Farben in Saint Nicolas

Dies ist der versprochene Beitrag mit den Bildern aus Saint Nicolas. Ich verzichte weitestgehend auf eine Kommentierung und möchte die Bilder alleine wirken lassen. Außerdem hat mir Lel zwar zu einigen der Graffiti etwas erzählt, ich konnte mir das alles aber gar nicht merken.

Die beiden Augen sitzen tief in ihren Augenhöhlen. Davor ist die Nase als Balkon. Dieses Bild gefällt mir ganz besonders gut, es passt einfach besonders gut zu dem Gebäude.

Ganz verstanden habe ich die Erklärung zu diesem Bild nicht. Es stellt wohl einen Widerstandskämpfer dar, der hinter Gittern sitzt. Leider ist bei mir untergegangen, wogegen bzw. wofür er gekämpft hat.

Die Motive sind jedenfalls alle von der Insel Aruba. Ob es sich um Glücksspiel handelt oder um die dargestellte Tierwelt. Wenn ich mal eine Mauer mein eigen nenne, lasse ich sie durch einen der Künstler aus Aruba besprühen. Mit einem Adler.

Adler

Aruba von oben

Leider wurden die Helikopterflüge rund um Aruba eingestellt. Der Landeplatz ist nur 100 Meter von Sissi entfernt. Ich hätte leicht einen Rundflug buchen können. Für nur 400 US$ wird man 10 Minuten lang geflogen.

Deswegen muss mich Lel auf einen Hügel bringen, damit ich mal den Überblick von oben bekomme. Auf unserem Weg nach Saint Nicolas fährt er mich über eine unbefestigte Straße auf einen Hügel hinauf, auf dem sich ein gigantischer Wassertank befindet. Aruba hat kein eigenes Wasser, das Trinkwasser wird durch Meerwasserentsalzung gewonnen. Wie auf Sissi auch. Die Aussicht ist schön.

Aruba von oben

Der Blick reicht bis zur Küste. Ich ärgere mich ein wenig darüber, meine Kamera an Bord vergessen zu haben. Alle Fotos auf dem Ausflug muss ich mit dem Telefon machen. Das Funktioniert bei Weitwinkelaufnahmen noch sehr gut, mit dem Teleobjektiv kommt leider immer wieder Pixelbrei heraus. Trotzdem zeige ich das folgende Bild:

Seit Wochen fährt dieses Kriegsschiff die Küste von Aruba entlang

Seit Wochen kann ich immer wieder beobachten, wie dieses Kriegsschiff an der Küste auf- und abfährt. Es ist ein paar Tage vor dem Beginn einer US-Militäraktion in Venezuela gekommen und seitdem nicht mehr verschwunden.

Blüte?

Entwickelt sich hier etwa eine Kaktusblüte? Das habe ich so in freier Wildbahn noch nicht gesehen. Ein bunter Fleck auf einer unter unzähligen Kakteen.

Lel

Wir verlassen den Hügel wieder und fahren weiter in Richtung Saint Nicolas. Wie viele Farben mich dort erwarten, kann ich mir jetzt noch nicht vorstellen. Gleich am Ortseingang ist das Gebäude der Feuerwehr. Hier ist auch gleich das erste Graffiti.

Für die anderen wird es einen separaten Blogbeitrag geben.

Feuerwehr

Aruba nur für mich

Es ist nicht so leicht für einen Außenstehenden, sich das Leben auf einem Segelboot vorzustellen. Schon gar nicht in der aktuellen Situation mit den geschlossenen Grenzen in den meisten Ländern. Mein arubanischer Bekannter Lel kann sich das auch vorstellen. Er glaubt, ich sitze den ganzen Tag auf dem Boot herum und schlage die Zeit tot.

Totschläger

Die Zeit schlage ich nicht tot. Stattdessen mache ich mit meinem Totschläger die Fliegen im Dutzend platt. Tag für Tag. Manchmal glaube ich, ich habe die Fliegenpopulation auf Aruba schon ausgerottet. Dann sehe ich für mehrere Stunden keine Fliegen auf Sissi. Allerdings kommen auch auf Aruba mindestens 100 Fliegen zur Beerdigung, wenn man eine einzelne plattgemacht hat.

Lel steht jedenfalls vor ein paar Tagen am Steg und fragt mich, ob ich nicht Lust auf eine Rundfahrt über die Insel habe. Er hat im Augenblick nicht besonders viel zu tun. Ich freue mich sehr und frage ihn, ob wir zum Arikok Nationalpark fahren können. Dort kann man nämlich nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinfahren.

Der Nationalpark ist geschlossen.

Der Park befindet sich im Südosten der Insel. Wir haben aber nicht genug nachgedacht, denn natürlich ist der Park wie alle anderen öffentlichen Einrichtungen geschlossen. Landschaftlich sieht es wie auf Bonaire aus – Staub und Kakteen.

Windräder säumen die Straße in den Park

Schade, aber wir können das nicht ändern. Ich werde noch einmal wiederkommen, wenn der Park wieder geöffnet hat. Wir fahren zurück und an der Küste entlang in Richtung Saint Nicolas. Dabei biegen wir immer wieder von der Hauptstraße ab und Lel zeigt mir den einen oder anderen schönen Ort.

Ostküste

Aruba wird an der Ostküste vom Atlantik aufgegessen. Auf der Ostseite verliert die Insel immer mehr Substanz. Der Atlantik bearbeitet die Küstenlinie mit seiner ganzen Gewalt und trägt den Boden ab. Dafür wächst Aruba auf der Westseite. Die dem Ozean abgewandte Seite wird größer und größer. Die Insel ist also ganz langsam unterwegs.

Denkmal

Die Inschrift auf diesem Denkmal lautet: “TO ALL SEAMAN”. Ich fühle mich sofort angesprochen und versuche herauszufinden, wer Charles Brouns Jr. war, dem man mit diesem riesigen Anker gedenkt.

Gemeint sind mit dieser Inschrift gar nicht die Seeleute, sondern alle Arubaner, egal wo sie sich auf der Welt befinden. Charles Brouns Jr. hat wohl einiges für die Wirtschaft von Aruba getan, indem er den Tourismus angekurbelt hat.

Baby Beach

Baby Beach ist einer der beliebtesten Strände im Süden von Aruba. Normalerweise wäre kein Platz für die Möwen zwischen den Badehandtüchern. Nur vereinzelt kann ich Menschen sehen. Die Leute haben sich zwei Liegestühle aufgestellt, das ist nach geltender Gesetzeslage nicht so richtig erlaubt.

Unerschrockene Badende

Man darf ins Wasser gehen. Es ist nicht verboten, im Sand zu sitzen, wenn der Sicherheitsabstand eingehalten wird. Bei der Nutzung von Liegestühlen kommt die Polizei. Es ist nicht erlaubt, sich im Liegestuhl am Strand auszuruhen. Das sind die derzeit geltenden Spielregeln.

Lel am Baby Beach

Lel hat bis vor ein paar Jahren im Restaurant am Baby Beach gearbeitet. An einem schönen Tag kam eine Familie aus den Niederlanden zum Strand. Sie hatten ihr Auto vollgeladen mit Strandutensilien, Liegestühlen, Kühltaschen und einem Baby im Kindersitz. Sie mussten mehrmals laufen, um all ihre Sachen an den Strand zu tragen. Dabei hat eine Windbö die Tür des Wagens zugeworfen. Das Auto war nun verschlossen, das Baby saß noch im Fahrzeug in seinem Kindersitz. Die Freude war groß, als Lel nach ein paar Minuten das Auto aufbrechen konnte. Lel zeigt mir Fotos mit der Familie und dem Baby. Das ist inzwischen ein Kleinkind und die Familie kommt immer noch regelmäßig nach Aruba.

Anschließend fahren wir nach Saint Nicolas. Dort mache ich Dutzende Aufnahmen von Graffiti an Hauswänden und Mauern. Es sind so viele Aufnahmen, dass die Malereien in Saint Nicolas ihren eigenen Beitrag im Blog bekommen werden.

Graffiti in Saint Nicolas

Als Lel mich wieder vor der Marina absetzt, fühle ich mich erfrischt. Es tut sehr gut, aus der Marina und ihrer Umgebung herauszukommen. Der Ausflug hat mein Gehirn erfrischt. Ich lade ihn für die kommende Woche zum Abendessen auf Sissi ein.

Schweinekrustenbraten

Seit Wochen schon bin ich Stammkunde in der Metzgerei Carniceria Central. Bisher habe ich noch keine bessere Bezugsquelle für Fleisch gefunden. Nicht zuletzt haben sie dort sehr gute Preise. Vor zwei Wochen ist mir dort leckerer Schweinebauch aufgefallen. Leider konnte ich kein großes Stück erwerben, wie man es für einen Krustenbraten braucht. Der gesamte Schweinebauch war leider schon in Scheiben geschnitten.

Das Problem ist, dass der Metzger das Fleisch tiefgefroren erhält und schon in gefrorenem Zustand schneidet. Der Chef versprach mir, bei der nächsten Lieferung ein Stück für mich aufzuheben und nicht zu schneiden.

Schweinekrustenbraten mit Semmelknödeln

Jutta hat den Schweinebauch anschließend stundenlang in ihrem Bordbackofen geschmort. Als traditionelle Beilagen wurden Semmelknödel und Kraut gereicht. Lecker! Leider hatten wir kein fränkisches Bier zur Hand, damit hätten wir die Mahlzeit perfekt ergänzen können.

Obwohl wenn ein schöner Krustenbraten nicht im Verdacht steht, ein kalorienarmes Gericht zu sein, hat Jutta den Braten noch um einen Apfelstrudel ergänzt. Wir hatten mal wieder eine ordentliche Fressorgie.

Und warum schreibe ich das alles auf? Ich habe so viel über das Essen geschrieben, dass man beim Lesen schon zunehmen könnte. Ganz einfach: Charly hat eine hervorragende Technik entwickelt, dem Krustenbraten die perfekte Kruste zu verpassen. Das geht im Bordbackofen nämlich nicht. Der Braten würde auseinander fallen, bevor auch nur ein Ansatz von einer Kruste entsteht. Auf Lanzarote erlebten wir Charlys Vorstellung schon einmal, jetzt auf Aruba durfte ich sie wieder sehen. Die Wiederholung war sogar besser als die Premiere. Eine perfekte Kruste.

Besuch beim Baumarkt

Schon lange habe ich mich auf einen Besuch beim Baumarkt gefreut. In Deutschland wie auf Aruba haben die Baumärkte geöffnet. Vor der Tür sind alle zwei Meter Wartepositionen für die Schlange markiert. Vor mir sind vielleicht 10 Menschen in der Schlange, doch bevor ich mich in das Baumarkt-WLAN eingebucht habe, drückt mir schon ein Mitarbeiter einen frisch desinfizierten Einkaufswagen in die Hand. Die wird praktischerweise gleich mit desinfiziert.

Es gelingt mir, metrische Schrauben zu bekommen. Der Mitarbeiter ist zunächst verwirrt, weil mein M12-Bolzen gar nicht zu seinem zölligen Sortiment passt. Ich erkläre ihm, dass das ein europäischer metrischer Bolzen ist und erwarte eine Absage. Doch ich werde zum nächsten Gang geführt und bekomme alles, was ich brauche.

M12

Das Original ist für einen Inbusschlüssel. Aus Erfahrung weiß ich, dass ich die sechskantigen Bolzen auch benutzen kann, schließlich haben wir bei unserer Windfahne schon genug Bolzen verloren. Wenn wir etwas aufpassen, kommen wir damit sicher bis Europa. Dann dürfen wir etwa alle 1000 Meilen einen Bolzen verlieren.

Bei näherem Nachdenken fällt mir auf, dass ich vielleicht besser die doppelte Anzahl hätte kaufen sollen. Der Baumarkt läuft andererseits nicht weg.

Duschkopf

Um das Duscherlebnis auf Sissi noch besser zu machen, habe ich mir einen neuen Duschkopf geleistet. Hier gab es keine Probleme bei den Maßen, denn Armaturen, Schläuche und Duschköpfe sind bei uns auch zöllig.

Es ist toll. Der neue Duschkopf verbraucht viel weniger Wasser und somit kann ich länger darunter stehen bleiben. Das neue Duscherlebnis ist toll, trotzdem werde ich kein Video davon anfertigen.

Pelikan auf Armlänge

Frisch geduscht lässt mich dieser Pelikan auf Armlänge an sich heran. Ich vermute, dass es an der frischen Dusche liegt. Es liegt sicher nicht daran, dass der Pelikan seit Wochen kaum noch Menschen sieht oder dass ich mich ganz behutsam bewege. Er zwinkert nicht einmal mit den Augen.

Statt dessen kann ich die Kamera ganz nah am ausgestreckten Arm zu seinem Auge bringen. Toll.

Auge in Auge

Abtauchen auf Aruba

In unserem Exil auf Aruba geschieht nicht viel. Die Regierung hat den Einreisestopp bis Ende Mai verlängert. Also wird auch in den nächsten Wochen nicht viel passieren. Und doch ist einiges los. Zum Beispiel heute vor der Sissi. Die Ankerkette hängt schon seit über einem Monat im Hafenbecken. Algen und andere Gewächse nutzen sie und wachsen daran. Ich habe die Befürchtung, dass sich die Kette nicht mehr einholen lässt, wenn sie monatelang zugewachsen ist.

Charly hat noch 80 Liter Luft in seiner Tauchflasche. Zu wenig für einen kompletten Tauchgang, zu viel um die Flasche schon nachfüllen zu lassen. Heute kommt er zu Sissi und bürstet mir die Kette wieder sauber. Er bittet mich um ein paar Fotos von der Aktion. Gerne!

Der erste ungewollte Tauchgang ist beendet

Charly fährt das Dinghi an den Steg. Beim Aussteigen rutscht das Heck des Dinghis vom Steg weg und ein erster ungewollter Tauchgang beginnt. Leider bin ich zu langsam, um auch den Dinghispagat mit der Kamera festzuhalten. Ein Schaden entsteht nicht, Charly wollte sowieso tauchen.

Jetzt ein gewollter Tauchgang mit Ausrüstung

Der zweite Tauchgang findet genau in dem Moment statt, den Charly sich ausgesucht hat. Das Dinghi hat keinerlei Mitspracherechte mehr. Ab jetzt läuft alles nach Plan.

Vielen Dank für die Putzaktion

Nun kann ich noch ein paar Bilder machen, bevor Charly unter Wasser verschwindet. In großen Wolken treiben die Algen herum, wenn er die Kette schrubbt. Das hätte ich nicht selbst machen können, dafür ist das Hafenbecken zu tief.

Charly geht auf Tiefe

Das Unterwasserschiff am Wasserpass entlang zu schrubben ist auch ohne Tauchausrüstung einigermaßen möglich.

Während Charly auf Tiefe geht, fällt mir ein, dass ich noch die Gopro an Bord liegen habe. Die befestige ich an einem Bootshaken und kann ein Video davon drehen, wie Charly langsam schrubbend die Kette entlang getaucht kommt.

Mir gefällt, was Charly hinsichtlich des Ankers zu sagen hat. Gut eingegraben ist er. So soll das sein. Um die Elektrolyte in seinem Körper wieder zu ersetzen, bekommt er ein kaltes isotonisches Gerstengetränk. Schön. Vielen herzlichen Dank!!!

Paardenbaai

Schon an unserem ersten Tag in Oranjestad sind uns viele blaue Pferde aufgefallen, die dort scheinbar an jeder Ecke stehen. Wir haben sie in der Fußgängerzone genau so gefunden wie vor dem Parlamentsgebäude oder den Spielcasinos.

Wir haben die Pferde ziemlich wenig beachtet. Immerhin war Oranjestad über mehr als drei Jahrhunderte das Zentrum des Pferdehandels in der Karibik. Der arubanische Künstler Osaira Muyale hat ihnen in den Jahren 2014 und 2015 ein Denkmal gesetzt. Oder vielmehr acht davon. In der gesamten Innenstadt wurden acht dieser Pferde aufgestellt.

Rosalinda

Jedes Pferd hat natürlich einen Namen. Hier sehen wir Rosalinda. Außerdem gibt es noch Saturnina, Bonifacia, Eufrosina, Celestina, Sinforosa, Escapia und Ambrosio. Neben jedem Pferd befindet sich eine Informationstafel, die auf Englisch und Papiamentu über einen Aspekt der Geschichte informiert.

Text zu Rosalinda.

Wem das Lesen des Texts auf Englisch zu anstrengend ist, der kann einfach die Webseite des Projekts besuchen. Dort gibt es die Texte auch auf Englisch, sie lassen sich dann aber sehr einfach mit einem Übersetzungsprogramm im Internet übersetzen.

Der Pferdehandel auf Aruba begann ca. im Jahr 1500 während der spanischen Besetzung der Insel. Die indigenen Völker kannten die Pferde nicht und fanden sie furchteinflößend. Paardenbaai heißt “Pferdebucht”. Das war der frühere Name der Ortschaft, die heute Oranjestad heißt.

Saturnina

Wenn die Pferde mit dem Schiff angekommen sind, wurden sie einfach von den Matrosen ins Wasser geworfen. An strategisch wichtiger Stelle hat man dann andere Pferde platziert, die die Neuankömmlinge an die richtige Stelle des Ufers geleitet haben. Lustige Methode des Löschens lebendiger Ladung.

Bonifacia (vorne) und Celestina

Im Prinzip konnten sich die Pferde auf Aruba frei bewegen, so wie die Esel heute noch auf Bonaire. Sie wurden in mehreren Herden gehalten. Aruba war eine Savanne und Graslandschaft. Bonifacia und Celestina stehen übrigens direkt vor dem Parlamentsgebäude.

Celestina

Unter der Herrschaft der Niederländischen Westindischen Kompanie (1636-1792) war eine der wichtigsten Aufgaben der Kommandanten die Fortsetzung der Pferdezucht. Die gesamte Tierzucht galt als der wichtigste Wirtschaftsfaktor und Pferde als wichtiges Exportgut.

Eufrosina

Die Pferde waren in jener Zeit auch bei den Piraten sehr beliebt. Aruba wurde mehrfach von französischen und englischen Piraten überfallen, eine anständige Festung zur Verteidigung gab es nicht.

Sinforosa

Zwischen 1792 und 1816 war Aruba nicht in niederländischem Besitz, sondern gehörte wechselweise zu Frankreich oder England. Engländer und Franzosen haben sich nicht um die Zucht, sondern vor allem um den Abtransport der Tiere gekümmert. Als die Niederlande es wieder in Besitz nahmen, gab es praktisch keine Pferde mehr. Aufblühen konnte der Pferdehandel auch nicht mehr, denn auf Aruba gab es kurze Zeit später einen Goldrausch.

Escapia

Die Pferde sind übrigens blau, weil der Künstler sie in der Farbe des karibischen Meeres gestrichen hat. Geliefert wurden sie mit Schiffen und durften dann selbst aus dem Wasser an Land steigen. Mir gefällt die Metapher.

Jetzt laufe ich mit anderen Augen durch Oranjestad. Ich bin sehr froh, mich mal um die blauen Pferde gekümmert zu haben.

Ambrosio

Scientology-Kahn hängt auf Aruba fest

Auch wenn Aruba nur klein ist, gibt es jeden Tag etwas zu entdecken. Schon bei unserer Anreise lag die Freewinds im Hafen von Oranjestad. Damals haben wir uns nichts dabei gedacht, schließlich sieht das Schiff aus, wie so viele andere Kreuzfahrtschiffe auch.

Freewinds im Gegenlicht

Aus Langeweile haben wir nachgesehen, um was für ein Schiff es sich hier handelt. Alle Kreuzfahrtschiffe sind abgefahren, nur dieses ist hier geblieben.

Auf Wikipedia konnten wir nachlesen, dass dieses 1968 gebaute Schiff schon seit einer Weile nicht mehr als Kreuzfahrtschiff unterwegs ist. Statt dessen zieht die Scientology Organisation hier ihren Mitgliedern das Geld richtig aus der Tasche. Der Focus hat das Schiff als “Psycho-Liner” bezeichnet. Scientology selbst lobt die “ablenkungsfreie Umgebung”. Jeder Scientologe, der in dieser Kirche nach oben kommen möchte, braucht angeblich den einen oder anderen Aufenthalt hier zur Gehirnwäsche.

Viren finden es prima, wenn viele Menschen auf engem Raum eine längere Zeit miteinander verbringen. Dann können sie sich richtig gut verbreiten. Auch die Freewinds wurde davon nicht verschont, es gab im Jahr 2019 einen Masern-Ausbruch an Bord. Damals lag das Schiff auf St. Lucia in Quarantäne.

So hat die derzeitige Situation auch ihre positiven Seiten. Im Augenblick kocht niemand anderer Leute Gehirne auf der Freewinds zu Matsch. Im Augenblick verursacht der Dampfer nur Kosten. Ich befürchte jedoch, dass Scientology so viel Geld hat, dass sie unbeschadet durch die Krise kommen. Ich würde nicht weinen, wenn der Laden einfach von unserem schönen Planeten verschwindet.

Sieht völlig harmlos aus. Ist brandgefährlich.

Derzeit ist also keine Gehirnwäsche im Angebot. Schmutzige Gedanken sind sowieso viel besser.

Abendessen bei Sonnenuntergang

Ich bin kurz davor, die kitschig schönen Sonnenuntergänge komplett zu ignorieren. Fast jeden Abend gibt es eine Stunde der Farben in allen Gelb- und Rottönen, die die Natur jemals erfunden hat.

Die Stunde der Farben beginnt.

Jeden Abend frage ich mich, was ich den ganzen Tag so geleistet habe. Jeden Abend nehme ich mir eine möglichst unangenehme Arbeit für den folgenden Tag vor. Gestern war es schon wieder Arbeit an der Bilge bzw. der Bilgepumpe. Vorgestern hat die frisch wiederbelebte elektrische Bilgepumpe unter Versendung heftigster Rauchzeichen den Betrieb eingestellt. Mit ein paar Tropfen Sekundenkleber konnte ich wenigstens die Membran der Handpumpe wieder gängig machen. So war die tägliche Dusche gesichert.

Gestern konnte ich dann die kaputte elektrische Pumpe durch ein Ersatzgerät tauschen. Vier Stunden Arbeit mit viel zu kurzen Armen in der viel zu tiefen Bilge. Mir ist so viel Schweiß vom Kinn in die Bilge getropft, dass genug Flüssigkeit für einen Probelauf vorhanden war. Die anschließende Dusche war zwingend nötig und führte zu genug Wasser in der Bilge für einen zweiten Lauf. Merke: Wenn Du das Seeventil der elektrischen Pumpe nicht öffnest, quirlt sie das Wasser nur in der Bilge herum.

Müll am Straßenrand

Aruba hat das öffentliche Leben so weit heruntergefahren, dass nicht einmal mehr die Straßenreinigung betrieben wird. Das macht sich inzwischen deutlich bemerkbar. In der ganzen Stadt sind die Straßen von Müll gesäumt. Da die Restaurants nur noch zum Mitnehmen anbieten, liegen sehr viele Essensbehälter herum.

Müll

Jeden Tag kommt noch ein wenig Müll dazu. Bei jedem Gang zum Supermarkt oder zum Metzger finden sich neue Abfallberge oder Hügelchen. Es wird Zeit, dass das wieder funktioniert. Mein Eindruck ist, dass um so mehr Müll dazu kommt, je mehr schon herumliegt.

Coronamüll

Das Bloggen habe ich in den letzten Tagen heruntergefahren. Es fällt mir schwer, immer neue Facetten unserer Situation zu finden, ohne in der Melancholie zu versinken. Ich habe mir vorgenommen, nur noch positive Beiträge zu schreiben. Angesichts der immer schöner werdenden Umgebung ist das nicht leicht.

Fußgängerzone

Auch die Beschränkungen im Leben nerven mich. Wahrscheinlich gibt es keinen auf diesem Planeten, der nicht genervt ist. Nach 21 Uhr ist Ausgangssperre. Nach 21 Uhr ist die Temperatur aber auch so angenehm, dass man schön mit dem Fahrrad die Strände entlang fahren könnte. Nach 21 Uhr wären ausgedehnte Spaziergänge am Strand ein toller Genuss. Vor Sonnenuntergang sitze ich am liebsten im Salon und gehe der Hitze aus dem Weg. Das ist eine Art freiwillige Ausgangssperre. Nur wenige Leute sind so blöd, bei 32°C im Schatten Bewegung in der Mittagshitze zu suchen.

Wenn am Abend die Sonne untergeht, werden die Temperaturen angenehm und das Leben schöner. Dann finden viele positive Erlebnisse statt.

Sonnenuntergang am 14.3.2020

Abends setzen wir uns fast immer zum Abendessen zusammen. Abendessen ist Nahrungsaufnahme, Abendessen ist aber auch Genuss. Lieblingsgerichte sind erlaubt, ja fast schon Pflicht.

Kartoffelklöße, vor dem Kochen

Natürlich gibt es Hausmannskost, wenn ich koche. Ich hatte Lust auf Gulasch und Kartoffelklöße. Also kaufte ich Fleisch und Kartoffeln. Nach nur wenigen Stunden Arbeit war der Kloßteig aus rohen und gekochten Kartoffeln fertig. Ich war stolz. Dann habe ich Wasser angeheizt, um ein paar Probeklöße zu machen. Langer Rede kurzer Sinn – die hiesigen Kartoffeln sind absolut ungeeignet für Klöße, die Klöße haben sich im Wasser einfach völlig aufgelöst und wurden zu einer Art Kartoffelsuppe.

Ich hatte aber noch so unglaublich viel Kloßteig, den ich nicht wegwerfen wollte. Für Kartoffelpuffer hat sich der Teig super geeignet. Die sind sehr lecker geworden und konnten auch zusammen mit dem Gulasch verzehrt werden. Jutta hat sich fast in den Teller hinein geworfen. Lieblingsgerichte halt.

Kartoffelpuffer

Damit wir nicht so dick werden, hat Jutta für den nächsten Tag ein einfaches, leichtes Gericht versprochen. Ich war gespannt und wurde nicht enttäuscht, wäre aber nie auf die Idee gekommen, das als Abendessen zuzubereiten. Es gab Toast Hawaii. Mit frischer Ananas, keine Ananas aus der Dose. An jener Stelle zeigte sich ein ungewohnter Geschmack, die Dosenananas sind viel süßer.

Toast Hawaii

Es ist schön, wenn man sich das Kochen teilt. Dann ist auch das Abspülen geteilt. Die Chapo hat sogar eine Spülmaschine, die im Augenblick leider kaputt ist. Und auf der Chapo wohnt Ute, die auf beiden Booten schön sauber spült.

Es ist auch schön, dass wir uns nicht den ganzen Tag gegenseitig auf den Geist gehen, sondern uns erst zum Abendessen treffen. Anschließend spielen wir ein paar Runden Karten, schwätzen, lachen und haben eine gute Zeit. Auf diese Weise werden wir mit einem gesundem Geist über die Zeit kommen. Für den gesunden Körper haben wir ja die gute Küche.

Pizzateig (Anfangsstadium)

Für den heutigen Tag hat mir Jutta verboten, ein Dessert anzufertigen. Also mache ich eine Vorspeise. Ich will kleine Pizzahäppchen backen, die dann kalt aus der Hand gegessen werden können. Dazu habe ich einen Pizzateig angesetzt. Das ist kein Dessert.

Wenn Jutta die Finger von der Pizza lässt und nichts davon isst, wird sie auch kein Problem mit ihren Diätbemühungen haben. Ich werde die Pizza aber so lecker würzen, dass Widerstand außerordentlich schwierig sein wird.

Pizzateig (fertig geknetet)

Ein Spaziergang führt mich zufällig an der Metzgerei vorbei. Dort finde ich meine Idee für den Pizzabelag – Chicken Curry. Ich sammele ein paar Hühnerfilets ein, die an Bord klein geschnitten und in eine feine Paprika-Curry-Marinade eingelegt werden. Dazu lege ich noch klein geschnittene grüne Paprika und fertig ist die Mini-Pizza.

Der Pizzateig wächst und gedeiht.

Während der Teig noch geht, mache ich mich an das Schnippeln und Reiben der übrigen Zutaten. Zwiebeln, Knoblauch, Käse. Pizza ist ein tolles Gericht, gerade an Bord dauert die Zubereitung stundenlang.

Zutaten

Anschließend forme ich die Häppchen. Ich habe schon richtig Appetit. Das geht mir immer so, wenn ich Pizza backe. Also werden die Häppchen etwas größer als zunächst geplant.

Minipizza in unterschiedlichen Stadien der Zubereitung

Aus dem Teig bekomme ich vier Bleche mit Minipizzas heraus. Das bedeutet eine Backzeit von insgesamt zwei Stunden. Der Bordbackofen ist leider kein guter Pizzaofen. Besser als bei Dominos werden sie allemal schmecken.

Fertige Minipizzas

Ich freue mich über die Backergebnisse und muss gleich einmal eine Qualitätskontrolle machen. Ich darf nicht zu viel Qualitätskontrolle machen, sonst habe ich nachher keinen Hunger mehr auf die Hauptspeise. Was wollte Jutta kochen? Ich habe es schon wieder vergessen, hatte nur Augen für die Pizza. Ich freue mich schon auf den Abend. Und auf den Sonnenuntergang.

Wird sich Jutta bei der Pizza zurückhalten können? Die Frage werde ich vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft beantworten.

Das Leben auf Aruba ist schön. Wir machen uns einen schönen Aufenthalt. Wir lassen nicht zu, dass wir von Depressionen aufgefressen werden.

Noch eine Minute, dann ist die Sonne weg.

Nachtrag: Jutta hat von der Pizza gegessen. Außerdem hat sie leckere gefüllte Paprika gemacht. Die waren zwar vegetarisch, dafür aber so gut, dass ich noch Nachschlag brauchte. Jetzt bin ich rund gefressen.

Schlechte Pumpe. Gute Pumpe.

Ein paar Tage gab es hier nichts zu lesen. Das liegt nicht daran, dass das Internet hier klemmen würde, sondern daran, dass einfach nichts passiert. Ich möchte nicht dauernd melancholische Beiträge über das Leben in Oranjestad verfassen, sondern reduziere einfach die Zahl der Blogposts. Manchmal passiert ja doch was. Bei 31.5°C und 85% Luftfeuchtigkeit hält Aruba eine Art Winterschlaf.

Bei diesen Temperaturen freue ich mich immer auf die tägliche Dusche. Bis vor ein paar Tagen konnten wir noch die Personaldusche des Hotels benutzen. Jetzt ist diese auch geschlossen und wir duschen auf unseren Booten. Die Dusche auf Sissi ist wenigstens sauber, das war im Hotel nicht so. Dafür ist das Wasser im Hotel immer durch den Abfluss abgelaufen. Auf Sissi landet es in der Bilge, am tiefsten Punkt des Schiffs.

Wir pumpen es immer mit einer rustikalen Handpumpe aus. Ein paarmal den Pumpenhebel bewegen und die Pumpe saugt wieder Luft an. Die elektrische Bilgepumpe benutzen wir nicht, sie hat einen Kurzschluss.

Gummi

Gestern pumpte ich mal wieder das Duschwasser aus der Bilge und wurde dabei nass gespritzt. Das geht gar nicht. Die dicke Gummimembran der Pumpe ist undicht. Das ist eine Katastrophe. Für diesen Gummi haben wir kein Ersatzteil an Bord. Das brauche ich nicht einmal suchen, das weiß ich. Ich zerlegte die Pumpe, um den Schaden begutachten zu können.

Loch

Bei näherem Hinsehen finde ich überall leicht beschädigte Stellen. An einer Stelle ist ein großes Loch zu sehen. Da spritzt das Wasser beim Pumpen mit ordentlichem Druck heraus.

Da stehe ich mit einer Bilge voller Duschwasser und zwei kaputten Bilgepumpen. Die Gummimembran kann ich nicht reparieren. Also zerlege ich die Innenverkleidung von Sissi und suche den Kurzschluss in der Zuleitung zur elektrischen Bilgepumpe. Ich habe einen Verdacht, der sich letztendlich erhärtet. Es ist gut, wenn man sich an den eigenen Pfusch erinnern kann, den man vor knapp drei Jahren verbockt hat. Bisher hatte ich die Arbeit immer gescheut.

Schalter für die elektrische Bilgepumpe

Mit Hilfe der nun funktionsfähigen elektrischen Bilgepumpe wird das Duschwasser in die karibische See befördert. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das auf “Auto” stehenlassen soll. Wenn die Pumpe anspringt, gibt es gleichzeitig einen lauten Alarm. Das könnte auch mitten in der Nacht passieren.

Jens hat nun die Aufgabe, ein Ersatzteil zu organisieren. Zumindest gibt es den Hersteller noch.