Trübe Aussicht

Wir verschweigen nichts. Wir berichten live von unserer Segelreise. Wir setzen alles daran, Neid bei euch zu Hause in Deutschland zu erzeugen. Und jetzt das. Es gießt aus Eimern.

Regen in Lagos

Schon in Sines hatten wir ordentlichen Regen. Da kam er allerdings in der Nacht, hat uns ein wenig überrascht und für sehr viel Nässe im Schiff gesorgt. Jetzt haben wir in Lagos schon wieder Regen. Hat Wikipedia etwa recht? In Portugal soll von Oktober bis März die regenreichste Zeit sein. Das stimmt offenbar. Es regnet und das nicht zu knapp.

Wir sind ein wenig unmotiviert und haben heute Sissi noch nicht verlassen. Statt dessen haben wir aufgeräumt, gründlich geputzt und polieren jetzt das Blog bzw den Instagram-Account.

Flüssiger Sonnenschein

Gestern hörten wir zuerst das Eintracht-Spiel gegen Leverkusen im Radio. Beim 3:0 Heimsieg konnten wir oft genug unseren Torjubel in der Marina verteilen. Anschließend hatten wir, die Sissis, einen schönen Abend mit den Gentoos (Danny, Marc und Mathilda), den Daphnes (Uta und Michael) und der Zora (Susanne) auf der Gentoo. Eine schöne Runde. Das Cockpit der Gentoo war wegen Überfüllung fast schon geschlossen.

Der Abend brüllt fast nach einer Wiederholung, doch Wiederholungen gibt es im Leben nicht. Morgen starten die Gentoos Richtung Kanaren, die Daphnes wollen vorher noch nach Madeira und wir suchen uns eine schöne Ankerbucht. Außerdem soll der Regen morgen durch sein.

Regenbogen

Ins Wasser gefallen

Wir sind immer noch in Sines. Heute Nacht hatten wir hier ein Naturereignis besonderer Art. Als ich heute früh aufgestanden bin, war der Teppich im Salon ziemlich nass. Auch im Cockpit stand das Wasser in Pfützen.

Zum Glück hatte ich vor dem Schlafen noch die Dachluke über unserer Koje geschlossen. Sonst hätten wir das Wasser auch im Bett. Dann wäre der Regen jedoch in der Nacht nicht unbemerkt geblieben.

Wann hätten wir eigentlich den letzten Regen? Ein paar Minuten in Roscoff. Ein paar Tropfen in Porto. Der letzte starke Regen war auf Islay, da gab es einen oder zwei Regentage. Und im Caledonian Canal. Seit dem brauchten wir keine Regensachen mehr. Wikipedia schreibt, dass in Portugal von Oktober bis März der meiste Regen fällt.

Wir haben den Regen verschlafen, nicht einmal damit gerechnet. Unsere Schuhe standen über Nacht auf dem Steg und sind jetzt triefend nass. Sie wollen getrocknet werden. Zum Glück ist noch eine alte Zeitung da.

Schuhe trocknen

Außerdem trocknen wir gerade das Schiff. Die Abfahrt heute ist ins Wasser gefallen. Positiv daran ist, dass wir Sissi nicht von der Salzkruste des gestrigen Am-Wind-Kurses befreien müssen. Das hat die Natur gründlich für uns erledigt.

Das ist alles nicht so schlimm. Sines hat mehr als einen Spaziergang zum Supermarkt verdient. Guten Wind bekommen wir wieder und zur Not ist unser Dieseltank noch fast ganz voll. Seit dem Tanken in Vigo hatten wir kaum Motorstunden. Wenn es nicht mehr regnet, gehen wir Vasco da Gama suchen.

Warm hier.

Wir wollten das ja so. Wir wollten in den Süden. Wir sind auf dem Weg zur Barfußroute. Aber dass es jetzt plötzlich wieder so heiß ist, wie hier vor den Toren Lissabons, damit hätten wir erst einmal nicht gerechnet. Seit wir in Portugal sind, frieren wir am Abend immer, wenn die Sonne sich schlafen legt und die kühle Luft vom Atlantik her reinkommt.

Jetzt hat sich die Wetterlage gerade ein wenig gedreht. Es herrscht extreme Flaute, kein Lüftchen regt sich. So hat die Sonne hier eine Chance, uns richtig einzuheizen. Tagsüber liegen die Temperaturen um 26°C herum, nachts sind es dann angenehme 21°C. Mal sehen, wie es in dieser Beziehung noch weiter geht.

Bei diesen Temperaturen ist es sehr schade, dass von zwei Duschen der Marina eine komplett ausgefallen ist. Die andere liefert seit gestern nur noch kaltes Wasser, irgendwo scheint da ein Rohrbruch in der Warmwasserleitung zu sein. Sollte man eigentlich zügig reparieren.

Sissi in Oeiras – mit Sonnensegel

Wir haben das Sonnensegel in den letzten Wochen nicht oft gebraucht, es war einfach nicht warm genug. Jetzt ist es wieder über das Cockpit gespannt und spendet Schatten. Außerdem lenkt es den wenigen Wind so um, dass er quer durch Sissi hindurch weht und angenehmen Luftzug spendet.

Außerdem passieren bei diesen Temperaturen merkwürdige Dinge. Jens, der bei seinen T-Shirts immer auf die korrekte Farbe achtet (Schwarz!), hat plötzlich andersfarbige Textilien aus seinem Portfolio gezogen.

Jens in einem weißen T-Shirt

Dass Jens mal mit einem nicht-schwarzen T-Shirt auf einem Bild zu sehen ist, hätte ich mir bislang nicht vorstellen können. Ein klarer Verstoß gegen die Kleiderordnung.

Morgen soll sich das Wetter nicht ändern. Am Dienstag ist Starkwind vorher gesagt. Wahrscheinlich starten wir am Mittwoch zur Weiterfahrt. So lange schauen wir uns noch die Sehenswürdigkeiten von Lissabon an. Außerdem mach Oeiras auch Spaß! Die Surfer hier stürzen sich in die größten Wellen. Zuschauen mit garantiertem Nervenkitzel!

Wir sind bereit.

Alle Arbeiten sind getan. Der Motor brummt wieder und verliert keinen Diesel mehr. Einige Kraftstoffleitungen waren marode, es war gar keine Undichtigkeit im Hochdruckbereich. Falls noch weitere Leitungen marode werden, hat uns der Mechaniker einen Meter Ersatz dagelassen.

Wind von heute, 15:00 Uhr MESZ

Leider herrscht auf der ganzen Nordsee Flaute. Wenn wir jetzt losfahren, brauchen wir 300 Liter Wind aus dem Tank und haben die Nordsee gerade einmal halb überquert. Die Situation ist nicht gut.

Morgen schaut es auch nicht besser aus.

24 Stunden später

Am Mittwoch gibt es wenig Wind in unserer Richtung, wir wollen fast nach Norden, um bei Peterhead in Schottland zu landen.

So wird es am Donnerstag sein

Auch am Donnerstag ist auf der Nordsee nicht mit Wind zu rechnen. Es läuft da ziemlich weit im Norden eine Störung durch, an der Rückseite herrscht aber Flaute.

Könnte segelbarer Wind werden am Freitag

Erst am Freitag zeigt sich vor den Niederlanden einigermaßen segelbarer Wind. Wir werden es beobachten, schauen, prüfen, überlegen und irgendwann starten. Der Kühlschrank ist immer noch voll. Einer Wettervorhersage traue ich höchstens drei Tage weit.

Also: Wir sind bereit.