Überfahrt nach Barbados Tag 5 – Hart und entbehrungsreich!

Ein Skatspiel ist an Bord, ein Schachspiel und das Minderheitenquartett des Postillon. Damit lässt sich etwas anfangen. Außerdem haben wir noch die Angel, mit der wir immer noch keinen Fisch gefangen haben. Also Angel raus und das Kartenspiel klar machen. Ich verkünde, dass man am fünften Tag ruhen soll, wie es schon in der Bibel steht. Wir wollen Skat spielen. Ich glaube, die letzte Runde Skat habe ich im vergangenen Jahrtausend gespielt. Jens noch gar nicht, Jakob genauso oft. Die Angelschnur geht mit einem Köder ins Wasser, einem Köder, der garantiert funktionieren soll.

Dann beginne ich mit der Erläuterung der Regeln. Mit den Werten der Farben, mit dem Reizen, Ausspielen der Karten etc. Es dauert eine Weile, bis ich mich wieder daran erinnere, welche Bedeutung die Buben beim Reizen haben. Und dass man einen Null spielen kann. Und welchen Wert ein Null, ein Null-Ouvert oder sowas haben. An alle Werte kann ich mich nicht mehr erinnern, aber wir sind ja unter uns und üben noch. Normalerweise stehen diese Werte alle auf einer der Karten im Skatspiel. Nur in unserem Bordkartenspiel fehlen sie. Segeln ist hart und entbehrungsreich.

Es macht Spaß. Viel Spaß. Jakob und Jens kapieren die Regeln einigermaßen schnell. Nur gelegentlich wird Trumpf nicht bedient, aber das sind Randerscheinungen. Wir spielen eine Runde aus, dann fällt uns plötzlich auf, dass die Angelschnur komplett rausgerauscht ist. Ein fetter Fisch ist am Haken. Wir machen uns klar für das Thunfischsteak am Abend, Jens kurbelt Meter um Meter zurück auf die Rolle. Das Zählwerk zeigt noch 50 Meter Schnur an, als sich die Kurbel plötzlich ganz leicht drehen lässt. Der Fisch ist weg, der Angelhaken auch. Segeln ist hart und entbehrungsreich.

Anschließend gönnen wir uns eine schöne Dusche. Jeder muss, da gibt es keine Ausnahme. Entweder duschen alle oder keiner. Sonst können wir eine gleichmäßige Geruchsbelästigung der anderen nicht mehr garantieren. Die Dusche ist leider nur kalt, sie hat Atlantiktemperatur (etwa 25°C). Segeln ist hart und entbehrungsreich.

Dann essen wir die Pizza, leider ohne Oregano und ohne frischen Thunfisch. Der Oregano ist uns ausgegangen, den Thunfisch hatten wir nie. Außerdem hatten wir nur zwei Bleche Pizza, drei hätten wir auch wegessen können. Dafür hat der Teig dann aber nicht mehr gereicht. Segeln ist hart und entbehrungsreich.

In der Nacht kommt endlich etwas Wind auf. Die Bootsgeschwindigkeit nimmt zu. Die Bootsgeräusche nehmen ab. Es ist wieder Spannung im Schiff, auch die Rollbewegungen werden angenehmer bzw. verschwinden. Bis ich mir während meiner Wache ein Glas Cola eingießen möchte und dabei die normalen Vorsichtsmaßnahmen ein wenig missachte. In diesem Augenblick erwischt uns mal wieder eine fiese Welle, bringt Sissi ins Rollen, mich ins Taumeln und die Cola auf den Fußboden. Toll, ich darf mitten in der Nacht noch den Fußboden wischen. Segeln ist hart und entbehrungsreich.

Wir stehen per Email in Kontakt mit der Joint Venture II, die eineinhalb Tage vor uns abgefahren ist. Die leiden auch unter dem schwachen Wind. Und wir stehen in Kontakt mit der Björkö, die zwei Tage nach uns abgefahren ist und nicht über Wind klagen kann. In der Nacht werden wir von der Chriscat aus Frankreich in nur zwei Meilen Abstand überholt, leider können wir keine Funkverbindung herstellen. Mehrere Rufe gehen ins Nichts, wahrscheinlich haben die ihr Funkgerät ausgeschaltet, um Strom zu sparen. Schade. Bei denen ist es wohl noch härter und entbehrungsreicher.

Am folgenden Morgen erfreuen wir uns daran, dass in den letzten 24 Stunden nichts kaputt gegangen ist und außer der Angelschnur nichts zerrissen wurde. Wir öffnen eine frische Dose Leberwurst aus Frankfurt und schmieren uns den Inhalt auf das selbst gebackene, frische Brot. Kleine Gewürzgurken hätten super zu dem Brot gepasst, haben wir aber nicht. Bzw. wir finden sie gerade nicht in der Vorratslast. Segeln ist hart und entbehrungsreich.

5. Etmal: 103 nm
Position um 12 Uhr: N15°42′ W32°47′
Noch 1565 Seemeilen bis nach Barbados, wir haben 501 Meilen hinter uns. Den Point-of-no-return haben wir auch hinter uns. Wir können mit unserem Diesel nicht mehr nach Mindelo zurück fahren. Ab sofort müssen wir vorwärts.

Pizza

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