Regenklamotten

Meine Regenklamotten sind durch. Insbesondere die Regenhose nutzt mir nicht mehr viel. Wenn ich mich ins regennasse Cockpit setze, habe ich sofort einen nassen Hintern. Das ist unangenehm. Die Segel-Regenkleidung war teuer und darf nach über 10 Jahren auch durchaus kaputt gehen, der Zeitpunkt ist unangenehm. Also bin ich auf der Suche nach etwas Neuem. Eigentlich hatte ich darauf gehofft, in Horta entsprechende Kleidung zu finden. Dort habe ich lediglich einen Shop mit Musto-Segelbekleidung gesehen. Das ist sozusagen der Rolls Royce unter den Marken und entsprechend bepreist. In Terceira habe ich mich nicht einmal auf die Suche gemacht, denn dort kommen nicht so viele Segelboote durch. Also mache ich mich in der größten Stadt der Azoren auf die Suche, in Ponta Delgada.

Minibus steht abfahrbereit am Hafen

Ponta Delgada ist an einen steilen Hang gebaut. Wenn man sich zu Fuß fortbewegt, weiß man nach ein bis zwei Stunden, was man getan hat. Zum Glück gibt es die Minibusse, deren vier Linien praktisch das gesamte Stadtgebiet abdecken.

Vier Minibus-Linien fahren durch Ponta Delgada

Leider gibt es keinen Fahrplan an den Haltestellen. Lediglich die Linien werden ausgehängt und die Fahrpreise. Der “Fahrplan” sagt lediglich, dass die Busse von Montag bis Freitag zwischen 7:30 Uhr und 19:30 Uhr fahren. Wie oft sie fahren, darüber schweigt er sich aus. In Praia auf Terceira fährt der Minibus stündlich, manchmal fährt er auch gar nicht. Deswegen sind meine Erwartungen zu Anfang nicht besonders groß. Die Fahrpreise sind günstig, eine Einzelfahrkarte kostet 50 Cent.

Minibus Tarif

Ich finde heraus, dass es einen Decathlon in Ponta Delgada gibt. Hier erhoffe ich mir, günstige Segelkleidung zu finden. Normalerweise haben sie eine Eigenmarke im Programm, die lange nicht so teuer ist wie Musto. Zum Decathlon komme ich mit der grünen Linie. Vorher installiere ich mir noch die PDL Minibus-App auf meinem Telefon. Ich bin erstaunt. Der Standort der Busse wird in Echtzeit in der App angezeigt. Außerdem sagt mir die Software, wie lang der nächste Bus noch zu meiner Haltestelle brauchen wird. Das ist gar nicht so schlecht, das würde ich mir in Frankfurt auch öfter mal wünschen.

Die Standorte der Minibusse in Echtzeit. Die Busse sind jeweils in ihrer Linienfarbe dargestellt
Die grüne Linie mit allen Haltestellen und den beiden Bussen.
Fahrzeit bis zu der jeweiligen Haltestelle. Alles sehr praktisch.

Ich steige also in den nächsten Bus ein und drücke dem Busfahrer meine 50 Cent in die Hand. Dann geht die wilde Reise los. Nach wenigen Minuten bin ich schon am Ziel und stehe vor dem Sportgeschäft, dessen Gebäude mit EU-Mitteln kofinanziert wurde. Ich staune und kann es nicht glauben, wofür die EU manchmal Steuergelder ausgibt. Als ob ein europaweit agierender Konzern nicht selbst seinen Laden finanzieren könnte. Dann gibt es nicht einmal gescheite Klamotten zu kaufen. Die Segelkleidung ist in etwa das, was man auf den Azoren brauchen kann, wenn man bei einigermaßen schönem Wetter von Insel zu Insel fährt. So ist es eben, wenn man in einen Laden für die Anwohner geht. Die guten Sachen bestellen die im Internet.

Bushaltestelle der grünen Linie

Ich bin schnell wieder an der Bushaltestelle. Die App zeigt mir, dass der nächste Bus in drei Minuten kommen wird. Das ist auch so, die Echtzeit-Daten lügen nicht. Im Anflug auf die Haltestelle ist einer der vollelektrischen Minibusse.

Vollelektrisch und voller Fahrgäste

Leider hat dieser Bus gefühlt nur etwa fünf Sitzplätze. Irgendwo im Inneren mussten auch die Batterien Platz finden. Ich muss stehen, die Sitzplätze sind selbstverständlich alle belegt. Dafür hat dieses Fahrzeug den Antritt eines Formel-1 Wagens. Elektrofahrzeuge können aus dem Stand heraus mit unglaublicher Kraft beschleunigen. Ich muss mich an die Haltestangen klammern, der Busfahrer reizt sein Fahrzeug komplett aus. Nach drei Stationen habe ich genug, der Bus ist am Supermarkt angekommen.

Elektrischer Minibus noch einmal in seiner ganzen Pracht

Ich nutze die Gelegenheit, um unsere Bordvorräte wieder etwas aufzustocken. Dann fahre ich mit einem konventionellen Dieselbus zu Sissi zurück. So weit, so gut. Nur Regenkleidung habe ich noch nicht bekommen können. Eine Internetrecherche ergibt, dass im Nachbarort ein Händler für Berufsbekleidung sitzt. Das Angebot sieht gut aus, er hat auch die wasserdichte Kleidung, die von Berufsfischern benutzt wird. Also nehme ich am nächsten Tag den Bus zu diesem Ladengeschäft. Leider hat die Kleidung für Fischer drei Wochen Lieferzeit, doch ich finde andere Regenkleidung im Sortiment. Für 25€ bekomme ich eine garantiert wasserdichte Hose und Jacke. Sehr schön, Mission erfüllt. Beim nächsten Regentag sitze ich nicht mit nassem Hintern im Cockpit.

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