Aruba putzt sich

Die Insel brummt und vibriert. Die meisten Geschäfte sind geöffnet, allerdings sind die Souvenirläden noch so geschlossen wie die Grenzen. Alle bereiten die Grenzöffnung vor. Wahrscheinlich machen auch die Spielcasinos bald wieder auf. In der Fußgängerzone konnte ich jedenfalls gestern den Grund ausmachen, warum die Straßenbahn nicht gefahren ist. Die Palmen wurden mit der Kettensäge gepflegt.

Palmenpflege mit der Kettensäge

Bald geht es wieder los. Die Zeit der leeren Strände ist bald vorbei. Ich kann mich kaum noch erinnern, wie es damals bei unserer Ankunft war. Ich freue mich.

Neue Normalität

Wir schreiben den 4. Juni 2019. Um 13:29 Uhr fahren Jens und ich mit dem ICE nach Holland und leben von nun an auf Sissi. Heute schreiben wir den 4. Juni 2020, ein Jahr ist vergangen. Bis zum 14. März 2020, den Tag der Grenzschließung, hat unser langer Segeltörn die Erwartungen mehr als erfüllt.

ICE nach Amsterdam

Fast drei Monate sind seit dem 14. März vergangen. In gewisser Weise waren es drei verlorene Monate. Durch den kompletten Shutdown auf Aruba, der in Verbindung mit einer strikten nächtlichen Ausgangssperre viel restriktiver als in Deutschland war, war es praktisch unmöglich, mit Arubanern in Kontakt zu kommen. Wie offen und freundlich diese Menschen sind, zeigt sich erst jetzt so richtig.

Inzwischen habe ich ein Dutzend arubanische Telefonnummern gespeichert. Tendenziell werden es noch mehr werden. Also möchte ich mir eine SIM-Karte besorgen, die ich hier auch benutzen kann. Es gibt auf Aruba zwei Anbieter, Digicel und Setar. Zunächst probiere ich es bei Digicel, denn an Bord liegt noch eine Digicel-Karte von Bonaire. Die würde hier funktionieren, aber eine kurze Nachfrage bei den Arubanern ergibt, dass sie alle bei Setar sind. Netzübergreifende Anrufe zwischen Setar und Digicel sind teuer. Und nur Setar bietet echte 4G Daten. Also spaziere ich zum Platzhirsch.

Warteschlange vor dem Setar-Laden

Die neue Normalität gebietet Abstand. Vor dem Laden sind alle zwei Meter Wartepunkte auf den Boden geklebt. Die Leute stehen brav an. Vordrängeln wird nicht geduldet, denn an der Eingangstür steht ein Wachmann. Der winkt die Wartenden persönlich in den Wartesaal, wenn wieder Platz genug ist.

Wartesaal mit genau positionierten Stühlen

Drinnen gibt es angenehm klimatisierte Luft, nicht allzu kalt. Außerdem gibt es für mich eine Wartenummer und mir wird ein Sitzplatz zugewiesen, auf dem ich zu warten habe. Die Stühle sind genau positioniert. Nach nur eineinhalb Stunden wird meine Nummer aufgerufen. Es ist nicht leicht, beim Platzhirsch Kunde zu werden. Als ich endlich dran bin, erhalte ich nach wenigen Minuten meine SIM-Karte. Nun habe ich eine arubanische Telefonnummer. Und ich kann telefonisch bei Dominos eine Pizza bestellen, ohne dabei arm zu werden. Die Telekom-SIM-Karte kostet 3,89€ pro Minute beim Roaming.

Wartemarkierungen vor dem Kino

Aufgrund der langen Wartezeit schaffe ich es gerade noch rechtzeitig zum Anpfiff des Spiels unserer Eintracht in Bremen. Wie immer höre ich den absolut neutralen Radiostream, den unsere Eintracht auf ihrer Webseite anbietet. Parallel dazu wechsle ich WhatsApp-Nachrichten mit dem eingefleischten Bremen-Fan Alfred, der mit seiner Milena Bonatti irgendwann nach dem 1:0 den Empfangsbereich des Mobilfunks verlässt und bis heute wohl keine Ahnung vom Endergebnis 3:0 für unsere Eintracht hat. Nach zwei Auswärtssiegen in Folge muss ich heute wohl auswärts essen und auswärts trinken gehen.

Pizza mit Geflügel – lieber Günter Hans, was ist das denn für ein Spatz?

Ich entscheide mich für eine Pizza und bleibe beim Essen nicht gerne alleine. Dieser freche Spatz oder Fink will ein Stück von der Torte abhaben. Er bleibt aber nicht lange, denn er wird von einem geflügelten Kollegen vertrieben.

Krakeelender Krakel

Unter großem Krakeelen wird allen anderen Vögeln mitgeteilt, dass der Herr jetzt gerne speisen möchte. Dann macht er sich unerschrocken auf den Weg zur Pizzascheibe.

Ich will auch ein Stück Pizza

Das ganze Nachmittagsessen war in höchstem Maße amüsant. Ich habe den Vögelchen dann ein paar Krümel vom Rand überlassen. Auch wenn die Restaurantbetreiber es nicht wollen, dass die Vögel gefüttert werden. Sie sind jedoch echt süß.

Vollbesetzt

Die neue Normalität gebietet Abstand. Also werden pro Bank in der Straßenbahn nur zwei Fahrgäste erlaubt. Zwischen zwei Bänken ist immer eine Bank gesperrt. Das Obergeschoss ist ebenfalls gesperrt, denn in einer Straßenbahn fahren nur drei Mann bzw. Frau Personal mit. Ein Fahrer. Ein Schaffner. Eine Fahrgastdesinfiziererin. Die dritte Person war früher Schaffner für das Obergeschoss. Jetzt darf sie jedem einsteigenden Fahrgast die Hände desinfizieren. Man braucht eine vierte Person für das Obergeschoss. Vielleicht sogar noch einen weiteren Desinfizierer.

Fahrgastdesinfiziererin

Überall wird massiv desinfiziert. Jedes Geschäft, das man betritt, hat am Eingang einen Desinfektionsmittelspender. Nach dem Besuch von drei Supermärkten hat man die Schmatze dreier verschiedener Desinfektionsmittel auf den Händen. Dann noch eine Fahrt mit der Straßenbahn und die Hände sind viermal desinfiziert. Man möge sich eine Shoppingtour vorstellen, die durch ein Dutzend Geschäfte führt…

Der einzige Bereich, in dem es nicht zu massivem Abstand und grenzenlosem Einsatz von Desinfektionsmitteln kommt, sind die Bars. Zwar stehen die Tische der Restaurants weit auseinander und die KellnerInnen tragen Mundschutz, für die Bars scheint diese Regel nicht zu gelten. Oder sie wird nicht umgesetzt. Oder noch nicht. Manche Bars haben die Tresenplätze markiert, an denen man sitzen darf. Wahrscheinlich wird hier noch nachgelegt, im Moment ist es nicht relevant.

Endlich wieder möglich – ein Barbesuch

Es zeigt sich sofort wieder, dass Bars der ideale Ort sind, um mit den Ortsansässigen in Kontakt zu kommen. Nach nur fünf Minuten und einem halben Bier sitze ich in ein Gespräch verwickelt am Tresen und wir unterhalten uns prächtig, bis die Bar um 22 Uhr schließen muss. Auch das gehört zur neuen Normalität.

Wie kommt dieses Blechschild nach Aruba?

Ich hoffe auf einen Impfstoff. Es ist schön, wieder nach draußen zu gehen. Es wäre noch schöner, wenn wir dieses Mistvieh einfach wegimpfen könnten. Manchmal sind meine Hände rot von dem vielen Desinfektionsmittel.

Null

Seit heute gilt der letzte Covid-19 Patient als genesen. Viel mehr gibt es nicht darüber zu schreiben. Aruba ist nun also coronafrei. Von einem oder zwei Rückkehrerflügen sind allerdings noch 158 Menschen in Quarantäne.

Leben

Allerorten kehrt das Leben auf die Straße zurück. Jetzt haben Restaurants und Friseure wieder geöffnet. Einzig die Bars und Spielcasinos sind noch geschlossen. Die nächtliche Ausgangssperre wurde aufgehoben.

Gestern hatte ich trotzdem einen merkwürdigen Tag. Schon vor 12 Uhr am Mittag hat mir die Temperatur mehr zugesetzt, als sie das üblicherweise tut. Als ich die Straßenbahn mit kreischenden Rädern um eine enge Kurve fahren hörte, ist mir aufgefallen, dass der ansonsten immer mit vier bis fünf Windstärken wehende Passat durch Abwesenheit glänzte. Ich bin dann zur Straßenbahn rüber gegangen und eine Runde mitgefahren. Der Fahrtwind schaffte mir etwas Erleichterung.

Auf der Suche nach einem neuen Kochtopf habe ich mich dann noch in ein paar Läden herumgetrieben. Einer meiner Kochtöpfe ist nicht mehr sauber zu bekommen, seit dem mir darin etwas Popcorn angebrannt ist. Der neue Topf ist jetzt wesentlich Popcorn-tauglicher. Das hoffe ich zumindest, die Qualität ist fragwürdig.

Baby Beach

Außerdem musste ich gestern das Auto an seinen Besitzer zurückgeben. Das ist okay, denn inzwischen sind wir fast überall gewesen, wo man nur mit dem Auto hinkommen kann. Lediglich der bislang geschlossene Nationalpark Arikok muss noch in Angriff genommen werden. Dabei wird mir Edward helfen, mit dem ich morgen verabredet bin.

Über den California Beach habe ich schon geschrieben, er befindet sich an der Nordspitze Arubas. Den Baby Beach kannte ich von einem früheren Besuch mit Lel schon, beim diesmaligen Besuch war ich sogar im Wasser. Hinterher habe ich mich etwas darüber geärgert. Erst nach zwei Tagen war der ganze Sand beseitigt, den ich mir bei der Aktion an Bord geschleppt habe. Wahrscheinlich gehe ich trotzdem wieder ins Wasser, die Temperatur ist schon sehr angenehm. Die Einheimischen setzen sich gerne ins Wasser und halten dort ihren Kaffeeklatsch ab.

Natürlich haben wir uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen, als die Restaurants wieder öffnen durften. Die fröhlichste Bedienung, die ich je gesehen habe, hat uns ein leckeres Abendessen serviert. Es ist toll, wenn man nach einem guten Essen nicht noch Geschirr spülen muss.

Besuch im Strandrestaurant

Im Laufe des gestrigen Tags ist mir außerdem aufgegangen, dass mir das Schreiben fehlt. In den letzten Wochen habe ich mich nicht recht um das Blog gekümmert und auch die Email-Korrespondenz mit verschiedenen Bekannten und Freunden in Deutschland nicht richtig verfolgt. Es war irgendwie wie Urlaub. Dieser “Urlaub” ist vorbei, ich bin wieder im Alltagstrott und es macht wieder richtig Spaß.

Also werde ich in der nächsten Zeit wieder mehr schreiben. Es gibt schließlich auch wesentlich mehr Möglichkeiten, etwas zu erleben.

Heute früh erreichten mich aus Deutschland gute Nachrichten. Wenigstens zwei der Postkarten, die ich kurz nach unserer Antwort im März in den Briefkasten geworfen habe, sind bei ihren Empfängern eingetroffen.

Trouble in paradise

Es geht den Menschen wie den Leuten. In der deutschen Presse wird über Demonstrationen berichtet, auch hier gehen die Menschen auf die Straße.

Vorgestern standen mehrere Dutzend Polizeiwagen auf dem Parkplatz gegenüber dem Parlamentsgebäude. Hunderte Menschen marschierten am Parlament vorbei, drehten mehrere Runden über das Marina- bzw. Hotelgelände und sammelten sich schließlich zu einer Kundgebung. Davon habe ich nichts mehr mitbekommen, ich bin mit dem Mietwagen über die Insel gefahren und sah keinen einzigen Polizisten. Sonst sieht man immer welche.

Nach dem was ich hier erfahren habe, sollen den Beamten, Parlamentariern und Ministern die Bezüge gekürzt werden. Aruba möchte nämlich Geld von den Niederlanden zur Bewältigung der Folgen von Corona. Die Niederlande wollen das Geld nur geben, wenn die Gehälter im öffentlichen Dienst um 15% gekürzt werden. Hiesige Minister verdienen mit 10000 US$ im Monat nicht gerade wenig. Natürlich passt das den Betroffenen nicht.

Stau in Oranjestad

Als ich gestern vom Supermarkt zurück gelaufen kam, wälzte sich eine ungewöhnlich lange Autoschlange durch die engen Straßen der Innenstadt. Das kam mir komisch vor, auf dieser Straße kommt sonst kaum ein Fahrzeug gefahren. Man könnte theoretisch auf der Fahrbahn picknicken. Ich bog um das Parlamentsgebäude herum und sah die Ursache: Die Polizei war wieder bei der Arbeit und hat die Hauptstraße gesperrt.

Demo vor dem Parlamentsgebäude

Eine beträchtliche Menschenmenge hat sich vor dem Parlamentsgebäude versammelt. Ich wollte natürlich wissen, wofür bzw. wogegen diese Leute demonstrieren, und sprach eine Teilnehmerin an.

Minister stellt sich den Demonstrierenden

Wahrscheinlich habe ich gestern alle Lehrer von Aruba gesehen. Die Protestierenden waren Lehrer, die demnächst wieder zur Arbeit gehen sollen. Ich wollte wissen, ob es ebenfalls um Gehaltskürzungen geht. Dazu später mehr, denn gerade als ich das Gespräch angefangen hatte, trat der zuständige Minister vor die Menschenmenge.

Bla Bla Bla

Die Forderungen wurden dem Minister persönlich übergeben und es entspann sich ein Dialog. Der Sprecher der Lehrer stellte den Minister zur Rede, jede Ministerantwort wurde von einem lauten “BLA BLA BLA BLA BLA” der Menge beantwortet. Niemand hat den hier ebenfalls vorgeschriebenen Corona-Sicherheitsabstand eingehalten, was jedoch niemanden gestört hat. Inzwischen gibt es nur noch drei aktive Covid-19 Fälle auf Aruba.

Kundgebung

Anschließend machten die Lehrer die Hauptstraße wieder frei und sammelten sich um die Ecke zu einer Kundgebung. Ich blieb noch ein wenig mit der Lehrerin im Gespräch. Sonst hätte ich auch gar nichts verstanden, denn mein Papiamentu ist noch nicht besonders gut. Es wird aber besser.

Die Lehrer waren nicht primär wegen der Gehaltskürzungen auf der Straße, sondern wegen der Arbeitsbedingungen. Anscheinend sind die Schulgebäude in miserablem Zustand. Dass das in Deutschland ebenfalls so ist, wollte mir die Frau nicht glauben. Das sei doch Deutschland. Außerdem würden sie als Lehrer zwar gut verdienen, sie würden mit dem Geld jedoch auch den privaten Sektor unterstützen. Da ist sicherlich was dran, denn der private Sektor ist vor allem vom Tourismus abhängig.

Privater Sektor – Autowaschstraße

Ja, der private Sektor leidet. Auf jeden Fall haben die Lehrer ihre Forderungen charmant verpackt, denn es ging in der Hauptsache um die Schulen und nicht um das Geld. Die Gehaltskürzungen wollen sie natürlich auch nicht.

Heute ist Christi Himmelfahrt – auch hier ein Feiertag. An Feiertagen gehen alle an den Strand und nicht zur Demo. Ich bin allerdings gespannt, welche Gruppe morgen vor dem Parlament aufmarschieren wird.

Für ein paar Dosen Futter

Wer profitiert? Diese Frage stellt sich der Detektiv im Kriminalroman immer, die Antwort führt ihn zumeist zu Verdächtigen und Motiv. Das erscheint mir sinnvoller, als wild in der Welt herum zu spekulieren.

Viele Prominente machen derzeit Werbung für maßlose Phantasien, warum das Coronavirus so entstanden ist, wie es ist. Das SIE uns dazu bringen wollen, uns von Bill Gates Mikrochips impfen zu lassen. Das ist Blödsinn, wir geben die Daten sowieso freiwillig heraus und lassen uns freiwillig von Mikrochips kontrollieren. SIE sind überall.

Sie beobachtet mich.

SIE beobachten uns im Verborgenen oder ganz offen. SIE schmeicheln sich bei uns ein und wollen Streicheleinheiten. SIE wollen Futter. SIE haben die Macht über ihre Dosenöffner. Doch das reicht ihnen nicht.

Vor einigen Wochen las ich einen Bericht im SPIEGEL, einem durchaus seriösen Nachrichtenmagazin. Katzen können sich mit dem Coronavirus infizieren, Hunde nicht. Das brachte mich auf die richtige Spur. Ich versuchte, SIE ebenfalls zu beobachten. SIE verstecken sich.

So viel ich hinschaue, so viel schauen SIE zu mir zurück.

Diese starrenden Augen können einem Menschen Angst einflößen. Im Internet fand ich heraus, dass das Virus wohl in Deutschland entstanden sein muss. In der Nähe des Ortes, an dem sich angeblich Bielefeld befindet, haben die spitzohrigen Weltherrscher offenbar ihr geheimes Labor. SIE werden es niemandem verraten, es gibt aber Indizien.

Ich will gestreichelt werden!

Cui bono? Wer profitiert? Die größten Profiteure des Lockdowns überall auf der Welt waren die Katzen. Endlich konnten sie fast 24 Stunden des Tages auf ihre Dosenöffner und ihr Streichelpersonal zugreifen. Schnurren, Schmusen und Kuscheln. SIE haben vor Jahren schon das Internet übernommen und jetzt kontrollieren SIE jede Minute deines Lebens.

Wir haben geglaubt, dass wir SIE beim Tierarzt chippen lassen können. Wir haben SIE zwangsimpfen lassen, obwohl SIE es nicht wollten. Jetzt schlagen SIE zurück.

SIE sind böse.

Jetzt sind SIE böse. SIE wollen immer noch, dass dieser Beitrag nie erscheint. SIE wollen noch ein paar Dosen Futter. SIE wollen uns nicht alle umbringen, sondern nur so viele, dass noch genug Dosenöffner für SIE übrig bleiben.

Achtung: Wer das nicht glaubt, der ist der Mainstream-Presse auf den Leim gegangen. Jede Katze, der du eine Schale Futter zum Zwecke der Informationsbeschaffung hinstellst, wird meine Version der Geschichte bestätigen.

Sissi

Ich gehe jetzt Katzenfutter kaufen. Und Katzenspielzeug. Und Katzenstreu.

Yesss!

Neulich habe ich während eines Spaziergangs im Vorgarten eines Hauses ein Dutzend Katzen gesehen. Vielleicht waren es auch noch mehr. Als ob diese Katzen alle in einem verlassenen Haus wohnen würden. Nur der Pflegezustand der Pflanzen im Vorgarten sieht aus, als wäre das Haus noch bewohnt. Die Katzen haben auch Futter und Wasser.

Ganz viele süße Katzen!

Heute habe ich mir die GoPro und eine Dose mit Katzenfutter geschnappt, die seit Portugal auf Sissi mitfährt. Ich will ein paar süße Katzen beim Fressen aufnehmen. Leider ist die Katzenbesitzerin im Vorgarten. Ich traue mich nicht, den Katzen das Trockenfutter zuzuwerfen. Ich warte lieber, bis ich die Katzen in der Abenddämmerung auf der Straße erwischen kann.

Divi Divi

Auf dem Weg zurück in die Stadt komme ich an einem der schönsten Bäume in Oranjestad vorbei. Ein Divi Divi Baum, sozusagen die Wappen-Bäume von Aruba. Am Strand gibt es sie in ganz verrückten Formen, sie werden vom Wind zurecht geblasen.

In der Fußgängerzone lasse ich meinen Blick rundherum schweifen. Es sind immer mehr Menschen auf der Straße. Das Leben kehrt in die Innenstadt zurück. Manche Läden sind noch geschlossen, die meisten Geschäfte haben aber inzwischen wieder geöffnet.

Endlich wieder!

Auch die Dreckecken werden aufgeräumt und geputzt. Aruba macht sich wieder fein. Die Restaurants sind noch geschlossen. Ich kann an fast jeder Ecke sehen, dass sie einen Öffnung in Kürze vorbereiten.

Oranjestad wird geputzt.

Was mich wirklich überzeugt hat, dass hier der Krisenmodus in Kürze beerdigt wird, ist die Straßenbahn. Ich wollte meinen Augen kaum trauen, als ich ein rotes Fahrzeug auf dem Gleis fahren sah. Yesss! Sie fährt wieder.

Sie fährt wieder!

Jede zweite Sitzreihe ist gesperrt und auf den Sitzen gibt es jeweils außen Klebemarkierungen. Auf diese Markierungen kann man sich setzen. Vor dem Einsteigen gibt es Händedesinfektion.

Sie fährt wirklich. Das ist ein aktuelles Bild.

Ich setze mich auf eine Bank im Schatten und warte darauf, dass die Straßenbahn wieder in die andere Richtung fährt. Dabei gelingt mir ein schönes Bild von zwei Frauen, die sich zu einem ausgiebigen Schwatz auf einer Bank getroffen haben. Offiziell gelten hier weiterhin die Abstandsregeln, der tolerierte Abstand liegt hier bei 2 Metern.

Tratschen

Nicht nur die Erwachsenen, auch die Jugendlichen haben ihren Spaß. Die letzten Wochen war es hier sehr langweilig. Die Schulen sind immer noch geschlossen.

Jugendliche Radfahrer

Eigentlich ist heute jeder auf der Straße. Es ist lange nicht so voll wie mit den üblichen Touristenscharen, Es erinnert mich an einen Tag ohne Kreuzfahrtschiffe, wenn sich lediglich die Einheimischen in der Fußgängerzone tummeln.

Shoppen geht in jedem Alter

Zuletzt treffe ich noch Jutta und Ute auf der Straße. Sie bummeln auch von Geschäft zu Geschäft und schauen mal hier und mal dort. Sie haben außer dem Supermarkt seit Ende Februar keine geöffneten Geschäfte gesehen.

Yesss! Shopping geht wieder.

Ich überrede die beiden, gemeinsam eine Runde mit der Straßenbahn zu fahren. Sie sind überrascht, dass die Mitfahrt kostenlos ist.

Ute vor der Tram

Kaum sitzen wir in der abfahrbereiten Tram, macht mit Jutta auf das Bierfachgeschäft aufmerksam. Es ist mir schon vor Wochen aufgefallen, aber es hatte ja die ganze Zeit geschlossen. Als ob die Bierversorgung nicht zur Grundversorgung gehören würde. Gespenstig.

Beer World empfängt wieder Kunden.

Jutta hat sichtlich Gefallen an der kleinen Runde mit der Straßenbahn.

Jutta fährt Straßenbahn

Fahrer, Schaffner, Chefdesinfektor und noch eine Angestellte der Straßenbahnbetriebe tummeln sich im Fahrzeug. Heute ist der erste Betriebstag. Die Personale lachen und scherzen mit Passanten, Ladenbesitzern und mit und über uns. Touristen! Sie sind wieder da.

Kein Mindestabstand! Die Schaffnerin wird böse.

Wir fahren an einer Gruppe Männer vorbei, die ohne Sicherheitsabstand nebeneinander stehen. Die Schaffnerin ruft ihnen rüber, dass sie zwei Meter Abstand einhalten müssen. Dann lachen alle gemeinsam. Es kommt mir vor, als ob ein wichtiger Baustein Normalität in die Stadt zurückgekehrt ist.

Schuhe shoppen.

Wir werden an der Endhaltestelle rausgeworfen, es war die letzte Fahrt des Tages. Da hatten wir ja ein Riesenglück. Gemeinsam spazieren wir zurück in die Fußgängerzone. Gemeinsam bis zum ersten geöffneten Schuhladen. Dann muss ich Ute und Jutta leider verlassen. Eigentlich wollte ich Katzen fotografieren und filmen gehen. Statt dessen habe ich Menschen fotografiert. Es war ein schöner Nachmittag.

Auch die Scientologen haben sie heute vor die Tür gelassen. In Ganzkörperoveralls haben sie die Fußgängerzone unsicher gemacht. Müssen sie die Overalls jetzt zu Werbezwecken tragen oder damit man sie auf der Insel immer wiederfinden kann, falls sie davonlaufen.

Mit den Klamotten würde ich bei 32°C im Schatten nicht herumlaufen wollen. Ein Scientologe mit Freewinds-Aufdruck.

Hinsichtlich Corona hat sich heute auch etwas getan. Auf Aruba sind noch neun Personen erkrankt. Ein 70-jähriger Mann ist gestern an Covid-19 gestorben, damit sind es jetzt drei Tote. Die Gesamtzahl der Infektionen bleibt bei 101.

Coronachronik – acht Wochen auf Aruba

Am heutigen 6. Mai dauert mein für wenige Tage geplanter Aufenthalt auf Aruba acht Wochen. Acht Wochen in denen auf der Welt ziemlich viel passiert ist. Ich habe erlebt, wie der normale Wahnsinn auf Aruba abgeht, wenn ein oder zwei Kreuzfahrer am Terminal liegen. Ich habe erlebt, wie Oranjestad austrocknete und verödete. Ausgangssperren und Hausarrest. Inzwischen werden die Maßnahmen gelockert, Geschäfte dürfen wieder öffnen. Das Leben fühlt sich wieder anders an.

11. März 2020: Zwei Kreuzfahrtschiffe liegen vor Oranjestad

11. März
Jens und ich landen auf Aruba. Wir erledigen unsere Einreiseformalitäten ganz normal im Hafen Barcadera und suchen uns anschließend einen innenstadtnahen Liegeplatz in einer von zwei Marinas. Ich will die Straßenbahn fotografieren, wir wollen ein paar Tage auf der Insel verbringen und uns alles ansehen.

13. März
Auf Aruba werden die ersten beiden Menschen positiv auf Covid-19 getestet. Wir bekommen davon gar nichts mit, das Leben läuft ganz normal. Ich mache eine Menge Fotos von der einzigen Straßenbahn in der Karibik. Jens auch. Die Chapo meldet sich bei uns. Sie wollen nach Aruba kommen, weil in vielen Ländern die Grenzen schon zu sind. Auf Aruba ist alles vollkommen normal.

13. März 2020: Jens fotografiert die Straßenbahn in der Fußgängerzone.

15. März
Aruba schließt die Grenzen. Nur noch Arubaner dürfen in das Land reisen. Über die Honorarkonsulin erreichen wir eine Ausnahme für die Chapo. Das letzte Kreuzfahrtschiff hat die Stadt verlassen. Die Straßenbahn hat ihren vorerst letzten Betriebstag.

16. März
Aruba hat den dritten Fall von Covid-19. Noch sind Geschäfte, Restaurants und Bars geöffnet. Die Touristen fehlen, das Personal steht in leeren Läden. Die meisten Geschäfte reduzieren ihre Öffnungszeiten.

15. März 2020: Leerer Laden ohne Kunden

19. März
Der erste Covid-19 Patient wird als geheilt entlassen, die Gesamtzahl der Fälle liegt nun bei fünf. Die Regierung ruft zu Social Distancing auf. Öffnungszeiten der Läden werden bis 22 Uhr begrenzt. Es wird eine Ausgangssperre ab dem 21. März angekündigt. Außerdem schließt der Flughafen am 31. März seine Tore. Inzwischen rufen Jens und ich die entsprechenden Webseiten täglich auf. Die ersten Supermärkte beginnen mit der Aufstellung von Desinfektionsmittelspendern. Kassierer tragen Mundschutz. Plexiglaswände wachsen nach und nach an den Ladenkassen.

15. März 2020: Es ist kaum noch jemand in der Fußgängerzone unterwegs.

21. März
Jetzt ist die Zahl der Covid-19 Fälle bei acht. Zwischen 21 Uhr und 6 Uhr gilt ab sofort eine Ausgangssperre. Wer dagegen verstößt, verbringt die Nacht im Gefängnis und zahlt 560 US$ Strafe. Geschäfte, Restaurants und Bars dürfen nur noch bis 20 Uhr öffnen. Viele Läden haben sowieso geschlossen, weil kaum noch Touristen da sind. Wir erfahren von der Chapo, dass sie kurz vor Aruba ist.

22. März
Neun Covid-19 Fälle. Die Regierung gibt bekannt, dass die Strafe für Verstöße gegen die Ausgangssperre schon mehrfach verhängt wurde. Die Chapo erreicht Oranjestad.

22. März 2020: Die Chapo erreicht Oranjestad

23. März
Die Zahl der Covid-19 Fälle steigt auf 12. Bars und Frisörläden müssen schließen, Restaurants dürfen nur noch außer Haus verkaufen oder liefern.

27. März
Inzwischen gibt es auf Aruba 33 positive Fälle. Ab dem 29. März gilt für alle “shelter in place”, eine Art Hausarrest. Alle nicht notwendigen Geschäfte müssen schließen. Alle müssen zu Hause bleiben, außer zum Einkaufen oder in die Apotheke darf man nirgendwo hingehen. Wir interpretieren “zu Hause” ziemlich großzügig und betrachten das komplette Hotelgelände als unser Zuhause. Das führt manchmal zu Diskussionen mit den Sicherheitsleuten des Hotels.

2. April 2020: Ein Ladenbesitzer richtet sich auf längere Schließung ein

5. April
64 Personen wurden inzwischen positiv auf Covid-19 getestet. Jens fliegt mit einem Evakuierungsflug der Niederlande nach Amsterdam, danach geht es für ihn mit dem ICE nach Frankfurt. Wir rechnen uns nicht aus, dass wir vor der diesjährigen Hurrikansaison Aruba noch verlassen können. Derzeit haben alle umliegenden Länder ihre Grenzen geschlossen.

5. April 2020: Jens ist bereit zum Abflug

8. April
Die Gesamtzahl der Covid-19 Fälle ist auf 77 gestiegen, davon sind noch 63 aktiv. Die Regierung gibt Maßnahmen für das bevorstehende Osterwochenende bekannt. Alle Strände sind über Ostern gesperrt. Die Ausgangssperre wird noch verschärft. Auf Aruba ist es üblich, sich mit der ganzen Familie an Ostern am Strand zu treffen.

Karfreitag 2020: Die Hauptstraße am Ufer bei verschärfter Ausgangssperre. Ich verstoße mit dieser Aufnahme gegen die Regeln, denn ich verlasse das Marinagelände. Es ist aber niemand da, der mich sehen kann. Es ist absolut niemand auf der Straße.

15. April
Eine 79-jährige Person stirbt an den Folgen ihrer Covid-19 Erkrankung. Die Gesamtzahl der Fälle liegt bei 93, aktiv sind noch 53 Fälle. Es gelten weiterhin die bekannten Regeln, Hausarrest und Ausgangssperre werden bis Ende des Monats verlängert. Bei der Obduktion eines 39-jährigen Toten wird entdeckt, dass dieser ebenfalls an Covid-19 verstorben ist. Damit gibt es zwei Tote auf Aruba.

19. April
Die Regierung gibt bekannt, dass der Flughafen bis mindestens zum 31. Mai für Passagiere geschlossen bleibt. Die Zahl der Fälle ist auf 97 gestiegen, von denen noch 46 krank sind. In den letzten Tagen übersteigt die Zahl der Geheilten die der Neuinfektionen.

Am Flughafen ist am 3. April 2020 gar nichts los.

22. April
Die Zahl der Covid-19 Fälle erreicht 100. Die meisten der Fälle sind aber schon geheilt, es sind nur noch 30 Menschen erkrankt. Es sieht aus, als hätte die Insel die Pandemie recht gut eingedämmt.

27. April
Die Regierung gibt bekannt, dass ab morgen neue Regeln gelten. Die Ausgangssperre gilt jetzt von 22 Uhr bis 5 Uhr, Geschäfte müssen nun um 21 Uhr schließen. Sonst kommt es zu keinen Änderungen. Der Hausarrest gilt weiterhin, es kümmert sich aber kaum noch einer darum. Inzwischen sind nur noch 25 Menschen erkrankt, neue Infektionen wurden nicht bekannt. Die Erwartungen an die Lockerung sind nicht nur bei mir enttäuscht worden.

28. April
Ab dem 4. Mai dürfen die meisten Geschäfte im Land wieder öffnen. In Zukunft möchte die Regierung alle zwei Wochen entscheiden, wie es mit den Lockerungen weitergeht. Dennoch bleibt es bei der verkürzten Ausgangssperre. Auch für die Restaurants gilt, dass sie lediglich bis 21 Uhr Essen zum Mitnehmen oder Lieferdienste anbieten dürfen. Es gibt keine Änderungen bei den Erkrankungen.

4. Mai 2020: Die Menschen stehen Schlange, halten Abstand und betreten einer nach dem anderen den Laden.

4. Mai
Seit dem 22.. April verharrt die Zahl der Covid-19 Infektionen bei 100, davon sind noch 17 aktive Fälle. Die Läden dürfen öffnen, wenn sie die Hygienevorschriften einhalten. Die Menschen müssen beim Warten Abstand halten, die Zahl der Kunden im Laden ist begrenzt. Eine Maulkorbpflicht gibt es nicht. In den Geschäften steht Händedesinfektion bereit. Ich mache beim Einkaufen tolle Schnäppchen. Ohne viel zu handeln wird mir in einem Laden angeboten, den Dollarpreis in Florin zu begleichen.

4. Mai 2020: In der Fußgängerzone sind wieder Menschen unterwegs.

Viele tragen auf der Straße einen Mundschutz. Inzwischen sind die Menschen wieder entspannter. Im Supermarkt bekomme ich keinen Anschiss mehr, wenn ich aus Versehen anderen Kunden zu nahe komme. Jeder weiß, dass es nur noch ganz wenige Fälle auf Aruba gibt. So lange die Grenzen geschlossen sind, kann hier nichts mehr passieren.

5. Mai
Einen Tag nach der ersten merklichen Lockerung der Maßnahmen wird ein neuer Fall entdeckt. Der erste Covid-19 Fall seit dem 22. April bringt die Gesamtzahl auf 101. Ein Betroffener wird gesund, die Zahl der aktiven Fälle bleibt bei 17.

4. Mai 2020: Auch einige der bekannteren Labels öffnen ihre Geschäfte wieder. Bedarf scheint vorhanden zu sein.

6. Mai
Seit acht Wochen bin ich jetzt auf Aruba. Seit vier Wochen bin ich alleine auf Aruba. Ich habe mir das Langfahrtsegeln anders vorgestellt, bin aber mit meiner Situation nicht so unzufrieden. In anderen Ländern wäre die Zeit härter gewesen. Ich lese Berichte von Seglern, die vor Anker liegen und ihr Boot nicht verlassen dürfen. Hier liegen Freunde im Hafen, die Arubaner sind alle sehr freundlich und sicher vor Hurrikanen ist es hier auch. Mit Kreuzfahrtschiffen rechnet hier niemand vor Mitte Juli, es wird eher länger dauern. Der Flugbetrieb soll angeblich Anfang Juni wieder aufgenommen werden. Es ist unklar, ob die Einreisesperre weiterhin bestehen bleibt.

Scientology-Kahn hängt auf Aruba fest

Auch wenn Aruba nur klein ist, gibt es jeden Tag etwas zu entdecken. Schon bei unserer Anreise lag die Freewinds im Hafen von Oranjestad. Damals haben wir uns nichts dabei gedacht, schließlich sieht das Schiff aus, wie so viele andere Kreuzfahrtschiffe auch.

Freewinds im Gegenlicht

Aus Langeweile haben wir nachgesehen, um was für ein Schiff es sich hier handelt. Alle Kreuzfahrtschiffe sind abgefahren, nur dieses ist hier geblieben.

Auf Wikipedia konnten wir nachlesen, dass dieses 1968 gebaute Schiff schon seit einer Weile nicht mehr als Kreuzfahrtschiff unterwegs ist. Statt dessen zieht die Scientology Organisation hier ihren Mitgliedern das Geld richtig aus der Tasche. Der Focus hat das Schiff als “Psycho-Liner” bezeichnet. Scientology selbst lobt die “ablenkungsfreie Umgebung”. Jeder Scientologe, der in dieser Kirche nach oben kommen möchte, braucht angeblich den einen oder anderen Aufenthalt hier zur Gehirnwäsche.

Viren finden es prima, wenn viele Menschen auf engem Raum eine längere Zeit miteinander verbringen. Dann können sie sich richtig gut verbreiten. Auch die Freewinds wurde davon nicht verschont, es gab im Jahr 2019 einen Masern-Ausbruch an Bord. Damals lag das Schiff auf St. Lucia in Quarantäne.

So hat die derzeitige Situation auch ihre positiven Seiten. Im Augenblick kocht niemand anderer Leute Gehirne auf der Freewinds zu Matsch. Im Augenblick verursacht der Dampfer nur Kosten. Ich befürchte jedoch, dass Scientology so viel Geld hat, dass sie unbeschadet durch die Krise kommen. Ich würde nicht weinen, wenn der Laden einfach von unserem schönen Planeten verschwindet.

Sieht völlig harmlos aus. Ist brandgefährlich.

Derzeit ist also keine Gehirnwäsche im Angebot. Schmutzige Gedanken sind sowieso viel besser.

Abendessen bei Sonnenuntergang

Ich bin kurz davor, die kitschig schönen Sonnenuntergänge komplett zu ignorieren. Fast jeden Abend gibt es eine Stunde der Farben in allen Gelb- und Rottönen, die die Natur jemals erfunden hat.

Die Stunde der Farben beginnt.

Jeden Abend frage ich mich, was ich den ganzen Tag so geleistet habe. Jeden Abend nehme ich mir eine möglichst unangenehme Arbeit für den folgenden Tag vor. Gestern war es schon wieder Arbeit an der Bilge bzw. der Bilgepumpe. Vorgestern hat die frisch wiederbelebte elektrische Bilgepumpe unter Versendung heftigster Rauchzeichen den Betrieb eingestellt. Mit ein paar Tropfen Sekundenkleber konnte ich wenigstens die Membran der Handpumpe wieder gängig machen. So war die tägliche Dusche gesichert.

Gestern konnte ich dann die kaputte elektrische Pumpe durch ein Ersatzgerät tauschen. Vier Stunden Arbeit mit viel zu kurzen Armen in der viel zu tiefen Bilge. Mir ist so viel Schweiß vom Kinn in die Bilge getropft, dass genug Flüssigkeit für einen Probelauf vorhanden war. Die anschließende Dusche war zwingend nötig und führte zu genug Wasser in der Bilge für einen zweiten Lauf. Merke: Wenn Du das Seeventil der elektrischen Pumpe nicht öffnest, quirlt sie das Wasser nur in der Bilge herum.

Müll am Straßenrand

Aruba hat das öffentliche Leben so weit heruntergefahren, dass nicht einmal mehr die Straßenreinigung betrieben wird. Das macht sich inzwischen deutlich bemerkbar. In der ganzen Stadt sind die Straßen von Müll gesäumt. Da die Restaurants nur noch zum Mitnehmen anbieten, liegen sehr viele Essensbehälter herum.

Müll

Jeden Tag kommt noch ein wenig Müll dazu. Bei jedem Gang zum Supermarkt oder zum Metzger finden sich neue Abfallberge oder Hügelchen. Es wird Zeit, dass das wieder funktioniert. Mein Eindruck ist, dass um so mehr Müll dazu kommt, je mehr schon herumliegt.

Coronamüll

Das Bloggen habe ich in den letzten Tagen heruntergefahren. Es fällt mir schwer, immer neue Facetten unserer Situation zu finden, ohne in der Melancholie zu versinken. Ich habe mir vorgenommen, nur noch positive Beiträge zu schreiben. Angesichts der immer schöner werdenden Umgebung ist das nicht leicht.

Fußgängerzone

Auch die Beschränkungen im Leben nerven mich. Wahrscheinlich gibt es keinen auf diesem Planeten, der nicht genervt ist. Nach 21 Uhr ist Ausgangssperre. Nach 21 Uhr ist die Temperatur aber auch so angenehm, dass man schön mit dem Fahrrad die Strände entlang fahren könnte. Nach 21 Uhr wären ausgedehnte Spaziergänge am Strand ein toller Genuss. Vor Sonnenuntergang sitze ich am liebsten im Salon und gehe der Hitze aus dem Weg. Das ist eine Art freiwillige Ausgangssperre. Nur wenige Leute sind so blöd, bei 32°C im Schatten Bewegung in der Mittagshitze zu suchen.

Wenn am Abend die Sonne untergeht, werden die Temperaturen angenehm und das Leben schöner. Dann finden viele positive Erlebnisse statt.

Sonnenuntergang am 14.3.2020

Abends setzen wir uns fast immer zum Abendessen zusammen. Abendessen ist Nahrungsaufnahme, Abendessen ist aber auch Genuss. Lieblingsgerichte sind erlaubt, ja fast schon Pflicht.

Kartoffelklöße, vor dem Kochen

Natürlich gibt es Hausmannskost, wenn ich koche. Ich hatte Lust auf Gulasch und Kartoffelklöße. Also kaufte ich Fleisch und Kartoffeln. Nach nur wenigen Stunden Arbeit war der Kloßteig aus rohen und gekochten Kartoffeln fertig. Ich war stolz. Dann habe ich Wasser angeheizt, um ein paar Probeklöße zu machen. Langer Rede kurzer Sinn – die hiesigen Kartoffeln sind absolut ungeeignet für Klöße, die Klöße haben sich im Wasser einfach völlig aufgelöst und wurden zu einer Art Kartoffelsuppe.

Ich hatte aber noch so unglaublich viel Kloßteig, den ich nicht wegwerfen wollte. Für Kartoffelpuffer hat sich der Teig super geeignet. Die sind sehr lecker geworden und konnten auch zusammen mit dem Gulasch verzehrt werden. Jutta hat sich fast in den Teller hinein geworfen. Lieblingsgerichte halt.

Kartoffelpuffer

Damit wir nicht so dick werden, hat Jutta für den nächsten Tag ein einfaches, leichtes Gericht versprochen. Ich war gespannt und wurde nicht enttäuscht, wäre aber nie auf die Idee gekommen, das als Abendessen zuzubereiten. Es gab Toast Hawaii. Mit frischer Ananas, keine Ananas aus der Dose. An jener Stelle zeigte sich ein ungewohnter Geschmack, die Dosenananas sind viel süßer.

Toast Hawaii

Es ist schön, wenn man sich das Kochen teilt. Dann ist auch das Abspülen geteilt. Die Chapo hat sogar eine Spülmaschine, die im Augenblick leider kaputt ist. Und auf der Chapo wohnt Ute, die auf beiden Booten schön sauber spült.

Es ist auch schön, dass wir uns nicht den ganzen Tag gegenseitig auf den Geist gehen, sondern uns erst zum Abendessen treffen. Anschließend spielen wir ein paar Runden Karten, schwätzen, lachen und haben eine gute Zeit. Auf diese Weise werden wir mit einem gesundem Geist über die Zeit kommen. Für den gesunden Körper haben wir ja die gute Küche.

Pizzateig (Anfangsstadium)

Für den heutigen Tag hat mir Jutta verboten, ein Dessert anzufertigen. Also mache ich eine Vorspeise. Ich will kleine Pizzahäppchen backen, die dann kalt aus der Hand gegessen werden können. Dazu habe ich einen Pizzateig angesetzt. Das ist kein Dessert.

Wenn Jutta die Finger von der Pizza lässt und nichts davon isst, wird sie auch kein Problem mit ihren Diätbemühungen haben. Ich werde die Pizza aber so lecker würzen, dass Widerstand außerordentlich schwierig sein wird.

Pizzateig (fertig geknetet)

Ein Spaziergang führt mich zufällig an der Metzgerei vorbei. Dort finde ich meine Idee für den Pizzabelag – Chicken Curry. Ich sammele ein paar Hühnerfilets ein, die an Bord klein geschnitten und in eine feine Paprika-Curry-Marinade eingelegt werden. Dazu lege ich noch klein geschnittene grüne Paprika und fertig ist die Mini-Pizza.

Der Pizzateig wächst und gedeiht.

Während der Teig noch geht, mache ich mich an das Schnippeln und Reiben der übrigen Zutaten. Zwiebeln, Knoblauch, Käse. Pizza ist ein tolles Gericht, gerade an Bord dauert die Zubereitung stundenlang.

Zutaten

Anschließend forme ich die Häppchen. Ich habe schon richtig Appetit. Das geht mir immer so, wenn ich Pizza backe. Also werden die Häppchen etwas größer als zunächst geplant.

Minipizza in unterschiedlichen Stadien der Zubereitung

Aus dem Teig bekomme ich vier Bleche mit Minipizzas heraus. Das bedeutet eine Backzeit von insgesamt zwei Stunden. Der Bordbackofen ist leider kein guter Pizzaofen. Besser als bei Dominos werden sie allemal schmecken.

Fertige Minipizzas

Ich freue mich über die Backergebnisse und muss gleich einmal eine Qualitätskontrolle machen. Ich darf nicht zu viel Qualitätskontrolle machen, sonst habe ich nachher keinen Hunger mehr auf die Hauptspeise. Was wollte Jutta kochen? Ich habe es schon wieder vergessen, hatte nur Augen für die Pizza. Ich freue mich schon auf den Abend. Und auf den Sonnenuntergang.

Wird sich Jutta bei der Pizza zurückhalten können? Die Frage werde ich vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft beantworten.

Das Leben auf Aruba ist schön. Wir machen uns einen schönen Aufenthalt. Wir lassen nicht zu, dass wir von Depressionen aufgefressen werden.

Noch eine Minute, dann ist die Sonne weg.

Nachtrag: Jutta hat von der Pizza gegessen. Außerdem hat sie leckere gefüllte Paprika gemacht. Die waren zwar vegetarisch, dafür aber so gut, dass ich noch Nachschlag brauchte. Jetzt bin ich rund gefressen.

Planänderung. Abflug.

Vor ein paar Tagen schickte mir die Honorarkonsulin die Nachricht, dass ein Sonderflug von Aruba nach Amsterdam angesetzt ist. Es ist ein Flug der Niederlande nach Amsterdam, der auch Angehörige anderer EU-Mitgliedsländer mitnimmt. Jens und ich diskutierten das ausgiebig. In der Folge haben wir unsere Pläne etwas geändert.

Immer nur auf das Meer schauen können ist doof.

In wenigen Wochen besteht die Möglichkeit zum Start in Richtung Europa. Ende April öffnet sich das typische Zeitfenster. Auf unserer Route liegen Jamaika (geschlossen), Kuba (geschlossen), Bermuda (geschlossen), die Azoren (geschlossen), Portugal (geschlossen), Spanien (geschlossen), Frankreich (geschlossen und Segeln verboten) und England (noch offen). Ob England in zwei Monaten noch offen ist, kann heute noch keiner wissen. Das Zeitfenster schießt sich irgendwann Ende Juni mit dem Beginn der Hurrikansaison, die üblicherwese bis Ende November dauert.

Der direkte Weg nonstop nach Deutschland ist uns selbstverständlich nicht verbaut. Wir haben ein Segelboot mit unbegrenzter Reichweite, wir haben für Monate Proviant an Bord und wir müssen nicht tanken. Es handelt sich lediglich um schlappe 5500 Seemeilen (10175 Kilometer), die von uns in ca. 55 Tagen gesegelt werden können. Dazu kommen noch 14 Tage Selbstquarantäne vor der Abfahrt, damit wir sicherstellen können, dass wir die Seuche nicht schon an Bord haben. Also zwei Monate das Boot nicht verlassen. Irgendwie steht uns der Sinn gerade nicht danach.

Jens fliegt zurück nach Frankfurt, ich bleibe an Bord und auf Aruba. So sieht die Entscheidung aus. Nach der Hurrikansaison kommt Jens wieder zurück und wir fahren die Route, die ich oben beschrieben habe. Irgendwann machen die Länder ihre Grenzen wieder auf. Irgendwann können wir uns wieder so frei durch den Ozean bewegen, wie wir es lieben.

Der Abflug ist am 3. April um 16:30 Uhr angesetzt. Am 3. April hat aber auch Jutta Geburtstag. Wir sind zur Chapo eingeladen. Wir erklären Jutta, dass sie in ihrem Geburtstag hineinfeiern muss, wenn sie mit uns feiern möchte. Für den Abend des 2. April besorge ich die Zutaten für eine feine Abschiedslasagne. Die tragen wir zur Chapo. Dann feiern wir den letzten Abend. Dann feiern wir den Geburtstag von Jutta. Dann ist das Bier alle.

Sandalen haben ausgedient.

Am Morgen des Abflugtags werden mit leichtem Kater erst einmal die Sandalen beerdigt, die Jens schon mindestens seit einem Jahrzehnt durch Europa und nun durch die ganze Welt getragen haben. Zumindest bei mir kommt keine Sentimentalität auf. Berühren hätte ich die nicht mehr wollen.

Heute ist Abflugtag

Wir werden sentimental. Jens hat seine Sachen gepackt und kommt mit dem Gewicht gerade noch unter die Freigrenze. Ein letztes Foto gemeinsam mit Sissi. Ein letzter Schwatz mit den Chapos. Wir stehen an der Hauptstraße und warten auf Lel, einen Arubaner, den wir vor ein paar Wochen kennengelernt haben. Er hatte uns damals angeboten, dass er uns mit dem Auto fährt, wenn wir mal ein Problem haben. Das Problem liegt auf der Hand. Wir müssen zum Flughafen, es fahren aber keine Busse und keine Taxis. Lel fährt und bietet mir an, dass er mich auch wieder zurück bringt. Danke!

Gespenstisch einsam – Flughafen von Oranjestad

Am Flughafen ist erst einmal nichts los. Wir sind viel zu früh da. Natürlich haben sämtliche Grill- und Imbissbuden, Kaffeeläden und Minimärkte geschlossen. Der Flughafen ist geschlossen. Das ganze Land ist geschlossen. Wir waren so blöd, dass wir nicht daran gedacht haben. Zum Glück haben wir genug Wasser mitgenommen.

Warten, dass das Terminal öffnet

Zweieinhalb Stunden vor der geplanten Abflugzeit öffnet das Terminal. Wir haben zu diesem Zeitpunkt schon von Sicherheitsleuten erfahren, dass der Flug sich aufgrund von technischen Problemen eine Stunde verspäten wird. Jens organisiert über diesen Sicherheitsmann eine Pizza beim Lieferdienst.

Nur ein einziger Flug wird heute abgehen

Das Terminal öffnet und der Sicherheitsabstand zu den anderen Menschen ist leicht einzuhalten. Es gibt heute nur einen einzigen Flug.

Am Schalter erfährt Jens, dass er nicht auf der Passagierliste steht. Er kommt wieder nach draußen. Ich schicke der Konsulin eine Nachricht. Sie verspricht, dass sie sich sofort darum kümmert. Eine Viertelstunde später erscheint bei uns ein Mitarbeiter des Flughafens. Jens sei doch auf der Passagierliste. Er könne jetzt einchecken.

Vorne in der Schlange

Jens kommt wieder mit seinem Gepäck zurück. Er steht zwar auf der Passagierliste, es können aber derzeit nur Holländer abgefertigt werden. Der Mann, der die beiden deutschen Passagiere abfertigt, ist noch nicht eingetroffen. Also ist wieder Warten angesagt. Ich habe zwar Hunger – Jens hat vergessen, mich zu fragen, ob ich auch eine Pizza möchte – will aber nicht zurück zu Sissi, bevor Jens eingecheckt hat. Ich habe schließlich die kurze Leitung zur Konsulin.

Bescheuertes Selfie vor dem Flughafen

Es kommt wieder ein Mitarbeiter des Flughafen zu uns. Jens kann jetzt einchecken. Der dritte Versuch ist erfolgreich. Gut. Ich rufe Lel an, damit er mich abholt. Dann verabschiede ich mich von Jens. Kurz. Ich hasse Bahnhofsabschiede. Lel bringt mich zurück zu Sissi.

Den Nachmittag verbringe ich mit Telefonaten mit Freunden und der Familie. Donald Trump schickt Kriegsschiffe nach Venezuela. Wir können von Aruba aus nach Venezuela rüberschauen. Militärflugzeuge sind am Himmel zu sehen. Ich unterhalte mich noch etwas mit den Chapos.

Die Verspätung von Jens Flieger wird größer und größer. Er ist immer noch nicht in Paramaribo gestartet. Irgendwann erfährt Jens, dass der Flug auf den folgenden Tag verschoben wurde. Nach einer längeren Wartezeit kommt ein Bus und bringt die meisten verhinderten Passagiere in ein Hotel, das extra für diesen Flug wieder geöffnet wurde. Jens kommt zu Sissi zurück.

Wir feiern in kleinem Kreis den letzten Abend auf Aruba, nur Jens und ich. Im Radio hören wir, dass Deutschland erwägt, die Grenze zu Holland zu schließen. Das wäre blöd für Jens, denn er muss ja noch von Amsterdam nach Frankfurt kommen. Über die geschlossene Grenze fährt der ICE sicher nicht.

Am 4. April bekommt Jens regelmäßig Updates. Es wurde ein Ersatzteil für den Flieger nach Surinam geflogen. Der Flieger wird repariert. Es gibt eine Abflugzeit. Die Abflugzeit wird verschoben. Der Flug wird letztendlich wieder abgesagt und auf den 5. April verschoben. Ein Ersatzflugzeug kommt. Wir feiern noch einmal auf der Chapo. Wir können jetzt auf die Chapo, die Quarantänezeit ist vorbei.

Am Morgen des 5. April steckt mir der vorherige Abend in den Knochen. Die große Zahl der “letzten Abende” zieht sich hin. Ich habe keine Lust mehr auf den letzten Abend. Wir beobachten auf flightradar24 den Flug Ersatzmaschine auf dem Weg nach Paramaribo. Es sieht alles gut aus. Die Maschine landet. Jens bekommt die Nachricht, dass sein Flug verspätet sein wird. Verspätet ist besser als verschoben.

Jens steigt in den Bus

Die Ankunft der Busse an der Marina verzögert sich auch, es wurden nicht alle Fluggäste im Hotel gefunden. Das Hotel soll sehr gut gewesen sein. Hört man. Dann kommen sie doch, ich nehme kurz Abschied von Jens und das war es dann. Für die nächsten Monate.

Der Flug nimmt eine spannende Route nach Aruba. So viel Abstand zu Venezuela, wie es möglich ist. Herr Trump hat seinen Spaß in Venezuela.

Kurz vor der Ankunft.

Jens ist derweil im Terminal und wartet auf den Abflug. Wir tauschen Nachrichten aus. Ich bin traurig und gleichzeitig glücklich. Ich freue mich für Jens, dass er die nächsten Monate in Frankfurt verbringen kann. Ich bin gespannt, wie es mir jetzt ergehen wird. Ich bin traurig, welche Richtung der Segeltörn ohne unser Verschulden genommen hat.

Warten.

Während wir noch Nachrichten tauschen, geht plötzlich alles ganz schnell. Der Flieger schwebt über dem Hafen ein, ich kann ihn von Sissi aus sehen. Ich wechsle noch zwei kurze Nachrichten mit Jens, dann muss er sein Telefon ausschalten. Dafür dauert es wieder ewig, bis ich den Start des Fliegers im Internet beobachten kann. Wir sehen uns im Spätherbst wieder.

Auf dem Weg nach Hause