April, April

Das Aprilwetter gibt es auch in der Karibik. Jedenfalls war es in den letzten Tagen so, wie man es dem April nachsagt. Ich komme mit den Holzarbeiten auf Sissi nicht voran, weil fünf Minuten, nachdem das Holz wieder abgetrocknet ist, der nächste Regenschauer herunterkommt.

Es fängt gerade wieder an zu regnen, die ersten Tropfen klatschen herunter und ich muss die Fenster schließen.

Nach zwei Jahren in der Karibik ist für mich der Reiz des Neuen völlig verflogen. Ich habe echt keine Ahnung, warum es die Leute immer wieder hierher zieht. Alles ist sauteuer, es ist heiß, schwül und auf die Arbeit der Leute kann man sich kaum verlassen. Außerdem regnet es jeden Tag. Vor zwei Jahren war es in Martinique wenigstens noch so, dass es nur einmal am Tag geregnet hat. Hier und heute ist Regen am Morgen keine Garantie dafür, dass es keinen Regen am Nachmittag geben wird.

Nach wenigen Sekunden kommt das Wasser dann in rauen Mengen vom Himmel geflossen.

Es ist Freitag und ich könnte eigentlich mit Schleifarbeiten anfangen. Das Boot ist gerade trocken. Heute früh habe ich aber Fred mal wieder in seinem Büro aufgesucht. Der hat bei Electro Diesel Service angerufen und siehe da, die Pumpe ist angeblich fertig. Ist das etwa ein Aprilscherz? Da ich sowieso in die Nähe des Bosch Dienstes muss, weil in der Nachbarschaft ein sehr gut sortierter Bootsausstatter ist, kann ich ja gleich mal die Pumpe besuchen gehen.

Hier geht es rein, diese Fotos habe ich bisher immer vergessen aufzunehmen.

Ich spaziere munter in den Laden, der Angestellte erkennt mich gleich. Ist ja nicht mein erster Besuch. Tatsächlich kommt sogar Mr. Michel, der Inhaber, mit der Pumpe im Arm auf mich zugelaufen und will sie mir gleich mitgeben. Ich habe aber keine Lust, sie durch die ganze Stadt zu schleppen, das ist der Job von Fred. Eine schnelle Innenaufnahme noch und dann muss ich auch schon zu meinem Bus zurück in die Marina. Die Pumpe ist ja nun zum dritten Mal repariert worden, vielleicht funktioniert sie jetzt.

Holgers Kommentar war, dass hier ordentlich aufgeräumt wurde. Hier hat meine Pumpe also für fast zwei Monate gewohnt.

Wenn es mit der Reparatur diesmal auch nicht geklappt hat, werde ich mir von Jens eine Pumpe aus Deutschland mitbringen lassen. Ich habe ein Foto der Plakette an einen Bosch Dienst in Frankfurt geschickt, dort haben sie sogar noch eine passende Pumpe im Lager gefunden. Nein, stimmt nicht ganz. Sie suchen noch, laut Computer muss sie aber auf Lager sein.

Plakette

In der Nachbarschaft tut sich etwas. Vor ein paar Tagen ist der Besitzer der Mahi Mahi zurückgekommen. Nach einer heftigen Grundberührung hatte er eindringendes Seewasser, der Kiel musste abgenommen werden und es ist ein Schaden von 25000€ entstanden. Bemerkenswert ist, dass es die Arbeiter sogar in der veranschlagten Zeit einigermaßen hinbekommen haben. Der Kiel wird lediglich eine Woche später angehängt, als vorher veranschlagt war.

Manche Firmen arbeiten zuverlässiger als andere… nur eine Woche nach dem Termin.

Ein weiterer Leidensgenosse hat heute die Werft verlassen. Mein Nachbar mit dem blauen Segelboot ist unter großem Getöse ausgelaufen. Auch ich habe mein Horn tröten lassen, das wenigstens funktioniert hervorragend. Vorgestern Nacht haben die Nachbarn bei absoluter Windstille ihre Segel gesetzt, sich mit einer Flasche Rotwein auf den Steg gesetzt und ihr Boot bewundert. Ich glaube, ich setze die Segel einfach auch einmal, weil ich es kann.

Generalprobe in der Dunkelheit. Dazu Rotwein.

Eine kleine Anmerkung habe ich noch zu karibischen Verhältnissen. Offenbar gedeihen Verkehrsampeln in der Karibik gar nicht gut. Während es in Aruba immerhin ein funktionierendes Exemplar gibt, habe ich auf Guadeloupe bislang ausschließlich abgeschaltete Ampeln gesehen. Selbst die Ampel vor der Universitätsklinik, die eigentlich ausfahrende Rettungswagen schützen sollte, zeigt lauter dunkle Lichter.

Eine von vielen ausgeschalteten Verkehrsampeln.
Ausgesprochen hübsch. Rathaus von Pointe-à-Pitre.

Gegen 13 Uhr kommt Fred mit der Pumpe. Ich hätte nicht gedacht, dass er so früh kommt. Normalerweise hat er erst kurz vor Feierabend für mich Zeit. Eigentlich habe ich gar nicht mit ihm gerechnet. Vielleicht ist es ja doch hilfreich, wenn ich den Leuten auf den Keks gehe und ständig beim Electro Diesel Service vor der Tür stehe. Inzwischen ist Fred ein Routinier am Mercedes Benz. Der Einbau findet in Rekordzeit statt und schon bald läuft der Motor wieder. Allerdings ist das Problem nicht endgültig gelöst, ab 1200 Umdrehungen fängt die Drehzahl wieder an, in den Himmel zu sausen. Fred möchte eine Probefahrt machen. Ich überlege, wie ich mir den Platz so lange sichern kann, wie ich ihn brauche. Vielleicht kann ich meinen Nachbarn, der an Sissi in der zweiten Reihe parkt, überreden, mir den Platz bei meiner Rückkehr wieder zu geben.

Der dritte Einbau der Pumpe.

April, April. Schon ist er da. Ich freue mich schon auf die Einsamkeit des Atlantik. Nur den Wind und die Schiffsgeräusche im Ohr, keine Schleifmaschinen, Hämmer und Motoren mehr hören müssen. Frische Seeluft anstelle von Feinstaub. Das einzig Gute an dem Aprilwetter hier ist, dass die feinen, ungesunden Farbpartikel regelmäßig aus der Luft und vom Boden abgewaschen werden. Ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels.

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