Gut Holz – Teil 2

Mal wieder trete ich mit Stichsäge und Verlängerungskabel im Donkey Sanctuary an. Anstatt mehrerer Stühle soll ich diesmal einen runden Tisch bauen. Ein Tischfuß ist noch vorhanden und der alte runde Tisch hat auch eine runde Tischplatte, die allerdings ziemlich marode ist. Die neue Platte soll dieselbe Größe haben. Also nutze ich die marode Tischplatte, um Maß zu nehmen. Der Starkregen der letzten Tage ist allerdings nicht an der Tischplatte vorbeigezogen. Sie ist nun verzogen und ich suche zunächst nach einem einigermaßen brauchbaren Teilstück.

Fast schon rund

Ein Esel beobachtet mich, während ich die Tischplatte vorbereite. Der Lärm der Säge ist ihm ziemlich egal, er möchte etwas Futter oder eine Streicheleinheit. Am besten beides, dafür fehlt mir in dem Augenblick aber die Zeit.

Auch die rostige Halterung für den Tischfuß und die metallene Umfassung sind vom Vorgängertisch. Damit ich sie genau in der Mitte anschrauben kann, muss ich erst den Mittelpunkt mit Hilfe meines Navigations-Geodreiecks bestimmen.

Der Kreismittelpunkt wurde mit den Mitteln der Geometrie bestimmt

Anschließend erwischt es mich eiskalt. Der Tischfuß soll natürlich gerade sein. Einige nutzlose Minuten verbringe ich damit, eine Wasserwaage zu suchen. Natürlich finde ich keine. Muss das in Aruba wirklich so gerade sein? Wohin nur ist mein Stolz auf “Made in Germany” oder auf meine Arbeitsqualität entfleucht?

Improvisierte Wasserwaage

Wenn gar nichts geht, kann man sich aus einem Wasserglas eine prima Wasserwaage bauen. Wenn man einen Hügel drauf schichten kann, ist das Tischbein gerade. Gerade noch bekomme ich die Qualitätskurve. Ich freue mich über meine Idee.

Fertig. Ein runder Tisch

Desiree wird nun noch eine Schicht Beton auf das Holz auftragen, um eine robuste Oberfläche zu bekommen. Ich bin mal gespannt. Meine Arbeit an diesem Tisch ist beendet.

Wetterbericht

Auf Aruba feiern wir gerade die Saisoneröffnung. Es geht hierbei nicht um die Touristensaison, sondern um die Hurrikansaison. Die ersten tropischen Stürme haben wir überstanden bzw. überstehen wir gerade. Ich schwitze bei 35°C im Schatten unter Deck, der Ventilator verschafft mir wenigstens etwas Erleichterung. Die Nachbarn auf den amerikanischen Booten sind entweder zum Tauchen unterwegs oder sitzen im klimatisierten Innenraum. Es ist nämlich so, dass die Stürme nicht nach Aruba kommen, sie jedoch einen massiven Einfluss auf das Wetter hier haben.

Zugbahnen der Hurrikane, der rote Punkt ist Aruba

Üblicherweise bleiben sie über dem offenen Wasser und biegen erst kurz vor Florida in Richtung Nordost ab. Manchmal treffen sie die Küste. Ziehen sie länger über Land, geht ihnen schnell die Puste aus. Sie setzen aber nicht dem Blinker und biegen nach Aruba ab.

Dieser Tage war ein wenig Aufregung unter meinen amerikanischen Nachbarn, aber auch aus Deutschland erreichten mich Nachrichten über einen aufziehenden Wirbelsturm. Seit dem aktualisiere ich die Wetterdaten auf meinem Smartphone wieder regelmäßig.

Wettervorhersage für den 25. bis 27. Juli. Der Sturm zieht deutlich im Norden durch.

Die Konsequenzen für uns auf Aruba waren einigermaßen dramatisch. Kurz nachdem dieser wirklich kleine tropische Sturm an uns vorbeigezogen ist, wurde Aruba von stundenlangen heftigen Regenfällen überschwemmt. Ich hatte nicht damit gerechnet, die Luke über meiner Matratze war geöffnet. Den Nachmittag habe ich mit dem Trocknen meiner Matratze verbracht.

Bis zu diesem Tag war mir nicht einmal bekannt, dass es in Aruba Regenjacken gibt. Trotz des Regens waren die Boote zur Flamingoinsel fleißig unterwegs. Viele Passagiere gab es allerdings nicht.

Ich bin der Meinung, dass die Esel im Donkey Sanctuary bei Regen traurig aussehen. Vielleicht liegt es aber auch an der Tristesse, die entsteht, wenn sich die Fluten über den nackten Boden ergießen.

Regen bei den Eseln

Bei so viel Regen kann es geschehen, dass ein Kaktus unterspült wird und umfällt. Mein erster Gedanke war, dass dieser Kaktus genau auf dem Weg liegt, den die Besucher immer nehmen. Wegräumen mochte ich ihn auch nicht.

Liegender Kaktus

Als richtig großes Problem hat sich das dann am Ende nicht herausgestellt, denn die Esel fressen für ihr Leben gern Kakteen und machen alles, um eine von ihnen umzustürzen. Dann entfernen sie behutsam die Stacheln und genießen hinterher das Fleisch. Das brachte mich schon zum Staunen.

Genießer

Nach ein paar Stunden war es leicht, die Reste beiseite zu schieben. Am folgenden Tag war der Kaktus aufgegessen.

Heute sitze ich wegen des folgenden tropischen Sturms in der Flaute. Dieser hat keinen Regen mitgebracht, er ist wesentlich weiter im Norden durchgezogen. Die Flaute hat irgendwann heute Nacht eingesetzt, ich bin mitten in der nach schweißgebadet aufgewacht.

Ich höre hessisches Radio über das Internet und dort spricht man über 37°C am Wochenende. Das würde sogar die Temperaturen auf Aruba übertreffen.

Hochhausbau in Oranjestad

Bei den dicken Brummern sind die Plätze gestern neu verteilt worden. Die Freewinds ist wieder an ihren ehemaligen Liegeplatz zurückgekehrt. Dafür ist die Carnival Pride am Kreuzfahrerterminal festgemacht. Möglicherweise sind die Einnahmen von Aruba aus den Liegegebühren für Kreuzfahrtschiffe jetzt höher als in der Vor-Corona-Zeit. Vermutlich gibt es einen satten Rabatt.

Hochhausbau vor meiner Nase

Für mich persönlich ändert das alles. Bisher konnte ich in meinem Cockpit sitzen und der Sonne zusehen, wie sie im Meer versinkt. Das geht jetzt nicht mehr, jetzt fällt sie hinter der Carnival Pride ins Wasser. Bei genauem Hinsehen kann man die schwarzen Rußfahnen aus den Schornsteinen erkennen. Zum Glück liege ich in Luv, der Dreck weht auf das Meer hinaus.

Vor ein paar Tagen ist mir ein Artikel auf Spiegel-Online in die Augen gesprungen. Im Zuge der Black Lives Matter Bewegung wollen Twitter und andere Unternehmen Begriffe wie “Master”, “Slave”, “Blacklist”, “Whitelist” und mehr aus ihren Entwicklungsabteilungen streichen, weil sie rassistisch sind. Das hat mich nachdenklich gemacht. Immerhin habe ich diese Begriffe über Jahrzehnte selbst verwendet.

Ich habe diese Gedanken dann niedergekämpft und mich wieder meinem Luxusleben im Hotelresort gewidmet. Die Dusche auf der Flamingo-Insel ist immer noch die beste Dusche und so bekommen die Flamingos hin und wieder Besuch von mir. Es ist immer wieder befremdlich, wenn sich auf der für mehrere hundert Besucher geeigneten Insel nur ein paar Dutzend Menschen aufhalten.

Flamingos

Ein paar Tage nach dem Artikel im Spiegel nutzte Caren Miosga in den Tagesthemen die Worte “Schwarzarbeit” und “Dunkelziffer”. Dazu ein Zitat von Bertolt Brecht “die im Dunkeln sieht man nicht”. Irgendwie hat es dabei wieder Klick in meinem Kopf gemacht. Schwarzarbeit, Schwarzfahrer, Schwarzgeld, Schwarzmalerei, Schwarzsehen, Dunkelziffer, Schattenwirtschaft, schwarze Kasse, anschwärzen, Schwarzmarkt, Schwarzer Peter.

Aufgrund einer Frage in einem Quiz, das ich auf meinem Telefon gegen ein paar Freunde in Deutschland spiele, bin ich auf den schwarzen Popelmann gestoßen. Martin Luther höchstselbst riet damals Eltern, ihre Kinder mit dem schwarzen Popelmann zu erschrecken, falls sie nicht artig sind. Als ob es nicht ein paar mehrköpfige Aliens getan hätten. Die Zuordnung von Hell und Dunkel in der Bibel ist ziemlich eindeutig geregelt.

Ich liebe Schwarzwurzeln, schwarzen Kaffee, Schwarzbier, schwarze Schokolade und das leckere Fleisch der spanischen schwarzen Schweine. Es ist nicht alles negativ konnotiert und erst hier in der Karibik habe ich mir die geliebten schwarzen T-Shirts weitestgehend abgewöhnt.

Streetart aus Oranjestad

Auch in Oranjestad gibt es einige Graffiti. Dieses Exemplar ist mir zufällig vor die Kamera gelaufen. Es gibt sie, sie finden sich aber über die ganze Stadt verstreut. Nicht so konzentriert wie in San Nicolas.

Inzwischen arbeite ich schon mehrere Tage an diesem Beitrag. Die Kreuzfahrtschiffe sind verschwunden und nichts stört mehr den Genuss des Sonnenuntergangs. Aruba hat wieder keine Einnahmen aus dem Kreuzfahrtbetrieb. Ich ziehe gedanklich ein paar Konsequenzen und werde in Zukunft noch mehr auf meine Wortwahl achten. Einen Beförderungserschleicher würde ich einen Schwarzfahrer aber nicht nennen wollen. Das ist mir zu sperrig. Vielleicht einen Betrüger.

Stand heute sind 13 aktive Covid-19 Fälle auf der Insel bekannt. Ich darf im Donkey Sanctuary einen Tisch schreinern. Die Stichsäge habe ich schon hingebracht. Dabei bin ich beinahe über Shrimp in komplett entspannter Pose gestolpert.

So können nur Katzen entspannen

Es ist wieder da…

Vor ein paar Wochen konnte ich an dieser Stelle vermelden, dass der letzte aktive Covid-19 Fall auf Aruba wieder gesund ist und es keine aktiven Fälle mehr gibt. Seit dem 1. Juli sind die Grenzen für Flugreisende wieder geöffnet und schwupps haben wir wieder acht aktive Fälle auf der Insel.

Die neu importierten Fälle sind bei Flügen aus den USA bzw. den Nachbarländern gefunden worden. Immerhin wird am Flughafen fleißig getestet. Ich bin gespannt, wann die ersten Neuinfektionen innerhalb von Aruba auftreten. Das ist nur eine Frage der Zeit.

In meinem Blog gibt es seit gestern eine Neuerung: Rechts unten ist eine kleine Flagge zu sehen. Dort lässt sich nun die Sprache auf Englisch umschalten. Eingeführt habe ich das aus Höflichkeit meinen neuen Nachbarn gegenüber, die nicht daran gewöhnt sind, dass sie sich um die Übersetzung fremdsprachiger Texte kümmern müssen. Also kümmere ich mich mit Hilfe der Google API selbst darum. Ich bin erstaunt, was die automatische Übersetzung inzwischen zu leisten vermag.

Wir sind vollzählig

Im Donkey Sanctuary gibt es mehrere Esel, die in einer Art “Altersheim” von den anderen getrennt sind und spezielles Futter bekommen. Diese Esel sind über 30 Jahre alt. Gepresste Strohwürfel werden mit Wasser zusammen angemischt und dann an diese Esel verfüttert. Weil sich am Lagerplatz für das Eselfutter auch Vogelfutter befindet, hängt dort immer ein aufdringlicher Pfau herum.

Pfau von hinten

Zumeist zeigt er mir seine Rückseite, wenn ich ihn fotografieren möchte. Diesmal habe ich ihm aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. In der Hoffnung, dass er sein Gefieder nicht wieder zusammen klappt, scheuche ich ihn etwas durch das Gehege und vom Futter weg. Der Trick hat funktioniert. Kaum lasse ich ihn wieder in Ruhe, dreht er sich um und will wieder zum Futter laufen. Sehr schön, diesmal bin ich der Gewinner.

Pfau von vorne

So schön diese Pfaue sind, so nervig ist ihr Geschrei. Sie machen einen Höllenlärm. Jetzt komme ich zu etwas ganz anderem. Einen freien Platz für ein Segelboot gab es bis gestern noch in der Marina. Ich wusste schon seit ein paar Tagen, wer diesen Platz bekommen wird. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, als mir der Iguana verraten hat, dass ein Segelboot Kurs auf die Hafeneinfahrt genommen hat.

Iguana schaut nach einem Segelboot

Jeder Segler freut sich über Bilder des eigenen Boots. Solche Bilder kann man selbst praktisch nicht anfertigen. Also schnappe ich mir die Kamera und feuere ein paar Schüsse auf die Lady Charlyette ab.

Ricarda

Das wird natürlich dem zunehmenden Babylon in meinem Kopf nicht gut tun. Seit ein paar Tagen merke ich, dass in meinem Kopf mehr und mehr die deutschen Worte von englischen verdrängt werden, selbst meine Träume laufen auf Englisch. Nebenbei deutsches Fernsehen schauen geht nicht mehr, ich muss mich darauf konzentrieren. Mit Ricarda und Stefan kann es mir passieren, dass das wieder zurück kippt. Ich werde es merken.

Lady Charlyette erreicht Oranjestad

Marinachef Hans hilft selbst beim Anlegemanöver, danach kann ich die beiden endlich begrüßen. Nun ist unsere kleine Gemeinschaft komplett.

Zuletzt muss ich einen schweren Diebstahl verkünden. Wer sagt denn, dass nur die Chinesen unsere gute deutsche Ingenieurskunst kopieren. Die Amerikaner tun es auch. Wahrscheinlich war die CIA in der Nacht unterwegs und hat mein Boot ausspioniert. An der Aria befindet sich jetzt eine schlechte Kopie meiner Türglocke.

US amerikanische Kopie meiner Ingenieurskunst

Hello, Goodbye

Manchmal gibt es sogar Neuigkeiten in Oranjestad. Vor einigen Tagen erwähnte ich die Ankunft dreier neuer Segelboote, jetzt möchte ich deren Bewohner vorstellen.

Der Anlass für diese Vorstellungsrunde ist die Abschiedsfeier für Vanita, die mit der Grenzöffnung zu den USA am 11. Juli die Möglichkeit hat, für ein paar Monate nach Hause zu fliegen. Sie plant ihre Rückkehr nach Aruba für Anfang September.

Von links nach rechts: Island Lady, Aria, Toes in the Water und Sissi

Auf der Island Lady ist Vanita mit ihrem Skipper Johnny unterwegs, auf der Aria leben Shelly, Brian und Moses (Riesenschnauzer), auf der Toes in the Water wohnen Karen und Dennis. Aus Platzgründen findet die Abschiedsfeier auf dem Katamaran statt. Wow! Mein erster Besuch auf einem Katamaran. Ein unglaubliches Platzangebot.

Alle drei Boote sind von den US Virgin Islands gekommen, wo sie die Zeit der Grenzschließungen verbracht haben. Nun bleiben sie für die Hurrikansaison in Aruba.

Shelly, Vanita und Johnny hinter Moses

Angesagt war ein italienischer Abend. Brian hat eine unglaubliche Menge Nudeln mitgebracht, dazu gab es verschiedene Saucen von Dennis und echten Parmesan in beliebigen Mengen, vorher noch Appetizer. Ich habe unser Bordbrot gebacken. Moses kann den klassischen Bettel-Hundeblick sehr gut. Doch er muss sich mit etwas Eiswasser zufrieden geben.

Karen, Brian und Johnny, darunter Moses

Es war mir eine große Freude, dass die meisten aus der Gruppe das Donkey Sanctuary besucht haben. Dort hat sich Johnny in einen dreibeinigen Esel verliebt. Johnny hat bei einem Autounfall die Gebrauchsfähigkeit seines rechten Arms verloren, Kamino hat bei einem Autounfall sein rechtes Vorderbein verloren. Daraufhin hat Johnny Kamino gleich mal adoptiert. Das sollte in ein paar Tagen auch auf der Webseite zu sehen sein.

Kamino

Ich schweife ab. Nach dem Essen kommt bei dieser Gruppe Segler die Musik. Brian spielt zumeist Banjo, Vanita Gitarre und von Zeit zu Zeit werden sie von Johnny auf der Mundharmonika begleitet.

Brian und Johnny

Wer kein Instrument spielt, hat immer noch seine Stimme zur Verfügung. Auch ich beteilige mich dabei gerne. Zu Hause bin ich begeisterter Sänger im 51500 Kehlen starken Frankfurter Waldstadionchor. Laut singen kann ich übrigens besser als schön singen.

Neben mir sitzen Vanita, Shelly und Dennis

In den vergangenen Tagen saßen wir schon ein paar Mal zum Singen zusammen. Meist waren die Veranstaltungen recht früh beendet, diese Menschen gehen eher früher ins Bett und stehen auch früher auf. Diesmal dauert es länger, noch möchte niemand Schluss machen.

Vanita, Shelly und Dennis

In dieser Besetzung war es bis September der letzte Auftritt, ich glaube aber nicht, dass es der letzte Auftritt überhaupt war. Dafür macht es uns allen zu viel Spaß. Eine echte alternative Abendgestaltung. Die Kehle lässt sich dabei natürlich auch gut befeuchten.

Brian meinte irgendwann am Abend, dass das hier auf Aruba die kleinste Cruiser-Community sei, die er jemals in seinem Leben gesehen hat. Ich persönlich empfinde die Gemeinschaft inzwischen schon als sehr groß, immerhin hat sich in kurzer Zeit die Zahl der von Langfahrtseglern bewohnten Boote von zwei auf sechs verdreifacht. Außerdem erwarte ich noch die Lady Charlyette, die wir in der Vor-Corona-Zeit auf Martinique getroffen haben.

Moses entspannt

Unter vielfachen Umarmungen verabschieden wir uns voneinander. Vanita hat die eine oder andere Träne in ihren Augen. Hauptsache, sie verliert ihren Humor nicht. Gute Heimreise!

Vanita auf der Schaukel

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch erwähnen, dass seit langer Zeit wieder zwei Kreuzfahrtschiffe vor Oranjestad liegen. DIe Freewinds hat lediglich umgeparkt, die Seven Seas Splendor reiste aus Los Angeles an. Natürlich ohne Passagiere.

Freewinds und Seven Seas Splendor

Ich freue mich ungemein, dass hier neue Gesichter zu sehen sind, neue Geschichten zu hören sind und darüber, dass wir uns richtig gut verstehen. Wir werde gemeinsam eine schöne Zeit haben.

Esel mögen keinen Regen

Auch auf einer kleinen Insel wie Aruba gibt es immer wieder Neues zu lernen. Zum Beispiel, dass es manchmal ziemlich kräftig regnet. Die trockene Insel, auf der ich zwischen März und Juni insgesamt vielleicht eine halbe Stunde Regen erlebt habe, wurde in den letzten Tagen ziemlich gegossen.

Esel im Regen

Die Esel zum Beispiel mögen keinen Regen. Da geht es ihnen nicht anders als den meisten Menschen. Wenn der Regen dann vorbei ist, lieben sie es, sich im Schlamm zu wälzen.

Regen ist doof

Vom Anblick her sieht es aus, als seien diese Esel ganz, ganz traurig. Mit diesen hängenden Köpfen habe ich sie jedenfalls noch nie herumstehen gesehen.

Nass und irgendwie traurig

Leider war es mir an diesem Regentag nicht möglich, die Esel beim Wälzen im Schlamm zu fotografieren. Der Regen hörte nämlich erst zur Fütterungszeit auf. Zur Fütterungszeit haben die Esel kein Interesse daran, sich im Schlamm zu wälzen. Sie müssen nämlich darum kämpfen, ihren Anteil zu bekommen.

Mit den Menschen auf den drei neuen Segelbooten ist ein neues Problem auf mich zugekommen. Sissi liegt relativ weit weg vom Steg und niemand kann anklopfen, wenn er mich sprechen möchte. Deswegen musste ich mir eine Lösung ausdenken. Zunächst wollte ich im Baumarkt einfach eine batteriebetriebene, funkgesteuerte Türglocke kaufen. Dann ist mir aber eine bessere Idee gekommen.

Schiffsglocke

Sissi hat keine Tür, also brauche ich auch keine Türglocke. Nun hat meine bislang vollkommen nutzlose Schiffsglocke eine richtige Aufgabe bekommen. Ein Schiff braucht eben eine Schiffsglocke.

Neues Leben

Immer noch macht es mir viel Spaß, zu den Eseln zu gehen. Dabei kommt es manchmal zu lustigen Szenen. Wenn die Esel sehen, dass Touristen im Besucherzentrum sind, gehen ihnen schon mal die Magensäfte durch. Die meisten Besucher kaufen einen oder zwei Eimerchen mit Eselfutter. Dieser hier lässt mehrere Minuten die Zunge aus dem Maul hängen und beobachtet genau das Geschehen im Besucherzentrum.

Hat die Zunge vergessen

Dann wird das Futter endlich verteilt und das Gedränge ist groß. Jetzt möchte jeder ein paar Pellets abbekommen. Die leckeren Pellets gibt es sonst nur zum Frühstück.

Außer den Eseln gibt ja noch die Pfaue, die Katzen und die Hühner. Dieser Beitrag ist vor allen Dingen den Hühnern gewidmet. Vor ein paar Tagen habe ich dieses Exemplar im Heu gesehen. Sie hat sich dort ein feines Nest gebaut und alle Helfer haben sie in Ruhe gelassen.

Brütendes Huhn

Gestern war es dann soweit. Vier quietschfidele Küken sind geschlüpft und folgen nun unablässig ihrer Mutter. Oder folgt die Mutter ihren Küken? Jutta hat noch ein verstoßenes Küken gefunden, das aber leider nicht durchgefüttert werden konnte. Die anderen piepen jedenfalls unablässig.

Nachwuchs

Nun hat die Mutter viel damit zu tun, ihren Nachwuchs vor den anderen Tieren zu schützen. Die Pfaue jagen die Küken jedenfalls vollkommen unverfroren und auch bei den Katzen kann ich mir ein gewisses Interesse vorstellen. Frisches Hühnchen, direkt vom Erzeuger.

Gefahr für die Hühnchen

Wollen wir hoffen, dass das Interesse weiterhin so gering ist. Der Platz war von der Henne gut gewählt, denn dort halten sich die Katzen für gewöhnlich nicht auf.

Eine lustige Seefahrt – mit Folgen

Zuletzt war ich mit Sissi am 11. März unterwegs. Damals sind Jens und ich von Bonaire gekommen und haben Sissi im Hafen von Oranjestad fest verankert und vertäut. Am 1. Juli bin ich dann wieder für ein paar Stunden draußen gewesen und es hat mir gut getan. Segeln ist gut für die Seele, es macht aber auch Spaß.

Vor ein paar Wochen habe ich Edward und Shelley gefragt, ob sie nicht Lust auf einen Segeltörn hätten. Ich hatte nämlich Lust auf einen Segeltörn und brauchte die Hände.

Meine Nervosität vor dem Start ist groß. Ich habe das Boot voll mit Menschen, die noch nie zuvor auf einem Segelboot waren. Nein – falsch. Die Menschen sind noch nie mit einem Boot gefahren, obwohl sie auf einer Insel leben. Wir wollen etwas Spaß haben und testen, ob sie alle seefest sind.

Zwei Tage habe ich an Bord geschuftet, um Sissi wieder seeklar zu bekommen. Kaum zu glauben, wie viele Dinge sich nicht mehr an ihrem Platz befinden, wenn das Boot ein Vierteljahr nur im Hafen bewohnt wurde. Und warum habe ich eigentlich das Boot mit sechs Leinen am Steg vertäut?

Da der Wind immer von Steuerbord-Achtern kommt und zumeist recht anständig bläst, will ich eine Ankerleine nutzen, um das Boot während des Einholens der Ankerkette an seiner Position zu halten. Das klappt am Anfang recht gut, das Manöver endet jedoch in der Mooringleine des Nachbarn. Ungünstig. Ich bin erstaunt, wie gelassen ich dabei bleibe. Der Hafenmeister schleppt uns mit dem Schlauchboot wieder frei und wir können zu unserem Abenteuer starten.

Mein Glück ist riesig, als endlich die Segel stehen und der Motor verstummt. Nur noch das leise Surren des elektrischen Autopiloten ist neben dem Wind zu hören. Die Mitfahrenden sind begeistert.

Von links nach rechts: Micheline, Shelley und Edward

Micheline ist die Ehefrau von Edward und Shelley seine Schwester. Zwei Kinder hätten eigentlich ebenfalls mitfahren sollen, mussten aber zur Schule gehen. Das nächste Mal machen wir das am Wochenende oder während der Sommerferien, dann können die auch mitfahren.

Dickie und Sohn

Dickie wiederum ist mit Edward befreundet und hat seinen 12jährigen Sohn mitgebracht. Leider habe ich seinen Namen vergessen. Der hätte wahrscheinlich auch in die Schule gehen müssen, war aber mit an Bord.

Begleitmöwe

Nach kurzer Zeit begleitet uns eine Möwe. Sie wird richtig anhänglich, als Shelley anfängt, sie mit Kartoffelchips zu füttern. Möwen fressen wirklich alles.

Edward möchte ausprobieren, wie sich ein Boot unter Segeln fährt. Das ist selbstverständlich kein Problem, nach einem Knopfdruck verstummt der Autopilot.

Edward am Ruder

Fünf Minuten später geht der Autopilot wieder in Betrieb. Zweimal sind wir in eine ungewollte Wende gefahren. Edward muss feststellen, dass sich ein Segelboot anders fährt als ein Auto.

Shelley geht unter Deck, um sich ein Glas Wasser aus dem Hahn zu zapfen. Dann kreischt sie, denn es kommt eine müffelnde, braune Brühe aus dem Hahn. Bäh. Nach nur dreieinhalb Monaten hat sich offenbar ein biologischer Bodensatz im Wassertank gebildet, der nun durch das Segeln durchgeschüttelt worden ist. Lekker.

An dieser Stelle ist alles noch gut. Wenn wir noch ein paar Stunden weiter gesegelt wären, wäre nichts passiert. Gar nichts. Doch die Damen fragen mich, ob es möglich ist, in den Ozean zu springen. Natürlich das möglich. Wir nehmen die Segel runter und klappen die Badeleiter aus. Eine meiner leichtesten Übungen.

Micheline und Edward im Wasser

Shelley und Micheline gehen unter Deck, um sich umzuziehen. Das ist ein Fehler, denn ohne Segel taumelt Sissi in den Wellen in alle Richtungen. Dass Micheline kreidebleich geworden wäre, ist eine Falschbehauptung. Die nackte Wahrheit ist jedoch, dass sie beide mit dem Gesichtsausdruck “mir ist ganz furchtbar elend” wieder an Deck kommen.

Micheline und Edward

Trotzdem macht das Baden Spaß. Da Sissi durch den Wind immer noch mit 1,5 kn Geschwindigkeit vorangetrieben wird, müssen alle richtig schwimmen. Allerdings habe ich eine lange Leine ins Wasser gelassen, damit sie sich festhalten und ausruhen können. Bei 300 Metern Wassertiefe steht es sich nicht so gut.

Badespaß

Während die Männer noch im Wasser toben, haben sich die Damen eine neue Beschäftigung gesucht. Sie posieren abwechselnd und gemeinsam für ihre WhatsApp und Instagram Profile. Natürlich wollen sie ihren Freunden und Bekannten die Nase lang machen.

Ebony and ivory.

Wir segeln weiter, es macht jedoch keine Freude mehr. Wir brauchen beide Eimer, im Cockpit wird synchrongekotzt. Schade, aber es geht nicht anders. Wir kehren um und fahren wieder in den Hafen. Der Hafenmeister hilft mit seinem Schlauchboot beim Ankern und das Abenteuer ist vorbei.

Vielleicht machen wir das wieder, dann werden wir aber auf den Badestopp verzichten.

Backpulver in der Großpackung

Am folgenden Tag gehe ich erst einmal in den Marina-Shop für Seglerbedarf und frage nach Reinigungsmittel für den Trinkwassertank. Ich bin sogar so blöd, dass ich mich von Charly zu einem anderen Geschäft fahren lasse, weil es hier in der Marina das gewünschte Produkt nicht zu kaufen gibt. Der nächste Ladenbesitzer fragt mich, warum ich denn kein Backpulver benutze. Ich klatsche mir mit der flachen Hand gegen die Stirn – natürlich!

Während wir gesegelt sind, sind sogar ein paar neue Boote in den Hafen gekommen. Nun habe ich neue, total nette Nachbarn am Steg.

Sissi ist nicht mehr alleine

Zuletzt komme ich gestern noch zufällig an der 5-Uhr-Bar vorbei, das Backpulver arbeitet gerade in meinem Wassertank. Die neuen Nachbarn stehen gemeinsam mit Jutta und Charly am Tresen. Fünf Minuten später stehe ich auch daneben, ich bin ebenfalls zu einer Geburtstagsparty eingeladen.

Der Abend wurde schön, mein Trinkwasser schmeckt wieder und sieht super aus. Auch die visuelle Inspektion der Tanks von innen präsentiert mir wieder blitzblanken Edelstahl.

Happy Birthday