Zurück in Lagos – Arbeitseinsatz auf Sissi

Wir sind wieder in Lagos gelandet. Abends um 19:10 Uhr sind wir angekommen und haben vor der Klappbrücke beim Marinabüro festgemacht. Das hat zwei Vorteile – einmal müssen wir die Nacht am Wartepontoon nicht bezahlen und zum anderen ist der Weg ins Marinabüro sehr kurz, dort warten fünf schwere Pakete auf uns.

Klappbrücke vor der Marina – öffnet nur zu den Öffnungszeiten des Marinabüros

Denn nach dem schönen Aufenthalt in der Ankerbucht heißt es nun, Sissi weiter für unsere Langfahrt zu optimieren, zu bevorraten und zu putzen. Erst einmal haben wir gefühlt zwei Tonnen Sand aus dem Boot und dem Dinghi waschen müssen, wir haben scheinbar den halben Headache Beach mit an Bord genommen.

Wie ich schon geschrieben habe, hatten wir eine Stromlücke von ca. 60 Ah am Tag. Bei knapp 600 Ah in den Versorgungsbatterien waren diese also innerhalb von fünf Tagen leer gesoffen (man sollte nur die halbe Kapazität der Batterie nutzen). Bei einem großen Versandhaus für Segelzubehör haben wir ein komplettes neues Solarkraftwerk bestellt, das im Marinabüro auf uns wartete. Der Büromann hat ziemlich über die großen Pakete gestaunt, er hat noch mehr gestaunt, als wir ihm weitere Pakete ankündigten. Zwei Tage haben wir für den Aufbau des neuen Stromlieferenten eingeplant und sofort mit der Arbeit begonnen.

Sissis super Solarkraftwerk

Nach Montage und Verkabelung war es ein tolles Gefühl, den Einschalter zu drücken und zu sehen, wie sich der Ladestrom plötzlich vervierfacht. Stark!!! Es hat sich voll gelohnt. Nach etwa sechs Stunden harter Arbeit waren wir fix und fertig und reif für die Dusche.

Am heutigen Tag, dem Tag nach der Montage, haben wir das Landstrom-Ladegerät abgeschaltet und dafür sämtliche Geräte eingeschaltet, die wir beim Segeln brauchen. Das Radio spielt zusätzlich und es herrscht quasi Windstille, das Windkraftwerk liefert gar keinen Strom. Trotzdem sind unsere Akkus jetzt nach mehreren Stunden bei teilweise bedecktem Himmel und teilweise schönem Sonnenschein immer noch zu 100% gefüllt. Ein gutes Gefühl. Heute Abend ist Abrechnung, dann lesen wir mal ab, wie die Stromproduktion war.

Solarkraftwerk bei der Arbeit

Meiner Meinung nach verunstalten die Paneele unser Boot nicht wirklich, wir haben eher die „Langfahrtoptik“ verbessert. Die anderen Solarzellen auf dem Cockpitdach kann man nicht sehen, wenn man sich nicht an Bord befindet.

Begehbare Solarzellen auf dem Cockpitdach

Eine kleine Spritztour mit dem Land-Dinghi, dem Bordfahrrad, zum Fotoladen später hielten wir den Abzug eines tollen Fotos vom Frankfurter Römer in der Hand. Das wunderschöne Bild hat unser Vater vor ein paar Jahren aufgenommen. Jetzt hängt das Bild bei uns im Salon und sieht gut aus.

Frankfurter Römer

Der Mann im Marinabüro hatte einen leicht gequälten Blick im Gesicht, als ich heute wieder bei ihm war, um die nächsten Pakete abzuholen. Die hat er wohl selbst ins Paketlager schleppen müssen. Es sind zwei Pakete aus Frankfurt Bonames von unserer Lieblingsmetzgerei Haase, die uns über den Atlantik helfen werden. An dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Dank an Jens Haase und das ganze Team in der Metzgerei. Ohne euch wäre unser Speiseplan weniger lecker.

40 kg leckere Wurstwaren und Kaffee aus Frankfurt am Main – Heimat zum Essen!

Auf der Strandparty hat einer der anderen Segler zu mir gesagt, dass wir noch nicht richtig losgefahren wären, wenn wir uns Konserven aus der Heimat bestellen. Das liegt vielleicht daran, dass man aus Frankfurt nicht wirklich losfahren kann, Frankfurt bleibt einfach im Herzen drin.

Apropos Frankfurt im Herzen: Wir warten noch auf ein letztes Paket aus Frankfurt am Main, das unsere Eltern zu uns geschickt haben. Doch wir fühlen uns ein wenig wie damals in Wales, als wir auf den Watermaker gewartet haben. DHL hat das Paket zwar nicht nach Athen geschickt, es ist jedoch mal wieder fehlgeleitet worden und scheinbar noch nicht aus Deutschland herausgekommen. Als ich dem Mann im Marinabüro ein weiteres Paket angekündigt habe, sah ich wieder diesen gequälten Gesichtsausdruck.

Wieder eine Fehlleitung von DHL

Unsere bisherigen Erfahrungen mit den unterschiedlichen Paketdiensten sind sehr unterschiedlich. UPS hat immer pünktlich geliefert, manchmal sogar noch vor dem angekündigten Termin. DPD war zuverlässig und pünktlich. DHL hat bei der Hälfte der Lieferungen Fehlleitungen produziert und noch nie pünktlich geliefert. Pünktlich ist für mich, wenn das Paket am angekündigten Tag ankommt.

Es dauert noch ein paar Tage, bis der Wind für die Überfahrt auf die Kanaren passt, also haben wir noch eine echte Chance, diese Lieferung auch noch zu bekommen. Wir sind optimistisch!

Versorgung, Verbrauch und Entsorgung

Der Batteriemonitor zeigt es uns gnadenlos. Wir verbrauchen zu viel Strom. Seit wir vor Anker liegen, haben wir eine Stromlücke von ca. 60 Ah an jedem Tag. Die Sonne scheint nicht so viel, wie wir uns das gedacht haben. Der Wind bläst nicht so stark, wie wir uns das vorgestellt haben. Und deswegen verbrauchen wir jeden Tag mehr Strom, als wir mit unseren beiden Kraftwerken erzeugen.

Nur fünf Meilen von uns entfernt warten in der Marina Lagos zwei Solarpaneele auf uns, die wir noch einbauen wollen. Damit werden wir die Stromlücke wohl restlos stopfen können. Innerlich können wir da quasi schon einen Haken dran machen, die Montage will natürlich noch gemacht sein.

Jetzt läuft erst einmal der Dieselmotor für eine Stunde, mit dem auf diese Weise erzeugten Strom können wir die Stromlücke bis Dienstag stopfen.


Der Router zeigt uns ebenso gnadenlos, dass wir ziemlich viele Daten verbrauchen. In Deutschland ist derjenige König, der ein mobiles Datenvolumen von fünf Gigabyte und mehr im Monat hat. Darüber lachen wir inzwischen nur, denn die fünf Gigabyte verbrauchen wir an einem normalen Hafentag oder vor Anker.

Zum Glück sind mobile Daten in Portugal nicht nur in Form von Internet-Globuli erhältlich, sondern werden eher mit dem 38-Tonner angeliefert. Bei NOS gibt es eine mobile Flatrate für das Internet für 1€ am Tag. Also 15 Tage für 15€ bzw. 30 Tage für 30€. Aufladen lassen sich die Karten bei NOS im Laden bzw. bei jeder Post. Das ist praktisch. Die ersten 15 Tage sind verbraucht, in dieser Zeit liefen 90 GB Daten durch unseren Router. Jetzt wissen wir, dass wir für ein auskömmliches Leben mindestens 6 GB pro Tag brauchen. Das Internet kostet also 17 ct pro Gigabyte in bester 4G-Qualität und funktioniert noch einige Meilen vor der Küste.

Jens kommt von einer Versorgungsfahrt zurück

Wir versorgen uns natürlich wie alle Ankerlieger per Schlauchboot. Es gibt ja keinen Stadtbus in der Vorstadt. Den großen Einkauf haben wir schon in Lagos erledigt, als wir in der Marina lagen. Was uns dann noch fehlt, müssen wir mit dem Schlauchboot heranschaffen. Das macht einigermaßen Spaß, denn wenn man es nicht paddeln muss, ist Dinghi-Fahren lustig.


Und dann verbleibt da noch die Entsorgung. Damit wir die müffelnden Müllsäcke nicht irgendwo an Bord stapeln müssen, haben wir uns schon vor ein paar Wochen eine Oscar-Tonne besorgt. Da passen 90 Liter Müll rein und der Deckel ist verschließbar. Damit stinkt der Müll nicht im Boot rum und die Tonne ist mit einem Spanngurt auch seefest verzurrt. Auf dem Atlantik wird das noch nützlicher sein als hier in der Bucht, denn leider hat man vergessen, unterwegs Recyclingstationen zu verankern.

Oscar-Tonne

So eine Tonne haben wir in Schottland, Irland, Nordirland, Wales, Guernsey, Frankreich und Spanien vergeblich gesucht. Es gab immer nur die praktischen Tonnen, deren Deckel man mit dem Fuß öffnet und die leider nicht geruchsdicht verschließbar sind. In Porto endlich haben wir sie im Baumarkt gefunden. Nützlich.

Langsam geht unser Aufenthalt in der Ankerbucht seinem Ende zu. Morgen ziehen wir das Grundeisen wieder nach oben und verduften in Richtung Lagos. Dort wartet die ganze Arbeit mit den Solarpaneelen auf uns. Es muss auch endlich mal jemand auf den Mast rauf, denn das Rigg schreit nach einer Kontrolle, bevor wir uns auf den langen Weg zu den Kanaren machen. Mit etwas Glück öffnet sich gegen Ende der Woche dann ein Wetterfenster – die Prognosen sehen gar nicht so schlecht aus. Also genießen wir noch einen letzten Abend den Ankerkitsch, bevor es wieder an die Schufterei geht.

Ankerkitsch

Headache Beach

…oder der 50. Geburtstag. Ein gesellschaftliches Großereignis in der Bucht von Portimao. Steffi von der SY Bigfoot hat eingeladen und es sind alle gekommen. Die Roede Orm, Sissi, Grace, Thula, Salty, Zora, Enterprise B und noch viele mehr.

Als Segler ist man ja ziemlich unter sich und sieht tagelang nur die eigene Crew. Deshalb ist ein solches Ereignis ein Pflichttermin, denn nur so lernt man andere Crews kennen und kommt Mal unter andere Leute.

Die Grills sind aufgebaut

Die Schlauchboote wurden auf den Strand gezogen, Bier und Wein im Wasser gekühlt und das Buffet auf einem Surfboard aufgestellt. Mit mehreren Grills arbeiteten wir gegen den Hunger.

Dinghiparade mit Buffet

Es entwickelten sich tolle Gespräche über Ankerbuchten, Energieversorgung, Zollbestimmungen, Lebensmittelversorgung, Wohnlichkeit von Segelbooten, Dinghimotoren, vergangene Feiern und zukünftige Pläne. Dazu gab es gegrillte Spieße, Hähnchen, leckere Salate, Kuchen, Brot und Bier und Wein.

Wikingerschach

Am Strand spielten wir Wikingerschach und hörten dazu gute Musik. Die Stimmung war ausgelassen, der Grill heiß und die Getränke kalt.

Abend am Headache-Beach

Dank der Zeitumstellung auf Winterzeit wurde es schon früh dunkel. Um 19 Uhr fühlte es sich an, als wäre es schon kurz vor Mitternacht. Es wurde weiter gelacht, getanzt, gegessen und getrunken.

Lustig war, dass die Crew von der Enterprise B unsere Sissi schon Jahre vor uns selbst kennen gelernt hat. Wir haben Sissi ja in Oldersum bei Emden gekauft, da lag sie jahrelang im Außenhafen. Und die Enterprise B lag dort auch einige Jahre im Außenhafen, Anke und Horst kennen Hertha und Harald, die Vorbesitzer der Sissi. Wie klein die Welt doch ist.

Feuerwerk (Bild: Julia SY Roede Orm)

Als alte Frankfurter haben wir natürlich immer ein wenig Pyrotechnik zur Hand und konnten so der Geburtstagsfeier mit gleißendem Licht und dem Geruch nach Schwarzpulver noch ein kleines Sahnehäubchen aufsetzen.

Nacht in Portimao

Noch vor Mitternacht haben wir uns unsere Schlauchboote geschnappt und sind wieder zurück zu unseren Segelbooten gefahren. Wenn man noch fahren muss, kann man nicht so feiern, dass man hinterher am Strand einschläft.

Der obige Satz stimmt übrigens beinahe. Wir mussten ein Dinghi mit defektem Kapitän und wackeligem Außenborder zu seinem Mutterschiff zurück schleppen. Kein Problem für uns. Für die betroffene Person wurde es wohl wirklich der Headache Beach.

(Wir verraten niemanden. Was am Strand geschah, wird von der Tide weggespült.)