Aruba macht Arbeit

Nach ein paar Tagen Entspannung haben wir die anstrengenden Tätigkeiten aufgenommen. Wir beseitigen die Schäden, die die Überfahrt von Kuba nach Aruba hinterlassen hat. Wir beseitigen die Ursachen für diese Schäden. Und wir beseitigen neue Schäden, die nach der Überfahrt entstanden sind. Und uralte Schäden, die schon vorhanden waren, bevor wir in den Niederlanden im Sommer 2019 gestartet sind. Dabei machen wir Entdeckungen, die wir lieber nicht gemacht hätten. Wenn man als Landratte keine Ahnung hat, sollte man sich die Ahnung irgendwo besorgen oder man bezahlt hinterher mit Dollarnoten und Schweiß.

Todo-Liste. Nicht vollständig.

Vor ein paar Jahren waren wir mit Sissi in Schottland. Dabei haben wir festgestellt, dass nach hartem Segeln gegen den Wind ein paar Tropfen Wasser in der Vorschiffskabine sind. Die Ursache haben wir nie gefunden, es hat sich auch nicht wiederholt. Nahe Roscoff, an dem Tag als uns das Großsegel gerissen ist, hatten wir ein wenig Wasser im Salon. Sofort waren die Lüfter unter Verdacht, denn es ist ordentlich Wasser über das Deck geflossen. Warum mussten wir Esel auch gegen neun Windstärken ansegeln? Die Lüfter können jetzt wohl von ihrer Mütze befreien, ich spreche sie frei von jedweder Verantwortung für den Wasserschaden.

Den Dimmer für die Lampe musste ich auf See ausbauen. Er wurde ständig in Salzwasser gebadet. Auch die Lampe ist ordentlich rostig. So war das nicht gedacht.

Auf der langen Überfahrt über den Atlantik beklagte sich über gelegentliche Feuchtigkeit in der Vorschiffskoje. Langsam bildete sich ein Verdacht auf eine Undichtigkeit des Ankerkastens. Die Feuchtigkeit ging, den Ankerkasten haben wir in Varadero geprüft, als Sissi auf dem Trockenen stand. Er sieht super aus. Die Feuchtigkeit geriet wieder in Vergessenheit, wir hatten andere Probleme zu lösen. Wir haben das Problem ausschließlich in der Vorschiffskoje verortet.

Wir brauchen eine neue Holzdecke.

Nach dem Abnehmen der ersten Luke war mir klar, wo die ganze Feuchtigkeit herkommt. Vom Dichtungsband war nicht mehr viel übrig, die Schraublöcher von Salztürmchen überkrustet. Meine Landratten-Lebenserfahrung sieht Fenster als einigermaßen wartungsfreie Öffnungen in der Wand, durch die man seine Wohnung lüften kann. Böse.

Auf der Reise feucht gewordene Dollarnoten müssen getrocknet werden.

Wie dichtet man diese Luken eigentlich vernünftig ab? Sicher nicht dadurch, dass man den Rahmen mit Sikaflex wieder neu einklebt. Außerdem haben die hiesigen Baumärkte das salzwassertaugliche Sika gar nicht im Angebot. Eine Fahrt zu Budget Marine später kommt Jens mit ein paar Rollen Dichtungsband zurück. Sehr gut, das Zeug ist auf Aruba zu kaufen.

Dichtungsband

Nun werden die Luken nacheinander abgenommen. Überall sehen wir, dass um die Schraublöcher Salzverkrustungen entstanden sind. Die alten Dichtungsbänder waren schon sehr alt. Sehr sehr alt. Immerhin habe ich Sissi schon seit 2017. Und da müssen die Bänder schon alt gewesen sein.

Rahmen mit Salzkruste. Alte labberige Dichtungen.

Mechanisch und chemisch werden die Fensterrahmen gereinigt und von Salz befreit. Auch das Boot wird gereinigt. Wo die neuen Gummis später dicht halten sollen darf kein Dreck oder Staub mehr sein. Dann wird der Rahmen beklebt.

Fertig beklebter Rahmen

Dann kommen die Luken wieder an Ort und Stelle. Leider tut sich an dieser Stelle einer der nächsten Abgründe auf. Durch die viele eingedrungene Feuchtigkeit und die Schiffsbewegungen drehen einige der Schrauben durch. Einige mehr, andere weniger. Insbesondere die Schrauben, mit denen die Scharniere der Luken befestigt sind, haben sehr leiden müssen.

Verschrauben

Wir holen uns Rat bei einem Schreiner in Frankfurt. Wie kann man diese Löcher im Holz wieder kleiner bekommen, damit die Schrauben wieder halten? Zuerst rät er uns zu einer Lösung, auf die wir auch schon gekommen sind. Größere Schrauben nehmen. Das bedeutet natürlich wieder eine Fahrt in den Baumarkt.

Die größten Schrauben drehen in den größten Löchern durch? Dann müssen die Löcher zugeleimt werden. Haben wir Leim? Nein, natürlich nicht. Auch das bedeutet wieder eine Fahrt in den Baumarkt.

Jetzt aber endgültig fest.

Eine Fahrt in den Baumarkt dauert mindestens eineinhalb Stunden, manchmal auch länger. Das hängt davon ab, wie lange man auf den Bus warten muss. Jetzt haben wir alles an Bord, die Fenster sind festgeschraubt und wir haben noch Ersatz für die Zukunft. Gerade überlegen wir, ob wir nicht die Baustelle mit den Seitenfenstern aufmachen sollen. Die Seitenfenster können auch heikel sein. Bisher war aber nur das neben Jens’ Koje undicht. Das bearbeiten wir auf jeden Fall.

Nachtrag:
Wenn man eine Arbeit das erste Mal in seinem Leben tut, kommt nicht immer gleich ein perfektes Ergebnis raus. Wir haben lernen müssen, dass man mit dem Vinylband besser nicht zu kleinteilig puzzelt.

Lernprozess

Links oben im Ausschnitt sieht man, wie wir die Ecken zuerst beklebt haben. Wasser konnte zwischen den einzelnen Stücken hindurch, wie sich beim Wasserschlauch-Dichtigkeitstest ergeben hat – von innen viel zu schön an den Wassertropfen zu sehen, die wieder ihren Weg in den Salon fanden. Rechts oben im Ausschnitt die neue Lösung, die kein Wasser mehr nach innen lässt.

Zimmerwarmes Bier

Bier ist übrigens ein guter Indikator für den Gesundheitszustand der Bordelektrik. Ist es warm, sollte man nicht den Kühlschrank unter Generalverdacht stellen. Am letzten Freitag hatte ich das Gefühl, dass der Kühlschrank in den Abendstunden nicht so richtig läuft, war aber zu müde, dem Problem auf den Grund zu gehen. Ist der Kühlschrank kaputt, kann ich ihn sowieso nicht reparieren.

Am Samstag lief der Kühlschrank vollkommen normal. In den Abendstunden stellte er seine Tätigkeit ein. Das Bier ist warm. Gewohnheitsmäßig fällt mein Blick auf den Batteriemonitor und ich muss entsetzt feststellen, dass die Batterien zu 80% entladen sind. Nun schlägt er auch Alarm. Warum nicht früher? Weil er ausgeschaltet war…

Batteriemonitor. Eigentlich sehr zuverlässig.

Das Landstrom-Ladegerät scheint komplett die Grätsche gemacht zu haben. Ich messe alle Leitungen durch und komme zu diesem Schluss. Also muss der Motor die ganze Nacht laufen, um die Batterien wieder auf ein brauchbares Niveau zu laden. Klar – tagsüber läuft der Kühlschrank auch mit leeren Batterien, unsere Solarzellen machen einen guten Job.

Ich kaufe für einen vierstelligen Betrag ein neues Landstrom-Ladegerät. Wieso heißt der Laden eigentlich Budget-Marine? Du brauchst bei dem Laden ein ordentliches Budget. Es ist leider das einzige verfügbare Modell. Das ist am Montagnachmittag gegen 15 Uhr auch eingebaut. Nur lädt es die Batterien nicht. Ich messe die Leitungen noch einmal durch, die Plusleitung scheint defekt zu sein. Gestern hatte sie noch Durchgang. Komisch. Also öffne ich den Kabelkanal und finde ein ausgeglühtes Pluskabel vor, das dank eines Wackelkontakts sicherlich auch mal Durchgang hat.

Ladegerät bei der Arbeit

Das alte Batterieladegerät will ich trotzdem nicht mehr haben. Zwei durchgescheuerte Kabel, ein Kurzschluss und die Sicherung des Ladegeräts ist nicht geschmolzen. Außerdem fehlt noch eine Sicherung im Pluskabel, nämlich die gegen das Bordnetz. Wenn ich diese Leitung mit 100 A absichere, kann hier nichts mehr anbrennen. Im Wortsinne. Also muss ich noch eine Sicherung kaufen.

Hoffentlich haben die Batterien keinen Schaden genommen. In den nächsten Tagen werden wir das einmal testen müssen. Immerhin können wir in Aruba Ersatzteile kaufen. In Kuba wäre das nicht möglich gewesen.

Chapo ist abgefahren

Dinge verändern sich, andere Dinge bleiben gleich. Nach unserer Rückkehr nach Aruba fanden wir die Chapo an der Stelle im Hafen, an der sie die letzten zehn Monate gelegen hat. Es scheint alles wie immer zu sein, doch die Chapos sind in Aufbruchsstimmung. Sie wollen in die Dominikanische Republik fahren, in das einzige Land in der Umgebung, das geöffnet hat, gut erreichbar ist und keinen PCR-Test von den Einreisenden verlangt. Zum Glück reicht die Zeit noch, dass Charly uns mit dem Propeller helfen kann.

Ankunft der Chapo im März 2020

Lange ist es her, dass die Chapo angekommen ist. Das war in den unruhigen Tagen im März 2020, als die meisten Länder ihre Grenzen geschlossen hatten und Segler auf dem offenen Wasser das Problem hatten, dass ihre vor langer Zeit geplanten Ziele nicht mehr anlaufbar waren. Damals war die Freude über die gelungene Atlantiküberquerung und den sicheren Hafen groß. Auch Jutta und Charly hätten sich vergangenen März nicht vorstellen können, im kommenden Januar noch in Oranjestad zu liegen.

Nun sind sie nach vier Tagen Überfahrt in der Dominikanischen Republik angekommen. Auf ihrer Überfahrt mussten sie Wind bis 56 kn verarbeiten. So viel haben wir auf dem Weg von Kuba zurück nicht auf die Mütze bekommen.

Die Chapo fährt ab

Jetzt kommen wir mehrmals täglich am leeren Liegeplatz vorbei und fragen uns, wann dort wieder ein Boot liegen wird. Spätestens im Juni wird die Chapo hier wieder liegen, denn Jutta und Charly wollen die Hurrikansaison auf Aruba verbringen.

Leerer Liegeplatz

Albtraum Motorausfall

Ich denke, dass es eine Horrorvorstellung vieler Segler ist. Du startest den Motor, kuppelst ein und gibst Gas. Dann merkst Du, dass genau gar nichts passiert. Obwohl der Hebel schon auf Vollgas steht, dreht der Motor nur mit 2000 Umdrehungen. Das Boot bewegt sich rückwärts. Der Antrieb ist wirkungslos.

Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden über Funk gestaltet sich konstruktiv. Da wir noch einklarieren müssen, kommt für uns nur der Hafen Barcadera in Frage. In die Marina in Oranjestad hätten wir bei dem Wind problemlos reinsegeln können. Das ist mit demselben Wind in Barcadera nicht möglich. Also brauchen wir einen Schlepper.

Aruba als Parkplatz für Kreuzfahrtschiffe

Schlepper haben sie viele in diesem Hafen. Es sind allerdings Schlepper für Containerschiffe. Wir kreuzen vor Aruba hin und her, dabei sehen wir immer wieder die vielen geparkten Kreuzfahrtschiffe. Irgendwann ruft uns die Chapo über Funk und möchte wissen, was wir so treiben. Nebenbei funken wir noch mit Aruport und letztendlich kommt Hans aus der Marina mit dem Dinghi nach Barcadera gefahren und schleppt uns in den Hafen.

So schön sauber sah die Schraube noch im November aus, als wir Sissi an Land stehen hatten.

Jens taucht zum Propeller und es ist schnell klar, warum wir keinen Vortrieb mehr bekommen haben. Die in Varadero blitzblank polierte Schraube Ist etwas zugewachsen. Sie ist dermaßen zugewachsen, dass sie ihre komplette Form verloren hat und nicht mehr liefern kann. Warum bin ich nicht selbst darauf gekommen, dass die Schraube auch ein Antifouling benötigt? Egal. Es ist wie es ist. Charly von der Chapo taucht für uns zur Schraube und macht den gröbsten Bewuchs weg.

Damit fährt man keinen Knoten mehr.

Nachdem Charly den gröbsten Bewuchs abgekratzt hat, können wir mit dem Propeller wieder fahren und Kurs auf die Marina in Oranjestad nehmen. Dabei passieren wir wieder die Kreuzfahrer. Wir hätten mit dem Wind sogar in die Marina segeln können, sind aber froh über den funktionierenden Propeller.

Propeller will Reinigung

Erst erhält der Propeller eine gründliche mechanische und chemische Reinigung. Dabei müssen wirklich alle Reste des Bewuchses entfernt werden. Sonst können wir das neue Antifouling nicht anständig streichen. Dann wird der Propeller mit ganz feiner Körnung angeschliffen.

Schleifen mit ganz feiner Körnung

Anschließend wird in mehreren Schichten das sauteure, schnell trocknende Zeug aufgetragen, das in Zukunft Bewuchs an unserem Propeller verhindern soll. Eine Schicht Grundierung und zwei Anstriche mit einer eigentlichen Farbe. Und schwupp sind 120 Dollar ausgegeben. Zum Glück müssen wir den Taucher nicht bezahlen. Ich helfe Charly später mit seinem Computer.

Frisch gestrichen, darf über Nacht trocknen.

Am nächsten Tag kommt Charly noch einmal vorbei und montiert die frisch gestrichene Schraube wieder. Ein Punkt unserer Reparaturliste ist erledigt, zwanzig oder fünfundzwanzig Punkte sind zu bearbeiten. Danke, Charly!

Schluss mit Kuba

Dies ist der letzte Beitrag zum Thema Kuba. Dann ist Schluss, dann kommen wir wieder nach Aruba.

Der Eingang zu Chinatown in Havanna. Es gibt hier allerdings nur wenige Chinesen in den chinesischen Restaurants.

Sowohl Jens als auch ich waren sicher nicht das letzte Mal in unserem Leben in Kuba. Je nachdem wie aufgebracht die Bevölkerung ist, wird es früher oder später zu Veränderungen geben. Viele Kubaner hoffen auf Joe Biden und dass er das Embargo aufheben wird. Tourismus könnte fürs Erste eine Lösung sein. Die einzigen Produkte, die in Kuba hergestellt werden und auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sind, sind Zigarren und Rum. Davon alleine wird die Wirtschaft nicht gesunden.

Kirche

Eine (unvollständige) Liste der Dinge, nach denen wir immer wieder gefragt worden sind, weil sie entweder gar nicht zu bekommen oder nur zu irrwitzigen Preisen erhältlich sind:

Glockenturm

– Handys, ob mit oder ohne Tasten, ob mit intaktem oder gesprungenem Display
– alte und gerne auch defekte Laptops
– Zahnpasta, Duschgel, Flüssigseife, Waschmittel, Putzmittel
– Einwegfeuerzeuge, voll oder leer. In Kuba können sie jedes Feuerzeug nachfüllen.
– Speiseöl, Salz und Pfeffer
– T-Shirts

Hühnchendenkmal

Außerdem ist es toll, wenn man ein paar Kleinigkeiten für die vielen Kinder auf der Straße dabei hat. Es geht nicht um Stifte und Papier für die Schule, davon haben sie genug. Mit Kaugummis, Bonbons und Schokoriegeln macht man sich Freunde fürs Leben.

Der Mangel an Feuerzeugen hat sich bei unserem Vermieterpaar in Havanna in krasser Weise gezeigt. Beide sind Raucher. Gekocht wird auf dem Gasherd. Die pragmatische Lösung ist, wenn kein Feuerzeug im Haus ist, dass eine Flamme des Gasherds ununterbrochen brennt, gerne auch mal 24 Stunden am Tag, ob jemand zu Hause ist oder nicht.

Einer der schöneren oldtimer

Kreditkarten funktionieren im ganzen Land gar nicht oder nur selten. Kurz vor unserem Trip nach Havanna ist das Schweizer Segelboot Lupina in die Marina von Santiago gekommen. Am letzten Abend vor unserer Abfahrt fragt mich Skipper Köbi, ob ich ihm bei seinem Problem behilflich sein könne. Ihm ist dass Bargeld ausgegangen. Nach mehreren Telefonaten mit seiner Bank in der Schweiz hat er erfahren, dass die Schweizer Kreditkarten in Kuba gar nicht funktionieren, auch nicht in den Bankfilialen. Die Schweiz hält sich an das Embargo. Deswegen Vorsicht! Ich helfe Köbi mit 1000 Dollar aus und bin mir sicher, dass das Geld auf meinem Konto ist, bevor ich Aruba erreiche. (Nachtrag: So wäre es auch fast gewesen, wenn ich meine eigene IBAN schreiben könnte…)

Gelber Oldtimer

Wir hatten mehrere tausend Dollar in kleinen Scheinen dabei – alle waren 20-Dollar-Scheine, viele davon schon abgegriffen, ein wenig eingerissen oder hatten Spuren von diesen Stiften, mit denen man die Echtheit prüft. Damit fühlten wir uns gut gerüstet. Wir lagen damit nicht ganz falsch aber auch nicht ganz richtig.

Den besten Umtauschkurs gibt es für nigelnagelneue 100-Dollar-Scheine, die noch vollkommen unbenutzt sind. Ich rede hier vom Umtauschkurs auf der Straße, wobei Straße nicht wörtlich zu nehmen ist. Am liebsten habe ich in privaten Wohnungen getauscht, wo man den Deal nicht sehen konnte. Am besten tauscht man bei den Menschen, zu denen man schon eine Beziehung aufgebaut hat. Natürlich muss man über den Umtauschkurs Verhandlungen führen, doch eine einmal getroffene Vereinbarung wird auch penibel eingehalten. Anstelle der Dollar-Scheine funktionieren Euros genauso gut. Doch Vorsicht: Viele neigen zu Vereinfachungen und setzten einen Umtauschkurs von Dollar zu Euro mit 1:1 an.

Alle Bilder in Havanna hat Jens aufgenommen.

Essen im Restaurant

Da es in unserer Herberge kein Frühstück gibt, laufen wir nach dem Aufstehen immer in die Altstadt, wo sich die Restaurants befinden. Dort vermeiden wir die Restaurants an den großen Plätzen, wo sich „Reinholer“ mit einer riesigen Speisekarte auf jeden einzelnen Touristen stürzen. Auf dieser Speisekarte findet sich alles, nur keine Preise. Wir suchen die kleinen Restaurants in den Nebenstraßen, wo uns zumeist eine handgeschriebene Speisekarte mit guten Preisen lockt. Die Mambo Bar können wir empfehlen, genau wie das Teniente del Rei 360. Im Durchschnitt kostet die warme Mahlzeit 150 Pesos. Gerne hätte ich die beiden Plätze verlinkt, leider haben sie keinen Eintrag in Google.

Verkaufsstände auf der Straße

Insbesondere bei gedruckten Speisekarten sollte man nicht vor Hunger sabbernd das Gericht aussuchen, das man am liebsten essen möchte. Es lohnt sich, die Kellnerin oder den Kellner zu fragen, was überhaupt verfügbar ist. Grundsätzlich verfügbar sind Fisch und Hühnchen. Der Fisch ist immer frisch und das Hühnchen lässt sich nicht mit dem bei uns bekannten trockenen, geschmackfreien Fleisch vergleichen. Hühnchen sind in Kuba sehr saftig und lecker.

Gelegentlich verfügbar sind Schweinefleisch, Oktopus, Shrimps und Lobster. In allen Restaurants wird frisch gekocht, dabei kommen keinerlei helfende Pülverchen zum Einsatz – die bei uns so beliebten Conveniance Produkte sind in Kuba einfach nicht verfügbar. Als Beilagem gibt es immer Reis (schwarzer oder weißer Reis), frittierte Bananen bzw. Plantains (Kochbananen) und Gemüse. Wir würden das Gemüse als Salat bezeichnen, denn es besteht (je nach Verfügbarkeit) aus grünem Salat, Tomaten und Gurkenscheiben. Manchmal haben sie auch Süßkartoffeln. Jens mag keine Bananen, doch die frittierten isst er gerne – sie sehen nicht mehr aus wie Bananen, schmecken nicht mehr nach Bananen und haben eine andere Konsistenz.

Tanz auf Stelzen

Was wir in Kuba nie auf den Speisekarten gefunden haben sind Pommes Frites. Ich denke, dass es am Mangel von Speiseöl und am Mangel von Kartoffeln liegt. Speiseöl ist sehr schwer erhältlich. Wir haben einige Flaschen aus den Beständen von Sissi verschenkt. Zum Beispiel hat eine Flasche unseres in Martinique erworbenen Sonnenblumenöls den Silvesterschmaus eines der Marina-Bediensteten erst möglich gemacht. Er hat in seiner Nachtschicht versucht zu angeln, dabei haben wir zusammen auf dem Steg gesessen und uns über Kuba unterhalten. Als er mir erzählte, dass er seit Tagen versucht, Speiseöl für Silvester zu bekommen, bot ich ihm spontan eine Flasche an. Nach unserer Rückkehr aus Havanna durfte ich dann auf seinem Telefon die Bilder des opulenten Mahls (Schwein, Reis, Gemüse) ansehen.

Meiner Meinung nach sind die Frauen in Kuba die schönsten Frauen, die wir in der Karibik gesehen haben. Sie sind schlank und haben wunderschöne Körper. Es gibt auch keine Männer, die ihre fette Plautze vor sich hertragen. Die Menschen sind nicht ausgemergelt und abgemagert, sie sind einfach nur schlank. Das kommt sicher von der gesunden Ernährung.

Open Air Werkstatt für Rikschas

Mit wem man sich auch unterhält, ob in Havanna oder in Santiago, die Menschen in Kuba sind aufgebracht. Der extreme Mangel an allem, die gestiegenen Preise und die Regierung, die nicht das macht, was die Menschen von ihr erwarten. Manch einer spricht von einer weiteren Revolution. Wir haben Email-Adressen mit einigen Kubanern ausgetauscht und werden das Geschehen im Land in der Zukunft verfolgen.

Kuba ist eine große, fruchtbare Insel. Eigentlich könnte die Landwirtschaft genug Produkte hervorbringen, um die Menschen im Land zu ernähren. Der aktuelle Mangel an frischen landwirtschaftlichen Produkten ist zu einem Teil die Folge des extremen Covid-Shutdowns im vergangenen Jahr. Von März bis September ging im ganzen Land gar nichts. Die Menschen durften nicht zur Arbeit gehen, auf den Äckern wurde die Ernte nicht eingebracht und ist verrottet. Wenn es Ernte gab, konnte sie nicht in die Städte transportiert werden, weil Verkehr innerhalb des Landes verboten war. So konnte Kuba mit einer hervorragenden Bilanz aus der ersten Covid-Welle gehen, doch die Bevölkerung muss nun einen hohen Preis zahlen.

Treppe zum Kapitol

Ein anderer Grund für die fehlenden Lebensmittel im Land ist die Tatsache, dass die Regierung einen guten Teil der Produktion ins Ausland verkauft hat, um Devisen in die leeren Kassen zu spülen. Der einfache Kubaner kann sich davon nichts kaufen und sieht nur die leeren Märkte. Das trägt zur Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung bei.

Aktuell steigen die Covid-Zahlen in Kuba wieder, sicherlich eine Folge von Weihnachten und Silvester. An unserem letzten Tag in Havanna wollten wir ein Taxi buchen und aufs Land ins Grüne fahren. In der Nähe sind „Las Terrazas“, berühmte Wasserfälle und eine Badestelle darunter. Unsere Vermieterin hat sich bemüht, einen Taxifahrer zu finden, der uns dorthin fährt. Leider war das Bemühen vergebens. Gleich zwei Fahrer haben unsere schönen grünen Geldscheine abgelehnt, weil die Regierung das Reisen über Provinzgrenzen hinweg untersagt hat.

Friseur auf der Straße

Kuba ist eine sichere Insel. Wir haben nie Angst gehabt, in einer dunklen Ecke überfallen und ausgeraubt zu werden. Straßenkriminalität findet nicht statt. Auch wenn alle wussten, dass wir sprichwörtlich die Taschen voller Dollars haben, war das nie ein Problem. Hätten wir ein Handy verloren, wäre es natürlich nicht im Fundbüro gelandet. Wir mussten aber niemals Angst haben, dass man uns die teure Elektronik aus den Händen reißt. Die halbe Flasche Shampoo, die wir am Abend in der Dusche der Marina haben stehen lassen, war selbstverständlich am nächsten Morgen weg. Wir hatten aber niemals Angst, dass man uns in Boot einsteigen und die ganzen schönen Waren aus unseren Vorratslasten ausräumen würde.

Adieu Christoph

Er ist mitgefahren, als ich am ersten Segeltörn meines Lebens in Kroatien teilgenommen habe. Wir haben gemeinsam die Nordsee überquert und in Schottland die Hebriden ersegelt. Gemeinsam konnten wir Tiefpunkte und Höhepunkte des Fahrtensegelns erleben. Kennengelernt haben wir uns auf einem Motorradtreffen.

In 2019 war Christoph zuletzt bei uns an Bord, um einen Haken an einen wichtigen Eimer seiner persönlichen Bucket-Liste zu machen. Er wollte auf einem Segelboot die Biskaya überqueren. Diesen Wunsch konnten wir ihm erfüllen, Christoph hat uns von Guernsey bis nach Vigo in Spanien begleitet, mitten auf der Biskaya konnten wir sogar zwei Wale beobachten.

Christoph auf der Île de Batz bei Roscoff

Heute haben wir die Nachricht erhalten, dass Christoph kürzlich verstorben ist. Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen.

Erste Geige

Genug der Zigarren, der Fahrer unserer Fahrradrikscha fährt uns für 10 Dollar eine Stunde durch die Altstadt. Dabei bemüht er sich immer wieder, uns die Sehenswürdigkeiten zu erklären, gerät dabei aber ganz ordentlich aus der Puste. Als wir ihm sagen, dass er uns nicht so viel erzählen muss, ist er sehr dankbar. Er fährt uns an einige Ecken, zu denen wir wahrscheinlich nicht hingelaufen werden, und möchte am Ende noch ein Selfie mit uns machen. Gerne! Nach der Stunde ist die Cohiba auch abgebrannt, das Timing ist perfekt.

Altstadtgasse

Wir spazieren langsam wieder in unser Quartier. Nach stundenlangem Herumlaufen sind unsere Beine müde und wir wollen uns setzen und ein wenig lesen. Am Vormittag sieht man von unserem Viermieterpärchen nicht viel, dafür sind sie abends beide sehr aktiv und kommen zumeist spät in der Nacht nach Hause. Geigenklänge erfüllen das Haus. Maury hat seine elektrische Geige an eine Lautsprecherbox angeschlossen und spielt Karaoke-Versionen verschiedener Songs ein, zu denen er die erste Geige spielt.

Dieselbe Gasse etwas weiter drinnen

Er möchte wissen, welche Musik wir gerne hören. Mit Heavy Metal kann er nicht viel anfangen, wie die meisten Menschen in Kuba nicht. Mir fällt aber ein Titel ein, den er garantiert nicht kennt und in dem eine Geige die Hauptrolle spielt: „Am Fenster“ von City. Er kennt das Stück wirklich nicht, hört kurz in Youtube hinein und spielt den Geigenpart nach einer halben Minute mit. Das macht den Berufsmusiker aus. Hinterher bedankt er sich dafür, dass ich ihm den Song genannt habe. Ich denke, er wird ihn in sein Repertoire aufnehmen.

Festung mit Leuchtturm – Militär ist da immer noch drin.

Unterhaltungen mit ausschließlich Spanisch sprechenden Menschen sind kompliziert, denn bis auf wenige Grußformeln und Essensbestellungen ist mir die Sprache immer noch fremd. Mir kommen allerhöchstens Worte auf Papiamento in den Sinn, die aber im Spanischen nicht unbedingt einen Sinn ergeben. Also unterhalten wir uns mit Hilfe des Übersetzers von Google. Die Internetverbindung im Gebäude ist – ähm – verbesserungsfähig. Etwa so wie in Deutschland auf dem platten Land. Mal hat das Telefon einen Balken, mal nicht. Das ist aber nicht Schuld von Cubacel, das liegt am hohen Gebäude, in das das Funksignal nur schwer seinen Weg findet.

Prachthotel mit Kugeltaxi

Google kann zwar auch das gesprochene Wort übersetzen, davon machen wir keinen Gebrauch Das Datenvolumen ist streng limitiert, vergleichsweise teuer und muss für Youtube genutzt werden. Wir schreiben auf dem Smartphone des Vermieters. Dabei korrigiert mich die spanische Tastatur immer wieder bei den englischen Eingaben. Übersetzungen zwischen Deutsch und Spanisch spare ich mir gleich, auf einer spanischen Tastatur kann man nicht ordentlich Deutsch schreiben.

Maury beklagt sich darüber, dass die Preise so exorbitant gestiegen sind. Ein Bier würde jetzt 100 Pesos kosten (4 Dollar), das wäre Betrug und die Leute wären zornig auf der Straße. Der Preis für ein Pfund Schweinefleisch mit Schwarte und Knochen sei von 50 Pesos auf 150 Pesos gestiegen. Alle seine Freunde seien zornig auf die Regierung. Auch der Preis für seinen geliebten kubanischen Kaffee hätte sich vervierfacht. Wenn es so weiter gehen würde, müssten sich die Menschen bald gegenseitig aufessen.

Schlange für Brot

Das liegt alles daran, dass der Peso nun irgendwie an den US-Dollar gekoppelt wurde. Es kommt mir ein wenig vor wie vor gut 30 Jahren in Deutschland. Als die D-Mark in die DDR kam und die Preise auch gestiegen sind. Als die Menschen plötzlich zwar Waren kaufen konnten aber kein Geld mehr hatten, diese auch zu bezahlen. Die Löhne in Kuba steigen zwar, die Preise steigen aber schneller. Und freischaffende Künstler wie unser Vermieter sind derzeit ganz ohne Einkommen. Es gibt in Kuba keine Arbeitslosenversicherung wie in Deutschland.

Auch im Restaurant nebenan steigen die Preise, zuallererst die Bierpreise. Der Wirt nimmt jetzt auch 100 Pesos für ein Bier (statt 75 Pesos zuvor). Eigentlich ist es ein günstiger Preis, man bezahlt dort nicht mehr als auf der Straße. Damit kann er keinen Gewinn machen. Absurderweise gibt es die Portion Spaghetti für 75 Pesos, damit ist eine Mahlzeit billiger als ein Getränk. Überhaupt ist das Essen in den Restaurants in Havanna gut und günstig.

Festival der Zigarren und des Rums

Reisen in Covid-Zeiten ist kompliziert. Über das Reisen mit der Eisenbahn in Kuba habe ich schon geschrieben. Aber auch die Stadtbesichtigung in Havanna gestaltet sich mühsam. Alle Museen sind geschlossen, es gibt keine offenen Tanzlokale mit Salsa.

Wasserverkäufer an der Straßenecke

Der Freund unserer Zimmerwirtin ist professioneller Geigenspieler und wird normalerweise immer für Tanzveranstaltungen gebucht. Da diese derzeit nicht stattfinden, hat er gerade kein Einkommen. Das ist hart. Für uns bedeutet es, dass wir in Havanna eigentlich nur herumlaufen und die Eindrücke auf uns wirken lassen können. Das ist jedoch viel besser als nichts.

Schrein für einen Baseballspieler

Wir fühlen uns in Havanna frei. Zwar haben wir den Behörden in Santiago unsere Adresse in Havanna hinterlassen müssen, wir haben aber nicht den Eindruck, unter Beobachtung zu stehen. In Santiago hat sich das anders angefühlt. Dort konnten wir manchmal dieselben Leute an unterschiedlichen Ecken der Stadt stehen und auf ihren Telefonen daddeln sehen. Das hat sich dort nicht wirklich gut angefühlt.

Kirche nahe der Altstadt

Die Bilder, die ich zu diesem Text blogge, haben mit dem Text selbst nur ansatzweise etwas zu tun. Zum den meisten Bildern kann ich keinen erhellenden Bericht schreiben, denn es handelt sich einfach nur um Straßenszenen aus Havanna. Statt dessen möchte ich meine Eindrücke formulieren und darüber schreiben, was wir von den Einheimischen so erfahren haben.

Dieselbe Kirche von innen

Fangen wir an mit dem Festival der Zigarren und des Rums. Am ersten Januar ist Feiertag wie bei uns, am zweiten Januar ist ebenfalls ein Feiertag, hier jährt sich ein Ereignis der Revolution. Deswegen fangen die Kubaner an Silvester mit dem Feiern an. Das traditionelle Gericht ist ein Schwein, das stundenlang über einem Feuer gegrillt und dabei gedreht wird. Spanferkel kann man es nicht nennen, die Kubaner drehen schon ganze Schweine oder wenigstens Schweinehälften über dem Feuer. Dazu trinken sie Rum.

Familienkutsche

Folgerichtig sind die meisten Feierwütigen am ersten Januar morgens noch etwas unfit. So konnten wir es bei unserer Vermieterin erleben, die nur schwer aus dem Bett zu bekommen war, aber auch sonst waren die Straßen in Havanna bis zum frühen Nachmittag ziemlich leer. Dann bildet sich langsam Leben aus, auch die Zigarrenverkäufer und die Rumvermarkter sind wieder unterwegs. Beim Festival der Zigarren und des Rums ist das sogar ziemlich legal. Die Mitarbeiter der Zigarrenmanufakturen, Rumfabriken oder Kaffeeplantagen ist es erlaubt, ihre Produkte auf eigene Rechnung an den Mann bzw. die Frau zu bringen.

Lastwagen mit Einschusslöchern vor dem Revolutionsmuseum

Es ist schon der Mann. Ich habe keine einzige Frau auf der Straße gesehen, die eine Zigarre im Mund gehabt hat. Dafür sieht man in den ersten Tagen des Januar ganz viele Männer mit dicken Zigarren durch die Gegend laufen. Das macht der gute Preis. Der ist grundsätzlich Verhandlungssache.

Wäschetrockner

Wir betreten die Räume einer Kooperative. Von außen sieht es aus wie das, was der deutsche Wohnungsmakler als Heimwerkerparadies anpreisen würde. Ein stark sanierungsbedürftiger Block. Dort würde bei uns niemand wohnen wollen, bei den Bewohnern ist das Gebäude jedoch sehr beliebt. Wir werden durch einige Hinterhöfe geführt und uns wird erklärt, dass alle Bewohner der Kooperative das Gebäude gemeinsam renovieren, dafür dann mietfrei wohnen dürfen. So wird ein Schuh draus.

Plattenbauten

In einem Wohnzimmer bekommen wir das Angebot präsentiert: Zigarren der Marken Cohiba, Montechristo, Romeo y Julieta und andere sind auf dem Tisch. Wie schon gesagt, der Preis ist Verhandlungssache. Als Rum wird uns der Legendario angepriesen, der im Gegensatz zum Havanna Club keine Kopfschmerzen bereiten soll. Das klingt alles schon einmal sehr gut, beim Kaffee werden wir jedoch stutzig. Der „beste Kaffee Kubas“ kommt von Spar. Genau die Marke Spar, die es bei uns auch gibt.

Nach einer kurzen aber erfolgreichen Verhandlungsrunde erwerbe ich 10 Cohibas und eine Flasche Rum für 35 Dollar. Der Verkäufer ist etwas enttäuscht, dass er nicht mehr an uns verkaufen kann, doch wer soll die ganzen Zigarren denn rauchen? Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich nicht noch Kaffee gekauft habe. Der Profigeiger ist nämlich so kaffeesüchtig wie ich, hat aber nicht jeden Tag Kaffee im Haus.

Typisches Gewusel auf der Straße

Wir nehmen uns eine Fahrradrikscha und lassen uns ein wenig durch die Gassen fahren. Dabei muss gleich die erste Cohiba dran glauben, die wirklich lecker ist. Vielleicht hätte ich mehr davon kaufen sollen. Wir haben bei der Kooperative gelernt, wie man eine gute Zigarre von einer schlechten Zigarre unterscheidet.

Zunächst hält man sie mit der Spitze nach unten und dreht sie ein wenig unter leichtem Druck. Fallen jetzt Tabakbrösel heraus, weiß man sofort, dass sie nicht aus ganzen Tabakblättern gemacht ist. Da ist oft bei den billigen Zigarren der Fall, die den Touristen am Straßenrand aufgedrängt werden. Das passt zu der Aussage, dass man auf keinen Fall Zigarren auf der Straße kaufen soll.

Hat die Zigarre den Bröseltest bestanden, kommt der Druck-Test. Mit Daumen und Zeigefinger übt man einen heftigen Druck auf die Zigarre aus und quetscht sie zusammen. Dann lässt man sie los, sie muss wieder zu ihrer alten Form zurückkehren. Ist das nicht der Fall, hat man keine gute Zigarre in der Hand.

Einer von vielen Straßenkötern

Außerdem muss eine Zigarre leicht sein. Sie hat kein großes Gewicht. So eine dicke Cohiba wiegt viel weniger, als es aussieht. Die Frage, welche Zigarre am besten riecht, kann natürlich nur der Genießer beantworten. Neben Cohibas habe ich noch Montechristo und Romeo y Julieta probiert. Letztere haben einen eher dunkleren Tabak und sind etwas stärker. Die Cohibas und die Churchills von Montechristo geben sich meiner Meinung nach nicht viel.

Gleich nach der Ankunft in Santiago hatte ich ein paar Zigarren in der Brauerei gekauft. Die waren nicht schlecht, kein Vergleich zu der Ware, die bei uns an Tankstellen in Aluröhren verkauft wird. Doch die echten Zigarren aus Havanna schlagen die Dinger aus der Brauerei um Längen.

Willkommen auf Atlantis

Der letzte Tag unserer Reise. Ich habe uns für ein Zeitfenster zwischen 5 Uhr und 9 Uhr in Atlantis angemeldet, damit der Doktor an die Pier kommen und einen PCR-Test machen kann.

Am Vorabend nehmen wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit das Großsegel herunter, damit wir nicht zu schnell sind. Außerdem ist es eine Sauarbeit, die besser bei Tageslicht erledigt wird. Wir sind gut in der Zeit. Wir fahren eine verkürzte Nachtschicht, denn wir wollen um kurz nach 5 Uhr in den Hafen von Barcadera einlaufen. Als ich um Mitternacht an Jens übergebe, ist alles noch plangemäß.

Um fünf Uhr morgens stehe ich auf, der Bordcomputer zeigt eine besch….. Position. Wir segeln seit fünf Stunden praktisch auf der Stelle, der Wind hat ziemlich zu unseren Ungunsten gedreht. Also entschließen wir uns, den Motor zu starten und die letzten sechs Meilen zu motoren. Das Ingenieurskunstwerk aus Sindelfingen erwacht mit dem üblichen Grollen zum Leben. Wir nehmen die Genua runter, das Getriebe tut seinen üblichen Schlag, als ich den Gang einlege. Der Motor heult auf, als ich Gas gebe. Sonst passiert nichts.

Ruckzuck ist die Genua wieder in Betrieb, wir wären fast rückwärts gegen die einzige Tonne weit und breit getrieben worden. Was wir auch anstellen – der Propeller verweigert die Zusammenarbeit. Nach Atlantis zu kommen ist schwieriger als gedacht. Wir müssen es bis auf den letzten Meter aussegeln.

Um 7 Uhr ist der Einklarierungshafen Barcadera informiert. Um 8 Uhr ist klar, dass aus der Marina ein Dinghi als Schlepphilfe kommt. Um 9 Uhr haben wir den Treffpunkt ausgemacht, den wir jedoch erst um kurz vor 11 Uhr erreichen. Wir segeln hin und her, der Wind lässt nach und die Strömung gewinnt die Überhand. Kurz vor 11 kann uns Hans von der Renaissance Marina endlich in den Schlepp nehmen. Er müht sich redlich und nur knapp kann der 40 PS Motor uns an die Zollpier schleppen. Leinen rüber, festmachen, Schweiß von der Stirn wischen. 68 Meilen, aber eine Stunde fehlt noch bis zum Etmal.

Einklarieren war schnell erledigt, die Menschen sind freundlich und die Zöllner an Bord haben natürlich nichts geklaut. An dieser Stelle soll Schluss sein, wir sind müde und müssen schlafen. Morgen zeige ich ein paar Bilder aus Havanna.