Boostern

Ich werde sentimental. Heute ist mein letzter Tag bei den Eseln. Ein letztes Mal sehe ich den Tieren bei ihrem Niedlichkeitswettbewerb um das meiste Futter zu. Ein letztes Mal verkaufe ich den Touristen Eselfutter und spreche die Bedienungsanleitung vor. Eine letzte Schicht gemeinsam mit Anneke. Sie hat mir einen leckeren Apfelkuchen zum Abschied gebacken. Am Dienstag werden wir uns noch einmal wiedersehen. Dann wird sie mir die Florin in Dollar wechseln, die ich beim Verkauf meines Autos erlöst haben werde.

Anneke erklärt den Besuchern alles. Ich habe viel von ihr gelernt.

Der Autoverkauf am Montag zieht sich ein wenig. Der Käufer meldet sich fast den ganzen Tag nicht. Erst nach Einbruch der Dunkelheit schafft er es, in den Hafen zu kommen. Der Papierkram ist schnell erledigt und ich will die Nummernschilder abmontieren. Der Käufer fleht mich an, ihn doch noch mit den Kennzeichen nach Hause fahren zu lassen. Er würde sie mir morgen früh übergeben. Es seien derzeit sehr viele Polizeikontrollen und er möchte keinen Ärger haben. Nach kurzer Diskussion verabreden wir uns für den nächsten Tag um 7:30 Uhr am Impfzentrum. Ich habe nämlich erfahren, dass ab sofort auch die über 50jährigen sich ihren Booster abholen können.

Eine halbe Stunde vor Öffnung. Die Schlange geht schon fast um die ganze Turnhalle herum.

Mein Wecker weckt mich pünktlich, ich komme zur verabredeten Zeit am Impfzentrum an. Die Warteschlange ist beeindruckend. Ich schreibe mir ein paar Nachrichten mit dem Autokäufer. Anschließend drehe ich mich um und muss feststellen, dass in diesen wenigen Minuten die Schlange fast doppelt so lang geworden ist. Ich bin froh, so früh aufgestanden zu sein.

Innerhalb von fünf Minuten explodiert die Warteschlange

Die beiden Straßenhunde kümmern sie gerade einmal gar nicht um den ganzen Rummel. Sie bleiben völlig entspannt im Schatten liegen. Derweil kommt alle paar Minuten ein Mitarbeiter des Impfzentrums vorbei und erklärt, dass das die Schlange für die Boosterimpfung ist. Wer die erste oder zweite Impfung bekommen möchte, muss in eine andere Schlange.

Bitte nicht wecken.

Ich schicke Soraida eine Nachricht, dass wir uns nach meinem Besuch im Impfzentrum treffen können. Ich muss ihr noch den Kaufvertrag und die Kennzeichen geben. Wenn sie das Auto nicht bis zum 23.12. abmeldet, muss sie für das erste Halbjahr 2022 noch Steuern zahlen. Sie meint, ich müsse mit einer Wartezeit von drei Stunden rechnen. Kann ich mir bei der Länge der Schlange auch gut vorstellen. Doch schon um 8:30 Uhr habe ich die erste Seite der Turnhalle hinter mich gebracht.

Warten auf der Sonnenseite

Die zweite Seite der Turnhalle ist glücklicherweise etwas kürzer, doch hier warte ich auf der Sonnenseite. Jetzt geht es nicht mehr so flott voran. Wahrscheinlich ist die Turnhalle jetzt voll. Die erfahrenen Schlangesteher haben ihre eigenen Sitzmöbel dabei. Während die Warteschlange vorrückt behalten sie beide ihren Platz im Auge und rücken mit ihren Stühlen ebenfalls im Tempo der Schlange vor.

Vollprofis beim Warten

Um 9:30 Uhr bin ich am Eingang. Mein Impfnachweis wird kontrolliert. Mir wird mit der Hand der Weg nach innen gewiesen. Wie ich es mir gedacht habe, sind fast alle Plätze belegt. Mein Impfnachweis wird ein zweites Mal kontrolliert und ich bekomme einen Stuhl zugewiesen.

Die Impfwagen sind dort, wo die gelben Westen sind. Es dauert noch, bis sie zu mir kommen werden.

Jetzt darf ich mich entspannen. Die Halle ist auf eine angenehme Temperatur heruntergekühlt. Reggae kommt aus den Lautsprechern. So kann man sich die Wartezeit schön machen. Nach einer guten Dreiviertelstunde ist dann der Mann mit dem Computer bei mir. Jetzt werden die Daten vom Impfausweis in den Computer eingegeben. Plötzlich nimmt er meinen Pass und meinen Impfausweis und verschwindet für fünf Minuten. Nach seiner Rückkehr erfahre ich, dass für mich das Warten heute vorbei ist. Da meine Zweitimpfung erst am 30.6. war, bin ich noch zu früh dran für den Booster. Er weist mir den Weg zum Ausgang. Auf meine Frage, warum mir das nicht schon viel früher mitgeteilt wurde, hat er keine Antwort.

Anneke lacht, als ich ihr die Geschichte erzähle. Sie wird mir allerdings keinen zweiten Kuchen backen. Da hat sie auch ganz recht, diesmal habe ich es nicht einmal nach Barcadera zum Ausklarieren geschafft.

Anschließend bekomme ich die Kennzeichen, bringe sie zu Soraida und teile Eike die traurige Nachricht mit. Er findet sie gar nicht so traurig, denn ihm gefällt Aruba. Es gefällt ihm so gut, dass er angefangen hat, Sissi zu putzen. Vor dem Herd ist so ein Gitter, durch das immer wieder Sachen aus der Küche fallen. Er hat die Auffangschale gründlich gereinigt und auch die Spuren der Lebensmittel entfernt, die regelmäßig in den Spalt rund um das Kochfeld fallen. Noch zwei Zusatzwochen in Aruba.

Eine der “natürlichen Dreckecken”. Der Fußboden vor dem Herd.

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