei der hinteren Tür aussteigen wollte und der Busfahrer losgefahren ist, während der Mann noch am Aussteigen war. Die Fahrt war für uns zu Ende, wir mussten auf den nächsten Bus warten.

Warten auf den Bus

Die Menschen hier sind jedenfalls geduldig, wenn sie auf den Bus warten. Da meckert keiner, da zappelt keiner. Warten haben sie alle gelernt.

Warten auf den Bus

Noch ein paar Worte zu den Haltestellen. Die gibt es wie Sand am Strand. Die Haltestellen sind alle beschriftet mit den Worten “TO CITY” oder “OUT OF CITY” und damit wird die Fahrtrichtung des Busses angegeben. City ist in diesem Fall die Hauptstadt Bridgetown. Entweder fahren die Busse dorthin oder sie fahren von dort weg. Ein einfaches System, da kann man auch als Tourist nichts falsch machen.

Haltestelle “OUT OF CITY”

Auf jeden Fall sind alle Busfahrer hier total freundlich. Sie sammeln sogar Fahrgäste außerhalb der Haltestellen ein, wenn man ihnen zuwinkt. Und wir Touristen werden immer wieder gefragt, wo wir hinfahren wollen. Damit wir nicht im falschen Bus sitzen. Toll!

Geburtstag unter Palmen

Happy Birthday Jens. Jens wurde gestern 37 Jahre alt. Ich hätte diesen Beitrag gerne einen Tag früher geschrieben, aber das Internet an Bord hat mal wieder geklemmt.

Since 1983 – Jens

Zum Geburtstag bekam er von mir das einzige Hemd, das er in seiner Garderobe hat. Er trägt es mit Stolz. Nicht jeder kann seinen Geburtstag in der Karibik feiern.

Der letzte Apfelwein für die Feier

Extra für die Geburtstagsfeier haben wir das letzte Fass Apfelwein aufgehoben, es fährt seit Holland mit uns mit und wurde dem Zoll immer verschwiegen.

Kühler Äppler in der Ankerbucht

Das Wetter meinte es gut mit Jens, statt des obligatorischen Starkregens gab es einen der schönsten und kitschigsten Sonnenuntergänge zu sehen, die wir auf Barbados hatten.

Viele Glückwünsche sind eingegangen, Jens müht sich nach Kräften, sie über die wackelige Internetverbindung zu beantworten.

Kitsch zur Feier

Happy Birthday Jens.

Gewonnen hat…

Ich wollte ja eigentlich ein paar Tage mit dem Bloggen aussetzen, dann ist mir aber aufgefallen, dass noch etwas fehlt. Die Bekanntgabe, wer den besten Tipp abgegeben hat hinsichtlich unserer Ankunftszeit.

Im Logbuch steht:
19. Januar 2020 um 17:15 Uhr festgemacht in Port St. Charles, Barbados

Da es sich hierbei um Ortszeit handelt, rechne ich die erst einmal um in UTC – das ist dann 21:15 Uhr. Schließlich haben wir die meisten Tipps in UTC bekommen. Die anderen rechne ich natürlich auch um.

  • Gregor, 19.1. 0:39 Uhr
  • Martin, 19.1. 1:40 Uhr
  • CeBe, 19.1. 3:00 Uhr
  • Christine, 19.1. 20:00 Uhr
  • Jörg, 19.1. “gegen Abend”
  • Niels, 20.1. 7:07 Uhr

Was mache ich nun? Christine lag nur eine Stunde und 15 Minuten daneben, wenn ich ihren Tipp nach UTC umrechne. Ich glaube aber, sie hat Ortszeit gemeint, dann lag sie lediglich fünf Stunden und 15 Minuten daneben.

Niels hat nur 9 Stunden und 52 Minuten daneben gelegen.

Also hat unsere Schwester Christine den besten Tipp abgegeben. Der war aber per Mail und somit nicht ganz regelkonform. Ich komme also zu folgendem Ergebnis: Christine hatte den besten Tipp und Niels ist der Sieger im Tippspiel. Das Foto muss ich noch heraussuchen, ich konnte mich bislang noch nicht für ein Bild entscheiden. Ich schicke es dann einfach an beide!

Willkommen an Bord

Hier in Bridgetown kam es zu einem Crewwechsel. Jakob ist von der Sissi auf die Björkö umgezogen, dafür sind Burti und Jörg auf der Sissi eingezogen. Sie werden uns bis Martinique begleiten. Gleich am ersten Tag ist Jörg auf seine Brille getreten, deswegen waren wir heute beim Optiker in der Stadt. Ich habe mir vor ein paar Tagen auf dem Atlantik ein Inlay aus dem achteren Backenzahn auf der Steuerbordseite herausgebissen, deswegen waren wir auch beim Zahnarzt.

Das alles geschah bei bestem karibischen Wetter, nämlich bei Starkregen. Wir hatten das Dinghi im Ort noch nicht angebunden, da goss es schon aus Kübeln. Das änderte sich im Laufe des Tages selten, wenn die Sonne mal zu sehen war, dann war mächtig Waschküche im Ort.

Bridgetown im Regen

Morgen wollen wir mit dem Bus einen Ausflug über die Insel machen. Ich werde mit der Kamera wedeln und ansonsten meine Finger noch ein wenig ausruhen.

In den Beiträgen von der Überfahrt über den Atlantik habe ich die kleinen Bilder durch normal große Bilder ersetzt.