Wintereinbruch

Den ganzen Tag schon haben wir feinen Segelwind. Inzwischen ist es Nacht geworden, der Wind flaut immer mehr ab. Ich sitze im Cockpit und erfreue mich daran, wieder den Sternenhimmel zu sehen. Es ist im Gegensatz zur vergangenen Nacht wenigstens trocken. Den ganzen Tag sind wir mit knapp 7 kn über die Wellen gesurft. Raumer Wind (von hinten) mit Wellen von hinten lässt sich prima segeln.Irgendwie ist mir kalt. Ich gehe in den Salon und schaue aufs Thermometer. Das zeigt 21°C. Kein Wunder, dass ich friere. Oben ist es noch ein oder zwei Grad kälter, dazu kommt der Wind, der durch meinen Pullover pfeift. Ich denke mir, dass das Problem lösbar ist, und ziehe einen zweiten Pulli darüber. Doch es ist weiterhin zu kalt. Erst mit den Regenklamotten (Hose und Jacke) kann ich das Problem mit dem Wind lösen.

Jetzt genieße ich noch die letzten zwei Stunden, bis ich Jens wecken darf. Die Uhr haben wir heute Nacht wieder eine Stunde vorgestellt, jetzt sind wir auf UTC-1, eine Stunde hinter den Azoren. Nächste Woche stellen wir sie noch eine Stunde weiter, dann kommen wir mit Azorenzeit auf den Azoren an.

Jens findet es lustig, mich in den Winterklamotten zu finden. Mir ist aber kalt. Diese Temperaturen habe ich in den letzten drei Jahren lediglich in klimatisierten Einkaufszentren erleben müssen/dürfen. Jetzt bringt sie der nördliche Wind zu uns. Brrrr. In der kommenden Woche rechnen wir mit einem Winddreher. Zuerst werden wir Gegenwind bekommen, dann dreht der Wind nach Süden und bringt uns hoffentlich wieder wärmere Luft.

Das Bild zeigt mein Boat-Office. Im Hintergrund liegt die warme Wolldecke, mit der sich Jens in der Nacht warm hält. Er verweigert sich noch den Socken. Ich trage meine Wintersocken mit Stolz. Socken seien ein Gefängnis für die Füße, meint Jens. Ich meine, dass Socke eine super Erfindung sind und genieße es, mit warmen Füßen auf die Wachablösung zu warten.

16. Etmal: 103 nm
Position: 35°51‘N 47°56‘W
Reststrecke: 932 nm