50 Jahre

So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ganz und gar nicht. Ich wusste zwar nicht ganz genau, wo ich diesen Tag verbringen wollte, doch sicher nicht auf Aruba. Malerische Inseln im Südpazifik hätte ich besuchen wollen, statt dessen füttere ich Esel.

Eisbox

Ich frage Desiree, ob ich meinen Geburtstag im Donkey Sanctuary feiern darf. Ich darf. Außerdem bekomme ich als Dreingabe das Auto des Donkey Sanctuary geliehen, mit dem ich die Einkäufe leicht erledigen kann. Für den Transport von der Marina und zurück frage ich einen der Minibus-Fahrer, dieser Punkt der Organisation ist schnell erledigt. Dickie leiht mir seinen Grill.

Der Grill läuft sich warm – auf der Leeseite des Gebäudes.

Etwa gegen 16 Uhr erreiche ich das Donkey Sanctuary und kann zum Entladen sogar bis aufs Gelände zum Visitors Center fahren. Dann muss ich die Eisbox füllen und den Grill anheizen. Zur Belohnung gönne ich mir eine gut gekühlte Dose Apfelwein. Ich ärgere mich darüber, dass ich die Gerippten an Bord vergessen habe.

Charly und Johnny am Grill

Wie immer wird es früh dunkel. Der Grill ist heiß, als der Bus die Gäste an der Tür abliefert. Leider haben wir nur wenige Stunden Zeit, denn die Regierung hat eine Ausgangssperre zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens angeordnet. Entweder müssen wir bis um fünf Uhr durchfeiern oder um 23 Uhr die Party beenden.

Geburtstagstorte

Ich bekomme eine wunderschöne Geburtstagstorte (cremig) und einen Apfelkuchen, von Anneke selbst gemacht. Ich muss zugeben, dass mein Favorit der Apfelkuchen ist. Die Torte ist allerdings spektakulärer.

Dann muss ich einen albernen Geburtstagshut aufsetzen. Die Amerikaner haben da schon lustige Traditionen. Die Bilder kann ich vielleicht noch nachreichen, ich habe mir ein Geburtstagshut-Selfie verkniffen.

Gitarrenklänge zum Geburtstag

Alle haben ihre Instrumente dabei, so wird gleich noch eine Gesangsrunde eingelegt. Nach dem Gesang darf ich mich gleich wieder besonders albern aufführen. Meine Gäste haben eine Piñata besorgt. Hoffentlich heißt das Teil auch so. Mir verbinden sie zuerst die Augen, dann darf ich auf das Teil eindreschen. Es kommt aber nichts raus.

Zuschauer. Karen filmt.

Die Zuschauer amüsieren sich jedenfalls köstlich. Karen nimmt einige Fotos und Filme auf, ich muss sie noch um die Aufnahmen bitten. Johnny ist der nächste. Auch er ist nicht besonders erfolgreich, die Piñata hält seinen Schlägen stand.

Johnny versucht sein Glück

Nun macht sich Edward mit dem Schläger ans Werk. Er hat nach nur zwei Schlägen Erfolg und ein Strom aus Süßigkeiten und kleinen Schnapsflaschen ergießt sich über den Boden. Ich mache mich erst einmal daran, die Süßigkeiten einzusammeln. Die Schnapsflaschen brauche ich nicht. Hä? Was schreibe ich da. War ich zu dem Zeitpunkt schon angetrunken? Oder bin ich es noch?

Hier freut sich der Zahnarzt

Um kurz vor 23 Uhr sehen wir auf dem Parkplatz Lichter. Wir leeren die letzten Drinks und machen uns auf den Weg zu unserem Bus. Ich möchte den Busfahrer bezahlen, dabei fällt mir auf, dass mein Portemonnaie an Bord liegt. Ich verspreche ihm seinen Lohn für den folgenden Tag. Danach krieche ich mehr auf das Boot als dass ich laufen würde. Noch ein Stück Apfelkuchen zur Nacht und danach gehe ich schnell ins Bett.

Ich habe mich gefreut, wir hatten eine tolle Feier. Und nun steht bei meinem Alter die Ziffer Fünf vorne. Und wir haben nebenbei mächtig die aktuellen Corona-Regeln gebrochen. Private Partys sind derzeit verboten.

Ich trete am nächsten Morgen zum Aufräumen an. Ich würde mich am liebsten neben diesen Esel legen. Aua. Mein Kopf. Der alberne Geburtstagshut hat wohl Druckstellen verursacht.

Chillender Esel

Bavaria

Ich arbeite jetzt schon seit einigen Monaten im Donkey Sanctuary. Dabei komme ich natürlich mit so manchem Besucher in Kontakt. Viele sind überrascht von meiner Nationalität, kommen dann aber so richtig auf Touren. Ob ich denn schon im deutschen Restaurant gegessen habe, will man immer wieder von mir wissen. Das war bis gestern Abend nicht der Fall. Das Restaurant liegt in einer Gegend, in der sonst eher hochpreisige Restaurants zu finden sind. Außerdem ist die deutsche Küche bei mir an Bord einigermaßen gut repräsentiert.

Jo, Stewart und Johnny machten sich gestern gemeinsam mit mir auf den Weg zum Restaurant Bavaria. Einziger Wermutstropfen bei der Sache: Ich bin der Fahrer. Also darf ich mir die Kühlschränke mit über 100 verschiedenen Bieren nur anschauen.

Bavaria Aruba, Wirt Peter hinter dem Tresen

Es wirkt auf den ersten Blick ungemütlich. Insbesondere der Tresen, aus Bierkästen erbaut, macht einen sterilen Eindruck. Das ist eine Folge der Anti-Covid-Maßnahmen, die im Augenblick Barhocker am Tresen verbieten. Aus den Lautsprechern ertönt volkstümliche Musik, die in meinen Gehörgängen schmerzt. Peter aus Siegen, der vor zehn Jahren dieses Restaurant aufgemacht hat, erklärt mir mit inzwischen schwer niederländischem Akzent bei seiner Aussprache, dass es sich um Radio Heimatmelodie handelt, ein Internetradiosender aus Bayern. Jeder Leser ist aufgefordert, länger als eine Viertelstunde zuzuhören.

Meine Idee, einen anderen Internetradiosender aus Bayern, Rockantenne, einzuschalten, wurde mit einem Lächeln hinter der weiß-blauen Maske quittiert. Seine Gäste würden diese Musik erwarten. Die drei Amerikaner am Tisch wirkten jedenfalls nicht verstört.

Die Speisekarte ist schon ziemlich gut und repräsentiert Süddeutschland, vom Schwarzwald bis zur österreichischen Grenze. Über die Zubereitung und den Geschmack kann ich nicht klagen, mein gar nicht so süddeutscher Sauerbraten war sehr lecker. Nur das Rotkraut war nicht mein Fall – ich war allerdings vorgewarnt. Peter erklärte mir, dass es hier nicht traditionell geht, sondern süß sein muss. Okay. Stewart war von seiner Schweinshaxe mehr als begeistert. Jo hat sich die Hälfte ihres Gulaschs einpacken lassen, sie war völlig überwältigt von der Portionsgröße. Auch Johnny musste sich Essen einpacken lassen. In Sachen Portionsgröße ist es hier wirklich typisch deutsch. Mein Fazit: Ich komme wieder, wenn ich Lust auf eine Schweinshaxe habe.


In Sachen Covid-19 kommt die Insel nicht so recht zur Ruhe. Vor knapp drei Wochen schrieb ich, dass die Zahl der aktiven Fälle auf knapp 300 angestiegen war. Wohlgemerkt, wir sind bei Null gestartet. Heute sind wir bei 1165 aktiven Fällen bei einer Gesamtzahl von inzwischen 1670. Die erste Welle verursachte gerade einmal 102 Infektionen. Im Schnitt wächst die Zahl täglich um ca. 60 Fälle.

Die positiv getesteten Touristen sind nur zu einem geringen Teil beteiligt, die meisten der Infektionen geschehen lokal. Das ist bedauerlich, Einheimische sind quasi gefährlicher als Touristen. Wobei die meisten Touristen allerdings nicht länger als eine Woche hier bleiben. Die können positiv sein, am Flughafen negativ getestet werden und entwickeln die Symptome vielleicht erst nach dem Rückflug.

Die Maßnahmen der Regierung sind irgendwie halbherzig. Die Bars sind geschlossen, allerdings nicht alle. Die Spielcasinos sind geöffnet. Private Partys sind verboten, Touristen können sich jedoch beliebig in den Hotelanlagen zusammenrotten. Nun kommt als neue Maßnahme eine altbekannte Maßnahme hinzu – die Ausgangssperre. Sie gilt ab morgen von Mitternacht bis fünf Uhr morgens, damit sich das Virus in der Nacht nicht mehr lokal übertragen kann. Ich halte es für wirkungslosen Aktionismus, der mir einigermaßen egal sein kann, weil ich in dieser Zeit sowieso schlafe. Darauf eine gute Nacht!

Zahnarztbesuch

Tja., was soll ich schreiben. Manchmal muss es eben sein, da hilft keine Gegenwehr. Wenn der Zahnarzt zu Besuch im Donkey Sanctuary ist, muss mindestens ein Esel behandelt werden. Die anderen Esel sind neugierig oder ignorieren die Behandlung.

In diesem Fall handelt es sich um eine Eselin, deren Namen ich noch nachschlagen muss. Sie hat Unebenheiten in ihren Zähnen, so dass sie nicht mehr richtig kauen kann. Das kann man ihr auch ansehen, sie ist ziemlich mager geworden.

Ich verzichte auf eine Untermalung mit Musik, so kommt das Geräusch des Zahnarztwerkzeugs besser zur Geltung. Zahnarzt und Esel kauen zeitweise synchron.

Witzig finde ich, dass der Zahnarzt und Peter beide übersehen haben, dass das Tor noch geöffnet ist. Fast wäre ihnen der zweite Patient entwischt.